mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Sonntag. 8. Juli 1906.
Erscheint wöchentlich sieden mal.
Druck unb Verlag: Joh. Aug. Koch, UmverfitätS-Buchdruckeres 41.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Drittes Blatt.
I
Fremdenrecht.
□ In ganz Norddeutschland, insbesondere aber in Preußen, mehren sich in diesem Jahre die Klagen über die unerträglich werdende Zuchtlosigkeit der ausländischen Arbeiter. Diese Leute, die in ihrer galizischen oder russischen Heimat ein höchst fragwürdiges Dasein führen, scheinen der Meinung zu sein, daß sie im Deutschen Reiche sich jede noch so rohe Zuchtlosigkeit erlauben dürfen. Nichtsnutzige Eesindevermitt- ser, zum Teil leider auch die sogenannten Vorschnitter selbst, verleiten sie zu Vertragsbrüchen, hie sich häufig unter Krawallen vollziehen, die geradezu an Revolten grenzen. Es gehört durchaus nicht zu den Seltenheiten, daß die Leute von einem solchen Verführer beschwatzt, nachts ihre Quartiere verlasien und im Walde lagern, um dort am Feuer Beratung zu halten, und daß es dabei zwischen den streitenden Vorschnittern Und deren Parteien zu regelrechten Kämpfen kommt. Die Szenen, die sich auf den Bahnhöfen infolgedessen abspielen, zeigen die Landgendarmerie in einer geradezu ohnmächtigen Lage. Das alles lediglich deshalb, weil diese Leute ohne genügende Legitimation in das Land Hereingelaffen wurden, Lrzw. die mitgeführten Päffe gestohlen oder gefälscht find. Etwaige Anträge auf Bestrafung stellen stch deshalb in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle als gänzlich aussichtslos dar.
Bei dieser Sachlage erscheint der vom Frhrn. v. d. Eoltz-Mertensdorf ausgehende Vorschlag httrchaus berechtigt, daß diesen Arbeitern bei ihrem Eintritte in das Deutsche Reichsgebiet eine auf Ort und Namen des Arbeitgebers ausgestellte Legitimationskarte als Ausweis gegeben werde, deren Besitz fie allein für die angeführte Stelle zur Arbeit berechtigen soll. Ausländische Arbeiter, die nicht im Besitz einer solchen Legitimationskarte seien, sollen rücksichtslos äusgewiesen werden. Diese Forderung ist ohne Zweifel um so berechtigter, als der übermütigen Zuchtlosigkeit dieser Polen und Ruffen augenscheinlich nicht der politische Hintergrund der russischen Revolution fehlt. Die ganze Frage ist auch nicht zu trennen von der gesamten Handhabung unseres Fremdenrechtes, die leider den bestehenden Gesetzen in keiner Weise entspricht. Welch lächerlicher Zustand, daß wir jetzt Tag für Tag in der demokratischen Presse Klagen und Lamentos über Härten in der Behandlung der mit Ausweisung bedrohten unerwünschten Gäste - •==== .■
Aus unruhigen Zeiten.
Bon 2. Müller.
(Fortsetzung). •'? '
- Ein schmaler Steg führte links über eine Schlucht zum Pfannenkuchenhäuschen, das am Rande derselben steht, und außer einer kleinen Küche, in die man von der Haustür auf der, der Schlucht entgegengesetzten Seite unmittelbar Limmt, einem links daran stoßenden kleinem Stübchen, einem Ziegenstall und kleinen Boden keinen Raum enthält, so daß im Häuschen, deffen Dach ein großer Mann beinahe mit der Hand zu erreichen im Stande ist, kein East Platz finden kann. Es ist ein romantisches Häuschen von dem Zuschnitte, wie es sich die schmachtende Liebe — bei vollem Magen — von dem Geschicke der Blindheit ost zu erflehen pflegt, um sich sodann von der Sorge den Staat stechen zu lassen, um es nachher zu verwünschen: „Ein kleines Hüttchen nur, draußen auf der grünen Flur." rc. Bei dem Häuschen ist ein kleiner Garten unter deffen Obstbäumen ein paar Tische und Bänke ohne Lehne stehen und in der Erde befestigt sind. Oberhalb des Häuschens erhebt sich auf einer kleinen Erhöhung eine Linde mit Tisch und Bänken unter ihren schattigen Aesten. Vom Fuße dieser Erhöhung dehnt sich ein breiter Gang, der mit Tischen und Bänken versehen und zu einer Laube führt die das Terrain des Pfannenkuchenhäuschens abschließt.
Dieses sonnige geschützte Plätzchen mit seinem schönen Panorama hatte einen anziehenden idyllischen Reiz, wo die Studenten hingingen und sich Pfannenkuchen backen ließen.
' Später dehnte sich die Wirtschaft immer mehr aus, so daß man Kaffee- und Teegesellschaften hier abhielt, wozu man sich alles mit- vrachte und die Wirtin nur gegen Vergütung ftandesgentäß honorierte. Sogar hohe Herr- chafteit haben hier verkehrt. Wir trafen eine zahlreiche Kaffeegesellschaft an. in deren Mitte ein in Amt und Würde hochstehender Mann mit besternter Brust saß, umgeben von einem reizen- bi<> Damenflo* - . .. . . .......■ . .
aus Rußland vernehmen. Warum in aller Welt hat man diese Leute überhaupt über die Grenze Hereingelaffen, da sie doch von vornherein als lästig erscheinen müffen? Das neue Auflodern von Gewalttätigkeiten in Rußland stellt uns leider einen immer verstärften Zuzug dieser unerwünschten Einwanderung in Aussicht und unsere Behörden hätten deshalb alle Ursache, diese Einwanderer mit derselben Schärfe zurückzuschieben, mit der dies in England und Amerika geschieht. England hat vor Jahresfrist, weil seine Gesetze nicht ausreichten, ein besonderes Fremdengesetz erlaffen, und in Amerika wird mit bekannter Entschiedenheit alles politisch verdächtige oder sozial unbequeme Proletariat in Castle garden zurückgewiesen. Auch die freie Schweiz geht jetzt gegenüber den ausländischen Revolutionären mit fester Entschlossenheit vor und weist auf gründ von Art. 70 bet Vundesvetfaffung jeden aus, bet sich lästig macht.
Besonders vorsichtig ist bie schweizerische Polizei gegenüber bert Russen geworden, die vor- geben, akademische Studien zu treiben.
Die deutschen Blätter begrüßen dies mit Genugtuung und hoffen, daß die Schweiz nicht mehr als Unterschlupf für anarchistische Verbrecher dienen wird. So sehr man dies unterschreiben mag, sollte man doch vor allen Dingen in Deutschland darauf bestehen, daß unsere Grenze mit rücksichtsloser Entschloffenheit gegen die heranflutende revolutionäre Einwanderung versperrt wird.
Umschau.
Reichs- und Einzel st aatsrecht.
Zu der parlamentarischen, Behandlung der Frage, inwiefern Eingriffe in die Verfassung der Einzelstaaten durch bte Reichsgesetzgebung von bet Mitwirkung bet Einzelstaaten abhängig gemacht werben können (Antrag Arenbt), hatte bas Reichsdiätengesetzt mit seinen Bestimmungen über bte Vermeidung bet Doppeldiäten Anlaß gegeben. Det Anttag ging dahin, die Staatsregierung aufzufordern, im Bundesrate dahin zu wirken, daß Eingriffe in die Verfassung der Einzelstaaten, insbesondere Preußens, im Wege der Reichsgesetzgebung vermieden, jedenfalls nicht ohne Einvernehmen mit den Einzellandtagen vorgenommen werden.
Vom Standpunkte des Reichsstaatsrechts und in dieser allgemeinen Form kann, wie Prof. Dr. C. Bornhak (Berlin) in der „Deutschen Juristenzeitung" ausführt, der Antrag als berechtigt nicht anerkannt werden. Weder könnte dir preußische Regierung anders als durch einen Antrag auf eine wesentliche Aenderung der
Vom Pfannenkuchenhäuschen führt ein Pfad zwischen Aeckern hindurch zur Anhöhe, von welcher man einen herrlichen entzückenden Anblick auf das Lahntal und die Stadt genießt. Von da wendet man sich links und gelangt durch schattigen Buchenwald zu einem ausgelichteten Platze, dem Homburgks-Wäldchen (jetzt Dreyers Quelle). Von hier kehrten wir den Weg durch Ockershausen zurück dem Schlöffe zu, wo ich mein Erdenpilgerkleid wieder um meinen Geist warf.
An einem Herbsttage bestiegen ich und Mepht den Dammelsberg, der auf der westlichen Seite des Schlaffes liegt und von der Stadt in einer Viertelstunde zu erreichen ist. Dieser Berg, der sich dem Schlöffe gegenüber frei über die umliegende Talgegend erhebt, mit mehreren Rundgängen, die allmählig auf den oberen Scheitel des Berges führen, mit Boskets, Lauben, Pavillons, Bänken, Tischen, Stein- und Moossitzen und auf der Anhöhe mit einer halbzirkelförmigen Hütte versehen (Mooshäuschen) ist, und durch den Oberforstmeister von Wildungen angelegt wurde, wird durch freiwillige Beiträge in gutem Zustand erhalten und ist das anmutigste Lustwäldchen in nächster Umgebung Marburgs, ja ein wahres Kaleidoskop von Bildern und Rundgemälden, die man von ihm aus sehen kann, die mit jedem Schritte in einer seltsam überraschenden Weise abwechseln. Dieselben Gegenstände erlangen, durch die wechselnde Gruppierung mit andren mittelst Veränderung des Gesichtspunktes, eine äußerst reizende Mannigfaltigkeit. So erblickt man z. B. das Schloß, die Stadt, Spiegelslust, das Eießner Tal mit dem Frauenberg, den Elaskopf mit seiner Warte, Ockershausen und Cappel, das Schweizerdorf Marbach mit feiner ausgezeichneten guten Quelle, seinen Fluren und Waldhöhen, die Elisabethkirche, die Kirchspitze und den Weinberg. Die Waldung des Dammels- bergs besteht aus verschiedenen Holzarten, Buchen, Eichen sind vorwiegend. Als ich diesmal das Heiligtum besuchte, hatte es das Festgewand bereits abgelegt, die Blätter, die Zierden des Lebensorgans, waren gefallen, die Aeste fahen
Reichsverfaffung dahin wirken, daß die Reichs- gefeßgebung Eingriffe in die Verfassung der Einzelstaaten nur im Einvernehmen mir den Einzellandtagen vornimmt, noch kann das preußische Abgeordnetenhaus berufen fein, allgemein das Verfaffungsrecht der Einzelstaaten zu wahren.
Ganz anders aber gestaltet sich die Frage, wenn man fie allein vom Standpunkt des preußischen Staatsrechts betrachtet. Unter Berufung auf die Labandschen Aeußerungen über das einzel- staatliche Recht der Jnstruktionserteilung an die Vundesratsevollmächtigten, das in der Verantwortlichkeit der einzelstaatlichen Regierung gegenüber dem Landtage sein Gegenstück hat, vertritt Bornhak die Ansicht, daß der Antrag Arendt lediglich zum Ausdruck bringen soll, daß es sich bei der Stellungnahme zum Reichs- diätengesetz um eine Angelegenheit handle, in der die Staatsregierung das Bedürfnis habe, den Landtag hinter zu wiffen. Der Zustimmung des Landtages bedürfe deshalb die Regierung nicht, wohl aber des Bewußtseins, daß sic sich bei der Instruktion der Bundesbevollmächtigten im Einvernehmen mit dem Landtage befindet. Wie er aber den Grundsatz einer rechtlichen Bildung der Regierung nicht anerkennt, findet Bornhak auch das Ziel des Antrages Arendt ausschließlich auf politischem Gebiete: „Keinerlei Umgestaltung des geltenden Verfaffungsrechtes ist beabsichtigt. Es sollte nur gegenüber den stetig zunehmenden unitarischen Tendenzen desReichs- tages, wie sie sich int Toleranzantrage des Zentrums den Wahlrechts- und Schulanträgen der Sozialdemokraten ausprägen, der Regierung des größten Einzelstaates ein Rückhalt gewährt werden in dem eigenen Landtage. Dieses Angebot der Stütze gegenüber den Strömungen der öffentlichen Meinungen, wie solche sich im Reichstage geltend machen, stärkt aber gleichzeitig das Gleichgewicht der Kräfte unter den gesetzgebenden Faktoren des Reiches."
Reichstagsdläten und Sozial« demoktatie.
Als von konservativer Seite gegen die Einführung derm Reichstagsdiäten der Einwand erhoben wurde, die Sozialdemokratie werde davon den größten Nutzen haben, erfolgte höhnischer Widerspruch. Aber bald genug stellte sich die Nichtigkeit dieses Einwandes heraus. Dadurch, daß den Reichstagsabgeordneten jetzt aus Reichsmitteln „Entschädigungsgelder" gezahlt werden, wird für die sozialdemokratische Hauptkaffe alljährlich eine Summe von 70 bis 80 Tausend Mark frei, die bisher zur Gewährung von Parteidiäten verwendet werden mußten. Die in diesem Jahre freigewordenen, d. h. von den Mitgliedern der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion an die Parteikaffe zurückgezahlten 70 bis 80 Tausend Mark werden voraussichtlich für
Skeletten ähnlich, der Gesang der Vögel wat verstummt und bei diesem Anblick flüsterte mir die Hohepriesterin zu: „Sieh mein Sohn, in meinem Wechsel ein Bild des menschlichen Geschickes I Ist der Mensch im Schoße des Glückes, so drängt sich alles schmeichelnd um ihn herum, um stch im Glanze seines Glückes zu sonnen und von den Gaben desselben zu laben, wenn aber die rauhen Stürme des Lebens ihn aus diesem Schoße herausschütteln und in die kahle düstere Wüste des Unglücks schleudern, bann kehren ihm alle Schmeichler, Bewunberer, Bettler unb falschen Freunbe ben Rücken unb nichts folgt ihm als bie wahre Liebe unb Freundschaft usw." Mag auch der rauhe Wind die Blüten seines irdischen Lebens zerknicken und die grünen Blätter seiner Freuden verwüsten, so daß er kahl dasteht wie diese Eichen, er hat wie diese, seine geistige Lebenskraft noch unversehrt in seiner Brust und wird mit dieser stets wieder einen neuen Frühling schaffen und neue Blüten und Blätter treiben.
Wir hatten den Scheitel des Berges erreicht. Diese ziemlich geräumige Ebene mit der vor ein paar Jahren erbauten und seitdem sehr ver- befferten, grünlich angestrichenen Hütte, unter unter welcher ein paar Dutzend Menschen Schutz gegen Regen finden können, wird im Frühjahr, Sommer und Herbst an den Dienstagen von der „Dienstagsgesellschaft" regelmäßig besucht, um die Abende mit Musik, Tanz und Picknick zuzubringen. Diese Gesellschaft hatte früher als „Donnerstagsgesellschast" eine Ebne weiter unten am Berge nicht weit von der Schaukel, die jetzt ruiniert ist, zu gleichem Zweck an Donnerstagen benutzt. Es ist in der Tat zu Vergnügungen kein Ort paffender, wie der Dammelsberg, welcher außer den vielen Promenaden, Lauben und Sitzen feinen Gästen stets frische und gesunde Luft zum Genüsse bietet. Durch das herbstliche Tal gingen wir nach dem Dorfe Marbach um hier eine Promenade durch bie städtische Wasserleitung zu machen, von bort (Hegen wir auf ben jenseitigen Berg, ben man am bequemsten von bet Ketzerbach besteigt, über
die nächsten Wahlen „aufgespeichert" werden. Für die Verwendung der fortan jährlich verfügbaren gleichen Summen aber sind schon manche recht beachtenswerte Vorschläge gemacht worden,
Der sozialdemokratische Wahlverein für Frankfurt a. M. hat beschlossen, auf dem nächsten Parteitage den Antrag zu stellen, die „durck die Einführung der Reichstagsdiäten freiroer benben 70 bis 80 Tausend Mark" für ben Aus. bau bet Jugendorganisationen auszuwerfen. Der „Vorwärts" aber meint, durch übermäßige Subventionen werden die Jugendorganisationen nicht su gesunder Blüte, sondern zu einer nicht wünschenswerten Treibhausentwickelung gelangen. Daß die Partei die Jugendorganisationen unterstützen werde, sei gewiß: aber von so hohen Summen könne vorläufig nicht die Rede sein. Dagegen hat der „Vorwärts" und anscheinend die Parteileitung einen anderen Ver- wendungsplan für den Betrag der bisherigen Parteidiäten. Er meint, die von dem ..Genoffen" Schulz in der „Neuen Zeit" geforderte :nrd von der „Leipziger Volkszeitung" lebhaft c ■ Mene sozialdemokratische „Kriegsschule" müsse mit großen Mitteln in Gang gebracht werden.
Diese sozialdemokratische „Kriegsschule" soll als dauernde Institution mit viertel- oder halbjährigen Abteilungen in Berlin errichtet werden. Als Lehrgegenstände sollen in Betracht kommen: Nationalökonomie, Theorie des Sozialismus, Geschichte, Literaturgeschichte, Natur- wiffenschaften, Redeübung, Rechtsurkunde und schriftlicher Eedankenausdruck (Abfaffen von Berichten, Flugblättern, Notizen). Eine Reihe von Lehrern soll mit auskömmlichen Gehältern fest angestellt werden, so daß sie sich ganz der Lehrtätigkeit widmen können. Diese neue Drillanstalt soll nicht von Parteibeamten usw., sondern von beruflich tätigen Arbeitern, die sich im Dienste der Partei bewährt haben, besucht werden. Die Unterhaltungskosten würden die betreffenden Organisationen mit Unterstützung der Parteikaffe zm tragen haben. Der „Vorwärts" will, daß bei der Errichtung dieser Anstalt nicht gespart werde, sondern daß dafür zu sorgen sei, daß der Besuch der Schule wirklich ein „gediegenes Bildungsfundament" lege.
Durch die Einführung der Reichstagsdiäten ist die Sozialdemokratie instand gesetzt, ihre Kriegsschule zu errichten und zu unterhalten. Tausende in dieser Drillanstalt zu „gediegen gebildeten" Agitatoren wird die Umsturzpartei bei künftigen Wahlen auszusenden haben: abgesehen davon, daß dieses in einem Vierteljahr eingepaukte „Bildungsfundament" unter bet Arbeiterschaft sich empfindlich breit machen wird. Das alles ist ber Einführung ber Reichstagsdiäten zu verdanken.
bie Brunnenröhren, von wo mit bet Mephi an bie Heimkehr mahnte um uns nach unserem Hotel zum Lanbgrafen zurück begaben.
Im folgenben wirb geschildert, mit welchen Gefühlen Jordan er aus bem Gefängnis seiner Wohnung einen Besuch abstattete.
„Wer wüßte nicht, baß eine fteubige Uebet- raschung bas kummergedrückte Herz völlig brechen kann, während ein neuer Schmerz oft nut dazu beiträgt, die geistige Spannkraft zu heben? Ich flog in meiner Stimmung zunächst in mein Haus, das die teuersten Pfänder meines Hetzens umschließt. Ich betrat zuerst meine Arbeitsstube, diese stumme Zeugin meiner Tränen, meinet Leiden und meiner Tätigkeit. Es war mit als trete ich in ein Gemach, deffen Bewohner vor kurzem zu Grabe getragen worden. Aufgeschlagene Bücher lagen auf den Tischen und auf dem Boden, den Schreibtisch bedeckte hoher Staub; die Uhr an der Wand pickte nicht, fie war lange abgelaufen, und die Hand, die fie sonst im Gange erhielt, war nicht im Hause. Halb ausgeräucherte Pfeifen standen in den Ecken, die Schubladen des Sekretärs standen teilweise geöffnet; Briefe, Papiere aller Art lagen in bunter Unordnung umher. Die Spinne hatten ihre Herrschersitze in allen Winkeln aufgeschlagen.
Ein Gefühl der Wehmut durchbebte mich, ich wollte eben das Zimmer verlassen als mein ältester Sohn eintrat und sich eine Zigarre an der Platina-Zündmaschine ansteckte, ein Buch nahm und sich hinsetzte?) Ich ging nun in das Zimmer meiner Frau. Sie lag auf dem grünen Sopha, das von jeher ihre Leidensstätte war. Sie sah blaß, abgehärmt und abgemagert aus, sie hatte das Hauskleid nur nachlässig umgeworfen und eine Nachthaube verhüllte bie Unordnung der Haare. In der Gegend ihres Herzens hämmerte es laut und schnell, bei jedem Schlage hob sich angstvoll ihre Brust unb bittere Tränen floffen aus ihren hohlen Wange«.
*) Mein Sohn mit drei Geschwistern ginge« seitdem hinüber! es kam anders,