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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. -

Sormtagsvetlager AllustrtrteS GonntaaSblatt»

J2 120

Vierteljährlicher Bezugspreis: btt der Expedition 2 3Rt btt all« Postämtern 2,25 Mk. <tjcu Bestellgeld).

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Marburg

Donnerstag, 24. Mai 1906.

Erscheint wöchentlich siebe« mal.

Druck und Verlag' Joh. Äug. Koch, UmverMtS-Buchdruckerei 41. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon o5.

Zweites Blatt.

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(Nachdruck verboten.)s

Neueste Telegramme.

Berlin, 22. Mai. DerNeichsanz." meldet: Der Kaiser richtete an den Staatssekretär des ^eichsschatzamts Freiherrn v. Stengel folgendes Telegramm:Nachdem der Reichstag die EjMergesetzvorlagen angenommen hat, ist es Mir ein Bedürfnis, Ihnen für Ihre hervorra­genden Verdienste um das Zustandekommen die­ses für die Zukunft des Reiches so bedeutungs­vollen Werkes der Reichsfinanzreform meine roärmste Anerkennung auszusprechen. Als äußeres Zeichen meiner Dankbarkeit und meines Wohlwollens habe ich Ihnen den Roten Adler- prden erster Klasse verliehen, dessen Abzeichen Ihnen alsbald zugehen werden."

Berlin, 22. Mai. v. Trotha, Generalleut­nant, Kommandeur der Schutztruppe in Süd­westafrika, wurde in Genehmigung seines Ab­schiedsgesuches mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt, v. Deimling, Oberst, mit dem Range eines Brigadekommandeurs und Ab- teilungschefs im Großen Eeneralstab scheidet aus dem Heere mit dem 21. Mai aus und wird mit dem 22. Mai als Kommandeur der Schutztruppe für Südwestafrika angestellt.

Wien, 23. Mai. Der Chef des russischen Ee- neralstabes, Palizyn, trifft Mitte Juni in Wien ein, um das Drucker Lager in Anwesenheit des Kaisers und des Eeneralstabschefs Beck zu be­sichtigen. Der Besuch hängt mit der militäri­schen Reorganisation Rußlands zusammen. Der Zeit" zufolge soll zwischen Rußland, Deutsch­land und Oesterreich eine militärische Annähe­rung erfolgen, von welcher Jtalien'und Frank­reich ausgeschlossen sein sollen.

Belgrad, 22. Mai. Seit einigen Tagen er­litten serbische Banden in Macedonien schwere Verluste. In Malesch wurde eine 18 Mann starke Bande nach hartem Kampfe aufgerieben. Die Türken verloren 2 Offiziere und 15 Mann. Äuch bei Berowo und Stalkowze wurden zwei serbische Banden von türkischen Truppen gestellt und konnten sich nur nach ansehnlichen Ver­lusten retten.

London, 22. Mai. DieMorningpost" mel­det aus Schanghai vom 21. Mai: Die Chinesen bildeten ein Korps freiwilliger Truppen nach dem Muster der fremden Armeen. Der Zusam­mentritt des Korps, das Infanterie und Kaval­lerie umfaßt, fand gestern auf dem Uebungsplatz unter Anwesenheit des Taotai und chinesischer Offiziere des Heeres und der Marine statt.

London, 22. Mai. Ein Telegramm des Vize­königs von Indien meldet, daß in einigen von der Trockenheit betroffenen Distrikten der Prii-

Jolanda und Salomea.

Roman von Erich Friesen.

(Fortsetzung.)

Das Abendessen ist vorbei. Die Diener ha- Äa^ee und Zigarren herumge­reicht und sich lautlos zurückgezogen.

Erne kleine Pause in der Unterhaltung tritt ein.

- Da steht der Marchese Umberto plötzlich auf.

Darf ich Sie bitten, lieber Vittorio, für ein paar Minuten mit mir zu kommen?"

- Sofort erhebt sich der junge Staatsanwalt und folgt nach einer höflichen Entschuldigung gegen seine Braut und Bernardo dem Marchese Umberto in dessen Arbeitszimmer.

Kaum hatte sich die Tür hinter den beiden Herreii^geschloisen, so sinkt der alte Marchese in einen «essel. Mit einer müden Handbewegung «einen Schwiegersohn ein, ihm gegen­über Platz zu nehmen.

bat Ihnen gesagt, lieber Vrttorio, daß ich meine Wünsche betreffs der roal)r?',rer Bereinigung geändert habe, nicht Ja, Herr Marchese."

Sie sind hoffentlich damit einverstanden^" Gewig, Herr Marchese. Obgleich__

Eine abwehrende Bewegung der aristokra- trsch geformten welken Söanb läßt ihn inne­halten.

Ich kann es mir denken, lieber Vittorio, daß Sie sich über meine plötzliche Sinnesände­rung wundern. Aber Sie werden sie natürlich finden, wenn ich Ihnen sage, daß"

Er stockt.

,Daß?" wiederholt der junge Mann ge- .wannt.

.Daß ich krank bin sehr krank," fährt der Marchese mit feierlichem Ernst fort.Schon

sidentschaft Bombay Regen gefallen ist, doch sei die Zahl der Notstandsunterstützung Genießen­den infolge der Rückkehr von Ausgewanderten im Wachsen. Die Zahl der Unterstützten in ganz Indien beträgt jetzt 475 000.

Sozialpolitisches.

Die Verkürzung der Arbeitszeit ist eine der wesentlichsten Forderungen, die von den arbei­tenden Klassen und von Sozialpolitikern über­haupt ausgestellt wurde. Jeder in dieser Hinsicht erreichte Erfolg kann als ein gesundheitlicher und sozialer Fortschritt betrachtet werden, der dem Gesamtorganismus des Volkes und Staates zu gut kommt. Vielfach wird jedoch, und beson­ders in sozialdemokratischen Kreisen, die Herab­setzung der Arbeitszeit als sofortige Reform ver­langt, die mit einem Schlage überall durchge­führt werden soll. Es zeugt aber nicht von großer Einsicht, eine derartige Veränderung im sozialen Betriebe von heute auf morgen zu fordern, mit einem Federstrich zu dekretieren, wie das Vor­rücken der Uhrzeiger bei der Einführung der mitteleuropäischen Zeit in Deutschland. Man fällt hier aus einem Extrem ins andere und will eine einschneidende Reform nach demselben Schema F einführen, über das sonst gespottet wird. Soziale Reformen vermögen nur vorteil­haft zu wirken, wenn sie mit allmählichen Ueber- gängen ins Leben treten. Eine auf Grund augenblicklicher Verhältnisse geschaffene Neue­rung hat gewöhnlich nicht länger Bestand, als die besonderen Verhältnisse selbst dauern. Die Verkürzung der Arbeitszeit darf daher nur all­mählich vor sich gehen, unter Anpassung an die jeweilige Konjunktur und unter allmählicher Gewöhnung in die neuen Verhältnisse. Es em­pfiehlt sich daher sowohl aus praktischen Gründen als auch liegt es im Interesse der Arbeiter selbst, die Verkürzung der Arbeitszeit nicht über ein gewisses Maß hinaus zu erzwingen, sondern auch der Entwicklung der Verhältnisse Rechnung zu tragen, die ohnehin sich immer günstiger ge­stalten.

Bemerkenswert sind die Ausführungen eines Vlechnermeisters in Karlsruhe, des Stadtver­ordneten Weiß, der im Eewerbeverein einen Vortrag hielt, indem er die heutige Arbeitszeit (also 9 bis 10 Stunden) als das Zulässige einst­weilen festzuhalten wünschte. Als Gründe gegen weitere Abkürzung führte er ins Feld: 1. Die Verteuerung der Lebenshaltung aller Vevölker- ungskreise sbei weitgehender Verkürzung der Arbeitszeit sind insbesondereUeberstunden" notwendig, die teuer bezahlt werden müssen), 2. die immer weiter um sich greifende Abkehr von der landwirtschaftlichen Arbeit; 3. die wach­sende Ungleichheit zwischen gewerblichen Arbei­tern und Arbeiterinnen einerseits und dem Bauernstand, sowie den Hausfrauen und Dienst­boten andererseits; 4. die mißbräuchliche An­wendung zu vieler freier Zeit. Die sich hier an­knüpfenden Erörterungen sind ebenfalls von

feit vielen, vielen Jahren quält mich ein Herz­leiden; aber erst gestern klärte mich mein Haus­arzt auf meinen dringenden Wunsch über die Gefahr auf, in der mein Leben beständig schwebt. Die geringste Aufregung, eine unvor­hergesehene Komplikation kann meinen sofor­tigen Tod herbeiführen."

Herr Marchese" fällt Vittorio beruhigend ein, indem er die Hand auf den Arm des alten Mannes legt, dessen weißes Haupt tief auf die Brust herabgesunken istlieber Herr Mar­chese, Sie sehen zu schwarz . . . ganz gewiß!"

Der Marchese schüttelt den Kopf.

Nein, mein junger Freund. Ich bin einer von jenen, denen der Tod bereits sein Siegel aufdrückte. Da gibt es kein Sträuben. Und deshalb wünsche ich mein einziges Kind, meinen Augapfel, in der sicheren Obhut eines braven, ehrenwerten Mannes zu wissen, damit ich ruhig dem nahen Tod ins Auge sehen kann."

Und Jolanda? Ist ihr die Gefahr begannt, die das Leben des geliebten Vaters bedroht?" fragt Vittorio bewegt.

Um Eotteswillen nein!" wehrte der Mar­chese entsetzt ab.Mein ganzes Leben lang war ich bemüht, dem Kinde jede trübe Stunde zu ersparen. Sie darf auch hiervon nichts wissen. Wenn alles vorbei ist, erfährt sies früh genug. Versprechen Sie mir, ihr nichts zu sagen! Ver­sprechen Sie es mir!"

Vittorio ist tief erschüttert. Wortlos drückt er dem Marchese die Hand.

Das also ist der Grund! Wie konnte er sich nur mit Zweifeln plagen? *

Fast beschämt blickt er in diö guten, sanften Augen des alten Mannes, die jetzt wie von Trä­nen verdunkelt sind.

Und beim Anblick dieser edlen, vornehmen Zuge empfindet er plötzlich tiefe Reue, daß er überhaupt gegen diesen ehrwürdigen Greis auch nur das klernste Mißtrauen, den geringsten Ver­dacht hegen konnte. //. \

nicht geringem Interesse. Die Anrufung der Staatshilfe zur Festlegung der lOstündigen Ar­beitszeit fand im Gewerbeverein keinen An­klang. Man wollte die guten Seiten der ver­kürzten Arbeitszeit nicht verkennen, die auch von der Fabrifinfpektion nachdrücklich hervorgehoben zu werden pflegen. Der Vorsitzende des Eefellen- ausschusses wendete sich in längeren Ausführ­ungen gegen den Referenten. Er wies darauf hin, daß alle Fabrikinspektionen für eine Ver­kürzung der Arbeitszeit das Wort redeten, da sie sich der Tatsache nicht verschließen konnten, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit der Volks­ernährung und -Bildung und damit der Ge­sundung des gesamten Volkes zu gute komme. Eine zu lange Arbeitszeit leiste der Jndoleranz, Trägheit unb Faulheit Vorschub. Der Rebner warnte bavor, sich mit Hilfe bet Regierung einer mobernen gesunden Weiterentwicklung entgegen« zustemmen. Viel wichtiger wäre es für die Ar­beitgeber, das Solidaritätsgefühl dadurch zu pflegen, daß das traurige Submissionswesen, wie wir es heute haben, aus der Welt geschafft wird, damit die Arbeiten nach Verdienst be­zahlt werden. Ein Schreinermeister empfahl nach lebhaften Klagen über die schlechte Lage der Kleinhandwerker die allgemeine Einführung des Zehnstundentages, wie er im Reichstag vor­geschlagen war. Ein Fabrikant lehnte es ab, die Regierung mit Regelung dieser Frage zu be­trauen, da es unmöglich sei, dieArbeits- zeit zu schablonisieren. Man müsse doch unterscheiden, daß es nicht einerlei fei, ob einer die Straße fege oder irgend einen Kunstgegenstand verfertige. Auch müsse die Bil­dung der einzelnen in Betracht gezogen und zwischen nerventötender Geistes- und weniger g esundheitsschädlicher Handarbeit doch ein Unterschied gemacht werden.

Dieser aufgestellte Grundsatz findet unsere volle Zustimmung. Auch die Frage der Arbeits­zeitherabsetzung darf nicht nach der Schablone erledigt werden. Vor allem ist zu unterscheiden zwischen Fabrik und Handwerk, zwischen In­dustrie- und Gewerbebetrieb. Und innerhalb der Industrie sind die Verhältnisse so mannig­fach, daß auch hier nicht alles einheitlich gestaltet werden darf. Keine Partei kann die Notwen­digkeit der Reformen auf diesem Gebiete ver­kennen und keine tritt der Berechtigung der­selben entgegen. Aber schwerlich wird sich eine von vernünftigen politischen und sozialen Ge­danken ausgehende Partei der Tatsache verschlie­ßen, daß hier nur mit Vorsicht weiter gegangen werden darf. Ein plötzlicher Uebergang würde auf die Existenzfähigkeit der Betriebe schwer schädigend einwirken, da die Produktionstechnik und die allgemeine wirtschaftliche Lage nur ein allmähliches Vorgehen erlauben. Die konser­vative Partei und die anderen rechtsstehenden Parteien werden sich ein Verdienst um weite Volksklassen erwerben, wenn sie bei der sozial­politischen Gesetzgebung diese Gesichtspunkte vor Augen behalten und erwägen, daß nicht die Ideen einseitiger Theoretiker das wirtschaftliche

Andere mögen selbstsüchtig, schlecht, ehrlos handeln dieser Mann gewiß nicht!

Schweigend sitzen die beiden einander noch eine Weile gegenüber jeder mit seinen Ge­danken beschäftigt.

Dann erhebt stch der Marchese.

Leicht auf seinen Schwiegersohn gestützt, be­gibt er sich wieder hinunter nach dem altertüm­lich ausgestatteten Wohnzimmer.

Kaum hatten die beiden Herren vorhin den Speisesalon verlassen und Bernardo sah sich allein mit seiner Nichte, als er hastig aufspringt.

Du entsinnst dich doch noch unserer Unter­haltung Über über hm, über jene Sa­lome«, du weißt schon, wen ich meine, liebe Nichte?"

Jolanda nickt.

Hast du mit dem Vater über die Sache ge­sprochen, Onkel?"

Noch nicht. Ich fürchte immer, die Auf­regung könnte ihm schaden.... Aber verlaß dich nur ganz auf mich, Nichte Jolanda! Ich werde jener Frau Geld zustecken und ihr damit den Mund stopfen."

Energisch schüttelt Jolanda den Kopf.

Du verkennst Salomea Belloni, Onkel! Die läßt sich nicht den Mund stopfen?"

Schon gut! Schon gut!" spöttelt Bernardo. JDu kennst eben diese Sorte von Leuten nicht. Solche Geschichten sind stets eine Art Erpress­ung"

Nein, Onkel, diesmal gewiß nicht!"

Pah, lern mich doch nicht die Menschen kennen, duEuck-in-die-Welt"! lacht Bernardo auf.Uebrigens" fein Gesicht wird merklich ernster, ja unruhig, als er es vorsichtig dem Ohr seiner Nichte zuneigtdu sprichst doch über diese dumme Geschichte nicht mit deinem Bräu­tigam dem Staatsanwalt?"

Etwas verletzt wirst Jolanda den Kopf zu- tM. - v-., ... . ...

Leben gestalten, sondern die Bedürfnisse dies« Lebens selbst.

~ -

Deutsches Reich.

»erlitt, 28. Mai.

Seine Majestät der Kaiser ist gestern (Dienstag) morgen 8 Uhr 5 Min. von Station Wildpark über Berlin nach PrökSlwitz abgereist. Die Kaiserin geleitete den Kaiser bis Berlin. Im Gefolge des Monarchen befinden sich Een. d. Inf. Eener.-Adj. v. Kessel, Een. ä la suite Graf v. Moltke und Leibarzt Stabsarzt Dr. Riedner. Die Ankunft in Prökelwitz, wo der Kaiser zum Besuche des Fürsten Dohna-Schlobitten weilen wird, erfolgt nachmittags.

Die Entbindung der Kronprinzessin wird, wie verlautet, für Anfang Juni erwartet.

Heute wird der Reichskanzler feine Er­holungsreise nach Norderney antreten. Die Fürstin Bülow ist bereits dorthin vorausgereist.

Für die fünfte Wahlperiode des Beirats für das Auswanderungswesen sind zu Mitglie­dern gewählt: die Reichstagsabgeordneten Prinz Arenberg und Graf Arnim; die Land­tagsabgeordneten Kommerzienrat Cahenslq, Unterstaatssekretär Wirk!. Geh. Rat Fritsch und Rittergutsbesitzer v. Graß; ferner Geh. Hofrat Prof. Dr. Büchner (Leipzig), Prof. Dr. Jan- nasch (Berlin), Prof. Dr. Kettler (Hannover) und Prof. Dr. Rocht (Hamburg), Gutsbesitzer Dr. v. Buhl (Deidesheim), Direktor der Kolo­nialschule Fabarius (Witzenhausen), Kaufmann Hasenelever (Remscheid), Kaufmann Reck (Bre­men) und Kommerzienrat Zilling (Stuttgart), endlich der (Seneralbireftor der Hamburg-Ame­rika-Linie Dallin (Hamburg) und der General­direktor des Norddeutschen Lloyd Dr. Wiegand (Bremen). Das Arbeitsfeld dieses Beirats um­faßt die überseeischen Gebiete mit Ausschluß der deutschen Kolonien. Es wäre zu wünschen, daß auch für die Fragen der Uebersiedelung Deut cher nach deutschen Schutzgebieten, die zwar keine Auswanderung" im Sinne des Gesetzes ist, aber volkswirtschaftlich doch mit solcher fast identisch ist, neben der Tätigkeit des Kolonial­rats in geeigneter Weise auch die des Beirats für das Auswanderungswesen herangezogen würde. Die Besiedelung der klimatisch geeig­neten Teile unserer Schutzgebiete beginnt ja doch bereits mehr und mehr in den Vordergrund unserer kolonialen Interessen zu treten.

iiev.

Deutscher Reichstag.

* Berlin, 22. Mai.

Der Reichstag ehrte am Dienstag zunächst das Andenken des verstorbenen Abg. Grafen Revenllow (wirtsch. Vgg.) und erledigte daran

Warum nicht? Ich habe keine Geheimnisse vor meinem zukünftigen Gatten!"

Trotzdem. Von solchen sehr gelinde aus­gedrücktHirngespinnsten", wie jene Frau Salomea sie kultiviert, spricht man am besten so wenig wie möglich. Selbst zugegeben, sie ist die Tochter jener zweiten Frau meines Vaters wie darf sie wagen, die Ehrenhaftigkeit unsere« erlauchten Geschlechts, den Charakter deine; edlen Vaters anzutasten durch einen Verdacht der

Er bricht ab. Schritte in der Halle draußei werden laut.

Der Vater!" ruft Jolanda halblaut.

Und der Staatsanwalt! Also lei Wort zu ihm von jener Sache? Verstanden Richte Jolanda?"

Bernardos Stimme ist zum Flüsterton.herab gesunken. Aus seinen scharfen Zügen sprich etwas wie Angst.

Deine Bitte kommt zu spät, Onkel?" er­widert Jolanda ruhig.Mein Bräutigam weiß bereits von der ganzen Sache."

Als habe er einen Schlag erhalten, fahr: Bernardo zurück. Sein Gesicht erscheint aschfahl.

VIL

Jolanda ist überglücklich.

Mit dem allen feinfühligen Frauen eigenen Instinkt ahnt sie, daß gestern Abend das Rand, welches die beiden Menschen umschließt, die ihr am teuersten auf Erden stnd, Vater und Bräuti­gam, sich noch gefestigt hat.

Ja Jolanda ist überglücklich.

Und dieses Glück macht sie zum erstenmal in ihrem Leben egoistisch. Ihre hellrofige Zu­kunft beherrscht momentan all ihre Gedanken.

Für kurze Zeit ist sie vergessen die arme, benachteiligte Verwandte da draußen vor der Porta del Popolo.

Und doch eines Tages entsinnt Jolanda sich wieder der bleichen Salomea Belloni, und