mit dem Kreisblatt für -ie Kreise Marbmg und Kirchham.
Sonntagsbeilage: AllnktrirteS SonntaasblatL,
Jts. 121
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Marburg
Sonnabend, 26. Mai 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck imb Verlag' Joh. Aug. Koch, UniversitatS-Buchdruckerei 41. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Erstes Blatt.
Neueste Telegramme.
Wien, 23. Mai. Der Chef des preußischen Deneralstabes Generalleutnant v. Moltke wird auf Einladung des Kaisers Franz Josef in Bruck am 25. und 26. Mai den Truppenbesichtigungen beiwohnen. Der Kaiser, der am 24. Mai aus Budapest in Bruck eintrifft, wird bald nachher den General empfangen. Letzterer wird am 26. Mai wieder in Wien eintreffen, am Nachmittag an einem Diner bei dem deutschen Botschafter teilnehmen und abends voraussichtlich die Rückreise nach Berlin antreten.
Wien, 24. Mai. Nach den endgültigen statistischen Angaben betrug im Jahre 1905 die Einfuhr Oesterreich-Ungarns 2213,1 Millionen Kranen, die Ausfuhr 2390,7 Millionen, somit das Eefamtaktivum der Handelsbilanz 177,6 Millionen gegen 71,2 Millionen im Jahre 1904.
Rom, 23. Mai. Der Weltpostkongretz hielt heute seine letzte Sitzung ab. Zum Sitz des nächsten Kongresses wurde Madrid gewählt. Die llnterzeichnung der Kongreßakte wird am 26. b. M. erfolgen. Mehrere Delegierte nahmen die Einladung der italienischen Regierung zum Besuche von Florenz und Venedig an.
Rom, 23. Mai. Es bestätigt sich, daß Gio- litti den Auftrag erhielt, ein Kabinet zu bilden. Man glaubt, daß in einigen Tagen die Bildung des Kabinetts erfolgt fein wird.
Paris, 24. Mai. Die Sozialisten werden von der künftigen Kammer die sofortige Durchführung der Arbeiterpensionsgesetzes verlangen.
Bukarest, 23. Mai. Um 3 Uhr nachmittags empfing der König die Mitglieder des diplomatischen Korps in feierlicher Audienz. Sämtliche Gesandten überreichten ihm Handschreiben ihrer Souveräne, in denen diese ihre Glückwünsche zum Ausdruck bringen.
Bukarest, 23. Mai. Die heutige Jubiläumsfeier verlief bei schönem Wetter programmäßig. Der König fuhr erst, stürmisch von Hunderttau- scnden begrüßt, nach der Metropolie, nahm dann eine Militärparade ab, an deren Spitze sich Veteranen und militärisch organisierte Dorf- kinder befanden. Die Parade verlies glänzend, die Haltung der Truppen' war ausgezeichnet. Ain Nachmittag findet ein Bankett für 3000 Bürgermeister und Gemeindevorsteher statt; abends wird die Stadt glänzend beleuchtet.
Petersburg, 23. Mai. Der Gouverneur von Estland Baschilow ist wegen dringender Angelegenheiten vom Minister des Innern Stolypin nach Petersburg berufen worden. Es sollen sehr beunruhigende Nachrichten über die Lage der baltischen Provinzen beim Ministerium des Innern eingelaufen sein.
Petersburg, 23. Mai. Dem Chef des Generalstabes der Marine Admiral Roschestwenski ist mit Rücksicht auf seine durch erlittene Ver
wundungen geschwächte Gesundheit der erbetene Abschied bewilligt worden.
Stockholm, 23. Mai. In der Zweiten Kammer sprach sich Abg. Wallenberg gegen den deutsch-schwedischen Handelsvertrag aus, während der Abg. Branting dafür sprach, jedoch vor der Annahme der Bestimmungen betr. den Exportzoll warnte. Im Laufe der Sitzung wurde der deutsch-schwedische Handelsvertrag mit 126 gegen 84 Stimmen angenommen. — Die Erste Kammer nahm den Handelsvertrag mit Deutschland mit 101 gegen 34 Stimmen an.
Konstantinopel, 23. Mai. Nach Angabe der Pforte ist von der aus etwa 1000 Mann bestehenden griechischen Bande, welche die Kutzo- walachen bei Erevena überfallen hat, bereits ein Teil vernichtet, ein anderer Teil gefangen oder zerstreut worden.
Aus dem Reichsta-f.
Auf der Tagesordnung am vorgestrigen Mittwoch stand zunächst die 3. Beratung der Militärpensionsgesetze.
Abg. Erzberger (Ctr.) beantragt, nach Rücksprache mit den Parteien des Hauses, daß beide Gesetze zusammen en bloc angenommen würden.
Abg. Singer (Soz.): Ich habe mich mit diesen Vorschlägen des Abg. Erzberger einverstanden erklärt, aber nur, soweit sie die Abstimmung betrifft, daß die Vorlagen „angenommen" würden, wie er meint, habe ich nicht mit ihm vereinbart. (Gr. Heiterkeit.)
Hierauf werden die beiden Gesetzentwürfe en bloc angenommen.
Es folgt die zweite Lesung des Gesetzentwurfs betreffend die Aenderung und Auslegung des Schutztruppengesetzes.
Geheimrat Twele: Mit Rücksicht auf die Geschäftslage des Hauses verzichtet die Regierung auf die Weiterberatung des Gesetzes.
Hierauf tritt das Haus in die dritte Lesung des Reichshaushalts und des Etats für die Schutzgebiete ein.
Abg. Bassermann (nl.): Zur dritten Lesung des Etats möchte ich mir einige kurze Bemerkungen gestatten. Wir stehen am Schlüsse des diätenlosen Reichstags. Das Stillleben, das hier manchmal zu verzeichnen war, wird ein Ende nehmen. Die bis dahin bestehende Schwierigkeit, große Materien hier zu verabschieden, das fällt jetzt, dank dem Entgegenkommen des Fürsten Bülow und des Grafen Pofadowsky, weg. Wir werden jetzt auch an die Reform der Arbeiterversicherung und andere große unser harrende Gesetze herantreten können. Die auswärtige Lage ist für uns zur Zeit nicht günstig. Die geräuschvollen Reisen, die der König von England macht, sind ohne Zweifel erfolgreich. Ich bin im Zweifel darüber, ob es angebracht war, nach Italien einen kalten Wasserstrahl zu richten. Auch in den Kreisen meiner Freunde macht sich auf die Aeußerungen in der italienischen und der ungarischen Presse eine gewisie Besorgnis geltend. Ich würde dem Herrn Staatssekretär dankbar sein, wenn er über die Frage der Bagdadbahn einige Worte sagen würde. (Beifall.)
Abg. Graf Limburg-Stirum (kons.) (auf der Tribüne schwer verständlich) wünscht eine Kontingentierung der Matrikularbeiträge und mahnt zur Sparsamkeit, damit endlich der Anleihe-Wirtschaft ein Ende gemacht werde.
Staatssekretär des Auswärtigen Amts v. Tschirschky und Bögendorf: Ich möchte mir einige kurze Bemerkungen über die Anfrage gestatten, die der Abg. Vassermannn an das Auswärtige Amt gerichtet hat. Er hat zunächst die Frage gestellt über das Telegramm Seiner Majestät an den Grafen Eoluchowski. Es ist doch selbstverständlich, daß dieses Telegramm, das an den Minister der auswärtigen Angelegenheiten eines befreundeten Staates gerichtet war, bekannt gegeben worden war. Der Herr Reichskanzler übernimmt also die Verantwortung für diese Depesche, nicht aber für alles das, was in sie hineininterpretiert worden ist. Die weitere Frage, ob Verhandlungen zwischen Rußland und England bestehen, und ob bei diesen Abmachungen Entscheidungen getroffen werden könnten, die deutsche Jnteresien berühren, kann ich dahin beantworten: ich habe diesen Fragen von vornherein meine Aufmerksamkeit schenken können und ich habe festen Grund zu der Annahme, daß jede Besorgnis in dieser Richtung ausgeschlosien ist. (Hört! hört!) Gegenüber den auswärtigen Preßäußerungen in Bezug auf den Dreibund betone ich, daß die Regierungen in den beteiligten Staaten fest auf dem Boden des Dreibundes stehen (hört! hört!). Insbesondere habe ich von dem italienischen Botschafter, der kürzlich aus Rom hierher zurückgekehrt ist, nachdem er dort die maßgebenden Instanzen gesprochen hatte, bündige Erklärungen im Auftrage seiner Regierung empfangen. (Beifall.) Die Kaiserreise nach Schönbrunn entspringt dem persönlichen Wunsche des Kaisers und dem des erhabenen Hauses der habsburgischen Monarchie, und es gehört ein überaus großes Maß von Uebelwollen und besonderer Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse dazu, wenn man dem Kaiser wegen dieser Reise Zwecke unterschiebt, die Seiner Majestät vollständig fern liegen. Ich bin, glaube ich, des Einverständnisses des hohen Hauses sicher, wenn ich sage, daß wir es freudig begrüßen, daß die Zeit der Mißstimmung in England vorüber ist. (Bravo!) Nach wie vor stehen wir auf der Basis der Dreibundpolitik, wie der Ausgestaltung freundlicher Beziehungen zu allen anderen Staaten. Die Kaiserliche Regierung wird mit Selbstvertrauen auf ihren eigenen Füßen stehen und ihren Weg gehen, ohne sich durch noch so geschickte Preßmanöver und politischen Umtriebe aus ihrer ruhigen Bahn abbringen zu lasten. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Bebel (Soz.): Aus der einst hier durch den Ausdruck „Verkehrsdusel" verratenen Abneigung gegen die Ausbeutung des Verkehrs ist die neue Fahrkartensteuer entstanden. Die Biersteuer trifft gerade den Mittelstand des Gewerbes, ebenso die Zigarettensteuer. Die Fahrkartensteuer wird gerade die 3. Wagenklasse d. h. wiederum den Mittelstand belasten. Und das nennt der Abg. Büsing eine nationale Tat! (Unruhe b. d. Natlib.) Greift man den Nationalliberalen an den Geldbeutel (Heiterkeit) — und die Konservativen sind auch so — (Heiterkeit), dann hört die Gemütlichkeit auf. Die Wehrsteuer ist für den Herbst schon angkündigt. Zwei
fellos ist, daß England im Laufe der Zeit aus seiner splendid Isolation heraus ist. Es 6e« herrscht heute moralisch die Welt. Es hat gute Verträge mit Japan, mit Frankreich. Es hat mit allen europäischen Mächten gute Beziehungen mit Ausnahme von Deutschland. England hm es verstanden, den Dreibund derart in Gefahr zu bringen, daß sogar Abg. Vastermann Bedenken für dessen Sicherheit hegt. Die englische« Abrüstungsbeschlüsse haben uns gezeigt, daß man Deutschland auch nach einer Einschränkung der Rüstungen besiegen würde. Bis jetzt haben uns die Kaiserreisen kein Glück gebracht. Bisher hat der Reichskanzler uns auf die Verwirklichung seiner am 15. September 1903 proklamierte« Grundsätze vergeblich warten lassen. Es fehlt uns vor allem die Rechtsgleichheit. Daß wir in Preußen unter einer ausgedehnten RechtsSn- gleichheit leiden ist bekannt, aber daß man de» Fall des Breslauer Schutzmanns, der einem Unschuldigen die Hand abhieb, verteidigt, das ist doch mehr als man erwarten durfte. Angesichts solcher Vorgänge werden Sie (nach rechts) üch über nichts mehr wundern dürfen. Redner verbreitet sich schließlich eingehend über die Ausweisungen russischer Staatsbürger.
Abg. Böckler (dtsch. Reformp.): Die Sozialdemokratie benutzt bereits die Reichsfinanz- reform als Agitation gegen die „bürgerliche« Parteien". So behauptet sie von der Zigaretten- steuer in einem Flugblatt, daß die bürgerlichen Parteien sie verschuldet hätten. Demgegenüber müssen wir doch auch betonen, daß nicht alle bürgerlichen Parteien dafür gewesen sind. Redner polemisiert gegen die Sozialdemokratie, der die Judenschaft das Geld zur Agitation liefere.
Staatssekretär Graf Pofadowsky: Ich habe im „Vorwärts" gelesen, beim Etat des Reichskanzlers würde ich gezwungen werden, die Antwort auf die in der sozialdemokratischen Interpellation s. 3t. gestellte Anfrage zu geben. Demgegenüber kann ich nur ebenso bestimmt sagen, es wird mich niemand zwingen, etwas zu er- klä was ich nicht weiß. (Unruhe links). Dii Angelegenheit muß eine preußische bleiben und innerhalb Preußens ausgetragen werden. (Lebh. Beifall.)
Nach weiteren Auseinandersetzungen zwischen dem Abg. Bebel, dem Staatssekretär Grafen Pofadowsky und dem Abg. Dr. Arendt (Rp.) tritt das Haus in die Einzelberatung ein.
In der Einzelberatung werden mehrere Einzeletats nach kurzer Erörterung genehmigt.
Die weitere Beratung wird auf Freitag 1 Uhr vertagt.
Deutsches Reich.
Berlin, 25. Mai.
-— Seine Majestät der Kaiser, der gegenwärtig seit Dienstag in Prökelwitz bei dem Fürsten Dohna-Schlobitten zur Jagd weilt, wohnte am gestrigen Himmelfahrtstage dem Gottesdienst in Altstadt bei. Heute Freitag begibt sich der Kaiser mittels Automobils von Prökelwitz über Posilge-Altfelde-Elbing nach seiner Gutsherrschaft Cadinen und fährt im Laufe des Nachmittags auf demselben Weg« nach Prökelwitz zurück.
| j 16 (Nachdruck bcrbelcn.)
Jolar-da und Salome«.
Roman von Erich Friesen.
; (Fortsetzung.)
Angezogen von der Schönheit der fremden 4 ; Dame, von der Herzensgüte, die aus ihren Augen spricht, und für welches besonders Kinder ein seines Empfinden haben fliegt Angelina hin oU Jolanda, direkt hinein in die ausgebreiteten 1 r «rme, die sich fest, fest um die zarte Kinder- - i knospe schließen.
Langsam nähert sich nun auch der Knabe. ' „Komm, mein Kind!" ruft Jolanda heiter, die Rechte entgegenstreckend. „Wie heißt
„Rinaldo!" lautet die stolze Entgegnung.
crn-*?!110 bvll?“ sErdet sie sich an das kleine l Mädchen, das mit glänzenden Augen bewundernd zu der eleganten Dame emporsieht.
„Angelina."
' „Recht so. Ich bin eure Cousine Jolanda. Ihr mufft mich ein bischen lieb haben Wollt ihr das?"
Angelina nickt eifrig, während ihr Bruder feine großen, schwarzen Augen mit drolligem Ernst auf Jolandas lächelndes Gesicht richtet.
„Ich weiß noch nicht —" meint er zweifelnd — „ich kenne dich ja noch gar nicht."
„Sie ist unsere Cousine!" ruft Angelina in verweisendem Tone. „Sie hat es ja eben erst gesagt. Und sieh nur, wie hübsch sie ist? Noch ’inel hübscher als Mama! ... Ich habe sie schon !,eh — sehr lieb!"
' Und zur Bekräftigung ihre Worte schlingt De schmeichelnd beide Aermchen um Jolanda
und versteckt das blonde Köpfchen in den Falten des weißen Tuchkleides, welches sich weich an die schlanken Glieder des jungen Mädchens schmiegt.
Da öffnet sich abermals die Tür und Rinella tritt ein, auf dem Arm Klein-Marietta.
Schon die Anmut der beiden ältesten Kinder hatte Jolanda aufs angenehmste berührt. Die engelhafte Schönheit des jüngsten gewinnt ihr Herz im Sturm.
Mit dem entzückten Ausruf: „O, du süßes, süßes Geschöpf!" eilt sie auf Klein-Marietta zu und küßt voll Wärme und Innigkeit die roten, halbgeöffneten Lippen.
Und die Kleine, noch zu jung, um scheu zu sein, lächelt, und die großen, schwarzen Augen blicken Jolanda so himmlisch unschuldig an — dem jungen Mädchen, das in seinem ganzen Leben nie etwas mit Kindern zu tun, ja außer auf der Straße, kaum eines je zu Gesicht bekommen hatte, wird ganz eigen ums Herz.
Ihre Augen füllen sich mit Tränen — Tränen der Rührung und des Glücks zugleich.
Da fühlt Jolanda sich schüchtern am Aermel gezogen.
„Du, Cousine!" macht Rinaldo sich bemerkbar. „Was hat denn der da —" fein kleiner Zeigefinger deutet hinüber nach dem Diener Camillo, der, aufrecht wie eine Schildwache, mit den Paketen auf dem Arm, an der Tür steht — „ist das auch ein Cousin? Und für wen sind die vielen Pakete?» . 1
Hell lacht Jolanda auf.
»Gut, daß du mich daran erinnerst, Rinaldo. Die Pakete sind für euch!"
Sie_ bedeutet Camillo, alles auf den runden Sofatisch zu legen und winkt ihm ab, woraus der Diener sich sofort zurückzieht. - a -■ \
Vier Paar weitgeöffnete Augen folgen jeder Bewegung der schönen „Cousine", als sie, selbst voll freudiger Erregung, mit geröteten Wangen ihre Gaben austeilt.
Stumm, aber mit glänzenden Blicken, drückt Angelina die große, langbezopfte Puppe an sich. Rinaldo entlockt seiner Trompete einen ohren- 6etäu6eif>en Ton, während Klein-Marietta verklärten Gesichts an verschiedenen Süßigkeiten herumknabbert.
Und daneben steht Rinella und glotzt kopfschüttelnd, offenen Mundes, die fremde Dame an, die ihr wie eine Fee aus dem Märchenlande erscheint."
Rein, daß Frau Bclloni auch gerade heute nicht zu Hause ist!
. ..„Hat Mama dir gesagt, daß du uns alle diese ichönen Sachen bringen sollst?" fragte Angelina, als der erste Jubel sich ein wenig gelegt hat.
„Nein, mein Kind. Sie weiß gar nicht, daß ich hier bin. Aber ich möchte sie gern sehen. Wann kommt sie zurück?"
„Noch lange nicht!" ruft Rinaldo eifrig. „Sie ist beim Papa, der ihr Bild malt — so groß!"
Und er stellt sich auf die Fußspitzen, reckt sein kleines Figürchen empor und hebt beide Arme hoch, um die kolossale Größe des Bildes anzudeuten.
„Ja, und auf dein grg«c«, gieren Silu sind Usch viele ai.bere schöne Frauen. Auch Männer und Kinder!" bekräftigt Angelina wichtig. ,Zch bin auch darauf — oben in der Luft — als Engel!"
„Und bald wird es fertig fein!" löst Rinaldo wieder fein Schwesterchen ab. „Papa sagt, wenn
er diesmal das Bild verkaufen kann, kriege« wir was Gutes zu essen!"
„Ja, und viel — viel zu essen!" fügt Angelina eifrig hinzu. „Manchmal hab ich fo großen Hunger. . . . Und Rinaldo auch. Nicht wahr, Rinaldo?"
Der Knabe nickt und in feinen schwarzen Augen blitzt es begehrlich auf, als kämpfe et auch jetzt mit dem Hunger.
Jolanda ist ganz still geworden. Ihrem forschenden Blick fällt es plötzlich auf, wie schmal die Gesichtchen der Kinder sind, wie geflickt und fadenscheinig die ärmlichen Kleider.
Langsam, ganz langsam steigt ihr das Blut in die Wangen.
Großer Cott! Diesen Kindern fehlt nicht nur alles, was das Leben sonnig und heiter gestaltet — nein, sie darben, sie hungern sogar!
Und sie — sie selbst, sie lebt im Ueberslutz, während doch mindestens die Hälfte all ihres Geldes von Rechtswegen diesen Kindern gehört — den Kindern und ihrer Mutter! ....
Mit seiner ganzen Wucht fällt ihr die Schwer« des Unrechts, das ihr Großvater an seiner zweiten Gattin begangen, auf die Seele.
Ach, wie sie sich schämt? Für ihn, den hartherzigen Großvater . . . für den Vater, der das geschehen ließ ... für sich selbst, dis nichts tut, um es wieder gut zu machen.
Ein leiser Seufzer entringt sich ihrer Brust. Mit ihrer Fröhlichkeit ist es vorbei. Sanft wehrt sie die erneuten stürmischen Dankesbe- zeugungen der aufgeregten Kinder ab.
Dann läßt sie sich von Rinella ein Stückchen' Papier geben, das zur Not als Briefbogen gelten kann. 3i‘