Mürben.""' Nach btm letzt festgesetzten Modus Würde derjenige, der nur für den erheblich klei- Heren Teil seiner Reise eine höhere Klasse be- »utzen will, finanziell besser fahren, wenn er hierfür besondere Zuschlagskarten löst, die Fahr- stheine aber ohne Unterschied auf die niedrigere Alaffe lauten läßt.
I In den Billett-Druckereien der Staatsbahn- Verwaltuqgen wird, wie die „Buchdruckerwoche stlitteilt, an dem Neudruck der vom 1. August Wb zu versteuernden Fahrkarten mit Hochdruck i gearbeitet. Für die 21 Direktionsbezrrke find iz^hn Billett-Druckereien im Betriebe; von die- -fen hat die Berliner naturgemäß die größten Auflagen herzustellen, weil an den Schaltern der Berliner Fernbahnhöfe im Durchschnitt ca. ■ 9500 Sorten von Fahrkarten aufliegen, an den , Schaltern des Bahnhofs „Friedrichstraße", Woselbst der West- und Ost-Durchgangsverkehr zu- tammenflutet, sogar gegen 6000 verschiedene Sorten. In der Billett-Druckerei, die sich im Kellergeschoß des Direktionsgebäudes am Hafen- Platz befindet, arbeiten gegenwärtig 75 Mann Tag und Rächt. Die 17 Druckmaschinen werden tn drei Schichten von je acht Stunden bedient, fcflt den Feiertagsrerkehr wurden an einem Tage mehr als eine Million Fahrkarten gedruckt, die höchste bisher erzielte Tagesleistung. Zwei Rollfuhrwerke find ständig mit der Avfuhr der Billetkisten beschäftigt.
Marburg und Umgegend.
«Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe »Obcrheff. gtg.* gestattet).
Marbura, 23. Juni.
1 * Die nächste Feldpost nach Afrika geht von Berlin wieder am 29. Juni ab. Sie wird über England befördert. Bon Southampton geht am 80. Juni ein englischer Dampfer nach Kapstadt, der dort am 17. Juli eintrifft. Schon am folgenden Tage, den 18. Juli, ist der regelmäßige Köoermann-Dampfer fällig, der die Feldpost von Kapstadt nach dem Schutzgebiet bringt. Dieser Küstendampfer der Woermannlinie trifft am 23. Juli in Lüderitzbucht und am 25. Juli in Swakopmund ein. Er bringt voraussichtlich erst hie Feldpost nach dem Schutzgebiet, die Berlin schon am 22. Juni verlassen hat. Diese Feldpost, ine ausländisches Gebiet berührt, befördert nur Feldpostbriefe und Feldpostkarten. Gelegenheit zur Beförderung von Feldpostpaketen findet sich eine Tag später. Die nächsten Feldposten aus Afrika sind planmäßig am 28. und 29. Juni zu erwarten. Sie haben das Schutzgebiet fahrplanmäßig am 4. und 8. April verlaffen. Die erste per beiden Feldposten geht mit dem Damvfer der Woermann-Hauptlinie, die zweite mit dem Reichspostdampfer auf seiner Heimreise. Die Ankunftszeiten und mitunter auch die Abfahrtszeiten derDampfer, insbesondere der Woermann- Ktnie, sind aber Verschiebungen unterworfen.
* Dar Ende der 2 Psg -Poftkarte, das am Sonnabend der kommenden Woche eintritt, dürfte der Postverwaltung lleberraschungen bringen. In kaufmännischen Kreisen ist allgemein die Meinung verbreitet, daß mit der Verteuerung des Portos eine geringere Benutzung der Postkarte im Stadtverkehr Hand in Hand gehen
wird. Man wirb dann mehr wie bisher das Telephon benutzen, da ja die Telephongebühr in der Regel nur 5 Pfennig beträgt, und weil man die Mitteilung, die sonst auf Karte erfolgte, mündlich schneller geben kann. Ob das die Ver» treter der Versteuerung vorhergesehen haben, ist fraglich. Weiterhin wird die Drucksachenindustrie in der Uebergangszeit Vorteile haben. Viele Firmen haben jetzt schon Massendrucksachen in Postkartenformat in Auftrag gegeben. Der Vordruck auf der Rückseite der Karte wird dann bloß handschriftlich ergänzt und damit erspart man das volle Porto, und kann diese Karte dann als Drucksache versenden. Die Frage, was mit den blauen Karten nach dem 1. Juli zu geschehen hat, ist noch nicht gelöst. Es wird aber wahrscheinlich dahin kommen, daß die jetzigen Bestände einfach aufgebraucht werden, und daß die 5 Pfennig- Frankatur durch Aufkleben einer Dreipfennigmarke hergestellt wird. Das gilt natürlich nur für die im Besitze des Publikums befindlichen 2 Pfennig-Karten.
§ Liederverein. Der älteste der hiesigen Gesangvereine, der „Liederverein", veranstaltet morgen Nachmittag von 4 Uhr ab im Museumsgarten ein Konzert. Das in unserer Zeitung bereits mitgeteilte Programm ist gewählt zu- fammengestellt und die gesanglichen Leistungen des Vereins sind so hinreichend bekannt, daß ein Besuch des Konzertes, bei dem auch die Jägerkapelle mitwirkt, nur empfohlen werden kann.
§ Turnerisches. Morgen findet in Schotten das 33. Eauturnfest des Gaues Heffen statt, an welchem sich auch die Marburger Turnvereine beteiligen.
* Das rote Kreuz in Firmen- und Warenzeichen. Mit dem 1. Juli 1906 endigt die Uebergangszeit, die das Gesetz vom 22. März 1902 zum Schutze des Genfer Neutralitätszeichens für Firmen- und Warenzeichen gewährt, die schon vor dem 1. Juli 1901 in Gebrauch waren. Bis zum 1. Juli h. I. dürfen sowohl Firmen- als auch Warenzeichen, in denen das rote Kreuz schon vor dem 1. Juli 1901 vorkam, unverändert fortgeführt werden, von diesem Tage an ist es nicht mehr gestattet, und ein Gewerbetreibender, der dieser Bestimmung entgegenhandelt, hat die Bestrafung nach Maßgabe der Bestimmungen des genannten Gesetzes zu gewärtigen. Außerdem aber sind die Gewerbetreibenden der Gefahr ausgesetzt, daß die fortan dem Gesetze nicht entsprechenden Firmenbezeichnungen undWaren- zeichen von Amtswegen gelöscht werden. Es ist zwar in der Literatur unter Berufung aus eine Aeußerung in den Motiven zu dem Neutralitätsgesetz behauptet worden, daß eine Löschung von Amtswegen nicht beabsichtigt sei, allein dies beruht auf einem Mißverständnis der betreffenden Erklärung. Da das Neutralitätsgesetz ein im öffentlichen Jntereffe erlaffenes Gesetz ist, so bildet jede Firma, worin dem gesetzlichen Verbot zuwider das Neutralitätszeichen vorkommt, eine unzulässige Firma, die von dem Registerrichter von Amtswegen zu löschen ist. Nicht anders verhält es sich aber mit Warenzeichen, die das verbotene Neutralitätszeichen führen; auch diese können in der Zeichenliste des Patentamts gelöscht werden, und richtiger Ansicht nach müssen sic sogar gelöscht werden, da cs einen un
haltbaren Widerspruch bedeuten wurde, ein ' Warenzeichen in der Zeichenrolle fortbestehen zu lassen, dessen Inhaber wegen seines Gebrauchs bestraft wird. Es wäre im Jntereffe der betreffenden Firmen- und Warenzeichenbesitzer wünschenswert, wenn sie noch vor dem 1. Juli die gebotenen Aenderungen vornehmen wollten.
§ Die Arbeiter-Ausstände scheinen sich auch in unserer Stadt zu mehren. Nachdem die Echrei- nergehilfen jetzt bereits eine Woche ausständig find, beschlossen gestern Abend der allgemeine sowie der christliche Verband der Erd- und Bauhilfsarbeiter von heute ab gleichfalls in den Ausstand zu treten. Die Versammlung war, wie man uns mitteilt, von 80—100 Arbeitern besucht .
§ Strafkammer. Ein Schlägereiprozcß, bei dem mehr als ein Dutzend Zeugen zu vernehmen waren, beschäftigte gestern das Landgericht. In der Neujahrsnacht war es vor einer Wirtschaft in Sterzhausen zu Zwistigkeiten gekommen und schließlich entstand daraus eine Balgerei, bei der es blutige Köpfe setzte. Beim Schöffengericht in Wetter waren es fünf Angeklagte, welche auch sämtlich Strafen erhielten und mit Ausnahme des Heinrich Hillberger, dem man 2 Monate 10 Tage Gefängnis zudiktiert hatte, sich damit zufrieden gaben. Die von dem letzteren eingelegte Berufung wurde gestern verworfen.
* Viehseuchen. Im Regierungsbezirk Cassel sind zur Zeit folgende Ortschaften verseucht: Tollwut: Kreis Eschwege: Aue, Niederdünzebach. Schweineseuche (Schweinepest): Stadtkreis Caffel: Caffel. Landkreis Cassel: Dollmarshausen, Obervellmar, Oberkaufungen, Heckershausen, Oberzwehren, Kirchbauna, Niedervellmar, Heiligenrode. Kreis Eschwege: Frieda, Wanfried. Kreis Frgnken- berg: Kirchlotheim. Kreis Fritzlar: Werkel, Lohne, Gudensberg. Kreis Fulda: Opperz, Großenlüder, Fulda, Salzschlirf. Landkreis Hanau: Niederdorfelden, Dörnigheim, Hütten- gesäß, Roßdorf. Kreis Hofgeismar: Veckerhagen, Ehrsten, Calden, Lippoldsberg, Immenhausen. Kreis Homberg: Borken. Kreis Melsungen: Felsberg, Empfershausen, Sundhof, Pfiefe. Kreis Schmalkalden: Barchfeld. Kreis Wolfhagen:RittergutHohcnborn. Influenza der Pferde (Brustseuche): Stadtkreis Cassel: Caffel. Landkreis Caffel: Niederkaufungen, Niederzwehren, Helsa. Kreis Fritzlar: Fritzlar, Grifte, Wabern, Werkel. Kreis Frankenberg: Frankenberg. Kreis Melsungen: Deute. Kreis Rotenburg: Bebra.
§ Niederweimar, 23. Juni. Auf dem Wege von Marburg nach hier verunglückte gestern eine hiesige Einwohnerin mit ihrem Fuhrwerk. Die Frau mußte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
K. Amöneburg, 23. Juni. Ein denkwürdiger Tag in der Geschichte der Stadt Amöneburg wird der 25. Juni d. I. sein. Sind es doch 260 Jahre, daß unsere Stadt zum dritten Male im dreißigjährigen Kriege belagert und erobert wurde. Am 27. Februar 1632 ging Amöneburg ruerst nach mehrwöchiger Belagerung und nachdem der Kommandant gefallen war, durch Kapitulation in die Hände des Landgrafen Wilhelm von Niederheffen über. Die Besatzung erhielt ehrenvollen Abzug. Später, am 2. März
1635, wurde b(e Stadt durch BW KalserltktM unter dem Obristen Haxthausen belagert und nach einigen Tagen erobert. In den nun folgenden 11 Jahren wurde Amöneburg wieder teilweise aufgebaut und befestigt. Kaum hatte sich die Bürgerschaft von den Drangsalen und Kontributionen des schrecklichen Krieges ein' wenig erholt, als ihr neue Leiden schlimmster Art bevorstanden. Am 25. Juni 1646 wurde die Stadt von den Schweden und Heffen unter General Wrangel erobert und gänzlich zerstört. Schon hatten die Belagerer einen Monat lang vergeblich die Stadt bestürmt, als ein Weib in in einer dunklen stürmischen Nacht die hessischen Truppen an dem westlichen Bergabhang empor in den Hauptgraben und durch eine kleine Pforte in den inneren Schloßgraben führte. Von hier aus erstiegen sie schnell die Stadt und bemächtigten sich des Lindauer Tores, durch das dann die schwedischen Kolonnen hereinstürzten. Ein wütender Kampf erhob sich, in dem sowohl bi« Besatzung als die tapfere Bürgerschar den ver« zweifelsten Widerstand leistete. Erst als dis Flammen der brennenden Stadt den blutigen Schauplatz erleuchteten und immer neue Scharen hereinbrachen, neigte sich der Sieg auf die Seite der Stürmenden. Die ganze Stadt sank in Asche und von 3000 Menschen, teils Soldaten, teils Einwohner und Flüchtlinge, retteten kaum einige hundert das nackte Leben. Erst mehrere Jahre nach dem 30jährigen Kriege baute sich der Rest der Bürgerschaft wieder dürftig an. So, berichtet der Chronist. Nach der noch heule erhaltenen Ueöerlieferung wurde dem verräterischen Weibe eine harte Strafe zuteil. Man; steckte es in ein Faß und trieb von außen groß« Nägel hinein, soviel als die Holzteile nur M fassen vermochten, und warf dann das Faß an! der steilsten Bergwand hinab in dieTiefe. Di« heute noch erhaltenen teilweise überaus festen Mauerreste sind die stummen Zeugen aus dieser schrecklichen Zeit des 30jährigen Krieges.
G» Treysa, 22. Juni. Der bei einem hiesiges Bauunternehmer bedienstete Fuhrmann Schwalm aus Niedergrenzebach wurde in einer! Sandgrube von herunterstürzenden Erbmassen nahezu verschüttet und trug lebensgefährliche Verletzungen davon, die seine Ueberführung in die chirurgische Klinik notwendig machten.
Hessen-Nassau imb Nachbargebieie.
Melsungen, 19. Juni. Der „Verein für hessische Geschichte und Landeskunde" wird seine diesjährige Landesversammlung am 9., 10. und 11. August in Melsungen abhalten.
Hersfeld, 21. Juni. Der Hessische Sängerbund, dem ». a. Gesangvereine in Caffel, Mar- bürg, Hann.-Münden, Hersseld, Hofgeismar, Witzenhausen, Großalmerode, Arolsen, Wolf» hagcn usw. angehören, feiert hier in den Tagen vom 7.—9. Juli sein VI. Bundes-Sänger», f e ft. Ein hessisches Bundes-Sängerfest ist 6c»* 1 rcits im Jahre 1894 hier abgehalten worden: und hat einen herrlichen Verlauf genommen. Ebenso wie damals wird die Feststadt auch jetzt i wieder alles aufbieten, um ihren Gästen recht fröhliche und genußreiche Stunden zu bereiten. Als Festplatz steht dem festgebenden Verein, dem Quartettverein, diesmal die neue Turnhalle zur Verfügung, die mit zwei angrenzenden großen^
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Die Anstalt Kesthata b. Treysa gedenkt ihr
Jahresfest, so Golt will, am Mittwoch den 27. Juni er. von nachmittags 2•/* Uhr an, im An» staltsgarten zu feiern.
Die Festpredigt hat Herr P.ofesior Dr. Wurster, Direktor des Prediger • Seminars zu Friedberg übernommen. An den Gottesdienst schließt sich eineNachseier anmitAnsprachen, iherr Metropolitan Jakobi, Wolfhagen und Herr Pfarrer Gervinus, Naumburg Telia» mationen der Zöglinge, Lor- träge des Hornberger Seminar- isten-bhorcs und verschieden«!! Posaunenchöre.
Extrazüae (auf allen Zwiichcn- stationcn haltend) fahren von Caffel 12.2o und von Efchwege 11.21 und von Marburg 12.33 Nhr ab und abends zurück von Treysa nach (Löffel 8.25, nach Eschwege 8.13 und nach Marburg 8.15. Die Bekanntmachung der genauen Fahrpläne für die Sondcrzüge ist auf den Bahnhöfen der einzelnen Haltestationen leitens der Königliche» Eisenbahn-Direttion zum Äus- hang und Einsichtnahme angebracht. auch wird dieselbe aus Wunsch gerne von der Anstalts- lcitung mitgeteilt.
Alle Freunde Hephatas sind herzlichst eingeladen. (5020
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