mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilager AllnftrirteS Sonntaasblatt.
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zretz bevollmächtigten Vertreter unterzeichneten heute die neue Postkonvention. Die Regierung Teilnehmer an dem Kongreß Medaillen verteilen.
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Schutz erbitten, da die Ortsbehörden die Autorität verloren hätten. Türkischen Blättern zufolge ist der Wali von Bagdad nach Kerbels abgereist.
Kapstadt, 26. Mai. Wie das Reutersche Bureau meldet, ist der Führer der aufständischen Hottentotten in Südwestafrika, Morenga, nach Kapstadt gebracht worden. Er soll in Tokai, einem Dorfe in der Nähe von Kapstadt, interniert werden.
Tientfin, 27. Mai. Als bezeichnend für Japans Ansichten hinsichtlich der „offenen Tür" in der Mandschurei wird hier ein Telegramm aus Mulden angesehen, das meldet, daß der japanische Konsul die ausschließliche japanische Kontrolle über Mulden und die Fremden-Nieder-
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für Deutsch - Ostafrika geforderten schwarz« Kompagnien wurden nach kurzer Beratung ab» gelehnt. Bei den Forderungen für Deutsch. Südwestafrika warnte der Leiter des Kolonial, amts Erbprinz zu Hohenlohe, den Süden de, Kolonie aufzugeben, da sonst dort ein Herd neuer Unruhen geschaffen werde. Abg. Dr. Arendt (Rp.) trat für die Regierungsforderungen ein, ebenso Abg. v. Staudy (kons.). Unt« anhaltendem Lärm der Linken meinte Oberst von Deimling, er kehre in den nächsten Tage« nach Südwest zurück und solange er das Kommando der Schutztruppen führe, werde der Süden der Kolonie nicht aufgegeben. Unter stürmischem Beifall der Linken erwiderte Abg. Dr. Müller-Sagan (fr. Vp.), wenn ein Herrscher ft spreche, laste man es sich gefallen, tue es ein 9t» gierungskommistar, so sei das Soldateska Schließlich wurde die Weiterführung der Bah, Lüderitzbucht-Kubub nach Ketmanshoop mit 181 gegen 95 Stimmen abgelehnt und auch sonst bi« umfastenden Abstriche der Kommission gutg» heißen, also auch die 10 Millionen für die ge, schädigten Farmer abgelehnt.
In der dritten, %6 Uhr beginnenden Sitzunß wurden beim Militäretat auf Antrag des Abg. von Elern (kons.) die in zweiter Lesung abgelehnten Zulagen für die patentierten Oberstleutnants bewilligt, hingegen blieb es bei dem ablehnenden Beschlüsse hinsichtlich des neuen Dienstgebäudes für das Reichsmilitärgericht. Ueberraschend kam die Abänderung der Beschlüsse zweiter Lesung und hinsichtlich bee neuen Reichskolonialamtes. Das Reichskolonialamt würbe in namentlicher Abstimmung mtf 142 gegen 119 Stimmen bei 9 Stimmenenthaltungen abgelehnt. Das unerwartete Ergebnis brachte bas Haus in solche Verlegenheit, baß « schließlich vorzog, sich bis zum Montag 2 Uhr zu vertagen, um bis bahin ben Ausweg aus bet; schwierigen Situation zu finben.
Deutsches Reich.
Berlin, 28. Mai.
— Seine Majestät bei Kaiser besuchte, wie aus Pröckelwitz gemeldet wird, am gestrigen Sonntag den Gottesdienst in der Kirche zu Altstadt und unternahm nachmittags einen Ausflug im Automobil. Heute Montag Morgen 7 Uhr erfolgte die Abfahrt nach Danzig, übe, Marienburg, wo der Kaiser das Ordensschloi besichtigt. Während des nunmehr beendeten Aufenthaltes in Pröckelwitz war der Kaiser voni Jagdglück sehr begünstigt.
— Dir Budgetkommisfion des Reichstage, beendete die Vorberatung des Ergänzungsetats. Die Forderung von 90 000 Mark zur Beschaff-
Neveste Telegramme.
Berlin, 26. Mai. Der „Reichsanzeiger" gibt hie Berufung des Kolonialrats zum Zusammentritt am 18. Juni in der Kolonialabteilung bekannt.
Berlin, 27. Mai. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Am 19. Mai auf Patrouille nördlich von Kanus gefallen: Leutnant Kurt Engler, geboren zu Taucha, früher Jnfanterieregi- yient Nr. 179, Herzschuß; Reiter Friedrich Fincke geboren zu Nowka, früher Infanterieregiment Nr. 74, Kopfschuß; Reiter Adolf Lietz, geboren zu Oberstein, früher Infanterieregiment Nr. 30, ym 19. Mai im Feldlazarett zu Kalkfontein am Typhus gestorben.
Rom, 26. Mai. Die für den Weltpostkon-
Anstatt mit stolzen Worten Jolandas Geschenke zurückzuschicken, sitzt Salomea am nächsten Morgen, zitternd vor Sorge und Angst, am Bettchen ihres Sohnes, der mit heißgeröteten Wangen und sieberglänzenden Augen beständig von einer strahlenden Fee und vergoldetem Spielzeug- phantasiert.
Soeben hat der Arzt sie verlassen.
..Echarlachfieber!" lautete seine Diagnose. „Größte Vorsicht vonnöten."
\ Wie Peitschenhiebe fielen diese Worte der armen Mutter auf die Seele. Großer Gott! Rinaldo krank! Vielleicht gar in Gefahr!
„ Erst jetzt empfindet sie so recht, wie reich sie pt im Besitz ihrer Kinder, wie nichts ihr könnte den Verlust eines einzigen dieser Kleinen ersetzen — nicht Gold, nicht Reichtum — nichts — nichts!
Sie hat ihren Mann mit einem Rezept in bie Apotheke geschickt und Ninella mit Angelina Und Klein-Marietta auf den Monte Pincio.
Salomea ist allein mit dem kleinen Kranken Und — mit ihrer Angst....
Da läutet draußen die Glocke.
Salomea fährt empor. Nur widerstrebend öffnet sie. •
Ein eleganter Herr steht draußen. ' ■: '
■.' ..Ist Herr Belloni zu sprechen?"
. ■* Gleichgültig schüttelt Salomea den Kopf.
„Nein, mein Mann ist nicht zu Hause." Sie bemerkt nicht den lebhaft forschenden Blick, den der Fremde bei ihren Worten „mein Mann" auf ihr Gesicht heftet.
„Nicht? O, wie schade. Wann kommt er wieder?" , .
berg zur Ordnung gerufen. Im weiteren Verlaufe dieses im Reichstage, wie Staatssekretär Graf Posadowsky betont, völlig deplazierten Sturmlaufes muß dieselbe Maßregelung nochmals erfolgen. Tatsächlich gehörte der Vorfall gar nicht vor das Forum des Reichstages, sondern gehört, da die Polizei Sache der Einzelstaaten ist, in das Ressort des preußischen Ministers des Innern. Ebensowenig wie bei den Rustenausweisungen, dem Fall Schöne usw. kann in dieser Angelegenheit die Zuständigkeit des Reichskanzlers oder seines Stellvertreters behauptet oder verlangt werden. (Sehr richtig!)
Staatssekretär Graf Posadowsky erklärt weiter: Durch die Behandlung der Angelegenheit im Reichstag erhält man nur ein einseitiges Bild, denn niemand ist da, der die Sache auch von der anderen Seite beleuchten kann. Wieder hat hier anscheinend ein Unschuldiger gelitten, während die Schuldigen klug genug waren, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, (Sehr richtig!) Es ist menschlich durchaus erklärlich, daß auch ein Polizeibeamter nervös wird und dann, sozusagen in der Hitze des Gefechts feine Befugnisse überschreitet. Es ist aber weniger schlimm, daß ein einzelner leidet, als daß das Ganze Schaden nimmt. Die öffentliche Ordnung muß unter allen Umständen aufrecht erhalten werden. (Beifall).
Durch einen Exkurs des Abg. v. Oldenburg über die deutsche Verfassung, in dem er den Vorgang beklagt, daß mehrere süddeutsche Staaten freiwillig und selbständig Verfassungsänderungen vorgenommen hätten, sieht sich der bayerische Bundesratsbevollmächtigte Graf von Lerchenfeld zu der Erklärung veranlaßt, daß ein an die preußische Regierung gerichtetes Gesuch um die Erlaubnis solcher Verfassungsänderungen unbeantwortet bleiben würde, da die preußische Regierung sehr wohl zu unterscheiden wisse zwischen dem was ihr, was den Einzelstaa- ten und was dem Reiche gehört. Die Bundesstaaten, die ihre Verfassung ändern zu müssen glauben, handeln nach Recht und Pflicht und werden sich darüber von niemand Vorschriften machen lasten. (Lebhafter Beifall).
Der Reichstag wollte sich am Sonnabend bis zum 13. November vertagen und erstrebte dieses Ziel durch sehr ausgedehnte, auf 3 Sitzungen verteilte Beratungen. In der ersten vormittag 11 Uhr beginnenden Sitzung wurde der Antrag auf Vertagung bis zum Herbst angenommen, ebenso ohne erhebliche Erörterung in zweiter Lesung der Handelsvertrag mit Schweden.
Die zweite auf mittags 1 Uhr anberaumte Sitzung nahm zunächst den Handelsvertrag mit Schweden in dritter Lesung an und befaßte sich dann mit den Ergänzungsetats für Afrika. Dabei kam es noch einmal zu lebhaften, z. T< leidenschaftlich erregten Erörterungen. Die 4
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Arm um eine wunderzierliche, zarte blonde Frau geschlungen hat. Daneben ein etwa dreijähriges, dunkellockiges Kind mit großen, schwarzen Augen.
Schon will er achtlos weiter blättern. Doch nein — kennt er nicht diesen alten Herrn?
Schärfer guckt er hin. Natürlich; in Jolandas Album steckt ein Kabinettbild ihres Großvaters, der genau so aussieht.
Er zieht die Photographie hervor und wendet sie um. In großen, kräftigen Schriftzügen steht da geschrieben: „Marchese Roberto Bonmarlino nebst Frau und Töchterchen Salomea."
Also richtig. Vittorios Interests wächst. Welch entzückend schöne Frau! Und wie glücklich der Gatte auf sie herabbblickt! Und dieser vornehme Mann mit den edlen Zügen soll, sein geliebtes Weib in Elend und Armut zurückge- lasten haben? Unmöglich.
Hastig klappt Vittorio das Album wieder zu. Dann klopft er an die Tür zum Nebenzimmer, wo die arme Mutter still am Bettchen ihres kranken Lieblings sitzt.
„Frau Belloni," beginnt er sanft, als Salomea geöffnet hat, „gestatten Sie, daß ich mich Ihnen vorstelle. Mein Name ist Vittorio Graziano. Ich bin der Bräutigam der jungen Marchefina Jolanda Bonmartino."
Salomeo zeigt absolut keine Verwunderung, Kaum, daß sie den Kopf hebt.
„Kann ich irgend etwas für Sie tun, Frau Belloni?" fährt Vittorio lebhafter fort.
„Nein, danke."
„Haben Sie einen guten Arzt für das Kind?"
„Den Armenarzt, wie es armen Leuten ziemt."
„Scharlach ist nicht gefahrlos, Frau Belloni. Möchten Sie nicht einen tüchtigen Arzt — vielleicht einen Spezialisten —" —-
,Mr derlei haben wir kein Geld,"
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Äug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei 41« SVßfittL Marburg, Markt 21. — Telephon 55. ”
Marburg
Dienstag. 29. Mai 1906
Paris, 27. Mai. Die „Agence Haoas" meldet NUS Peking: Der Kaiser von China ist erkrankt. Es geht sogar das Gerücht, er sei gestorben.
Paris, 27. Mai. Das „Journal Officiel" veröffentlicht die Vorschriften für den Ausschuß zur Hilfeleistung für die durch die Katastrophe von Courrieres betroffenen Familien. Die ein« gegangenen Beträge übersteigen sechs Millionen Francs. Die Unterstützung wird den Betroffenen in Form von unübertragbaren Sparkastenbüchern mit spätem Auszahlungstsrmin überreicht. Minderjährige können den Betrag erst Erheben bei erreichter Volljährigkeit oder Verheiratung. Außer dem Sparkastenbuch erhält jeder von der Katastrophe betroffene Haushalt noch 250 Francs bar.
Christiania, 26. Mai. Die Beerdigung Ibsens ist auf den 1. Juni verschoben; König Haakon wird an derselben teilnehmen.
Slewyork, 26. Mai.. Infolge von Enthüllungen über Unreinlichkeit bei der Herstellung von für den inländischen Konsum bestimmten Fleischkonserven nahm der Senat eine strenge Jn- fpektionsbill an. Die Enthüllungen zeigten, daß erkrankte Tiere im geheimen geschlachtet und verarbeitet wurden, die Arbeiter höchst unreinlich und manche schwindsüchtig waren sowie daß tausende von Ratten von denen viele in die Maschinerie gerieten mit in die Konserven verarbeitet wurden. (Und trotzdem verlangen die linksliberalen „volksfreundlichen" Freihändler in Deutschland die ungehinderte freie Einfuhr dieser „gesunden und billigenNahrungsmittel.")
Konstantinopel, 26. Mai. Bei den Konsulaten in Vassora sind Depeschen fremder Staatsangehöriger in Nedjef und Kerbel« eingelaufen, in denen diese von dem Aufstande arabischer Stämme Mitteilung machen und konsularischen
(Nachdruck verboten.);
Jolanda und Salomea.
Roman von Erich Friese».
(Fortsetzunh.)
VIII.
Aus dem Reichstag.
Auch in der Freitags Schlußdebatte des Reichstages über den Etat dreht sich die Erörterung nominell um die vom Zentrum und von der Sozialdemokratie vorgelegten Resolutionen betreffend bessere Schutzvorrichtungen gegen die Explosionsgefahr in den Bergwerken. Tatsächlich werden die mannigfachsten Dinge .in den Kreis der Debatten gezogen. So weist Abg. Frhr. v. Maltzan (kons.) darauf hin, daß bei den städtischen Schlächtern die Preise für frisches Fleisch noch immer auf der früheren Höhe stehen obwohl in den letzten Wochen die Viehpreise erheblich gefallen sind, an sich ein Beweis dafür, daß die vielbeklagte Fleischteuerung nicht so durch den neuen Zolltarif, als vielmehr durch die Gewinnsucht der Schlächter herbeigeführt sei. Ebenso ist nunmehr bewiesen, daß die Sperrung der Grenzen, wofür dem Reichskanzler und dem preußischen Landwirtschaftsminister hoher Dank gebührt, die vielfach behauptete ungünstige Wirkung auf die Fleischpreise nicht gehabt hat. Abg. v. Gerlach (freis. Vgg.) kommt auf das bekannte Buch des Regierungsrat Martin über die russischen Staatsfinanzen zu sprechen und behauptet, der deutsche Beamtenverein habe in dieser Angelegenheit die Geschäfte des Reichsamts des Innern besorgt, erhält aber zunächst keine Antwort. Abg. Dr. Böttger (natl.) bedauert, daß der gewerbliche Rechtsschutz in Deutschland noch immer viel zu wünschen übrig laste, was besonders von dem Warenzeichengesetz und dem Patentgesetz gelte. Abg. Bernstein (Soz.) kann es sich nicht versagen, nochmals das dankbare Thema von der „abgehauenen Hand" zu behandeln. Sein Hatz und Zorn wendet sich besonders gegen den an dem Vorfall selbst doch völlig unschuldigen Polizeipräsidenten von Breslau, Herrn Dr. Bienco. Von ihm sagt er, er habe wie ein Bandit gehandelt. Unter heftigen Protestrufen der Mehrheit des Hauses wird Redner vom Vizepräsidenten Graf Stol-
K
„In einer Viertelstunde."
„So kann ich ihn wohl hier erwarten?" Wieder schüttelt Salomea den Kopf.
„Das geht nicht, mein Herr."
„Warum nicht? Ich möchte Ihren Herrn Gemahl in seiner Eigenschaft als Künstler sprechen. Ich habe einen Malauftrag für ihn."
„Trotzdem. Sie können hier nicht bleiben." Das Jntereste des Fremden scheint zu wachsen. „Aber warum nicht?" fragt er eifrig, während es in seinen offenen, grauen Augen aufblitzt.
„Weil mein Sohn krank ist. Scharlachfieber. Sie könnten sich anstecken", lautet die abweisende Entgegnung. Und doch ist es dem Fremden, als zittere leises Bedauern in dem schroffen Tone nach. —
„Ich fürchte mich nicht," erwidert der Fremde freundlich. „Ich habe die Krankheit schon selbst durchgemacht. Darf ich nicht eintreten?“
Schweigend öffnet Salomea die Tür vollends.
Ebenso schweigend deutet sie auf das kleine Wohnzimmer, während sie selbst wieder ans Krankenbett eilt, ohne sich weiter um den unerwarteten Besuch zu kümmern.
Inzwischen sieht sich Vittorio Graziano — denn er ist es — in dem dürftigen Raume um.
Und wie gestern Jolanda, überfällt ihn heute wie eine Vorahnung das Gefühl, daß eine schwarze Wolke an dem leuchtenden Himmel seines Glückes auffteigt.
Warum ist er eigentlich hier? Was für Interesse nimmt er an der Frau, dis et soeben □um erstenmal sah. Ist es der Wunsch zu helfen? Oder treibt ihn seine Charaktereigentümlichkeit, hinter das Geheimnis zu kommen, welches jene ganze Erbschaftsangelegenheit umschwebt? . . .
Gedankenlos blättert er in einem verblichenen Photographie-Album.
Da wird sein Blick durch eine anmutige Gruppe gefesselt: ein alter, vornehm aussehen- bet Herr, mit langem, weißem Bart, bei bett
Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expedition 2 Ml, -wze «»n bei allen Postämtern 2,25 Mk. iejcl. Bestellgeld).
J12. 1^0 Znsertionsgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg,
Reclamen: die Zeile 25 Pfg.
„Kann ich vielleicht — eine kleine Anzahlung auf das Bild, das ich bei Ihrem Herrn Gemahl bestellen will —" _ ,
Er spricht nicht weiter. Salomeas Auge« blicken ihn gar fo zornig an.
„Bemühen Sie sich nicht, mein Herr! I» nehme keine Almosen. Das können Sie auch Ihrer Braut sagen — der Marchefina Jolanda Bonmartino. Im übrigen erkenne ich Ihre gut, Absicht an; aber — ich danke für alles!"
Hoheitsvoll neigt sie den Kopf zum Gruß — für Vittorio ein Zeichen, daß er entlassen ist. Verstimmt nimmt er seinen Hut und geht, ohn« Carlo Belloni gesprochen zu haben, ohne der armen Mutter da drinnen auch nur vom geringsten Nutzen gewesen zu sein.
Als Carlo Belloni mit der Arzner aus bet Apotheke zurückkehrt, findet et fein Söhnchen itt heftigen Fieberphantasien. Der Knabe erkennt niemand mehr. —
Furchtbare Tage vergehen für die arme« Eltern — Tage, an denen der Schatten des Todes bereits über dem jungen, frischen Leben zu schweben schien.
In seinen Fieberphantasien tief er beständig nach seiner „Cousine" oder auch nach der „Fee mit den goldenen Flügeln". Jolandas Lichterscheinung war das letzte, was sich seinem Geist vor Ausbruch der Krankheit eingeprägt hatte.
Tag und Nacht weicht Salomea nicht vom Krankenlager ihres Kindes. Ihr Gatte, hat mit den beiden Töchterchen das entferntest gelegene Zimmer bezogen — aus Vorsicht, damit die kleinen Mädchen vor Ansteckung bewahrt blieben. Salomea duldet auch nicht, daß er mit dem Kranken in Berührung kommt.
Allein will sie mit dem unsichtbaren Feinh bet ihr das heißgeliebte Kind zu rauben droht, fertig werden. /
(Fortsetzung folgt.);
>en. mb. hör. D. 38. -rg:
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