mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Jfro 156
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Marburg
Sonnabend, 7. Juli 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnivcrsitLtS-Buchdruckerei 41. Iabra.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55. ö
Neueste Telegramme.
Berlin, 6. Juli. Die Geschästsorbnungskom- mission des Abgeordnetenhauses beschloß, dem Plenum zu empfehlen, entgegen der bisherigen Praxis die Erlaubnis zur strafrechtlichen Verfolgung der sozialdemokratischen Redakteure der Erfurter „Tribüne" und der Düsseldorfer „Polksstimme" wegen Beleidigung des Abgeordnetenhauses zu erteilen.
Berlin, 5. Juli. Nach einem Telegramm des Eouvernements aus Dar-es-Salaam hat Lie im Süden des Schutzgebietes operierende Kompagnie Schoenberg am Kiturika und Luvegu Widerstand gefunden und am Dapats den Gegner überfallen. Nähere Meldungen fehlen noch. In Jraku haben sich die Detachements aus Kili- watinde, Mpapua und Meschi am 25. Juni vereinigt. Der Aufstand ist zurzeit auf Jraku beschränkt; die Aufständischen stehen an der Karawanenstraße bei Dagave. Das Detachement Hirsch aus Tabora sollte am 28. Juni in Jraku eintreffen.
Berlin, 6. Juli. Der „Nat.-Ztg." wird die Meldung, Deutschland werde die Initiative zur .Einberufung einer neuen Kongo-Konferenz ergreifen, von unterrichteter Seite als unzutreffend bezeichnet.
Bonn, 5. Juli. Der frühere Kommandeur bet Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika, Generalleutnant v. Trotha, nimmt demnächst seinen ständigen Wohnsitz in Godesberg a. Rh.
Altena, 6. Juli. Nunmehr hat auch das Kreiswahlkomitee der freisinnigen Volksparte? ihn Wahlkreise Altena-Iserlohn einstimmig beschlossen, für den Zentrumskandidaten in der Stichwahl einzutreten, den jetzigen Freisinnskandidaten Müller aber für die nächste Reichstagswahl wieder aufzustellen.
Karlsruhe, 5. Juli. Der Besuch des Kaisers und des Eroßherzogs von Baden in Heidelberg, der aus Anlaß der Jubiläumsfeierlichkeiten im badischen Fürstenhause für den 25. September b. Js. in Aussicht genommen ist, gilt lediglich bet Einweihung des dortigen Krebsinstttuts. Bei dieser Gelegenheit soll auch eine eingehende Besichtigung des Heidelberger Schlosses erfolgen.
Paris, 5 .Juli. Nach den neuesten Meldungen ist man nunmehr in hiesigen Kreisen überzeugt, daß das französisch-englisch-italienische Abkommen Letr. ALessynien endgültig zum Abschluß kommen werde. Die Verhandlungen wurden angeblich dadurch verzögert, daß Italien zugunsten Erythräa die Gewährung des Durchzuges durch Abessynien verlangte. Das Abkommen wird die Unabhängigkeit und Integrität Abessyniens sowie den Grundsatz der offenen Tür bekräftigen und allen Ausländern die gleichen wirtschaftlichen Rechte zuerkennen. Es wird außerdem bestimmt werden, daß die Bahn bis Adis-Abeba in französischen Händen sein soll. Der „Petit Parisien" bemerkt dazu: Das neue
12 (Nachdruck verboten.);
Die Kette.
Roman von Hans Schulze.
(Fortsetzung.)'
„Gemballachen I Eine Zeltinger und eine Flasche Selters!" rief er dann dem durch die Türspalte lugenden Wirt zu und stopfte sich umständlich seine kurze tönerne Schiffspfeife. „Meine Alte sitzt noch in Zoppot, aber mich hat es weiß Gott zum erstenmale in meinem Leben mit der Neugier gepackt, mag auch ein Schuß Angst mit dazwischen gewesen sein! Ich hielt's in dem langweiligen Badenest jedenfalls heut morgen nicht länger aus; die Sorge um Georg ließ mir absolut keine Ruhe. Da hab ich mich schnell entschlossen auf die Bahn gesetzt, um mal nach dem Rechten zu sehen und euch beide eventuell von kleinen Torheiten abzuhalten!"
Der Graf ergriff über den Tisch hinüber die Hand des Vetters und drückte sie kräftig.
„Ich danke dir!" sagte er einfach.
„Nanu, nanu!" wehrte dieser ab. „Werde bloß nicht sentimental! Ich meinte nur, es fei vielleicht doch angebracht, daß ein ordentlicher Kerl wie ich, der einen erheblichen Puff vertragen kann, zwischen euch stände, wenn ihr etwa aufeinander losgehen solltet."
Mit diesen Worten lehnte er sich behaglich in seinem Stuhle zurück und reckte die mächtige Brust.
„Lade ab, Eberhard, was du auf dem Herze» haft! Deinem Gesicht hab' ichs ja vorher schon von der Tür aus angesehen, daß dir was in die Bude geregnet ist! Was hat der Junge beim ausgefressen?"
„Er hat sich oder will sich mit Käthe Sinde- tode verloben!"
Abkommen wird niemand verletzen und niemand schaden. Es wird ein Friedenswerk sein.
Konstantinopel, 5. Juli. Der Sultan hat aus Anlaß der Geburt des Sohnes des deutschen Kronprinzen an den Kaiser und an den Kronprinzen Glückwunschtelegramme gerichtet.
Kapstadt, 4. Juli. Die Lage in Natal gilt fortgesetzt als ernst. In Johannesburg find gestern ernste Ruhestörungen durch Schwatze votgekommen, die nach einet Meldung der „Daily Mail" schließlich darin gipfelten, daß eine Bande von fünf Schwatzen, mit Messern und Stöcken bewaffnet, durch die südlichen Vorstädte von Johannesburg rannte. Sie zogen ein Ehepaar vom Wagen, beraubten es, schlugen die Frau und versuchten sie zu mißhandeln und stachen den Mann in den Kopf. Dann erstachen sie die Pferde eines anderen Wagens und beraubten dessen Insassen. Einen jungen Briefträger stachen sie mit Assegais durch die Lunge; bet Ueberfallene dürfte kaum mit dem Leben davonkommen. Schließlich stachen und mißhandelten sie noch einen wesleyischen Geistlichen und andere Passanten. Die Bande brüllte Bam- baatas Namen. (Bambaata ist der angesehenste Führer der Natal-Rebellen.) In den Vorstädten herrscht Panik, die Einwohner bewaffnen sich, auch verlangen sie mehr Polizei.
Oefterreich.
Hefier die Wahlrefotm wird uns geschrieben: Es gibt nichts Unwahrscheinlicheres, als was sich int täglichen Wechsel der Dinge vor unseren Augen vollzieht. Alle Welt war noch vor wenigen Wochen davon überzeugt, daß der Ausbruch des Konfliktes mit Ungarn die österreichische Wahlrefotm in den Hintergrund, vielleicht selbst auf die lange Bank schieben wü;de. Was die einen fürchteten, hofften die andern: überzeugt, daß es so kommen müsse und werde, waren alle, Und was sehen wir jetzt? Trotzdem die Aus- gleichskrise alles in Atem hält, trotzdem die De- legationsverhandlungen Zeit und Interesse absorbieren, trotzdem der Vudgetausschuß die Rolle eines Staatsgerichtshofes usurpiert und ein im parlamentarischen Leben Oesterreichs bisher noch nicht gesehenes Schauspiel aufführt, trotzdem der Sommer auf seiner Höhe steht, ja sie fast schon überschritten hat, — trotz diesem und jenem geht die Wahlrefotm ihren Weg unbeirrt und unaufgehalten ruhig vorwärts. Es ist wahr, sie steht nicht mehr wie int Winter int Vordergründe des öffentlichen Interesses, man zankt sich nicht mehr mit leidenschaftlicher Anteilnahme um ihr Schicksal, — aber sie geht nichtsdestoweniger vorwärts, ja vielleicht eben deshalb um so stetiger und sicherer, je weniger man sich um sie aufregt. ,
Was ist geschehen, diese Wendung herbeizu- führen? Nichts anderes als was oft geschieht. Die Vernunft ist zu Worte gekommen. Auch die Gegner sagen sich, daß es nichts hilft sich gegen
„Mit Käthe Sinderode!"
Fast wäre dem $ctron_ die Pfeife aus den Fingern geglitten; mit offenem Munde starrte et dem Vetter überrascht ins Gesicht.
„Mach keine schlechten Witze, Eberhard! Dazu ist es heute zu heiß!"
„Mir ist zu allem anderen rote zum Scherzen zumute!" war die bittere Entgegnung. „Es ist so, rote ich dir gesagt habe!"
„Aber, liebster Eberhard, das ist ja ein furchtbarer Schlag ins Kontor! Der Bengel ist wohl verrückt geworden? Er weiß doch genau, wie du mit dem Alten stehst und macht solche Geschichten! Alles andere hätte ich vermutet nur das nicht!" ..
„Ich war über diese Mitteilung natürlich auch wie vom Donner gerührt und bin trotz dreitägigen Grübelns und Sinnens noch zu keinem vernünftigen Entschlüsse gelangt!" —
„Schicke mir den Jungen morgen früh einmal zu!" fiel ihm der Baron ins Wort. „Ich werde ihm den Standpunkt schon klar machen! Das verspreche ich dir!"
Der Graf schüttelte mit drübern Lächeln den Kopf.
„Das ist verlorene Liebesmüh! Eher rennst du diese Wände ein, als daß du Georg um« stimmst! Was et sich einmal vorgenymmen hat, das führt er durch, da mag es entweder biegen ober brechen! llnb bie Verlobung ist bei ihm festbeschlossene Sache!"...
Der Eintritt bes Wirtes ließ bie Unterhaltung in biesem Augenblick auf kurze Zeit verstummen; in nachdenklichem Schweigen saßen sich die beiden Herren minutenlang gegenüber.
„Wie stellt sich deine Frau eigentlich zu dieser Idee Georgs?" nahm der Baron endlich, nur um überhaupt etwas zu sagen und die lastende Stille zu brechen, das Gespräch wieder auf.
etwas Unvermeidliches zu sperren. Eben als eine Notwendigkeit nimmt man hin, was nicht zu ändern ist. Oesterreich wird dem allgemeinen Wahlrecht doch nicht entgehen, darum — „was muß geschehen, mag's gleich geschehen!" Das ist der Ton, auf den jetzt die Instrumente im Wahl- teformausschuß gestimmt sind.
Es läßt sich nicht leugnen, daß das wiederholte, fast ostentative Eintreten Kaiser Franz Josefs für das allgemeine Wahlrecht tiefen Eindruck gemacht hat. Auch das Handschreiben an den böhmischen Statthalter hat in fast feierlicher Form die Notwendigkeit der Reform betont. Und die Völker Oesterreichs haben noch nicht aufgehört, auf die ehrwürdige Stimme ihres Kaisers zu hören. Gerade die der Krone näher stehenden Gruppen und Parteien waren ja unter Herrn von Gautsch die lautesten Bekämpfer der Reform. Sie sind jetzt mehr und mehr verstummt. Selbst der Führer der polnischen Konservativen hat am 25. Juni im Parlament erklärt, daß kein ernstlicher Widerspruch mehr gegen die Wahlreform und ihr Grundprinzip, das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht, zu erheben sei. Auch die nationalen Bedenken der Deutschen gegen die Fassung der Reform scheinen mehr und mehr zu schwinden. Einige Abstim- mungszwischenfälle der letzten Zeit haben ihnen bewiesen, wie wenig im Ernstfälle die Fiktion eines deutsch-romanischen Blocks, der dem slawischen das Gleichgewicht halten soll, bedeutet. Ohne Zögern haben die Italiener und Rumänen bei diesen Abstimmungen den Block, in den man sie einschachteln will, im Stich gelassen und haben mit den Slawen gestimmt. Die Deutschen haben es deshalb auch aufgegeben, ihre Anstrengungen auf die Verminderung der „Spannung" zwischen den beiden abstrakten Blocks zu richten sie akzeptieren im großen.und ganzen die Wahlreform und begnügen sich damit, in der Ausschußberatung der Vorlagen Verbesserungen im Sinne einer Berücksichtigung der großen und bisher in den Regierungsvorlagen ohne Vertretung gelassenen deutschen Minoritäten im Norden und Süden durchzusetzen. Damit arbeiten die Deutschen endlich in jener realpolitischen Richtung, der ihrs nationalen Gegner so viele ihrer wichtigsten Errungenschaften zu verdanken haben. Alles in allem, größere Hindernisse werden der Wahlreform kaum mehr im Wege stehen. B-
Deutsches Reich.
Berlin, 6. Juli.
— Seine Majestät der Kaiser ist gestern vormittag 10 Uhr vor Bergen eingetroffen. Dis Fahrt verlief bisher beim schönsten Wetter vortrefflich. Gleich nach dem Eintreffen des Kaiserschiffes begaben sich der deutsche Gesandte tu Ehristiania, Dr. Stübel, und der deutsche Konsul in Bergen, Mohr, an Bord der „Hamburg". Der Kaiser ging mit dem Gefolge an Land und kehrte
„Ruth ist nächstens fertig!" war die resignierte Antwort. „Sie schläft nicht, sie rßt ntcht, sie geht herum wie ein Schatten! Noch ein paar Monate so weiter, und ich kann sie in eine Anstalt bringen. Die halbe Nacht habe ich sie wieder unter ihrer Decke hervorweinen hören! Länger halte ich das auch nicht mehr aus."
Der Baron pfiff leise durch die Zähne.
„Ihr seid wirklich zu bedauern; solch ein Paar prächtige Menschen! Und der Stetten war doch, unter uns gesagt, ein ausgemachter Lump, dem im Grunde noch ein viel zu anständiges Schicksal geworden ist!"
„Laß die Toten ruhen, Vetter!"
„Mein Gott ja, meine Art ist es auch nicht, überflüssigerweise alte Jacken auszuklopfen! Aber wenn ich denke, daß ihr noch nach zwanzig Jahren unter der Nachwirkung dieses Menschen zu leiden habt!"...
„Wir hätten nicht heiraten dürfen!"
„Das sagt sich jetzt theoretisch sehr schön. Ihr habt es aber getan, folglich ist jedes weitere Reden über diesen Punkt absolut zwecklos. Jetzt handelt es sich nur um das eine, wie du am besten deine Beziehungen zu Georg regelst. Und da vertrete ich halt immer noch meine alte Meinung von einst, die du freilich seinerzeit auf jede Weise negiert hast, es ist bas beste: Georg erfährt je eher je lieber bie volle Wahrheit!"
„Ich gebe bir in gewissem Sinne recht, Vetter. Wenn es einzig auf mich ankäme, ich hätte mich mit Georg längst auseinanbergesetzt. Was mich bisher bauen abgehalten hat, ist allein bet Gebanke an meine Frau. Ruth hat mir immer roieber erklärt, bie Scham vor ihrem Kinbe ließe sie den Moment der Entdeckung auch nicht um eine Stunde überleben. Was ist da zu wollen? Jedenfalls habe ich mich jetzt aber auf alles ge-
um 12 Uhr 30 Min. mittags auf die „Hamburg' zurück. Im Laufe des Nachmittags empfing ei den norwegischen Ministerpräsidenten Michelse« in Audienz. Bei seiner Ankunft in Bergen erhielt der Kaiser die Nachricht von der glücklichen Geburt seines Enkels. Das Kaiserschiff und die es begleitenden Kriegsschiffe flaggten aus. Dis „Leipzig" feuerte den bei Geburt eines Prinzen des königlichen Hauses vorgeschriebenen Salut von 21 Schuß. Das Gleiche erfolgte seitens ber norwegischen Forts.
— Die Kronprinzessin unb ber junge Prinz erfreuen sich anbauernb bes besten Wohlseins Gestern (Donnerstag) mittag würbe nachstehend bes Bulletin ausgegeben:
Potsbam,5. Juli, 12 Uhr 30 Min. mittags. Ihre kaiserliche Hoheit bie Frau Kronprinzessin befindet sich nach gut verbrachter Nacht heute morgen recht wohl. Auch bas Br- finben bes Kindes ist vortrefflich.
gez. Bumm. gez. Keller.
Die Kaiserin begab sich gestern früh 10 Uhr ins Marmorpalais unb blieb ben ganzen Tag dort. Auch ber Kronprinz weilt anbauernb im Palais. Der Kaiser hat, wie eine Berliner Korresponbenz erfahren haben will, noch vor Antritt seiner Norblanbreise ben Termin für bie Taufe seines neugeborenen Enkels auf ben 12. August b. I. festgesetzt. Ferner soll ber Monarch bestimmt haben, baß ber junge Prinz ben Rufnamen Wilhelm führen solle. Oberhofpredigex D. Dryander werde auf Anordnung des Kaisers bie Taufpredigt halten.
— Zum Sckmlunterbaltungsgefetz schreibt bie „Nationallib. Karr": „Wie wir hören, ist unter den am Schulkompromiß beteiligten Parteien eine Einigung über die Bestimmungen betr. bie Lehrerwahl erfolgt, ber hoffentlich auch bas Herrenhaus beitreten wirb. Es wirb den kleinen Gemeinden eine weitgehende Mitwirkung bei ber Lehrerwahl, als wie bas Herrenhaus sie vorgesehen hat, eingeräumt, jedoch so, daß bie Initiative bei der Schulaufsichtsbehörde bleibt, doch werden weitergehende Rechte sowohl bezüglich der Lehrerwahl als auch ber Rektorenernennung erhalten. Letztere Bestimmung erhält insofern eine wertvolle Erweiterung, als nicht nur bas immerhin zweifelhafte Recht, sondern auch die in ben letzten fünf Jahren unbcam staubet gebliebene Hebung ben Gemeinden rechtlich zuaesichert wirb."
— Der Vunb ber Bobenreformer beabsichtigt dem Abgeorbnetenhause eine Massenpetition j# überreichen, in ber gebeten wirb, mit Bezugnahme auf § 16 des Gesetzes betreffend die Herstellung und den Ausbau von Wasserstraßen noch in dieser Session diejenigen Schritte zu unternehmen, welche geeignet sind, das an die neu zu erbauenden Kanäle angrenzende Land vor der Spekulation zu schützen und der Woh- nungsfürforge im sozialen Sinne dienstbar zu machen. Bis jetzt hat die Petition 76 000 Unterschriften gefunden. Die Bodenspekulation z. B. am Teltowkanal ist enorm, die Preise sind ungeheuer in bie Höbe getrieben.
faßt gemacht unb auch meine Dispositionen danach getroffen!"
„Wie meinst du bas?"
„Ich habe heute früh für ben Fall eines plötzlichen Ablebens bei Justizrat Schröder bis Grunbzüge meines Testaments niedergelegt und will es in den nächsten Wochen noch in feinen Einzelheiten ergänzen."
Ein Ausdruck düsteren Ernstes trat in das Gesicht bes Grafen, er fetzte in ber Erregung sein Glas mit so hartem Prall auf bie Tischplatte, daß ber Fuß zerbrach.
„Mir ist mein Leben nicht mehr wert", sagte er bann bitter, „als biefe Scherben. Ich wünschte, ich wäre barüber hinweg."
„Nun, nun!" suchte ber Baron zu begütigen. „Du siehst in beiner jetzigen Verfassung auch je- bes Ding im schwärzesten Lichte! Vor allem müssen wir zuerst ein anderes Glas anschaffen! Menn es dir übrigens recht ist, will ich in de« nächsten Tagen einmal nach Sinderode hinüberfahren und den Alten über feine Stellung zu diesem Verlobungsplan ein wenig sondieren!"
Der Graf dachte einen Moment lang nach.
„Das wäre vielleicht eine ganz günstige Ein- leituhg, Vetter, für die Wiederanknüpfung unserer Beziehungen? Du kannst dabei ja auch zugleich feststellen, ob ich überhaupt Aussicht habe, in Sinderode empfangen zu werden!"
Der Baron nickte eifrig.
„Dein Wunsch ist mir Befehl, ich werde alles aufbieten, den alten Herrn zur Vernunft z» bringen! Uebrigens noch eine Frage: Wre bift du eigentlich mit Sinderode auseinandergekommen? Da du niemals von selbst davon angefangen hast, wollte ich bisher auch nicht b« Neugierige fein! Ihr wäret doch als Jung« unb ebenso im Regiment noch die bett« Freundet" ... .. Mortsetzung folgt), ,,