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mit dem Kreisblatt für die Krerse Marburg und Kirchhain. .*■
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Marburg
Sonntag, 8. Juli 1906
**5 Erscheint wöchentlich sieben mal. 1
Druck und Verlag- Joh. Ang. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei 41. Jahrg. Marburg, Markt 21» — Telephon 55,
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Die Zukunft des landw. Genossenschaftswesens in Deutschland.
lieber dieses Thema hielt Prof. Dr. K. Thieß ‘aus Danzig im landwirtschaftlichen Verein zu Breslau einen Vortrag, der nunmehr in Jul. Wolfs „Zeitschrift für Sozialwissenschaft" (Heft >6) im Druck vorliegt und der für weitere Kreise iJnieresse bietet. Im Jahre 1897 wurde die 10 000. landwirtschaftliche Genossenschaft errichtet, im Jahre 1906 die 20 000., und Thieß zweifelt nicht, daß das laufende Jahrzehnt die 30 000. Registrieren werde. Es ist nun aber zu prüfen, ;roo die Zweckmäßigkeit der Eenoffenschaftsbil- ,dung ihre natürliche Grenze findet, und auch, welche neuen Arten und Formen noch entwickelt werden können. Zwei Drittel der ländlichen Genossenschaften sind Spar- und Darlehnskaffen. Das ist richtig, weil die Eewinnmöglichkeiten auf dem Land nicht groß genug sind, um die Errichtung von Filialen größerer Banken zu rechtfertigen. In den Städten hat sich das Vank- 'toefen so entwickelt, daß es dem Bedürfnis besser dient, als die Genossenschaften, deren Tausende von Mitgliedern der einzelne haftbare Genosse nicht mehr übersehen kann. Auf dem Lande kann vereinzelt auch die Genossenschaft durch eine Bank ersetzt werden, und das wäre kein Hebel; ein Eenossenschaftsfanatiker soll man nicht sein. ^Das Zentralinstitut, die preuß. Zentralgenoffen- jschastskasse, hat durch ihr Aufgehen in dem großen kapitalistischen Konzert der Dresdner Bank eine erhebliche Rückbildung der städtischen Ee- Mossenschaften eingeleitet und auch dem ländlichen Genossenschaftswesen eine fremdartige Spitze gegeben, was Thieß nicht beklagt.
Reben dem Kreditwesen ist der gemeinsame .Rohstoffbezug der typische Fall der ländlichen Genossenschaft. Im Dünger-, Futtermittel- und
18 (Nachdruck verboten.);
Die Kette.
Roman von Hans Schulze.
(Fortsetzung.)
r „Das ist Sinderodes Geheimnis!" war die Antwort. „Unmittelbar nach Stettens Tode hat er sämtliche Beziehungen zu mir abgebrochen! Ohne ersichtlichen Grund und ohne Motivierung! Als ich ihn am Tage nach der Katastrophe jin aller Morgenfrühe aufsuchen wollte, teilte mir der Diener mit. daß sein Herr, ohne irgend welche Bestellung hinterlasien zu haben, vor einer knappen halben Stunde ganz plötzlich un- belannt wohin verreist sei; mittags wurde in Konsequenz hiervon bei der Paroleausgabe bekannt gemacht, daß er auf unbestimmte Zeit Urlaub genommen habe; später erfuhr ich dann, daß er nach Italien gegangen sei und seinen Abschied eingereicht habe. Eine Anzahl Briese, -in denen ich nm Aufklärung über sein eigentümliches Benehmen bat, erhielt ich uneröffnet zurück. Endlich ließ er mir durch seinen Rechts- .anwalt eine Erklärung übermitteln, daß ich mich nicht unnötig weiter bemühen und unsere Freundschaft und seine Person als nicht mehr vorhanden betrachten möge! der Fall Stetten schiede uns für alle Zeiten!"--
Der Baron hatte sein Weinglas erhoben und verfolgte mit nachdenklichem Blick das glitzernde Spiel der unablässig aufsteigenden Schaum- perlen.
„Weißt du," sagte er dann, ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, als ob die geistigen Kräfte Sinderodes nicht mehr ganz intakt seien
„Darüber hab ich kein Urteil!" versetzte der Gras. „Ich hab ihn ja über zwanzig Jahre nicht knehr gesehen! Ein eigentümlicher Mensch war er allerdings schon immer, von jemand, der ihn nicht näher kannte, nur schwer zu behandeln; in sich gekehrt, verschlossen und mißtrauisch! Von einem Hang zum Pietismus oder sonst zur Nrömnucke? ist mir jedoch nie etwas ausgefallen!
Samenhandel ist der Käufer auf Treu und Glauben angewiesen. Hier ist die Genossenschaft dem Einzellieferanten überlegen und wird es im allgemeinen bleiben. Thomasmehl, Kali wurden durch die Genossenschaften eingeführt, nicht vom Handel. Belehrung über das richtige Maß der Anwendung wird der Landwirt immer lieber von einer uneigennützigen Stelle annehmen, als von einer, der es auf Vergrößerung des Absatzes ankommt. Die Molkereien haben ebenfalls ihre Berechtigung, weil Butter leicht, Milch schwer zu befördern ist und die Fracht sich billiger stellt. Hier muß die Bearbeitung der Milch möglichst nahe an die Produktionsstätten herangerückt werden; auch die Verwertung der Rückstände wird dadurch erleichtert. Aehnlich liegen die Verhältnisie bei der Zucker-, Stärke- und Spiritusindustrie; auch da sind die Rohstoffe nicht so leicht zu versenden, wie die Erzeugnisse. Doch hat die Genossenschaft meist die Form der Aktiengesellschaft angenommen, weil große Kapitalien dauernd hingestellt werden müssen. Genau gegenteilig liegen die Verhältnisse der Bäckerei und Schlächterei. Korn und Ochsen sind leicht, Brot und Fleisch schwer zu befördern, auch nicht so leicht aufzubewahren, wie die Rohstoffe. Hier muß die Produktion nahe an den Verzehr herangezogen werden. Wenn eine gutgeleitete Genoffenschaft die im Geschäft bestehenden Mißstände (zu niedere von den Händlern bezahlte Preise usw.) beseitigt, also sich selbst unnötig macht, hat sie ihr Ziel erreicht. Das Gleiche gilt von Konserven-, Sauerkraut- und Obstverwer- tungsgenoffenschastcn, wo die genoffenschaftliche Idee bisweilen bester in anderer Form ausge- führt werden kann. Wir sehen deshalb oft Geschäftsführer zu Eigenunternehmern werden, wie dies übrigens in Milchläden vorkommt. Das sei eine gesunde Entwicklung. Am wenigsten vorteilhaft erwiesen sich die Eierabsatzgenoffenschaf- ten, wo große Mühe der Bauern, Zeitverluste der Vorstandsmitglieder und Gratisfuhren oft nur ein winziges Ergebnis liefern. Immerhin, wenn die Leute in der Zeit feine andere Arbeit gehabt hätten, also leere Zeit ausfüllten, so ist es bester, sie mit geringem Verdienst auszufüllen, als gar nicht.
Doch muffe man immer die Zweckmäßigkeit im Auge behalten und fragen: Lohnt das Opfer? Dabei fei die erzieherische Wirkung mit zu veranschlagen. Man soll nie unterlassen, vor Gründung einer Genoffenschaft zu prüfen, nicht nur wie groß die Einnahmen fein werden, sondern auch, welche Ausgaben nötig sind, und darnach die Entscheidung treffen. Wenn z. B. eine Eierverkaufsgenoffenschaft die Molkereisuhren mitbenutzen kann, so liegt die Sache günstiger.
Wenn ich mich übrigens nicht sehr täusche, ist sein Großvater seinerzeit in einer Irrenanstalt gestorben!“
„Gewiß, so ist es!" bestätigte der Baron. Hnd Sinderode endet eines Tages ebenda! Quivivra, verra!"---
Es ging bereits spät in den Nachmittag hinein, als die beiden Herren die Eemballasche Weinstube wieder verließen und die Heimfahrt antraten.
Das Versprechen Knauffs, durch seine persönliche Intervention einer Aussprache mit Sinde- rode die Wege zu ebnen, hatte den Grafen wesentlich beruhigt.
Mit Georg hatte er feit dem Abend der Ankunft über die Verlobung nicht mehr gesprochen; auch sah er den Stiefsohn, der sich, von der alten Heimatsfteude gepackt, von früh bis spät mit Herta in Feld und Wald umhertrieb, meist nur flüchtig bei den Mahlzeiten.
Ihm selbst war dieses gewissermaßen stillschweigende Sich-aus-dem-Wege-gehen nicht unlieb; seit jenem ersten Tage stand es, ganz entgegen ihrem früheren überaus herzlichen Verhältnis, wie eine unsichtbare Schranke zwischen ihnen. ' -
Dem stolzen, geraden Charakter des Grafen widerstrebte es, daß er zum erstenmal in seinem Leben dem Stiefsohn gegenüber mit der vollen Wahrheit hatte zurückhalten, ja von ihm sich gleichsam eine Gnadenfrist hatte ausbedingen müffen; Georg andrerseits mied ein Zusammensein, weil er in der Feinfühligkeit seiner Natur allein durch seine bloße Anwesenheit einen Druck auf den Vater auszuüben glaubte, während er ihm schon dafür von Herzen dankbar war, daß er seinen Wünschen und Hoffnungen nicht gleich von vornherein ein rundes Nein entgegengesetzt hatte.
Daheim traf der Gras Besuch. ~ -
Ulrike Sinderode war zum Diner nach Dom- browc gekommen und hatte Ruth auch den Nachmittag über Gesellschaft geleistet.
Als der Hausherr bei Einbruch der Dunkelheit die Gartenterraffe betrat, blinkte auf dem
Aber es soll nie dahin kommen, daß die Direkto- ren im Ehrenamt ihr eigenes Geschäft vernachlässigen müssen, denn damit ist die Genoffenschaft zu teuer erkauft. Merkwürdig ist, daß Thietz die Getreide- und Weinabsatzgenossenschaften mit Stillschweigen übergeht.
Umschau.
Zu der Ausweisung von Ausländern
schreiben die „Berliner Politischen Nachrichten": Da es in letzter Zeit häufig vorgekommen ist, daß Ausländer, deren Ausweisung im Wege des Transportes vollzogen werden sollte, wochen-. ja monatelang in Polizeihaft festgehalten sind weil die Hebernahmeerklärung ihres Heimatsstaates nicht früher einging, so hat der Minister des Innern, um derartige Fälle möglichst einzuschränken, angeordnet, daß in jedem Falle eingehend zu prüfen ist, ob die Ausweisung im Wege des Transportes durchgeführt werden muß, oder ob sie auch auf andere Weife vollzogen werden kann, und ob, wenn der Transportweg geboten erscheint, es nötig ist, den Auszuweisenden bis zum Eingangs der Hebernahmeerklärung seines Heimatsstaates in Polczeihaft za nehmen. Hierbei soll folgendes beachtet werden:
Kann nach sorgfältiger Prüfung des Einzelsalles angenommen werden, daß der Auszuweisende ohne unmittelbaren Zwang das diesseitige Staatsgebiet verlassen wird, so ist die Ausweisung durch polizeiliche Verfügung unter Androhung einer Zwangsstrafe — bei Ausweisungen aus dem Reichsgebiet durch Bekanntmachung der Ausweisungsverfügung — oder mittels Zwangspasses zur Durchführung zu bringen. Der Weg des Transportes ist dagegen nur dann zu wählen, wenn angenommen werden mutz, daß der Auszuweisende der Ausweisung ohne Anwendung körperlichen Zwanges nicht Folge leisten wird. Aber auch bei Benutzung des Transportweges ist es nicht immer erforderlich, daß der Auszuweisende zur Durchführung des Ausweisungsverfahrens in polizeiliche Haft genommen wird. Eine solche Inhaftnahme hat vielmehr nur ball» stattzufinden, wenn entweder die Durchführung der Ausweisung dadurch, daß bet Auszuweisende sich auf freiem Fuße befindet, gefährdet erscheint, ober wenn bie Detention zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit, Ruhe unb Drbnung für notwendig erachtet werden muß. Handelt es sich um bie Ausweisung von Personen, bie zunächst bet inlänbischen Strafrechtspflege Genüge leisten müssen, so sind bie Anträge aus Hebernahme alsbald nach Be-
gedeckten Tische noch das Kaffeeservice; wie ein weißer Fleck leuchtete das Tischtusch aus dem exotischen Dämmer einer Palmengruppe, silhouettenhaft hoben sich die Hmrtffe der beiden Damen von dem Hellen Hintergründe ab.
„Behalten Sie um Himmels willen Platz, Tante HIrife!" wehrte der Graf schon von weitem den etwas angestrengten Bemühungen, mit denen bie kleine Baronin ihren rundlichen Körper aus der bequemen Liegestellung ihres Faulenzers zu entwickeln versuchte. „Man merft Ihnen dies Jahr doch bedeutend an," fuhr et gutmütig spottend fort, „daß Sie Marienbab meuchlings überschlagen haben! Sie hätten sich im Mai nur ruhig wieber in bie böhmischen Wälder zurückziehen und uns unfern Jungen nicht verführen sollen! Guten Abend allerseits!"
Damit führte er bie Hanb der Cousine galant an bie Lippen unb küßte bie Gattin zärtlich auf bie weiße Stirn.
„Ist es erlaubt, in diesem friedlichen buen retiro einen Moment auszuruhen, ober behandeln bie Damen gerade ein Thema, bas für männliche Ohren nicht bestimmt ist?"
„Im Gegenteil, Eberhard, Tante Hlrike hat absichtlich deine Rückkehr abgewartet!" versetzte die Gräfin. „Sie hat dir nämlich eine sehr wichtige Mitteilung zu machen!"
„Ich bin ganz Ohr, verehrte Cousine," war bie Antwort, „obgleich mich seit Georgs Verlobung, glaub ich, nichts mehr überraschen kann!"
„Ich weile heute in einer beinahe amtlichen Eigenschaft hier, nämlich als Abgesanbte meines Bruders!" sagte bie Baronin, sich würbevoll aufrichtend. „Also hören Sie!"
Hnd sie entwickelte in großen Umriffen die Hauptdaten der Hntencbung des vergangenen Abends.
„Das ist ja eine ganz neue Wendung!" meinte der Graf nachdenklich, als Ulrike, von der langen Auseinandersetzung etwas erschöpft geendet hatte. „Nehmen Sie zunächst meinen herzlichsten Dank entgegen für bie tapfere Art
ginn bet Strafvollstreckung und nicht — wie dies häufig geschieht — erst kurz vor Ablauf der Strafzeit zu stellen. Dadurch wird sich in den meisten derartigen Fällen eine polizeiliche Zwi- schenhaft vermeiden lassen. Ausländer, welche der Landespolizeibehörde überwiesen sind, sind bis zur Hebernahme durch den Heimatstaat in einem Arbeitshause unterzubringen, wodurch bie Festhaltung in einem Polizeigewahrsam vermieden wird. In allen Fällen aber, in denen nach Lage der Verhältnisse die polizeiliche Inhaftnahme eines auszuweisenden Ausländers für geboten erachtet ist, müssen die Verhandlungen zur Herbeiführung der Hebernahmeerklärung .• Heimatsstaates nach Möglichkeit beschleuß' werden.
Sozialdemokratische Pretz- v erhält n i sse.
Die Preßkommission für den „Vorwärts" hat beschlossen, dem neugegriinbeten Metallarbeiter- verbände bie Spalten bes sozialdemokratischen Zentralorgans zu sperren. Der neue Verband soll also von vornherein mundtot gemacht werden. Durch diesen Beschluß erfahren die sozialdemokratischen Preßverhältnisse eine scharfe Beleuchtung. Die politischen wie die gewerkschaftlichen Organe der Sozialdemokratie sind sämtlich vollkommen abhängige Blätter, die der Kontrolle hier der Parteileitung, dort der Gewerkschaftsleitung unterstehen. Die Pretzkom- Missionen, die die Heberwachung der Redaktionen zu besorgen haben, walten in größter Strenge ihres Amtes. Kein „Genosse" ist in der Lage, andere als von der „Partei" — d. h? von diesen Aufsichtsinstanzen — anerkannte Blätter sozialistischer Richtung zu lesen. In jeder anderen Partei besteht eine ganze Reihe selbständiger Zeitungen. Jede Leitung einet bürgerlichen Partei besitzt nur ein Organ, auf welches sie direkten und maßgebenden Einfluß hat, entweder wie die Konservativen, die Nationalliberalen und die Freisinnige Vereinigung eine Parte ikorrespondenz, ober wie bas Zentrum unb bie Freisinnige Volkspartei eine Parteizeitung (bie „Germania" und bie „Freisinnige Zetung"). Alle übrigen, ben bürgerlichen Parteien bienenbeit Preßorgan- sind von bet Parteileitung wie von Partei- organisatonen a b s o l u t u n a b h ä n g i g. I'- bet Anhänger bet bürgerlichen Parteien kann sich also seine Zeitung nach eigenem Geschmack aussuchen unb hat in größeren Stabten bie Auswahl unter mehreren Parteizeitungen. Von einer Sperre bürgerlicher Blätter für mißliebig-.
unb Weise, wie Sie für meinen Stiefsohn uni bamit für mein ganzes Haus eingetreten sind!'
„Bitte, bitte, absolut keine Veranlassung!' war die bescheidene Erwiderung. „Ich habe nut meine Pflicht getan, unb schließlich bin ich doa auch habet interessiert, batz diese törichte Feind» schäft zwischen Dombrowo und Sinderode wenig, ftens offiziell endlich einmal beigelegt wird!" -s
6. Kapitel. !
Georg batte bie brci Tage bis zu Käthe Siw berobes Eintreffen in Ostpreußen in einen eigentümlichen Zustanbe von Hnruhe unb inne ter Erregung verlebt, bet ihm nut mit bet freut bigen Spannung bet Kinber in ben letzten Stun. ben vor der Bescherung am Weihnachtsabend vergleichbar schien.
Mit aller Gewalt hatte er sich am Nachmit. tage ihrer Ankunft bezwingen müssen, feinem Versprechen gemäß vom Bahnhof Rahnfelb fern- zubleiben; immer wieder hatte es ihn getrieben, fein Pferd zu satteln unb nach Sinberode hm- überjureiten, um bort im Walbe versteckt wenigstens im Vorbeifahren ein flüchtiges Bild bet Geliebten zu erhaschen.
Die Stunbe bes Sonnabenbs, bis ihn noch von dem zum ersten Wiedersehen mit Käthe bestimmten Sonntag getrennt, waren ihm in wahrhaft schneckenhafter Langsamkeit verstrichen. ;
Eine törichte Angst webte in ihm, daß durch irgend ein unvermutetes Hindernis das Rendezvous noch vielleicht in letzter Stunde vereitelt werden konnte; vergebens suchte er durch allerhand zweckloses Hantieren in Hof unb Stall bet nervösen Hnftätbeit seines Wesens zu wehren. .
Hnb als enblich bet Sonntagmorgen anbrach mit bet vollen Pracht eines sonnenklaren Spat-; fommermorgens, ba schien es ihm ganz unfatz- lich, baß et ihr heut wirklich unb wahrhaftig wieder gegenüber stehen, sie sehen und sprechen sollte, unb noch währenb bes Ankleidens beschlich ihn auf einmal eine geheime Frucht, daß er doch vielleicht nur träume unb burch ein plötzliches Erwachen aus seinem vermeintlichen Glücke wieber jäh in bie rauhe Wirklichkeit zurückversetzt werden könnte. — (Fortsetzung folgt.)