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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchbain
SonutagsVeilaaer Alluttriries GonnLaoSblat-. *
Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der ExpHition 2 M» bei allm Postämtem 2,25 SW. <ejcl. Bestellgeld).
JnsertronSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg, Reclamen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Dienstag, 12. Juni 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck Md Verlag- Joh. Slug. Koch, Umversttäts-Buchdruckerei 41. Jllhia.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Neueste Telegramme.
Berlin. 10. Juni. Die „Nationallib. Äon." schreibt: Die Mutmaßung, daß die vereinigten Freisinnigen im Wahlkreise Rinteln-Hofgeismar ihre Taktik von Darmstadt-Groß-Eerau wiederholen werden, das heißt, daß bindende Abmachungen getroffen sind, die im Falle einer Stichwahl zwischen dem Sozialdemokraten und einer von den Freifinnigen rechtsstehenden Partei dem ersteren die Stimmen der Freisinnigen sichern, scheint sich zu bestätigen.
Berlin, 10. Juni. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Gesetze über die Pensionierung der Offiziere des Heeres, der Marine und der Schutz- truppen sowie über die Versorgung der Personen der Unterklassen des Heeres, der Marine und der Schutztruppen vom 31. Mai 1906.
Wien, 10. Juni. Kaiser Franz Josef empfing heute Mittag den Prinzen Heinrich von Preußen in besonderer Audienz.
Wien, 9. Juni. Die „Pol. Äon." meldet aus Petersburg, dort verlaute an unterrichteten Stellen bestimmt, der Rücktritt des Ministeriums Goremykin sei beschlossene Sache. In Regierungs- Ireisen finde die Behauptung keinen Widerspruch vielmehr eher Bestätigung.
Rom, 10. Juni. Der römische Äorrespondent des „Eclair" meldet: in der deutschen Gesandtschaft in Rom glaube man, daß Äaiser Wilhelm die Ausstellung in Mailand im Herbst besuchen werde. Der König werde den Kaiser in Mai- l land empfangen. Gerüchtweise verlautet auch, Äaiser Franz Joseph werde dem Äönig Viktor einen Besuch abstatten. Beim Empfang des Lordmayors von London drückte Äönig Viktor diesem seine Befriedigung über das gute Einver- "v nehmen aus, das zwischen England und Italien ‘ herrsche.
Brüssel, 10. Juni. Das Amtsblatt des Kongo- staates veröffentlicht eine Äonvention mit dem Heiligen Stuhl, wodurch den katholischen Missionsanstalten Ländereien von je 100 Hektar geschenkt werden. Die Missionen sind verpflichtet, darauf Schulen zu gründen, die Eingeborenen Landwirtschaft, Forstbau und Handwerke zu lehren, sowie in französischer und flämischer Sprache zu unterrichten.
Paris, 10. Juni. Rach einer der „Agence Havas" aus Rom zugehenden Meldung sucht die dortige Polizei in den Hotels von Rom nach drei französischen Personen, von denen eine eine Frau ist. Es heißt, sie seien dort eingetroffen, um «einen Anschlag auf das Leben des Papstes am nächsten Sonntag während des Gottesdienstes in 5t. Peter auszuführen.
Washington, 10. Juni. Die Regierung nahm die Einladungen, sich bei den deutschen Äaiser- manövern im September vertreten zu lassen, an Und bestimmte die Brigadegenerale Barry und Duval zur Teilnahme.
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28 (Nachdruck verboten.)
Jolanda und Salomen.
, Roman von Erich Friesen. .f’"
(Fortsetzung.) "
Ein plötzliches Gefühl der Scham überfällt sie, als sie ihre Situation überdenkt.
Was tut sie hier hinter dem Rücken ihres
Paters? Wäre es nicht richtiger, vor allem ihrer würdiger, wenn sie sich die Antwort auf die in ihrem Herzen brennende Frage von seinen eigenen Lippen holte.'
Schon steht sie auf, um den Saal zu verlassen.
; „Bonmartino!" ruft der Beamte in diesem Augenblick, so daß es laut durch den weilen Raum hallt.
> Jolanda kehrt wieder um. Wie mit geheimer Gewalt treibt es sie hin zu dem Pult, dem soeben der Beamte ein dickes Pergamentpapier entnimmt und ihr gegen Abgabe ihres Zettels überreicht.
‘ Jolandas Herzblut stockt. Äaum vermag sie sich zu bewegen vor namenloser Aufregung.
! Mit zitternden Händen ergreift sie das Dokument und setzt sich damit in die entfernteste Ecke.
■ Dann starrt sie darauf nieder — lange — lange--
Warum öffnet sic es nicht? Was läßt sie immer wieder zurückbeben, wenn die kalten Finger sich ansstrecken wollen, um die vergilbten Plätter umzuschlagen?
; Endlich faßt sie Mut.
, Sie öffnet das Dokument und liest — liest--
: Als Jolanda Bonmartino gleich darauf die weite Marmortreppe des Justizpalastes hinabsteigt, tragen ihre Züge den starren Ausdruck tut cs Marmorbildes.
Die Finanzen des Reichs und der deutschen Bundesstaiten.
Das Äaiserliche Statistische Amt veröffentlicht eine Darstellung der Finanzen des Reichs und der deutschen Bundesstaaten. In ihr werden behandelt die Ausgaben, Einnahmen, wichtigere Bestandteile des Staatsvermögens sowie die Schulden. Die Nachweise beziehen sich durchweg für die Voranschläge auf das Jahr 1905, für die Staatsrechnungen auf das Jahr 1903.
Insgesamt betragen nach den Voranschlägen der Bundesstaaten von 1905 die Staatsausgaben: 4434 Millionen Mark (darunter 142 Millionen Mark außerordentliche), für Reich und Bundesstaaten 6800 Millionen Mark (darunter 408 Mill. Mark außerordentliche).
Die Staatseinnahmen belaufen sich bei den Bundesstaaten auf 4419 Millionen Mark, bei Reich und Bundesstaaten auf 6785 Millionen Mark; davon sind außerordentliche Einnahmen (aus vorhandenen Beständen, Anleihen und sonstigen Staatsfonds) 137 bezw. 402 Millionen Mark.
Unter den ordentlichen Ausgaben und Einnahmen der Bundesstaaten stehen die Erwerbseinkünfte mit 2062 Millionen Mark Ausgaben und 2915 Millionen Mark Einnahmen an erster Stelle. Der Hauptanteil hiervon entfällt auf die Staatseisenbahnen mit 1472 bezw. 2116 Millionen Mark in Ausgabe und Einnahme. Der Rest verteilt sich auf Domänen, Forsten, Bergwerke, Post, Telegraph, Staatsdampfschifffahrt und sonstige Betriebe.
Die nüchstwichtigste Einnahmequelle bilden die Steuern. An direkten Steuern erheben die Bundesstaaten 471 Millionen Mark, an Aufwand- und Verkehrssteuern 177 Millionen Mark. Das Reich nimmt an indirekten Steuern 496 Millionen Mark, außerdem an Zöllen 588 Millionen Mark ein.
Zahlenmäßige Nachweise über das Staatsvermögen der einzelnen Bundesstaaten konnten nur in Beschränkung auf wichtige Bestandteile erbracht werden. Neben Ueberschüssen früherer Rechnungsjahre, verfügbarem Staatskapitalvermögen usw. besitzen die Bundesstaaten an Domänen ein Areal von 707 885 ha, an Forsten 4 951585 ha. Die Staatseisenbahnen haben ein Länge von 49 459 km und ein Anlagekapital von 12 963 Millionen Mark.
Die fundierten Staatsschulden beziffern sich zu Beginn des Rechnungsjahres 1905 für die Bundesstaaten auf 12181, für das Reich auf 3024 Millionen Mark, die schwebenden Schulden betrugen insgesamt 244 Millionen Mark; sie entfallen in der Hauptsache auf das Reich (180 Millionen Mark) und Hamburg (49 Millionen Mark).
Sie blickt nicht links, nicht rechts. Sie hört nichts, sie fühlt nichts.
Alle ihre Sinne sind gelähmt.
Die letzten Minuten haben ihr die Jugend geraubt, haben das harmlose, vertrauende Mädchen zum schmerzerfüllten Weibe gereift.
O tote Jugend! Gestorbene Ideale! O Welt voll Äummer und Tränen?!
XIII.
Jolanda hatte sich in ihr Zimmer eingeschlossen.
Die erste Betäubung, die nach der Einsicht in das Testament all ihre Sinne eingeschläfert hatte, ist geschwunden.
Sie kann wieder klar denken, begreifen.
Schon einigemal hatte ihre Zofe Assunta geklopft, um bald wieder, da keine Antwort erfolgte, sich zu entfernen.
Jolanda liegt lang auf der Ottomane ausgestreckt und grübelt. ...
Wie irre gleitet ihr Blick durch das kosige Zimmer, über all die Gegenstände, die ihr sonst wert und teuer waren.
Hier hat sie als Äind gespielt, als Backfisch herumgetollt, als Jungfrau den ersten unschuldigen Liebestraum geträumt, als Braut mit Sehnsucht und geheimem Bangen an den Geliebten gedacht ....
Und nun? . ..
Ist das noch dasselbe Zimmer? Sind das dieselben Gegenstände ringsum? Ist sie selbst noch dasselbe Wesen, das jetzt dort bleich, mit tief umschatteten Augen, auf der Ottomane liegt und denkt — denkt--
Ach, mit unheimlicher Klarheit übersieht Jolanda den furchtbaren Schicksalsschlag, der, gleich einem jäh aufzuckenden Blitz aus heiterem Himmel, ihr sonnenvolles Leben plötzlich zu zerstören droht.
Ihr Vater, ihr inniggeliebter, hochverehrter Vater ein — Verbrecher! Die ganzen Jahre daher hat er nicht nur sie, sein einziges Kind,
Deutsches Reich.
Berlin, 11. Juni.
— Seine Majestät der Kaiser begab sich vorgestern Samstag morgens 5y2 Uhr im Automobil vom Neuen Palais nach dem Truppenübungsplatz Döberitz. Der Kaiser besichtigte das 1. und 3. Earde-Ulanenregiment. An die Besichtigung schloß sich eine Gefechtsübung, zu welcher ein Bataillon des 3. Earderegiments zu Fuß sowie Artillerie und Maschinengewehre hinzugezogen waren. Zum Schluß nahm der Kaiser den Parademarsch über die beiden Ulanenregimenter und die anderen bei der Uebung verwendeten Truppen ab. Um 10 Uhr begab er sich im Automobil nach dem Neuen Palais zurück. Abends nahm der Kaiser an einem Essen in der Offizierspeiseanstalt des 1. Earde-Ulanen- regiments teil.
— Die „Berliner Korrespondenz" bemerkt zu dent veröffentlichten Osfizierspenfionsgesetze, daß mit der Umrechnung der Pension der von dem Gesetze betroffenen, vor dem Inkrafttreten desselben ausgeschiedenen Offiziere in der Penfions- abteilung des Kriegsministeriums bereits begönne worden ist und daß es eines Antrages der betreffenden Offiziere nicht bedarf. Die „Berliner Korrespondenz" veröffentlicht ferner die vom Kriegsministerium für die Durchführung des neuen Mannschaftsversorgungsgesetzes erlassenen neuen Bestimmungen, sowie eine Bekanntmachung über die Versorgung von Personen der Unterklassen des Reichsheeres, der Marine und der Schutztruppen nach dem Gesetz vom 31. Mai 1906.
— Der Verband der evangelischen Arbeitervereine Deutschlands hält in Freiburg unter dem Vorsitz des Lizentiaten Weber seine Delegiertenversammlung. An den Kaiser, den Grotz- herzog, den Reichskanzler und den Grafen Posa- dowsky wurden Begrüßungstelegramme abgesandt. Das Letztgenannte lautet: „Ew. Exzellenz werden wir stets in Dankbarkeit Treu halten, erhoffen aber baldige Vorlage der vom Frankfurter Arbeiterkongreß geforderten und ersehnten Gesetzentwürfe." Der Eesamtverband der evangelischen Arbeitervereine umfaßt nach dem Berichte des Schriftführers 469 Vereine mit 88 679 Mitgliedern und zerfällt in folgende Landes- bezw. Provinzial-Verbände: Rheinisch- Westfälischer Verband 144 Vereine mit 33 000 Mitgliedern, Königreich Sachsen 58 Vereine mit 14 800 Mitgliedern, Pfälzischer Verband 50 Vereine mit 8000 Mitgliedern, Saar-Perband 30 Vereine mit 5800 Mitgliedern, Schlesischer Verband 15 Vereine mit 4437 Mitgliedern, Mitteldeutscher Verband 23 Vereine mit 4123 Mitgliedern, Badischer Verband 30 Vereine mit 3970 Mitgliedern, Ostpreußischer Verband 25 Vereine mit 3538 Mitgliedern, Mittelrheinischer Verband 22 Vereine mit 3228 Mitgliedern, Kurhessischer Verband 13 Vereine mit 1696 Mitgliedern, Nordelbischer Verband 7 Vereine mit 1489 Mitgliedern, Brandenburgischer Verband 18 Vereine mit 1685 Mitgliedern, Minden- Ravensberger Verband 12 Vereine mit 1380
getäuscht — nein, er hat auch die rechtmäßige Erbin und deren Tochter dem Elend ausgeliefert und sich so eines zweifachen Verbrechens schuldig gemacht!
Daß ihr eigenes Lebensglück gefährdet ist — daran denkt Jolanda in dieser Stunde der Prüfung kaum. Es erscheint ihr so selbstverständlich, daß die Hochzeit nicht stattfindet. Wie könnte sie, die Tochter eines Verbrechers, wagen, ihren Namen mit dem eines geachteten Mannes zu verknüpfen!...
Eine Welle von Zorn und Empörung steigt in ihr auf — mit solcher Gewalt, daß sie alle sanfteren Regungen momentan erstickt.
Ihr Vater — ein Verbrecher!?
Dann vergegenwärtigte sie sich die gebeugte, vornehme Greisengestalt, das Zittern der welken Hände, den todestraurigen Blick der guten Augen — und Mitleiden, zartes liebevolles Mitleiden klopft an die verschlossene Tür ihres Herzens....
Ünd dieses Mitleiden verwandelt sich rasch wieder in die frühere innige Kindesliebe.
Ja! Was er auch getan hat in seinem Leben, wie seine Zukunft sich auch gestalten mag; ob er hineingestoßen wird in den Gerichtssaal, wo man sein Verbrechen breit tritt und es zergliedert nach allen Seiten hin; ob er feine Schuld mit Verurteilung büßen muß und sein Name herabgezerrt wird in den Kot — ganz gleich!
Dieser silberhaarige, gebrochene Mann — er ist ihr Vater! Ihr Vater, der nur Sonenschein über ihr junges Leben gebreitet hat! Und sie ist sein einziges Kind!
Ja, sie gehört zu ihm — das Kind zum Vater — fest, unlöslich, was auch kommen mag! Sie wird ihm die Schmach tragen helfen, ihm feine letzten, bittern Lebenstage versüßen.
Die letzten Lebenstage!!
Alles Blut strömt Jolanda zum Herzen. Wie eine Binde fällt es ihr plötzlich von den Augen.
Armer, armer Vater!
Mitgliedern, Posener Verband 8 Vereine ait 1082 Mitgliedern, Pmmerscher Verband 2 Vereine mit 327 Mitgliedern. Nach dem Kassenbericht schloß das Jahr 1905 in Einnahmen und Ausgaben mit 8948 M 14 4 ab. Es wurde eine Erhöhung der Beiträge angeregt. In der Frage der Arbeitsvertretung entschied sich der Kongreß für Arbeits- und gegen Arbeiterkammern.
— Heber die sozialdemokratische Agitation auf dem Lande macht im letzten Heft (5.) der Zeitschrift für Sozialwissenschaft ein evangelischer Geistlicher (Pastor H. Köhler-Niederlöß- nitz) bemerkenswerte Mitteilungen. Nach seinen Beobachtungen kommen seit dem Jenaer Partei- tag, der durch § 4 des neuen Organisationsstatuts jedem Parteigenossen den Anschluß an einen sozialdemokratischen Verein zur Pflicht macht, dieser Verpflichtung die Genossen auf dem Lande immer mehr nach. Wo ein selbständiger Verein noch nicht besteht, wird Anschluß an einen benachbarten Kreisverein gesucht. Die Vereinsbeiträge sind nicht bedeutend, monatlich 20 JJ, wofür noch ein kleines Sterbegeld garantiert wird. In den Vereinen, deren Aufblühen neuerdings auch in Posen und Westpreußen gemeldet wird, spielt die Belehrung eine große Rolle, ferner die unentgeltliche Auskunftserteilung der sozialdemokratischen Arbeitersekretariate über alles, was die Arbeiterschutz- und Versicherungsgesetze betrifft, sowie über Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis.
Deutsche Kolonien.
Ostafrika. Aus Dar es Salam wird dem „L.-A." telegraphiert: Nach Meldung der Militärstation Mahenge haben sich der Sultan Kin- game aus Kiberge und der Jumbe Schindano von Ruipa, beides Rebellenführer, der Station freiwillig gestellt. Die noch fehlenden Jumben aus der Ulanga-Ebene sollen sich gleichfalls auf dem Wege nach Mahenge befinden, um ihre Unterwerfung anzuzeigen. Die Post von Mahenge wird von jetzt ab über Jfakarra-Kissaki nach Dar es Salam geleitet. Das Bezirksamt Lindi meldet, daß Wangoni-Rebellen unter Masese in der Nähe von Rudjenda im portugiesischen Eebie* fitzen sollen, nachdem fie den Rovuma offenba- direkt vom Shongea-Gebiet überschritten haben.
Ausland.
Italien. „Eiornale d'Jtalia" schreibt: Die Erklärungen des Vertrauens, der Freundschaft und der Bundesgenossenschaft, die am 6. Juni zwischen Wien und Rom ausgetauscht worden sind, können von uns nur mit größter Genugtuung ausgenommen werden. Wir und unsere Freunde haben den Dreibund immer als ein großes Friedenszeichen angesehen, und wir glauben auch heute, daß diese große Macht Europas nicht geschwächt werden kann, ohne die Ruhe Europas großen Gefahren auszusetzen. Das Blatt führt weiter aus, daß es das Verdienst des - ; —rrra
O, daß sie es nicht schon längst bemerkt hat, welch todwundes Herz die gebrechliche Hülle birgt — ein Herz, müde gehetzt von Reue und Eewissenqualen! Dieser gebrochene Ereisenkör- per, mit einem Fuß bereits am Rande des Grabes stehend! ... •
Leises Klopfen schreckt Jolanda auf.
„Der Herr Marchese lassen bitten, die gnädig« Marchesina möge herunterkommen," melde« Assunta hinter der verschlossenen Tür. „Der Herr Staatsanwalt ist da."
Jolanda zuckt zusammen.
Vittorio? Er, der Geliebte? Ihr Bräutigam? Der Mann, dem sie sich morgen vor dem Altar wollte zu eigen geben — „bis daß der Tod euch scheidet"! . . .
Die ganze Liebe, die ihr unberührtes Herz für den Bräutigam empfunden, die momentan nur zurückgedrängt war durch das alle Sinne lähmende Gefühl des Entsetzens — sie flammt ( wieder mit elementarer Gewalt empor.
„Nein, ich kann ihn nicht lassen!" schreit ihr gequältes Herz auf. „Ich kann nicht!?" *
Und wieder schiebt sich ein anderes Bild vor ihr geistiges Auge: ein müder, gebrechlicher Greis, mit dem Brandmal der Schande in den eingefallenen Zügen....
„Gnädige Marchesina?" ruft draußen Assunta von neuem, nur dringlicher. „Was soll ich de« Herrn Marchese melden?" „
Hastig fährt Jolanda sich über die Augen. Dann richtet sie sich mit einem Ruck auf und geh- zur Tür, die sie rasch öffnet.
„Sage meinem Vater, rch komme sogleich!" gebietet sie der harrenden Dienerin, welche ihrq bleiche Herrin wie eine Vision anstarrt.
Großer Gott, welche Augen! Welch Gesichts« ausdruck! . . . Und morgen ist Hochzeit!! v
(Fortsetzung folgt.)' '