mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kiribbai»
Sonntagsbeilage: Jllustrktes Sormtaasblatt. *Wwlll
Erstes Blatt
Marburg
Donnerstag, 23. Juni 1906.
Zur Lage in Rußland.
Wie aus Petersburg gemeldet wird, ist eine Abnahme der allgemeinen Beunruhigung nicht bemerkbar. Im Wolgagebiet ist die Notlage der Bauern unbeschreiblich. Im Gouvernement Ka- san herrscht vollständige Hungersnot. Die Ernte ist vernichtet. Die Gutsbesitzer helfen, so viel es angeht. Täglich gehen Bittgesuche an den Minister des Innern um schleunige Hilfe ab. Die Agrarunruhen im Gouvernement Kursk nehmen zu, die Bauern mähen das Heu, entholzen di« Wälder und zünden die Besitzungen der Guts, besitzer an. Diese bitten um militärischen Schutz, da die Landwächter, die ihr Leben durch die aufständischen Bauern gefährdet glauben, scharenweise den Abschied nehmen. In Jeletz holzten die Bauern den Wald des Gutsbesitzers Bibikow ab, der nur mit Mühe fein Leben rettete. — Die Dumadeputierten Professor Schtschepkin und Professor Eredescul erhielten von den Kuratoren des Odessaer und des Charkower Lehrbezirks die Aufforderung, unverzüglich den Abschied einzureichen oder ihr Dumamandat niederzulegen. Die Unsicherheit nimmt fortwährend zu. In der Moskauer Filiale der Südrussischen Handelsbank wurde am Hellen Tage ein räuberischer Ueberfall ausgeführt. Vier mit Revolvern bewaffnete Leute betraten die Bank und feuerten mehrere Schüsse auf die Decke ab, worauf zwei Räuber den Eingang besetzten, während die übrigen mit dem Rufe: „Hände hoch!" die Kasse zu plündern begannen. Dem Direktor der Filiale gelang es, durch eine Hintertür zu entschlüpfen und die Polizei zu alarmieren. Als diese eintraf, waren die Räuber, welche das Verschwinden des Direktors rechtzeitig bemerkt hatten, mitsamt der Beute bereits über alle Berge.
•y" Gin paar barfüssige Kinder mit Beerenlörb- chcn am Arm liefen eilig vorüber und knixten Jnit scheuer Ehrfurcht zu dem herrschaftlichen Fuhrwerk hinauf.
Die Komtesse grüßte mit einem verlorenen -Kopfnicken zurück.
« Auch sie war mit ihren Gedanken weit weg von der einsamen Waldfahrt in den süssen Träu- tnereien eines siebzehnjährigen Mädchenherzens.
#. Der sinnende Ausdruck verlieh ihrem sonst 'etwas keck geschnittenen, fast pikanten Gesichtchen eine ausserordentliche Aehnlichkeit mit dem des Bruders.
Dieselbe Stirn- und Nasenbildung, dasselbe energisch geformte Kinn; nur in Haar und .Augen lag ein durchgehender Unterschied.
- Hier bei der Schwester ein leichtes Goldblond pnd ein helles, ins Grünliche schimmernde Blau ein Erbteil ihres Vaters, des Grafen Lohns' dessen mächtiger wehender Blondbart in der ganzen Gegend bekannt war, dort bei dem Bruder ein tiefbrünetter Farbenton, dem unruhigen Ausdruck der dunklen, feurigen Augen ent- ßprechend.---
f Der Weg stieg langsam an.
i. Zur Linken lichtete es sich; ein frischer \ Kvaii'erduft kam durch das Unterholz.
! Der Traber erhob wiehernd den schönen Kopf «nd zog ungeachtet der starken Bodenwelle scharfer an.
I Noch einmal drängten sich die mächtigen Buchen bis fast auf die Straße hinauf, dann Mnete sich der Wald.
(Nachdruck verboten.);
Die Kette.
Roman von Hans Schulze.
l Fortsetzung.)
Im nächsten Augenblick stand er den Eltern gegenüber.-----
2. Kapitel.
Aus dem großen Eartensaas von Schloß Dombrowo floss ein Strom roten, warmen Lichtes in das ungewisse Helldunkel der Sommernacht.
Die dreiarmige Hängelampe brannte über dem abgedeckten Äbendbrottifch.
Die Familie hatte sich nach Verabschiedung des Oberinspektors, der an der allgemeinen Tafel mit teilgenommen, enger um den heimgekehrten Sohn des Hauses zusammengezogen, dem heute der Ehrenplatz zur Rechten des Stiefvaters eingeräumt worden war.
Eine laue, schwere, erregende Lust kam durch hie weit offenen Fenster und Türen.
lieber dem Redingsee, auf dessen unbewegte Gewässer der Blick vom Eartensaal in einem schmalen Ausschnitte gerade hinausfiel, stand gross und ruhig die breite Sichel des zunehmenden Mondes; dahinter auf dem jenseitigen Ufer in schwarzen, unbestimmten Formen die dunkle Silhouette des Sinderoder Forstes.
Seit einer Stunde ging das Gespräch schon um die Abenteuer des Weitgereisten; Georg mußte immer von neuem über seine Irrfahrten in Italien und an den Gestaden des Mittelmeeres berichten.
Der Graf, aus dessen Augen eine seltsame, nervöse Unruhe sprach, verstand es, die Unterhaltung, sobald sie auf familiäre oder heimatliche Verhältnisse abzuschweifen drohte, durch geschickte Zwischenfragen stets wieder auf das alte Reisethema zurückzulenken, gleichsam als ob ihm daran gelegen sei, die Konversation auf dem allgemeinsten Gebiete festzuhalten.
Noch war die Ursache von Georgs plötzlicher i Rückkehr noch nicht zur Erörterung gelangt; wie I
Mal schrien, der Fesselballon, der hoch oben ge- thront hat, sich sentte, und die ausgestellten Glocken den letzten Feierabend verkündeten, da ^tles auf. Friedenau wird ganz gemüt- lich wieder einschlafen und die Eoldsäcke unters JTn' i*ie d" deutsche Landwirtschaft ihm hinterlassen hat. g;
I für Ackerbau und Viehzucht bei sich entdeckten I nach Friedenau. Und lassen Sie mich Ihnen I nun ein paar Zahlen auftischen, die selbst uns Berlinern, die wir doch an solche Kost gewöhnt sind, Magenschmerzen bereitet haben, Zahlen, | die selbst in Berlin noch nicht dagewesen find. | Am Donnerstag den 14. wurde die Ausstel- I lung durch den Kronprinzen eröffnet, und um
4 Uhr kam der Kaiser nach Friedenau. Trotzdem der Eintrittspreis 3 Jt betrug, hatten die Landwirte am ersten Tage schon 40 000 Gäste. I Das war der Auftakt und ließ uns Friedenauer I die kommenden Genüsse ahnen. Und es wurde I auch wirklich schön.
I Die Wannseebahn ist zu Friedenszeiten ein I harmloses Wesen, das an den Wochentagen seine teuren Abonnenten sicher nach Friedenau, Steglitz oder Lichterfelde bringt und Sonntags die Ausflügler ins Freie, nach Schlachtensee, Wannsee und nach Potsdam. Sonntags freilich hat die Bahn schon Völkermengen befördern dürfen, die ihr riesig erschienen — am Ostermontag dieses Jahres z. B. 170 000 Mann. Darauf waren die rotbemützten Herren stolz.
Am letzten Sonntag haben 300 000 Menschen die Wannseebahn benutzt. 160 000 davon sind in Friedenau geblieben. Daß die Bahn diese Massen ohne Lärm und ohne Störungen befördern konnte, ist eine Glanzleistung ersten Ranges. Das wird jeder zugeben, der die Berliner Vorortbahnhöfe mit den kleinen Villetfchaltern, den engen Treppen und den schmalen Bahn- stergen kennt. Und ebenso hat die elektrische Bahn bewiesen, daß sie auf der Höhe steht. Sie, die in den engen Friedenauer Straßen eingleisig fahren muß, beförderte stündlich 12 000 Personen im Lauf des Tages, also auch noch reichlich 100 000! Durch die Straßen schob sich ohne Unterbrechung hin und her, durch Berlin, Schöneberg und Friedenau der Heerwurm der Droschken und Privatfuhrwerke.
Die Ausstellung selbst gab 130 000 Eintrittskarten aus, hat also, wenn man die Freikarten in betracht zieht, wohl 150 000 Besucher an dem einen Tage gehabt. Um einen Maßstab zu geben, will ich daran erinnern dass Cassel 130 000 Einwohner hat und Schöneberg 150 000!
Niemals, selbst in den Glanzzeiten der Treptower Eewerbeausstellung nicht, haben sich die Völkermassen in Berlin dermaßen gestaut rote I am denkwürdigen 17. Juni 1906 int stillen | Friedenau, das knapp 20 000 Einwohner hat. | Denken Sie sich doch einmal, ganz Cassel mit I Kind und Kegel und ganz Fulda noch obendrein I überschwemmte eines schönen Tages das fried- I liche Marburg! I
Zu allem Unglück fanden auf der benach- I barten Steglitzer Bahn auch noch Radrennen I statt, zu denen wohl 6000 Menschen gingen! I Daß trotzdem alles glatt verlief, ohne Auflauf I und Geschrei, kann der musterhaft organisierten I Schöneberger Polizei, die für den Sicherheits- I bienst zu sorgen hatte, nicht hoch genug ange- I rechnet werden. I
Um 12 Uhr wurde es still. Montag und I Dienstag ging die Geschichte, wenn auch nicht I ganz so lebhaft, von neuem los, und als am I Dienstag den 19. die Dampfsirenen zum letzten I
auf Verabredung vermieden es sowohl Vater und Mutter, auf diesen Punkt einzugehen.
Die Namen Nizza, Florenz, Taormina, Capri schwirrten hin und her; Georg war ein guter Erzähler, in seinen Schilderungen lag Farbe und Plastik.
Mit glänzenden Augen, den blonden Kopf an die Schulter der Mutter gelehnt, lauschte die Schwester seinem eifrigen Dortrage, der eine fremde, wunderbare Welt vor ihr sehnsüchtiges Auge zauberte.
So fuhr sie gleichsam wie aus einem Märchentraume auf, als der Vater endlich mit Berufung auf die schon ganz nahe herangerückte Mitternachtsstunde energisch zum Zubettgehen mahnte.
Man erhob sich allerseits, die Mutter nahm den Arm des Sohnes, um ihn persönlich nach seinem Schlafzimmer zu geleiten, da wandte sich dieser plötzlich noch einmal mit einer Frage an den Grafen zurück.
„Hast du vielleicht heute abend noch kurz« zehn Minuten für mich übrig, Papa?"
„Aber Georg, heut nach der langen Reise!" erhob die Mutter Einspruch. „Kannst du damit nicht noch bis morgen warten?"
„Nein, Mutter!" war die freundliche, aber entschiedene Entgegnung. „Ich muß mir noch heute über einen gewissen Punkt Klarheit verschaffen, ich würde sonst die ganze Nacht kein Auge zutun? Geht ihr nur ruhig schlafen! Ich bin mit Vater sehr bald fertig!"
„Wenn du es für notwendig hältst, stehe ich dir noch heute abend zur Verfügung," schnitt der Graf jetzt einen weiteren Einwurf der Mutter kurz ab. „Ich erwarte dich in meinem Arbeitszimmer, dort können wir am ungestörteste» verhandeln."
Die Mutter widersprach nicht mehr, >
Neueste Telegramme.
1 Berlin, 26. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Unsere Mitteilung vom 28. Juni über angebliche Meutereien in der Schutztruppe für Südwestafrika, können wir, nachdem nunmehr weitere telegraphische Meldungen des Kommandos der Schutztruppe eingegangen sind, dahin ergänzen: 1. Es ist unwahr, daß ein Portepeeunteroffizier gu einem Hoch auf die Sozialdemokratie gezwungen worden fei. 2, Bei dem für den Süden und südlich der Linie Windhuk-Eobabis zuständigen Gerichte sind seit Juni 1904, dem Zeitpunkt der ersten Entsendung von Verstärkungen nach dem jSüden, keine Fälle von Meuterei oder tätlichen Angriffen gegen Offiziere vorgekommen.
Wien, '27. Juni. Bei dem Hofdiner in Rei- chenberg äußerte der Kaiser gegenüber einem Deutschen Großindustriellen: Der österreichisch- ungarische Ausgleich wird wohl bis 1917 dauern. Das sind noch 12 Jahre. Was aber dann kommen prird, macht mir Sorge, wenn ich auch kaum diesen Zeitpunkt erleben werde.
Paris, 27. Juni. Das französisch-italienisch- englische Abkommen über Abessinien läßt Frankreich den ausschlaggebenden Einfluß auf die Bahnlinie Dschibuti-Addisabeba und sichert diese gegen einen Wettbewerb von Linien, die von einem italienischen und englischen Hafen ausgehen würden. England und Italien verzichten auf die Vertretung im Aufsichtsrat eines Unternehmens, dem Frankreich 500 000 Franks jährlichen Zuschuß zuwendet.
London, 26. Juni. Der „Daily Mail" wird s 'aus Johannesburg von glaubwürdiger Seite gemeldet, daß die Lage in Natal viel ernster sei, Kls amtlicherseits zugegeben werde. Die neuen Unruhen seien den Maßnahmen der Regierung zuzuschreiben, daß sie das Vieh von treugeblie- I denen Eingeborenen mit Beschlag belegte. Das Erscheinen von Reichstruppen würde jedenfalls | sehr zweckmäßig sein.
London, 27. Juni. Dem „Standard" zufolge verlautet, daß die Regierung endgiltig beschlossen habe, von dem Bau eines zweiten Schiffes der Dreadnoughtklasse Abstand zu nehmen.
London, 27. Juni. Das britische Kabinett I hat auf die von vielen Seiten erhobenen Vor- I stellungen hin den Verzicht auf den Besuch der I 'großen englischen Flotte in Kronstadt in Er- I Wägung gezogen. Maßgebend dafür waren die I Proteste für sämtliche Führer der Duma und I vor allem die Tatsache, daß in der russischen I Marine das Gerücht verbreitet wird, die eng« I lische Flotte komme, um die rebellischen russi- I scheu Matrosen niederzuhalten und die Auto- I hatte zu stützen; man nimmt hier an, daß an- I läßlich dieses Geredes Konflikte in Kronstadt I zu befürchten seien. I
Deutsches Reich.
Berlin, 27. Juni.
— Seine Majestät der Kaiser nahm gestern Vormittag, wie aus Kiel berichtet wird, an der großen Regatta nach Eckernförde teil. Abends begab sich der Kaiser in Eckernförde an Land und wohnte einem Herrenabend bei.
— Die „Voss. Ztg." schreibt: „Das Befinde« des Reichskanzlers soll so vortrefflich sein, daß anzunehmen ist, seine frühere Gesundheit fet völlig wieder hergestellt." Andererseits verlautet von unterrichteten und sachkundigen Beobachtern, daß sich ein sicheres Urteil über den Gesundheitszustand und die Widerstandskraft des Kanzlers erst im Spätherbst wird fällen lassen, wenn Fürst Bülow versuchen wird, sich wieder den Geschäften zu widmen.
Von der landwirtschaftlichen Ausstellung in Berlin.
| Vielleicht ist Friedenau von Berlins näheren I Vororten der schönste. Der stillste ist es jeden- I falls. Es gibt da schmale, schattige Straßen, I in denen die Droschken unwillkommene Fremd- I linge sind, Villen und grüne Gärten. Die Ser« I littet Bauordnung mit ihren Vierstockkolossen I hat vor dem Oertchen Halt gemacht. Auch die I Hinterhäuser mit den vielen Kindern und dem I Armeleutegeruch sucht man vergebens in Frie- I denau. Da wohnen Rentner, pensionierte Offi- I ziere und behäbige Beamte, die auf der Wann- I seebahn abonniert sind, früh gegen 9 Uhr nach
Berlin fahren und um 3 oder 4 Uhr zurückkehren I in dem beseligenden Bewußtsein, mal wieder ihre Pflicht getan zu haben. In den Straßen promenieren die Mädchen mit den blonden Hängezöpfen und die buntbemützten Gymnasiasten, ganz rote in einem Provinznest hinter den Bergen.
Sechs Tage lang hat Friedenau auf dem Kops gestanden. Sechs Tage lang sind die Droschken und die elektrischen Bahnen durch die Straßen gerasselt, daß die armen Friedenauer hinter den bunten Geranientöpfen keine Ruhe fanden vor Staub, Lärm und und unerquicklichem Benzingeruch. Und das haben mit ihrer Ausstellung die deutschen Landwirte getan. —
Von der Ausstellung selbst kann ich wenig erzählen. Auf dem Südgelände der jungen, schönen Großstadt Schöneberg erhob sich die Zeltstadt, in der 1100 Rinder, fast 1000 Pferde und riesige Herden von anderen edelen und nützlichen Tieren hausten, die der Berliner schwer von einander unterscheiden kann und so da sind: Schweine, Schafe und Ziegen und andererseits Hühner, Enten und Gänse, von den verschiedenen Fischarten gar nicht zu reden. Die meisten waren aus den Ostmarken gekommen und sollen wertvoll gewesen sein. Ich verstehe nichts dg- von. Ueber 10000 Maschinen aus dem Inland und Ausland zeugten von der engen Verbindung von Landwirtschaft und Industrie. Sehr reich- I lich war auch die Abteilung für landwirtschaftliche, Erzeugnisse beschickt: stellten z. B. doch nicht weniger als 700 Genossenschaftsmeiereien ihre Produkte aus! Von wem die dicksten Kartoffeln stammten, habe ich leider nicht feststellen können. Im großen Vorführungsraum war vorschriftsmäßig bespannte preußische Artillerie mit ihren Rassepferden, und fast täglich fanden Offiziers- Preisreiten statt. I
Prachtwetter haben die Landwirte gehabt. I Berlin war von Gästen überschwemmt, lieber- I all wimmelte es von breiten, vierschrötigen Ee- I stalten, die einen schönen grauen Beutel mit der I Inschrift „Landwirtschaftliche Ausstellung" an I schwarz-weiß-rotem Bande an der Seite und I prachtvolle Abzeichen aller Art auf der Män- I nerbrust trugen. In den Hotels, in den klein- I stcn Penfionaten und Gasthäusern war alles I besetzt, und manch einer, der keine Unterkunft I fand, mußte wohl oder übel im Cafs kampieren. I Tagsüber ergoß sich der Strom der Fremden I und der Berliner, die plötzlich starke Interessen |
Ein weiter, schimmernder Wasserspiegel blitzte im Sonnenschein grell auf, daß die Geschwister von dem starken Reflex wie geblendet minutenlang die Augen schlossen.
Dann ging es im Fluge von neuem durch die Felder und Wiesenbreiten.
Unter den Pferdehufen klang es hohl — eine Drücke; Georg beugte sich zur Seite, um dem Laufs des kleinen, eilig dahinrauschenden Baches zu folgen, der in winzigen Kaskaden über Miniaturgeröll und Steingeschiebe silberblinkend dem See zuschoß.
Immer mächtiger griff der Traber aus unter der Witterung des Stalles.
Jetzt nahm sie eine friedliche Allee uralter Linden auf, dahinter der ragende Schloßturm von Dombrowo und die dunklen Umrisse des Gutsparkes.
Das Herz weitete sich Georg, hier kannte er jeden Weg und Steg.
Kindheitserinnerungen wurden in ihm wach: der erste, einsame Ritt die Allee entlang in dem schwermütigen Rauschen der Linden, das erste Träumen auf moosiger, sonnenbeschienener Heide.
Was er am Morgen undeutlich gefühlt, als der Eilzug über die Dirschauer Brücke dahingedonnert war nach der stundenlangen Fahrt durch die melancholische Landschaft, die sich so j atm und eintönig im ersten Tagesgrauen dehnte und die doch für ihn, den Sohn des Ostens, ein 1° unendlicher, geheimer Zauber umwob, das nahm auf einmal greifbare Gestalt an.
Das war es, wonach er sich so oft gesehnt an v-i-kl ^°.nnt b.es Südens, int Gewühls der Weltstädte, die Hetmatstimmung. I
Mit beiden Füßen zugleich sprang er vom Dock, als zetzt der Dogcart vor der breiten fiel« I nesnen Rampe des Schlosses vorfuhr. |
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