mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchkain Sonntagsbeilage:; Alluftrirtes SsnutägsblsiL^ ' *
K
Ä
154
LZicrtcljährlicher BczugSpreis- bet Der Expedition 2 2JIL, bet allen Postämtern 2,25 Mk. (exet. Bestellgeld).
Jnserttonsgebühr: die gespaltene Zeile oder Deren Raum 10 Pfg.
Neelamen: die Zeile 25 Psg.
Marburg
Donnerstag, 5, Juli 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Dnick und Verlag' Ioh. Ang. Koch, UniverstiätS-Buchdnlckerci Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
41. Jahrg.
Erstes Blatt.
Bestellungen
für das dritte Quartal
/■ * auf die
. ^Oberhessische Zei tung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition isMarkt 21) unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern entgegengenommen. r<
Umschau.
Sommerurlauü für Jndustrle- arbeiter.
/ Die Forderung, die Industrie möge ihren ständigen Arbeitern freiwillig einen je nach der Dauer des Dienstverhältnisses bemessenen Sommerurlaub unter Weiterzahlung des Lohnes gewähren, ist schon alten Datums, harrt aber in der Mehrzahl der Betriebe der Erfüllung. Die Angelegenheit ist zurzeit von der Handelskammer zu Bremen zum Gegenstände einer Rundfrage gemacht worden und da sind die Angaben Nicht uninteressant, die aus der ausführlichen Beantwortung des Fragebogens seitens der Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft veröffentlicht werden. Nach Mitteilungen der Freis. Ztg." haben die Erkundigungen der Aeltesten ergeben, daß die Mehrzahl der industriellen Firmen im Berliner Bezirk keinerlei Sommerurlaub gewährt. Von einem Teil der Industriellen wird auch nicht beabsichtigt, künftig Urlaub unter Fortzahluitg der Löhne zu gewähren; ein anderer Teil ist der Frage überhaupt noch gar nicht näher getreten. Zur Begründung der abwartenden Haltung seitens einzelner der befragten Firmen wird u. a. befremd- lichsrweise angeführt, daß — die Arbeiteraus- ausschiisse mit derartigen Gesuche» an die Fabrikleitung nicht herangetreten sind. Andere befürchten, daß Gewährung eines Sommerurlaubs schwerlich eine Aenderung erfahren dürste.
Uebrr die mit der Urlaubsgewährung gemachten Erfahrungen ein Urteil abzugeben, erscheint nach dem Gutachten der Aeltesten verfrüht. Daß den Arbeitern eine richtig angewandte Erholungspause in sanitärer Beziehung förderlich ist und ihre Arbeitsfähigkeit hebt, steht natürlich außer Frage. Deshalb sollte man auch nicht auf die Ausnahmefälle besonderen Wert legen, in denen unverständige Arbeiter nur auf die Auszahlung des ihnen ohne Arbeit
(Nachdruck Verboten.)!
Die Kette.
Roman von Hans Schulze.
(Sortierung.) 1
y So war ihr Widerstand, der in der ersten Er- reanng bis in einem direkten Verbot jedes wei- «ren Verkehrs gegipfelt hatte, nach zwei heißen Eagen, in denen sie von Käthe unaufhörlich mit Bitten und Tränen bestürmt wurde, allmählich Hahin geschmolzen; ja die optimistisch veranlagte Frau begann nach kurzer Zeit schon, als sie sich erst mit ihrem Denken in die neue Richtung hineingewöhnt, von der Hoffnungsfreudigkeit her Nichte angesteckt, die Situation gleichfalls in dem rosigen Lichte der Aussicht zu betrachten, daß durch diese Liebe der Jugend endlich vielleicht die langersehnte Versöhnung von Sinde- rode und Dombrowo zustande kommen könne.
So hatte sie die Sache vollständig ihren iGang gehen lassen und sich selbst aufrichtig an chem Glücke ihrer beiden Schützlinge gefreut; ja in einer schwachen Stunde hatte sie Käthe sogar die Zusage gegeben, daß sie bei der ersten günstigen Gelegenheit ihre Partei mit allem Nachdruck bei dem Vater vertreten wolle.
1 In Konsequenz ihrer energischen Natur, die -klare Verhältnisse liebte und sich nicht gern mit Zwecklosen Präliminarien aufhielt, hatte Ulrike gleich den Taz ihrer Ankunft in Sinderode für Line Aussprache mit dem Bruder ins Auge gefaßt und auch die allgemeine Stimmung für ihre Eröffnungen im ganzen geeignet getroffen. , Der Baron war bei dem gemeinsamen Abendbrote, das man in früherer Zeit meist in völligem, allseitigem Stillschweigen eingenommen hatte, heute viel freundlicher und zugänglicher ßtls sonst gewesen, ja in seinem Gutenachtkuß, tnit dem er die Tochter nach alter Sitte Punkt «ehn Uhr entlassen, hatte diesmal eine ungewohnte Andeutung von Zärtlichkeit und väter- tichem Stolz gelegen.
. Während der alte Christian, der einzige der pMwrschaft, den der' Baron in seiner persön-
gewährten Lohnes spekulierten, auf den Urlaub selbst verzichten und gegen besondere Lohnzahlung weiter arbeiten. Erfreulicherweise fehlt es ja nicht an Stimmen, nach denen das Entgegenkommen der Arbeitgeber von den Arbeitnehmern wohl gewürdigt wird und die nicht daran zweifeln, daß der Sommerurlaub eine wohltätige Wirkung ausübt und daß er auch unter dem Gesichtspunkte des Arbeitgebervorteils betrachtet kein vergebliches Opfer bedeutet. Der Arbeitgebervorteil darf natürlich nicht das Entscheidende sein. Es ist lediglich eine Forderung ernst zu übender Fürsorge für den wirtschaftlich Schwachen, daß demjenigen, der wie die meisten Industriearbeiter weiter nichts sein eigen nennt als seine Arbeitskraft, diese möglichst lange ungeschwächt erhalten wird. Hier wird ein Sommerurlaub mehr ausrichten als manches unserer gut gemeinten sozialpolitischen Gesetze. Zum mindesten sollten sich doch die Industriellen in den Jahren der wirtschaftlichen Hochkonjunktur in der vorliegenden Frage von Engherzigkeit freihalten.
Ungenutztes volkswirtschaftliches Kapital.
Der Rhein ist nicht nur die wichtigste Verkehrsader des Westens und Südwestens Deutschlands, sondern er besitzt auch in seinen Wasserkräften eine große wirtschaftliche Bedeutung. Leider werden diese Kräfte bisher noch sehr wenig, oder besser gesagt, fast gar nicht ausgenutzt. So berechnete erst kürzlich auf der Jahresversammlung des Badischen Architekten- und Jn- genieurvereins Baurat Dr. Fuchs in einem sehr interessanten Vortrag über „Die Ausnützung der Wasserkräfte des Oberrheins" die auf der Strecke zwischen Neuhausen und Breisach zu gewinnende Wassernutzkraftleistung bei Vollbetrieb auf 440 000 Pferdekräfte, bei Niederwasser auf 304 000 Pferdekräfte, wovon etwa die Hälfte der Nutzung auf Baden entfallen würde. Was diese Summen von noch zu entfesselnder, aufgespeicherter Kraft für die Volkswirtschaft bedeuten, wird wohl jedem sofort klar, wenn man vergleicht, daß in ganz Preußen zur Gewinnung von elektrischer Kraft i. I. 1901 Maschinen mit zusammen 490961 Pferdekräften verwandt wurden, während überhaupt durch feststehende Maschinen 3 709 662 Pferdekräfte, durch bewegliche 251 073 Pferdekräfte gewonnen wurden. Die Gewinnung der Wasserkräfte am Oberrhein wird zwar verhältnismäßig kostspielig sein, weil das Gefälle des Stromes gering ist; andererseits jedoch ist die Wasserführung günstig, weil die Niederwasserftände nicht allzuviel abfallen und die Hochwasser nur mäßig ansteigen. Die Wasserfassung ohne Wehr- onlagen ist technisch und wirtschaftlich ausgeschlossen. Auf der Rheinstrecke von Neuhausen bis Basel muß die Konzentration des Gefälles vorzugsweise durch hohe Stauung bei kurzen
lichen Umgebung duldete, geräuschlos die Platten des Abendbrottisches abräumte, studierte Ulrike heimlich das Gesicht des Bruders, der, in feine Zeitung vertieft, für die Eindrücke der Außenwelt augenblicklich vollständig unzugänglich war.
Noch niemals war er ihr so alt und verfallen erschienen wie jetzt nach der mehrmonatigen Trennung; mit seinem gänzlich ergrauten Haar und den tief eingefallenen, erschreckend mageren Wangen machte er den Eindruck eines Greises am Ende des sechsten Lebensjahrzehnts, während er tatsächlich noch nicht dis Mitte der Fünfziger überschritten hatte.
Bruder und Schwester hatten sich innerlich niemals näher gestanden, wie dies aus der Verschiedenheit ihrer beiden Naturen imGrunde ja auch leicht verständlich war.
Der Baron glich in Haltung und Wesen s?i- nem verstorbenen Vater, dessen scharfgeschnitte- nes, echt ostelbisches Adelsprofil mit der kühngebogenen Hakennase und der charakteristischen Kopfform in der langen Reihe der Ahnenbild- nisse in der großen Schloßbibliothek stereotyp wiederkehrte.
Ulrike dagegen war wieder ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten, der lebenslustigen Tochter eines rheinischen Großindustriellen, die nach einem kurzen Intermezzo in einem Nordseebade sich ohne langes Besinnen nach Ostpreußen verheiratet hatte; freilich war das Glück dieser Ehe nur von der kurzen Dauer weniger Jahre gewesen; Ulrikens Geburt hatte der Mutter das Leben gekosket.
Aus dieser rheinischen Heirat leitete sich übrigens auch die Verwandtschaft der Häuser Sinderode und Lohna her; die Mütter Ruths und der Geschwister Sinderode waren Schwestern gewesen, Ruth und Ulrike demnach rechte Cousinen.
„Ein hübsches Mädchen ist die Käthe geworden!" sagte der Baron, jetzt seine Zeitung niederlegend und mit den knöchernen Fingern auf der,Tischplatte trommelnd. „Sie ähnelt ihrer Großmutter und auch dir in geradezu frappanter
Zu- und Ablaufkanälen, auf der Rheinstrecke unterhalb Basel vorzugsweise durch Kanäle erreicht werden. Dennoch würde es bei der andauernd steigenden Tendenz der Kohlenpreise sehr rentabel sein, auch die Wasserkräfte des Oberrheins, und zwar so bald als möglich, mobil zu machen.
Parlamentarisches.
Preußischer Landtag. '' '
- * Berlin. 4. Juli.
Das Abgeordnetenhaus nahm am Dienstag zunächst Stellung zu den Staatsverträgen mit Braunschweig und Bremen zur Regelung der Lotterieverhältnisse. Dem Abg. Reinhardt (Ztr.), der zwar der Vorlage wohlwollend gegenüberstand, aber meinte, die an das Lotterie- Strafgesetz geknüpften Erwartungen haben sich nicht voll erfüllt, und Abwehrmaßrcgeln gegen das Serienlosunwesen forderte, erwiderte Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben, bei der letzten Ziehung haben nicht einmal alle Wünsche der Lotteriekollekteure befriedigt werden können; das Serienlosunwesen fände aufmerksame Beachtung seitens der Staatsregierung. Eine Verschärfung der in Betracht kommenden Gesetze werde erwogen. Nach weiteren Reden der Abgg. Dr. Arendt (freikons.) und Träger (frs. Vp.) wurden die Verträge nahezu einstimmig angenommen. Ebenso wurde der der Initiative des Herrenhauses entstammende Entwurf zur Deklarierung des Kommunalabgabengesetzes (Erhebung von Gebühren und Steuern vom Erund- befitz) in zweiter und dritter Lesung angenommen. Die Anträge der Abgg. v. Strombeck (Ztr.) und v. Christen (kons.) wegen Ueber- nahme der Kosten von Bauten und sonstigen Anlagen, die infolge des Staatseisenbahnbetriebes seitens der Polizeibehörden im öffentlichen Interesse für erforderlich erachtet werden, auf die Staatskasse wurden der Budgetkommission überwiesen. Zu einer interessanten Aussprache führte die Beratung der Berichte über Reisen zum Studium des gewerblichen Unterrichtswesens in den Vereinigten Staaten von Nordamerika und besonders auf der Weltausstellung in St. Louis. Während Abg. v. Schenkendorfs (natl.) die amerikanischen Verhältnisse als füt; uns vielfach vorbildlich hinstellte, warnte Abg. Malkewitz (kons.) vor einer mechanischen Akzeptierung des amerikanischen Vorbildes, ohne dabei zu verkennen, daß in Einzelheiten die amerikanischen Verhältnisse mit entsprechenden Aen- derungen übernommen werden können. In seiner lichtvollen Darstellung, die den Höhepunkt dieser Erörterung bildete, betonte er unter lebhafter Zustimmung der großen Mehrheit des
Weise. Hoffentlich hat sie mit dem Aeußeren nicht auch euern leichten Dirkenschen Sinn geerbt!"
„Ich bitte dich, laß endlich doch einmal diese ewigen kränkenden Sticheleien!" gab die Schwester erregt zurück. „Ein wenig mehr Pietät würde sich mit deiner sonst so unterstrichenen Frömmigkeit auch ganz gut vertragen! Gott sei dank ist ja meine Leidenszeit in diesem öden Hause bald abgelaufen! Ich habe keine Neigung, dir hier noch lange zur Last zu fallen! Sobald sich Käthe verheiraten sollte, schüttle ich gleichfalls den Sinderoder Staub von meinen Füßen!"
Der Baron, der nur die letzten Worte aufgefaßt hatte, nickte beifällig.
„Verheiraten, ja verheiraten!" wiederholte er dann. „Ganz recht! Ihr Frauenzimmer seid mir schon längst eine Last! Ihr steht mir und meinem Geistesleben, das ganz anderen Problemen zugewandt ist als den kleinen Interessen unseres Erdendaseins, ja doch völlig fremd und verständnislos gegenüber!"
Die Schwester sah mit einem raschen Blick hinüber; der eigentümlich visionäre Zug, der schon früher in dem Charakterbilde des Bruders stark hervorgetreten war, hatte in der Zeit ihrer Abwesenheit anscheinend noch eine weitere Verschärfung erfahren.
„Soweit hier meine Unmaßgebliche Meinung in Betracht kommt," sagte sie mit ungewöhnlicher Bitterkeit, „harrt deiner in erster Linke auf dieser so verachteten Erde noch eine Reihe von Pflichten, die zunächst der Erledigung bedürfen! Alsdann steht deiner absoluten Weltentrückung von uns aus nichts mehr im Wege!"
Der Baron erhob wie abwehrend die Hand.
„Ich bin über deine Spöttereien erhaben!" versetzte er, und seine Stimme nahm unwillkürlich einen predigerhaft singenden Ton an. Möge Gott der Allmächtige auch dereinst deinen Geist erleuchten und dich wieder auf den Weg des Heils zurückführen!" _ *
Die Schwester zuckte die Achseln.
Hauses, daß wir in vielen erheblichen Punkten besser dastehen als das nordamerikanische Gewerbe, wie denn auch in der Denkschrift anerkannt werde, daß die Amerikaner ihre tüchtigsten Arbeitskräfte auf verschiedenen gewerblichen G bieten zum größten Teile aus Europa, insbe? dere aus Deutschland, beziehen. Europa sei 'i nicht eine altersschwache Erde, sondern > Jungborn, der der ganzen Welt fortgesetzt n Kräfte spende. Der Konservativen Bestreben sii es, diesen Ruhm unserem Vaterlande zu wahren. Nach weiteren Bemerkungen des Abg. Rm senow (frs. Vp.) wurde die Denkschrift für erledigt erklärt. Schließlich erledigte das Hang noch eine große Reihe von Petitionen.
Das Herrenhaus widmete seine zweistündige Sitzung der Fortführung M Einzelberatung de? Volksschulunterhaltungsgesetzes. Eine Reihe von Paragraphen wurde nach kurzer Erörterung angenommen. Bei § 17, nach dem der Staat den Schulverbände., mit nicht mehr als 7 Schulstel- len ein Drittel der Bau- usw. Kosten erstattet, wünscht Graf Finckenstein, daß die Naturalien mit 15 Proz. angerechnet werden. Dagegen erhob Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben Widerspruch und so wurde der Antrag Graf Finckenstein abgelehnt. Beim Abschnitt über das Schulvermögen wurde ein von der Kommission eingefügter § 23 a, nach dem das für Volksschulzwecke bestimmte unbewegliche Vermögen diesem Zwecke nur mit Genehmigung der Schulaufsichtsbehörde entzogen werden kann, auf Antrag des Oberbürgermeisters Ehlers-Danzig wieder gestrichen. Beim Abschnitt über die konfessionelle» Verhältnisse beantragten Kardinal Fürstbischof Kopp und Frhr. v. Durant Herabsetzung der Minoritätsziffern. Kultusminister Studt bat jedoch, an dem im Abgeordnetenhause nach so vieler Mähe zustande gekommenen Komp-'miß nicht zu rütteln, und erreichte damit die Zurückziehung beider Anträge. Nach Erledigung auch dieses Abschnittes wurde die Beratung vertagt.
-==^
Hessen-Nassau und Nachbargebiete.
Gilserberg, 2. Juli. Auf dem hiesigen Standesamts erschien heute ein schmuckes Zigeunec- paar, um das standesamtliche Aufgebot vo l-1 ziehen zu lassen. Der Bräutigam im Alter »ort 25 Jahren, welcher auf der Durchreise eines Zr- geunertrupps im hiesigen Orte in einem Pferds stalle das Licht der Welt erblickte, will nun auch, hier seine Hochzeit feiern und wird denn nun am 16. ds. die Zigeunerhochzeit mit allem Pompe hier abaehalten werden.
Cassel, 3. Juli. Generalleutnant z. D. Oswald r. Bünting, zuletzt Kommandeur der 22.
Ich bedarf deiner frommen Wünsche nicht! Fch "möchte dich vielmehr nochmals und mit aller Ernsthaftigkeit bitten, dich, falls es btt über-, Haupt möglich sein sollte, tüt kurze Zett auf irdische Dinge einzustellen; denn ich habe Wichtiges mit dir zu besprechen!"
Soweit die Dinge dieser Welt überhaupt von" Wichtigkeit sind!" warf der Bruder müde ein. , •-
„Das kannst du halten, wie du willstst' war die Antwort. „Ich hoffe aber, daß das Geschick deiner einzigen Tochter doch noch von einigem Interesse für dich sein wird'." . <•<
„Nun, und das wäre?" V
Du hast es ja vorhin selbst ausgesprochen,; daß" sich eine Entfernung des weiblichen Elements aus deiner Umgebung ganz mit dernen Wünschen begegnen würde! Am einfachsten dürfte sich die Lösung dieser Schwierigkeit dadurch ergeben, daß sich Käthe verheiratete! Doch wozu das lange Wortgeplänkel? Kurz und gut, Käthe hat sich in Baden-Baden verlobt!"
' „Das heißt, meine Einwilligung vorausgesetzt'"
Ein ironisches Lächeln umspielte die blutleeren Lippen des Barons.
„Gewisse Rechte stehen mir als Pater an meinem Kinde unbeschadet aller Moderne doch immerhin noch zu."
„Aus diesem Grunde verhandele ich heute abend mit dir!"
Ulrike holte tief Atem und fuhr dann mit etwas unsicher gewordener Stimme fort:
„Käthes Wahl ist auf Georg von Stetten gefallen!"--
Ein pfeifender Ton kam aus der hageren Brust des Bruders; feine stechenden Augen erweiterten sich zu unheimlicher Größe, mit bebenden Händen umklammerte er die Knäufe seines Sessels, als wolle er sie mit einem einzigen' Druck seiner dürren Finger zusammenquetschen.
„Georg von Stetten!" stieß er endlich mühsam hervor. „Unmöglich, Ulrike, unmöglich: / , / V-X (Fortsetzung im zweite» Blatt.) ,7 ' .