mit -em Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntaasblatt. *
M 158
Vierteljährlicher Bezugspreis; bet der ErpÄüion 2 AL, bc» allen Postämtern 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld).
Jnserttonsgcbühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg.
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Marburg
Dienstag, 10. Juli 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Lmck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniverfttLtS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
41. Jahrg.
Neueste Telegramme.
Berlin, 7. Juli. In dem Strafverfahren gegen die zwei Beamten der Kolonialabteilung Götz und Schneider ist jetzt auch der verantwortliche Redakteur der „Freisinnigen Zeitung" als Zeuge vor dem Untersuchungsrichter vernommen worden. Der Redakteur weigerte sich selbstverständlich, den Namen seines Gewährsmannes z« nennen, er erklärte sich aber bereit, beeidigen zu wollen, daß er sein Material nicht von einem Beamten des Auswärtigen Amts erhalten habe. Wie die „Freis. Ztg " erfährt, nimmt die Untersuchung einen stetig wachsenden Umfang an. Unter andern ist bei einem in Oberschlesien wohnenden Privatmann, der mit den Missionen in Verbindung steht, eine Haussuchung abgehalten worden auf Grund eines Briefes, den man bei einem Kolonialbeamten vorfand.
Wie«, 8. Juli. Im Verkehr zwischen Bosnien, der Herzegowina und dem Deutschen Reiche soll demnächst die bisherige Telegrammgebühr von. 24Z4 Centimes auf 18 Centimes für das Textwort herabgesetzt werden. Die Ausführung dieser Verkehrserleichterung hängt nunmehr von der endgiltigen Zustimmung der deutschen Reichspostverwaltung ab.
Amsterdam, 8. Juli. Die Königin Wilhelmine der RiÄrerlande sieht, wie von zuverlässiger Seite aus dem Haag berichtet wird, ihrer Riederkunft im September entgegen.
Belgrad, 7. Juli. Amtlich wird mitgeteilt: Die österreich-ungarische Gesandtschaft verständigte gestern durch eine Note die serbische Regierung, daß von heute ab das Handelsproviso- rium zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien «ufgehört hat, zu gelten.
London, 7. Juki. Die Meldungen von den großen Verlusten der Sulus gegenüber den kau« nennenswerten Verlusten der Engländer sind übertrieben. Die Lage verschlimmert sich im Gegenteil täglich.
London, 7. Juli. In Besprechung der Rede 6it Edward Greys int Unterhaus« erkennt der „Daily Graphik' an, daß die Lage in Aegypten tatsächlich ernst sei. Den Ursprung dieser Lage sieht das Blatt in Einflüsien, die sich teils von Konstantinopel, teils aus den nationalistischen Kreisen Frankreichs her in Kairo geltend machen. „Daily Telegraph" spricht von der gefährlichen Arbeit der Agenten Abdul Hamids, der aus eigener Jnittative, oder „von gefährlichen außerhalb stehenden Ratgebern dazu veranlaßt", die antibttttsche Agitatton gefördert habe. Wen es mit diesen Ratgebern meint, sagt das Blatt dagegen nicht.
‘ London, 8. Juli. An seinem heutigen siebzigsten Geburtstag sandte Chamberlain durch ein hiesiges Blatt folgende Botschaft an die Nation: „Behandelt die Ausländer, wie sie uns behandeln, behandelt eure Landsleute bester, als ihr die Ausländer behandelt." In Birmingham wird der Geburtstag festlich begangen.
15 (Nachdruck verboten.))
Die Kette.
Vi: Roman von Hans Schulz«.
(Fortsetzung.)
Z" Er zitterte fast vor Ungeduld über diese letzten Minuten, und doch dünkte es ihn wiederum ein reizvolles Spiel, den wiegenden Rhythmus der sich langsam nähernden Gestalt in sich .aufzunehmen, wie sie mit bvt unbewußten Drazie eines Kindes kräftig und gewandt zugleich die breitfchaufligen Ruder regierte.
I Jetzt knirschte der Bootskiel nur wenige Kchritte von Georg entfernt auf dem Uferkies, f Das junge Mädchen sprang leichtfüßig hinaus und schlang die Ankerkette geschickt um einen Weidenstumpf.
Dann richtete es sich auf, das Gesicht von der .Ungewohnten Anstrengung dunkel gerötet.
In diesem Augenblicke vermochte Georg nicht länger an sich zu halten; mit einer raschen Wendung trat er aus seinem grünen Erlenversteck ,vuf sie zu.
‘ Sekundenlang standen sie sich regungslos, ;toie in halber Erstarrung, gegenüber, als hätten ;bie Tage der Trennung etwas Fremdes zwischen jihnen emporwachsen lasten, als scheue sich ein jeder, den ersten Schritt zur Begrüßung zu tun.
‘ Und dann, im nächsten Moment lagen sie sich in den Armen, und ihre suchenden Lippen fan- B«n sich in einem Küste, der nicht enden wollte j«n jener trunkenen Selbstvergestenheit, deren Lanze Tiefe und Gewalt nur zwei Menschen ermessen können, die völlig ineinander aufqehen Mut Leib und Seele.
h. <-o verharrten sie lange, ohne Bewegung ver-
Marokko.
Kein Mensch zweifelt, wie aus Tanger gemeldet wird, in dortigen polittschen Kreisen, daß der Sultan den Konferenzbeschlüsten beitreten werde. Es ist eine feststehende Tatsache, die Kenner Marokkos stets beobachten konnten, daß der Sultan gemeinsamen Schritten der Mächte niemals Widerstand entgegen setzt, aber es gab noch andere Gründe, die Abd-el-Aziz bestimmt haben: der Italiener Malmussi ist ein guter Kenner, der vorzüglich arabisch spricht und die Methode kennt, wie man die Dinge hier behandeln muß. Wie es nach Privatnachrichten aus Fez den Anschein hat, hat er dem Sultan klar gemacht, daß die Dinge mit oder ohne seine Zustimmung sich doch nicht ändern würden. Mit anderen Worten: Die von der Konferenz angestrebten Reformen werden prattisch nichts bedeuten. Nur die Bankangelegenheit wird vorwärts- gehen, und daran hatte der Wachsen alles Interests, denn daher wird er Geld bekommen. Gerade dieses Argument muß sehr eindrucksvoll gewesen sein, denn die Geldverlegenheit der marokkanischen Regierung hatte noch nie die Höhe erreicht, wie gegenwärtig. Der Wachsen muß bereits seine Zuflucht zu Geldwechslern in Fez nehmen, die sich für ganz kleine Summen die übertriebensten Bürgschaften geben lasten, und auch dann weigern sie sich noch, sie im gegebenen Moment auszuzahlen. Wenn auch im Konferenzprotokoll der 1. Januar 1907 als der Zeitpunkt für das Jnslebentreten der Beschlüste festgesetzt ist, so wird doch sicherlich vor Mitte des nächsten Jahres nichts geschehen. Die Einrichtung der Staatsbank dürste wohl im März oder April stattfinden, und wenn diese einmal im Betriebe ist, wird man erst an das klebrige denken, wofür ja die Geldmittel aus diesem Institut fließen sollen.
Darauf rechnen die Franzofen und gründen die Polittk, die das Programm des neuen Gesandten Regnault ist; dieser hofft in 2 Jahren die marokkanische Frage mit Hilfe des marokkanischen Staatsbankerotts zu lösen. Marokko wird die Beute des Bankkonsortiums werden, und da Frankreich in diesem die Führung hat, hofft es, auf dem Wege der Finanzkonttolle zur berühmten „Penetration pacifique“ zu gelangen. Regnault ist der Mann der Banken, vor allem Geschäftsmann, und als solcher gedenkt er Marokko die Schlinge um den Hals zu legen — wenn man ihn nicht daran hindert.
Gegenwärtig betreibt Frankreich übrigens eine andere ihm wichtige Sache: Es ist dies die Abtretung der Chafarinasinseln durch Spanien an Frankreich, wofür ersteres vom Machsen eine Berichtigung der Grenze von Melilla erhalten soll, die bis zum See von Bou-Erg, der unter dem Namen Mar Chica besser bekannt ist, vorgeschoben werden soll. Der Machsen wird diesem Handel nicht abgeneigt sein, da dadurch der Thronforderer seines Hauptrückhaltes beraubt würde. Die spanische Regierung, die immer be
kunden, einzig erfüllt von dem beglückenden Bewußtsein, sich ganz allein gehören zu dürfen.
Noch hatte keiner von ihnen beiden ein Wott gesprochen, nur ihre Augen, in denen ein jeder sein eigenes Bild widerstrahlen sah, grüßten sich mit verlangenden Blicken.
Da flammte auf einmal eine purpurne Glut über das Gesicht des Mädchens bis in den zierlich modellierten Hals hinein.
Mtt einer scheuen Bewegung barg sie den Kopf an der Brust des Mannes.
„Ich schäme mich so, Georg? Es ist Sünde, was wir tun!"
Statt aller Antwort küßte er sie von neuem, daß ihr fast der Atem verging.
Dann schlang er seinen Arm um ihre feine Taille und führte sie zu der Stelle, wo er zuvor geruht.
„Ich freue mich ja so unendlich, daß du wirklich gekommen bist!"
Er wußte in diesem Augenblicke nichts anderes zu sagen; mit einem Ruck streckte er sich wieder auf seinem Mooslager aus und zog das Mädchen zu sich herab.
„Hast du mich denn noch ein ganz klein wenig lieb, Käthe?"
„Aber Georg!"
Sie strafte ihn mit einem vorwurfsvollen Blick, und jetzt suchte sie, zwar etwas ängstlich und schamhaft noch, von selbst seine Lippen.
„Du verdienst eigentlich keinen einzigen Kuß mehr, wenn du solche Fragen stellst!" —
Georg hatte seinen Kopf in Käthes Schoß gelegt und ihre beiden Hände in die seinen genommen.
Er glaubt sich noch niemals so glücklich gefühlt zu haben wie in dieser traulichen Verlorenheit. __ , „ -1-
reit ist, die französischen Pläne zu begünstigen, nimmt diese Neuordnung der Dinge gern am Der Plan wurde schon auf der Konferenz von Algeciras in geheimen Unterhandlungen zwischen Regnault und dem spanischen Vertreter eingehend besprochen.
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Juli.
— Seine Majestät der Kaiser trat am Samstag Vormittag, wie aus Bergen gemeldet wird, die Weiterreise nach Drontheim an, wo die Ankunft nachmittags zwischen 2—3 Uhr erfolgte. (S. unter Norwegen).
— Der am Samstag Nachmittag über das Befinden der Kronprinzessin ausgegebene Bericht lautet: „Das Befinden der Kronprinzessin und des Kindes ist andauernd gut. Bulletins werden nicht mehr ausgcgeben. Summ. Keller." Die Kaiserin verweilte von morgens bis abends im Marmorpalais. Von allen Souveränen sind herzliche Glückwunschtelegramme bei dem Kronprinzenpaar eingegangen. — Ueber den Tag der Taufe sowie über die Namen des jungen Prinzen sind noch keinerlei Bestimmungen getroffen worden; auch sind Einladungen zur Taufe bzw. Ansagen dazu noch nicht ergangen.
— Im „Reichsanz." wird eine Bekanntmachung des Stellvertreters des Reichskanzlers über die freie Fahrt der Reichstagsmitglieder, vom 27. Juni, veröffentlicht. Danach erhalten die Mitglieder des Reichstags vom Reichsamt des Innern aus eine Fahrkarte, die dem Eisenbahnpersonal gegenüber als Ausweis für die Freifahrtberechtigung dient. Bei Ablauf der Legislaturperiode oder bei früherer Erledigung des Mandats muß sie dem Bureau des Reichstags abgeliefert werden. Der Ausweis berechtigt zur Fahrt auf allen deutschen Haupt- und Nebeneisenbahnen, dagegen gibt er nicht die Berechtigung zur freien Benutzung von Klein- und Straßenbahnen. Die Berechtigung endet mit Ablauf des achten Tages nach Schluß der Sitzungsperiode. Weiter wird bestimmt, daß freie Fahrt in allen von der Bahnverwaltung abge- laffenen, dem öffentlichen Verkehr dienenden Personenzügen gewährt wird; demnach muß für die Benutzung von Schlafwagen der tarifmäßige Zuschlag entrichtet werden; das gleiche gilt für die "Benutzung von Luxuszügen, „soweit sie auf Grund dieser Fahrkarte gestattet ist." Die Fahrkarte berechtigt zur freien Fahrt in beliebiger Wagenklasse, sowie zur freien Beförderung des mitgeführten Reisegepäcks bis zum Gewicht von 50 Kilogramm. Sind Plätze der 1. Wagenklasie überhaupt nicht oder nicht in ausreichender Zahl vorhanden, so werden Plätze der nächst niedrigen, im Zuge vorhandenen Wagenklaffe zur Verfügung gestellt.
— Nach dem soeben in Nr. 13 des Zentralblattes veröffentlichten Bericht betrug die Wit- gliederzahl der christlichen Eewerkschasten im Durchschnitt des Jahres 1905 265 032 gegen 207 481 um dieselbe Zeit des Vorjahres. Die Mitgliederzahl der dem Eesamtverbande der christlichen Verbände erhöhte sich von 107 556 im Durchschnitt des Jahres 1904 auf 188 106 im Jahre 1905. Der Zuwachs dieser Verbände be-
Der feine Duft ihres Körpers verwirrte ihm fast die Sinne. Blickt er auf, so sah er ihr gerade in die dunklen Augen, die ihm in der Nähe der Betrachtung für das schmale Gesichtchen fast zu groß erschienen.
Ein goldiger Sonnenschimmer umwob den braunen Kopf mit dem vom Morgenwind verwirrten Haar.
Und hoch über ihm wie eine Einfaffung des lieblichen Bildes die unendliche Ferne des durchsichtigen Himmelsblaus.---
Wie lange sie so geseffen, bald in glücklichem Liebesgeplauder, bald in seliger Gedankenlosigkeit vor sich hinträumend, sie wußten es nicht. Eine süße Schläfrigkeit hing im Kreise.
Zuweilen raschelte es im Moose, eine kleine braune Eidechse, die hurttg hindurchschlüpfte.
Von ferne klang das dumpfe Girren und Locken einer Holztaube.
Dann und wann gluckte es im Waffer auf, ein emporgeschnellter Fisch; langsam rundeten sich schwellende Kreise in der unbewegten Flut und liefen am Ufer leise wie in zitternde Schleier aus.
Mit großen, sinnenden Augen sah Käthe vor sich in die sonnige Weite.
Eine Stelle aus einem Buche, das sie auf der langen Nachtfahrt von Baden-Baden gelesen, fiel ihr plötzlich ein.
„Die Liebe", so ungefähr hatte sie gelautet, „ist alles wert; sie ist so schön, daß wir alle anderen Güter der Welt auch Unschuld, Ehre und Frieden, in ihre Flamme stürzen sollen, nur damit sie desto stärker brenne."
Zum ersten Male erkannte sie klar, daß das Feuer einer solchen Liebe auch in ihrem Herzen glühte, einer Liebe, auf die sie nicht leider verzichten zu können meinte als auf ihr Lehen.
trägt somit 80 550, gleich 74,8 v. H., wovon allerdings 17 000 Mitglieder auf den im Berichtsjahre dem Eesamtverbande beigetretenen bayerischen Eisenbahnerverband entfallen. Die Zahl der weiblichen Mitglieder vermehrte sich im Berichtsjahre von 7624 auf 11991, somit um um 4367, gleich 57,2 v. H. Auch im ersten Viertel dieses Jahres hielt diese erfreuliche Entwickelung stand, indem im diesem Zeiträume ebenfalls wieder eine Vermehrung um 24 694 eintrat. Heute dürften den christlichen Gewerkschaften insgesamt über 300 000 Mitglieder an- gehören, wovon auf die dem Gesamtverbande angeschloffenen Verbände mehr als 225 000 entfallen. Ihren Mitgliederstand vermehrten u. a. die Bergarbeiter um 28100, Metallarbeiter 8246, Bauhandwerker 8003, Textilarbeiter 7050, Hilfsarbeiter 2637, Holzarbeiter 2350, Keram« arbeitet 170 usw.
■— Mit Recht ist das Deutsche Reich stolz auf seine Arbeiterversicherung. Sind es doch ganz gewaltige Summen, die in der relativ kurzen Zeit ihres Bestehens bereits zum Wohle der arbeitenden Klaffe aufgewandt wurden. Allein für Krankenfürsorge ist von feiten der Kranken-, Unfall- und Invalidenversicherung in der Zeit von 1885 resp. 1885 und 1891 bis zum Jahre 1904 die Riesensumme von 2 603 410 745 Mark, also über 2% Milliarden verausgabt worden. Auf die drei verschiedenen Versicherungen entfallen hiervon: auf die Krankenoersicher- rung 2 455 559 719 Mark oder 94,3 Prozent der Gesamtsumme, auf die Unfallversicherung 89 286 049 Mark — 3,4 Proz. und auf die Invalidenversicherung 58 564 977 Mark — 2,3 Prozent der Gesamtsumme. Von dem auf die Krankenversicherung entfallenden Betrage wurden für Krankengeld an Mitglieder verausgabt 1093 852 477 Mark = 44,5 Proz., für ärztliche Behandlung 515 803 920 Mark — 21,0 Proz., für Arznei und Arzneimittel 402 757 651 Mark — 16,4 Proz., für Krankenhausbehandlung und Rekonvaleszenz 303 061148 Mark — 12,4 Proz. und schließlich für Krankengeld an Angehörige, Wöchnerinnen- und Schwangeren-llnterstützung, sowie Sterbegeld zusammen 140 084 523 Mark — 5,7 Proz. — Neben den Aufwendungen der Krankenversicherung treten die der beiden anderen Versicherungen für Krankenfürsorge weit zurück, denn sie sind an diesen, wie schon gesagt zusammen mit nur 5,7 Proz. beteiligt. Doch darf man nicht vergeffen, daß die eigentliche Aufgabe dieser beiden Versi.', .-rungseinrichtun- gen ja auch auf einem anderen Gebiete liegt. Von den für Krankenfürsorge durch die Invalidenversicherung verausgabten Summen wurde« 35 532 883 Mark für die Heilung Tuberkulöser aufgewandt, das sind 60,7 Proz der von der Invalidenversicherung für Krankenfürsorge überhaupt verausgabten Summen.
VarlamentarMes.
* Berlin, 7. Juli.
Der preußische Landtag folgte dem Reichstage am Sonnabend in die Sommerferien nach.
Widerstandslos ließ sie es über sich ergehen, daß er sie küßte, viele Male, immer wieder, in einer müden, süßen Lässigkeit.
Sie sprachen kaum noch miteinander, und doch war ihnen dies glückvolle Schweigen verständlicher als die beredtesten Worte.
Jetzt zitterte ein Elockenklang, sehnsüchttg verhallend, durch die stille Lust.
Ein zweiter, ein dritter schwoll dunkeltönig nach, und dann auf einmal schwamm es wie eine mächtige Woge in massigen Akkorden über die weite Wasserfläche.
In Sinderode läuteten sie den Kirchgang ein. Das Mädchen fuhr auf.
„Ich muß nach Hause! Ich hab' Tante Ulrike versprochen, sie in die Kirche zu begleiten? Wir find heute den ersten Sonntag wieder daheim!
Georg widersprach nicht lange.
Wie eine Art Ermattung war es, als die Reaktion der seelischen Erregung über ihn gekommen.
Er half Käthe in ihr Boot und schob es selbst mit kräftigem Stoß« in die hochaufrauschende Flut.
Dann stand et lange und schaute dem stille« Zuge des kleinen Fahrzeugs nach, das mit seiner geliebten Last immer weiter in die blaue Ferne hineinsteuerte. . ,
Eine feierliche Sonntagsstimmung durchdrang sein ganzes Wesen.
Wie im Traume stteg auch et endlich wieder in sein Boot und griff zu den Rudern.
Er fühlte, daß in dieser kurzen Stunde das Glück bei ihm geweilt hatte.
(Fortsetzung folgt.)