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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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Marburg

Mittwoch, 6. Juni 1906.

Erscheint wöchentlich sieben «al.

Dmck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UnwersttätS-Buchbruckerei 41. ffabftL Atarburg, Markt 21. Telephon 55.

Reue»u Telegramme.

Berlin, 3. Juni. Per Staatssekretär Graf 8. Posadowsky soll, wie verlautet, noch im Laufe dieses Sommers seinen Posten mit dem eines Oberpräsidenten einer preußischen Pro- vinz vertauschen. Als sein Nachfolger wird der preußische Minister des Innern, v. Bethmann- Hollweg, bezeichnet. Von verschiedenen Seiten wird die Meldung angezweifelt.

Kiel, 5. Juni. Der gesamte von der kaiser- s lichen Marine zu vergebende Auftrag auf die neuen großen Hochsee-Torpedoboote 12 Stück j tn der Zahl ist der Firma Schichau in El­bing freihändig übertragen worden. Die Boote erhalten eine Deplacement von ca. 350 Tonnen und werden eine Geschwindigkeit von 30 Kno- ; ten mit schwerer Belastung dauernd leisten. Turbinen-Antrieb kam, wie mitgeteilt wird, bei diesen neuen Boten nicht in Frage.

München, 1. Juni. Der bisherige lediglich beratende Oberschulrat soll in eine Ministerial- abteilung umgewandelt werden mit dem Abg. . Orterer und dem Nealgymnasiumsdirektor l Dietsch als Ministerialdirektoren.

I ReichenSerg i. B., 3. Juni. Anläßlich der tX Jahree" - nptversammlung des Deutschen Schulverein-, ist die Stadt festlich beflaggt. Bis heute waren über 1000 Vertreter aus ganz | Oesterreich und Deutschland eingetroffen. Der Begrüßungsabend in der deutsch-böhmischen ; Ausstellung nahm einen erhebenden Verlauf.

Nom, 3. Juni. Die Polizei in Ancona hatte feit Wochen die Aufsicht über die Anarchisten verdoppelt, weil der König am 24. Juni dorthin kommen wollte zur Grundsteinlegung des Hospi- \ tals. Gestern morgen verhaftete sie den Bar­bier Gabbianelli und fand bei ihm drei apfel- sincnförmige Bomben, sowie viel Material zur s Anfertigung anderer. Infolgedessen wurden | auch zwölf andere Anarchisten verhaftet.

Tiflis, 1. Juni. An der russisch-türkischen Grenze fand heute bei der Ortschaft Daguir ein Kampf Zwischen russischen Erenzwächiern und ; türkischen Soldaten statt, die einigen ihrer l Landsleute Schutz gewährten, die auf rusiischem ^Gebiet Holz gefällt hatten. Bei dem Wechseln Won Schüssen fiel ein russischer Erenzwächter.

Newyork, 2. Juni. Wie aus Naco in Ari­zona gemeldet wird, find die Bergarbeiter der 'Greens Consolidated Copper Mines in Cananea in Mexiko wegen Lohnstreitigkeiten in den Aus­stand getreten. Nach einem Kampfe bemächtig- tcn sich die Bergleute der Mine, wobei eine An- lzahl Personen verwundet, über 50, zumeist Mexikaner, getötet wurden, und richteten viel ^Verwüstungen an den Erubenanlagen an. Der ^mexikanische Gouverneur der Provinz Sonora fist mit mexikanischen Truppen dorthin abmar- sckiert; auch amerikanische Truppen sollen dort­hin abgesandt werden.

r Tokio, 2. Juni. Die Oeffnung Mukdens für den internationalen Handel fand dort in feier­licher Weise statt. Die hiesigen Behörden ent­werfen Verordnungen für den Hafen in Dalny. Nach Beendigung derselben wird dieser Hafen amtlich als frei erklärt.

Der Mordanschlag auf das spanische Könhspaar.

DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Der Kaiser -sprach auf die Nachricht von dem Attentat dem König Alfonso telegraphisch in wärmsten Wor­ten seine Teilnahme aus. Der Reichskanzler lieb, dem spanischen Botschafter seine wärmste Teilnahme und seine lebhafte Genugtuung über die Errettung des Königspaares ausdrücken. Das gleiche tat der Staatssekretär des Auswär­tigen Amtes v. Tschirschky.

: Die Polizei in Madrid entwickelt eine außerordentliche Tätigkeit, um dem Komplott auf die Spur zu kommen, leider bisher ohne Nennenswerten Erfolg. Die Verhaftungen und Haussuchungen werden fortgesetzt. Der Täter ist noch immer nicht gefunden. Der verhaftete Engländer Hamilton hat sich als unschuldig er­wiesen und ist auf freien Fuß gesetzt worden. Man beginnt zu fürchten, daß, wie bei den drei letzten Attentaten in Barcelona, der Schuldige dicht gefunden werden wird. DemVerl. L.-A." wird in der Beziehung aus Madrid noch gemel­det: Als der Attentäter vorgestern die Blumen erhielt, sagte er zu seiner Wirtin, sie seien sehr schön und würden ihn während des Abends bei seinen Arbeiten begeistern. Nachdem er die Vombe geworfen hatte, verließ er ruhig sein Zimmer. Ein ihm auf der Treppe begegnendes Dienstmädchen fragte er, warum geschossen

würde. Als das Mädchen ihm antwortete, daß eine Bombe geworfen worden sei, sagte er kalt­blütig, er werde den Soldaten Helsen, den ge­meinen Schurken zu fangen. Er ging dann auf die Straße und entkam in dem allgemeinen Ge­dränge. Infolge seines anständigen Aussehens kümmerte sich niemand um ihn.

Ueber London wird demL.A." folgendes interesiante Vorkommnis gemeldet: Eine Ge­sellschaft von Engländern, bestehend aus vielen Damen, dem britischen Botschafter Cochrane und mehreren Offizieren, darunter vier von den 16. Lanciers, deren Ehrenoberst der König von Spanien ist, beobachtete den Hochzeitszug von der Wohnung des zweiten Sekretärs der briti­schen Botschaft aus. Als die Bombe platzte, stürzten sämtliche Herren nach der etwa 80 Me­ter entfernten Haltestelle des königlichen Wa­gens und umringten diesen, während die spani­schen Offiziere eine Art Barriere gegen die Volksmassen bildeten. Die Engländer halfen dem Königspaar beim Aussteigen, und nach we­nigen Minuten brachte der Botschafter eine leere Coche de respeto herbei, und er und der König setzten die Königin hinein. Die engli­schen Herren, alles große, athletische Gestalten, gingen zu beiden Seiten der Kutsche und bil­deten so eine Art freiwillige Eskorte. Die Kö­nigin kennt die Cochranes von Kindheit an, und als sie im Palast ankam, ging sie sofort zu Miß Cochrane, der Hofdame der Prinzestin von Battenberg, und sagte:Das erste Gesicht, das ich nach der Explosion sah, war das Ihres Bru­ders."

Madrid, 2. Juni. Die sozialistischen Mit­glieder des Stadtrates erklärten, daß sie die Opfer des Attentats bedauerten, aber an der Freude über die Errettung des Königspaares nicht teilnehmen könnten. Diese Haltung ruft allgemeine Entrüstung hervor. Was sagen unsere deutschen Mauserungspolitiker vom Schlage der Naumann, Barth usw. zu diesem offenen Bekenntnis zur Propaganda der Tat?

Madrid, 2. Juni. Der König besuchte die Hospitäler, in denen die bei dem Attentat ver­letzten Personen untergebracht sind. Auch wollte er der Bestattung der getöteten Militärperso­nen beiwohnen; doch haben ihm die Minister abgeraten. Große Begeisterung herrschte, als das Königspaar sich abends auf dem Balkon des Schloßes zeigte. Die Negierung beabsichtigt, den Familien der Getöteten in weitestgehendem Maße Unterstützungen zuteil werden zu lasten. In allen Städten und Ortschaften geben die Bewohner durch Kundgebungen ihrer Ent­rüstung über den Anschlag Ausdruck und ver­einigen sich zu Dankgottesdiensten. In Barce­lona veranstalteten die Katalanisten eine solche Kundgebung vor dem Regierungsgebäude.

Madrid, 2. Juni. Die Wirtin des Kosthauses, wo der angebliche Morales wohnte, erkannte als das ihres Kostgängers ein Porträt von Jesus Navarra, einem Andalusier von 26 Jahren, der schon bei dem vorjährigen Pariser Attentat als Mitschuldiger in Frage kam. Die Polizei hatte der Wirtin eine Anzahl Porträte bekannter Anarchisten gezeigt. Navarro wird jetzt eifrig gesucht, alle Straßen um Madrid sind durch Gen­darmerie blockiert. Diario Universal glaubt, daß der Täter sofort nach dem Attentat auf einem Automobil entflohen sein dürfte.

London, 3. Juni. Wie aus Madrid telegra­phiert wird, sei dort festgestellt, daß der Verüber des Attentats Morales der Sohn eines reichen Fabrikanten in Sabadell bei Barcelona ist, besten Vater ihn wegen seiner anarchistischen Neigungen aus dem Hause jagte. Er gab in Barcelona Unterricht und ging am 22. Mai nach Frankreich. Die Polizei glaubt, die Verschwö­rung sei in Barcelona ausgeheckt. Der Evening Standard will von anarchischer Seite erfahren haben, bei den Anarchisten in London gelte Don Josä als der Täter. Er sei über die französische Grenze gelangt auf dem Wege nach Paris.

Madrid, 3. Juni. In Torrejon de Ardoz (Prov. Madrid) entleibte sich ein Man, der von dem Eigentümer des Hauses, aus welchem die Bombe auf den königlichen Wagen geworfen wurde, rekognosziert worden ist. Es ist der Anarchist Mateo Morales. Bevor er sich ent­leibte, erschoß er einen Gendarmen, der ihn ver­haften wollte.

Madrid, 3. Juni. Der Mann, der sich heute in Torrejon de Ardoz entleibte, hatte bei seiner Ankunft in dem Dorfe einen Gastwirt nach der Abgangszeit des Zuges nach Barcelona gefragt. Der Wirt stellte bei dieser Gelegenheit fest, daß der Mann Brandwunden an den Händen hatte und schöpfte Verdacht, da das Signalement des Attentäters auf diesen Mann paßte. Dieser be­gab sich auf das Feld, um die Ankunft des Zuges abzuwarten. Hier begegnete er einem Polizisten, der ihn nach seinen Papieren fragte und, als er sich weigerte, festnahm und nach dem Dorfe

bringen wollte. Unterwegs zog der Verhaftete einen Revolver aus der Tasche und erschoß den Beamten und hierauf sich selbst. Die Leiche ist nach Madrid geschafft worden.

Madrid, 4. Juni. Da Zweifel laut geworden sind bezüglich der Identität des Selbstmörders mit Mateo Morales, werden mehrere Ver­wandte des Letzteren veranlaßt, die Leiche zu be­sichtigen. Die Witwe des durch Morales ge­töteten Gendarmen wird die ausgesetzte Be­lohnung von 25 000 Pesetas erhalten.

Der König und die Königin machten gestern Nachmittag im Automobil einen Ausflug nach dem Schloste Aranjuez und wohnten am Abend der Galavorstellung im königlichen Theater bei. Das Publikum bereitete ihnen im Theater und auf der Hin- und Rückfahrt lebhafte Huldig­ungen.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. Juni.

Seine Majestät der Kaiser hörte am Sams­tag vormittag die Vorträge des Chefs des Ee- neralstabes der Armee und des Chefs des Mili­tärkabinetts. Zur Einweihung des Teltowkanals begaben sich später der Kai­ser, die Kaiserin, die Prinzen August Wilhelm und Joachim und Prinzestin Viktoria Luise in Automobilen zur Matrosenstation. Der Kaiser und die Kaiserin bestiegen mit ihrem Gefolge die kaiserliche JachtAlexandra" und fuhren nach der Mündung des Teltow-Kanals bei Klein-Glienicke, um dort durch Durchschneiden der aufgespannten Schnur die Eröffnung des Kanals zu vollzielen. Die kaiserliche Dampf­jachtAlexandra" durchschnitt um 11 Uhr bei Klein-Glienicke die über den Kanal gespannte Schnur und fuhr in den Kanal ein. Zwei Kreis­dampfer mit den geladenen Gästen und ein Dampfer mit Damen folgten. Es wurde ein Hoch auf den Kaiser ausgebracht. . Die Fahrt ging durch die geschmückte Kanalbrücke, vorbei an dem sogenannten Kaisereck am Einfluß des Friedrich-Leopold-Kanals in den Teltow-Ka­nal, wo eine größere Dekoration mit der Büste des Kaisers aufgestellt war, unter lebhaften Huldigungen des Publikums dis zur Mach- nower Schleuse. Hier hatte die Kapelle des 1. Garderegiments zu Fuß Aufstellung genom­men; sie spielte die Nationalhymne. Die Alexandra" und die anderen Dampfer wurden durchgeschleust. Während der weiteren Fahrt überholte dieAlexandra" einen Schleppzug, der mit elektrischem Betrieb getreidelt wurde. Die Fahrt ging bis zur Stadt Teltow, wo die Vereine und eine zahlreiche Menschenmenge den Kaiser lebhaft begrüßten. Hierauf wurde ge­wendet und die Rückfahrt angetreten. Um 2,35 Uhr nachmittags erreichte dieAlexandra" wie­derum die Matrosenstation. Das Kaiserpaar begab sich nach dem Neuen Palais. Während der Fahrt gingen mehrere Regengüste nieder.

Am gestrigen zweiten Pfingsttage fand in althergebrachter Weise das Stiftungsfest des Lehr-Jnfanterie-Bataillons unter den alten Linden auf dem Südflügel des Neuen Palais statt. Vor dem Palais war ein Feldaltar errichtet. Das Lehr-Jnfanterie-Ba- taillon stand in offenem Viereck vor dem Pa­lais. Der liturgische Gottesdienst wurde von Hof- und Earnisonprediger Keßler abgehalten. Demselben wohnten der Kaiser, die Kaiserin, der Kronprinz, Prinz und Prinzestin Eitel Friedrich, die Prinzen August Wilhelm, Oskar und Joachim, Prinzessin -Viktoria Luise und Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold mit ihren drei Söhnen und ihrer Tochter bei. Nach dem Gottesdienst stellte sich das Bataillon in Front auf. Der Kaiser schritt mit seiner Suite die Front ab, ließ das Bataillon vorbeimarschie­ren und begab sich über die Mopke nach den Ko- lonaden, die mit militärischen Emblemen und Fahnen festlich geschmückt waren. An den auf­gestellten Tischen nahmen die Mannschaften Platz. Bald erschien vom Neuen Palais auch die Kaiserin mit der kaiserlichen Familie. Der Kaiser ging um die Tische herum und brachte ein Hoch auf die Armee aus, worauf General v. Kestel mit einem Hoch auf den Kaiser ant­wortete, in das die Soldaten mit einem drei­maligen Hurra einstimmten. Um 3% Uhr be­gaben sich der Kaiser, die Kaiserin, die kaiser­liche Familie und die Suite zum Neuen Palais zurück, woselbst das Frühstück stattfand.

Deutsche Kolonien.

Südwestasrika. Ueber die militärischen Ope­rationen wird amtlich folgendes gemeldet: Nach dem Gefecht bei Nukais am 25. Mai war der Gegner zunächst nach Osten abgezogen. Unter

der Einwirkung der von Duurdrift vorgehende» 9. Kompagnie 2. Feldrgts., und da den Hottet totten vermutlich auch die Besetzung der Wasser­stellen am Eeiab Revier bekannt war, wandten sie sich wieder nach Norden. Sie erreichten nörd- lich Tsamab abermals das Ham Revier und zo­gen dann über Nagais und Dakeib in westlicher Richtung nach Gabis. Die Abteilung des Ma­jors v. Freyhold, die, am 28. Mai vom Fischfluß kommend in Haib eingetroffen war, stellte durch ihre Patrouillen fest, daß etwa 250 Hottentotte» die Pad HaibWarmbad nach Süden zu über­schritten hätten. Sie nahm sofort die Verfol­gung auf. Major Sieberg, der unter äußerster Anspannung der Kräfte die Verfolgung durch­geführt hatte, steht jetzt mit seiner Abteilung bei Warmbad. Major Rentei hat das Kom­mando an der Ostgrenze übernommen. Ritt­meister Ermekeil hält den unteren Fischfluß be­setzt. Hauptmann von Bentivegni vertrieb ge­legentlich einer Streife durch die Er. Karas- berge, am 26. Mai nach kurzem Gefecht ein« Hottentottenbande und nahm ihnen ihr Vieh ab. Vereinzelte kleinere Banden traten im Löwenbluß bei Stampriat, am Fischfluß bet Hons und in der Gegend südlich Churutabis auf.

Ostafrika. Amtlich wird gemeldet: Major Johannes konzentriert seit Mitte Mai Teile seines Expeditionskorps, verstärtt durch De­tachements von Mahenge, gegen die Landschaft Mgende, den Sammelpunkt der Aufständischen. In Tabora ist die Kompagnie Hirsch eingetrof­fen. Hauptmann Seyfried kehrte unter Be­lastung starker Posten in Nakindjimba bei Jlulu und Luagalla auf Makonde nach Lindi zurück.

Ausführlicher wird demL.-A." aus Dar es Salam telegraphiert: Major Johannes meldet, daß er zur konzentrischen Operation nach der Landschaft Mgende, wo er energischen Wider­stand erwartet, aufgebrochen ist. Hierbei wir­ken Abteilungen von Mähende mit. Der Vor­marsch gegen Mgende begann am 15. Mai. Die Aufständischen sollen dort in zwei großen La­gern fitzen. Unter ihnen befindet sich sicherem Vernehmen nach der Wangoni-Sultan Moha- makiro, Schabrumas Bruder, mit Songea-Leu» ten. Nach einer Meldung des Hauptmanns von Schönberg sollen sich auch Führer der Matumbi westlich des Mbarangandu bei Kopakopa sam­meln. Hauptmann Seyfried ist, nachdem er in Nakindwimba und Luagalla stärkere Posten be­lassen hatte, am 23. Mai nach Lindi zurückge­kehrt. Die fünfte Kompagnie von Hirsch ist am 26. Mai in Tabora eingetroffen, wo sie vor- läufig verbleibt.

Kamerun. Die Nachricht, daß King Akwa und Cenosten in Duala durch Richterspruch frei« gekästen worden seien, trifft nach denHbg. Nachr." nur insofern zu, als der die Unter­suchung führende Richter Dr. Hetzel der Ueber- zeugung war, Akwa und die Häuptlinge vor­läufig aus der Haft entlasten zu können. Das gerichtliche Verfahren selbst nimmt seinen Fort­gang, sein schließlicher Ausgang wird durch die Aufhebung der Untersuchungshaft in keiner Weise präjudiziert. Trotzdem hat die Regie­rung bei den Negern an Autorität verloren, auch durch die Verabschiedung des Gouverneurs v. Puttkamer, ohne daß er noch einmal na«; der Kolonie zurückgekehrt ist, um den Schein zu vermeiden, als habe die Beschwerde der Neger seine Abberufung veranlaßt.

Ansland.

Mexiko. Nach ergänzenden Meldungen über die Unruhen in den Kupfergruben von Cana- nea (Sonora, Mexiko) (vergl. Telegramm), die in Naco (Arizona, Ver. Staaten) eingegangen find äscherten Mexikaner Eigentum im Werte von 250 000 Dollars ein, darunter einen Holz- vorrat der Minengesellschaft, das Bureau- gebäude, und sprengten mit Dynamit den Zu­gang zum Pulverhause, um sich Waffen und Munition zu verschaffen. Es folgte ein heftiger Kampf mit der Polizei, wobei es beiderseits mehrere Tote gab. Die Zahl der ausstädigen Arbeiter beträgt 50 000. Von mexikanischen Ar- beitern bedrohte Amerikaner verbarrikadiertet sich in der Presbyterianerkirche, ebenso wurde das Wohnhaus des Minenbesitzers Green von ihnen verbarrikadiert und kn Verteidigungs­zustand gesetzt. Von Naco sind hundert bewaff­nete Amerikaner nach Cananea abgegangen. Bei Poste hatten letzte Nacht 25 Mann aus Visbee, die die Grenze bewachten, einen Zusam­menstoß mit mexikanischen Zollbeamten, rootiei es zu Blutvergießen kam. 1