mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Alluktrirtes Sanntaasblatt.
W 124
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Lierteljährlichcr Bezugspreis^ titi oer Expedition 2 äftt, bei allen Postämtern 2,25 Ml. ^exct. Bestellgeld).
Jnsertionsgcbühr: die gespaltene Zeile ober oeren Raum 10 Pfg.
Neclamen: die Zeile 25 Pm.
Marburg
Mittwoch, 30. Mai 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, llmverfitätS-Buchdruckerei
Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
41. Jahrg.
Erstes Blatt.
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Neueste Telegramme.
Berlin, 29. Mai. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Am 21. Mai zwischen Kubub und Amkorot gefallen: Unteroffizier Stanislaus Welker, geboren zu Moofch (Brust- und Beinschuh); Leiter Alfred Romberg, geb. zu Hagen (Herz- tchuh); Reiter Albert Loesche, geb. zu Glinden- fcerg (Kopf- und Armschuh). — Am 21. Mai Zwischen Kalkfontein und Kubub gefallen: Gefr. August Groenig, geb. zu Brodsack (Brustschuh). - Seit dem 19. Mai auf Patrouille nördlich von ßanu vermißt: Unteroffizier Friedrich Braasch, geb. zu Katharinenborn, Ernst Lautzsch, geb. zu Protschwitz.
Metz, 23. Mai. Anläßlich der Jubelfeier des 200jährigen Bestehens des bayerischen 4. Infanterieregiments „König Wilhelm von Würt- jemoerg" hat der Prinzregent von Bayern den Fahnen des Regiments Säkularbänder verliehen hie von den: Vertreter des Prinzregenten Prinz Leopold von Bayern, Eeneralfeldmarschall, persönlich an die Fahnen geknüpft wurden. Gegen 4009 ehemalige Angehörige des Regiments hatten sich aus allen Teilen Bayerns eingefunden.
Wien, 29. Mai. Ministerpräsident Prinz Hohenlohe teilte mit, daß er seine Demission Überreicht habe. Die Ursache der Demission liegt darin, daß der Kaiser Wekerle ermächtigte, den (Zolltarif als selbständigen ungarischen Tarif dem Reichstag vorzulegen, während die österreichische Regierung auf dem Standpunkt der Gemeinsam- kei: des Zolltarifs beharrt.
Petersburg, 28. Mai. Aus den Ostseeprovinzen bringt die „Nowoje Wremja" sehr beunruhigende Nachrichten. Die dortige deutsche Presse veröffentlicht fortgesetzt Meldungen über Untaten der lettischen Aufständischen, welche Pastoren und Gutsbesitzer mit dem Tode bedrohen. Die deutschen Blätter erklären, die friedliche Bevölkerung wolle sich um den Preis der Unterdrückung des Schreckensregiments jeder Be- fchränkung unterwerfen. Verschließe man sich in Petersburg ihren Vorstellungen, so würden die Balten so laut schreien, daß sie schließliche doch gehört würden.
Sewastopol, 28. Mai. Rach amtlicher Feststellung war der nach der gestrigen Truppenschau verübte Bombenanschlag gegen den Festungskommandanten General Nepliujew gerichtet. Von den Anwesenden erlitt einer eine Verletzung. Hingegen wurden aus dem Publikum 6 Personen getötet, 14 schwer und 40 leicht verletzt. Es touren 4 Personen verhaftet, von denen zwei die. Bomben geschleudert und 2 das Zeichen dazu gegeben hatten. Alle vier waren von Petersburg gekommen.
19 (Nachdruck verbolen.)j
Jolanda Md Salomea.
Roman von Erich Friesen.
(Fortsetzung.)
Wie oft sieht der anbrechende Morgen die arme Aiutter vor dem kleinen Bettchen aus den Knien liegen und heiße Gebete murmeln, während der Vater klopfenden Herzens an der Tür horcht, in verzweifelter Angst, daß dadrinnen der Sensenmann seine knöchernen Arme um den kleinen mit dem Tode ringenden Körper fester und fester schließt. . . . Und Ninella, die das Bindeglied zwischen den beiden getrennten Partien spielt, erzählt dem trostlosen Mann immer wieder unter Schluchzen und Tränen, die arme Signora werde von Tag zu Tag bleicher und magerer, indes das Gesicht des kleinen Kranken ganz rot und aufgeschwollen sei.
Trotzdem ~ ein Morgen zieht herauf, da öffnet der kleine Patient seine Augen zum erstenmal voll und klar und heftet sie auf die bleiche Frau an seinem Bettchen, die nur wie ein Schatten ihres früheren Selbst ausfieht.
„Mama!"
Leise, kaum vernehmbar haucht es zu Salo- Mea hinüber.
Aber die Mutter hört den Laut.
Mit einem unterdrückten Jubelschrei stürzt sie an dem Bettchen nieder, das kleine Gesicht, die abgemagerten Hände mit Küsten bedeckend.
Gerettet! Die Krisis ist vorbei! —
Und doch — trotz aller Pflege, trotzdem der kleine Rekonvaleszent gefüttert wird wie nie zuvor, trotzdem die Eltern hungerst Und darbest, damit ihm nur ja nichts «chgeht — Rinaldo will sich nicht ,eiHol«ir.'-^>.- - ,
Tokio, 28. Mai. In Hongju (Korea) ist ein Aufstand ausgebrochen. Die Anzahl der Aufständigen beträgt mehrere Hundert. Kongju ist eine befestigte Stadt, die nur mit Hilfe von Artillerie genommen werden kann. Auf Ersuchen Koreas wurden japanische Truppen dorthin entsandt. Der Aufstand soll der hartnäckigste sein, der bisher ausgebrochen ist.
Peking, 28. Mai. Die Frühjahrsempfänge des diplomatischen Korps am Kaiserhofe sind wegen Krankheit des Kaisers auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Obwohl die Gesundheit des Kaisers schon einige Monate schlecht gewesen ist und beunruhigende Gerüchte darüber jüngst im Umlauf waren, wird sein Zustand nicht für kritisch gehalten.
Ein neuer Kolonialskandal.
In dem Buch unserer Kolonialgeschichte steht der 26. Mai 1906 fortan als ein schwarzer Tag. Ein betrübendes Blatt bildet die Abstimmung über die kolonialen Forderungen der Reichs« regierung, auf das die Mehrheit der Reichstagsmitglieder selbst das Urteil ihrer Schande geschrieben haben. Der Ausdruck mag hart sein, unparlamentarisch, aber weite Kreise im Deutschen Volke werden die Ablehnung der Kolonialvorlagen als nichts anderes betrachten, als einen Schlag ins Gesicht aller Kolonialfreunde, als eine Nichtachtung der militärischen Leistungen unserer braven Truppen und eine Verhöhnung der berechtigten Ansprüche der geschädigten Ansiedler in Südwestafrika.
Was sind die künstlich aufgebauschten Kolo- nial„skandale" der Leist, Puttkamer und andere unbedeutende Verfehlungen, die von reklamesüchtigen und nach falscher Popularität haschenden Reichsboten mit sensationslüsterner Spürnase entdeckt und ausgebeutet wurden, gegen diesen Kolonialskandal, den sich die Herren Volksvertreter zu leisten erlaubten. In der Vudgetkommission schon haben Zentrum und Sozialdemokratie — par nobile fratrum in ihrer Gegnerschaft gegen die Kolonialpolitik — die dringlichen Nachtragsforderungen für Südwestafrika, die Fortsetzung der Bahn nach Keet- manshoop und die Entschädigung für die Farmer abgelehnt. Man hoffte auf die Plenarsitzung und von der Gesamtheit der Abgeordneten eine bessere Einsicht und weniger Voreingenommenheit. Aber leider umsonst. Zentrum, Freisinn und Sozialdemokratie bildeten eine Mehrheit, die alles ablehnte, Eisenbahn, Entschädigungen (mit Ausnahme lumpiger 500 000 Mark für die Ansiedlung ausgedienter Schutztruppenangehöriger) und, als höchsten Trumpf, das Gehalt für den neuen Kolonialstaatssekretär, damit also das geplante selbständige Reichskolonialamt. Vergebens sprach der stellvertretende Kolonialdirektor Erbprinz Hohenlohe, vergebens Oberst v. Deimling, der in Südwestafrika die Operatio-
Das zuerst so rote, aufgedunsene Gesichtchen wird bleicher und bleicher und magerer und magerer.
„Das Fieber hat ihn so mitgenommen," meint der Arzt achselzuckend. „Und dann — die schlechte Luft hier in dieser Gegend! Das Fieber schleicht herum. Schaffen Sie für ein paar Wochen hinaus an die See! Sonst stehe ich für nichts."
Hinaus an die See! Bitter lacht Salomea auf. Sie hat Schulden gemacht während Rinaldos Krankheit — überall, beim Schlächter, beim Bäcker, beim Eemüshändler. Aus Mitleiden hat man ihr gegeben, ohne Geld, was sie verlangte. Der kleine Rinaldo ist überall in der Nachbarschaft beliebt.
Und nun — hinaus an die See! Sonst steht der Arzt nicht ein für das Leben des Kindes! Großer Gott!
Seit Wochen schon ist Carlo Belloni nicht mehr in seinem Atelier gewesen. Er hatte genug zu tun, um Angelina und Klein-Marietta in Ordnung zu halten. Und überdies — das ganze Atelier steht und hängt voll Bilder jeder Größe. Und nie ein Käufer. Wozu immer weiter malen — ohne Zweck und Ziel!
Zum erstenmal darf Rinaldo das Bett ver- laffen. Matt, schwach zum Umsinken, schwankt er am Arm der Mutter ins Wohnzimmer.
Angelina, die ihn nach seiner Krankheit zum erstenmal sieht, will ihm entgegenspringen, bleibt jedoch entsetzt bei seinem Anblick auf den Platz gebannt.
Sie erkennt ihn kaum, den Bruder.
Und Rinaldo hustet so arg, und sein Puls geht so schwach und unregelmäßig!
In dicke Tücher eingewickelt sitzt er zwischen Papa und Mama auf dem altväterischen Sofa. Müde schweifen seine jetzt übergroßen, ver- jchleierten Augen durchs Zimmer. ...
neu geleitet hat und für sein warmherziges Eintreten nur anmaßende Anrempelei und Zurechtweisung von links erntete, vergebens befürworteten konservative und nationalliberale Vertreter die Vorlagen.
Von der Sozialdemokratie war schließlich die ablehnende Haltung zu erwarten, aber in keiner Weise wird das Zentrum seine Gegnerschaft In den Augen der Nationalgesinnten rechtfertigen können. Der Freisinn hat aufs neue bewiesen, daß sein nationales Empfinden nur eitel Spiegelfechterei ist. Dieses Kleeblatt, von dem jedes mit Vorliebe sich „Volkspartei" zu nennen pflegt, hat nicht im geringsten an das Blut zahlreicher Volkskinder gedacht, das in Südwestafrika geflossen ist und das im letzten Grunde doch nur geopfert werden mußte für früher begangene Fehler und zu unrichtiger Zeit geübte Sparsamkeit.
Was kümmert die „hervorragenden Kolonialpolitiker" am sicheren Schreibtisch, die Herren Erzberger vom Zentrum und Ledebour von der Sozialdemokratie, die Eisenbahn in Südwestafrika, wenn sie nur militärischen und Siede- lungszwecken dient, aber nicht der ausschließlichen Ausbreitung des Missionswesens oder der Beförderung sozialdemokratischer Hetzschriften?
Was scheert die Herren vom Zentrum und von Links die Notlage der südwestafrikanischen Farmer, deren Ruin die falsche Eingeborenenpolitik verschuldet hat und das Knausern des Reichstages, wenn sie nur ihre Tagegelder von 30 Mark sicher haben und freie Vergnügungsreisen auf den deutschen Bahnen machen dürfen!
Was liegt ihnen an dem Reichskolonialamt, wo sie doch am liebsten den „ganzen Kolonialschwindel" aus der Welt schaffen möchten, alle Schutztruppen heimberufen, die doch nur unnütze Diätenverzehrer sind!
Der Reichstag hätte allen Grund gehabt, die früheren Versäumnisie wieder gut zu machen, die dem Reiche Millionen gekostet haben und das Leben tüchtiger Farmer und Soldaten. Vor wenigen Jahren noch hätte mit einigen Tausenden von Mark und einer geringen Verstärkung der Machtmittel jeder Aufstandsgefahr vorgebeugt werden können. Die Tausende, die der „sparsame" Reichstag damals in der Fülle seiner Weisheit für unnötig hielt, mutzten jetzt mit Blut und Millionen bezahlt werden. Bei den Verhandlungen am Samstag wurde auf die äthiopische Bewegung hingewiesen, welche die Zukunft des ganzen Südafrika bedroht. Vorläufer davon sind die gegenwärtigen Kaffern- aufstände in Natal und in Britisch-Vetschuana- land, die von den Engländern und Buren durchaus nicht unterschätzt werden. Soweit denken die Kolonialpolitiker im Reichstage nicht. Sie sparen 5 Millionen für die Fortführung der Eisenbahn, wie Oberst v. Deimling erklärte und verschleudern das Zehnfache aus der Tasche der Steuerzahler, da die Verpflegung jetzt zu ungeheuerlichen Preisen über britisches Gebiet erfol
gen mutz. Zentrum, Freisinn und Sozialdemokratie haben die rechtsstehenden, kolonialfreundlichen Parteien geschlagen. Inwiefern unter de« letzteren durch Fernbleiben von diesen wichtige« Sitzungen einzelne Abgeordnete eine Schuld <nt| sich geladen haben, ist der Mühe wert festzustellen. Das Versäumnis wäre doppelt gravierend, weil es am ersten Tage der Diätenzahlun, geschah.
Was wird die Reichsregierung tun? Sie hat eine empfindliche Niederlage erlitten, über die der schönste Optimismus nicht hinwegzutäusche» vermag. Das Zentrum hat in seiner Machtstellung die Regierung wieder einmal seine Ungnade deutlich fühlen lasten, weil nicht nach seinen Wünschen gehandelt worden ist. Was wird das deutsche Volk tun, dem seine Vertreter solche« zu bieten wagten? Vermutlich nichts und die Regierung auch nichts. Regierung und Volk haben dann das Parlament und die Vertreter, die sie verdienen. D-B.
Deutsches Reich.
Berlin, 29. Mai.
— Sein Majestät der Kaiser, der am gestrigen Montag Morgen, wie schon gemeldet, feinen Jagdaufenthalt in Pröckelwitz beendete, traf in Begleitung des Fürsten zu Dohna-Schlobitten. im Automobil in Marienburg ein. Unter der Führung des Geheimen Vaurats Steinbrecht unternahm der Kaiser einen Rundgang durch das Schloß. Später erfolgte die Abreise nach Danzig. Zunächst besichtigte der Kaiser da» neue Reichsbankgebäude und begab sich darauf nach der Schichau-Werft, wo das neue L i n i en - schiff „R“ vom Stapel laufen sollte. Auf der reich geschmückten Schichau-Werft hatten sich zahlreiche geladene Gäste versammelt. Der Kaiser wurde empfangen von dem Staatssekretär v. Tirpitz, dem Stellvertreter des Chefs des Marinekabinetts Admiral v. Müller, dem Ober» Präsidenten von Schlesien Grafen Zedlitz« Trützschler, dem Geh. Kommerzienrat Ziese und von der Direktion der Schichau-Werft. Oberpräsident Graf Zedlitz hielt die Taufrede, i« der er ausführte, das Schiff sei berufen zu dienen und zu herrschen: dienen soll es dem Kaiser und dem Vaterlande, die Flagge Deutschlands zeigen auf allen Meeren, der Heimat Fleiß und Arbeit vertreten auf dem großen Arbeitsfeld« des Weltmarktes und in jedem Deutschen, wo im Weltmeere er sich auch befinde, das Gefühl wecken und stärken, ein Schutzbefohlener von Kaiser und Reich zu sein. Wenn aber der Kriegsherr einst aufrufe zum Kampf und zur Verteidigung des Reiches, dann möge es feiner Pflicht gedenken, der Lorbeer schmücke seine Flagge, der Sieg kröne den Kampf. Das Schiff solle den Namen der Provinz führen, die sich mit der Krone der Hohenzollern auf das engste verbunden fühlt. Aus Schlesiens Hauptstadt ist i« schwerer, dunkler Zeit der Ruf des Königs an sein Volk ergangen. Wiederum aus Schlesiens Gauen ist dem König der erste Ruf von Opfer-
Plötzlich belebt sich fein matter Blick. Sein dünner Zeigefinger deutet auf die Kommode, wo noch immer Jolandas Pakete liegen.
Niemand hat während der schweren Zeit daran gedacht.
„Mama! Was ist da drin? Mach auf"
Zuerst schüttelt Salomea den Kops. Aber Rinaldo bittet so dringend, und seine Augen flehen noch viel beweglicher — schließlich gibt sie nach.
Zwei Pakete werden geöffnet. Ein gesticktes Mullkleid für Angelina und ein Matrosenanzug für Rinaldo kommen zum Vorschein.
„Nun dies!" ruft Rinaldo, auf ein kleines, verschnürtes Paket deutend. „Ich habe gesehen, wie die „Cousine" noch was extra hineingesteckt hat, ehe sie wegging."
Auch dieses Paket wurde geöffnet, es enthält einen weißen Matrosenhut mit blauem Band.
Entzückt stülpt Rinaldo ihn sofort auf seinen Lockenkopf. Doch ach, er patzt nicht ganz, er ist zu groß!
Enttäuscht beguckt Rinaldo ihn von allen Seiten.
„Sieh nur, sieh, Mama! Was das ist!" ruft er plötzlich, etwas aus dem Futter heroor- ziehend. „Gewiß hat das die „Cousine" für dich hineingesteckt. Lies doch, Mama! Lies! Was schreibt sie.
Und Salomea liest die wenigen Worte auf dem Couvert:
„Für die lieben Kinder mit innigem Gruß von ihrer Cousine!"
„Da ist auch noch was drin!" drängtRinaldo, der auf einmal ganz aufgeregt wird. „Guck doch einmal hinein, Mama!"
Zögernd öffnet Salomea das Couvert.
Eine Banknote steckt darin.
Zuerst traut Salomea ihren Augen nicht. Tausend Lire! Taufend Lire!! Unmöglich!
Das wäre ja genug Geld, um ihre drückende» kleinen Schulden zu bezahlen! Und vor allem — um ihr geliebtes krankes Kind an die Ser zu schaffen, damit es dort wieder gesunde!
Tausend Lire???
Und plötzlich stürmt sie mit einem JubelschrÄ auf ihr Söhnchen zu. Fest, fest drückt sie de» kleinen, gebrechlichen Körper an sich, während Tränen des Glücks aus ihren Augen stürzen.
„Mein Liebling! Mein Herzblatt! Wir Hw ben Geld! Du kannst an die See, wie der Doktor es verordnet hat!! Du wirst wieder gesund werden und rote Bäckchen bekommen und klare Augen!!? Oh—" , „ „
Im Uebermatz der Freuds fatzt sie ihre» Gatten bei den Händen und tanzt mit ihm im Zimmer umher.
Und die Kinder schauen verwundert zu, bis auch sie in den Jubel mit einstimmen.
So lustig haben sie die ernste Mutter noch nie gesehen.
Am nächsten Morgen erhält Jolanda unter andern vielen Postsachen einen schlichten kleine» Brief.
Er enthält nichts weiter als folgende Worte;
„Innigsten Dank einer Mutter, der Sie das Leben ihres Kindes retteten durch Ihr großmütiges Geschenk. Mein Söhnchen war krank. Morgen gehe ich mit ihm an die See. Nächstens ausführlicheres! Ich bin jetzt zu aufgeregt, um mehr schreiben zu können. Die Kinder küssen ihre geliebte „Cousine", besonders Rinaldo, dem Sie sein junges Leben wiedergeben. O, könnt« ich jemals etwas für Ihr Glück tun! Mit Freuden sollte cs geschehen! /
Ihre ewig dankbare
... Salomea."
(Fortsetzung folgt.)