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Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag: S»h. «ug. «och, Univerfitätt-Vuchdruckerti 41. Jührg. Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Sonntag, 8. Juli 1906.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.--

Sonntagsbeilage: Zlluftrirtes Ssnntaasblätt. _____________________________

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2, TM* 4 VI brr allen Postämtern 2,25 Mk. xe$cl. Bestellgeld).

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Rcclamen: die Zeile 25 Pfg.

Zweites Blatt

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Die bestehenden Einrichtungen zurVerstchc- rnng gegen die Folgen der Arbeitslosigkeit.

Im Verfolg eines vom Reichstag am 31. Januar 1902 gefaßten Beschlusses ist auf Ver­anlassung des Bundesrats das Kaiserliche Sta­tistische Amt beauftragt worden, festzusteNen, welche Einrichtungen bezüglich der Versicherung gegen die Folgen der Arbeitslosigkeit bisher ge­troffen und welche Ergebnisse dadurch erhielt worden find.. Di« demgemäß ausgearbertete Denkschrift liegt mmmehr vor.

Die Denkschrift gliedert fich in zwei Ab­schnitte. Den einen Teil bildet die Darstellung -er bestehenden Einrichtungen und Pläne zur Arbeitslosenversicherung im In- und Auslande sowie die kritische Würdigung ihrer Lage der organisierten Arbeitsvermittlung im Deutschen Reich. Dem ersten Teil ist ein Anlagenband bei­gegeben, in den das reiche Material an Zahlen, Statuten, Gesetzen, Verordnungen verwiesen ist, das in die laufende Darstellung nicht aufgenom- ,men werden konnte. Ein alphabetisches Sach­register erleichtert den Ueberblick. Für die Dar­stellung der Verficherungseinrichtungen ist eine Gliederung des Materials nach Ländern ge­wählt worden. Auf diese Weise ist es ermög­licht, sich über den gegenwärtigen Stand der Frage in jedem einzelnen Lande rasch und zu­sammenhängend zu unterrichten.

Die Darstellung umfaßt die vorhandenen Einrichtungen und bringt zur Ergänzung die­jenigen Tatsachen und Gesichtspunkte bei, welche für eine Beurteilung dieser Einrichtungen in Betracht kommen. Da weitere Einrichtungen jiut geplant, aber nicht ins Leben getreten sind, andererseits aber die Kenntnis der ausgearbei­teten Vorschläge zur Gewinnung eines vollstän­digen Bildes von dem gegenwärtigen Stands der Arbeitslosenversicherung erforderlich schien, so wurde die Darstellung auf die schwebenden Pläne und auf die in der Literatur gemachten Vorschläge erstreckt.

i Nach einer einleitenden Darlegung der Ziele Und Grundbegriffe der Arbeitslosenversicherung sind in der Denkschrift die Einrichtungen des .Auslandes (England, Schweiz, Belgien, Frank­reich, Niederlande, Italien, Oesterreich-Ungarn, Dänemark, Schweden, Norwegen, Vereinigte Staaten von Amerika) eingehend geschildert; die Vorführung der deutschen Einrichtungen und Vorschläge nimmt die zweite Hälfte des ersten Teils ein. Die wesentlichsten Ergebnisse der Untersuchung find am Schlüsse des ersten Teils Ikurz dahin zufammengefqßt, daß die Bekämpf­ung der Arbeitslosigkeit selbst nicht im Wege

14 (Nachdruck verboten.)

Die Kette.

Roman von Hans Schulze.

(Fortjetzung.)

t Ueber dem Herrenhause von Dombrowo wal­tete noch tiefer Feiertagsfriede, als Georg jetzt über die Gartenterraffe in den Park hinabging.

Er wandte sich zunächst um den Westflügel des Schlosses nach den Wirtschaftsgebäuden, um dort die Ruder für das auf dem See ankernde Boot zu holen und sich zugleich bei der Mamsell nach einer Taffe Kaffee umzutun.

Der große, unregelmäßig gepflasterte Hof lag einsam und verlassen; seit vier Uhr wurde trotz des Sonntags auf den Feldern gearbeitet; die Ernte kannte keine Rücksichten auf die kirchlichen Bräuche und nahm alle verfügbaren Kräfte in Anspruch.

Ein Schwarm von Tauben, die mit graziösen, wippenden Schritten auf den bemoosten Steinen der weiten Bassins der Vichstände hin und hot trippelten und die feinen Schnäbelchen in den trüben Fluten netzten, schwang sich bei seiner Annäherung mit weithallenden, knatternden Flügelschlägen auf das hohe, steile Dach der Jn- spektorwohnung.

Aus den langgestreckten Stallungen blötte zuweilen dumpf das Vieh herüber; hier und da sah man durch sie halboffenen Türen die Mägde noch bei der Melkarbeit; die Seihzuber klirrten, zischend schossen die weißen Milchstrahlen in die schräg gestellten Eimer.--

So schnell es das holprige Pflaster erlaubte, ging Georg nach der Leuteküche hinüber und ver­weilte hier wie allmorgendlich ein paar Minu­ten bei der alten, dicken Mamsell, die ihn von ,Kindesbeinen an verzogen und ihm auch heute >ein Kännchen Kaffee auf der warmen Herd­platte vorsorglich zurechtgestellt hatte.

der Versicherung zu erfolgen hat, sondern teils durch vorbeugende Maßnahmen allgemeinen Charakters (Regelung der Produktion, allge­meine Wirtschaftspolitik, Hebung der Volksbil­dung, Regelung des Lehrlingswesens usw.), teils durch Vermittlung vorhandener Arbeit und durch Arbeitsbeschaffung (Notstandsarvci- ten), während die Versicherung nur eine Sicher­stellung gegen die aus der Arbeitslosigkeit sich ergebenden wirtschaftlichen Folgen zu bieten yat.

Die Darstellung ergibt, daß es sich bei der vorübergehenden Arbeitslosigkeit begrenzter Personenkreise in der Volkswirtschaft um eine wirtschaftliche Erscheinung handelt, welcher eine gewisse Regelmäßigkeit und Gesetzmäßigkeit zu­kommt, die sowohl nach dem Zeitpunkte wie nach der Dauer und dem Umfange auf Grund länge­rer Beobachtung als abschätzbar zu betrachten ist und unter diesem Gesichtspunkt an sich für eine Versicherung unter rein versicherungstech­nischen Gesichtspunkten unüberwindliche Schwie­rigkeiten wohl nicht bieten würde. Ferner zeigt sich, daß die Gefahr der Arbeitslosigkeit in den einzelnen Berufen sehr verschieden ist, dement­sprechend auch das Bedürfnis einer Sicherstell­ung gegen die Folgen der Arbeitslosigkeit nicht gleichmäßig in allen Berufen besteht.

Die Schwierigkeiten einer Versicherung er­geben sich vor allem bei der Feststellung und Be­grenzung des Begriffs der zur Unterstützung be­rechtigenden Arbeitslosigkeit und bei der Kon­trolle der Durchführung dieser Feststellung in der Praxis sowie bei Regelung der Frage über die Pflicht zur Annahme von Arbeit.

Was die Frage betrifft, ob und in welcher Weise öffentliche Mittel für die Zwecke der Ar­beitslosenversicherung bereitgestellt werden soll­ten, so würden bei allgemeiner obligatorischer Arbeitslosenversicherung in weitem Maße Be­rufskreise belastet werden, für welche die Gefahr der Arbeitslosigkeit überhaupt nicht besteht oder sehr gering ist, während andererseits eine dem Risiko entsprechende Abstufung der Beiträge sehr schwierig ist. Abgesehen von der Frage, ob ein Bedürfnis besteht, der Versicherung einen solchen Umfang zu geben, wird jede bureau- kratische obligatorische Versicherung genötigt sein, zur Sicherung gegen Mißbrauch den Be­griff der unterftützungsfähigen Arbeitslosigkeit in einer Weise einzuschränken, die leicht von den Arbeitern als eine Beeinträchtigung ihrer Be­wegungsfreiheit und als eine Schädigung der von ihren Fachverbänden angestrebten Ziele em­pfunden wird. Die Lösungen, welche die Ar­beitslosenversicherung fakultativ gestalten wol­len, können von vornherein nur auf diejenigen Kreise rechnen, welche selbst das Bedürfnis zur Versicherung empfinden. Das sind erfahrungs­gemäß nur wenige. Bei den am schlechtesten ge­stellten Arbeitern fehlt, soweit darüber Erfahr­ungen vorliegen, teils die eigene Jnitative zur Versicherung, teils die Möglichkeit, von dem Einkommen die Beiträge regelmäßig aufzu­bringen.

Als ein Mittelweg zwischen der Einrichtung selbständiger obligatorischer oder fakultativer

Dann schlug er fich wieder in den Park und nahm die Richtung des Wassers.

Nach langem Kampfe war es ihm endlich ge­lungen, bei Käthe, die sich anfänglich zu keiner­lei Heimlichkeiten vor dem Vater hatte verstehen wollen, ein Rendezvous auf derInsel" durch­zusetzen, wie das kleine, genau in der Mitte des Sees zwischen Sinderode und Dombrowo gele­gene Eiland allgemein kurz genannt wurde.

DieInsel" war eine weit gedehnte, schmale Landerhebung, von mächtigen Rohrbreiten ein­gefaßt, in denen ungezählte Scharen von Waffer- vögeln nijteten.

Ein niedriger Wald nahm den größeren Westteil der Bodenfläche ein, während das klei­nere östliche Randgebiet hauptsächlich aus frucht­baren Weidewiesen bestand.

Hier erhob fich auch, nur wenige Meter über dem Wasserspiegel, unweit einer Heinen, als Landungsplatz benutzten Bucht, eine alte, ver­fallene Fischerhütte, in deren Dachraum man das auf der Insel gehauene Heu aufzubewahren pflegte, bis es bei passender Gelegenheit per Kahn nach Dombrowo hinübergeführt wurde.

Ein Schimmer der Romaiitik umwob die Ur­waldeinsamkeit des verlassenen Eilands.

Hier hatte einst der Quartaner und Tertia­ner Stetten ein abenteuerliches Robinson- und Jndianerleben geführt, wenn er in den Som­merferien vom Danziger Gymnasium heimge­kommen war und fich ein paar verwegene Schul­kameraden zur Gesellschaft mitgebracht hatte.

Wie oft hatte nicht die alte Hütte den be­drängten kanadischen Ansiedlern als Blockhaus gedient, das in erbittertem Kampfe gegen die belagernden Sioux und Apachen verteidigt wurde!

Unweit des Eingangs vegetierte noch immer der alte Weidenstamm, an dem die kleine, dicke Herta, die fich stets alsPrärieblume" oder Tochter des grünen Strahls" mit Begeisterung

Arbeitslosenkassen, der in Belgien von den Ge­meinden, in Frankreich vom Staate bereits be­schritten ist, erscheint das System des Zuschusses an bestehende Einrichtungen, sei es der Arbeiter- verbände, sei es sonstiger Organisationen, welch« sich die Unterstützung bei Arbeitslosigkeit zum Ziele gesetzt haben. Der Fehler bei dieser Lösung besteht darin, daß dabei nut derjenige Teil der Arbeiterschaft berücksichtigt wird, welcher orga­nisiert ist oder sonst genügend Initiative besitzt, sich selbst zu versichern. Einen Ausgleich für ine unorganisierten Arbeiter durch Gewährung von Zuschüssen zu Svareinlagen zu schaffen, hat fich überall als schwierig gezeigt. Ergänzende, allgemeine Vers-cherungskassen bestehen noch nicht, würden aber als Ergänzung des Systems erforderlich werden. Eine Weiterbildung der in Belgien und Frankreich gefundenen Lösur.gen wird in Norwegen und Dänemark vorgeschlagen. Die Bewährung aller dieser Lösungsversuche, oweit es sich um die Beteiligung des Staates sandelt, steht noch aus. Auch ihnen gegenüber ehlt es nicht an Bedenken wirtschaftlicher wie önstiger Natur.

Die Sicherstellung gegen die Folgen der Ar­beitslosigkeit durch Selbsthilfe ohne Inanspruch­nahme öffentlicher Mittel ist für begrenzte Ar­beiterkreise vor allem in der gewerkschaftlichen Organisation in allen Ländern gelungen. Di« Arbeiter erkennen aber die alleinige Selbsthilfe als die normale Form der Sicherstellung gegen die Folgen der Arbeitslosigkeit nur in begrenz­tem Maße an. Sie stehen auf dem grundsätz­lichen, von anderer Seite bestrittenen Stand­punkte, daß die Verweisung des Arbeiters auf die Selbsthilfe ihn zu Unrecht belaste, da die Arbeitslosigkeit eine Folgeerscheinung Ser gel­tenden kapitalistischen Wirtschaftsordnung sei; deshalb sollen die Kosten der Sicherstellung ge­gen die Folgen der Arbeitslosigkeit von der Ge­samtheit getragen werden. Dabei darf nicht übersehen werden, daß dieser Eesichtspuntt fich nicht auf die Handarbeiter beschränken läßt, son­dern in gleicher Weise für alle wirtschaftlich unselbständigen Personen geltend gemacht wer­den könnte, und daß diese Art der Begründung in ihren Konsequenzen zu der Forderung einer öffentlichen Versicherung aller wirtschaftlich un­selbständigen Personen führen müßte. Die gleiche Auffassung führt die Arbeiter auch zur grund­sätzlichen Ablehnung des Sparzwanges als Er­satzmittel der Arbeitslosenversicherung.

Alle Vorschläge find darin einig, daß von wesentlicher Bedeutung für jede Form einer Ar­beitslosenversicherung bas Vorhandensein und die Vervollkommnung der Arbeitsvermittlung ist. Der Darstellung ihres Standes im Deut­schen Reiche ist der zweite Teil der Denkschrift gewidmet.

Die Tätigkeit des Arbeitsnachweises bildet die Voraussetzung einer Arbeitslosenverficher,- ung, da der Versicherungsfall erst dann eintreten kann, wenn Arbeit zu vermitteln zur Zeit nicht möglich ist. Von der gleichen Bedeutung wie für den Beginn der Unterstützung oder Ver­sicherung ist die Tätigkeit des Arbeitsnachweises

an den Spielen der Jungen beteiligt hatte, un­endlich oft auf raffinierte Weise gemartert wor­den war, um dann im letzten Moment von den anrückenden englischen Rotröcken aus ihrer schrecklichen Lage befreit zu werden.--

All diese Jugenderinnerungen tauchten in buntem Durcheinander unwillkürlich wieder in Georgs Seele auf, als er fein Boot mit kräftigen Ruderschlägen auf die schmale, weiß leuchtende Landungsbank hinauftrieb, an der das sonst bis weit in den See hinein wuchernde Rohr in einem breiten Aushau eine bequeme Anfahrt gestattete.

Die ganze Umgebung erschien ihm int allge­meinen unverändert, nur vielleicht noch etwas mehr verwildert und mit jungem Stangenholz und Brombeergestrüpp verwachsen, an dem be­reits die ersten blauschwarzen Beeren schim­merten.

An der alten Hütte war das vielfach geflickte, moosüberwachsene Dach auf der einen Seite vom Winde halb heruntergerissen; die Eingangstür hing schief und morsch in den verrosteten Angeln, und die kleinen, scheibenlosen Fenster starrten wie tückisch in den lachenden Morgen hinaus.

Ein kleiner Hang bereitete fich gleich hinter der Sandbank unter einem weitschattenden Bal­dachin von Erlenzweigen.

Fast bis zum Wasser hinab zog fich ein dich­ter Moosteppich, dunkelgrün und feuchtschwer; in den zierlichen Pflänzchen funkelten noch Dia­manten gleich silberne Tautropfen; dahinter um den Stamm eines mächtigen Holunderbusches ein üppig malerisches Gewirr von Kletten, Di­steln und kniehohen Nesseln.

Georg nahm die Ruder aus dem Boot und suchte sich dann auf dem schwellenden natürlichen Moospolster einen sonnigen Platz.

Durch die überhängenden Zweige der alten Erle schaute der See mit unergründlichen Augen -

für das Ende der Versicherungsleistung, da diese aufhören muß, sobald Arbeit vermittelt wird. Diese enge Verbindung von Arbeitsnach­weis und Arbeitslosenversicherung rechtfertigt die eingehende Darstellung des Arbeitsnau,wei-^ fes, in der nach kurzer (Erörterung der Grund­fragen der Arbeitsvermittlung die einzelnen Formen des Arbeitsnachweises in ihrer Ent­wicklung und ihrem gegenwärtigen Stande be­handelt werden.

Bei der Würdigung der Frage, inwieweit der gegenwärtige Zustand genügt ober geeignet wäre, einer Lösung bes Problems bet Arbeits­losenversicherung als Unterlage zu bienen, ge­langt bie Denkschrift zu bem Ergebnisse, daß dies im ganzen genommen im Deutschen Reich heute noch nicht der Fall ist, und daß der Ausvau, die Zusammenfassung und die organische Ver­bindung der einzelnen Formen des Arbeitsnach­weises erst erfolgen muß, um die Vorbeding­ungen für die Lösung des Arbeitslosenverficher- ungsproblems zu schaffen.

. ....

Deutsche Kolonie«.

Samoa. Der Botschafter in Washington Frhr. Speck v. Sternburg hat einen Bericht ein­gesandt, aus dem hervorgeht, daß die Amerika­ner neue Schwierigkeiten mit der Auszahlung ihres Anteils der Entschädigung für Samoa machen. Die Summe ist nicht, wie angekündigt wurde, im Juni vom Kongreß bewilligt worden. Allerhand Bemängelungen kleinlicher Natur werden gemacht. Die Forderung war mit ande­ren, englischen u. s. f., verbunden worben. Da­ran werben nun allerhand Ausstellungen ge­knüpft. Man könne bie einzelnen Posten nicht cuseinanber halten, bie Aufstellung märe nicht bem Herkommen entsprechend u. a. Damit ist wohl die Erledigung der Sache in der jetzigen Tagung des Kongresses unmöglich geworden; sie wird sich wahrscheinlich noch ein Jahr lang hinziehen; denn eine diplomatische Mahnung, die jetzt nach Washington gerichtet werden soll, wird wohl kaum eine Beschleunigung herbei­führen. Hier wäre für unfern Botschafter ein Feld für energische Tätigkeit. Reden halten und die Pferde des Präsidenten spazieren reiten kann den Amerikanern nicht imponieren.

Ausland.

Belgien. Das Deutschtum in Belgien steht den Angehörigen der holländischen und der fran­zösischen Nation, die in der Fremdenbevölkerung des Königreichs die beiden ersten Plätze einneh- men, nicht allzuweit nach. In den letzten amt­lichen Erhebungen wurden gezählt 63923 Hol­länder, 36 576 Franzosen und 53 758 Deutsche. Alle anderen Nationen stehen erheblich zurück. So gab es 3748 Engländer, 3543 Italiener, 2991 Oesterreich», 2359 Russen und 3231 Schwei­zer. Die Gesamtzahl der belgischen Staatsange­hörigen fremder Nationalität beläuft sich auf 204 495, sodaß also etwa 25 v. H. auf den deut­schen Anteil fallen. Die Deutschen sind vor-

sehnfüchtig zu ihm empor, in wunderbarer Klar­heit wie ein leuchtender Saphir den blaue« Sonnenhimmel widerspiegelnd.

Zuweilen schwoll eine kleine, vorwitzige Welle mit kichernden Lauten auf den schim­mernden Ufersand, oder der laue Wind rauschte leise in den schwankenden Kolben des Rohrs.

Wie ein unendlicher Frieden, ein weiches, wunschloses Träumen lag es über der morgen- stillen Einsamkeit.

Georg zog die Uhr. Zehn Minuten vor sieben!

Um sieben Uhr hatte ihm Käthe ihr Erschei­nen auf der Insel zugesagt.

Mit ungeduldigen Blicken musterte et bas Sinberober Ufer unb starrte bann wiebet nervös auf bas weiße Zifferblatt seiner Uhr.

Noch trennten ihn nur fünf Minuten von bet Vollendung bet siebenten Tagesstunde, unb nun gewahrte er aufschauenb, wie sich auf einmal eine weiße Gestalt aus bem grünen Schatten­kreise bes jenseitigen Waldes herauslöste.

Mit einem einzigen Sprunge stand er auf den Füßen.

Käthe!

Ein Mann kam eilig aus dem Försterel- garten gelaufen unb half der jungen Dame diensteifrig in ein unweit des Forsthaufes an­kerndes Boot.

Ein paar Augenblicke später furchte der schmale Kiel silberblinkend die endlos glänzende Fläche des Sees.

Wie gebannt hingen Georgs Blicke an bat schönen Umrißlinien bes schlanken Mädchenkör-' pers, bet fich im Takte bet Ruderbewegung an­mutig auf unb nieder neigte.

Nur ein paar kurze Minuten noch und pe mußte bie Insel erreicht haben.

(Fortsetzung folgt.)