mit dem KreisNatt für die Kreise Marburg und Kirckbain
Sonrrtagsbettager Allustrirtes Gonntaasblatt. ** *
Er
162
BMJIIM jaaBXaaBHBMMBBMBMMHHHM—BaBiWbYn ’BTfigiÜMB—BMI
Liertkljährlicher Bezugspreis; bei der Expedition 2 Mk., bet allen Postämtern 2,25 Mk, (excl. Bestellgeld).
JnsertronSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Neclamen: die Zeile 23 Psg.
Marburg
Sonnabend, 14. Juli 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Joh. Nug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerer 41.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55. "»J M H*
Neueste Telegramme.
Berlin, 12. Juli. Der „Staatsanzeiger" veröffentlicht die Gesetze betreffend die Vermehrung der Mitglieder des Hauses der Abgeordneten und die Aenderungen der Landtagswahlbezirke und Wahlorte, sowie betreffend die Abänderung der Vorschriften über das Verfahren bei den Wahlen zum Abgeordnetenhause, beide vom 28. Juli 1906, sowie betreffend die Ergänzung des Gesetzes vom 1. Juni 1882 betreffend Einsetzung von Beztrkseisenbahnräten und eines Landeseisenbahnrates für die Staatseisenbahnverwaltung vom 15. Juni 1906.
Hamburg, 12. Juli. Die Bürgerschaft nahm heute ein vom Senat vorgeschlagenes Gesetz an über die Versorgung staatlicher Angestellten und Arbeiter in bezug auf Alter und Invalidität, das eine mit 200 Mark beginnende Jahresrente -ussetzt.
Rom, 12. Juli. Alle Nachrichten über die Publikation eines neuen vatikanischen Weißbuches über Frankreich werden aus bester Quelle für falsch erklärt, auch alle anderen Meldungen über endlich erfolgte Beschlüffe des Papstes in Sachen des Trennungsgesetzes sind verfrüht. Die Kongregation für außerordentliche kirchliche Angelegenheiten, die die Angelegenheit prüft, ist noch derart im Vorstadium der Arbeiten, daß ihr Sekretär und die vornehmsten Mitglieder ruhig in die Sommerfrische gehen konnten.
Paris, 12. Juli. Das neue Eelbbu'ch über Marokko, das der Minister des Aeußeren dem Parlament vorlegt, enthält nichts Neues. Es gibt den offiziellen Verhandlungsbericht der Konferenz von Algeciras wieder und fügt lediglich die von Nouvier und Bourgeois im Parlament abgegebenen Erklärungen hinzu.
Newyork, 12. Juli. Zwischen Salvador und Guatemala ist der Krieg ausgebrochen. Das erste Treffen war für Salvador siegreich.
Tanger, 12. Juli. Privaten Meldungen aus Fez zufolge soll der Sultan an einer Fistel operiert worden sein und sich bereits auf dem Wege der Befferung befinden. Die Gerüchte über eine ernstere Erkrankung des Sultans, die von der „DöpSche Marocains" wiedergegeben wurden, entbehren jeder Begründung.
Durban, 12. Juli. Messini und Nahlevut- kagimuni, zwei Hauptanführer der aufständigen Zulus, haben sich ergeben.
Das Ende des Dreyfus-Prozesses.
Wie aus Paris vom gestrigen 12. Juli telegraphiert wird, hat der Kassationshof das von dem Kriegsgericht in Rennes gegen Dreyfus ausgesprochene Urteil ohne Verweisung vor ein
19 (Nachdruck verboten.);
Die Kette.
Roman von Hans Schulze.
^Fortsetzung.)
Eine plötzliche Anwandlung von Schwäche überfiel die Gräfin,' einen Moment lang ver- schwammen die langen Bücherreihen vor ihren Augen, verwischten sich die Umriffe von Ulrikes Gestalt.
Doch schon in der nächsten Sekunde war sie wieder Herrin ihrer selbst; mit Aufbietung aller Willenskraft richtete sie sich empor und fajutt hoch aufgerichtet mit Tante Ulrike in das Arbeitszimmer des Barons.
Ein riesiger, gobelinverhangener Raum, gruftkiihl; die breiten Fensterfronten bereits durch schwere Portieren verhüllt.
Auf dem mächtigen Schreibtisch als einzige Lichtquelle die feierliche Flamme einer meterhohen, armdicken Altarkerze in geringeltem römischen Bronzefuß.
Ein weicher Dämmerglanz mit stumpfen Reflexen über die Maserung der Tischplatte und das harte, strenge Renaiffancegeficht eine: Dantebüste spielend.
Dahinter die Wände in geheimnisvollem Halbdunkel, gleichsam zurückweichend in träumerischer Verschwommenheit. . .'.
Ein alter Man hatte sich bei dem Eintritt der Damen langsam aus dem hohen Lutherstuhl vor dem Schreibtisch erhoben.
Ein hageres, überwachtes Antlitz wandte sich der Gräfin zu, als sie sich jetzt zaghaft dem Lichtkreis der Kerze näherte.
Und in demselben Augenblick blitzte es wie eine Vision in ihrem Geiste auf.
Das war derselbe Blick, vor dem sie einst zurückgeschaudert, damals vor fünfundzwanzig Jahren, als der Leutnant Sinderode aus dem Sterbezimmer ihres ersten Gatten getreten war.
anderes Gericht aufgehoben. Ueber die Einzelheiten der letzten wichtigen Sitzung wird noch gemeldet: Die Sitzung des Kaffationshofes wurde kurz nach 12 Uhr eröffnet. Im vollbesetzten Zuhörerraum wohnten die Mitglieder der Familie Dreyfus, Oberstleutnant Picquart und Jules Neinach der Sitzung bei. Der Präsident Ballot-Beaupre verlas unter tiefem Schweigen das ausführlich begründete Urteil, das als neue Tatsachen anführt: 1. das Schriftstück Nr. 371, das sich auf die Ersetzung des Buchstabes P durch den Buchstaben I) bezieht, und das als Beweis für die Unschuld Dreyfus angesehen worden ist. 2. Das Schriftstück Nr. 26 über die Organisation der Eisenbahnen, deffen Datum nach dem Prozeß Zola von Oberst Henry eingefügt worden ist. 3. Das Konzept des Admirals Bayle. Der Kassationshof ist der Ansicht, daß diese Tatsachen die Unschuld Dreyfus dartun. Er erklärt ferner, es stehe fest, daß das Bordereau von Esterhazy geschrieben worden ist und daß die Anklage, soweit sie sich auf das Bordereau bezog, nur auf Hypothesen beruhte. Ueberdies wurden vor der Verhaftung Dreyfus mehrere Spionage- und Landesverratsvsrbrechen begangen, an denen Dreyfus erwiesenermaßen unschuldig war.
Das Urteil erklärt nach all diesen Voraussetzungen, daß von der gegen Dreyfus erhobenen Anklage nichts bestehen bleibe, was als eine Belastung angesehen werden kann. Das Gericht erkennt infolgedeffen, daß das Urteil des Kriegsgerichts von Rennes durch Irrtum und zu Unrecht ergangen ist und ohne Verweisung vor ein neues Kriegsgericht annulliert wird. Das Urteil nimmt davon Kenntnis, daß Dreyfus auf die ihm zustehende Entschädigung verzichtet hat, es verfügt den öffentlichen Anschlag des Urteils in Paris und in Rennes, ferner die Insertion im „Journal officiel", sowie in fünf Zeitungen. Außerdem wird Dreyfus das Recht zugesprochen; das Urteil in weiteren fünfzig Pariser und Provinzzeitungen auf Kosten des Staates einrücken zu lasten.
Das Urteil des Kastationshofes wird nirgends Ueberraschungen Hervorrufen. Nicht einmal in Paris, wo keine Kundgebungen stattgefunden haben. Man betrachtet es allgemein als die endliche Lösung einer moralisch schon lange entschiedenen Streitfrage. Die Vorgeschichte des Prozestes, der vor Jahren die ganze Welt in Atem hielt, ist bekannt. Am 22. Dezember 1894 wurde Dreyfus verurteilt, im Januar 1895 degradiert und nach der Teufelsinsel gebracht. Ein Jahr später wurden die ersten im Prozeste begangenen Unregelmäßigkeiten ifnb Fälschungen aufgedeckt, und der Feldzug zur Wiederherstellung der Unschuld Dreyfus begann. Im Oktober 1898 wird die Revision des Prozestes beschlosten. Im August 1899 verurteilt das Kriegsgericht in
In plastischer Deutlichkeit stand ihr die Szene plötzlich wieder vor der Seele.
Das gelbe, summende Licht in dem schmalen, engen Entree; die schwere Luft eines fensterlosen Raumes, heute noch erstickend geschwängert mit scharfem Karbol- und Jodoformgeruch.
Den ganzen Tag hatte ein Mann den Kampf mit dem Tode gekämpft, ein Mann, dem einst ihre heißeste Mädchenleidenschaft gehört und den sie dann über alles hasten und verachten gelernt hatte.
Gegen Abend endlich waren die verworrenen Schmerzensrufe, die stöhnenden Laute stiller geworden, vor denen sie sich durch die ganze Zimmerfront wie hilfesuchend zu ihrem schlummernden Knaben geflüchtet hatte.
Und als dann kurz vor Mitternacht die alte Kinderfrau mit der Nachricht des Endes zu ihr geschlichen war und sie sich scheu in das Entree gewagt hatte, um den Oberstabsarzt noch einmal zu sprechen, da war der Leutnant Sinderode, der seit dem frühesten Morgen nicht von der Seite des todwunden Kameraden gewichen, wortlos, grußlos an ihr vorbeigegangen.
Nur in dem Blick seiner Augen hatte eine Welt von Anklage, von vernichtender Verachtung gelegen.--—
„Ich begrüße Sie im Schloß Sinderode, Cousine Ruth!"
Der harte Klang eines knarrenden Organs riß die Gräfin wieder in die Gegenwart.
Mit einer leichten Bewegung der Rechten lud sie der Baron ein, auf einem Sessel am Schreibtisch Platz zu nehmen; dann winkte er seiner Schwester, das Zimmer zu verkästen.
Ein letzter ermutigender Händedruck Ulrikens.
Sie waren allein.
„Ein Menschenalter beinahe ist dahingegan- gen, daß wir uns nicht mehr gesprochen haben!" begann der Baron endlich nach lastendem Schweigen und schaute mit verlorenem Blicke in das schlanke Licht der hohen Kerze. „Fünfundzwanzig Jahre sind eine lange Zeit!" ,
Nennes Dreyfus von neuem, jedoch unter Zubilligung mildernder Umstände und Aufrechnung der Haft auf der Teufelsinsel. Im September erließ das Ministerium Waldeck-Rousteau eine allgemeine Amnestie. Im April 1903 werden neue Enthüllungen gemacht, die eine Revision des Urteils von Rennes rechtfertigen. 1904 erklärte der Kassationshof die Revision für zulässig und ordnete eine neue, gründliche Untersuchung an. In den letzten Wochen gelangte sie zum Abschluß und die Verhandlungen begannen am 15. Juni dieses Jahres. Gestern erfolgte der Freispruch des unschuldig Verurteilten.
Der Prozeß bleibt, wenngleich sich seit 1899 vieles geändert hat und das Jntereste an der ganzen Sache nur mehr ein rein juristisches war, eine historische Denkwürdigkeit. Der Name des unbekannten, an sich gleichgiltigen jüdischen Generalstabsoffiziers hat diesem Kampf ums Recht feine Signatur aufgedrückt. Eine bestimmte Epoche der inneren französischen Politik ist damit zum Abschluß gelangt. Das Urteil des Kastationshofes bedeutet einen Erfolg des jetzigen Regimes über seine Feinde im nationalistischen Lager. Für die übrige Welt galt Dreyfus schon längst als unschuldig und mit Genugtuung wird man jetzt von der Tatsache Kenntnis genommen haben, daß das Recht den Sieg davon getragen hat. Causa finita est. —s.
Zur Lage in Rußland.
Sewastopol, 12. Juli. Der Admiral Tschuch- nin, auf den (rote bereits mitgeteilt) von einem Matrosen ein Mordanschlag verübt wurde, ist nachts, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, gestorben.
Petersburg, 12. Juli. Als gestern vormittag der von einem Schreiber und einem Wächter ve- gleitete Unterzahlmeister Gasperowitsch im Gebäude der Großen Admiralität mit einer 25 000 Rubel enthaltenen Geldtasche eine Treppe hinabstieg, gaben mehrere Personen Revolverschüste auf ihn und seine Begleiter ab, durch die er und der Wächter am Kopf verletzt wurden. Die Angreifer nahmen dann die Tasche fort, die Easpe- rowitsch entfallen war, und verschwanden.
Petersburg, 13. Juli. Die „Birshewija Wjedomosti" meldet, daß der Wegebauminister General von Schaufuß einem bekannten Großindustriellen mitteilte, das gesamte Ministerkabinett werde noch im Laufe dieser Woche seinen Abschied einreichen. Im Kaukasus soll die Statthalterschaft in zwei Eeneral-Eouverne- ments geteilt werden.
Warschau, 12. Juli. Bis heute Mittag war die Ruhe nicht gestört. Fast alle jüdischen Läden find geschlosten. Der Verkehr ist gering. Die Erregung hat gestern bis spät in die Nacht angehalten. Tausende von Juden haben die Stadt mit der Eisenbahn und mit Dampfern und zum
Er hielt einen Augenblick inne und legte die Hand auf die Stirn, gleichsam, als suche er dort das Heer der Erinnerungen zu bannen, zu sammeln.
„Ich sehe Sie, als ob es heute oder gestern gewesen wäre, wieder in voller Schönheit vor mir, auf jenem Ballabend an Kaisers Geburtstag, als Sie eben aus der Pension zurückgekehrt waren und zum ersten Male in den Kreis unseres Regimentes eintraten. Acht Tage danach schon gingen die goldgeränderten Anzeigen in die Welt hinaus, daß sich Fräulein Ruth Dirk- sen mit Herrn Rittmeister Georg von Stetten verlobt habe!"
Die Gräfin rückte unruhig auf ihrem Sestel.
„Ich weiß nicht," sagte sie dann unsicher, „was diese Erinnerung mit unserer Unterredung zu tun haben könnte!"
Der Baron erhob abwehrend die Hand.
„Ich kenne den Zweck Ihres Besuches, Gräfin, und wir werden ihn noch ausführlicher zu behandeln haben! Verzeihen Sie, wenn bei Ihrem Anblick die Vergangenheit in mir wieder so mächtig geworden ist, daß sie mir Worte auf die Lippen gedrängt hat, die vielleicht bester ungesprochen geblieben wären!
„Sehen Sie," fuhr er nach abermaliger kurzer Pause mit seiner gedämpften, eintönigen Stimme fort, „ich habe in Ihrem Leben wahrscheinlich nur eine ganz geringe Rolle, vielleicht gar keine gespielt! Sie haben niemals auf den einsamen, unscheinbaren Menschen geachtet, der abseits von den übrigen stand und nur von ferne zu Ihnen aufzublicken wagte? Und doch bin ich Ihnen einst näher gewesen, als all diese anderen, denn ich kannte das Elend Ihrer ersten Ehe bereits zu einer Zeit als Sie nach außen hin noch den Schein des Glückes aufrecht zu erhalten vermochten! Ich wußte, was sie litten, und ich litt mit Ihnen, weil — ich Sie liebte!
Sie lächeln innerlich vielleicht über dies späte Geständnis eines alten Mannes? Seien Eie überzeugt, ich habe mich auch mit Liebe
Tml auch zu Wagen verlosten. Am späte« Abend veranstalteten die jüdischen Zeitungen Extraausgaben, die auf Grund von Versiche- rungen des Oberpolizeimeisters die jüdische $et völkerung beruhigten.
Alexandropol, 12. Juli. Wie amtlich mit« geteilt wird, entstanden in der hiesigen Sappeur« brigade Unruhen infolge des Gerüchts, daß di« in Tiflis abgeurteilten Soldaten des Regiments Mingrelien angekommen wären, damit sie hier hingerichtet würden. Der diensthabende Offizier, welcher die Mannschaften zu überreden versuchte, die Gewehre stehen zu lasten, erhielt mit einem Kolben einen Schlag ins Genick. Herbeigerufene Truppen entwaffneten ohne Blutvergießen dis Meuterer, die, als sie einsahen, daß das von Agitatoren verbreitete Gerücht falsch war, sich völlig beruhigten. Eine Anzahl von ihnen wurde verhaftet. •
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Juli. '
— Seine Majestät der Kaiser hörte gestern, wie aus Tromsö berichtet wird, einen kriegs« geschichtlichen Vortrag. Das Wetter ist naß und kalt. An Bord ist alles wohl. Mittags wurde die Weiterfahrt nach Hammerfest angetreten.
Offiziös wird mitgeteilt, dem Reichstag werde bei seinem Zusammentritt am 13. November oder unmittelbar darauf eine Reihe von Gesetzentwür
fen vorgelegt werden, die teils bereits fertig find, teils unmittelbar vor ihrer Vollendung stehen. Die „V. P. N." bezeichnen als bereits fertig gestellte Entwürfe den Entwurf Über dis Verleihung der Rechtsfähigkeit an Berufsvereine sodann die Novelle zum Börsengesetz und bett Gesetzentwurf über bie Forberungen bet Bau« hanbwerker; in Vorbereitung seien bie Novelle zum Viehseuchengesetz, bet Entwurf über bie Regelung bes Geheimmittelroesens, einige sozialpolitische Entwürfe, ber Entwurf über ben Schutz der Heimarbeiter im Tabakgewerbe, der bereits dem preußischen Staatsministerium Vorgelegen hat, einige Versicherungsentwürfe, die Novelle zum Gesetz über die Untersuchung der Seeunfälle, über die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes, auch Steuerentwürfe, insbesondere der über die Neuregelung ber Maischbottichsteuervergütung. An neuen Arbeiten wirb es bent Reichstage also nicht fehlen.
— Die aktive Schlachtflotte tritt, nach einer Privatmeldung aus Kiel ihre Julireise'nach norwegischen Häfen und daran anschließend nach ber Nordsee am 16. Juli durch den großen und kleinen Belt an. Der Aufenthalt in den norwegischen Häfen wird vom Sonnabend, den 2L bis Montag, den 23. Juli und vom Freitag, den 27. Juli bis Mittwoch, den 1. August währen. Vom 21. bis 23. Juli werden „Kaiser Wilhelm II.", „Wittelsbach", „Zähringen", „Meck-
L = J
abgefunden, wie überhaupt mit den Dingen dieser Welt! Ich habe niemals wieder Ihren Weg zu kreuzen versucht, im Gegenteil, von meiner Seite ist alles geschehen, um eine Berührung zu vermeiden, die mir diesen traurigen Abschnitt meines Lebens jemals von neuem ins Gedächtnis zurückrufen könnte. Denn mit jener schrecklichen Katastrophe hab' ich auch noch etwas anderes verloren, den einzigen Freund, den ich je auf der Welt besessen!
Der Mensch kann vieles ertragen? Ich sah die Liebe aufkeimen zwischen Ihnen und dem Manne, ber einst mein Freunb war! Ich sah, wie Sie mich verschmähten, in Ihrem Leide mich vielleicht gar nicht bemerkten! Denn Sie verlangten nach etwas anderem als dem Trosts der das einzige war, was ich Ihnen bieten konnte!"
Ein bitteres Lächeln trat auf feine schmale« Lippen.
„Sie suchten Entschädigung und Sie fanden sie — bei Eberhard Lohns! —
Die Dinge nahmen den gewohnten Verlauf! Eines Tages standen sich zwei Männer mit den Waffen in der Hand gegenüber und der Abend dieses Tages machte sie zur Witwe. Sie waren, was Sie ersehnt hatten: Sie waren frei! Ein Wortwechsel im Kasino war als der Grund des Duells vorgeschoben worden; doch der Mund des Sterbenden blieb nicht stumm. Im Angesicht des Todes flüsterte er eine Anklage gegen die beiden Menschen, die mit bisher die teuersten auf der Welt gewesen waren! Er riß ihnen die Maske ab, er zeigte sie in ihrer ganzen erbärmlichen Schwäche, daß der Freund, auf besten i Treue ich Felsen gebaut, nicht Halt gemacht hatte vor der Ehre des Hauses, das ihm so oft Gastfreundschaft gewährt, daß bie Frau, bie ich als Dulderin verehrt, nichts anderes geroefen war als eine ganz kleine konventionelle Sün-> berinl“ — i
> 5 > Fortsetzung folgt.) j