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Kennern der Verhältnisse nur eine Stimme, daß die immer frecher hervortretende Unbotmäßigkeit der Schwarzen eine Folge des Burenkrieges ist, und daß die englische Soldateska hierfür die Ver­antwortung trifft. Ganz abgesehen von den Greueln und Gewalttaten, welche die englischen Soldaten sich gegen die Buren und deren Fami­lien haben zu Schulden kommen lassen, trugen sie namentlich dadurch zur schweren Schädigung des Ansehens der weißen Raffe bei, daß sie auf den Farmen die Schwarzen gewiffermaßen als Herren behandelten und die Buren vollkommen ignorierten. Daß die Verleihung des Stimm­rechts an immer breitere» Kreise von Farbigen, mit denen man die Buren in den neuen Republi­ken niederzustimmen gedenkt, diesem Fehler die Krone aufsetzt, ist zu bekannt, als daß es noch besonders betont zu werden brauchte. Mit Ent­setzen erkennt man aber jetzt in Natal und Kap- land, daß gerade die Kap-Cairo-Bahn, auf die man so große Hoffnungen für die Festigung der britischen Alleinherrschaft über Afrika gesetzt hatte, am allermeisten dazu beigetragen hat, die bis dahin noch einander befehdenden schwarzen Stämme zu einigen, ja, daß die äthiopische Be­wegung, die jetzt den ganzen Erdteil zu über­ziehen droht, gerade von diesem Vahnbau ihren Ausgangspunkt genommen hat.

Als vor zehn Jahren derChartered Com­pany" es gelungen war, den Matabelehäuptling Lobengula niederzuwerfen, glaubte man, daß südlich des Zambesi nun die Zeit aller Kaffern- kriege vorbei sei. Man übersah dabei aber, daß bei dem Ausbau der Strecke von Mafeking nach Buluwayo und Salisbury die Angehörigen der bis dahin feindlichen Stämme als Arbeiter ein­ander nahe kommen, und daß dann der fertige Schienenweg die gesamte Kaffernwelt bis zu den Maschonas hinauf in Berührung und unmittel­bare Verbindung setzte. Reben dieser sozialen Ursache lief jene religiöse Bewegung nebenher, die von Amerika aus über Liberia in die Neger­welt hineingetragen ist, und die in der Forde­rung gipfelt: Afrika den Schwarzen! Insbeson­dere wurde nach dem Frieden von Vereinigung durch die schwarzen Wanderprediger der ameri­kanisch-afrikanischen Missionsgesellschaften diese Lehre durch das ganze Land getragen, und der ungeheure schnelle Erfolg, den diese Propheten hatten, beweist aufs neue, wie verhängnisvoll die amerikanische Negeremanzipation für den schwarzen Erdteil werden wird. Denn die Tä­tigkeit derAethiopier", deren Lehre sich als ein wunderliches und widerliches Gemisch biblischer Schlagworte und altheidnischer Eötzenvorstellun- gen darstellt, kommt allen schlechten Eigenschaften der dünkelhaften Kaffern in einer nur zu ver­hängnisvollen Weise entgegen.

diese schaurigen Bluthunde eines bösen Eewis- I sens, den armen alten Mann mehr denn je. I

Nicht leidet es ihn lange auf demselben Platz. I

Kaum sitzt er, so steht er wieder auf. Kaum I

Deutsches Reich.

Berlin, 30. Mai.

Se. Majestät der Kaiser begab sich gestern Morgen in Begleitung der Kaiserin mit Gefolge in Automobilen nach dem Truppenübungsplatz Doeberitz. Hier stiegen der Kaiser und die Kai­serin zu Pferde. Es folgte ein Exerzieren der 2. Eardeinfanteriebrigade. Der Kaiser über­reichte persönlich dem Kriegsminister v. Einem den Stern der Komthure des Hohenzollernschen Hausordens. Man darf dies wohl als eine An­erkennung ansehen dafür, daß es dem Kriegs­minister gelungen ist, die Pensionsgesetze unter Dach zu bringen.

Der preußische Landtag wird wahrschein­lich bis zum 20. oder 21. Juni tagen, aber heute bis zum 15. Juni Pfingstferien machen. Die zweite Abstimmung über die auch vom Herren­hause angenommene Verfaffungsänderung kann frühestens erst am 20. Juni erfolgen. Das Herrenhaus will Mitte Juni die Beratung der Schulvorlage beginnen und sie in 56 Tagen beenden.

Das Verhalten derVereinigten Libera­len" bei der Darmstädter Reichstagsersatzwahl scheint auch dem Zentrum Anlaß geben zu sollen, seine Beziehungen zum Freisinn zu revidieren. DieGermania" hat über diese Angelegenheit kürzlich aus Darmstadt an leitender Stelle eine Zuschrift abgedruckt, aus der Folgendes zu ent­nehmen ist:

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck mtb Verlag» Joh. Äug. Koch, UmvrrsitLtS-Buchdrnckerel 41. JllhkA

Marburg, Markt 2L Telephon 55.

Die Erkenntnis dieser ungeheuren Gefahr bringt andererseits die gesamte weiße Bevölke­rung Südafrikas zur Einsicht der Gemeinsamkeit ihrer Jntereffen und immer deutlicher prägt sich dabei ein starker Unabhängigkeitssinn und Wi­derstand gegen die britische Zentralpolitik heraus. Auch hier wirken die Greuel des Buren­krieges in einer für England verhängnisvollen Weise nach, da der anständige Teil der englischen Farmer das furchtbare moralische Unrecht, das den Buren angetan ist, erkennt und mit nationa­ler Beschämung empfindet. Aus der Verschmel­zung von Buren, Engländern und sonstigen Europäern gewinnt die alte Forderung des ver­einigten Südafrika eine ganz andere Bedeutung als die Cecil Rhodes und Chamberlain ihr ur­sprünglich beigelegt hatten. Die vereinigten Staaten von Südafrika, die hier zu entstehen scheinen, würden sicherlich alles andere eher sein, als abhängig vom britischen Imperialismus. Bei dem stark entwickelten Nationalbewußtsein der Äthiopier aber wird der Kampf gegen die far­bige Welt zunächst entbrennen und von Eng­lands Stellung in diesem Kampfe wird sein po­litisches Verbleiben in Afrika abhängig sein.

Die Zukunft Afrikas.

V Der Aufstand in Natal stellt sich immer Mehr als der Vorläufer einer großen Aufstands­bewegung der südafrikanischen Schwarzen dar, und alle aus den englischen Kolonien kommen­den Berichte rechnen mit der Wahrscheinlichkeit, daß auch die Swasi und insbesondere die Basu- tos Lei nächster Gelegenheit zum Aufruhr schrei­ten werden. Auch darin herrscht unter allen

Marburg

Donnerstag, 31. Mai 1906.

Neueste Telegramme.

BeUi«, 29. Mai. Der frühere Präsident der Republik Argentinien, General Roca, ist aus Paris hier eingetroffen und am Bahnhof von Mitgliedern der argentinischen Gesandtschaft, hem argentinischen General Reynolds und ande­rn argentinischen Herren empfangen worden, Auf deutscher Seite war der Gesandte v. Wald­hausen und Oberstleutnant v. Etzel vom Ee- neralstab erschienen. Der General wird morgen vom Kaiser empfangen werden, und zwar in Potsdam nach der Parade, bet der General Roca zugegen sein wird. Wie dieNordd. Allg. Ztg." meldet, wurde er heute vom Staatssekretär von Tschirschky empfangen.

Hamburg, 30. Mai. Heute geht mit den DampfernPisa" undProfeffor Wörmann" ein Transport von 25 Offizieren, 289 Mann und 1000 Pferden nach Südwestafrika ab.

Paris, 29. Mai. In einem heute im Elysee aügchaltenen Ministerrate wurde über das Pro­gramm der Reformen, das die Regierung dem Parlament zu unterbreiten gedenkt, und über das Budget für 1907 beraten. Sarrien teilte mit, daß er mit der Ausarbeitung der Vorlage betr. die Reform der Kriegsgerichte fertig sei und daß itr die Vorlage demnächst dem Ministerrate un­terbreiten werde. Der Minister der öffentlichen Arbeiten Barthou erklärte, er werde dafür Sorge tragen, daß in den Minen von Lens, wo neuerdings ungesetzlicherweise das System der Ueberstunden wieder eingeführt worden sei, die gesetzlichen Bestimmungen Beobachtung finden. Der Minister des Aeußern Bourgeois berichtet« über den Stand der Frage der äthiopischen Eisen­bahnen.

W Newport, 29. Mai. Die Presse verlangt laut Kabelnachricht derFranks. Ztg." die sofortige Veröffentlichung des vollständigen Berichtes über die Produktionsmethoden des Fleischtrusts. Letzterer sucht dies um jeden Preis abzuwenden. Die Affäre stellt jeden Skandal der neuesten Zeit in den Schatten.

Ü- Konstantinopel, 29. Mai. - Die Pforte leistete ;350 Pfund Schadenersatz wegen widerrechtlichen Zurückhaltens des deutschen SeglersOdyffeus".

(Nachdruck verboten.)

Jolavda und Salomea.

Roman von Erich Friesen.

(Fortsetzung.)'

IX.

Wer sein weißes Haupt streicheln, wenn er müde und abgespannt aus seinem Bureau nach Hause kommt? Wer ihm heiter vorplaudern, bis seine ernste Miene durch ein leises Lächeln erhellt wird?

Schon jetzt bereitet der Gedanke ihr Pein, was aus dem Vatrr werden soll während ihrer Hochzeitsreise.

Als sie einmal diese Besorgnisse zum Vater erwähnt, lächelt der alte Herr wehmütig.

Es sind nur vierzehn Tage, Kind. Dann kehrst du wieder zurück, und ich bin doppelt glücklich."

O, wie zärtlich da Jolanda den Arm um den Nacken des Vaters schlingt und die runde Wange an sein welkes Gesicht schmiegt, so daß ihre dunk­len Locken sich mit seinem silberweißen Bart mischen!

Eine Träne glänzt in den Augen des Marchese.

Wie du mich heute an deine Mutter er­innerst, Kind. Gerade so sah sie aus, als ich sie heiratete, nur viel stolzer, viel imposanter!

Du guter Papa!" schmeichelt Jolanda innig. Wenn ich doch meinem Vittorio eine so gute Frau sein könnte, wie meine Mutter es dir war! . . . Und wenn ich jemals Kinder haben sollte ich würde zu Gott dem Allmächtigen flehen, daß mein Vittorio ihnen ein solcher Va­ter wäre, wie du es mir"

Erschrocken hält sie inne. Mit einer heftigen Bewegung hat der Marchese seine Tochter von sich geschoben.

Jetzt steht er kreidebleich, die Hand aufs Herz gepreßt, nach Luft ringend, vor der zu Tode erschrockenen Jolanda. ,

Ein paar Tropfen aus einem kleinen Fläsch­chen, welches der Marchese stets bei sich führt und der Anfall ist vorbei. Nur eine beäng­stigende Bläffe ist zurückgeblieben.

Seit diesem Gespräch quälen die Gedanken,

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Sormtagsbeilager Alluttrtrtes Santrtaasblatt.

er manchmal fast glaubt, zusammenbrechen zu müssen unter der furchtbaren Last, die der be­ständige Kampf mit seinen zwei ärgsten Feinden ihm aufbürdet: der Kampf mit dem lauernden Tod und dem nagenden Eewiffen.

Sie verfolgen ihn Tag und Nacht, sie laffen ihn nie los; sie umkrallen und würgen ihn und saugen ihm das letzte bischen Lebensmut aus dem Herzen....

Mit übertriebenem Eifer widmet er sich tag­täglich viele Stunden lang seinem Geschäft. Sein Hausarzt bat ihn wiederholt, sich zu schonen; er verkürze sein Leben durch diese Unruhe.

Doch der Marchese hatte ihm geantwortet:

Nein, lieber Doktor. Wenn ich mein Ge­schäft nicht mehr habe, lebe ich keine acht Tage mehr."

Und der Arzt ließ ihn kopfschüttelnd gewäh­ren ; der Ton, in dem der alte Herr jene Worte sprach, klang zu feierlich-überzeugend.

Niemand in dem alten Palazzo ahnt, wie schlecht es mit der Gesundheit des Marchese steht. Selbst Jolanda läßt sich durch die ruhig-heitere Miene ihres Vaters täuschen und gibt sich un­eingeschränkt ihrem bräutlichen Glücke hin.

In vier Wochen soll die Vermählung siatt- finden. Nach einer kurzen Hochzeitsreise von vierzehn Tagen hält dann das junge Paar sei­nen Einzug in den Palazzo Bonmartino.

Vittorio hätte es lieber gesehen, wenn sie eine kleinere Wohnung in der Nähe gemietet hätten. Den in einfachen Verhältnissen ausge­wachsenen jungen Mann drückt der raffinierte Luxus des großen Palazzo. Die Räume sind ihm 3* groß und weit für sein intimes Glück.

Doch der alte Marchese wünschte es fo._ Und auch Jolanda war es zufrieden. Ihr erscheint ihr bisheriges Heim, an das sie von Kindheit an gewöhnt ist, weder zu groß, noch besonders vor­nehm. Und dann hat sie auch den Vater immer in unmittelbarer Nähe!...

Jolanda vermag es sich gar nicht vorzustellen, daß sie sich von ihrem Vater trennen könnte. Wer sollte ihm abends seinen Gutenachtkuß geben?

In zahlreichen anderen Fällen nimmt der Freisinn gegen die Sozialdemokratie die Um terstützung des Zentrums und der National­liberalen in Anspruch. Aus eigener Macht kann er in Heffen keine Katze hinter dem Ofen hervorlocken, wie er auch im Reiche 1903 im ersten Wahlgang kein einziges Mandat erhielt und erst in der Stichwahl mit Hilf« anderer Patteien einige rettete. Und ein« solche Partei, die lediglich von der Unter­stützung der bürgerlichen Parteien ihr Dasein fristet, wirft sich bei jeder Gelegenheit der Sozialdemokratie an den Hals und leistet sich bald nach dem Rezept des Abgeordneten Müller-Meiningen die ödeste Kulturkämpferei, bald ruft sie zum Kampf gegen den National­liberalismus auf, um sich politische Vorteil« durch die Sozialdemokratie bei anderen Ge­legenheiten zu sichern. Mit Recht wird von den Blättern der verschiedensten Parteischat­tierungen in diesen Tagen übereinstimmend betont, daß der Freisinn ein ab st er­bendes politisches Gebilde ist und man am besten den Auflösungs­prozeß dadurch'fördert, daß man ihm für die Folge jede Unterstütz­ung versagt. Das Zentrum hat gewiß keine Veranlassung, dieser Partei eine Träne nachzuweinen, die durch ihren jetzigen Wort­führer Müller-Meiningen die Bekämpfung des Zentrums in« gehässigster Weise als Spezialität betreibt. Bei uns in Heffen ist man jedenfalls nicht mehr gewillt, für die Folge dem Freisinn Vorspanndienste zu leisten. Mit Recht wurde neuerdings in Zentrumsorganen darauf hingewissen, daß die freisinnige Hilfe gegenüber dem Zentrum überall versagt. So hat auch im Wahlkreise Mainz-Oppenheim der Sozialdemokrat David sich der Unterstützung des Freisinns zu er­freuen gehabt, während jahrzehntelang vor den Toren von Mainz in Bingen-Alzey der­selbe Freisinn ruhig die Zentrumshilfe in An­spruch nahm."

Man wird darauf gespannt sein können, ob aus dieser Drohung Ernst gemacht wird. Auch Herrn v. Gerlach wird schwerlich nochmals Zen­trumshilfe bei der nächsten Wahl zu teil, wie schon erwähnt worden ist.

NarlamentariWes.

Abgeordnetrnbnu».

Berlin, 29. Mai.

Das Abgeordnetenhaus erledigte am Diens­tag zunächst einige kleinere Entwürfe und trat dann in die Beratung des konservativen An­trages ein, nach dem die Regierung int Bundes­räte dahin wirken soll, daß Eingriffe in die Ver­fassung der Einzelstaaten im Wege der Reichs- verfaffung vermieden, jedenfalls nicht ohne Ein­vernehmen mit den Einzellandtagen vorgenom- geht er int Zimmer etwas hin und her, so wird er müde und muß sich wieder setzen.

Und so fort und fort. ... ,

Heute fällt es dem Marchese Umberto schwerer denn je, seine trüben Gedanken zu ban­nen. Vielleicht drückt auch der unheimliche Scirocco, der mit sengender Glut durch dte Straßen fegt, sein Gemüt besonders nieder.

Mein Gott, Umberto! Wie siehst du aus?- ruft Bernardo, der soeben eintritt.Geht er dir schlechter?"

D, ich armer, armer Mann!" murmelt der Marchese'vor sich hin, indem er in einen Stuhl

stnkt. u .

,Iu solltest nicht immer an detnen Tod den­ken, Umberto!" ,

Nicht der Gedanke an meinen Tod quält mich; er erscheint mit im Gegenteil wie ein Erlösung. Die Erinnerung ists, die mich matten, Betnaido" wendet er sich plötzlich mit bei ihm ganz fremdet Leidenschaftlichkeit zu seinem Bru­derdu konntest doch einst so viele schöne Worte finden, um mich zu überreden um all meine Bedenken, meineVotwürfe etnzuschlafern! Warum redest du jetzt nichts um mtr dte Qual erträglicher zu machen? So sprich doch! Sprich?

Bernardos fahles, undurchdringliches Gesicht wird noch um einen Schatten bleicher, so daß es fast eine graue Färbung annimmt.

Hastig schreitet er zum Fenster und öffne" einen Fensterflügel. Es ist, als ob ihm zu he»' würde in dem geschloffenen Raum.

Du vergißt, Umberto entgegnet et nach einer Weile mit erzwungener Ruhe ,baß wir damals dem Bankerott nahe waten, * batz deine atme Frau die Schande niemals

Ein leises Stöhnen entringt sich der schmerz- gequälten Brust des allen Mannes. Beschwörend hebt er beide zitternden Hände, während fein« guten, treuherzigen Augen mit dem Ausdruck, eines geschlagenen Hundes auf den Stuber blicken. " >, }

(Fortsetzung folAl!

Vierteljährlicher BczugspreiSc bet oer ErkÄtiou 2 Mit,

_ _ btt allen Postämtern 2,25 Mt. kejcL Bestellgeld).

12D JnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reclaiuen: die steile 25 Prg.

' Juli ists.

/? Brütend liegt die Sommerhitze auf den Hau­sern und Palästen der ewigen Stadt, aus dem Trümmerfeld des Forum Romanum mit seinen aus Schutt und Resten alter Pracht hochauf­ragenden Säulen, auf den gestürzten Kaiserpalä- stcn des Palatin, auf dem gespenstisch aufdüstern- den Riesengemäuer des Kolosseums, auf dem ge­waltigen, alles überragenden Petersdom, auf der ganzen, todesmatten, wie in Schlaf versun­kenen römischen Campagna.

In dem Palazzo Bonmartino auf dem Corso Umberto merkt man nichts von dieser allge­meinen Erschlaffung.

Nicht wie sonst alljährlich ist der Marchese Mit seiner Tochter ins Gebirge oder an die See ''gegangen, um der nerventötenden römischen l Hitze zu entfliehen. Die Vorbereitungen zu Jo- ilandas Hochzeit halten sie in der Stadt fest. N Seit einiger Zeit ist der ganze Palazzo auf den Kopf gestellt. Das geht treppauf, treppab «tm früh bis abends. Handwerker und Schnei­der, Putzmacherinnen und Kammermädchen sie huschen hin und her über die teppichbelegten Akarmortreppen, die sonst nur für die aristokra­tischen Füße der vornehmen Welt da sind.

Und inmitten all dieses Wirrwarrs bewegt sich mit der ihr eigenen sanften Grazie Jolanda bonmartino, die Herrin des Hausesdas Wesen, Um deffentwillen all dieser Trubel stattfindet die glückliche Braut, die in wenig Tagen noch viel glücklichere, junge Gattin des Mannes, den sie zum Bund fürs Leben erwählt.

i Auch der Marchese Umberto scheint glücklich Und zufrieden.

Ach, niemand ahnt, was es ihn kostet, diese ,ruhig-heitere Miene zur Schau zu tragen! Wie