Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchbain.

SonntagsbeUa-e: AUuttrtrtes GonntaaSLlatt.

s ......

M 141

MMMicaai. un-g8annmmii 11 i am

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der ExpAition 2 DL, bet allen Postämtern 2,25 W. <ejtl. Bestellgeld).

JnsertionSgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg.

Neclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Mittwoch 20. Juni 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Äug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerei 41. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Neueste Telegramme.

Neustadt a. H., 17. Juni. Prof. Georg Neu- mayer wurde gestern abend U.Frkf. Ztg." zur Feier seines 80. Geburtstages ein Fackelzug dar­gebracht. Als Gäste sind anwesend: Prof. Dr. Hartmann vom Senckenbergianum (Frankfurt), die Universitätsprofesioren Seidel und Günther (München), Fischer (Marburg), Hettner (Hei­delberg), Hergesell und Rudolf (Straßburg), Die königlich preußische Akademie der Wiffen- schaften sandte demPionier und eifrigsten För­derer der Meteorologie und Meereskunde von Pol zu Pol in Deutschland" herzliche Glück­wünsche, Vom Prinzregenten Luitpold traf ein herzliches Glückwunschtelegramm ein. Die Sere­nade und der Fackelzug verliefen imposant.

München, 18. Juni. DerBayrische Kurier" dementiert die Gerücht., daß politische Kreise eine Verfassungsänderung behufs llebertragung der Königswürde auf ven Prinzregenten Luit­pold erwägen.

Bern, 18. Juni. Man glaubt bestimmt, daß es zwischen der Schweiz und Frankreich zum Zoll­kriege kommen wird. Für die schweizerische Aus­fuhr sind es die Ansätze für Seide und Sticke­reien, für die französische Einfuhr die Weinzölle, bei denen eine Verständigung unmöglich scheint. Die mündlichen Verhandlungen sind bereits ab­gebrochen. Die gestern eingetroffene schriftliche Antwort Frankreichs auf die schweizerischen For­derungen lauten ablehnend. Die Schweiz steht auf dem Standpunkte: lieber keinen Vertrag als einen ungünstigen.

Rom, 18. Juni. Es verlautet, daß die preu­ßische Regierung die Villa Bonaparte gekauft habe, um dorthin den Sitz des historischen In­stituts und des Stipendien-Ateliers der Berliner Akademie der Künste zu verlegen.

Paris, 18. Juni. Der Senator Rane schreibt in derAutors" inbetreff der heute vor dem Kas­sationshofe beginnenden öffentlichen Verhand­lung über die Revision des Dreyfusprozesies: Nach der von der Kriminalkammer des Kaffa- ftonshofes durchgeführten Untersuchung bleibt hon den Beschuldigungen, welche der frühere Ee- neralstab und die Generale Mercier und Roger gegen Dreyfus erhoben haben, nicht das geringste mehr übrig. Dies ist die Absicht sämtlicher Räte des Kaffationshofes und es ist ziemlich sicher, daß das Urteil des Renner Kriegsgerichtes einstim­mig kassiert werden wird. Es heißt auch, daß eine Anzahl Räte des Kaffationshofes, welche aus juristischen Bedenken entsprechend der An­sicht des Berichterstatters Mores für die Ver­weisung der Angelegenheit vor ein Kriegsgericht stimmen wollten, diese Bedenken nicht mehr

85 (Nachdruck verboten.)

Jolanda und Salomea.

[/ '7.. Roman von Erich Friesen.

(Fortsetzung.) '*

r- Jolandas ganzes Denken und Empfinden .konzentriert sich nur auf den Vater.

Zuerst hatte ihr Herz noch schmerzlich auf­gezuckt in dem Bewußtsein, daß Vittorio Graziano nichts mehr von sich hören ließ, daß er sie also augenscheinlich schnell vergeffen hatte. Mit geheimem Weh fühlt sie, daß sie doch im­mer noch hoffte, wenigstens ein paar Zeilen des Abschiedes zu erhalten. Und nun nichts Nichts! .

Freilich, es ist ja das beste fo; es darf ja gar nichts anders sein! Und doch und doch--

Calvine« Velloni oder ihre Kinder hat Jo­landa während all der Monate nicht gesehen. Eine unüberwindliche Scheu hält sie von dem Hause draußen in der Via Flaminia zurück. Sie fürchtet jenem schrecklichen Menschen dort zu be­gegnen, der ihr erst jene furchtbaren Worte über ihren Vater ins Gesicht geschleudert. Sie schämt sich aych vor der Salomea, daß sie trotz ihrer Kenntnis des wahren Sachverhalts nichts tat, um das Unrecht wenigstens etwas wieder gut zu machen.

Hätte sie von Anfang an gewußt, daß der Vater noch so lange leben würde sie hätte sicherlich von vorherein Schritte getan. Aber nun, da sie den langsamen Verfall der Lebens­geister des Vaters von Tag zu Tage beobachten kann jetzt bringt sie es nicht übers Herz, ihm die letzten Stunden noch zur Hölle zu machen. > Dor vielen Wochen hatte sie ein kurzes Billett don Salomea erhalten mit den wenigen, für das siebende, angstvoll besorgte Tochterherz so un­endlich beruhigenden Worten:

Teuerste! Du kannst ganz ruhig sein. Von mir hat Dein Vater nichts zu fürchten.

; Auch nicht von meinem Onkel. Geld allein

hegen. Es sei deshalb sehr wahrscheinlich, daß der Kaffationshof die endgiltige Rehabilitierung des Hauptmann Dreyfus aussprechen wird.

Newyork, 18. Juni. Das Repräsentantenhaus nahm mit 129 gegen 82 Stimmen eine Resolu­tion des Senates an, welche bestimmt, daß die bei dem Bau des Panamakanals zur Verwen­dung kommenden 3)(atet^.ien uno Ausrüstungs­gegenstände von einheimischen Fabrikanten be­zogen werden müffen, wofern der Präsident nicht die von den letzteren geforderten Preise für über­trieben hoch erachtet.

a., "" ..... 1 SS

Deutsche Evanael. KiMenkonferenz

Am 14. Juni trat, wie schon kurz gemeldet wurde, die Deutsche Evangelische Kircheukonfe- renz in Eisenach zu ihrer 28. Tagung zusammen. Wir erhalten über die Verhandlungen folgen­den Bericht. Eröffnet wurde dieselbe wie üblich durch einen Gottesdienst in der Kapelle der Wartburg. Als Abgeordnete der deutschen evangelischen Kirchenregierungen nahmen an der Konferenz Vertreter sämtlicher preußischen Provinzen und deutschen Staaten teil. Aus Hessen-Nassau war Generalsuperinten­dent Möller (Caffel) anwesend. Als Ver­treter des Oberkirchenrats in Wien beteiligte sich auch in diesem Jahre der Präsident des­selben, Wirklicher Geheimer Rat Dr. Franz. In der ersten Sitzung wählte man von neuem durch Zurufe den bisherigen Präsidenten, Ober­hofprediger D. Ackermann aus Dresden und den bisherigenVizepräsidenten, Oberkonsistorial- rat Möller aus Berlin. Auf der Tagesordnung stand der Geschäftsbericht des Kirchenausschuffes. Die Reichhaltigkeit desselben zeugte von der kräftigen Entwicklung der Arbeit des Aus­schusses. Der Präsident desselben, Voigts aus Berlin, gab zu einigen Punkten des Berichts eine nähere Erläuterung. Verschiedenes wurde einer eingehenden Besprechung unterzogen,, so der bekannte Toleranzantrag. Auch die Fixie­rung des Reformationssestes wurde besprochen. Soweit sich nicht die Feier des 31. Oktober im Volksleben durchgesetzt hat (was mehrfach als das Beste bezeichnet wurde)^ wird das Refor- mationsfest jetzt durchweg an dem Sonntag nach dem 30. Oktober gefeiert. In einer weiteren Sitzung wurde die Beratung des Geschäfts­berichts des Kirchenausschuffes fortgesetzt. . Ins­besondere kam die Arbeit des letzteren für die kirchliche Versorgung der deutschen evangelischen Diaspora im Auslands zu eingehender Be­handlung. Die Tätigkeit des Ausschuffes, auf dem Gebiet der Diasporafürsorge bildet einen wichtigen Teil seiner Wirksamkeit und nimmt im wachsenden Maße zu. Die Konferenz sprach ihre Befriedigung aus über den guten Fort­gang dieser Arbeit. Es folgte die Beratung der Einführung eines kirchlichen Ausweises für das

macht nicht glücklich ich weiß es jetzt nur zu gut. Salomea."

Als Jolanda voll innigen Dankgefühls den Zettel an ihr heftig pochendes Herz drückt, ahnt sie nicht, welch heiße Kämpfe Salomea mit ihrem Onkel auszufechten hatte, bis er sich, wenn auch murrend und knurrend, ihrem Willen fügte.

Mit dem Gatten hatte sie es leichter. Carlo Bellonis frohgemute, leichtlebige Künstlernatur nimmt stets alles von der besten Seite. Eines seiner Bilder hat auf der großen Künstleraus­stellung eine lobende Erwähnung erhalten, und seine Künstlerseele ist befriedigt: die Käufer werden schon folgen.

Der brave Südafrikaner hingegen wollte nichts wiffen vonGroßmut" undchristlicher Barmherzigkeit": er nannte es einfachBlöd­sinn" undHirnverrücktheit". Aber Salomea bat so lange, sie wurde sogar böse und drohte, die ganze Erbschaft zurückzuweisen, wenn der Brummbär von Onkel gegen ihren Wunsch in der Angelegenheit eigenmächtig Schritte täte.

Was blieb dem guten Paolo Roffo anders übrig, als nachzugeben?

Schließlich klopfte et sich schmunzelnd auf seine Tasche und sagte:

Na, meinetwegen! Der alte Onkel ist ja auch noch da mit seinen Moneten. Hunger braucht Ihr wenigstens nicht mehr zu leiden. Das ist mein Trost!"

Füt das nahende Weihnachtsfest hat der brave Mann sich eine ganz besondere Ueber- raschung ausaedacht. Nur Ninella ist ins Ver­trauen gezogen, weil er die Ratschläge des klei­nen Dienstmädchens in diesem Falle nicht ent­behren kann und ihres Schweigens ist er sicher.

, Als am heiligen Christabend die ganze Fa­milie Velloni die Kirche verläßt, steht vor dem hohen Portal ein eleganter Wagen.

Nur immer hinein!" kommandiert Onkel Paolo.

Carlo und Salomea folgen verwundert, die Kinder voll hellen Jubel, Ninella, welche Klein­

gesamte evangelische Deutschland, die kirchliche Beurkundung der Taufe, Konfirmation und Trauung betreffend. Nach eingehender Bespre­chung der Zweckmäßigkeit eines kirchlichen Aus­weises und der wünschenswerten Gestaltung desselben einigte man sich in dem Beschluffe, daß neben den bisherigen Konfirmations­scheinen die Einführung einer besonderen Be­scheinigung der Konfirmation als kirchlicher Ausweis sich empfehle. Ferner wurde nach einem Vortrage über den gegenwärtigen Be­stand der Nebengottesdienste in den evange­lischen Landeskirchen Deutschlands die Frage sehr eingehend behandelt, wie die Nebengottes­dienste zu gestalten und zu behandeln seien. Den Thesen der Reformierten wurde allseitig zuge­stimmt.

Die Unruhen in Rußland.

Erodno, 17. Juni. Nach den dem Gouverneur zugegangenen Meldungen über die Unruhen in Bjelostok haben dort noch in der letzten Nacht Zusammenstöße zwischen Truppen und Revolu­tionären stattgefunden. Letztere beschaffen die Polizeiverwaltung von benachbarten Häusern aus dem Hinterhalt. Sie wurden von den Truppen mit Salven aus diesen Häusern ver­trieben, setzten die Häuser aber vor dem Ver- laffen in Brand. Die Feuerwehr vermochte das Feuer nicht zu löschen, da sich in den Häusern eine Menge von Schießmaterial befand, welches explo­dierte. Die Truppen erlitten keine Verluste. Es sind alle Maßnahmen getroffen, um eine Er­neuerung der Unruhen zu verhindern.

Bjelostok, 17. Juni. Die Ruhe ist heute wie­der hergestellt, obwohl nicht die ganze Nacht hin­durch Nevolverschüffe fielen. Reisende, auch Ju­den, werden wieder in die Stadt zugelaffen. Ge­neral Bach ist zum Militärgouverneur ernannt worden. Bei Kladnua wurde heute ein nach Ka- lisch fahrender Postwagen von Straßenräubern überfallen. Der Postillon und zwei als Schutz­wache beigegebene Soldaten wurden getötet, die Wertsachen wurden geraubt.

Petersburg, 18. Juni. Der Minister des Innern richtete an die Gouverneure und Stadt­hauptleute ein Rundtelegramm, in dem er ihnen vorschreibt, ihren Untergebenen im Hin­blick auf die Ausschreitungen in Bjelostok strengste Pflichterfüllung vorzuschreiben und so­wohl Agrarunruhen wie auch Ausschreitungen gegen die Juden vorzubeugen und entstehende Unruhen im Keime zu unterdrücken. Unter­lassungen dieser Vorschrift und Untätigkeit von Amtspersonen würden strengstens geahndet werden.

Berlin, 18. Juni. Wie hiesige Blätter aus Warschau melden, sind auch in den zum Gouver­nement Erodno gehörigen Ortschaften Sablu-

Marietta auf dem Arm trägt, mit vor Auf­regung knallrotem Gesicht.

Durch die Via Babuino rollt der Wagen, über die Piazza di Spagna. . . immer weiter, immer weiter, die hell erleuchteten Straßen entlang.

Auf alle neugierigen Fragen hat Onkel Paolo nur ein breites Lächeln, und Ninella preßt fest die Lippen zusammen, damit kein Wort des Eeheimniffes herauspurzelt.

Jetzt rollt der Wagen durch die Porta Pia, eine breite Allee entlang, vorbei an schmucken Villen und großen Gärten.

Plötzlich hält er vor einem reizenden Land­haus.

Sämtliche Fenster sind erleuchtet. Das zier­liche gußeiserne Portal steht weit offen. Aus dem hell erleuchteten Hausflur eilt ein junges Mädchen mit weißem Latzschürzchen und weißem Häubchen auf dem dunklen Krauskopf herbei und macht vor Salomea einen tiefen Knix.

Die Kinder sind schon aus dem Wagen ge­sprungen. Bedächtiger folgen die Eltern.

Sie begreifen noch immer nicht.

Da saßt der rotbärtige Hüne Salomea bei der Hapd und geleitet sie die nichtige Frei­treppe hinauf.

Dein Haus, mein Kind! Ein kleines Weih­nachtsgeschenk von dem alten Onkel für die Tochter seiner geliebten Schwester!"

Onkel!"

Fest drückt Salomea die derbe Hand des alten Südafrikaners.

Dann traten alle ein in das blumenge­schmückte Eßzimmer, in welchem an zierlich ge­deckter Tafel bereits ein kleines Festmahl die Herrin des Hauses und ihre Familie erwartet.

Ich hab' alles gewußt! Ich hab' alles ge­wußt!" jubelt Ninella hinein in die Freuden­rufe der Kinder.Das Mädchen da ist, meine ältere Schwester Anita. Die wird Köchin sein und ich Stubenmädchen. Ich wußte alles, alles und hab' nichts gesagt!"

Dabei lacht sie fröhlich auf.

dow, Ossowice und Eoniondz Judenverfolgung« ausgebrochen.

Bjelostok, 18. Juni. Heute hat die Beerdig­ung von 79 bei den letzten Unruhen getötete» Personen stattgefunden.

Berlin, 19. Juni. DieNationalzeitung" schreibt: Unmittelbar nach dem Bekanntwerde» der jüngsten Vorgänge in Bjelostok hat die deutsche Reichsregierung im Hinblick auf bte Interessen der deutschen Reichsangehörigen und das deutsche Kapital in Bjelostok sich wegen des Schutzes dieser Jntereffen dringend an die rufst- sche Regierung gewandt. Die Regierung hat unverzüglich Maßnahmen zum Schutze dieser Jntereffen zugesagt.

London, 19. Juni. Das Reutersche Bureau erklärt, daß vom Auswärtigen Amte ernste Vor- stellungen wegen der Ereigniffe in Bjelostok er­hoben werden. Lord Rothschild hat heute Nach­mittag eineUnterredung mit dem Minister de» Auswärtigen Sir Edward Grey gehabt.

Moskau, 18. Juni. Das 136. Donsche Äi* saken-Regiment forderte die Abgeordneten der Reichsduma vom Dongebiet auf, in der Dum« den Kriegsminister zu interpellieren, was di« Regierung bezüglich der Kosaken zu unternehme» gedenke, ob diese nach Hause entlasten würden oder wer die mittellos gebliebenen Frauen un» Kinder ernähren werde. Die Donschen Kosaken vom dreijährigen Polizeidienst aufs äußerste er­müdet, seien gänzlich ruiniert. Zwei Sotni« verweigerten bereits die Erfüllung ihrer Dienst­pflichten. Die Orenburger Kosaken beschlossen die Interpellation zu unterstützen: die Twerschen verhalten sich noch zurückhaltend.

Petersburg, 19. Juni. Mit Rücksicht auf di« unter den Matrosen, der Festungsmannschaft ink den Arbeitern in Kronstadt herrschenden Gärung find aus dem Lager von Kraßnoje-Selo dorthin abgegangen: das Leibgarde-Grenadier- und bis Moskauer Regiment sowie zwei Batterien der Garde-Artillerie-Brigade mit 12 Schnellfeuer- Geschützen, ferner aus dem benachbarte« Oranienbaum zwei Maschinengewehr-Kompag­nien mit 22 Maschinengewehren. Was in Kron­stadt vorgefallen ist, weiß niemand zu sagen.

Deutsche? Reich.

Berlin, 19. Juni.

Seine Majestät der Kaiser, der, wie schon gestern gemeldet, am Sonntag abend die Fahrt nach Helgoland antrat, traf dort an Bord der Hamburg" mit dem Begleitschiffe gegen 12 Uhr nachts ein. Am Montag vormittag fuhr der Kaiser völlig unerwartet an Bord desSleip- ner" nach Norderney zum Besuche bes Reichskanzler. Um iy4 Uhr traf der Kaiser dort ein und wurde vom Fürsten Bülow empfangen Nach dem Eintreffen in der Villa Wedel nahm

Und die Kinder stimmen jubelnd ein in dies frohe Lachen. Und auch die Eltern lächeln glückselrg.lte Güba^i(anet aber steht daneben und wischt stch eine Träne aus dem Auge. Er denkt an seine tote Schwester.

XVII.

Auch im Palazzo Vonmartino findet ein« ganz eigene Weihnachtsfeier statt.

Der alte Marchese hat durch seine Tochter dem Bedientenpersonal eine größere Summ« aushändigen lasten, die sie nach Belieben ver- wenden können. .

Er selbst ruht wie gewöhnlich m seine« Lehnstuhl. Nur, daß er diesen Stuhl hat vo« Fenster fort an den Kamin rucken lasten, tw welchem ein helles Feuer lustig flackert.

Auf dem runden Tisch steht eine mit blaue« Seidengazeschirm verhängte Lampe. Der Mar­chese liebt das elettrische Licht nicht: es schwer^ seine müden Augen.

Jolanda fitzt am Tisch und lieft in.eine« Buch von De Amicis. Oder fie tut wenigste!« so, als ob sie lese. In Witklikchett ledoch obachtet sie ängstlich den Vater der ihr heut« erregtet, nervöser als je erscheint.

Auch ihr hatte der Marchese eine bedeutend« Summe als Weihnacht geschenk übergeben, da­mit sie sich kaufe, wonach ihr Herz begehrt.

Doch Jolanda wies das Geld sanft zurüch- Daß ich dich noch habe, mein teurer Vater -- hatte sie innig gesagtist nut Wechnachts- fteube genug. Ich habe weiter keinen Wunsch.

Ein schmerzliches Zucken war übet die ein­gefallenen Züge des alten Marchese gegangen, Aber et hatte geschwiegen. ... .

Und nun ruht er zuruckgelehnt mit. geschlq- senen Augen in seinem Stuhl und bujelt, wie jetzt so oft . . » .; -i

Oder grübelt er? Grübelt et? , , . 3

(Fortsetzung folgt.) ]