Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdrucker« 41.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55. u
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■ mit dem Kreisv^att für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Zweites Blatt.
Neueste Telegramme.
Berlin, 11. Juli. Soviel verlautet, ist der Eindruck, den man hier von dem Text des zwischen Italien, Frankreich und England verein- harten Abkommens über Abessinien gewonnen hat, ein durchaus günstiger. Es ist nichts darin enthalten, was unfern wirtschaftlichen Interessen entgegensteht. Was insbesondere die Regelung der Eisenbahnfrage betrifft, so wird man daran festhalten können, daß dem deutschen Handel sein Anteil an der Erschließung Abessiniens wie anderen Ländern gewahrt wird.
Berlin, 10. Juli. Die „Kreuzztg." schreibt in einer Polemik gegen ein hiesiges Blatt anläßlich der Auszeichnung des Kultusministers: Wie hoch Fürst Bülow selbst das Verdienst dieses Ministers schätzt, erhellt aufs deutlichste daraus, daß et Lei Seiner Majestät die höchste preußische Ordenrauszeichnung für ihn beantragt hat.
Hagen, 11. Juli. Nach den bis um 10% Uhr gestern Abend vorliegenden Meldungen wurden hei der Rsichstagsstichwahl im Wahlkreise Altena - Iserlohn abgegeben für Regierungsrat Klocke (Zentrum) 13 449, Haberland (Soz.) 14 747 Stimmen. Etwa 7000 Wähler enthielten sich der Stimmabgabe. Der Sozialdemokrat Ha- berland ist somit gewählt.
Karlsruhe, 10. Juli. Die zweite badische Sammer lehnte mit allen gegen sechs Stimmen die Forderung von hunderttausend Mark für Wiederherstellung des Otto Heinrich-Baues des Heidelberger Schlaffes ab.
Athen, 10. Juli. Aus Saloniki wird telegraphiert: In Veleze drangen am 7. Juli drei Bulgaren in die Klinik des griechischen Arztes Louys, den sie durch Revolverschüffe schwer verletzten. Louys wurde nach Saloniki gebracht, wo er hoffnungslos darniederliegt. Am 8. Juli machte in Jenidje ein Bulgare den Versuch, den vornehmen Eriechen Hadji Gheorghion mit einem Messer zu erstechen. Durch diese Vorfälle wurden die griechischen Kolonien in Jenidje, Veleze, Uesküb und Saloniki in große Aufregung versetzt.
Jerusalem, 10. Juli. Während des letzten Monats war die Zahl der nach Palästina kommenden Inden sehr groß. Vor einigen Wochen landeten in Jaffa 5000 jüdische Einwanderer aus Rußland. Sie werden sich in der Ebene von Scharon um die Städte Ramleh und Lydda nie- derlaffen und auch in anderen jüdischen Kolonien der SeekM" entlang.
17 (Nachdruck verboten.)
Di"» Kette.
: Roman von Hans Schulze.
(For^ehnng.)
Die bevorstehende Unterredung mit dem Baron Sinderode stand dauernd in dem Mittelpunkt ihres gesamten Denkens. Was würde der Nachmittag, den sie zu diesem Besuche ausersehen, an Ueberraschungen bringen? Ungeachtet aller Festigkeit und Entschloffenheit beschlich sie doch zuweilen ein Gefühl unbestimmter Angst und Kleinmütigkeit.
Dann wieder zwang sie sich absichtlich ganz in die andachtvolle Stimmung ihrer Umgebung.
Bor ihr der reichgeputzte Altar mit seinen Wachslichtern und gestickten Decken und dem etwas ungeschickten, buntbemalten Holzrelief der Mutter Gottes.
Ueber die sauber gefegten Steinfliesen des Fußbodens spielten ein paar verirrte Sonnenstrahlen.
Dann und wann fuhr zwitschernd eine Schwalbe an den Fenstern vorbei.
Eine lautlose Stille herrschte in dem menschengefüllten Raum, den das klare, volltönende Organ des Pfarrers bis in seine äußersten Ecken ausfüllte.
Der Gottesdienst hatte geendet.
Noch einmal rauschte der Gesang wie ein Gleßbach auf, der schäumend über Klippen stürzt.
Dann wurden die Türen weit geöffnet, eine breite Sonnenglut brach wie mit befreiendem Glanze herein.
Ein letztes, kurzes Gebet, die Männer über das Innere ihrer Hüte, die Frauen über die gefalteten Hände geneigt, und die Bankreihen begannen sich langsam zu leeren.
Die Einheit Oesterreich-Ungams und die mittel-europäische Wirtschafts- Politik.
Es ist ein unbegründeter Pesiimismus, wenn man in Deutschland so oft mit Sorgen von dem nahe bevorstehenden Zerfall Oesterreich-Ungarns spricht. In Oesterreich hat erst jüngst die Bildung des Kabinetts Beck gezeigt, daß der Gedanke einer Verständigung unter den Nationalitäten sich allmählich emporzuringen beginnt, und daß die ungarische „Unabhängigkeitspartei" heute bei einer Politik auf der Basis von 1867 sich so wohl fühlt wie nie zuvor, zeigten die jüngsten Delegationsverhandlungen zur Genüge. Die Gründe für den festen Fortbestand des großen Donaureiches sind in der Tat doch viel zu tief im Boden eingewurzelt, als daß etwa ein Wechsel auf dem Throne sie verwehen könnte. Mehr noch, auch wenn, was unwahrscheinlich genug ist, einmal ein Träger der Krone den Reichsgedanken fallen ließe, so bliebe ihm ein Faktor im Lande dennoch allezeit treu, und gerade der Faktor, der im 20. Jahrhundert der stärkste sein wird: die große Lebensader des habsburgischen Reiches, der Donaustrom. In der Tat, die Donau ist es, die Oesterreich und Ungarn trotz aller nationalen Unterschiede untrennbar zusammenklammert, die sie aneinander feffelt mit derselben Naturnotwendigkeit und derselben Na- turkrast, mit der in Europas Norden das unwegsame Eisgebirge Skandinaviens die stammverwandten Völker von Schweden und Norwegen voneinander scheiden mußte. Solange die Fluten der Donau noch von Wien nach Ofenpest zu Tale gleiten und solange Alpen und Karpathen noch ihren festen Ring um die Donauebenen von Linz bis Szegedin schlingen, solange können diese hadernden Deutschen, Slawen und Madjaren trotz aller Unabhängigkeitsprogramme nicht voneinander los. Wie wenig achtet doch der Verkehr, der täglich do- nauauf- und abwärts flutet, auf die Erenz- pfähle von Preßburg! Und wie kleinlich erscheint neben diesem Jahrtausende alten Handelswege im Donautale jener künstliche Bergpfad, auf dem die Madjaren seit etlichen Jahrzehnten aller Natur und Vernunft zum Trotz ihre Handelsgüter zum Meer schaffen wollen: die Bahn von Pest nach Fiume! Eine eingleisige Eisenbahn, die mühsam über menschenleere Kalkgebirge zu der unwirtschaftlichsten Küste Europas niedersteigt — das sollte der Weg sein, auf dem der Weizen und das Vieh des Alfölds sich den Weltmarkt erobern?
Die madjarischen Politiker tun unrecht an ihrem Lande, wenn sie aus nationalem Chauvinismus die Augen vor den Tatsachen der Natur und der Geschichte verschließen. Wie die Natur den Früchten ungarischer Landmanns-
Eräfin Ruth hatte gleich nach Schluß der Predigt ihren Kirchenstand verlaffen, um im Halbdunkel der Sakristei die Sinderoder Damen zu erwarten.
Sie war kaum in den kleinen Raum eingetreten, als sich auch schon hinter ihr die Tür öffnete und Tante Ulrike mit Käthe auf der Schwelle erschien.
„Hier, liebste Ruth, bringe ich dir den kleinen Bösewicht!" begrüßte sie die etwas echauffierte, rundliche Dame und schob die Nichte mit einem freundschaftlichen Stoß ganz in die Sakristei hinein. „Der gute Haffelbach hat sich wieder einmal recht reichlich über die Beteiligung des lieben Gottes am Ernteausfall ausgelaffen!"
„Tante Ruth!"
Mit ein paar schüchternen Schritten war Käthe auf die Gräfin zugetreten und beugte sich zum Kuffe über die ihr freundlich darzebotene Hand.
Doch ehe sie ihre Lippen auf die schmalen Finger drücken konnte, hatte sie Ruth in ihre Arme geschloffen und küßte sie herzlich auf Mund und Augen.
„Also so sieht meine künftige, kleine Schwiegertochter aus!"
Mit einem warmen Blick sah sie Käthe in das errötende Gesicht, dann preßte sie die bebende, junge Gestalt, bereit Herz sie ängstlich an ihrer eigenen Brust schlagen hörte, in plötzlicher Aufwallung fest an sich; sie fühlte, daß sie dies Mädchen wie ein eigenes Kind zu lieben vermögen würde.
„Wenn ich bitten darf, Herrschaften," drängte jetzt Tante Ulrike in scherzendem Tone, um die schnell bei ihr einsetzende Rührung nicht aufkommen zu laffen, „kürzt die Familienszene in diesem geweihten Raum etwas ab, sonst kriegt ihr es noch mit der hohen Geistlichkeit zu tun? Geht nur immer auf den Kirchhof voraus, wenn
arbeit den offenen Weg nach Wien und Regensburg geschenkt hat, so weist die Geschichte, die politische der Vergangenheit, die nationale der Gegenwart, die wirtschaftliche der Zukunft, unzweifelhaft auf möglichst engen Anschluß der Donaulande an Deutschland. Um von der Vergangenheit zu schweigen — wer gehört in der Gegenwart mehr zusammen als Deutsche, Madjaren und Rumänen, denen von Norden und Nordosten wie von Süden und Südwesten die gleiche slawische Flutwelle droht? Und um der wirtschaftlichen Aufgaben der Zukunft zu gedenken — drängt nicht alles hin auf die Bildung großer, geschloffener, sich selbst genügender Wirtschaftsgebiete? Was Rußland und die Union mit ihren weiten Räumen von Natur sind, was für die Briten der Imperialismus soeben zu schaffen am Werk ist, das kann auch in einem geeinten Mitteleuropa entstehen, wenn Deutschland mit den beiden Donauländern Oesterreich-Ungarn und Rumänien sich zu einem Wirtschaftsbunde zusammenschließt. Und er wird kommen, dieser mitteleuropäische Wirtschaftsverein, er wird kommen, weil er kommen muß, weil ohne ihn die drei großen Wirtschaftsmächte am Weltmeer die viel kleineren Staaten Mitteleuropas einzeln rettungslos erdrücken würden. Hier liegen, wie kundige Männer längst erkannten, die Aufgaben und Ziele für jede künftige Wirtschaftspolitik in Mitteleuropa.
Wie klein und wie weltfremd erscheint es angesichts dieser Situation, wenn eben jetzt das gesamte politische Ungarn glücklich ist über seinen neuen „selbständigen ungarischen Zolltarif" als die „Grundlage der zukünftigen wirtschaftlichen Selbständigkeit Ungarns"! — Worte der Kritik sind hier überflüffig. Zurzeit Deaks und des älteren Andraffy war man auf dem „ungarischen Globus" wirklich etwas weitsichtiger!
Umschau.
Gemeindesteuern.
Ueber die im Jahre 1905 erhobenen direkten Gemeindesteuern in den preußischen Großstädten mit mehr als 100 000 Einwohnern gibt eine Arbeit von Dr. Tetzlaff in der „Zeitschr. des kgl. Statist. Bur." folgende Zusammenstellung:
Unter den 26 Großstädten sind zwei, Frankfurt a. M. und Altona, in denen eine besondere Gemeindeeinkommensteuer eingeführt ist, während in den übrigen die Eemeindeeinkominen- ftcuer in Form von Zuschlägen zur Staatsein- kommenfteuer erhaben wird. Frankfurt a. M. hat eine progressive Einkommensteuer, bei der die Einkommen von 901 bis 3000 Jt mit 73.5 v. H. der staatlich veranlagten Beträge, die von 10 501 J( an mit 105 v. H. herangezogen w reden. In Altona werden die niedrigen Einkommen verhältnismäßig viel stärker belastet als die hohen. Der fingierte Normalsatz der Einkom-
ihr euch noch etwas zu sagen habt! Ich komme mit Papa Haffelbach nach!"
Arm in Arm traten die beiden Frauen aus der Sakristeitür und schritten langsam die schmucklosen Eräberreihen zum Pfarrgarten hinab.
Noch war Georgs Name nicht zwischen ihnen gefallen, und doch fühlten sie es beide instinktiv, daß sie mit all ihren Gedanken bei ihm weilten.
Die Vormittagssonne lag warm auf den gelben Kieswegen, breitflügelige Wespen umkreisten mit surrendem Summen die bunten Feldblumen, mit denen liebende Hände hier und da die letzte Ruhestätte eines Anverwandten nach ihrem einfachen Vermögen geschmückt hatten.
Zuweilen rauschte es in den Lindenkronen des Pfarrhofes leise auf; wie eine große friedvolle Stille schien es von dem schimmernden, lichtdurchzitterten Sommerhimmel herabzusinken —
Da blieb die Gräfin plötzlich stehen und legte den Arm liebevoll um die schlanke Gestalt der Nichte.
„Ich bin heute nicht umsonst in die Kirche gekommen, Käthe! Ich wollte dich treffen; denn ich muß dich sprechen, ehe ich mich nachmittags mit deinem Vater auseinandersetzen kann! Willst du darum eine ernste Frage offen und ohne Rückhalt beantworten?"
Das Mädchen senkte den Kopf; sie fühlte, wie ihr abermals ein verräterisches Rot glühend in die Schläfen stieg.
„Ja!" sagte sie dann ganz leise.
Die Gräfin hatte sich auf einer alten, aus knorrigen Aesten zusammengezimmerten Bank dicht am Ausgang des Kirchhofs niedergelassen und zog die Nichte zu sich in die unbequeme Höhlung der Seitenlehne herab.
menfteuer von 4420 bis 660 M wird mit 315 v. H. zur Eemeindeeinkommensteuer herangezogen, bei den Einkommen von mehr als 900 M beträgt der Steuersatz nur noch 140 v. H. des staatlich veranlagten Steuersolls. Von den 26 Städten mit Zuschlägen zur Staatseinkommensteuer haben fünf einen Zuschlag von 100 v. H. für die Berlin, Eharlottenburg, Schöneberg, Kassel und Wiesbaden; dann folgen Rixdorf mit 120 v. H., Hannover mit 125 (außerdem noch 12 o, H. Provinzialsteuer), Köln mit 130, Aachen mit 135, Breslau mit 136, Halle mit 138, Stettin, Düffeldorf und Magdeburg mit 140, Posen mit 170, Kiel, Krefeld und Duisburg mit 180, Danzig mit 188 (dazu 17 v. H. Wohnungssteuer), Bochum mit 190, Gelsenkirchen mit 195 Königsberg, Essen, Dortmund und Barmen mit 200 und Elberfeld mit 215 v. H. In 19 Großstädten (Berlin, Köln, Frankfurt a. M., Düffeldorf, Eharlottenburg, Effen, Caffel, Schöneberg und Wiesbaden) haben die Gemeinden von der Befugnis, auch die von der Staatssteuer befreiten Einkommen von nicht mehr als 900 <M. zur Gemeindesteuer heranzuziehen, nicht Gebrauch gemacht, sodaß in ihnen diese niedrigen Einkommen gemeindesteuerfrei bleiben; in Barmen werden sie nur zum halben Prozentsatz der höheren Einkommen herangezogen. Grundsteuer wird von den Gemeinden nur in sechs Großstädten, Hannover, Danzig, Gelsenkirchen, Bochum und für gewiffe Stadtteile in Dort« nund und Krefeld zum Satze von 150 bis 230 v. H. erhoben. Eine Eebäudesteuer ist nur in 5 Städten, nämlich in den obigen, abgesehen von Hannover, zum gleichen Satze eingeführt. Gewerbesteuer erheben alle Großstädte, abgesehen von Köln, Frankfurt a. M.. Hannover, Effen, Halle und Kiel. Der Eewerbesteuerzu- schlag ist am niedrigsten in Eharlottenburg und Kiel mit 100, am höchsten in Gelsenkirchen mit 240 v. H. Berlin erhebt 100 v. H.
Eine Betriebssteuer haben alle Großstädte außer Effen und Dortmund. In Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., Stettin, Eharlottenburg, Altona und Caffel betrüg t die Betriebssteuer nur 100 v. H., dagegen in Königsberg, Elberfeld, Barmen und Bochum 200 und in Gelsenkirchen sogar 240 v. H.
Zur Hebung des Kurses der Reichsund Etaatspapiere
macht die „Kreuz-Zeitung" eh.'tn bemerkenswerten Vorschlag. Von der richtigen Beobachtung ausgehend, daß der kleine Mann Abneigung vor der Geschäftsverbindung mit einem Bankier wegen der Kosten der Schriftlichkeit des Verkehrs rc. empfindet und deshalb seine Er- sparniffe lieber den Sparkaffen anvertraut, anstatt Reichs- und Staatspapiere zu kaufen, macht die „Kreuz-Ztg." zur Erweiterung des Marktes dieser sichersten Wertpapiere folgenden Vorschlag: Alle öffentlichen Kaffen sollen verpflichtet werden, schriftliche oder mündliche Bestellungen auf Reichs- und Staatspapiere auch für kleinste Stücke kostenlos entgegenzunehmen und entweder ohne jede Vergütung oder für ein kleines Entgelt auszuführen. Dieser Gedanke ist nicht übe?
„Sieh, Kind," begann sie bann, „ich weiß von Georg, wie es um euch beide steht! Georg ha? mit versichert, daß diese Liebe die erste wahrhafte seines Lebens sei, und daß er niemals von ihr laffen würde! Ich kenne meinen Jungen, und ich glaube ihm; hast du, Käthe, dich denn aber ebenso schon einmal ehrlich über die Tiefe deiner Empfindungen geprüft? Wird diese Neigung auch imstande fein, wenn ernstere Fragen, wenn Prüfungen an sie herantreten, sich zu behaupten? Noch weiß ich nicht, welche Zukunft eurer Liebe bevorsteht, ob sie vielleicht schweren Anfechtungen und Stürmen entgegengeht!"
Wie ein Leuchten zuckte es über Küthes Gesicht, in der noch die Erinnerung an die nut kurze Zeit zuvor durchlebte Liebesstunde voll mächtiger Bewegung nachzitterte.
„Ich ließe Georg über alles, und ich wüßte nicht, wie ich mein Leben weiter tragen foflte wenn er mir plötzlich genommen würde. ich liebe ihn, weil ich muß, aus dem innersten Drang meines Herzens heraus! Das fühle ich, mehr kann ich nicht sagen!"
„Und wenn nun dein Vater dieser Verbindung seine Zustimmung verweigerte?"
„Ich hoffe nach dem, was mir Tante Ulrike gesagt hat, daß zwischen dir und Papa eine Verständigung zu ermöglichen sein würde. Sollte er aber dennoch unerbittlich bleiben, so.wäre ich zum ersten Male in meinem Leben, wie schwer es mir auch ankäme, gezwungen, ihm ungehorsam zu sein? Ich bin in drei Jahren mündig und dann in meinen Entschlüssen unabhängig Ich kann nicht einsehen, daß der Wille eine* Menschen, auch wenn er mein Vater ist, berechtigt sein soll, mir bas zu wehren, was ich als bas Glück meines Lebens erkannt habe."
Sie hatte sich bei ben letzten Worten iit leidenschaftlicher Erregung höher ausgerichtek