Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jlkrktrirtes Sonntaasblatt,

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet bet ErpÄition 2 Mk.,

bet allen Postämtern 2,25 Mk. lejtl. Bestellgeld). Erscheint wochentnch sieben mal.

Jnserttonsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Psg. .innß Druck und Verlage Joh. Ang. Koch, Universitäts-Buchdruckerel 41.3(11)10«

Neclamen: die Zeile 25 Pfg. MHag, 0, ^UU 1900. Marburg, Markt 21. - Telephon ->5.

Neueste Telegramme.

. Berlin, 5. Juli. Die Anwesenheit des Reichs- Ikanzlers in Norderney ist nach derVoff. Zig." !bis zum 25. September vorgesehen. Alsdann "wird voraussichtlich Homburg v. d. H., nicht, wie jn den Vorjahren, Baden-Baden, der nächste Zielpunkt sein.

> Berlin, 5. Juli. Professor Harnack, Ceneral- direktor der Kgl. Bibliothek, wurde zum Wirkt, Geh. Oberregierungsrat mit dem Range -der Räte 1. Klasse ernannt.

Karlsruhe, 5. Juli. Nach vierstündigen leb- ihaften Debatten lehnte gestern die Budgetkom- Mistion der Kammer lautFranks. Ztg." mit fallen gegen eine Stimme die Nachforderung der Regierung (erste Rate 100 000 M) für Fort­führung der WiederherstellungsarbeUen am Heidelberger Schloß ab und beschloß, dje Regie- irung aufzufordern, Preisausschreiben zu erlas- jen zur Auffindung von Mitteln zur Erhaltung -er Ruine. Man erwarte die Anforderung hierzu noch in diesem Landtag.

' Paris, 4. Juli. Das Touloner Seekriegsge- ^richt verurteilte dreizehn Unteroffiziere und Matrosen des Torpedobootes 250, welche wäh­rend einer Uebungsfahrt gemeutert und das ^Schiff in Bonifacio auf Korsika verlassen hatten, zu Gefängnisstrafen voit sechs Monaten bis zu hier Tagen. Die Verlesung des Urteils wurde von mehreren hundert Matrosen, die sich im Ge- 'richtssaale befanden, mit Zischen und Ve- schimpf ungen der Richter ausgenommen. Ueb-r den Vorfall, der große Erregung hervorrief, .wird eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet.

Paris, 4. Juli. DieAgence Havas" meldet 'aus London, daß heute nachmittag der italie­nische Minister Tittoni und der französische Vot- 'llchafter Cambon zur Abfasiung des englisch- französisch-italienischen Vertrags über Abeffy- inien im englischen Auswärtigen Amt erscheinest werden; Minister Tittoni gedenke am Montag stach Rom zurückzureisen.

; Madrid, 4. Juli. Eine Depesche aus Melilla meldet, der Prätendent habe eine Niederlage er­litten und ziehe sich, verfolgt von den Truppen des Sultans, auf Tazza zurück.

i London, 4. Juli. DieTribüne" meldet aus Schanghai vom 3. Juli, daß die Unruhen, die zunlängst im Süden der Provinz Honan und int Mesten der Provinz Schantung durch Räuber- 'banden, die der unter dem NamenGroßes Messer" bekannten Eeheimgesellschaft angehören, ihervorgerufen waren, den Charakter eines Auf- 'ftandes angenommen haben. In Hsi-Tscheng bei Hanghan in der Provinz Schantung seien 5000 Aufrührer gefangen worden, den Rest versuchten ^kaiserliche Truppen einzuschließen. Die städti- .schen Behörden von Hsi-Tscheng seien durch Mit­glieder der Gesellschaft vomGroßen Messer" er-

[1 (Rachbruck vcrboicn.).

Die Kette.

Roman von Hans Schulze

i lForlfctznng.)'

5. Kapitel.

Vom Rathausturm des Städtchens Rahnfeld -schlug es zwei Uhr.

| Die Mittagssonne brütete mit heißem Atem 'cuf dem holprigen Steinpflaster, besten alljähr­lich immer von neuem geplante Renovierung feil Menschengedenken einen nie versagenden 'Unterhaltungsstoff für die verschiedenen Etamm- 'tischrunden des Heinen Ortes abgab.

i Hinter den herabgelassenen Läden schliefen 'bie alten, winkligen Häuser, die den geräumigen Markt, in dessen Mitte sich wuchtig der ungefüge 'Hallenbau der St. Katharinenkirche erhob, in rin regelmäßigem Geviert umgaben.

i Hier ein Materialwarengeschäft, ein Grün­kram, eine Kolportagebuchhandlüng, dort die 'einzige Konditorei der Stadt mit verstaubten Marzipanattslagen und Fliegenstöcken in dem schmalen, blinden Schaufenster.

I Nur die Apotheke, die erst im vergangenen Jahre einen neuen Besitzer erhalten hatte, und »das HotelZum weißen Löwen" präsentierten sich in einem etwas stattlicheren Gewand als die -Nachbargebäude, die mit ihren hohen Giebel­dächern und breiten Beischlägen in ihrem Ur­sprung noch bis in die Ordenszeit zurückver- w lesen.

Jetzt öffnete sich die schwere, geschnitzte Eichen­er im Hause der Apotheke und Graf Lohn« -rat, von einem kleinen weißhaarigen Herrn Begleitet, auf die um den Markt führende Straße hinaus.

Der Graf war schon am frühen Morgen zur jElubt gefahren und hatte hier sogleich seinen Riten Rechtsbeistand, den Justizrat Schröder, auraesucht.

mordet, die protestantische und die katolische Kirche zerstört worden.

London, 5. Juli.Daily Telegr." meldet, die Admiralität sei im Begriffe, sämtliche Tor­pedofahrzeuge für Oelheizung einzurichten, so­daß dieselben in Zukunft für keinerlei Zwecke mehr Kohlen mit sich zu führen brauchten.

Tie deutsche Presse und England.

Vor ihrer Abreise aus England sandten dis deutschen Pressevertreter an den englisch-deut­schen Freundschaftsausschuß ein längeres Tele­gramm, dessen Schlußsatz lautete:

(Eine auf gegenseitiger Achtung beruhende, die Jnteresten des eigenen Landes ohne chau­vinistische Uebertreibung verfolgende, den all­gemeinen Bedürfnisten der Zivilisation gleich­zeitig Rechnung tragende Freundschaft zwischen den blutsverwandten Völkern Englands und Deutschlands erscheint ebenso natürlich wie not­wendig. Diese Ueberzeugung und die Absicht ihr in Zukunft noch nachdrücklicher als bisher Ausdruck zu verleihen, haben unseren Besuch veranlaßt, und der so außerordentlich befrie­digende Verlauf der Veranstaltung hat gezeigt daß die Voraussetzung zutraf, ein persönliches Sichnähertreten werde die freundschaftliche Ver­ständigung wesentlich erleichtern. Wenn wir demnächst die Freude haben sollten, unsere eng­lischen Gastfreunde auf deutschem Boden begrü­ßen zu dürfen, so hoffen wir ihnen den Beweis liefern zu können, daß auch England in Deutsch­land in gleichem Maße aufrichtige Freunde be­sitzt.Auf Wiedersehen in Deutschland!"

Mit ausgezeichneter Hochachtung

Das Komitee:

E. Fitger, Präsident. Dr. Th. Barth. Friedrich Dernburg. Dr. Max Jänecke. Dr. H. v. Kupffer.

Ernst Poste. H. Rippler."

Auf den gleichen Ton gestimmt sind die Be­trachtungen, welche die offiziöse und die kinks­liberale Presse dem Verlaufe dieser Veranstal­tung widmet.

. Wir haben in einer Besprechung des Ergeb- nistes der Fahrt der deutschen Pressevertreter, wie wohl noch erinnerlich, unserer Meinung da­hin Ausdruck gegeben, daß die Tatsache an sich einer gewissen Würdigung wert ist, daß man sich in Deutschland aber hüten muß, sie in ihrer Tragweite zu überschätzen. Anders die links- liberalen Zeitungen. DieFrankfurter Zeitung" sieht in dem Besuche der deutschen Redakteure bereits eine Art Markstein der Geschichte und meint, was die zünftigen Diplomaten verdorben hätten, sei von den Volkern repariert und was jenen zu lösen schwer war, das hätten diploma­tische Dilettanten erfolgreich in die Hand ge­nommen.

Die Konferenz der beiden Herren hatte sich durch viele Stunden hingezogen, so daß ihnen fast unbemerkt der Nachmittag herangekommen war.

(Eine Einladung zum Mittagesten in der Fa­milie seines Anwalts hatte der Graf, der sich ungern jemand verpflichtete, abgelehnt: dafür hatte es sich der liebenswürdige Jurist jedoch nicht nehmen lasten, seinen Klienten noch ein Stück Weges bis zum Kaufmann Gemdalla zu geleiten, woselbst der Landadel der Umgegend nach alter Gewohnheit sehr zum Aerger des Löwenwirts bei Besuchen der Stadt die Aus­spannung zu wählen pflegte.

Das Schröderfche Geschäft lag unweit der Einmündung der Königsberger Straße auf dem Marktplatz in einem altertümlichen Hause, das jedem Fremden, der sich einmal nach Rahnfeld verirrte, als die Hauptsehenswürdigkeit des Ortes mit lokalpatriotischem Stolze gezeigt wurde.

Mit dem bescheidenen Backsteinmaterial, aus dem die großen Hansaftädte der Ostseeküste so stolze und würdige kirchliche Schöpfungen herzu- stellen verstanden haben, war hier von der welt­lichen Baukunst ebenso ein schöner und eigen­artiger Bau geschaffen worden, der sich mit sei­nem vielfältig gegliederten und durchbrochenen Ziergiebel, dem feinen, gitterartigen Maßwerk der Fenster und den reichgemusterten Friesbän­dern seiner Wände in reizvoller Weise von sei­ner nüchternen Umgebung abhob.--

(Eine wunderbar erfrischende Kühle schlug dem Grasen entgegen, als er nach herzlrcher Verabschiedung von dem Justizrat die hohe Ein­gangshalle des Eemellaschen Hauses betrat, von der zur Rechten der eigentliche Kaufladen, zur Linken das damit verbundene, altrenommierte Weinlokal gelegen war.

Herr Eembella, der die beiden Herren die Straße hatte heraufkommen sehen, schoß in dem­selben Augenblick wie ein Pfeil um die Laden-

Auch in derVossischen Zeitung" spukt die Vorstellung, daß dasDogma von der Allmacht der zünftigen Staatskunst" nicht mehr genügen!) Anhänger finde und daß es deshalb Aufgabe der Zeitungsleute sei, den Frieden zu sichern. Und der Frieden ist die Voraussetzung für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Menschheit." Aehnlich so sagt es Berta v. Sutt­ner auch. Moltke und Bismarck waren freilich anderer Meinung. Bemerkenswerter ist bereits die Kritik, welche die in London erscheinende Finanzchronik" an dem Besuche übt. Sie schreibt:

Die deutschen Redakteure haben London verlosten. Ihr zehntägiger Besuch hat sie in die besten und maßgebenden Kreise der englischen Gesellschaft geführt, sie haben mit Ministern diniert, bei Herzoginnen und in den Palästen der Eroßfinanz einen Einblick in die feinste Le­benskunst und altbefestigten Luxus gewonnen und int Gespräch mit englischen Kollegen die Ueberzeugung festigen dürfen, daß es weite Kreise vornehmer und patriotischer Briten gibt, die in einem möglichst innigen Verhältnis zu dem deutschen stammverwandten Volk die Jnter­esten ihrer Heimat am besten gefordert wisten. Es ist den deutschen Gästen andererseits nicht entgangen, daß auch sehr breite Schichten der englischen Bevölkerung mit argwöhnischer Re­serve den Annäherungsversuchen sich höflich, aber doch bestimmt versagen möchten. Von den Vertretern großer englischer nationaler Blätter haben die deutschen Kollegen wenig oder nichts gesehen, und es ist ihnen auch sicherlich nicht ver­borgen geblieben, daß die Berichterstattung in der großen Londoner Preste den immerhin doch nicht ganz gewöhnlichen Akt einer Vesuchsfahrt von 50 repräsentativen fremdländischen Jour­nalisten entwedr verschwieg oder mit landläufi­gen Berichten im lokalen Teile abtat. Diese tatsächlichen, wenn auch nicht durchweg erfreu­lichen Momente soll man nicht verschweigen, ge­rade wenn man, wie wir, die Rückkehr der öf­fentlichen Meinung in beiden Ländern zu dem, wir möchten sagen, normalen Stand mit leb« laftem Interesse zu fördern trachtet."

Der Vertreter derLeipziger Neuesten Nach­richten", der an der Reise teilgenommen hat, schreibt am Schluste seines Aufsatzes:

Darum ist es gut, daß die konservative und die entschieden nationale Preste Deutschlands, gleich den publizistischen Vertretern des Zen­trums in der Reserve blieb, und durchaus daran festhielt, daß sie nicht nach England gekommen sei, um in falscher Sentimentalität Liebeserklär­ungen zu machen, mit Herrn Theodor Barth sich in den Ozean der Brüderlichkeit zu stürzen und mit Frau Lily Braun himmelhoch zu jauchzen. Sie wollten, sehen, lernen, Schlüste ziehen. Und einer der wichtigsten Schlüste ist es eben, daß in

tür, hinter der er Posten gestanden, und be­grüßte den Gast sofort mit großer Zungenfertig­keit: der Mosel läge bereits seit einer halben Stunde auf Eis, seine Frau warte nur auf den Moment, die Pfanne mit den Filetbeefsteaks zum Braten aufs Feuer zu schieben.

Der Graf, der aus langer Erfahrung das Vergebliche einer Bemühung kannte, gegen den Redeschwall des diensteifrigen Männchens anzu- kämpfen, erklärte sich durch eine kurze, zustim­mende Handbewegung einverstanden und flüch­tete dann schnell vor der etwas aufdringlichen Liebenswürdigkeit feines Gastfreundes in das dämmrige Halbdunkel der kleinen Trinkstube.

Würdevoller Ernst und einladende Behag­lichkeit paarten sich in dem traulichen Raum.

Ein leicht und kühn geschwungenes Stern- muster spannte sich in kräftigen Bogen anmutig empor.' in stimmungsvoll abgetönter Farben­pracht glühte das Tageslicht durch die bunte Verglasung der beiden hohen gotischen Fenster und loste die schroff aufstrebenden Gewölbe­rippen in weiche, mit bei zunehmenden Höhen­entfaltung geheimnisvoll verschwimmende Linien.

Der Graf hatte sich an einem gemütlichen, kleinen Tisch in der Ecke des einen Fensters nie­dergelassen und gab sich für die nächsten Minu­ten ganz dem Zauber seiner neuen Umgebung hin.

Die großartige Formensprache der Gotik weckte in seinem Herzen stets ein lebhaftes Echo; fein feines, künstlerisches Empfinden ward im­mer von neuem durch das sinnreiche Spiel der kunstvollen Wölbungen gefangen genommen, In denen die aus den Konsolen der Wände hervor­brechenden Pfeilerbündel fächerförmigen Pal­menkronen gleich zusammenfloffen.

Doch nicht lange gönnten ihm die grauen Sorgen um die Zukunft diese kurze Flucht in das Traumland der Kunst; immer wieder

England die gesamte geistige Haute volöe Sym­pathien für Deutschland empfindet, daß aber zu­gleich die geistig Minderjährigen im Banne der Suggestion stehen, daß Deutschland nur auf den günstigen Augenblick harrt, um über England herzufallen."

DieAllg. eoang. Kirchenzeitung" übt scharfe Kritik an dem Besuche und bezeichnet ihn sogar als in hohem Grade schädlich.

Wir treiben wieder", so schreibt sie,die alte Vogel-Strauß-Politik in der Presse; von der Verbrüderung mit England find auf einmal alle Spalten voll, weil vier Dutzend deutscher Redakteure auf Einladung eines englischen Freundschaftskomitees gegenwärtig drüben von Bankett zu Bankett geschleift werden, wobei es zu Champagner der Rede süßen Honigseim gar zu reichlich gibt. Den Vogel schoß wohl der Lord Avebury ab, der in einem Trinkspruch erklärte, es gebe niemand, der so um die englisch-deutsche Freundschaft bemüht sei, wie König Eduard. Risum teneatis, amici! Der Kern der Sache ist der, daß die Liberalen in der Weltgeschichte seit jeher mehr auf den äußeren Schein gegeben haben, als die rücksichtsloseren Konservativen, und da augenblicklich ein liberales Kabinett in England am Ruder ist, geht der König konzi­liant auf die spezifisch englisch-liberale Form des politischen cant ein und ist öffentlich sehr nett zu dem Vetter Dutchman. Dabei ist das Haus Welf doch ein deutsches, und Sachfen-Koburg gab fein Blut noch dazu; König Eduard spricht selbst bester deutsch als englisch. Aber genau so, wie diejenigen die rabiatesten Antisemiten ftr\ deren eigener Stammbaum nicht ganz arisch ist, wird oft deutsches Blut in der Fremde rebellikch wider das Stammland. Kanvertiienhaß ist der schlimmste. Natürlich kann man daraus dem Vritenherrscher keinen Vorwurf machen. König und Land gehören zusammen. Aber wir Deut­schen sollen uns nur nicht einreden, daß die Po­litik nur aus unliebsamenMißverständnissen" und deren Beseitigung besteht. Trotz des Preste« besuches, trotz des Dreibundtelegramms und an­derer schönen Dinge hat fich in der allgemeinen Weltlage nichts geändert. Nur die akute Ee- fahr wurde in den Tagen von Algeciras besei­tigt, aber die chronische ist geblieben." Mancher wird diesen Ausführungen nachdenklich bei­stimmen.

Die Revision des Dreyfus-Prozesses.

Die antisemitischeLibre Parole" veröftc..t- lich ein Schreiben Esterhazys, in welchem dieser seine Erklärung wiederholt, daß er das Bor­derau geschrieben und int Dienste der Gegen« fpionage gestanden habe. Esterhazy erhebt leb­haften Einspruch gegen die kürzlich von Judei, hem Direktor des nationalistlschenEclarr , auf»

wangen sie ihn mit seinem Denken in bte Bah« der letzten Tage, wie eine Annäherung an de« Baron Sinderode zu ermöglichen sein könne.

Mißmutig, ohne Appetit stocherte et in de« Koteletten umher und goß etn paar Glaser des eiskalten Weines hinab.

Er legte sich im Geiste eine große Verteidig­ungsrede zurecht für den Fall, daß es wirklich z« einer Katastrophe mit Georg kommen sollte, eine Rede, in der er alle Schuld undVerantwort- lichkeit auf sich nahm, um dem Sohne weniK stens die Mutter in Reinheit und Unberührtheit zu erhalten. _ . , . , .

Unwillkürlich gingen seine Gedanken dabet in die Vergangenheit zurück, in jene Tage, al« sich die ersten, zarten Beziehungen zwischen rh« und Ruth angesponnen hatten.

Ein grauer Februarmorgen hob sich da vor seinem geistigen Auge: Karnevalszeit; er sah sich wieder mit Ruth in den brauenden Nebel« den Rheindamm entlang wandern, während ihr Gatte tm Gastzimmer des Schützenhauses, wohi« man noch zu später Nachtstunde vom Ball au« hingefahren war, sinnlos betrunken auf einem Billard schlief; damals hatte er zum erstenmal« hinter die glänzende Maske gesehen, hinter d« Ruth so viel Elend und Jammer vor der Welt verborgen hielt. ,'

Jetzt erzitterte der Boden unter einem wuch­tigen Schritt.

Der Graf sah empor.

Breit und behäbig in seiner ganzen gesunde« Massigkeit stand der Baron Knaufs vor ihm.

Schone Seelen finden fich," begrüßte er de« Vetter mit Stentorstimme.Wollte morgen früh zu dir 'rauskommen! Um so bester, daß ich dich treffe! Mit deiner Erlaubnis nehme ich bei dir Platz!"

j,;.. (Fortsetzung fofatj