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Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Berlage Io-. Äug. Koch, UnivrrsitStS-Buchdruckerel 41. Jabro.

Marburg, Markt 21. - Telephon 55. M

Marburg

Sonntag, 1. Juli 1906.

mit dem Krersblatt sür die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilager JlluftrirteS SonUtaasbratt.'

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der ExPÄition 2 Mk, 4 fr 4 btt allen Postämtem 2,25 M. (t$tL Bestellgeld).

*/IÄ Ivl JnserttonSgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 1» Pfg.

Neclamen: die Zeile 25 Pfo.

Drittes Blatt.

Neueste Telegramme.

Berlin, 29. Juni. Im Anschluß an sein« Ordre vom 12. Oktober 1905 hat der Kaiser an teil Reichskanzler (Oberkommando der Schutz- truppen) folgende Ordre gerichtet: Den im Jahrs 1906 an der Niederwerfung der noch an- dauernden Eingeborenen-Aufftände in Südwest­afrika beteiligten Deutschen wird das Jahr 1906 als Kriegsjahr angerechnet, sofern in diesem Jahre die Beteiligung mindestens einen Monat betragen hat oder die Teilnahme an einem Ge­fecht vorliegt. Im übrigen findet die Ordre vom 12. Oktober 1905 sinngemäße Anwendung.

' Berlin, 30. Juni. In den letzten Tagen /ollen, wie dieNationalztg." hört, zahlreich« Haussuchungen bei hiesigen Anarchisten stattge- funden haben. Es handelt sich im wesentlichen nm die Ermittelung internationaler Verbin­dungen (Adressenverzeichnisse usw.). Das so­zialistische BlattDer freie Arbeiter" wurde mit Beschlag belegt.

Koblenz, 29. Juni. Bei der Wahl von Bei- ptzern zuni Eewerbegericht siegte zum ersten Male die Liste der christlich-sozialen Arbeit- ltehmer mit zwölf Stimmen gegen die Liste der freien Gewerkschaften. Die Beteiligung an der Wahl war stärker als je zuvor.

Paris, 29. Juni. In parlamentarischen Krei­sen beginnt man sich, wie dieFrkf. Ztg." mei­tet, für den Ausgang der Verhandlungen des Kassationshofes zu interessieren. Man nimmt als sicher an, daß Dreyfus ohne Verweisung vor ein neues Kriegsgericht für unschuldig erklärt wird, und bereitet eine parlamentarische Inter­vention vor, wodurch die Wiedereinsetzung Drey­fus' sowie des Obersten Picauart in ihren mili­tärischen Rang herbeigeführt werden soll.

Madrid, 29. Juni. Die im neuen Zolltarif vorgenommenen Aenderungen ergeben Erhöh­ungen für Kohlen, Bijouteriewaren, Kupfer, Metallwaren, Harze. Hanf, hölzerne Balken und Pfähle, Möbel und Maschinenteile, sowie Herab­setzungen sür Handwerksgeräte, Pianos, bear­beitete Felle. Papier, elektrische Maschinen, Landwirtschaftsrnaschinen, Schiffsteile, ver­schiedene Klassen von Webstoffen, Kupfervitriol und Stearin.

Das Ergebnis

Gestern haben die deutschen Redakteure, die über eine Woche in England verweilten, die Rückfahrt angetrcten. Es ist nunmehr an der Zeit, das mutmaßliche Ergebnis dieses freund- fchaftlichen Besuches einer näheren Betrachtung unterziehen. Von denTeilnehmern selbst wird ja noch manch ausführlicher Bericht gegeben wer­den, der die Beobachtungen und Eindrücke wäh- .rend des Aufenthaltes in England bringen

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Die Vorhänge fehlten ganz als ich einzog, seitdem aber waren einige Spinnen so gefällig, die Fenstern mit einer Art Vorhang ihres eige­nen Gewebes zu versehen, ohne dafür eine Be­zahlung zu fordern. Die Arbeit ist zart und elegant und sogar den von Menschen verfertig­ten Vorhängen vorzuziehen, die in der Regel die Hälfte der Fenster verdecken und das Zimmer verdunkeln. Die meisten Menschen lassen sich große Fenster machen, um sie sodann wieder mit teurem Flitter verhängen zu können.

? Bald bemerkte ich, daß eine Fliege sich in fneine Vorhänge verstrickte, di« im Zentralsitze atzende und wachende Spinne eilte herbei und beschäftigte sich mit der Fliege. Sieh! dachte ich auch jetzt noch, die gutmütige Spinne sucht Hie arme Fliege, die sich in ihrer Unvorfichtig- Ieit in das Gewebe verwickelt hat, wieder zu be­freien. Allein ich hatte mich getäuscht und be­sann an der Gutmütigkeit der Spinne zu zwei­feln, die Fliege lag in den letzten Zuckungen, «appelte und schlug mit den Flügeln, die Spinne Dar ihre Mörderin geworden. Die Fliege, welche .Ich erst sehr bejammerte, starb von Rechtswegen, Die es auch bei den Menschen geht, die in den Metzen der Gesetze hängen bleiben. Wie die Spinnen nur solche Fliegen töten, die zu schwach find ihre Netze zu durchbrechen, so fällt auch der Mensch der Gerechtigkeit anheim, welche ihn in fdie Netze der Gesetze zu verstricken vermag. »Große Fliegen verhöhnen dagegen ebenso unsere Netze, wie mächtige Schurken die euriaen. Bei Ziesen Betrachtungen verschwand die große Spinne, welche die Fliege tötete, mit ihrem Dpfer in einer Mauerfuge, .

Aus unruhigen Zeiten.

Bo« 8. Müller.

(Fortsetzung)'- M "

wird. Aber trotzdem scheint es angebracht, schon jetzt die Bilanz der Fahrt zu ziehen.

Vielfach wurde die Reise der deutschen Preffevertreter mit einiger Besorgnis begleitet, denn die Haltung der deutschfeindlichen Presse Englands war nichts weniger denn freundlich und es stand zu erwarten, daß die geringste, Mißdeutungen zulaffende rednerische Entglei­sung bei einem der vielen Bankette oder Fest­mahle sofort von der Jingopresse zu neuen Hetze­reien ausgeschlachtet werden würde. Das ist nun nicht erfolgt, wenngleich einzelne deutsch­feindliche Blätter es an taktlosen Anrempeleien nicht fehlen ließen. So widmete dieDaily Mail" den deutschen Herren einen wenig freund­lichenBegrützungsartikel", in dem es bezeich­nender Weise hieß:

Die Herren werden mit der Stimmung und der Ansicht dieses Landes genügend vertraut fein I um zu wissen, daß sich die Nation zwar glücklich schätzt, sie auf unserem Boden zu begrüßen, daß aber die unmittelbaren Gastgeber, die Mitglie­der des englisch-deutschen Freundschaftskomiters, nicht alle sehr gute Repräsentanten des engli­schen Nationalgeistes find. Wir hegen zwar per­sönlich kein Uebelwollen gegen solche Mitglieder, wie Mr. Stead, aber wir möchten trotzdem be­merken, daß die Führerschaft bei einer Gelegen­heit dieser Art bester von solchen Männern über­nommen sein würde, die nicht eine so hart­näckige Tendenz an den Tag gelegt haben, die Jnteresten aller anderen Länder denen des eige­nen Landes vorzuziehen." Und zum Schluß sagte das Blatt, es würde nichts dadurch gewon­nen werden, wenn man sich mit Rücksicht auf die­sen Besuch so stellen wollte, als sei alles stets und auch heute so gut wie möglich gestellt. Selbst wenn wir den Versuch machen wollten, so wür­den unsere Gäste, gewandte und erfahrene Män­ner, lediglich darüber lachen. Wenn wir ihnen offen und freundlich entgegentreten und wenn fie nach ihrer Rückkehr in die Heimat Neigung zeigen sollten, dies zu erwidern, so kann diese Reise vorzügliche Erfolge haben. Wir hoffen dies aufrichtig.

Damit ist das Ergebnis der Fahrt schon gleich zu Beginn richtig vorausgesagt worden. Auch in Deutschland wird man denselben Standpunkt einnehmen und die nämliche Hoffnung haben. Aber nicht mehr. Die liebenswürdige Aufnahme, die vornehme Gastfreundschaft, die man den deutschen Redakteuren erwiesen hat, soll dankbar anerkannt werden, aber sie werden nicht dazu verleiten, nunmehr den rechten Maßstab für den dauernden Wert der Kundgebungen und den Grad der zukünftigen Beziehungen zu verlieren. Glücklicherweise wurde auf beiden Seiten, be­sonders auf deutscher, jede Ueberschwenglichkeit vermieden und alles hielt sich in würdigen Gren­zen sich selbst respektierender Zurückhaltung.

Von seinen Wanderungen, die er nur in Be­gleitung der ihm beigegebenenDienerschaft" machen durfte, schreibt Jordan: Ich verlangte unsichtbar zu bleiben und stieg mit Mephin, rote er seine Begleiter nannte, die über achtzig Stu­fen hohe Si.)loßtreppe herab. Wir wandelten über den lutherischen Kirchhof, unter besten schattigen Platanen ich so manche Stunde mit meiner Paula zugebracht habe, während die Kinder ihren fröhlichen Spielen oblagen und gingen bei meinem an demselben gelegenen Hauses vorbei, auf welches ich wehmütig hin- aufblickte, den Schneidersberg hinab nach der Barfüßerstraße und von hier dem Tor hinaus dem akademischen Museum zu, in welchem ich einst viele vergnügte Abendstunden unter der fröhlichen akademischen Jugend verplaudert habe. An den Fenstern desselben sah ich mehrere bekannte Musensöhne, welche in die Gärten am Schloßberge hinüber schauten und sich am An­blick der schönen Natur zu ergötzen schienen, da­bei aber die Marburger Grazien nicht übersahen, die unter den Fenstern vorübergingen und ver­stohlene Blicke auf sie warfen.

Das Museum ist eine sehr wohltätige An­stalt für die akademische Jugend, wiewohl es weit hinter dem zurückblieb, was es nach dem ursprünglichen Plane eigentlich werden sollte. Außer der Lektüre, der politischen, belletristi­schen und wissenschaftlichen Journalen sollte es noch eine erwünschte Gelegenheit zur Begrün­dung, Befestigung und Erweiterung des gemein­samen geselligen Vergnügens der akademischen Lehrer und Studierenden, zu wissenschaftlicher Ausbildung einzelner Materien, zu musikalischen Vergnügungen u. s. w. gewähren. Allein die Lehrer zogen sich größtenteils zurück, indem fie

*) Jordan wohnte in dem Hause Nr. 4 am lutherischen Kirchhof, das ihm patriotische Bür­ger gekauft und geschenkt hatten, _ x _

Das imponiert den Briten mehr als allzufreund­liches Entgegenkommen.

Einen Vorteil kann da» gegenseitige Sich kennen gelernt haben doch zeitigen. Ernst Poste, der Chefredakteur derKöln. Ztg." hat sich fol­gendermaßen einem Vertreter de» Reuter- Bureau gegenüber ausgesprochen:Wir gehen nach Deutschland zurück mit einem tiefen Ein­druck von der freundlichen und herzlichen Gast­freundschaft, mit der uns alle entgegenkamen, mit denen wir in Berührung gebracht wurden. Ich hoffe und glaube, daß dieser Eindruck die Plattform vorbereiten wird, auf der in Zukunft die Verhandlungen über politische Angelegen­heiten stattfinden können. Wenn wir auch nicht hoffen dürfen, daß wir über alle Punkte, in de­nen sich die wetteifernden Jnteresten der beiden Nationen berühren, zu einem Einverständnis kommen werden, so bin ich doch überzeugt davon, daß wir selbst in diesen Fällen beim Abschiede die Worte eines englischen Staatsmannes: We agree to differ (Wir find einverstanden damit, verschiedener Ansicht zu fein) aussprechen kön­nen." Voraussetzung ist hierbei, daß man in England den gleichen loyalen Standpunkt ein­nimmt. Denn nur so können die guten gegen­seitigen Eindrücke sich in die Tat umsetzen lasten. Die systematischen Hetzen gegen die deutsche Politik in gewisten Blättern muffen unterblei­ben und von dem besteren Teil der englischen öffentlichen Kreise unmöglich gemacht werden, wenn sie aus der Einladung und dem Besuche der deutschen Prestevertreter die einzig richtige Folgerung ziehen wollen. Auf deutscher Seite wird man bereit und bemüht sein, in diesem Sinne mitzuwirken an der Wiederherstellung eines besteren Verhältnisses zwischen England und Deutschland. Ob diesen Bemühungen ein Erfolg beschieden sein wird, muß die Zukunft lehren. Ueber eins müssen sich die Briten klar werden: Deutschland hat, wie bei der Ausreise der deutschen Redakteure zur Kennzeichnung der Lage betont wurde, bei seinem großen politischen und wirtschaftlichen Aufschwungs, bei seiner steigenden Industrie, vor allem bei seiner jähr­lich um eine Million steigenden Bevölkerung ein Bedürfnis, sich auszudehnen und feinen Ueber- schuß an Menschen, soweit er nicht im Jnlande bleibt, irgendwo hinzubringen, wo er mit der Heimat auch in politischer Beziehung bleibt. Frankreich hat dies Bedürfnis befriedigt in Al­gier, Rußland in Asien, England in Kanada, Australien usw. Deutschland hat bis jetzt nichts. Es scheint durchaus nicht nötig, daß in Verfolg dieser Bestrebungen Deutschland in Gebiete geht, die bereits zu den Jnteresten Großbritanniens gehören; es ist an sich auch ganz gleichgiltig, auf welchem Erdteil Deutschland diese Ausdehnung sucht und findet. Wir haben aber in Deutfä» land die Empfindung, daß, wo immer Deutsch­land auftritt, etwas für sich sucht, hier Groß­

es ihren Verhältnissen nicht angemessen zu hal­ten schienen, sich in den Kreis der Studenten zu mischen. Dazu trug auch die mißlungene Ein­richtung der Wirtschaft bei. Die Studierenden blieben im Kcnversationszimmer und die Pro­fessoren besuchten das Lesezimmer. Wir wähl- ten zum Ziel unseres Ausfluges Ockershausen und das Hombergks-Wälchen. Wir gingen links bei dem Museum, bei dem sog. Haspel, auf den Philosophenweg hinab, der zwischen anmutigen Gartenhecken nach dem Pfeifferschen Garten oder in die Frankfurter Allee führt. Der Ursprung der BenennungPhilosophie" ist mir unbe­kannt. In Heidelberg gibt es auch einen solchen Weg, der aber holperig und mühsam zu erstei­gen, während der Marburger bequem zu be­gehen ist. Nachdem wir unseren philosophischen Gang beendet, kamen wir in die Frankfurter Allee, vorbei am Schwanhof wo sich die Posthal­terei befindet und weiter an den rechts liegen­denEasthause zum englischen Hof."

Ein Marburger Schneider, namens Mette, erwarb sich in London, wo er auch starb, ein bedeutendes Vermögen und setzte sich in seiner Vaterstadt dieses Gasthaus vor einem Dezen­nium als Monument seiner Industrie. Der große splendide Saal, in welchem das Gasthaus selbst recht bequem tanzen könnte, wurde erst später, nachdem dieses durch Aepfelwein und Schnaps usw. bereits eingeweiht wurde, nach einem in London entworfenen Plane hintenan- geflickt. Der Saal wird oft von Honoratioren zu Konzerten, Bällen usw. benutzt und für ein­zelne Abende gepachtet, sonst aber zu Bällen für die Bürger- und Handwerks-Burschen benutzt, die mit ihren Schätzen die Sonntagsabende und den Lohn den sie in der Woche verdienten, fröh­lich vertanzen und sich bei der ohren- und herz­zerreißenden Musik, während der Pausen in den kühlen Laubengängen des Gartens, von der schwülen Hitze des Tanzens bei Apfelwein ab-

britannien ihm entgegentritt. Die Haltung d«( englischen Politik und der Presse hat die» w» zählige Mal bewiesen. Das muß anders werde«, Hier kann die soeben erfolgte Annäherung vo« Nutzen sein und in Deutschland wird man sich freuen in ihr das erste Zeichen eines sich geltend machenden guten Willens auf britischer Seit« zu sehen.-e.

Zur Lage in Rußland.

Der Kabinettswechsel steht lautK. Z." ver­mutlich in der nächsten Woche bevor. Das neue Kabinett, wenn auch nur zum Teil aus Duma- Mitgliedern, zum anderen aus Beamten, die als liberal denkend bekannt find, gebildet, dürfte durch seine Zusammensetzung auf das Land be­ruhigend wirken. Der Zar ist zurzeit sehr gün­stig für die Kadetten gestimmt, deren taktvolle» Verhalten in der Sitzung vom 21. d. M. (in der Fürst Urussow gegen den Minister Stolypin sprach. D. R.), selbst in reaktionären Kreise« Eindruck machte. Die Lage wird täglich ver­wickelter, wozu die wachsende Gärung im Heere wesentlich beiträgt. Allerdings werden die Nach­richten über die politische Bewegung im Militär zu hoch bewertet. Eine eigentliche politische Be­wegung gibt es nicht, fie beschränkt sich im we­sentlichen auf das Hervortreten einzelner Wüh­ler und Hetzer, während die große Maste politisch gleichgiltig ist. Die Hauptgefahr liegt in den wirtschaftlichen Verhältnissen der Armee, di« nicht von heute auf morgen beseitigt werden kön­nen, da dazu vor allem Ehrlichkeit in der Ver­waltung und ungeheure Mittel sofort nötig find. Dies bereitet der Regierung ernste Sorge und zwingt sie zur Nachgiebigkeit.

Petersburg, 29. Juni. Durch kaiserlichen Ta­gesbefehl vom 28. d. M. ist das erste Bataillon des Preobraschenskischen Leib-Earde-Regiment» in ein besonderes Infanterie-Bataillon umge­wandelt, und die der Garde zustehenden Recht« sind ihm entzogen worden.

Samara, 29. Juni. Gestern abend begann im hiesigen Lager eine Bewegung des Regi­ments Bezuhuk infolge Verhaftung zweier Sol­daten, die ihre Vorgesetzten nicht militärisch ge­grüßt hatten. Nachdem Kameraden die Sol­daten befreit hatten, traten sie mit Musik z« einer Versammlung zusammen und arbeiteten Forderungen aus insbesondere über Freilassung der Reserve im dritten Jahre, Verbesserung bet Nahrung, Herabminderung der Arbeitszeit, frei« Verwendung der freien Zeit, höfliche Behand­lung, vollständige Amnestie und Abschaffung bet Tobesstrafe. Heute taten fie keinen Dienst.

Petersburg, 29. Juni. In Saratow wachse« die Agrarunruhen. Zwei große Güter im Be­zirk Atarski sind total verwüstet worden. Di« Gutsbezirke im Gouvernement haben eine halb« Million Rubel Schaden erlitten.

statten.

(Fortsetzung folgt.) ft

kühlen. Der erste Wirt im englischen Hof hieß Löders. Nach dessen Tode heiratete seine Witwe ihren Kellner namens List. Dieser wollte sich auch ein großes selbständiges Restaurant ein- richten und erbaute vor dem Barfüßertor da» Haus jetzt Nr. 4 Lutherstraße und legte daneben einen großen Wirtschaftsgarten an. Das Hau» nannte man den List, und der sogenannte Klub hatte seine Vergnügungen darinnen, ms wegen Zahlungsschwierigkeiten das Haus veria würbe unb bie Wirtschaft einging List roan- bette nach Amerika aus. Nach List kam der Wirt Erampy und nach diesem ein Verwandter d« Erbauers Mette, namens Treuer, in den eng­lischen Hof. Im Jahre 1865 6'ng der englisch« Hof für 7000 Thaler tn den Besitz des Kauf­manns Ferd. Bang über. Anmerkung desRef.)

Gegenüber liegt-derGasthof zum Schutzen- pfuhl", der Besitzer hieß Knauf, mit einem recht angenehmen Garten. Sier logieren meistens di« Frachtfuhrleute. Durch die Zroeftchen-Allee ge­langten wir nach Ockershausen. Diese Allee b^ steht aus Obstbäumen, von denen die wenigste« Zwetschenbäume find. Im Ruppersbergs Gar­ten fanden wir ein paar Gelehrte die Kaffee tranken und an einem andern Tische saßen ck Studiosen, welche sich mit Pfannenkuchen bet schäftigten und von zwei dürren Windhunde« sehr neidisch angesehen wurden. An einem dritten saßen acht Damen, welche eben T« fabrizierten, indem sie sich das heiße Wasser nebst Tasten vom Wirte bringen ließen, ve« Tee aus ihren Arbeitsbeuteln h""orholtem welche auch mit dem nötiger Zucker und Gebäck versehen waren. Bürgerliche Frauen haben e» noch nicht bis zu diesem Grade der Oekonomi« gebracht. Von hier begaben wir uns an der westlichen Seife des Dorfes hinauf um beut Pfannenkuchenhäuschen" einen Besuch abzu-