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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. -

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M 150

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Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Marburg

Sonnabend, 30. Juni 1906.

Erscheint wöchentlich neben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Uniberfitäts-Buchdruckerei 41. Jahrg.

Marburg, Warst 21. Telephon 55.

Erstes Blatt.

Neueste Telegramme.

Hamburg, 28. Juni. In der Klage des Ver­eins deutscher Kapitäne und Offiziere der Han­delsmarine gegen die Woermann-Linie faßte die 4. Zivilkammer des Landgerichts folgendes Ur­teil: Die Beklagte wird bei Vermeidung einer Geldstrafe von 500 Mark für jeden einzelnen Fall der Zuwiderhandlung verurteilt, die Aufstellung und Verbreitung der Behauptung,die Richtung des Vereins Deutscher Kapitäne und Offiziere der Handelsmarine zeigte in letzterer Zeit eine starke Fühlung mit der Sozialdemokratie", zu unterlassen und die Kosten des Rechtsstreites zu tragen.

Kiel, 29. Juni. Wie derL.-A." mitteilt, «erden die ersten größeren Manöver der aktiven Schlachtflotte nunmehr definitiv in den allerletz­ten Tagen des Juli nach der Rückkehr des Kai­sers von der Nordlandreise bei der Insel Rügen stattfinden und 45 Tage dauern. Der Zar wird mit unserem Kaiser dem ganzen Ma­növer teils an Bord desPolarsterns", bezw. derHamburg", teils an Bord des Flottenflagg­schiffsKaiser Wilhelm II. beiwohnen. Von dort aus wird sich der russische Kaiser zu längerem Aufenthalt nach Darmstadt begeben, wo er mit seiner Familie zusammentrifft.

Madrid, 28. Juni. Hiesige Blätter melden, der Ceneralstaatsanwalt bereite eine Denkschrift vor, welche gesetzgeberische Maßnahmen gegen die Anarchisten verlangt. In Taragona wurde ein Mann namens Chamorro verhaftet, der im Ver­dachte steht, Mithelfer Morals zu sein, der den Bombenanschlag gegen den König und die Kö­nigin von Spanien verübte.

Washington, 28. Juni. Präsident Roosevelt hat sich damit einverstanden erklärt, daß eine von den beiden Häusern des Kongresses gemeinsam gefaßte Resolution, in der dem Abscheu des Vol­kes der Vereinigten Staaten über die Juden- cheheleien in Rußland Ausdruck gegeben ist, dem Staatsdepartement übermittelt und amtlich be­kannt gegeben werde.

Die Arbeiterwohnungsfrage.

# Daß die Lösung der Arbeiterwohnungs- srage eine der wichtigsten sozialpolitischen Auf­gaben ist, wird nirgends bestritten. Man sieht Ja denn auch, wie die mannigfachsten Faktoren Hand in Hand arbeiten, um dem Arbeiter ein gemütliches Heim zu schaffen und ihn dadurch den Bestrebungen zu entziehen, die hauptsächlich dort Erfolge haben, wo sie auf Elemente treffen, die nichts ihr eigen nennen". Zuerst waren es die

tz (Nachdruck verboten.))

Dir Kette.

r Roman von Hans Schulze.

& (Fortsetzung.)

" Der kleine Raum lag noch genau in dersel­ben Verfassung wie er ihn vor zweiJahren beim Antritt seiner letzten Reise verlassen; das alte gemütliche Sofa, das einfache Feldbett, nur eine neue Waschtoilette war dazu gekommen, die in ihrer ntodischen Ausstattung eigentümlich gegen den Biedermeierstil der übrigen Einrichtung ab­stach.

Dort auf deut Schreibtisch das große Pastell seines Vaters!

Unwillkürlich nahm Georg das Bild zur Hand und vertiefte sich in das Studium des schönen, kühn geschnittenen Gesichts, das durch die kleidsame Ulanenuniform in seiner faszinie­renden Wirkung noch gehoben wurde.

Zum erstenmal überkam ihn eine Empfin­dung der Sehnsucht nach diesem Toten, der ihm bisher in seinem Denken und Fühlen ganz fern gestanden hatte, ein Verlangen, mit dem Mann, dein er sein Leben verdankte, sich auch über die wichtigsten Fragen dieses Lebens auszusprechen.

Seit 25 Jahren deckte diesen Mann bereits das Grab, ein Unfall auf der Jagd, der unglück­liche Schuß eines Nachbarn, hatte seinem sprü­henden Leben ein vorzeitiges Ziel gesetzt.

So wenigstens war Georg sein Ende einst vor langer, langer Zeit von der Mutter geschil­dert worden, und die Erinnerung dieses trau­rigen Ereignisses hatte sie damals derart auf­geregt, daß er nie wieder darauf zurückgekom­men war.

Jetzt auf einmal regte sich in ihm ein unbe- stimtnter, quälender Verdacht.

Niemals war es ihm bisher in den Sinn ge­kommen, die Erzählung der Mutter anzuzwei- feln, aber hatte sie ihm vielleicht nicht alles mit-

Arbeitgeber Deutschlands selbst, die in der Schaf­fung von ausreichenden Arbeiterwohnungen eine wesentliche sozialpolitische Aufgabe erkannten. Man braucht auch bloß die jährlich veröffentlich­ten Berichte der staatlichen Aufsichtsbeamten durchzusehen, um zu erkennen, wie noch immer in dieser Richtung in allen Teilen Deutschlands von den privaten Arbeitgebern gearbeitet wird. Fördern sie doch damit auch ihre eigenen wirt­schaftlichen Zwecke insofern, als sie sich sässige Ar­beiterstämme schaffen und so von den Nachteilen einer fluktuierenden Arbeiterschaft wenigstens teilweise frei werden. Reich und Staaten sind als Arbeitgeber gleichfalls schon seit vielen Jahren in der Lage, für ihre Arbeiter und gering besol­deten Beamten Wohnungen zu bauen oder den Wohnungsbau fördern zu helfen. Noch im Reichshaushaltsetat für 1906 sind 5 Millionen Mark für diesen Zweck ausgeworfen, in Preu­ßen ist ein besonderes Kreditgesetz genehmigt, das die Mittel zur Durchführung des genannten Zweckes für das Etatsjahr 1906 gewährleistet. Dazu kommt, daß die Gemeinden, soweit nur ir­gend möglich, in gleicher Richtung vorgehen. Hier stehen ja allerdings nur noch zu häufig die fi­nanziellen Schwierigkeiten im Wege, jedoch wird die gute Absicht, an diesem sozialpolitischen Werke mitzuarbeiten, auch bei den Gemeinden nicht ver­kannt werden. Die großen Versicherungsorgani­sationen, namentlich die Versicherungsanstalten, sind in der Lage beträchtliche Summen für. den Arbeiterwohnungsbau herzuleihen. Sie tun dies ja auch, wenngleich manchmal noch zu bedauern ist, daß dabei auf die Höhe des Zinsfußes allzu großer Wert gelegt wird. Es müßte hier das weitestgehende Entgegenkommen zu beobachten sein. Sehr große Verdienste haben sich schließlich die verschiedensten Baugenossenschaften erworben, die ihre Tätigkeit lediglich gegen Verzinsung des aufgebrachten Kapitals ausüben. Kurz, es find schon die verschiedensten Faktoren für die Schaf­fung ausreichender Arbeiterwohnungen tätig ge­wesen. Neuerdings kann man nun auch beob­achten, daß die Arbeiter selbst der Frage immer größere Aufmerksamkeit zuwenden. Sie tun sich teils selbst zu Baugenossenschaften zusammen, um unter Unterstützung anderer Kreise auf dem in Rede stehenden Gebiete tätig sein zu könneit, teils geben sie durch Arbeiterausschüsse oder son­stige Vertretungen ihre Ansichten über den von anderer Seite in die Wege geleiteten Bau von Arbeiterwohnungen kund. Man wird diese Ent­wicklung der Dinge nur mit Freude zu begrüßen haben. Wo die Sozialdemokratie der Arbeiter­schaft die Bestrebungen auf den Bau von aus­reichenden Wohnungen verekeln konnte, tat und tut sie es nur zu gern. Sie weiß, daß ein Ar­beiter, der ein gemütliches Heim besitzt, für ihre Bestrebungen schwer zu haben ist. Deshalb ist sie Gegnerin jeder Sässigmachung der Arbeiter.

geteilt, waltete hier noch ein weiteres Geheim­nis, das den Schlüssel abgab für das Rätsel der Entzweiung mit dem Sinderoder?

Baron Sinderode war der rechte Vetter sei­ner Mutter und doch schon, solange er denken konnte, diese unerklärliche Feindschaft, die den beiden Familien in der ganzen Gegend bereits den Namen der ostpreußischen Montecchi und Capuletti eingetragen hatte.

Dann aber wies Georg die peinigenden Ge­danken wieder weit von sich.

Er war. heut nervös, überreizt von der lan­gen Eisenbahnfahrt: er hatte das Versprechen des Stiefvaters, daß er für ihn einstehen wolle, warum sich also mit den Gespenstern seiner auf­geregten Phantasie herumschlagen.

Mit einer raschen Bewegung trat er ans Fenster und legte sich weit in die Brüstung hin­aus.

Dort drüben dehnte sich das massige Düster der Sinderoder Waldungen; wie flüssiges Sil­ber schwamm der trennende See in dem blassen Mondlicht.

Mit all seinen Sinnen war Georg plötzlich wieder bei Käthe Sinderode.

Dieser selbe Mond hatte ihnen noch zwei Nächte zuvor in der einsamen Lichtentaler Allee gelächelt.

Die ganze schöne Baden-Badener Zeit zog an seinem Geiste vorüber, in plastischer Deut­lichkeit glaubte er Käthe auf einmal vor sich zu sehen, das feine Gesicht mit den dunklen, sin­nenden Augen, die fließenden Linien ihrer ent­zückenden Figur, umwoben von dem bestricken­den Zauber sonniger Jugend.

Eine große heiße Sehnsucht in die Ferne regte sich in ihm, der Wunsch, Raum und Zeit zu überbrücken und sich im Fluge an die freund­lichen Ufer der Oos zu versetzen.

Der Himmel lichtete sich bereits im Osten, als Georg endlich gegen Morgen in einen un­ruhigen, traumgequälten Schlummer verfiel,

Machen sich aber nun aus den Reihen der Ar­beiterschaft selbst Bemühungen zur Erlangung geeigneter Wohnungen immer mehr bemerkbar, so sollte man sie überall dort, wo sie auftauchen, umsomehr hegen und pflegen. Würden auch die Arbeiter selbst in die Reihe der Faktoren gezo­gen, die dem Wohnungswesen ihre Aufmerksam­keit zuwenden, so ist Aussicht, daß das Wohnungs­problem eine Lösung findet, die, wenn sie auch bei der Schwierigkeit der Materie nicht voll be­friedigen wird, doch möglichst gute Verhältnisse schafft und so mit zum sozialen Frieden beiträgt.

Deutsches Reich.

Berlin, 29. Juni.

Seine Majestät der Kaiser hörte gestern Vormittag in Kiel die Vorträge des Chefs des Zivil- und Militärkabinetts, ferner des Kriegs- ministers, sowie des eingetroffenen General­leutnants Kehrer, Präses der Artillerie - Prü­fungskommission. Später nahm er die Meldung des spanischen Kapitäns Duenas y Ramirez entgegen und empfing danach 10 Mitglieder des Vorstandes der Baumwollspinner und Weber­vereinigungen. Morgens war Prinz Heinrich von den norwegischen Krönungsfeierlichkeiten zurückgekehrt und stattete nach der Ankunft dem Kaiser an Bord derHamburg" einen Be­such ab. Abends nahmen der Kaiser und der Prinz an einem geselligen Beisammensein im kaiserlichen Jachtklub teil, wobei der Kaiser die Preise für die Regatten verteilte.

Der Bundesrat hat in der gestrigen Sitzung den Ausschußantrag betreffend die Ab­änderung und Ergänzung der Branntwein­steuer-Ausführungsbestimmungen, sowie den Ausschußbericht betreffend das Abkommen mit den Niederlanden vom 18. Mai über den Ver­kehr mit Branntwein an der deutsch-niederlän­dischen Grenze angenommen.

Nach vorläufiger Feststellung des Gesamt­ergebnisses der Ersatzwahl im Reichstagswahl­kreise Altena-Iserlohn wurden 34188 Stimmen abgegeben. Davon erhielten Haber­land (Soz.) 10 547, Klocke (Zent.) 7774, Müller (freis. Vpt.) 7673. Haarmann (natl.) 6552, Nueffcr (Christi. Soz.) 1637 Stimmen. Zer­splittert sind 5 Stimmen. Es wäre somit eine Stichwahl zwischen Haberland und Klocke (in Treysa) erforderlich.

Die Schulden des Reiches und der Bundes­staaten beliefen sich bei Beginn des letzten Rechnungsjahres auf insgesamt 15 448,2 Mill, fundierte und 243,5 Mill, schwebende Schulden. Davon entfallen auf das Reich 3023,5 fundierte und 180 Millionen schwebende Schulden, auf die Bundesstaaten 12181,2 fundierte und 63,5 Millionen schwebende Schulden. Die fundierten Staatsschulden sind in der Periode 1901 bis 1905 gewachsen im Reich von 2 315,7 auf 3 023,5 Millionen, in Preußen von 6 602,8 auf 7 209 Millionen, Bayern von 1362,5 auf 1 649,6 Millionen, Sachsen von 829,8 Millionen

3. Kapitel.

Es hatte den ganzen Tag geregnet; ein fei­ner, strichförmiger Landregen, der unablässig von dem bleigrauen Himmel herabrieselte.

Heber dem Redingsee wogten die Nebel in seltsam geformten Schleiern, der Sinderoder Forst lag schon vollkommen von den brauenden Massen eingesponnen.

Die Luft war von jener schweren, feuchten Schwüle, die oft noch erdrückender und lähmen­der wirkt als die strahlende Hitze eines heißen Sommertages.

Gräfin Ruth kam aus dem Park; seit einer Stunde schon trieb es sie in Wind und Wetter die weiten Alleen hinauf und hinab.

Den ganzen Nachmittag hatte die Baronin Rhaden bei ihr gesessen und sie mit den neuesten Klatschgeschichten des Kreises und des Städtchens Rahnfeld unterhalten.

Die Gräfin war gegen ihren Besuch sehr ein­silbig gewesett; sie wußte, daß die alte Dame, die wegen ihrer scharfen Zunge in der ganzen Ge­gend bekannt und gefürchtet war, sich ja doch nur eingestellt hatte, um das Terrain bezüglich Georgs zu sondieren; so war sie allen neugie­rigen Fragen nach Möglichkeit ausgewichen und hatte es durch ihre Zurückhaltung denn auch glücklich erreicht, daß sich die Baronin schon kurz nach sechs Uhr mit etwas beleidigter Miene wieder empfohlen hatte.

Der Gatte war auf das Eutsvorwerk ge­ritten, und die beiden Kinder waren trotz des unfreundlichen Wetters nach der Stadt zum Jahrmarkt gefahren. Herta hatte nicht eher ge­ruht, als bis sich Georg zu ihrer Begleitung ent­schlossen, um den serbischen Königsmord im Elektro-Mechano-Biographen und die menschen­fressenden Basutokrieger mitsamt dem übrigen altgewohnten, bunten Budentreiben zu ge­nießen. .

So hatte sich die Gräfin für den Rest des Tages, ganz auf sich 'allein angewiesen und ohne

auf 961,8 Millionen, Württemberg von 495,2 auf 537,7 Millionen, Baden von 335,7 auf 442,7 Millionen, Hessen von 248,5 auf 366,5 Millionen und in allen Bundesstaaten zusam­men von 10 796,7 auf 12181,2 Millionen. Im Verhältnis zu seiner Größe hat wohl der Staat Hamburg die höchste Schuldenlast mit 474,1 (1901: 406,7) Millionen.

Zur Lage in Rußland.

Militärmeutereien. '!

In den leitenden Kreisen herrscht große Auf­regung wegen der an Meuterei streifenden Un­ruhen im 1. Bataillon des Preobraschenskyschen Regiments. Auch das 2. und 3. Bataillon hatten: sich zunächst dem ersten angeschlossen, bekundeten aber dann Reue über ihr Verhalten. Das 1( Bataillon, dasBataillon Sr. Majefüt" heißt und seine Kaserne im Winterpalais hat, verletzt« die Disziplin in so hohem Grade, daß Grenadier« Ulanen und Schützen sowie eine Artilleriebrigad« aus Krassnoje nach Petersburg berufen wurden, um die Entwaffnung des Bataillons vorzun^- men. Das Bataillon wurde dann nach Auslie­ferung der Rädelsführer nach Krassnoje Sfelo geschafft. Das Ssemenowsche Regiment war on beit Unruhen nicht beteiligt.

Aus Wladikawkas wird demRußkoje Sloi wo" telegraphiert, daß Artilleristen am 25. Jun! das Offizierkasino beschossen. Das Publikum, das gerade tanzte, floh, wobei eine Dame verwundet wurde. Die Soldaten beschimpften auf bet, Voulevarb ben Eebietschef, General Rzewusky, Eine Versammlung, in ber auch alle Truppen­teile vertreten waren, beschloß, ben Ausbruch eines Pogroms mit Waffengewalt zu unter* brücken. J

Parlamentarisches Ministerium?

DemL.-A." ist aus Petersburg folgende über­raschende Meldung zugegangen:

In Peterhof ist die Absicht, ein neues Ää* 61 n e 11 aus Mitgliedern des Reichsrats zu bil­den, fallen gelassen worden. Der Präsident der Reichsduma Prof. Muromzew wurde nach Peter­hof entboten, wo ihm die Bildung eines Kabi­netts aus Mitglieder der Duma- Ak e h r h e i t übertragen wurde. Muromzew erklärte sich dazu bereit, falls die von ihm in sie­ben Punkten formulierten Forderungen erfüllt würden. Der Hof scheint geneigt zu sein, diese Bedingungen zu erfüllen, und ist prinzipiell mit der Bildung eines konstitutionel.'-demokratische-l Ministeriums einverstanden. Die Ministerlists soll wie folgt lauten: Muromzew Premiermi­nister, Lwow Inneres, Meljukow, Unterricht, Kusmin Karawaiew Justiz, Timirjasew Fina'i zen Kutwel Landwirschaft, Kossicz Krieg, Ruch* low Marine. Doch sind die Verhandlungen noch

Ablenkung ihren trüben Gedanken ausgeliefert

Die'Mitteilungen, die ihr der Gatte gleich nach seiner Unterredung mit Georg noch tn ber selben Nacht gemacht, hatten ihrem seeltscheti Gleichgewicht ben letzten Rest gegeben unb b« fieberhafte Unruhe der jüngsten Zett bis zu, Unerträglichkeit gesteigert.

Die Vergangenheit reckte drohender denn je ihr furchtbares Haupt.

Es war ja vollkommen ausgefchlossen, daß Baron Sinderode jemals seine Einwilligung zu einer Verbindung von Georg und Katye er teilte, im Gegenteil stand dem Grafen bei einem etwaigen Versöhnungsversuche mit absolute, Sicherheit eine schroffe Abweisung bevor, falls er überhaupt von Sinderode empfangen wurde, nahm Georg selbst die Vertretung seiner Sache in die Hand, so waren die Konsequenzen hier­von bei dem leidenschaftlichen Naturell und dem krankhaft pietistischen Fanatismus des alten Barons einfach unabsehbar.

Ein unbestimmtes Gefühl sagte der Gräfin, daß Georgs Liebe den so lange und sorglich^^ge­hüteten Stein des Familiengeheimnisses end­lich ins Rollen zu bringen bestimmt sei

Diese Vorstellung lahmte zeitweilig *qr ganzes Denken. , , -

Als sie zuvor von der Baronin verlass»» worden und allein in ihrem Zimmer zurückge­blieben war, da war cs auf einmal uber sie ge­kommen, als ob sich die Wände des Raum«, um sie zusammenschoben, als ob ihre ganzeUm gebung auf sie heretnbrechen wolle, sie zu ei brücken, zu vernichten.

In namenloser Angst war sie wie von rien getrieben ins Freie geeilt unb dann plan- und ziellos int Park umhergeirrt, wte um sich vor ihren eigenen Gedanken zu fluchten,

(Fortsetzung folgte