mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntaasbeilaae:
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Marburg
Freitag 15. Juni 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck trnb Verlag- Joh. Ang. Koch, llmveyitätS-Buchdruckerei 41. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Lelephon o5.
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«■ Jff1 if)r ihrer schmerzlichen
Geschäftigkeit gar nicht auf, daß Onkel Bernardo den ganzen Vormittag unsichtbar blieb, obgleich er doch gewiß von dem ungeheuerlichen Entschluß seiner Nichte bereits Kenntnis hatte. J ö
Ihr ganzes Sinnen ist auf den Vater gerichtet — auf den bleichen, welken Greis mit dem
truppe für Südwestafrika, wurde der Rote Adlerorden erster Klasse mit Eichenlaub und den Schwertern am Ringe verliehen.
Berlin, 14. Juni. Die Landwirtschaftliche Ausstellung wird heute (Donnerstag) durch den Kronprinzen, als Präsidenten der deutschen Land- wirtschaftsgesellschaft, eröffnet werden. Morgen gibt der Landwirtschaftsminister von Podbielski rin größeres Diner und Gartenfest, an dem der Kronprinz teilnimmt. Am 16. d. M. findet aus : Demselben Anlaß ein Diner im Stadtschloß Pots- : vam statt.
Wien, 14. Juni. Der dreitägige Generalstreik für Wien, den die sozialdemokratische Parteileitung beabsichtigt, um einen Druck auf die Regierung und den Reichsrat zur Beschleunigung der Wahlreform auszuüben soll, da die Organi- [ sierung des Ausstandes mit großen Schwierigkeiten verbunden ist, erst für den 29. und 30. d. M. oder den 1. Juli festgesetzt werden: da ber, 29. d. M. ein katholischer Feiertag und der 1. I Juli ein Sonntag ist, würde der Streik eigent- r lich nur einen Tag dauern.
Paris» 13. Juni. Der frühere russische Minister des Innern Durnowa weilt, wie behauptet wird, im strengsten Inkognito in Paris,. Er soll die Mission erhalten haben, den Zaren über die französische Stimmung betreffs der Ereignisse : in Rußland zu unterrichten und gleichzeitig die i französischen Finanzkreise über die eventuellen . Konsequenzen einer russischen Krise zu beruhigen.
Paris, 14. Juni. Die protestantische Synode welche gegenwärtig in Montpellier tagt, faßte den Beschluß, daß die Eeneralsynode der Pro- testanten Frankreichs, um dem Trennungsgesetz genau zu entsprechen, in Zukunft aus einer Vereinigung von Kultusgenossenschaften zu bestehen : habe.
Neueste Telegramme.
Berlin, 14. Juni. Dem Generalleutnant z. D. von Trotha, bisher Kommandeur der Schutz-
Deutjchcs Reich.
I Berlin, 14. Juni.
I — Seine Majestät der Kaiser nahm gestern I auf dem Truppenübungsplatz an der großen I Uebung der Earde-Kavallerie-Division teil. Er I traf in der Uniform der Leib-Earde-Husaren I im Automobil vom Neuen Palais ein und be- I sichtigte zunächst auf dem Felde bei Ferbitz das Regiment Gardedukorps und das Leib-Earde- Husaren-Regiment. Hierauf übernahm der Kaiser das Kommando über die Earde-Kavallerie- Division und exerzierte diese. Es schlossen sich daran zwei Gefechtsübungen in der Nähe des Hafenheiden-Berges unter Hinzuziehung von Artillerie und Maschinengewehren, bei denen der Kaiser die Division führte und die (3.) Zieten-Husaren den Feind markierten. Ein Vorbeimarsch der beteiligten Truppen schloß die Uebung, nach der der Kaiser Kritik hielt. — Auch die Kaiserin folgte den Exerzitien zu Pferde und besuchte im Laufe des Vormittags x i Döberitzer Lager, wo zurzeit u. a. das 1. Garde-Regiment zu Fuß liegt. Das Kaiserpaar kehrte gegen 1 Uhr im Automobil nach dem Neuen Palais zurück.
— Bekanntlich hat der Kölner Handwerks- und Gewerbskammertag die Forderung des allgemeinen Befähigungsnachweises als „zur Zeit unerreichbar" abgelehnt. Dennoch ist seitens der Petitionskommisiion des Reichstages empfohlen worden, eine Petition verschiedener Handwerkerbünde, in der an der Forderung des allgemeinen Befähigungsnachweises als einem gerechten Verlangen des deutschen Handwerks festgehalten wird, der Regierung als Material zu überweisen. Wie die „Deutsche Mittelstands-Korrespondenz erfährt, sieht aber die Reichsregierung die Forderung des allgemeinen Befähigungsnachweises nicht nur als „zur Zeit" unerreichbar an, sondern hält ihn ein für alle Mal für abgetan. Diejenigen Handwerker, die sich die Be- schlüsse des Kölner Tages bisher nicht zu eigen gemacht haben, handeln daher vielleicht in ihrem eigenen Interesse, jene Forderung gleichfalls fallen zu lassen, da eine Agitation für den allgemeinen Befähigungsnachweis unter den angegebenen Umständen doch aussichtslos ist und nur von wichtigeren Bestrebungen zur Hebung des Handwerkes abhalten kann. Dagegen steht
Jndifferentismus, der andere Teil, der ohne den Priester mit seinem Gott nicht fertig werden kann, der Polonisierung verfallen. Im 19. Jahrhundert sind nach einer Berechnung des Kultusministers Studt, wie er vor einigen Jahren bei der Etatsberatung im Abgeordnetenhaus« mitteilte, etwa 100 000 katholische Deutsche polonisiert worden, nicht zuletzt auch deswegen, weil der polnische Klerus diese Deutschen systematisch gezwungen hat, ihre religiösen Bedürfnisse in polnischer Sprache zu befriedigen. Diese Praxis hat die polnische Priesterschaft auch heute noch, und der „Primas von Polen" fördert fie durch sein Verhalten. Yideant consules!
Sie nimmt die Schleppe ihres Gewandes zusammen und will weiter schreiten, an ihm vorbei.
5 Doch er vertritt ihr den Weg.
« „Sie müssen mich anhören, Fräulein Von- martino," sagt er ßnstig, halblaut. „Ich bin hierher g«k»mme», um Sie als glückliche Brapt zu sehen. And nun —"
Mit einer beredten Geste hebt Jolanda ab- vehrend die Hand.
< „Und nun seh ich Sie trauernd im schwarzen Kleid," fährt der Mann unbeirrt fort. „Was Jon das heißen?"
* Groß und voll schlägt Jolanda die schönen, »rüsten Augen zu dem Manne auf.
I „Ich brauchte Ihnen nicht zu antworten," erwidert sie hoheitsvoll. „Und doch will ich es tun. Sie sind der Mann, der mir neulich im Hause «er Frau Salomea Belloni so feindlich gegen- «bertrat. So hören Eie denn: ich weiß jetzt, kie hatten Recht mit Ihren Anklagen. Und ich
teiische Behandlung der kirchentreuen, patriotischen deutschen Vereine im Verhältnis zu derjenigen, welche die radikal-polnischen Straz- oereine erfuhren, und konstatierte die Renitenz der polnischen Priester im Gegensatz zu der korrekten Haltung der deutschen Geistlichen. Und da der Erzbischof den Verband der Vereine deutscher Katholiken unbefugter „Eingriffe in kirchliche Angelegenheiten" und der „Anmaßung einer Vertretung von kirchlichen Interessen" beschuldigte, warf sich sogar die „Germania" zur Verteidigerin des Angegriffenen auf, erklärte die Forderung des Verbandsvorstandes, der Erzbischof möge Beweise für diese schweren Vorwürfe bringen, als berechtigt, und bemerkte, daß sie es nicht als ungehörig betrachten könne, wenn die Vereine sich bemühen, eine angemessene Berücksichtigung der Bedürfnisse der deutschen Katholiken in kirchlichen Dingen zu erzielen. Der Verbandsvorstand selber hatte unterdessen in der „Kathol. Rundschau" die Tatsachen klargelegt, auf welche hin der Erzbischof seine Beschuldigungen erhoben hatte. Er teilte dort mit, daß er nur ein einziges Mal, im Jahre 1903, j mit der Bitte an den Erzbischof herangetreten sei, in Orten, wo deutsche Predigten stattfinden, erlauben zu wollen, an den betreffenden Sonn- und Feiertagen auch deutsche Kirchenlieder zu singen; in Gemeinden, wo sich deutsche Katholiken befinden, die kirchlichen Vermeidungen auch in deutscher Sprache erfolgen zu lassen. Darauf habe er den Bescheid erhalten, daß diejenigen Vereine, die mit derartigen Gesuchen an die geistliche Behörde herantreten, von unkatholischen Grundsätzen ausgehen, und daß sich der Verband dadurch eine Art Nebenregierung aneigne.
Wir wären nun begierig zu erfahren, ob irgend ein Zentrumsblatt nach dieser Darlegung des Tatbestandes noch den Mut hat, das Verfahren des Erzbischofs zu billigen und den Verbandsvorstand der deutschen Vereine unkatholischer Grundsätze zu beschuldigen. Die polnischen I Katholiken in Berlin und dem rheinsch-west- fälischen Jndustriebezirkr haben bekanntlich in
! rührend hilflosen Blick, an dem sie trotz seiner schweren Schuld mit aufopferndster Kinderliebe hängt.
Ja, jetzt vielleicht noch treuer als zuvor! . . .
Ünd weiter grübelt Jolanda....
Wie, wenn jener schrecklicher Mensch, der fie vorhin droben auf der Treppe des Petersdomes angeredet, feine Drohung wahr macht und Anzeige gegen den Vater erstattet! Wenn der kranke alte Mann hingeschleppt würde auf die Anklagebank! Wenn--
Ein Zittern überfliegt ihren Körper. Hastig beugt sie sich vor und ruft dem Kutscher die Adresse des Dr. Maroni zu — des alten Hausarztes der Familie Bonmartino.
Als sie eine Vietelstunde später das Sprechzimmer des alten Mannes wieder verläßt, ist sie sich völlig klar über den Zustand ihres Vaters.
Sie ist ganz ruhig, unnatürlich ruhig, als sie dem Kutscher die Adresse Via Flaminia Nr. 85 nennt.
Diesmal hat sie vor dem einfachen Hause draußen vor der Porta del Popolo nicht Spießruten zu laufen zwischen zwei Reihen gaffender Kinder.
Diese schwarzgekleidete, bleiche Frau mit dem tiefgesenkten Kopf gleicht eher den Gestalten, welche man in dieser ärmlichen Gegend zu sehen gewohnt ist, als jene strahlende Modedame von damals mit der kostbaren Spitzentoilette und dem Aeberfluß an Diamanten.
Unbehindert schreitet fie die fünf Treppen hinauf und läutet.
Wie damals öffnet die kleine Ninella. Und wie damals wird Jolanda in den „Salon" gewiesen.
Ihr Herz hämmert zum Zerspringen. In einem Anfall von Schwäche sinkt sie auf das altmodische Sofa. Sie fühlt, aber es war zu viel für sie, was sie gestern und heute durchgemacht — genug, um ein ganzes Menschenleben mit Trauer uud Schmerzen zu füllen , «» ■
den letzten Monaten an die deutschen Geistlichen viel weitergehende Forderungen gestellt und die । Nichterfüllung mit ungehörigen Maßnahmen, Nm? für das Deutschtum mie Boykottierung von Kirchen usw. beantwor-
tLUlc lNNUljt TUL uuy 2ZJUU|UJIUW. tet Niemand aber hat ihnen das grundsätzliche
Man schreibt uns: Die Behandlung, die der I Recht zu bescheidenen Wünschen in kirchlichen ? ErzbischofvonPosenden Vereinen deut- I Dingen bestritten, trotzdem die Zentrumspresse scher Katholiken in seiner Diözese angedeihen I zugestanden hat, daß diese Polen gut deutsch f läßt, hat nachgerade die Gestalt eines öffent« I sprechen und verstehen, während man das Um« lichen Aergernisses angenommen, das nicht nur I gekehrte von den deutschen Katholiken in Posen den deutschen Katholizismus, sondern auch das I nicht sagen kann. Soll also den deutschen Ka- Deutschtum in der Ostmark empfindlich schädigen I tholiken verweigert werden, was den polnischen muß. Selbst diejenigen Zentrumsblätter, die I unter gleichen Verhältnissen niemals abgeschla- \ den nationalen Fanatismus der Polen aus I gen werden würde? Pflicht der Regierung aber nächster Nähe kennen gelernt haben, mißbilligen I ist es, das kirchliche Jnterersse der deutschen Ka- das deutschfeindliche Verfahren des Erzbischofs I tholiken, das in diesem Falle mit dem natio- von Stablewski. So erblickte das „Westfälische I nalen in der Ostmark zusammenfällt, bei der 1 Bolksblatt" in dem erzwungenen Austritt der I erzbischöflichen Kurie in Posen mit allem Nach- Geiftlichen aus den Vereinen deutscher Katho- I druck zu vertreten. Geschieht das nicht, so wird liken einen „verfehlten Akt"; es rügte die par- I ein Teil der deutschen Katholiken dem religiösen
(Nachdruck verboten.) I frage Sie: was gedenken Sie in der Sache zu AMM und Salomta. i6,em sw
,dX.“
(Fortsetzung.) I Jolandas Antlitz wird noch um einen Schat-
Sre gewahrt auch nicht den robusten, rot- I ten bleicher.
bärtigen Mann, der sie schon eine Weile beobach- I „Sie haben Recht," murmelt sie gepreßt,
tete und jetzt, beim Anblick ihres Gesichtes in I Ünd mit leichtem Neigen des Hauptes schrei-
nächster Nähe, zusammenfährt. I tet sie weiter, die breite Treppe hinab, an deren
i einiger Entfernung folgt er der dunklen, I unterster Stufe der gallonierte Diener ihrer
hohen Gestalt, wie sie langsam den Dom durch- I harrt, um sie zum Wagen zu geleiten.
schreitet und hinanstritt auf die gewaltige Droben aber steht der rotbärtige Mann und ptrepp«, die hinabführt zum St. Petersplatz. I blickt der stolzen Frauengestalt nach, wie einer
Hier blerbt ste einig« Sekunden stehen, um I Erscheinung aus einer andern Welt.
Nach ihrem Wagen Umschau zu halten. I Der fast überirdische Glanz dieses weißen Ee-
r. nähert sich ihr der Mann, den Hut in I sichtes hat den rauhen Südafrikaner bis ins der Hand. I tiefte Herz getroffen.
1 Fraulein Bonmartino wenn ich nicht irre?" Als Jolanda, tief hineingeschmiegt in die
Yolanda hebt die Lider. Ein erstaunter, I Polster des Wagens, die menschenvollen Straßen
weltfremder Blick trifft den Verwegenen, der es der ewigen Stadt durchrollt, weilten ihre Ee-
| wagt, sie hier, auf der Treppe des Petersdomes, danken bei den schweren Stunden, die sie heute
anzusprechen. | früh durchlebt: wie Vittorio Graziano gekommen
und sie unter vier Augen gefragt, ob sie bei ihrem gestrigen wahnwitzigen Entschluß bleibe oder ob das Ganze nur eine krankhafte Laune war, entsprungen einem überreizten Frauenhirn ... wie der Vater nochmals in sie gedrungen und ihr Vorwürfe gemacht... wie die Dienerschaft mit verwunderten Mienen und auf den Fußspitzen durch den Palazzo geschlichen, als berge er einen Toten... wie fie trotzdem fest geblieben ungeachtet des heißen Kampfes mit ihrem eigenen Herzen, und die nötigen Schritte getan^zum Abbestellen sämtlicher Festlichkeiten und Formalitäten ....
es zweifellos fest, daß während der nächste» Tagung des Reichstages die Regierung ein« Vorlage, betreffend den sogenannten „kleine» Befähigungsnachweis" einbringen wird. Nach diesem sollen nur Handwerker, die den Meister« titel zu führen berechtigt sind» Lehrlinge aus« bilden dürfen. Man hat sich an maßgebender Stelle zu dieser Vorlage entschlossen» einerseits, weil die Mehrzahl derr Fraktionen dafür z» sein scheint, und andererseits, weil dieses Mittel wenigstens nicht für schädlich wirkend und das Handwerk hemmend gehalten wird.
— Die deutschen Freihändler haben Unglück. Kaum war ihre Behauptung, daß die vorjährige Fleischteuerung eine dauernde Erscheinung sei und Abhilfe nur durch Oeffnung der Grenzen für die Vieheinfuhr geschafft werden könne, durch den Rückgang der Fleischpreise, insbesondere der Preise für Schweinefleisch im Großhandel, auf den normalen Stand als unzutreffend erwiesen, so führte auch die Enthüllung der skandalösen Vorgänge bei der Herstellung amerikanischer Fleischkonserve» ihre mit so großem Nachdruck verfochtene Behauptung ad absurdum, daß die Fabrikation solcher Konserven in Amerika vom hygienischen Standpunkt aus völlig einwandsfrei erfolg« und daß demzufolge die völlig freie Einfuhr solcher amerikanischer Konserven im Interesse der Volksgesundheit unbedenklich sei. Wie der Landwirtschaftsminister gegenüber den frei- händlerischen Angriffen durch die wirkliche Entwicklung der Fleischpreise voll gerechtfertigt wird, so erfahren durch diese amerikanischen Vorgänge auch die vom Fürsten Bismarck seinerseits, unter lebhaftestem Widerspruch der Freihändler angeordneten Sicherungsmaßregeln gegen die unkontrollierte Einfuhr amerikanischer Konserven nachträglich eine glänzende Rechtfertigung. Was ferner die Handelsverträge anlangt, so hatten unsere Freihändler anfänglich fest und steif behauptet, daß auf der Grundlage des neuen Zolltarifes sich Handelsverträge überhaupt nicht abschließen lassen würden. Nachdem diese Behauptung durch die Erneuerung der Handelsverträge mit den europäischen Vertragsstaaten vollständig widerlegt war, ergingen unsere Freihändler sich in den düstersten Prophezeiungen über die Wirkungen der neuen Handelsverträge für die deutsche Industrie und für den deutschen Handel. Man sagte in der freihändlerischen Presse für die Zeit nach dem 1. März dieses Jahres einen jähen Rückschlag in der Entwicklung unseres heimischen Erwerbsleben voraus. Jetzt ist sogar di« freihändlerische Presse genötigt, zuzugestehen, daß die Tatsachen diese pessimistischen Auffassungen gründlich widerlegt haben und daß die kräftige Aufwärtsbewegung unserer industriellen und kommerziellen Tätigkeit nach dem Jnkraft- reten der Handelsverträge in der- elben Stärke und in demselben raschen Tempo ich fortgesetzt hat wie in der Zeit vorher. Auch n diesem Punkte hat daher die freihändlerische
Sie drückt beide Hände an die wild pochenden Schläfen. O, wie ihr Kopf schmerzt! Wi« alles in ihr und um fie her dunkel ist! . . .
Nicht hört ste, wie die Tür sich öffnet.
Bis plötzlich jemand ihren Namen ruft.
„Jolanda?"
„Salomea!"
Lautlos sinkt fie in Salomeas weitgeöffnet« Arme, die sich fest, fest um die bebende Gestalt schließen.
„Meine teure Jolanda! Wie ich dich liebe!'
Jolanda atmet schwer. Kramphaft umschlingt sie Salomeas Hals.
„Salomea —“ stammelt sie angstvoll — „bi weißt ja nicht —“
„Doch, Liebste. Ich weiß alles."
Jolandas Hände finken herab.
„Mein Gott! Mein Gott!" schreit fie verzweifelt auf. „Du wirst dein Recht suchen und meinen Vater dadurch töten — meinen arme» alten Vater, der ohnehin nur noch kurze Zett zu leben hat! O, Salomea, Salomea! Schone meinen Vater! Wenn er nicht mehr unter den Lebenden weilt, mach' mit mir, was du willst! Aber schone meinen Vater!!"
In leidenschaftlicher Erregung, fich überstürzend ringen die Worte fich von Jolandas Lippen.
Ein päar Mal wollte Salomea fie unterbrechen. Vergebens.
Jetzt faßt sie sanft Jolandas flehend emporgehobene Hände.
,Meruhige dich, Liebste! Ich werde nichts gegen deinen Vater unternehmen!"
„Du — du —" stammelt Jolanda fassungslos — „wirklich? ... Du willst nicht — nicht--" ।
„Ich werde nichts gegen deinen Vater unter», nehmen," wiederholt Salomea liebevoll. „Um—, deinetwillen!" * * -
(Fortsetzung folgt.)