s
(Nachdruck verboten.)
niet Woche sagte, wird er I sten Moment aus dem Wartesagl an das Dog- Dombrowo erwartet!" | cart geeilt, von dessen wippendem Trittbrett sich
Deutsch-Ostafrika abgereist. Ihnen schließen sich in Marseille die Abgeordneten Arendt, v. Brockhausen und Dietrich an.
Newyork, 24. Juni. Präsident Roosevelt beabsichtigt die Inhaftierung Rockefellers, Rogers und sonstiger Häupter des Oeltrusts.
„Ich denke, er geht vorläufig noch nach England: soviel mir Gräfin Ruth wenigstens am Donnerstag vergangener Woche sagte, wird er erst Ende Oktober in D
brechen, welche von den „besten Leuten des Landes" gutgeheißen werden, sobald sie mit der Revolution im Zusammenhangs stehen. Die Hauptagitatoren sind größtenteils rechtzeitig entflohen, teils werden sie jetzt wiederum aus den Gefängnissen entlassen und beginnen ihre Tätigkeit von neuem. — Kurz, alles deutet darauf hin, daß Russen und Letten sich in ihrem Nationalhaß und in der ihnen gemeinsamen demokratischen Gesinnung vereinigen werden, um uns Deutsche womöglich zu vernichten, zunächst wenigstens politisch, weiterhin auch materiell, am liebsten rein physisch.
Seit Ostern lebe ich mit meiner Familie wieder auf meinem Gute, stark bewaffnet und unter Beobachtung aller Sicherheitsmaßregeln. Direkt zu leiden habe ich nur unter Brandstiftungen in den Wäldern gehabt, notorischenRache- akten, deren Urheber bei der Mangelhaftigkeit unserer Polizeiorgane stets unentdeckt bleiben. Da Attentate auf Gutsbesitzer und Offiziere be-, fürchtet werden, müssen die Wälder auf je 100 Fuß von beiden Seiten der Wege auf Befehl der Militärobrigkeit abgeholzt werden, um Mördern ihre Schlupfwinkel zu nehmen. Die Duma mit ihrem stürmischen Verlangen nach Amnestie und Aufhebung der Todesstrafe belebt alle verbrecherischen Instinkte durch das Bewußtsein der voraussichtlichen Straflosigkeit. Besonders gefährdet sind die deutschen Pastoren, in deren Tätigkeit die Revolutionäre mit Recht ein bedeutendes Hemmnis ihrer Bestrebungen sehen. In Kurland haben neuerdings mehrfache Mordanschläge auf Prediger stattgefunden, andere Pastoren sind, um der drohenden Gefahr zu entgehen, gezwungen gewesen, ihre Pfarren zu räumen.
Den Lichtblick in der gegenwärtigen herben Lage bildet die Begründung des deutschen Schul- und Hilfs-Vereins und die Inangriffnahme der Neueröffnung von Schulen mit deutscher Unterrichtssprache in Reval, Birkenruth, Mitau, Eol- dingen, Riga u. a. Freilich ist auch hier die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit für die Existenz dieser Schulen Vorbedingung. Und leider können wir uns dem nicht verschließen, daß die öffentliche Unsicherheit täglich wächst, und daß vielleicht schon in wenigen Monaten der Ausbruch einer großen Revolution zu erwarten steht.
Aus den baltischen Provinzen
Ueber die Lage in den russischen Ostseeprovinzen berichtet der Brief eines Deutschen in Livland, der uns für die Veröffentlichung zur Verfügung gestellt ist und die gegenwärtigen Zustände in sehr ungünstigem Lichte zeigt: Die Grundbedingung unserer Existenz, das Bestehen einer Staatsordnung, die stark genug ist, Leben und Eigentum, sowie bestehendes Recht zu schützen, wird von Tag zu Tag problematischer. Die aufreizenden Reden des Parlaments schüren die Gärung im ganzen Reiche mächtig: die unsinnigen Landversprechungen, an deren Realisierbarkeit die meisten der Abgeordneten selbst nicht glauben, können nur den Zweck haben, die Bauernmassen zu revolutionieren, deren künstlich erregte Begehrlichkeit sie zum Aufruhr gegen Staat und besitzende Klassen treiben muß. Der erste Ansturm der Revolution wurde dank der Zuverlässigkeit der Truppen niedergeschlagen. Damals aber handelte es sich fast nur um Vorgehen in Städten oder fremdvölkische Revolutionäre, Juden, Polen, Letten, Littauer usw., gegen die der russische Soldat mit Eifer kämpfte.
Werden sich die Soldaten aber auch gegen ihre eigenen Väter und Brüder schlagen, wenn es zu einem großen russischen Bauernaufstände kommen wird? Von der Beantwortung der Frage hängt die nächste Zukunft des russischen Staats und insbesondere der Dynastie ab, mit deren Schicksal wir eng verknüpft sind. Denn ein Versagen der Militärmacht an anderen Orten des Reiches würde das Signal zum allgemeinen Aufstand der Letten und Esthen gegen die deutschen Herren geben, und dieser Aufstand würde mit ungleich größerer Wut als das erste Mal geführt werden. Denn die Rachsucht ist durch die Bestrafung vieler Schuldigen nach dem argen Winterausstand gewaltig geschürt. Andererseits tun die lettischen Abgeordneten im Reichstag, woselbst wir keinen Abgeordneten haben, ihr möglichstes, um die Sympathien der russischen Demokraten zu gewinnen, deren Beifall der lettischen Bevölkerung den Kamm schwellen läßt.
Die Verherrlichung der Revolution in der Duma, deren Führer als Freiheitshelden und Märtyrer gefeiert werden, bringt selbst besonnene Letten aus dem Gleichgewicht und raubt ihnen das Unterscheidungsvermögen für Ver-
„Aber Paul, Paul, du bist doch nicht allein hier!" wollte die Baronin eben eine zürnende Strafpredigt einleiten, doch der Gatte achtete ihrer ermahnenden Worte nicht.
Mit jugendlicher Elastizität war er im näch-
ihm ein junges, ganz in Weiß gekleidetes Mädchen ohne weiteres in die Arme warf.
„Onkel Knaufs, das ist aber famos, daß ich dich hier noch auf dem Bahnhof treffe!"
„Ja und wieder einmal gefahren, daß die Lappen flogen!" sagte der alte Herr mißbilligend und ließ seine luftige Last vorsichtig auf den Erdboden gleiten. „Der Gaul klebt ja am ganzen Leibe, kein trockenes Haar! Solch ein Leicytsinn bei dieser Hitze!"
„Schilt heute nicht, Onkel Knaufs?"
Die kleine Komtesse hatte sich dem Hünen irt den Arm gehängt und sah mit glühenden Wanken zu ihm auf.
„Ich bin doch nur so gerast, weil ich es vor auter Erwartung gar nicht mehr aushalten konnte. Rate, wer heute kommt!"
„Ich weiß styon, Kindchen, ich weiß schon!" erwiderte der Baron, die Tür zum Wartesaal öffnend. „Dein Vater hat es mir gestern bereits im Städtchen versetzt? Jetzt aber verfügst du dich erst noch ein bißchen zu mir und meiner Frau und kühlst dich etwas ab!"
Ein leiser Schatten des Mißmuts huschte angesichts dieser Aussicht über das Gesicht des jungen Mädchens.
So sehr sie den Onkel liebte, so wenig war die Baronin ihr Genre: die hatte immer etwas in Toilette und Benehmen an ihr zu tadeln, vor allem aber lag sie Hertas Mutter bei jedem Besuch in den Ohren, daß das „Kind" zur Ver- vllständigung s-iner Erziehung unbedingt noch in irgend ein Pensionat geschickt werden müßte, während dagegen ihren von einer Legion von Gouvernanten und Kandidaten geleiteten Bildungsgang längs für hinreichend abgeschlossen hielt.
So nahte sie sich denn auch heute mit etwa» einsicherem Gewissen der alten Dame, die stets aus unaufgeklärte Weise von einer ihrer heimlichen kleinen Sünden Wind bekomme^ hatte, und küßte ihr mit tiefem Courknix ehr-« furchtsvoll die hagere Rechte. ,, ।
i - , x.. (Fortsetzung folgt.) J
Vorträge entgegen. Gegen 10 Uhr lief in die Holtenauer Schleuse die englische Admiralitätsjacht „Enchantreß" mit dem Herzogspaar von Connaugth ein. Der Kaiser begab sich zur Begrüßung an Bord der Jacht und verweilte dort fast drei Viertelstunden. Später nahm der Kaiser militärische Meldungen entgegen, darunter diejenige des französischen Marineattach6s, Kontreadmirals de Jonquiöres, der die französische Marine-Rangliste überreichte, und die des Gouverneurs von Kiautschou, Admirals von Truppel, zum Antritt seines neuen Kommandos. Nachmittags trafen die Prinzen August Wilhelm, Oskar und Joachim ein und nahmen auf der „Hamburg" Wohnung. Zur Abendtafel waren diese Prinzen, sowie Prinz Adalbert und die anwesenden Admirale zur Tafel geladen. Gestern Sonntag Vormittag hielt der Kaiser an Bord der „Hamburg" Gottesdienst ab und begab sich später auf die Jacht „Meteor" zur Teilnahme an der Wettfahrt des Norddeutschen Regatta-Vereins, die um lli/3 Uhr begann. An Bord des „Meteor" waren geladen: die Prinzen Oskar und Joachim, die Marineattach« Frankreichs, Englands, Amerikas und Japans, ferner Staatssekretär v. Tschirschky, Admiral Fischel und der Gouverneur der kaiserlichen Prinzen, v. Gontard.
— Der Bundesrat erteilte in seiner letzten Sitzung Ausschußberichten über die Vorlagen betreffend die Regelung der Uebergangsabgabe für Bier, betreffend die gesundheitliche Behandlung der Seeschiffe in deutschen Häfen und betreffend die freie Fahrt der Reichstagsmitglieder auf deutschen Eisenbahnen seine Zustimmung.
— Die nächste Plenarsitzung des Herren- l-auses und des Abgeordnetenhauses ist auf dem Montag, den 2. Juli, anberaumt.
— Die Kommission des Herrenhauses zur Vorberatung der Schulvorlage hat vorgestern Samrtag den Gesetzentwurf in zweiter Lesung zu Ende beraten. Einstimmig wurde be- schl.'ssen, daß in Schulverbünden mit mehr als 25 Schulstellen die Wahl der Lehrer und Rektoren durch dieEemeindeorgane erfolgen soll, in den übrigen Schulverbänden durch die Schulaufsichtsbehörde. W vergehende Rechte sowohl hinsichtlich der Lehrer- wie der Rektorenwahl bleiben in allen Schulverbänden aufrecht erhalten. Ferner wurde beschlossen, daß Städte mit mehr als 52 Schulstellen nur mit ihrer Zustimmung einem Gesamtschulverband zugeteilt werden können. In der Gesamtabstimmung wurde sodann das Gesetz mit 13 gegen 2 Stimmen angenommen.
— Der günstige Charakter der Gesamtkonjunktur auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat auch im Monat Mai eine Veränderung nicht erfahren. Dir Nachfrage nach Arbeitskräften war nach dem „Reichs-Ärbeitsbl." sowohl im Gewerbe wie in der Landschaft, von einzelnen Zweigen und von lokalen Umständen oder Saisonoerhältnissen abgesehen, überaus rege. Die ungewöhnlich starke Streikbewegung der
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham.
SorrrttagsbeUager Zllustrirtes Ssnntaashlatt,
E
1
Marburg
Dienstag. 26. Juni 1906.
Die Kette.
Roman von Hans Schulze.
1. Kapitel.
J Ein wolkenloser Augusthimmel lachte über der kleinen ostpreußischen Bahnstation Rahnfeld. :! Der asphaltierte Vorplatz lag in heißer i Gebe; ein einsamer Gepäckkarren lehnte ver- I lassen in einer Ecke unter der großen Scheibe s der Normaluhr, deren lange, schwarze Zeiger aus die dritte Stunde des Nachmittags zu- j strebten.
Zuweilen kam ein verlorener Klingellaut i loder das eintönige Ticken eines Morseapparats aus den weitoffenen Fenstern des Telegraphenamtes.
In dem engen, dumpfigen Wartesaal erster llnd zweiter Klasse schlief das Servierfräulein an dem schmutzigen Anrichtetisch, die weiße ftsiängeschürze über den blonden Kopf geschlagen, zum Schutze gegen die unzähligen Fliegen, die in schwarzen, summenden Scharen den buntphantastischen Aufbau des Büfetts mit seinen verblichenen Papierblumen, Tellern, Aufschnitt- itzlocken und staubigen Wafselstapeln unablässig 1 Umschwärmten.
Jetzt klang ein polterndes Wagenrollen in die mittägliche Stille.
Das Mädchen fuhr auf und wischte sich hastig :bic schläfrigen Augen.
1 • ImVorflur lautes Lachen und schwere Tritte.
Im nächsten Moment flog die Tür zum Wartesaal auf, und die mächtige Gestalt eines hünenhaften Mannes in hohen Stiefeln und der knappen Jagdjoppe des Gutsbesitzers drängte sich zwischen den cnggestellten Tischen hindurch, gefolgt von einer korpulenten, älteren Dame Und einem Diener in einfacher, schon stark abgenutzter Livree, der mit einem Berg von Koffern Md Paketen durch den Bahnausgang des Lokals gleich weiter auf den Perron hinausschob.
„Mein ©ott, ist das hier wieder ein trauriger Betrieb! Wirtschaft! Schläft denn die Gesellschaft auf sämtlichen Ohren?"
Mit diesen Worten warf sich der Baron von Knaufs schwerfällig auf einen unter seiner wuchtigen Last bedenklich krachenden Stuhl und trommelte mit der gebogenen Krücke seines Knotenstocks ungeduldig auf der Tischplatte.
„Herr Baron befehlen"--
Ein diensteifriger Pikkolo schoß eilig um dre Büfettecke. .
„Eine eisgekühlte Mosel und einen Kaffee! Aber etwas plötzlich! Wann kommt der nächste Zug aus Osterode?"
„Drei Uhr zwanzig!" war die respettvolle Antwort. „Fünf Minuten nach dem Marienburger!" „ ,,, .
Schön, mein Sohn! Nun aber abschwim- men! Meine Wünsche sind vorläufig befriedigt! Himmel, diese Hitze!"
„Du könntest zu meiner Unterhaltung nächstens auch einmal ein anderes Thema wählen, bester Paul!" nahm jetzt die Dame das Wort und nestelte umständlich an ihrer Handtasche., „Ich genieße den Vorzug dieser geistvollen Betrachtung nun bereits feit einer geschlagenen Stünde!"
Der Gatte lächelte kläglich.
„Verzeih, liebes Minchen, aber diese tropische Glut trocknet noch die letzten Reste meines Verstandskastens ein! Zwei Stunden Wagenfahrt von unserer Klitsche bis hier zum Bahnhof, das ist zu viel für den einzelnen! Donnerwetter, was mit da aber übrigens einfällt, ich müßte mich sehr irren, wenn heute nicht der junge Stetten von seiner großen mitteleuropäischen Bummelreise mit dem Marienburger Zuge heimkäme!"
„Georg von Stetten?" Die Baronin sah überrascht auf.
Neueste Telegramme.
Berlin, 25. Juni. Die mit Bremen und Braunschweig von Preußen abgeschlossenen Lot- ^rieverträge, die von .den parlamentarischen Vertretungen der beiden Staaten bereits angenommen sind, sollen dem preußischen Landtage noch während der Sommertagung zur Beschlutz- sassuug vorgelegt werden.
I Berlin, 25. Juni. Die Frage der Ausdehnung des Unfallfürsorgegesetzes aus Schutzleute beschäftigt zurzeit wieder das Reichsamt des Innern und das preußische Ministerium des In- Zern. Die Verhandlungen sind jetzt soweit gefördert, daß die abschließenden kommissarischen Beratungen eingeleitet sind.
Berlin, 23. Juni. Der Vorstand des Preußischen Lehrervereins hat an den Kultusminister eine Eingabe gerichtet mit dem Ersuchen, allen Lolksschullehrern auf Grund ihres Abgangszeugnisses vom Seminar die Zulassung zum Universi- tätsstudium gewähren zu wollen. Es wird darin Angewiesen auf das Königreich Sachsen, das Kroßherzogtum Hessen und das Eroßherzogtum Wachsen-Weimar, wo bereits unter gewissen Bedingungen Volksschullehrer zum Studium an den Landesuniversitäten zugelassen werden, aber davor gewarnt, bei etwaiger Erfüllung des Wun- fches der Lehrerschaft die Beschränkungen, wie sie dort bestehen, auch in Preußen zu schaffen, da i diese Beschränkungen weder dem Interesse der Schule noch dem der Lehrer dienlich seien.
Hannover, 25. Juni. Die vereinigten Ord- i nungsparteien wollen gegen die Wahl Breys Irotest einlegen, weil die Wählerlisten so mangelhaft ausgestellt waren, daß in einzelnen Wahl- blireaus bis über 100 Wähler als nicht eingetragen zurückgeschickt werden mußten. In einem Einzigen Hause sind von sechs Wählern fünf nicht eingetragen gewesen. Selbst jahrzehntelang ansässige Bürger sind dadurch von der Wahl ausgeschlossen worden. Gegen diese von der Polizei be- ,sorgte Aufstellung der Wählerlisten wird Ve- 'Ichweide beim Reichskanzler und beim Minister des Innern eingelegt werden.
j [ Kiel, 25. Juni. Dem Vernehmen nach erfolgt demnächst die Ernennung Kapitäns Emsmann Mm Kommandanten von Helgoland. Der bischerige militärische Begleiter des Prinzen Adalbert, Graf Schimmelmann, soll zum Kommandanten des Linienschiffes „Preußen", und dessen bisheriger Kommandant v. Bredow zum Kommandeur der 1. Matrosendivision ernannt werden.
t Hamburg, 23. Juni. Mit dem Dampfer ^Kronprinz" der Deutschen Ostafrika-Linie sind !die Reichstagsabgeordneten Westermann, Kalk- hof, Lehmann, von Massow und Schwarze nach
Deutsches Reich.
Berlin, 25. Juni.
— Seine Majestät der Kaiser wohnte am vorgestrigen Samstag Morgen, wie aus Kiel gemeldet wird, in Friedrichsort einem Torpedo- versuchsschießen bei. Auf einer Seefahrt auf dem Depeschenboot „Sleipner" nahm der Kaiser
^Ganz recht, so war es ursprünglich geplant! Aber unser Schorschchen hat ihnen dieses Mal eine unvermuteten Strich durch die Rechnung gemacht. 5-) traf den alten Grafen Lohns gestern zufällig in Rahnfeld vor dem „Weißen Löwen". Da erzählte er mir denn einigermaßen aufgeregt, sein Stiefsohn habe morgens aus Baoen-Baden telegraphiert, daß er den Abstecher nach London aufgebe und schon heute wieder na'ch der Heimat zurückkehrt!"
„Lohns war von dieser NachriO wohl nicht gerade sehr erbaut?" t _
„Das will ich meinen!" versetzte der Baron und schenkte sich langsam ein Glas des inzwischen servierten Mosels ein. „Die Situation spitzt sich ja zwischen Vater und Sohn mit jedem Tage mehr zu. Ich möchte nicht in der Haut des Alten stecken!"
„Verdammter Krätzer!" fuhr er dann den zu- fammenknickenden Pikkolo an. „Und kuhwarm? Eis, Eis, mein Junge, oder soll ich dir Beine machen?"
„Sein dröhnender Baß übertönte tn diesem Augenblick selbst das helle scharfe Rasseln, eines Dogcarts, das man jetzt durch den Ausblick der Hinterfenster des Wartesaals auf der Bahnhofs- chaussee heranjagen und mit kurzem Ruck vor dem Sandsteinportal des Aufganges halten sah.
„Dacht ich mir doch, die Komtesse Herta? Holt den Bruder ab. Ein famoses Mädel, fährt wie der Satan"--
„Hertachen, Hertachen!" brüllte er dann mit einer wahren Löwenstimme durch das kleine Lokal, daß die Elasprismen des großen Mittelkronleuchters in leise schwingende Bewegungen zu geraten begannen.
Vierteljährlicher Bezugspreis; bei der (Si.ibition 2 Mk>, Tblo 1J.ß bei allen Postämtern 2,25 Mk. hexet. Bestellgeld).
e/e*- Jnsertionsgebuhr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Neclamcn: die Zeile 25 Pfg.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck Md Verlag' Joh. Aug. Koch, UnivcrsitätS-Buchdruckerei 41, Sfa&rtL
Marburg, Markt 21. — Telephon 55. ö 1