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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: AUnktrtrteS Sanntaa-blati.

JK117

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Reclamen: die Zeile 25 «]Fg.

Marburg

Sonntaei. 20. Mai 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck «nd Derlag« Jo h. Nug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerel 41. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 65.

Zweites Blatt.

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Die Haftpflicht der Hoiclwirte.

Jetzt, wo bald wieder die Reisesaison in vol« lern Umfange beginnt und wo ein groher Teil des reisenden Publikums tage- und wochenlang in Hotels oder sonstigen Fremdenherbergen Auf­enthalt nimmt, ist es von besonderem Werte, über die hauptsächlichsten Rechtsbeziehungen zwi­schen Hoteliers und Gästen namentlich inbezug auf die Haftung für das Gepäck und das sonstige Eigentum der Gäste orientiert zu sein. Das Bürgerliche Gesetzbuch beschäftigt sich in einem besonderen Kapitel mit dieser Materie. Es stellt zunächst folgenden Grundsatz auf:Ein Gastwirt, der gewerbsmäßig Fremde zur Beherbergung üufnimmt, hat einem im Betriebe dieses Ge­werbes aufgenommenen Gaste den Schaden zu er­setzen, den der East durch den Verlust oder die Beschädigung eingebrachter Sachen erleidet." Wesentliche Voraussetzung ist also, daß der Gast­wirt gewerbsmäßig Fremde beherbergt. Re­staurateure, die gelegentlich einmal einem Frem­den Unterkunft gewähren, Gastwirte, die aus Gefälligkeit einen Bekannten unentgeltlich als Logierbesuch aufnehmen, fallen nicht unter diese Bestimmung, die daher vor allem für Hotel­besitzer gilt.

Die Haftpflicht der Hotelbefitzer, die, wie man steht, an sich sehr weitgehend ist ihre eigene Fahrlässigkeit oder ihr eigenes Verschulden braucht gar nicht in Frage zu kommen er­leidet nun aber doch eine gewisse Einschränkung. Zuerst durch die folgende Bestimmung:Die Er­satzpflicht tritt nicht ein, wenn der Schaden von dem Gaste, einem Begleiter des Gastes oder einer Person, die er bei sich ausgenommen hat, verur­sacht wird, oder durch die Beschaffenheit der Sachen oder durch höhere Gewalt entsteht." Wenn also der Diener des Gastes, den dieser mit sich führt, mit dem Gepäck des Herrn aus dem Hotel ausrückt, so ist dafür nicht der Hotelbefitzer verantwortlich zu machen. Ebensowenig z. B., wen in der Automobilcarage des Hotels beim Reinigen des Automobils Benzin explodiert und dadurch der Wagen und das Gepäck des Gastes verbrennt. Auch für durch Naturereignisse oder sonstige unabwendbare Ereignisse angerichteten Schaden, wie Brand, Sturm, Hagelschlag, Heber« schwemmung, Platzregen, kann der Hotelwirt nicht haftbar gemacht werden. Jedoch hat er unstreitig die Pflicht, alle zur Abwendung und Unterdrückung des Schadens erforderlichen Vor- fichtsmaßregeln zu treffen. Ebenso tritt Haft­pflicht ein, wenn ein Brand durch Schuld des Hotelwirtes oder seines Personals entstanden ist. Ein Beispiel: das Zimmermädchen wirst beim Zurechtmachen des Zimmers das Licht um sind die Sachen des Gastes fangen Feuer. Hier ist naturgemäß die Ersatzpflicht des Wittes vor«

Die UnMiebtfieit der Deutschen.

r So betitelt sich ein in der WochenschttstDer Deutsche" (Herausgeber Adolf Stein) erschie­nener Aufsatz Prof. Ed. Heycks, dem wir folgen­des entnehmen:Wir wollen zu großen Teilen .immer noch nicht verstehen, daß es ein Dunstigeres Licht auf uns werfen würde, wenn Unsere Firmen für ihre Zweigstellen im Aus- bande keine irreführenden Maskierungen suchten. Mch derlei aber wird das ganze Volk beurteilt: wie man auftritt, so wird man eingeschätzt, ob als großer Herr, dem die anderen sich anpassen, Mer als Schuhputzer oder gar als Hintertreppen- schlercher. Im günstigeren Falle machen wir uns verächtlich durch Lächerlichkeit, z. B. mit der bis zum vollkommenen Blödsinn gediehenen Leve« lezolapperei unserer Ansichtskarten. Ein wah­res Gluck noch, daß von den in isfprachiaer Wollust vollgÄ»ruckten Karten ein so winziger Bruchteil jemals von ausländischen Augen ge­sehen wird. Seiner ganzen Länder- und Spra- Henseligkeit nach empfindet der Deutsche, wenn er das Ausland betritt, ein gesteigertes Hochge­fühl. Cs find noch die liebenswürdigeren Na- .tuien, die dieses durch eine naive Lust, sich den .Anbekannten bemerklich zu machen, äußern, oder Kar durch eine nicht immer angebrachte Sucht, cktwas draufgehen zu lasten. Widerwärtig ist schon das übertönende laute Reden, und am Widerwärtigsten ist feine selbstgefällige Beffer- wrsterei gegenüber dem, was man bisher noch xicht gekannt hat. Alle diese Neigungen treten priondersi in den Ländern hervor, uw der

Händen. Hm keinen Zweifel darüber zu lasten, waseingebrachte" Sachen find, sagt das Gesetz: Als eingebracht gelten die Sachen, welche der Gast dem Gastwirt oder Leuten des Gastwirts, die zur Entgegennahme der Sachen bestellt oder den Hmständen nach als dazu bestellt anzusehen waren oder an einem ihm von diesen angewie­senen Ort oder in Ermangelung einer Anwei­sung an den hierzu bestimmten Ort gebracht hat." Das heißt: Der Wirt haftet für die Sachen, die der East dem Hausdiener an der Bahn übergeben, die ihm der Hotelportier ab­genommen, die der Zimmerkellner auf das Zim­mer gestellt hat oder die (z. B. Musterkoffer) in einem bestimmten Raum des Hotels unterge­bracht worden sind. Der East braucht dann nicht mehr besondere Sorgfalt auf die Aufbewahrung zu verwenden, er hat nicht nötig, jedesmal beim Fortgehen den Koffer zu verschließen, den Ear- derobeschrankschlüstel abzuziehen und den Zirn- merschlüstel beim Portier abzugeben. Er kann abends getrost seine Sachen an die Tür zum Reinigen hängen und die Stiefel vor die Tür setzen, für allen ihm entstehenden Schaden haftet der Hotelwirt. Es ist auch ganz bedeutungslos, wenn dieser die Haftung durch einen Anschlag allgemein ablehnt, ein solcher Anschlag ist ohne Wirkung.

Eine Ausnahme gilt nur für Geld, Wert­papiere und Kostbarkeiten. Für solche haftet der Hotelwirt nur bis zum Betrage von 1000 Jt, es sei denn, daß er diese Gegenstände in Kenntnis ihrer Eigenschaft als Wertsachen zur Aufbewah­rung übernimmt oder daß er die Aufbewahrung ablehnt oder daß der Schaden von ihm oder seinen Leuten verursacht wird. Der Hotelwirt ist demnach auf Verlangen des Gastes zur Aufbe­wahrung von Wertsachen verpflichtet und schä­digt sich unter Hmständen sehr, wenn er die Auf­bewahrung ablehnt.

Zu bemerken ist noch, daß jeder Ersatzanspruch erlischt, wenn nicht der East sofort nach Kennt­nisnahme des Verlustes oder der Beschädigung dem Hotelwirt Anzeige macht. Hat der Eastwirt aber die Sachen zur Aufbewahrung erhalten, so erlischt der Anspruch nicht ohne weiteres bei Ver­säumung der Anzeige.

Heer irb Flotte.

V Die kriegsmäßigen Hebungen der Früh- jahrsLbungsflotte vom 28. Mai bis 1. Juni sind in gewissem Sinne als Vorübungen zu den gro­ßen Herbstmanövern der Flotte anzusehen. Heber die H e r bst m a n ö v e r verlautet aus bester Quelle, daß sie sich sowohl in der Nordsee, unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Bucht, als auch im östlichen Teile der Ostsee abspielen werden, wo ein Ankern der Herbstflotte auf der Danziger Reede vorgesehn ist. Die diesjährigen großen Herbstmanöoer dürsten danach roiebet einen größeren Zeitraum in Anspruch nehmen, während sie im verflosienen Jahre auf 6 Tage, die Zeit vom 6. bis 12. September, beschränkt wurden und sich lediglich vor der Elbmündung abspielten. Zweifellos wird auch in diesem Jahre die Cuxhavener Garnison wieder eine

Deutsche nun nicht mehr so unterwürfig sein zu müssen glaubt und wo er sich fühlt, namentlich in Dänemark, Schweden, Italien, neuerdings auch schon in Frankreich. An einem Psingstsonn- tag-Nachmittag bei wundervollem Wetter saß ich einmal in dem Ausflugsort Christiansminde bei Svendborg auf Fünen. Es saßen da Dänen aus allen Schichten an den Tischen, ganz einfache Leute, aber auch Familien, Offiziere; sie alle unterhielten sich, waren guter Dinge, aßen und tränten, worauf sich ja sie Skandinavier sehr aut verstehen, aber alle, vom Etatsrat bis zum Arbeiter, in den guten geräuschlosen Formen der kultivierten Menschen. Don den Tischen der jungen Deutschen kam aufdringlicher Lärm her­über; mehr von albernem Behagen als vom Ge­trunkenen fortgettsien, stießen sie sich, griffen über die Tische, stiegen auf die Stühle oder such­ten sich bei den Dänen zu produzieren, und glaubten wunder, welchen Eindruck fie machen müßten. Die Danen aber wunderten sich leider gar nicht, sondern sagten höchstens einmal, unter sich, mit einer wenig schmeichelhaften Selbst­verständlichkeit:Tydsker! Eine der belieb- testenTaktlosigkeiten gerade solcher Deutschen ist es, diese oder jene aufgelesenen Sprachbrocken ms zum Heberdruß anzubringen und mit ihrem ,,.Iin skal. din skal oder einem ermüdenden '>0uouto costa* die fliegenden Verläufer ober Kellnerinnen herumzuzerren. In solchen Dingen benimmt sich mancher, bet daheim ein nettes vernünftiges Menschenkind ist, im Auslande vor lauter Reiseseligkeit und Fremdseligkeit wie ein dummer Junge. Aber noch ärgerlicher wttd dieses gefallsüchtige Behagen, wenn es sich durch

Hauptrolle bei den großen Herbstmanövern der Flotte zu übernehmen haben, da bereits jetzt die Einberufung von 300 Reservisten für die Gar­nison von der zweiten Hälfte August ab für eine vierwöchige Hebung beschlossen worden ist. Die Herbstübungsflotte wird in ihren Hauptbestand­teilen völlig der jetzigen Frühjahrsübungsflotte gleichen, nur werden die beiden Geschwader dann tatsächlich außer Einbeziehung des Flottenflagg­schiffes über ja acht moderne Linienschiffe ver­fügen. Anstelle des jetzigen Flottenflaggschiffes Kaiser Wilhelm II.", das dann in den Verband des ersten Geschwaders eintritt, stellt das neue LinienschiffDeutschland" im August als Flot­tenflaggschiff in Dienst. Es ist das dritte deutsche Kriegsschiff dieses Namens, und diese drei Deutschlands"-Schiffe teptäfentieren in recht augenscheinlicher Weise drei Phasen der Entwick­lung unserer Flottenmacht, nämlich was die Schiffsbautechnik, die Armierung und die Macht­stellung und Kriegsflotte überhaupt anbetrifft. Am 2. Juni laufen von der Frühjahrsübungs­flotte für die Pfingsttage die zur Ostseestation gehörigen Linienschiffe und Kreuzer, sowie die Torpedobootsflottillen nach der Elbe ein, wäh­rend die zur Nordseestation gehörenden Schiffe die Jade aufsuchen. Es wird also hiernach wäh­rend der Pfingsttage der größte Teil der Früh­jahrsübungsflotte auf der Cuxhavener Reede vor Anker liegen.

V Eine wertvolle Waffensammlung, welche die ganze Entstehung des ZÜndnabelgewehres unb seine weitere Entwicklung zeigt unb von bem Erfinder des Zündnabelgewehres selbst angelegt wurde, ist demThüringer Museum" in Eisenach überwiesen worden. Sie besteht aus einer reichen Sammlung von Geschützen, Granatgewehren, Wallbüchsen, Militär- und Jagdgewehren, und zeigt in verschiedener Weise, daß der Erfinder schon vor vielen Jahren den Gedanken hatte, den Rücklauf bei den Geschützen abzuschwächen. Fer­ner zeigen die Geschütze vielerlei, was erst später als neu angepriesen wurde; auch einige erste Ee- wehrmodelle haben bereits das kleine Kaliber, dessen Einführung ebenfalls erst viel später er­folgte. Die Sammlung war bisher im Besitze des Kommerzienrats v. Dreyse.

V Die mit der fortschreitenden Intimität der englisch-französischen Freundschaft immer wahr­scheinlicher gewordene Neuverteilung der franzö­sischen Kriegsflotte steht unmittelbar bevor. Der leitende Gedanke dieser Maßnahmen ist augen­scheinlich gegeben durch die Erwägung, daß Frankreich sich eines Angriffes von englischer Seite nicht zu versehen hat und daher eines star­ken maritimen Schutzes im Norden nicht bedarf. In Rücksicht dieses Hmstandes und der sich daraus ergebenden Konsequenzen wird der Schwerpunkt der französischen Seemacht in bas Mittelmeer verlegt, also an bieselbe Stelle, bie sich auf An­ordnung der britischen Admiralität anfangs 1905 eine Schwächung zugunsten der englischen Kanal­und Nordseegeschwader hat gefallen lassen müs­sen. In.den französischen Kriegshäfen am Kanal werden künftig nur 3 Linienschiffe unb zwar solche älteren Typs neben Panzerkreuzern und Küstenwachtschiffen stationiert sein. Jrn Mittel-

Belachen und Kritisieren bemerkbar machen will. Bei Arbeitern und Studenten findet man die­ses Banausentum nicht, wohl aber bei gewissen deutschen Schichten des leichten Eelderwetbs. Ich will gar nicht erst von Musen und Kunstwerken reden; von bem längst nicht mehr spleenigen, sondern immer um ein gewisses Verständnis, mindestens um Festhalten des Gesehenen bestreb­ten englischen Touristen und von bei naiv-un- mtttelbaren ästhetischen Empfänglichkeit bes Ro­manen, im Gegensatz zu bet kalauernden Halb­bildung des Deutschen. Hier mag einmal als Beispiel schon der Eiffelturm genügen. Da fuhr so ein wohlgemästeter deutscher Hnterne.jmer auf der Ferienreise, oder was es sonst war, mit seinem Fremdenführer mit hinauf und ich habe mich selten eines Landsmannes so geschämt, wie bei dieses Dickhäuters breitspurigen Triviali­täten, Selbstgefälligkeiten und herausfordernden Fragen, welche bie Franzosen im Fahrstuhl zwar nicht wörtlich übersetzen konnten, wohl aber aus ber ganzen Manier herausfühlen mußten. Dro­ben angelangt, legte er sich sogleich an bas teure Sektbuffet fest, nötigte sich den durchaus wider­strebenden, nach Franzosenart nüchternen Frem­denführer zum Trinttameraden auf unb fuhr bann roieber mit herunter, ohne eine Sekunde von der Settmamsell gewichen zu fein, bie sich, zurückhaltenb unb nachsichtig, mit ihm verglichen, wahrhaftig wie eine Dame benahm. Ich bin der letzte, zu meinen, bie Bildung hänge von der Höhe bes Hembkragens ober von ber Form des Anzuges ab. Aber auch in solchen Dingen kön­nen Fehler begangen werben, bie uns lächerlich unb unangenehm mache«. Der Deutsche nimmt

meer bilden von nun an das erste aktive Mittel- meer-Eeschwader die LinienschiffeSuffren", Jöna",RSpublique",Patrie",St.-Louis", Eaulois", die PanzerkreuzerEloire",Condö" sowieAdmiral-Aube" und sieben Zerstörer; das zweite Reserve-Mittelmeer-Eeschwader die bis­her im Kanal stationierten LinienschiffeMas- sena",Carnot",Jauröguiberry", außerdem Charles Märtel", Bouvet,Charledagne", die PanzerkreuzerMontcalm",Eueydon",Du- petit Thouars". Das neugestaltete Kanalge­schwader setzt sich zusammen aus drei Linienschif. fen,Formidable",Amiral Bondin",Ddva- station", drei Küstenwächtern, den Panzerkrew zernJules Ferry",L6on Eambetta",Victoi Hugo" und 6 Torpedobootszerstörern. Der Re- servediviston dieses Geschwaders sind die Panzer­kreuzerMarseillaise",Dupuy de ßötne",De- saix" zugeteilt. Außerdem werden auswärtige Formationen und zwar in bett ostasiatischen Ge­wässern, im Atlantik, im Stillen ttnb im Jnbi- schen Ozean zum Schutz bet französischen Besitzun­gen in Hintetinbien, Nord- unb Westafrika, Ma­dagaskar usw. stationiert werden. Unter diesen bleibt die indochinesische Station, wie sie auch schon irn russisch-japanischen Kriege war, bl< weitaus am stärksten besetzte.

V Bon ben Kanonenbooten, bereit gegen­wärtige Bestimmung im Gegensatz zu früher, w« sie in erster Linie zur Küstenverteibigung ver­wendet wurden, die Verwendung in außerhei­mischen Gewässern, im stationären Dienste an flachen Küsten und auf Flüssen in Dftaften, Af­rika und Südamerika ist, sind int letzten Jahre eine ganze Anzahl, darunterMöoe",Wolf" und jetzt auchHabicht", aus den Listen des schwimmenden Materials gestrichen worden, ohne daß bisher für einen Ersatz Sorge getragen ist, und in nicht zu ferner Zeit wird auch ein Austausch der Kanonenboote im Auslande er­forderlich werden, daIltis",Jaguar",Ti­ger" undPanther" bereits sämtlich eine lange Jndiensthaltung hinter sich haben und eine Erundreparatur der Schiffer erforderlich wer­den mutz. Bereisungen der Stromgebiete aber, wie letzthin jene desPanther" auf bem Pa­rana und Paraguay, die in ihren Erfolgen be­wiesen haben, wie dringend nötig sie im Inter­esse der handelspolitischen Beziehungen sind, wären ohne die Jndiensthaltung von Kanonen­booten nicht möglich. Deshalb sind von bet Marineverwaltung auch weitere Neubauten von Kanonenbooten in Aussicht genommen, bie aber, wie bieKieler Reuest. Nacht." Horen, etwas vergrößerte Abmessungen erhalten sollen. Man will das vergrößerte Deplacement zum Einbau stärkerer Maschinen und zur Vergrößerung der Kohlenbunker benutzen, da es erforderlich wird, auch diesen Schiffen einen größeren Aktions­radius zu geben.

Deutsche Kolonien.

Samoa. In bet Angelegenheit bet Entfchä- bigung für Samoa, bie nur zur Hälfte erfolgt ist, ba Amerika seinen Anteil noch nicht entrichtet hat, ist noch kein Fortschritt zu verzeichnen. Der

sich zuweilen komisch aus, indem er einen Geh­rock und Zylinder entwickelt, wo er im guten Reiseanzug vielkomfortabler" wirken würde, um das englische Wort zu brauchen. Hnd wieder­um behagt et sich im Wollhemd, wo es keine Verletzung nationaler Selbstachtung wäre, sich dem nach Ott unb Gelegenheit herrschenden Brauch zu fügen. Was namentlich bann pein­lich wirb wenn ber Eindruck hinzukommt, daß dieses Wollhemd seit bet damit vollbrachten Wandet- ober Radfahrleistunz nicht gewechselt worben sei. In Rio kam ein deutscher reisender Landsmann aufs Konsulat unb beschwerte sich, daß man ihn mit seinem kravattenlosen Woll­hemd nicht in bet ersten Eisenbahnklasse fahren lassen wollte. Et hätte begreifen müssen, daß das Brafiliertum, wenn es nicht nach Herten mit Ktavatte unb mit Stiefeln unb Herten ohne beibes unterscheidet, nicht viel Maßstäbe mehr hat und daß man derlei nicht verwirren darf." Das sind scharfe Worte. Doch sie be­ruhen auf Wahrnehmungen, die jeder im Aus­lande reisende Deutsche bei guter Beobachtung zu machen oft nur allzu reichliche Gelegenheit findet. Wit möchten meinen, daß es sich, wo die Reiselust in Deutschland immer mehr zunimmt und die Reisegelegenheit von Jahr zu Jahr be- auemer wird, empfehlen möchte, beteüs in den höheren Schulen, vielleicht beim Hnterricht im Deutschen oder in der Geographie, die lernende Jugend darauf aufmerksam zu machen, daß es im Auslande immer das Richtige sei» sich den dortigen Sitten und Gepflogenheiten anzupassen, anstatt sich nörgelnd und schimpfend darüber hinwejMsetzen. -/ «