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Erstes Blatt
Auf ihrem Antlitz erstrahlt
Jolandas Brust.
Es ist, als ob
wieder hellstes Sonnenlächeln.
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sperren gesammelten, noch in bedeutend stärkerem Maste als bisher für esektrotechnische Zwecke ausgenützt werden könnten. Das würde nicht nur den großen Fabriketablissements, sondern auch namentlich den Kleingewerbetreibenden Vorteile bieten, die heute schon Elektromotoren immer mehr anwenden und dadurch ihre Konkurrenzfähigkeit sichern. Im Verkehrswesen fände die Elektrizität gesteigerte Verwendung bei der Schiffahrt (Treidelverkehr, Hebemaschinen, Fernmeldeapparate usw.), bei dem Betrieb von Stadt- und Vorortbahnen, von gleislosen Bahnen und endlich auch bei dem kräftig sich entwickelnden Automobilwesen. Die Landwirtschaft hätte es verstanden, die Elektrizität immer mehr in ihren Dienst zu stellen, sei es zu Traktionszwecken, sei es zum Antrieb aller möglichen landwirtschaftlichen Maschinen. Hierdurch würde der Ausbau der Ueberlands- zentralen sehr gefördert; namentlich sei es gelungen, die Stärke des übertragenen Stromes um ein beträchtliches zu erhöhen.
gende Verwendung maschineller Kräfte eine Herabsetzung der Arbeitsdauer weit leichter durchführbar sein könnte als in anderen Industrieländern, in denen die Benutzung von Arbeitsmaschinen einen so großen Umfang noch nicht angenommen hat. Für die ablehnende Haltung der 349 Betriebe ist, wie der Kommissionsbericht angibt, in erster Linie die Rücksicht aus die Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmärkte bestimmend gewesen.
sollen die Parteigenosien ausgefordert werden, bei anderen Gelegenheiten, fröhlichen Festen, Ausflügen, beim Kartenspiel u. a. m. ihrer Partei ein kleines Opfer zu bringen. Es wird hierbei soviel für alle möglichen anderen Sachen gegeben, daß es wohl nur dieser Anregung bedarf, um auch für einen politischen Zweck einige Groschen flüssig zu machen."
Diese Anregung scheint uns recht beachtenswert zu sein. Es ist so etwas wie eine parteipolitische Sparkaffe, welche von den Parteimitgliedern im Lande geschaffen werden soll, eine Kaffe, in die man bei ruhigen „guten" Zeiten steuert, und die in den Wahlzeiten den notleidenden Wahlkreisen auszuhelfen vermag. Man wird möglicherweise anfänglich über die Art der „milden Beiträge" für einen Parteifonds spotten; aber wie bei den Nationalliberalen, so denkt man auch in anderen Parteien auf der Linken und im Zentrum sehr ernst darüber; denn es fließen auf diese Weise ganz erstaunliche Summen zusammen. Dabei hat diese Art, die Opferwilligkeit für die Partei unablässig rege zu halten, nicht nur die Wirkung, deren Finanzen zu verbeffern, sondern dadurch wird auch im allgemeinen das Interesse für die Partei und ihre Ziele geweckt und immer frisch erhalten. Die „Kölnische Zeitung" hat also ganz recht, wenn sie bemerkt, daß solche bei allen möglichen Gelegenheiten veranstalteten Sammlungen zu Parteizwecken außerordentlich erziehlich wirken.
Selbstverständlich darf eine Sammlung nur vorgenommen werden, wenn lauter Parteigenossen oder Freunde der Partei zusammen sind. Da aber lenkt sie die Gedanken von selbst auf die Parteiinteresten und gewöhnt die Parteianhänger unmerklich daran, nicht nur bei außergewöhnlichen Anlässen einmal von ihrer Partei zu sprechen und ihr Interesse für sie zu betätigen. Wir geben demnach den nationalliberalen Vorschlag hiermit weiter und empfehlen allen Konservativen im Lande, ihn in Erwägung zu ziehen und möglichst in weiten Kreisen zu verwirklichen.
Der Achtstunden-Rrbeitstag.
Einen bemerkenserten Beitrag zur Frage des Achtstunden-Arbeitstages und der Herabsetzung der Arbeitszeit, die kürzlich in der „Oberheff. Ztg." ausführlich behandelt worden ist, liefert eine vom amerikanischen Repräsentantenhaus veranlaßte (Enquete über die Wirkungen der Arbeitsdauer-Deschränkung in den Vereinigten Staaten. Aufgrund eines im Jahre 1904 angenommenen Gesetzes kann in den Lieferungskontrakten, die die amerikanische Regierung mit Unternehmern abfchließt, die Bestimmung Platz finden, daß die Arbeitszeit 8 Stunden beträgt. Die Erhebungen der parlamentarischen Kommission, die festhalten sollte, in welchem Umfange von dieser Bestimmung Gebrauch gemacht ist, hat nun ergeben, daß von 396 Firmen bezw. Fabriken, die 83 verschiedenen Industriezweigen angehören, nur 47 zu dem achtstündigen Arbeitstag bezw. zu einer wöchentlichen Arbeitsdauer von 48 Stunden Lbergegangen find. Nach den Angaben der Unternehmer und Betriebsleiter ist die Herabminderung der Arbeitsdauer um 1 Stunde ohne merkbaren Einfluß auf die Arbeitsleistung, Preisbildung usw. geblieben. Dagegen berichten die von den 47 Gesellschaften eingegangenen Antworten sämtlich von einer Steigerung derHerstellungskosten und zwar wird die infolge der Annahme des Achtstunden-Arbeitstages eingetretene Verteuerung der Waren durchschnittlich auf 13 v. H. gegenüber den bisherigen Preisen angegeben. Wichtiger aber als die Tatsache einer Preiserhöhung ist für die Beurteilung der von der internationalen Sozialdemokratie erhobenen Forderung auf Einführung des Achtstunden-Arbeitstages der Umstand, daß nur eine verhältnismäßig geringe Zahl von industriellen Unternehmungen die Arbeitsdauer auf 8 Stunden herabgesetzt hat. Dies muß um so bemerkenswerter erscheinen, als in den Vereinigten Staaten durch die unausgesetzt stei-
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ein frischer Luftzug alle Wolken plötzlich von dannen gefegt habe.
„Leben Sie wohl, liebe Ealomea. Sie haben mir meine Ruhe wiedergegeben."
Noch ein herzlicher Händedruck, ein —
„Hol's der Kuckuck, Salomea! Wo steckst du?"
Die Tür wird aufgerissen. Paolo Rogo stürmt herein.
Sein Gesicht ist dunkelrot. - Wütend fuchtelt er mit den Armen in der Luft herum. Sein Atem geht keuchend und rasch vom hastigen Laufen.
„Da schlag doch gleich das Donnerwetter drein! Ich hab's ja immer gesagt — diese Schufte, diese Hallunren —“
Salomea will Jolanda zur Tür hinaus- schieben.
Doch der breite Rücken des Südafrikaners steht im Wege.
Einen Augenblick stehen die beiden einander gegenüber: das liebliche, glückstrahlende Mädchen und der zornrote, polternde Mann.
Paolo Roffo scheint nichts zu sehen und nichts zu hören, so groß ist seine Aufregung. Ohne von Jolanda auch nur im geringsten Notiz zu nehmen, schreit er:
„Weißt du, was deine sauberen Brüder sind, Salomea? Schufte, Verbrecher, die ins Zuchthaus gehören? Dieser Marchese Bonmartino—"
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Deutsche Kolonien.
Siidwestafrika. Sehr belehrend für die Reichstagsparteien, welche die Entschädigung der Farmer und damit den Wiederaufbau in Südwest abgelehnt oder wenigstens wieder hinausgeschoben haben, ist — oder könnte es doch sei» — eine Zuschrift aus Windhuk von Ende April, die wir in der „Köln. Ztg." finden. In ihr wird ausgeführt: Da infolge des Aufstandes 1901 fast die ganzen Viehbestände der Weißen im Werte von 8 Mill. Mark in die Hände der Eingeborenen gefallen oder umgekommen sind, werden gegenwärtig ungeheure Preise für Tiere bezahlt. Vor dem Aufstande kostete ein gutes Reitpferd durchschnittlich 500 -4l; für Zuchthengste und besonders gute Stuten wurde ab und zu ein etwas höherer Preis bezahlt, jedoch erregte es z. B. Aufsehen, als bei der ersten landwirtschaftlichen Ausstellung in Windhuk 1899 der Rehobother Bastardmagistrat Dirk van Wyk 1000 für einen Hengst löste. Heute sind mittelmäßige afrikanische Reitpferde unter 1000 überhaupt nicht mehr zu haben. Allerdings geht ja auch nichts über das kurzrückige, kurzbeinige, durstgewohnte, zähe „eingeborene" Pferd mit seinen stahlharten Hufen und Sehnen. Außer in der Kapkolonie ist dieses Pferd nur noch im Rehobother Bezirk, d. h. im Vastard- laitde, gegenwärtig erhältlich und hier auch nur noch ab und zu, da dieser einzige vom Aufstand kaum in Mitleidenschaft gezogene Landstrich — die Rehobother Bastards sind der einzige größere Stamm, der es von Beginn der deutschen Herrschaft an stets mit uns gehalten hat — durch Requisitionen und durch Händler ziemlich leergekauft ist. Jedenfalls haben die Rehobother Bastards neben den Gastwirten hierzulande am meisten Vorteile durch den Krieg gehabt, obwohl den älteren Bastards, gleich den blutverwandten Buren, ihre Viehherden auf der Weide lieber sind, als „die Pfnndstiicke im Kasten." Eine Milchkuh kostete vor dem Aufstande 160 bis 200 dl, jetzt ist eine solche unter 350 J*. überhaupt nicht zu kaufen. Kleinvieh (Ziegen, Woll- und Fettschwanzschafe), von dem starke 50 Pfundtiere früher für 16 zu haben waren, kostet jetzt das Stück 30 bis 40 Die Truppe verkauft, und verrechnet das Kilogramm Fleisch gegenwärtig mit 1,80 M (vor dem Aufstande mit 70 4 und vor der Rinderpest 1897 mit 20 bis 25 !). Das
Dutzend Eier kästet 5 bis 6 M, die Milch 50 -3 das Liter und das Pfund Schweinefleisch, das
Umjckau.
Elektrotechnik und Volkswirtschaft.
Der Jahresbericht des „Vereins zur Wahrung gemeinsamer Wirtschaftsintereffen der deutschen Elektrotechnik" konstatiert, daß das Berichtsjahr (1905) der genannten Industrie eine bisher nicht gekannte Beschäftigung gebracht hat, die sogar diejenige in der Zeit der Ho^ konjunktur des Jahres 1900 übertraf. Dabei wird noch die Möglichkeit einer Steigerung der Ausnutzung vorhandener Wasserkräfte erörtert. Mit Rücksicht auf die bevorstehende Beratung über die Wasserkräfte des Rheins ist gerade für uns von besonderem aktuellen Interesse, was der Bericht hierüber sagt. Es weisen verschiedene Umstände darauf hin, daß unsere Wasserkräfte, sowohl die natürlichen als auch die durch Tal-
„Sie sind ein nichtswürdiger Verleumder! Mein Bräutigam wird Rechenschaft von Ihnen fordern für die Verdächtigungen meines Vaters!"
Wieder lacht der Mann höhnisch auf.
„Ihr Bräutigam?... Der Herr — Staatsanwalt? ... Hahaha, dem wird die Sache wohl schon bekannt sein. Es schlägt ja in sein Metier!"
„Onkel Paolo!" bittet Salomea, sich zum ersten Mal in die erregte Unterhaltung mischend. „Laß doch das! Ich weiß gar nicht, warum du so aufgeregt bist!"
„Die hoheitsoolle Miene der Dame da —" er deutet auf Jolanda, die sich mit stolz erhobenem Kopf entfernen will —, „die ärgert mich. Wenn sie nicht glaubt, was ich eben sagte, mag sie auf dem Gerichte das Testament ihres Großvaters nachsehen. Da werden ihr die Augen aufgehen über ihren — lieben, edlen Vater!"
Als habe sie einen Schlag erhalten, taumelt Jolattda zurück.
Während Salomea liebevoll um die Halbohnmächtige bemüht ist, zieht Paolo sich etwas beschämt ins Wohnzimmer zurück.
Sein furchtbarer Zorn ist verraucht beim Anblick des totenbleichen Gesichtes, in dem sich unbeschreibliche Angst und Qual ausprägen.
Rach wenigen Minuten schon sitzt Jolanda wieder unten in ihrem Wagen. Doch nicht den Weg nach Hause nimmt er, sondern direkt nach dem Justizpalast.
Jolandas starke, gesunde Natur hat den Sieg davon getragen über den ersten furchtbaren Schlag, der sie einer Ohnmacht nahe brachte. Bereits beginnt wieder die Hoffnung sich zu regen, daß die grausamen Worte, welche sie soeben vernommen, nicht wahr sind. Wer war der Mann dort oben bei Salomea? Welches Recht hatte er, derart aufzutreten? Und was für Anspielungen machte er betreffs des Testaments? ...
Gewißheit will sie haben — Gewißheit! Und das sofort!
Sie befiehlt also dem Kutscher, nach dem Justijpalusi zu fahren. Und schon nach kurzer
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdrucker« 41.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonntag. 10. Juni 1906
27 (Nachdruck verboten.)
Jolanda und Salomea.
Roman von Erich Friesen.
(Fortsehung.)
„ Ja oder — nein?" bittet Jolanda nochmals dringender.
„Nein, nein!“ erwidert Salomea hastig.
Ihre Augen sind starr auf die Tür geheftet.
„Gott sei Dank!"
Ein tiefer Seufzer der Erleichterung hebt
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Zeit steigt sie die breite Marmortreppe zu der ihr vom Portier bezeichneten Abteilung hinauf.
Die Sache geht nicht so leicht, wie sie sich gedacht. Treppauf, treppab muß sie . . . von Zimmer zu Zimmer . . . ihren Namen zu Protokoll geben und den Zweck ihres Kommens., bis sie schließlich den richtigen Beamten erwischt.
„Welches Testament wünschen'Sie zu sehen. Signorina?"
„Das Testament meines Großvaters, des Marchese Roberto Bonmartino."
„Wann starb et?"
„Vor vierzig Jahren."
„In welchem Monat?"
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Der Beamte tritt an einen mächtigen Akten^ schrank, in dem zahllose dicke Folianten aufgespeichert liegen.
Nach einigem Suchen findet er das Buch mit dem richtigen Datum und dem Buchstaben B. Er blättert darin herum und schreibt dann eine Zahl nebst dem Namen des Marchese Roberto Bonmartino auf ein Blatt Papier.
„So, Signorina. Mit diesem Zettel gehen Sie nach dem Saal Nr. 36. Dort liegen die Testamente."
Aeußerlich vollkommen ruhig, innerlich jedoch voll bebender Aufregung, so daß fast ihre Knie schwanken, geht Jolanda nach dem Saal Nr. 36. M J
Ein langer Tisch sieht in der Mitte. Rund herum Stühle, An den Wänden Regale mit Dokumenten. „ ,
Ein Beamter geht ab und zu, sucht hier et» Dokument heraus und überreicht es einem Wartenden, nimmt dort ein solches wieder in Empfang und verleibt es aufs neue den Regale» ein.
Jolanda zieht den blauen Gazeschleier fester über das Gesicht und fetzt sich in eine Ecke, wartend, bis die Reihe an sie kommt. ..,
_ ai 5-^-11 (Fortsetzung folgt.)
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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbtilaa-r Muttrirtes
Parteifinanzen.
Für die bürgerlichen Parteien ist die Finanz- l frage immer ein heikles und keineswegs erfreuliches Thema. So oft auch auf die außerordentlich gefüllten Kaffen der Sozialdemokratie und auf die große Rolle, welche deren starke finanzielle Rüstung bei den Wahlen spielt, hinge- m leien worden, so wenig hat das bisher Einfluß ' gehabt. Neuerdings machen einzelne Parteien ■ besondere Anstrengungen, ihre Finanzen kräftig aufzubeffern. So wird vom Zentrum berichtet, daß jeder seiner Reichstagsabgeordneten dazu angehalten werden soll, von den neu eingeführ- I teil „Aufwands-Entschädigungs-Geldern" jahr- ! lich je 100 Mark an die Parteikaffe abzuliefern, f Das würde mit einem Schlage eine vermehrte ■ Jahreseinnahme von 10 000 Mark für die Zen- ; trumswahlkaffe einbringen.
Außerdem wird in den linksstehenden Par- l teicn schon jetzt rege auf die Schaffung eines starken Reichstagswahlfonds hingewirkt. Selbst- : verständlich sind es in erster Linie die wohl- i habenden Parteimitglieder, an deren möglichst i reiche Opferwilligkeit — natürlich mit Erfolg — r appelliert wird. Außerdem aber werden noch | andere Wege eingeschlagen, um dem Wahlfonds 7 Geldmittel zuzuführen. So hat kürzlich der Vor- 7 stand des Nationalliberalen Vereins zu Köln be- - schlossen, einen Plan zu verwirklichen, der in ; der letzten Versammlung des Zentralvorstandes s der Partei angeregt worden war. Die „Kölnische - Zeitung" schreibt hierzu:
„Das bekannte Wort Montecuculis, daß zum Kriege dreierlei nötig ist, erstens Geld, zweitens : Geld und drittens Geld, ist fast in jeder der- - artigen Versammlung wiederholt worden, hat F aber leider nie das nötige Gehör gefunden. Dagegen ist die Opferwilligkeit bekanntlich bei den anderen Parteien, vor allem bei den Sozialdemokraten, überaus groß; . es fließen hier staunenswerte Summen in die Parteikaffe, die die vorzüglichste Agitation ermöglichen. Gerade : die Art der sozialdemokratischen Sammlungen : hat nun den Plan angeregt, in ähnlicher Weise । für die Wahlen 1908 eine Reichstagswahlkasse 7 für das ganze Deutsche Reich zu schaffen, aus der | von der Parteileitung in Berlin aus die nötigen I Agitationsgelder dann wieder in die Wahlkreise L gegeben werden können. In allen nationallibe- ; raten Partei- und Vereinsversammlungen soll 7 beim Anfang der Sitzung bekannt gemacht werden, daß am Schlüsse eine Versammlung veranstaltet werde, bei der jeder nach Belieben unbeaufsichtigt sein Scherflein zu dem Parteifonds 7 beisteuern kann. Mag das im einzelnen Fall nur wenig sein, aus dem Wenigen ergibt sich, wenn allgemein gesammelt wird, wie es das Beispiel anderer Parteien zeigt, schon in kurzer Zeit eine sehr bedeutende Summe. Außerdem
Ein leiser Aufschrei. Geisterbleich, aber mit blitzenden Augen tritt Jolanda auf den wütenden Mann zu.
„Sagen Sie die letzten Worte noch einmal!" sagt sie mit unnatürlich ruhiger Stimme. „Ich bin die Tochter des Marchese Umberto Bonmartino. Wiederholen Sie Ihre Anklagen mir ins Gesicht! Äug' in Auge!"
„Ah!" höhnt Paolo, indem sich sein Gesicht noch um eine Nuance dunkler färbt. „Sie kommen mir gerade recht. Sagen Sie Ihrem Vater, mit seiner Ehrenhaftigkeit, seiner Vornehmheit, seinem fleckenlosen Namen und wie die schönen Worte alle heißen, ist es vorbei! Ich, Paolo Rollo bin da, um seine schmutzigen Machinatio- nt aufzudecken und die Welt wiffen zu lasten, mit wessen Geld das — hochachtbare Bankhaus „Gebrüder Bonmartino" so groß und weltberühmt geworden ist! Ich — Paolo Roffo!"
Jolanda ist wie betäubt. Mit weitaufge- riffenen Augen starrt sie den schrecklichen Menschen an, der mit brutaler Rücksichtslosigkeit und flammendem Zorn seine furchtbaren Beschuldigungen hervorschmeltert.
Vergebens hat Salomea versucht, den Redestrom zu unterbrechen. Paolo beachtet weder ihre bittenden Gesten, noch ihre halblauten Worte.
Die beiden Kinder, die zuerst mit erschrockenen Augen den Anfang der Szene beobachteten und dann mit kindlich scharfem Instinkt ahnen, daß der geliebten „Eousine" Gefahr droht, eilen wie aus Verabredung auf Jolanda zu.
„Du darfst ihr nichts tun! Ich leid es nicht!" ruft Rinaldo, sich mit ausgebreiteten Armen vor sie hinstellend, während seine schwarzen Augen den zornigen Onkel kampfesmutig anblitzen.
„Sie ist unsere .Cousine'!., fügt Angelina schüchtern hinzu. „Eie hat uns schöne Sachen gebracht und Rinaldo das Leben gerettet!"
Mit vor Erregung bebenden Händen streichelt Jolanda die beiden Lockenkövschen.
Dann wendet sie sich zu Paolo.
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