Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Zoh. Aug. Koch, UniverMtg-Buchbruckerek 41. Iabra. Marburg, Markt 21. — Telephon 55. ”
Marburg
Freitag, 29. Juni 1906.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilager Jllustrirtes Sonntagsblatt»
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Neueste Telegramme?
Berlin, 27. Juni. Gegenüber den Zeitungs- rneldungen, nach welchen der Rücktritt des Herrn von Tirpitz in unterrichteten politischen Kreisen als sicher betrachtet wird, und daß im Zusammenhänge mit dieser angeblichen Demission im nächsten Herbst eine Erweiterung des liirglidi angenommenen Flottengesetzes im Reichstage eingebracht werden soll, erklärt die „Nationalzeitung" in der Lage zu sein, an ihrem kategorischen Dementi dieser Ausstreuungen durchaus fesizuhalten.
Berlin, 27. Juni. Wie Leutnant Correck aus j [ Reugesne nordwestlich von L i w a l e (Deutsch- Ostafrika) mitteilt, fand am 14. Juni ein erfolgreiches Gefecht unter Verfolgung der Aufständischen statt, die den bereits unterworfenen Jumben und das Lager Eorrecks überfallen hatten. Die Gegend westlich von Liwale ist noch aufständisch. Aus Jraku liegen noch keine weiteren Nachrichten vor. Auch sind solche vor An- j k fang Juli nicht zu erwarten.
Stettin, 27. Juni. Der deutsch-österreichischungarische Schiffahrtskongretz sprach sich in seiner heutigen Sitzung für die Schaffung einer einheitlichen Binnenschiffahrtstaxe aus und beschloh die Einsetzung eines Ausfchusies zur Erörterung der Fragen des Schiffahrtsbetriebes auf den durchgehenden Hauptwafferstratzen. Der Ort der nächsten Tagung wurde dem Ausschusie über- I’ lassen.
Breme», 27. Juni. Der internationale Kongretz der Vaumwoll-, Spinner- und Weber-Vereinigungen beschäftigte sich heute mit der Frage der Baumwollkitt<.,r. Er fatzte folgenden Beschlug: Der Kongretz verleiht seiner festen Ueber- zeugung Ausdruck, datz die Erweiterung der Baumwollversorgung eine absolute Notwendigkeit für die künftige Wohlfahrt der ganzen s | Baumwollindustrie ist. Ferner fordert der Kongreß alle seine Mitglieder auf, die verschiedenen Vereinigungen zur Hebung der Baumwollkultur nach besten Kräften zu unterstützen. Als nächster Kongretzort wurde Wien gewählt.
Haag, 27. Juni. In der Zweiten Kammer bestätigte der Minister des Aeutzeren, datz die zweite Friedenskonferenz im Jahre 1906 nicht stattfinden werde.
Paris, 27. Juni. Der sozialistisch-radikale Deputierte Maujan brachte einen Gesetzentwurf ein, nach welchem der 1. Mai unter dem Namen „Fest der Arbeiter" zum gesetzlichen Feiertage l ' bestimmt werden soll. Den in Staats-, Departements- oder Eemeindedienst stehenden Arbeitern oder sonstigen Lohnangestellten soll dieser Tag wie ein gewöhnlicher Arbeitstag bezahlt werden.
Konstantinopel, 27. Juni. Nach Angaben der Pforte haben die Großmächte gegen das griechische Bandenunwesen in Athen sehr energische Vorstellungen erhoben und angedeutet, datz wenn Griechenland nichts dagegen tun würde,
4 (Nachdruck verboten.)
Die Kette.
Roinan von Hans Schulze.
(Fortsetzung.)'
„Mir liegt jeder Zweifel an deinen Worten fern, Georg! Ich meinte nur, datz du, obwohl ich nicht dein leiblicher Vater bin, in einer so wichtigen Frage, von der die ganze Gestaltung deines künftigen Lebensweges abhängig ist, meiner Erfahrung auch einen zewisien Einfluß f einräumen müßtest.
„Aber gewiß, Papa! Deshalb bin ich ja auch so Hals über Kopf hierhergereist, um mir l zunächst deine Zustimmung einzuholen!"
Der Graf spielte unschlüffig mit einem Blei- t stift.
„Und wer ist die junge Dame, auf die deine Wahl gefallen ist?"
Ein lebhafter Kamvf malte sich auf dem Gesicht des Sohnes.
. „Käthe Sinderode!" sagte er dann ganz leise.
Mit einem Ruck fuhr der Graf in die Höhe.
- ' „Käthe Sinderode? Niemals Georg! Zu dieser Verbindung erhältst Du niemals meine Zustimmung!"
Er hatte sich bei den letzten Worten ganz erhoben uiib ging erregt mit großen Schritten im j Zimmer aus und ab.
„In jeder Beziehung will ich dir entgegen« kommen, Georg! Nur das schlag dir aus dem [ Kopf! Es ist unmöglich! Du kennst mein Ver- l hältnis zu Sinderode. Und wenn ich selbst meine Einwilligung zu dieser Verlobung gäbe, ! Baron Sinderode würde dir die Hand seiner Tochter auf jeden Fall verweigern?"
Die Betonung des Wortes „dir" war in einer so auffälligen Weise erfolgt, daß der Sohn unwillkürlich stutzte.
die Großmächte einschreiten müßten. Dies habe Eindruck gemacht und Ministerpräsident Theo- tokis und die übrigen Minister hätten erklärt, daß den Bandenumtrieben Einhalt geboten werden muffe.
Die neue Zigaretten-Steuer.
Den vom Bundesrat beschlossenen Ausführungs-Bestimmungen zum neuen Zigarettensteuergesetz, das am 1. Juli d. I. in Kraft tritt, entnehmen wir folgende Vorschriften:
Als Steuerzeichen dienen für die verschiedenen Steuerklassen der Zigaretten und Zigarettentabake Papier st reifen in mattgrüner, mattblauer, mattroter, grauer, brauner und violetter Farbe, für Zigarettenhüllen in orange. Die Steuerzeichen werden von der Reichsdruckerei hergestellt und sind durch die Landesregierungen gegen Erstattung der (vom Reichsfchatzamt festzustellenden) Herstellungskosten zu beziehen. Sie sind vor ihrer Anbringung um die Packungen der Zigaretten, des Zigarettentabaks und der Zigarettenhüllen, und zwar derart, datz der Inhalt der Packungen ohne Zerreißen der Steuerzeichen nicht entnommen werden kann, dadurch zu entwerten, daß Firma und Sitz des Herstellers der steuerpflichtigen Erzeugnisse oder (bei eingeführten) des Beziehers handschriftlich mit Tinte oder durch Stempelung oder Druck- mit licht- und wasserbeständiger Farbe auf dem dafür vorgesehenen Felde des Steuerzeichens vermertt wird. Nachträgliche Aenderungen dürfen an dem Entwertungsvermerk nicht vorgenommen werden.
Die Umschließungen von Zigaretten und Zigarettentabak dürfen aus Holz, Zellstoff, Gelatine, Pappe, Papier, Zinnfolie oder sonstigem Metall, diejenigen der Zigarettenhüllen nur aus Papier und Pappe bestehen. Sie müssen ihren Inhalt vollständig umgeben und so eingerichtet sein, datz sie ohne wahrnehmbare Verletzung nur an einzelnen, als zur Oeffnüng erkennbaren Stellen geöffnet werden können und daß der Inhalt nur nach Oeffnüng dieser Stellen entnommen werden kann.
Die Verpflichtung zur Anmel^ düng der Betriebs- und Lagerräume erstreckt sich auch auf die von einem Fabrikanten etwa beschäftigten Heimarbeiter. Den Inhabern tabakverarbeitender Betriebe ist der Kleinverkauf von der Zigarettensteuer- unterliegenden Waren nur in einem von dem Fabttkationsraum völlig getrennten Raume gestattet. Die der Zigarettensteuer unterliegen« den Waren sind, nachdem sie die für den Kleinverkauf besttmmte Verpackung erfahren haben, in die für die Lagerung angemeldeten Räume zu verbringen. Wenn für die Lagerung keine besonderen Räume bestimmt sind, müssen die Teile der Betriebsräume, wo die Lagerung erfolgen soll, durch besondere Aufschriften: „Lagerstelle für Zigaretten", „Lagerstelle für Zigarettentabak" oder „Lagerstelle für Zigaretten- hüllen" kenntlich gemacht werden. Außerhalb dieser Räume und Lagerstellen dürfen verpackte
„Du hebst gerade meine Person so merkwürdig hervor, Papa! Warum sollte der alte Baron gerade mir seine Tochter vorenthalten wollen?"
„Du kennst seine feindliche Gesinnung gegen mich!" warf der Graf hastig ein. „Und du bist mein Sohn, das wollte ich damit nur ausgedrückt haben!"
„Und sollte diese Feindseligkeit eine so unüberwindliche sein, daß sich Baron Sinderode entschließen könnte, ihr das Lebensglück seines einzigen Kindes zu opfern? Wäre es nicht vielleicht im Gegenteil denkbar, datz gerade unsere Liebe wieder eine Brücke zwischen euch Alten zu schlagen vermöchte!"
Der Graf wehrte heftig ab.
„Du sprichst für eine verlorene Sache, Kind! Versuch darüber Hinwegzukommen! Zwischen mir und Sinderode ist eine Verständigung für alle Zeiten ausgeschlossen!"
„Vater!"
Auch Georg hatte sich in steigender Erregung erhoben; hoch aufgerichtet standen die beiden Männer einander gegenüber.
„Schon einmal hast du dein Veto gegen einen meiner heißesten Wünsche eingelegt, als du mir wehrtest, in das Regiment einzutreten, dem schon mein Vater, mein Großvater, mein Urgroßvater angehört haben. Damals hab ich mich gefügt mit dem Aufgebot meiner ganzen Selbstüberwindung, in diesem Falle aber kann ich nicht nachgeben! Ich habe mein Wort verpfändet einem Mädchen, das ich über alles liebe! Das läßt sich nicht so einfach mit einer Handbewegung beiseite schieben! Du darfst unter diesen Umständen den Gedanken einer Versöhnung mit Sinderode nicht so von vornherein in dieser Schärfe von dir weisen! Sag mir, was euch beide trennt! Ich habe jetzt. -~s das Glück meines Lebens auf dem Spiele f ' "'
Erzeugnisse dieser Art nicht ausbewahrt werden. Die Lagerung hat getrennt nach den Warenpackungen und Steuerklassen in übersichtlicher Weise zu erfolgen.
Ueber den Zugang und Abgang von der Zigarcttensteuer unterliegenden Erzeugnissen sind Betriebsbücher zu führen, in denen am Schluffe mindestens einer Woche sämtliche während dieser Zeit hergestellte sowie sämtliche aus der Erzeugungsstätte entfernte versteuerte Erzeugnisse, und zwar getrennt nach Steuerklassen, nachzuweisen sind, desgleichen die am Tage des Inkrafttretens des Gesetzes in der Fabrik befindlichen Erzeugnisse. Bis auf weiteres haben die Hersteller von Zigarettentabak und Zigaretten auch über den zur Verarbeitung bez genen Tabak und die Hersteller von Zigarettenhüllen über das zur Verarbeitung bezogene Zigarettenpapier Bücher zu führen. Täglich mindestens einmal ist durch einen Oberbeamten der Bestand an der Zigarettensteuer unterliegenden Erzeugnissen festzustellen und mit den abzuschlietzenden Betriebsbüchern zu vergleichen. Das Hauptamt hat eventuell wegen der zu erhebenden Steuer für Fehlmengen Entscheidung zu treffen. Fabrikanten, die Heimarbeiter beschäftigen, haben ein besonderes Buch (Heimarbeitsbuch) zu führen, in dem, für jeden Heimarbeiter gesondert, jede Abgabe von Tabak oder Zigarettenvapier und die Rücklieferung der daraus hergestellten Erzeugnisse einzutragen sind.
Bis auf weiteres ist In allen Verkaufsstätten für Zigaretten, deren Inhaber nicht ausdrücklich auf den Einzelverkauf verzichten, ein Aushang erforderlich, der folgende Vorschriften zu enthalten hat: 1. datz auf jeder Packung Zigaretten der Kleinverkaufspreis oder die Preisgrenzen der Steuerklassen angegeben sein müssen, 2. datz jede Packung ein unverletztes Steuerzeichen tragen muß, 3. datz die Zigaretten einzeln nur aus den zugehörigen, mit dem Verkaufspreise bezeichneten und mit Steuerzeichen beklebten Umschließungen verkauft werden dürfen, 4. datz eröffnete, ganz ober teilweise geleerte Packungen mit Zigaretten nicht nachgefüllt werden i.irfcn und nach völliger Entleerung zur Wiederverwendung als Zigarettenpackung nach (Entfernung des Steuerzeichens unbrauchbar zu machen und aus der Verkaufs- stätte zu entfernen sind.
Zur Lage in Rußland.
Petersburg, 27. Juni. Die Ausstandsbewegung dehnt sich überall im Reiche aus. In Petersburg dauert der Väckerstreik ungeschwächt fort. Dorn Stteik der Lastfuhrleute und der Last- hSger auf dem Nicolaibahnhofe ist ein gleicher Streik ü„f dm anderen Bahnhöfen gefolgt. Die unterbrochene Abfertigung von Frachten erzeugt Mangel an Lebensmitteln in den an den Petersburger Bahnen gelegenen Sommerfrischen. Zwischen Lastträgern, Polizei und Kosaken kam es gestern mehrfach zum Handgemenge. Die Streikenden warfen Steine gegen die Polizei und die
doch auch ein Recht darauf, zu erfahren, woher dieser unselige Hatz zwischen unfern beiden so nahe verwandten Häusern stammt!"
Der Graf war wieder an seinen Schreibtisch zurückgetreten und stützte sich schwer atmend auf die Lehne seines Armsessels.
„Du bist noch jung, Georg!" sagte er endlich, „du fühlst und denkst noch mit der Hitze und Raschheit der Jugend! Ich verstehe deine Leidenschaft für Käthe Sinderode sehr wohl, ich weiß auch ganz genau, welches Opfer ich dir zumute, wenn ich an dich das Ansinnen stelle, sie aufzugeben! Den Verzicht auf die Soldatenlaufbahn habe ich einst von dir gefordert, Georg! Heute stehe ich und bitte dich, ich bitte dich Georg, um meinetwillen, um deiner Mutter willen, um unser aller willen, laß von dieser Liebe!"
Ein langes Schweigen folgte seinen Worten.
Der ernste, fast feierliche Ton des Grafen verfehlte seinen Eindruck auf den Stiefsohn nicht; Georg glaubte den Vater noch niemals in einer ähnlichen (Erregung gesehen zu haben.
In einer unwillkürlichen Aufwallung warmen Mitgefühls tastete er nach seiner Hand und drückte sie herzlich.
„Zürne mir nicht, Vater!" bat er bann. „Ich bin überzeugt bavon, batz schwerwiegende Gründe für deine Ablehnung meiner Bitte maßgebend fein mögen, aber auch ich kann nicht anders! Ich habe dich stets wie meinen rechten Vater geliebt und geehrt und mich in jeder Weise deinem Willen unterworfen, in diesem Punkte aber, ich wiederhole es noch einmal, kann ich dir nicht gehorchen! Wenn du wüßtest, wie lieb ich Käthe Sinderode habe, würdest du auch gar kein so grausames Verlangen an mich stellen! Laß mich zum Baron Sinderode hinübergehen! Vielleicht gelingt meinen und Käthes Bitten, was dir unmöglich scheint!" .
Kosaken rissen letztere von den Pferden. Auch unter den Hausknechten im Stadtteil Wassili Ostrow macht sich eine Gärung bemerkbar; sie halten Versammlungen ab und legen das Bestreben an den Tag, sich von dem Polizeidienste zu befreien. Der Streik aus den Newa-Passa- gierdampsern wurde gestern Abend beendet.
In dem Heere macht sich ebenfalls immer mehr der Geist der Unzufriedenheit geltend, sogar unter den Eardetruppen, die bisher als die zuverlässigste Stütze des Hofes galten. Wie dem „L.- A." aus Petersburg von gestern, 27. Juni, gemeldet wird, nahmen an einer Versammlung, dic vor einigen Tagen im Lager von Krasnoje-Sselo abgehalten wurde, auch ein Teil des Garde- Preobraschenski-Regiments und ein Teil des Se« menowschen Regiments teil. Das energische Einschreiten der Offiziere machte der Versammlung vorzeitig ein Ende. Wie jetzt bekannt wird, gestattete der Divisionskommandeur Generalmajor Oserow den Soldaten, ihre Forderungen zu formulieren. Diese bestehen aus 19 Punkten, meistens ökonomischer Art, wie bessere Verpflegung, Bettwäsche, Bibliothek usw., doch finden sich in der Liste dann auch folgende Punkte: Bessere Behandlung, Befreiung vom sogenannten Polizeidienst bei Niederwerfung von Unruhen, außerdem wurde der vollkommenen Solidarität mit der Forderung der Duma-Deputierten in den Fragen der Landverteilung unter die Bauern sowie der Straflosigkeit für die politischen Ueber- zeugungen der Soldaten Ausdruck gegeben. Die Aufzählung dieser Forderungen schließt mit den Worten: „Einer für alle, und alle für einen." General Oserow erklärte daraus, einige Forderungen würde er gleich erfüllen, andere gehörten vor das Forum der höheren Instanz.
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Deutsches Reich. _
Berlin, 28. JuM.
— Seine Majestät der Kaiser nahm gestern Morgen an der Rückfahrt der Rennjachten von Eckernförde nach Kiel an Bord des „Meteor" teil und traf kurz nach 1 Uhr in Kiel ein. Abends empfing der Kaiser an Bord oer „Hamburg" den Kriegsminister v. Einem, den Ehes des Geh. Zivilkabinetts v. Lucanus, den neu ernannten Oberpräsidenten vyn Schleswig- Holstein v. Dewitz und den neu ernannten Regierungspräsidenten in Frankfurt a. d. Oder v. Valentini, die auch zur Abendtafel geladen wurden.
— Die Niederkunft der KrsAprinzefsin, di« zuerst für Mitte, bann für Ende biefes Monat; erwartet würbe, bürfte, wie dem „B. T." von ärztlicher Seite aus Potsbam mitgeteilt wirb, nicht vor Anfang des nächsten Monats erfolgen. Die Kronprinzessin, die sich vor vierzehn lagen erkältet hatte, erfreut sich wieder des beste» Wohlseins.
— Wie aus Berlin gemeldet wird, steht jetzt fest, daß der Landtag, falls das Schulgesetz glücklich unter Dach und Fach gebracht wird, um
Der Graf bewegte leise den Kops.
„Ich fürchte, liebes Kind, Sinderode ist unversöhnlich! Doch ich will deinem Glück nicht im Wege stehen! Ich verspreche dir alles, was an mir liegt, aufzubieten, um eure Verbindung zustande zu bringen. Gib mir dazu vier Wochen Zeit und versichere mir, innerhalb dieser Frist keine selbständigen Schritte bei dem alten Baron zu unternehmen. Sollte es mir bis dahin nicht gelungen sein, Sinderode in seiner Gesinnung gegen unser Haus umzustimmen, dann hast du von mit aus völlig freie Hand zu privaten Versuchen!" t
Er hielt dem Stiefsohn mit müder Gebärde seine Rechte hin, in die dieser freudig bewegt einfdjlug.
„Wie soll ich dir danken, Vater?"
Doch der Graf wehrte jedes weitere Wort ab.
„Latz mich jetzt allein, Georg! Ich bin momentan noch nicht imstande, deinen Dank entgegenzunehmen! Geh du nun aber endlich zu Bett, du brauchst Ruhe nach all den Aufregungen der letzten Zeit! Was in meinen Kräften sicht, wird für dich geschehen!"
Georg wagte dem bestimmten Wesen des Vaters gegenüber keinen Widerspruch und verließ mit einem leisen Eutenacht bas Zimmer.
Gott sei Dank, daß er sich dieses Geständnisses gleich am ersten Abend entledigt ljatte. i
Und doch wollte wiederum kein rechtes Gefühl befreiender Freude in ihm aufkommen. i
Und wenn ich selbst meine Einwilligung gäbe. Baron Sinderode würde dir die Hand seiner Tochter auf jeden Fall versagen!"
Wie eine Zwangsvorstellung verfolgten ihn dieseWorte des Stiefvaters, während er langsam. die Treppe zum ersten Stockwerk emporstieg und' bann in seinem allangestammten Zimmer das Licht zum Schlafengehen entzündete.
____.------- (Fortsetzung folgt.)'