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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
SonniagSbeUaa«! Alluftrirt«. ®dnnfdd»Mo<t
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Vierteljährlicher Bezugspreis; bet oer Exprdition 2 Mk^ btt aßen Postämtern 2,25 Mk. <ejcL Bestellgeld).
ZnsertlonSgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg.
Reelamen: die Zeile 25 Psg.
Marburg
Sonntag, 27. Mai 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UmverfttätS-vuchdmckerei 41. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon a5.
Zweites Blatt.
L, ___________ ■ ■ ..... —
Neueste Telegramme.
, Berlin, 25. Mai. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz bett, die Aenderung des Artikels 32 der Reichsverfassung und das Gesetz ibetr. die Gewährung einer Entschädigung an 'die Mitglieder des Reichstags, beide vom 21. Mai 1906.
i Hamburg, 25. Mai. Mit dem Postdampfer !„Alexandra Woermann", der heute nachmittag ■in die Heimat zurückgekehrt ist, kehren 17 Offi- ißiere und höhere Militärbeamte, sowie 200 Unteroffiziere und Mannschaften, darunter 13 Verwundete, in die Heimat zurück.
I Karlsruhe, 25. Mai. Die Rheinische Hypothekenbank in Mannheim hat dem Eroßherzog anläßlich der bevorstehenden Feier des 80. Geburtstages und der goldenen Hochzeit den Betrag von 20 000 M zur Förderung der Landwirtschaft und des ländlichen Realbodenkredits .in Vaden zur Verfügung gestellt. Der Crotz- herzog hat dieses Anerbieten angenommen und der Bank in einem Handschreiben seinen Dank ausgesprochen.
Rom, 26. Mai. Der Papst empfing gestern .eine französische Pilgerschar, die wegen der am jachsten Sonntag stattfindenden Seligsprechung der im Jahre 1794 ermordeten Karmeliterinnen von Compiögne kamen. Der Papst sprach sehr gerührt und in Tränen ausbrechend über die Kirchenvsrfolgung, gab aber keine Winke für das Verhalten des Klerus in der schwierigen Lage. Er beschränkte sich darauf, die französischen Katholiken aus die Fürsprache der neuen Seligen hinzuweisen.
\ Petersburg, 25. Mai. Rach einer Meldung der Petersburger Telsgraphen-Agentur aus ■ Teheran ist in dem Befinden des Schahs von Persien eine Besserung eingetreten.
! London, 26. Mai. Der internationale Berg- ^'orbeiterkongretz beginnt am 8. Juni im West- ;minster Palace Hotel. Der Kongreß soll fünf »Tage dauern. Im deutschen Lager der Berg- ileute soll wenig Stimmung für diesen Kongreß fein; aus Deutschland werden daher auch nur wenige Bergleute erscheinen. Auf den inter- jNationLlen Bergarbeiterkongresien haben die Engländer das Heft vollkommen in der Hand.
Besteuerung der Konsumvereine.
Zu den wichtigsten Fragen der Mittelstandspolitik gehört die Besteuerung der Konsumvereine. Das Konsumvereinswesen k^t nicht nur in den Kreisen der Gewerbetreibenden sondern auch sonst zahlreiche Gegner, die zum Teil sehr gewichtige Gründe für die Bekämpfung vorzubringen vermögen. Wir haben stets zu denen
Erinnerungen aus dem Marburger Studentenleben.
Von L. Müller. •
XXL
Von des Tambours Braun Erlebniffen sind schon einige berichtet, jedoch ist auch noch ein Gedicht erhalten, das Einzelnes in Versen überliefert:
f Der Tambour als Stiefelputzer.
Braun lebt nicht blos vom Trommelschlag, <v Auch Stiefel putzt er alle Tag,
Nachts mit Latem' von Haus zu Haus, Klopft er den Herrn die Röcke aus.
Einstmal kam er zum Wendelstadt,
, Der ihn zum Oberwichser hat
4 Und trat in Studios Zimmer ein , Hebt „Guten Morgen" an zu schrein.
Sein Herr da auf dem Sopha liegt
Noch von dem letzten Rausch besiegt, ■ Von da Braun in die Kammer geht, ,.Vor dem Bett er staunend stille steht.
' „Herr Wendelstädt" spricht er: „welch ein Fall
*■ Beim Henker! Da liege se noch einmal." ' Es war dem Tambour Braun nicht klar, ■ Daß der im Zimmer ein Freund' mir war. ,
Mls eines Morgens um sechs Uhr, vV- .Aufm „bunten Kitzel" war Mensur, .' iCeim Herrn die Stiefel brachte VraM» ' ' Und dieser kam sie zu beschaun. . < x , Ob es auch sei das rechte Paar
Ein Stiefel wie der andre war, '
Jedweder für den rechten Fuß, —
So Ijate getan der Pfiffikus. . - - - > v«
gehört, die den Standpunkt vertreten, daß es, wie für die „Vergenosienschaftlichung" überhaupt, auch für das Konsumvereinswesen eine bestimmte Grenze geben muß: das Existenzrecht und die im staatlichen Jntereffe liegende Existenznotwendigkeit eines lebenskräftigen, vielgegliederten Mittelstandes. Die gleiche Auf- faffung geht auch aus einem Aufsatze der nationalliberalen Wochenschrift „Deutsche Stimmen" hervor, in dem wir folgendes lesen:
Es ist der alte, oft gehörte Wunsch des ge- werbefleißigen Mittelstandes nach Besteuerung der Konsumvereine, auf den das preußische Abgeordnetenhaus eingegangen ist. Selbst die Freisinnigen konnten sich nicht völlig der Einsicht entziehen, daß die jetzige Besteuerung der Konsumvereine, die sich nur auf die mit juristischer Person bezieht, nicht mehr zeitgemäß ist. Aber wie immer blieben sie aus dem Boden des formalen Gleichheitsprinzips, verkannten die wirtschaftliche und staatliche Notwendigkeit einer besonderen Fürsorge für den schwerringenden Mittelstand vollständig und wollten nur' einer gleichmäßigen Besteuerung der Genossenschaften überhaupt zustimmen, ohne Unterschied, ob sie nun Konsumvereine oder Produktiv- und Roh- einkaufsgenoffenschaften sind. Dabei gingen sie dann freilich in der Konsequenzmacherei doch wieder nicht soweit, daß sie auch die Kreditgenossenschaften mit den anderen treffen wollten. Hier scheint ihnen also die Erkenntnis gedämmert zu haben, daß die Eenoffenschaften nicht sämtlich von derselben Qualität und Wesenheit sind.
Alle übrigen Parteien des Abgeordnetenhauses hatten es leichter. Es war nicht ihres Amtes, die Wirklichkeit zu Gunsten einer starken Doktrin zu zwingen, sie brauchten sie nur mit den lebendigen Lehren, die sie tagtäglich erteilt, auf sich wirken zu laffen, um hier klar zu sehen.
In einer Zeit, in der es keine Diskussion über die Notwendigkeit der sozialenEesetzgebung mehr gibt, ist jene Engherzigkeit, die mit dem Schutz der schwächeren Existenzen jenseits der eigentlichen Fabrikarbeiter Halt macht, ganz ungeheuerlich und nur beklagenswert. Wer sehen will, muß den Eindruck haben, daß im Gegensatz zu weiten Schichten gut bestellter und mitten einer Fülle von staatlichen Fürsorgeeinrichtungen gut gedeihender „Proletarier" der Mittelstand in weitem Umfange tatsächlich unter sehr wenig guten Bedingungen rein um seine Existenz ringt. Wenn sich da Vereine bilden, die Produktionsmittel im Großen einkaufen und nur zu dem Zweck weiter veräußern, um die handwerksmäßige oder landwirtschaftliche Produktion zu erleichtern, so ist das eine Selbsthilfe von getrennt Schwachen, die eine Sonderstellung in der Besteuerung durchaus rechtfertigt. Zweifellos muß auch dieser Schutz seine Grenze haben: an der Art des Geschäftbetriebes, ob er noch auf den Schutz der Schwachen und Erleichterung ihrer Produktion oder nur auf Erzielung möglichst hoher Gewinne abgezweckt ist: aber gerade, weil dies letztere auf die Konsumvereine zutrifft, ist hier die Grenze für den staatlichen Schutz gegeben. Er mußte
Potz Donner Braun, welch' dummes Zeug Hol mir den linken Stiefel gleich, So ließ der Studio ihn an Doch Braun der blieb bei seinem Wahn.
Und macht ein ganz verdutzt Gesicht Besinnt sich, bis er alsdann spricht: „Der andre Herr bei dem ich war, Der sagt: „er hab ein linkes Paar."
Beendigt morgens um acht Uhr Wars schöne Werk, die Wichsertour, Dann gravitätisch, non chalant Das Wichsgeschirr wohl in der Hand.
Und unteim Arm den Kloppestock, Im abgeschabten Tambourrock, Ging er auch daß ers nicht verpaffe Vom Steinweg durch die Wettergaste.
Sich selbst erzählend, was er sah. Bei seinen Herren hier und da, „In Kleidern liegt der Herr im Bett, Und in der Stube nichts als Fett.
Die Lampe, die ist kurz und klein. In Troja konnts nicht schlimmer sein. Eine schöne Bescheerung hat er gemacht, Gekneipt hat er die ganze Nacht."
Braun in Karlshafen, Als Braun nun ward ein Invalid, Da wo die Weser nordwärts zieht, Kam einstmals hin „Herr Wendelstadt", Der damals war ein Oberrat.
Er fragt allda: „Lebt noch der Braun, Ich möchte gern den Kerl mal schaun." Der Bote geht, der Braun erscheint. Doch weiß er nicht, ob er gemeint.
Teil mußt er nehmen am Diner, Es kam zum Tisch ein schön Stück Reh, Und neben ihm gab Wendelstadt Ihm Platz, was ihn erstaunet hat. zv 4
ihnen entzogen werden, weil in der Befreiung von der Einkommensteuer geradezu eine Privilegierung der Konsumvereine zu Ungunsten der wirtschaftlich Schwachen: Detaillisten, Klein- kanfleute usw. liegt.
Der Konsumverein ist in allen Fällen eine wirtschaftliche Persönlichkeit, die aber mit der Einkommensteuer als Geschäftsunkosten gleich dem einzelnen Gewerbetreibenden nicht zu rechnen hat. Daß die Konsumvereine auf die Erzielung von Gewinnen ausgehen, daran ist angesichts der Anziehung, die sie allein durch die Gewinnbeteiligung und ihre Dividenden auf das Publikum ausüben, kein Zweifel mehr möglich. Sie haben darum gewiß immer noch ihre Existenzberechtigung, aber ein Recht auf Sonderstellung und Privilegierung vor dem einzelnen Gewerbetreibenden dürfen sie keinesfalls in Anspruch nehmen. Ein solches Verlangen wäre angesichts von Gewinnen, wie sie z. B. der Breslauer Konsumverein jährlich erzielt, ganz unerhört. Dieser Verein hat im Jahre 1905 rund 16 Millionen Mark Umsatz gehabt, er hat 1931 345 Mark Reingewinn erzielt, 11 Prozent Dividende und 64 700 Mark Tantiemen an die Aufsichts- und Verwaltungsräte verteilt. Dabei aber hat er nur 65 000 Mark Erwerbe- und Vetriebssteuer bezahlt, so daß dem Staat ca. 100 000 Mark Steuern und der Stadt Breslau 120 600 Mark Umlagen entgangen sind. Selbst der Redner der Freisinnigen, Dr. Krüger, gab zu, daß Breslau sich wohl nicht gut der Besteuerung auf Einkommen entziehen könne. Aber ähnlich hohe Verdienste erzielen auch andere Konsumvereine, reine Gewinne alle. Und was besonders schwer ins Gewicht fällt, die Entwicklung des Konsumvereinswesens schreitet in Stadt und Land gewaltig vorwärts. Auch die kleinsten wachsen sich schließlich zu einer schwer zu überwindenden Konkurrenz für die gewerbstätigen Einwohner aus. Diese Mittelstandsexistenzen aber sind nun doch zum guten Teil die Träger der kommunalen Finanzwirtschaft. Ihre Ersetzung durch Konsumvereine, die die Kommune zu Abgaben nach dem Einkommen nicht heranziehen könnte, würde also die kommunalen Finanzen in immerhin erheblichem Umfange treffen, was gleichfalls nur durch die Aenderung in der Steuergesetzgebung verhütet werden kann, die nun das Abgeordnetenhaus vollzogen hat.
Die Eroßeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine, der 1395 Vereine angeschloffen sind, hat im Jahre 1905 für 38 780199 Mk. 17 Pfg. Waren umgesetzt. Die Gesellschaft beschäftigte insgesamt 226 Personen. Der erzielte Reingewinn beläuft sich auf 238 605 Mk. 49 Pfg. Das Stammkapital beträgt 750 000 Mark, die Reserven stellen sich auf 246 407 Mk. 88 Pfg. Der Vorstand schlägt der im Juni stattfindenden Generalversammlung vor, die Reserven auf 380 227 Mk. 94 Pfg. zu erhöhen. Dann kommen also 105 000 Mark als Gewinn zur Verteilung oder genau 14 Prozent Dividende, von denen Staat und Gemeinde keinen steuerlichen Anteil haben!!
Wenn dieser Umsatz von 38,78 Millionen etwa den dritten Teil des Haushaltbedarfs
Und als man von dem Tisch aufstand, Nahm Wendelstadt den Braun zur Hand: „Weißt Du denn Braun nicht, wer ich bin? Kommt Wendelstadt Dir nicht in Sinn?"
Da wards ihm einmal oben hell, Aufsprang der alten Liebe Quell: „Der Satan, Wendelstadt, bist Düs?" Sein alter Herr, der lacht dazu.
Zwei Taler er zum Abschied gab, Daß er ihn int Gedächtnis hab. Wo ist nun Braun? Aus aller Not Erlöste ihn Freund Hain, der Tod.
XXII.
Ein Bild Marburgs aus dem vorigen Jahrhundert entwirft Julius Rodenberg in feinem Jugendroman, wo es heißt:
„Das hessische Universitätsstädtchen Marburg ist das wunderlichste Ding, was man unter der Sonne sehen kann. Es zieht sich um einen mäßigen Hügel und man steigt bergauf, bergab. Es gibt Straßen darinnen, durch welche niemals ein Wagen gefahren ist. Einige von diesen Straßen steigen schnurstraks zum Berg hinauf, wie Alpenpäffe und stürzen ebenso schwindelnd zum Berg hinunter. Aus einer dieser Straßen steigt man zum Dach des Hauses durch eine Türe heraus und kömmt wieder auf eine andere Straße. Vorn sieht man drei bis vier Stockwerke und hinten kömmt man zum Dach heraus. Sieht man aus den Fenstern über die blauen Schieferdächer, so erblickt man blühende Gründe und schöne Hügelketten mit Wald und Wiesen, die sie begrenzen, rote Felsen, um welche im Frühjahr der gelbe Ginster blüht und einen kleinen rauschenden Strom, welcher das liebliche Tal durchschlängelt. Dieses Tal ist das schöne Lahntal. Ein glücklicheres Leben als hier, in den alten winkligen Häusern, mit den unregelmäßigen Stuben und meist schiefen Wänden,
eines Arbeiters betrifft und dieses Drittel aus 200 Mark jährlich im Durchschnitt angenommea wird, sind rund 20 000 Arbeiter für den dritte« Teil ihres Bedarfs dem ortsangesessenen Kaufmann entfremdet, der steuerlich ganz gehörhz in Anspruch genommen wird! —"
Deutsches Reich.
Berlin, 26. Mai.
— Seine Majestät der Kaiser hat den für gestern geplanten Besuch des Gutes Cadine« von Prökelwitz aus wegen eines vorgekommenen Scharlachfalles aufgegeben. Morgen (Sonntag) wird der Kaiser dem Gottesdienst in Altstadt beiwohnen. Am Montag erfolgt die Abreise von Prökelwitz über Schloß Marienburg nach Danzig, wo der Kaiser dem Stapellauf bei neuen Linienschiffes R beiwohnt.
— Der Bundesrat wird, wie üblich, anfangs Juli in seine Sommervertagung eintreten. Sei« letztes größeres Pensum vor diesen Ferien wird die Erlaffung etwaiger Ausführungsbestimmungen zur Reichsfinanzreform fein.
— In nächster Zeit werden die Handelsvertragsverhandlungen zwischen Deutschland und Norwegen beginnen. Auch Dänemark hat handelspolitische Wünsche, über die später verhandelt werden wird. Mit Spanien wird es einstweilen zu einem Vertrage nicht kommen. Deutschland wird sich also auf handelspolitischem Gebiete bis auf weiteres mit einem Provisorium behelfen müffen.
— Ueber den Arbeitsmarkt im Monat April berichtet das „Reichsarbeitsblatt" folgendes; „Der Monat April, der zweite Monat nach Eintritt der neuen Zollverhältnisse, hat bisher einen Umschlag der Konjunktur in den hauptsächlichsten Gewerben nicht herbeigeführt, vielmehr ist für die Hauptgewerbe im großen und ganzen die Arbeitstage günstig geblieben. Eine Einwirkung der Handelsverträge wird bisher nur für einzelne Teile der chemischen Industrie hervorgehoben. Der Beschäftigungsgrad würde sich noch günstiger gestaltet haben, wen» nicht, ebenfalls ein Anzeichen günstiger Konjunktur, der April in einer ganzen von Gewerben Streiks und Aussperrungen in größerem Umfange gebracht hätte. Der Steinkohlenbergbau war gut beschäftigt, im Braunkohlenbergbau wurden in einzelnen Bezirken (Zeitz, Meuselwitz) die Arbeitsverhältniffe durch Lohnbewegungen stark beeinflußt. Sehr günstig gestaltete sich auch weiter die Konjunktur in der Metall- und Maschinenindustrie, die auf der anderen Seite durch Streiks und Aussperrungen besonders stark beeinträchtigt wurde. Die elektrische Industrie wies unverändert zufriedenstellende Verhältnisse auf, soweit sie nicht in einzelnen Bezirken durch die Streikbewegungen der Metallarbeiter mitberührt wurde. Die Arbeitslage in der Textilindustrie war ebenfalls, abgesehen von Streikbewegungen in einzelnen Bezirken, überwiegend günstig, und das Gleiche gilt für das Baugewerbe. Wie alljährlich nahm im April die Landwirtschaft einen Teil der gewerblichen Arbeitskräfte in Anspruch, ein Um
gibt es nicht in der Welt und ein lustigeres auch nicht. Der Marburger Philister ist sehr genügsam, besonders von der Ketzerbach sagt man sich: Wenn der Philister ein Häuschen, ein Gärtchen, ein Schweinchen und einen Studenten hat, ist er zufrieden. Die Musen werden in Marburg noch geehrt, wie zur Zeit des trefflichen Erasmus, und die furcht- und tadellosen Jünger desselben haben noch ihre Stacheltinten« fäffer, ihre großen Mappen, ihre Bänder und Mützen, ihre Schläger und Humpen, wie in der guten alten Zeit, und sie durchziehen zu sehen durch die altmodischen Gaffen, in hohen Kanonen- stiefeln und groben Flausröcken, Arm in Arm, dampfend aus gewaltigen Pfeifen mit Quasten und Troddeln und gefolgt von nachtrottenden Hunden, ist ganz ein Bild des mittelalterlichen Studentenlebens."
Ein Anderer schreibt: „Auf dem Karzer lebt es sich ganz lustig, vorzüglich wenn man in guter Gesellschaft ist. Von den drei Zimmern hat man den Blick in das schöne Eießnertal hin. Die Stiefelwichser dürfen Betten, Pfeifen, Karten und was an Esten und Trinken zum studentischen Komfort gehört, hinauf bringen. Der Karzerwärter Weiter, der sich vor kurzem wieder verheiratet hat, obgleich er schon ein alter Knabe war, ist ein sehr gnädiger Wirt. Ganz in der Nähe von Marburg liegt Ockershausen, wo die Studenten sich Pfannkuchen und saure Milch schmecken lasten, ohne zu bedenken, daß die Säure durch winzige wachsende, mikrospische Stäbchen — das Milchsäurereserment — erzeugt wird. Die Entdeckung, daß sich in dem Muskelfleisch der Schweine Trichinen einkapseln, die, genoffen, die Fähigkeit besitzen, sich int menschlichen Körper massenhaft zu vermehren, hat dem Genuß des Schinkens Abbruch getan. Während des Sem«-, sters gab es Ausflüge ins Freie, sowie Vergnü«. gungen daheim," v v ,