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Vierteljährlicher der allen Po............ , ____ ,.w. ...
JnsertionZgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Neclamen: die Zeile 25 Pfg.
Mittwoch. 4. Juli 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UmversitätS-Buchdmcker-i 41. Jllhkg» Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Erstes Blatt.
Bestellungen für das dritte Quartal auf die '
»Oberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt und Wetter, sowie von pHen Postanstalten und Landbriesträgern ent- zegengenommen.
Neueste Telegramme.
i" Berlin, 2. Juli. Wie der „Voss. Zig." aus Warschau gemeldet wird, ist Frau Rosa Luxemburg gegen 3000 Rubel Kaution auf freien Fuß besetzt worden. (Wenn diese Meldung sich bestätigt, wird die blutige Rosa wohl schleunigst nach Berlin in den Schutz der deutschen „Polizei- Herrschaft" zurückkehren und die 3000 Rubel den Russen lasten.)
j Berlin, 3. Juli. Im Alter von nur 36 Jahren ist der Postdirektor Schmücker, der Leiter des wichtigen deutschen Postamts in Tanger, am 21. Juni gestorben. Schmücker war im deutschen ^luolandspostdienst hervorragend tätig; er hat [bie Einrichtung des am 1. März 1900 in Jerusalem errichteten deutschen Postamts vorbereitet und dieses Postamt 2l/2 Jahre geleitet, im Jahre 1904 als verhältnismäßig junger Beamter dem Deutschen Postamte in Konstantinopel vertr'- jlungsweise vorgestanden, und seit 1905 die verantwortungsvolle Stelle des Postdirektors in ^Tanger wahrgenommen.
Hamburg, 2. Juli. Wie die Deutsche Ost- afrikalinie meldet, ist der Dampfer „Kronprinz", ■mit den Reichstagsabgeordneten an Bord, gestern in Listabon eingetroffen.
Heidelberg, 3. Juli. Der Stadtrat hat mit ^Rücksicht auf die allgemeine Besorgnis der Ve- ivölkerung an den Eroßherzog ein Jmmediat- igesuch gerichtet, um einen Ausschub der Entscheidung in der Heidelberger Schlotzfrage und eine abermalige Prüfung derselben zu erhalten. Es wird in dem Gesuch vorgeschlagen, ein öffentliches Preisausschreiben für die Erhaltung des Otto Heinrichbaues in seinem jetzigen Zustande ju veranstalten.
Dresden, 2. Juli. König Friedrich August wird bei seinem bevorstehenden offiziellen Besuch in Hamburg am 4. Juli dem Stapellauf des neue. Postdampfers der Hamourg-Amerika- Linie beiwohnen. Das Schiff wird den Namen „König Friedrich August" erhalten.
Altena, 2. Juli. Jetzt liegt das endgültige Wahlergebnis vor. Der nationalliberale Kandidat Haarmann erhielt 6552 Stimmen, der freisinnige Müller 7686, der Zentrumskandidat Klocke (Regierungsrat in Treysa) 7734, der Sozialdemokrat Haberland 10 546, der christlich-soziale Rüffer 1637. Die Stichwahl zwischen Zentrum und Sozialdemokraten findet am 10. Juli statt.
Zur Parteiorganisation äußert sich das Parteiorgan der Deutsch-Konservativen, die „Kons. Korrespondenz" in folgenden Ausführungen, die im wesentlichen mit dem Lbereinstimmen. was wir vor einiger Zeit über die Notwendi^eit einer straferen Organisation und intensiveren Agitation geschrieben haben.
In allen Parteien wird gegenwärtig an dem Ausbau der Organisationen rege gearbeitet. Man rüstet sich mit Eifer zu der nächsten Reichstagswahl, die vermutlich allerdings „erst" im Jahre 1898 stattfinden wird, die aber trotz der fast zwei Jahre, die uns davon noch trennen, von langer Hand vorbereitet werden muß. Es ist in jeder der bürgerlichen Parteien — das Zentrum ausgenommen — das alte Klagelied, daß viel zu spät in der Vorbereitung der Reichstagswahlen eingetretcn und viel zu säumig mit der Schöpfung eines ausreichenden Wahlfonds vorgegangen wird. ___
Man darf sich darüber keiner Täuschung hin- geben, daß diejenigen Parteien, die am besten gerüstet in die Wahlbewegung eintreten und die am meisten darauf bedacht sind, fortwährende Fühlung mit denjenigen Volksschichten zu halten, auf welche sie sich bei den Wahlen stützen müssen, auch am besten abschneiden werden. Mas nützt es, wenn einige Wochen vor dem Wahltermin mit dem Sammeln von Geldmitteln und dem Abhalten von Versammlungen, sowie mit Verteilung von Agitationsliteratur mit noch so großer Energie vorgegangen wird. Die Fülle des Materials kann in so kurzer Zeit von den Wählern gar nicht verdaut werden, und d'.s Wahlkastcn bleiben nur halbgefüllt, wenn nicht unausgesetzt dazu beigesteuert wird. .
Es ist bei den Wahlen nicht anders wie bei jeder anderen Tätigkeit: Ohne Fleiß kein Preis! Und wahrer Fleiß kennzeichnet sich nur dadurch, daß er stetig und gleichbleibend geübt wird und nicht einmal während kurzer Zeit wie Stroh- seuer aufflackert. Es wird schon jetzt — vielfach nicht mit Unrecht — gehöhnt, daß vor den Wahlen, und zwar kurz davor, eifrig Fühlung mit den Wählern genommen wird, daß aber nach den Wahlen sich um die Wähler niemand mehr kümmert. Diesen Hohn muß man im eigenen Interesse, namentlich aber im Interesse der Partei, unmöglich machen.
Bei der Praxis, einig ' Wochen vor den Wahlei die Agitation „ener ? und umfassend" in die Hand zu nehmen uno dadurch den Fehler
jahrelanger Tatenlosigkeit gut zu machen, wird meist blutwenig ausgerichtet.. In sicheren, zuverlässigen Wahlkreisen, die ja für jede Partei immer mehr zusammenschmelzen, mag diese Praxis noch einige Zeit ertragen werden können/bis auch dort die tätigeren Gegner manchmal höchst unangenhme Ueberraschungen hervor- bringcn. Aber im allgemeinen wird durch die kurze, heftige Wahlarbeit viel Vergeudung an Agitationskräften und an Geldmitteln betrieben. Was bei unablässiger, fleißiger politischer Tätiakeit mit Hülfe einer sorgsam gepflegten Provinzial- und Lokalpreste erreicht werden kann, erfordert nicht allein geringere Mittel an Geld und Arbeit, sondern ist auch in der Wirkung viel erheblicher.
Im nationalliberalen Lager wird gegenwärtig alles ausgeboten, um in die Organisa- tions- und Agitations-Tätigkeit mehr Leben zu bringen. Die „Kölnische Zeitung" hat kürzlich wiederholt das Wort ergriffen, um zu kräftiger Arbeit und zu höchster Opferwilligkeit aufzufordern. Dabei hat sie auch scharfe Worte gebraucht, von Stagnation und Tatenlosigkeit gesprochen. „Und die Liberalen? — so war in dem rheinischen Blatte zu lesen — sobald die Wahl zu Ende ist, ziehen wir die Nachtmütze über die Ohren, hören nichts und sehen nichts und sind dann zum Tode verwundert, wenn wir beim Beginn der Wahlen aufgeweckt werden, und unsere Reihen sich wieder und wieder gelichtet haben."
Die „Nationalliberale Korrespondenz" will diese Vorwürfe auf der Partei und der Parteileitung nicht sitzen lasten, sie schreibt hierüber folgendes, was auch in den Kreisen unserer,konservativen Partei volle Beachtung verdient: „Wir müsten mühsam und schwer für den Aufbau unserer Organisation kämpfen und arbeiten. Und da ist doch gerade in den letzten Jahren so viel getan, um wenigstens den Vorwurf einer „inneren Stagnation" als nickt gerechtfertigt erscheinen zu lasten. Namentlich unsere Abgeordneten, die, obwohl in den letzten Zeiten aufs Aeußerste durch ihre parlamentarische Tätigkeit angestrengt, trugen doch in Wählerversamm- lungen, durch Schrift und Wort außerhalb der Parlamente das Möglichste zur Belebung der politischen Tätigkeit innerhalb der Partei bei.
Dann sind erfreulicherweise die landsmannschaftlichen und provinziellen Organisationen mit Parteisekretären an der Spitze ausgebaut worden. Als politischer Nachwuchs regen sich die nalionalliberalen Jugendvereine, deren politisches Temparament schon dafür sorgt, daß keine „innere Stagnation" der Partei eintritt.
Aber wir geben zu: es kann und muß noch viel mehr geschehen. Auch die gut konstruierte Zentral- und Provinzialorganisation versagt schließlich, wenn es an dem festen und ursprünglichen Fundament, an den örtlichen Organisationen fehlt. Hier, in ihrer Tätigkeit wie in der Tätigkeit und in dem Opfersinn der einzelnen Parteigenossen, liegen die Bausteins, aus denen das Gebäude einer mächtigen, politisch
und sozial einflußreichen Partei sich erheben kann."
In der konservativen Partei ist mit der An« stellung von Parteisekretären nur sehr spärlich vorgegangen worden, während alle anderen Parteien in dieser Hinsicht erhebliches in der letzten Zeit geleistet haben. Die Organisationen der Provinzen und Wahlkreise können aber nur durch Parteisekretäre, die ihren Beruf darin zu suchen haben, fördernd und beratend einzugrei- fen, zu leistungsfähigen Gebilden ausgestaltet werden. Dazu aber kann die Zentralinstanz nichts tun, das ist Sache der Provinzialdelegationen. Ueberhaupt ist es, wie das national« liberale Parteiorgan zutreffend feststellt, dar Haupterfordernis für das zuverlässige Funktionieren der Eesamtorganisation der Partei, daß die örtlichen und provinziellen Organisationen festbegründet find und mit der Zentralstelle in steter Fühlung erhalten bleiben. Nicht zuletzt aber ist die Voraussetzung für gute organisatorische und agitatorische Erfolge die Instandsetzung und Instandhaltung der Parteikassa zu wirklich großen Leistungen während der Wahlperiode. Das alles kann nur während der Jahre zwischen den Reichstagswahlen geschehen. Es muß aber geschehen, wenn wir nicht starke Enttäuschungen erfahren wollen^ und es wird hoffentlich geschehen, ehe es zu spät ist.
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Zur Lage in Rußland. - >
Petersburg, 2. Juli. Einen Notstandskredit von 100 Millionen Rubel verlangt der russische Minister des Innern von der Reichsduma. Der Kredit soll auf die Jahre 1906 und 1907 verteilt werden und als Unterhaltungsmittel und zur Beschaffung von Saatfrucht für 127 von Mißernte betroffene Kreise, die sich auf 27 Gouvernements verteilen, Verwendung finden.
Der „Russischen Rott" wird aus Paris gemeldet: Eine prominente Persönlichkeit der hiesigen russischen Kolonie hatte mit dem Grafeit Witte in Vichy in der vergangenen Woche eine Unterredung. Graf Witte versicherte seinem in Paris ansässigen Landsmann, daß, nach Informationen, die er erhalten habe, die Auflösung der Duma für die allernächste Zeit bereits in Aussicht genommen war.
Petersburg, 8. Juli. Das degradierte erste Bataillon des Preobraschenski-Negiments wird durch ein völlig neues Bataillon ersetzt, das aus Rittern des Georgs-Ordens gebildet werden soll. Die Mannschaften des Garde-Regiments zu Pferde und der anderen Gardetrupventeile haben in einer Kundgebung alle Gemeinschaft mit den Leuten vom Probraichenskie-Regiment abgelehnt. Bei der Agitation in diesem Regiment sollen der Abgeordnete Aladjin, sowie jüdische Spielleute des Regiments eine Hauptrolle gespielt haben.
In der Duma war ein Telegramm angeschlagen, in welchem 200 Mann des im Kaukasus stehenden Mingrelifchen Regiments gegen
g (Nachdruck verboten.),
Die Kette.
an. von Hans Schulze.
< Fortsetzung.)
4. Kapit el.
Oi:7.> Go. des Barons Sinderode lag Schloß Dombrowo gerade gegenüber auf der einen "ängsseite des schlauchförmig gewundenen Re- di ngsecs, des nördlichsten der umfangreichen Seenplatte, die den südöstlichen Zipfel der Provinz Ostpreußens ausfüllt und teilweise noch nach Westpreußen bis in dieEegend von Deutsch- Eylau hinübergreift.
Die Löhnaschen und Srnderodeschen Besitzungen waren ursprünglich durch die Redern- schen Waldungen von einander getrennt gewesen, dann aber hatte Graf Löhna, als er vor einigen zwanzig Jahren den väterlichen Erbsitz übernommen, den Baron von Redern nach und "nach vollständig ausgekauft und seinen Euts- kompelx bis an die Grenze des Sinderoder Forstes arrondiert.
Schloß Sinderode war lange Zeit unbewohnt gewesen.
> Der jetzige Inhaber, einst em Jugendfreund des Grafen Löhna, der früh verwaist, mit diesem auf Dombrowo aufgewachsen und mit ihm zugleich bei demselben rheinischen Kavallerie-Regiment eingetreten war, hatte sich fast ein Dezennium lang von der Heimat fern gehalten, so daß man ihn in den Kreisen der Nachbarschaft schon für vollständig verschollen ansah.
Dann aber war er in einer Nacht, nur von einer Kinderfrau und einem sechsjährigen Mädchen begleitet, vor mehr als zwölf Jahren ganz unvermutet in Sinderode wieder aufgetaucht.
Hals über Kopf wurden ein paar Zimmer im ,Westflügel des alten Schlostes instand gesetzt 'und der romantisch verwilderte Garten notdiirf- ‘.tig hergerichtet, , ........ .
In die Einsamkeit und Weltverlassenheit Sinderodes kam jedoch, wie man allseitig er- waret hatte, unter dem persönlichen Regiment des Besitzers keinerlei Aenderung.
Im Gegenteil sperrte sich der Baron gegen seine Umgebung geradezu hermetisch ab, machte und empfing keinen einzigen Besuch und war selbst für die Beamten des Gutes nur selten und in den dringendsten Angelegenheiten zu sprechen.
Von der Nachbarschaft des Grafen Löhna nahm er gleichfalls nicht die mindeste Notiz, vielmehr lag auch nach dieser Richtung seinem Wesen das Bestreben möglichster Abschließung zugrunde; selbst die Fähre, die seit undenklichen Zeiten vom Forsthaus Sinderode nach Dombrowo hinübergeführt hatte, wurde eines Tages auf seine spezielle Anordnung ohne Angabe eines Grundes plötzlich eingezogen.
Bald nach seiner Rückkehr in dis Heimat berief der Baron seine um mehrere Jahre jüngere Schwester Ulrike ins Haus, die, unvermählt und im Genuß einer großen Rente, einer ausgedehnten Wohltätigkeitspflege in Königsberg lebte.
Ulrike, ihrem ganzen Charakter nach das Gegenstück des in religiöse Schwärmerei sich mehr und mehr verlierenden Bruders, war eine heitere, lebenslustige Frau ohne einen Schatten altjüngferlicher Engherzigkeit oder Kleinlichkeit. Niemand, der sie kannte, begriff, warum sie seinerzeit nicht geheiratet hatte. Sie machte es sich sogleich mit aller Begeisterung ihrer liebenswürdigen Natur zur Lebensaufgabe, an der kleinen Käthe Sinderode Mutterstelle zu vertreten.
In dieser Beziehung wußte sie ihren Standpunkt auch dem Bruder'gegenüber in jeder Weise zu wahren.
Gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit hatte sie ihm offen erklärt, daß sie die Erziehung Käthes nur übernehmen könne, wenn ihr darin oan ihm vollständig freie Hand gelassen würde,
Sie zog sich mit Käthe ganz auf den östlichen Schloßflügel zurück und ließ sich diesen von einer Königsberger Firma aufs behaglichste als Frauenheim einrichten; mit dem Baron, der zusehends einsamer und menschenscheuer wurde, kamen Schwester und Tochter bald nur noch bei den Hauptmahlzeiten zusammen; ja, zeitweilig nahm der Echloßherr auch an diesen nicht teil, sondern ließ sich sein Esten oft wochenlang allein auf seinem Arbeitszimmer servieren.
Um Käthe kümmerte er sich schließlich überhaupt nicht mehr; nur einmal, noch vor mehreren Jahren, war es um ihretwillen zu einem heftigen Auftritt gekommen, als er die Tochter eines Tages zufällig im Walde in Begleitung Herta von Löhnas getroffen hatte.
In höchster Erregung par der Baron noch am Abend der Begegnung zu später Stunde in Ulrikens Schlafzimmer erschienen und hatte ihr und Käthe in schroffster Weise jeden Verkehr mit dem Hause Löhna untersagt.
Hierin jedoch war er bei der Schwester einem eisernen Widerstand begegnet.
Sie hatte ihm in aller Ruhe erklärt, daß si«, wenn er seiner Tochter die Berührung mit den Löhnaschen Damen verbäte, darauf natürlich ohne Einfluß sei, sie persönlich liege sich dagegen von ihm in ihren Privatbeziehungen nicht die geringsten Vorschriften machen.
Der Baron hatte auf diesen energischen Einspruch als Antwort nur ein paar unverständliche Worte gehabt und bald darauf das Zimmer wieder verlassen.
Die Sache kam nicht mehr zur Erörterung; Ulrike ignorierte es vollkommen, daß der Bruder die vorher nur durch ein paar Steine markierte Waldgrenze durch einen soliden Stuchel- drahtzann ersetzen ließ, und fuhr nach wie vor jeden Freitag nachmittag zum Tee nach Drom- bowo hinüber; nur für Käthe waren die Folgen einschneidender gewesen, da sie, die dem Vater
trotz seiner Schrullen von ganzem Herzen zugetan war, es nicht über ^ck zu gewinnen vermochte, seinem Verbot entgegenzuhandeln.
Erleichtert ward ihr übrigens die Befolgung des väterlichen Befehls dadurch, daß sie bald danach auf die Dauer von zwei Jahren in ein vornehmes Genfer Pensionat geschickt und damit der Interessensphäre der Heimat für geraume Zeit überhaupt entrückt wurde.
Aus diesem Pensionat hatte sie Tante Ulrike zu Beginn des Frühjahrs abgeholt; dann waren die beiden Damen mehrere Monate zusammen in Südfrankreich und der Schweiz gereist und Ende Juli zur Erholung von den ausgestande- nen Stravazen noch auf ein paar Wochen nach Baden-Baden gegangen.
Hier nun hatten sie sich mit Georg von Stetten getroffen, und aus den ersten flüchtigen Be- gegnungen war bald eine innige Neigung zwischen den beiden jungen Leuten erwachsen.
Die gutmütige Tante, die den ganzen Verkehr anfänglich nur als einen harmlosen Flirt betrachtet und ihn Käthe als solchen in Ansehung der klösterlichen Abgeschiedenheit, die ihr daheim für die nächste Zeit bevorstand, von Herzen gegönnt hatte, war aufs peinlichste überrascht gewesen, als ihr die Nichts eines Tages mit dem Geständnis ihrer Liebe gekommen war.
Sie hatte zuerst mit freundlichen Vorstell-, ungen und Verweisung auf die beiderseitige große Jugend und das feindliche Verhältnis des, Vaters zum Haufe Löhna auf Käthe einzuwir-, ken versucht, diese jedoch in ihrer Willensfestig-. feit von ' jener unerschütterlichen Starrheit ge-' fanden, wie sie ihr aus eigener Erfahrung als der hervorstechendste Charakterzug der Familie. Sinderode bekannt war. J
(Fortsetzung folgt.)' >