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mit dem KeeMlatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

SonuiagsbeUager ZVuftrdeteö Lo^nLaaSblatt.

Vierteljährlicher Bezugspreis; btt Bit Exprdition 2 Mk.

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bet allen Postämtern 2,25 Mr. vc$cl. Bestellgeld). Znserttonsgebjihr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Neclamcn: die Zeile 25 Psg.

Marburg

Sonntag. 20. Mai 1906.

Erscheint wöchmtlich sieben mal.

Druck und Verlag. Joh. Aug. Koch, UniverfitätS-Auchdruckerel

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

41. Jabrg.

Erstes Blatt.

Der deutsche und der amerikanische Arbeiter.

Vergleiche zwischen den Verhältnissen der deutschen und der nordamerikanischen Arbeiter- ,schäft sind schon öfter gezogen. Die Sozialdemo­kratie hat natürlich stets das Ausland auf Ko- Pen des Inlandes gelobt und die Lage des ame­rikanischen Arbeiters als außerordentlich vor- iteilhaft gegenüber der des deutschen hingestellt. Demgegenüber ist es von Interesse, die Stimme ^ines objektiven Beobachters zu hören. Die .preußische Regierung hatte im Jahre 1904 zum Studium des gewerblichen Unterrichtswesens .«ach den Vereinigten Staaten mehrere Eewerbe- Iräte sowie Direktoren von Fach- und Fortbil­dungsschulen gesandt. Deren Berichte sind in 'einer Auswahl dem preußischen Abgeordneten­bause zugestellt. Der Direktor der Eewerbe- schute H. Back zu Frankfurt a. M. äußert sich dabei auch über die wirtschaftliche Lage des amerikanischen Arbeiters im Verhältnis zu der- ifenigen des deutschen. Dabei erörtert er zunächst die Frage, ob der amerikanische Arbeiter infolge der höheren Lohnverhältnisse bessergestellt ist, als der deutsche, betont aber gleich, daß die Möglichkeit, Ersparnisse zu machen, bei ihm weniger von der Höhe seines Lohnes, als von dem Umfange seiner Ausgaben für seine Lebens­haltung und von seinen Lebensgewohnheiten abhängt. Bei gleicher Lebenshaltung, wie sie der deutsche Arbeiter gewöhnt ist, würde der .amerikanische reichliche Rücklagen machen kön­nen. Jedoch sind die Bedürfnisse des letzteren, Namentlich hinsichtlich der Lebensweise, kost­spieliger als die des deutschen oder überhaupt des europäischen Arbeiters. Die Lebensmittel >jn den Vereinigten Staaten zwar find nicht teurer als bei uns. Der Mietzins aber ist etwa .Um die Hälfte höher, und die Kleidung für Ar­beiter ist in Amerika wesentlich teurer als in .Deutschland. Bedeutend teurer als in Deutfch- iland stellt sich auch die Kleidung für die Frau Und die erwachsenen Töchter. Die Ausgaben für die regelmäßigen Vergnügungen sind etwa die- elben wie in Deutschland, eher niedriger, weil ich am Sonntag beispielsweise dem amerikani- chen Arbeiter so wenig, wie dem englischen, Gelegenheit zum Eeldausgeben bietet. Dagegen 'erfordert die Ausgabe für Getränke, die der Ar- peiter im Kreise seiner Kollegen einzunebmen pflegt, mehr als im allgemeinen bei uns. Rach rlle dem müßte ein europäischer Arbeiter in ilmerika Geld zurücklegen können, wenn er bei einen Ansprüchen verharrte, unter denen er im Öeimatlande zu leben pflegt. Das geschieht per Regel nach aber nicht. Nun wären ja neue Bedürfnisse, die den Menschen geistig und sittlich «eben würden, nur zu begrüßen. Um diese aber handelt es sich in Amerika nicht. In der Haupt-

12 (Nachdruck verboten.),

Jolanda und Salomen.

Roman von Erich Friesen.

(Fortsetzung.)

.Dein Mitleiden mit fremden Leuten ehrt Dich, Nichte Jolanda beginnt er mit er­zwungener Sanftmut, während es in seinen Zü­tzen zuckt vor mühsam verhaltener Erregung.

Jolanda fährt herum.

Fremde Leute, Onkel?" wiederholt sie vor­wurfsvoll.Meine nächsten Verwandten Frau und Kind meines Großvaters fremde Leute?"

Wer weiß, wo fie gestorben und verdorben find!"

!Die Tochter war heute bei mir, Onkel!"

!Glaubst du noch immer an das Märchen?"

Es ist kein Märchen, Onkel. Es ist die Wahr­heit. Ich werde mit meinem Vater darüber sprechen. Er muß der armen Frau Belloni eine jährliche Rente aussetzen zehntausend, zwan­zigtausend Lire! Er wird das Geld nicht ver- M'.ssen, er hat ja genug davon."

. l'"ckert es unstet auf in den Augen

de» Marche,e Ein paarmal fährt er sich über vic oiitn, ttls Quälten ihn trübe (£>cb<rttfcn- öffnet er die Lippen und schließt sie wieder als wolle er etwas sagen, scheue sich jedoch, es aüszu- sprechen.

Jolanda" sagt er endlich, und seine Stimme klingt verschleiert, als übermanne ihn hie Bewegungich will dir etwas Mit­teilen. Beim ersten Anblick deines Vaters nach -meinet Rückkehr aus Brasilien erschrack ich über -sein Aussehen. Ich ahnte, daß er krank ist. Ich habe ihn seitdem beobachtet, habe mich sogar hinter eitern Hausarzt, den Dr. Maroni, gesteckt, -und ich weiß jetzt, daß ihm jede Aufregung fern gehalten werden muß. Dein Vater ist krank, Yolanda ernstlich krank!"

fache sind diese Bedürfnisse materieller Natur. Sie nehmen dem amerikanischen Arbeiter einen Teil feines Lohngewinns ab. In Wechselwirk­ung hierzu steht dann wieder das Bestreben nach weiterem, größeren Geldgewinn, nach besser bezahlter Stellung. Dem befähigten und intelli­genten Arbeiter fällt es unter dortigen Ver­hältnissen in der Regel nicht schwer, in eine höhere Stellung zu gelangen und seine materielle Lage zu verbessern, weil nicht gefragt wird, was der Mann weiß oder wissen sollte, sondern was er kann. Wenn eine gute allgemeine Ge­schäftslage ihn begünstigt, kann der vorwärts- strebende mit guten Fachkenntnissen ausgerüstete Arbeiter aus der dienenden in die leitende Stellung eher aufrücken als in irgend einem Staat der alten Welt. Direktor H. Back hat sich bei den geschilderten Betrachtungen oftmals ge­fragt, ob sich der deutsche gewerbliche Arbeiter in seinen stellenweise recht bescheidenen Verhältnis­sen, nicht doch besser steht und sich wohler fühlt als der amerikanische. Ersterer findet nach seiner Ansicht unter vergleichsweise einfacheren Lebensbedingungen mehr ruhigen und befrie­digenden Lebensgenuß als der Arbeiter in jenem Lande, in welchem jeder unablässig auf Erwerb bedacht ist und viele in ungestümer Weise Geld­gewinn nachjagen. Für die Sicherstellung des Arbeiters in Fällen von Krankheit und In­validität ist in Deutschland durch private Für­sorge mehr geschehen, als in den Vereinigten Staaten. Insbesondere aber ist es die staat­liche Arbeiterfürsorge, die dem deutschen Arbei­ter die Beruhigung bietet, daß et auch in Fällen von Krankheit und im Alter nicht auf seine eigenen geringen Ersparnisse angewiesen ist. Dieser Mangel in Nordamerika wird von den dortigen Arbeitern schwer empfunden. Man fängt an, Deutschland um sein staatliches Ver­sicherungswesen für Arbeiter zu beneiden, nach­dem ein Abgesandter der amerikanischen Arbei­ter dasselbe eingehend hier studiert hat. Sein Bericht soll voll Begeisterung die Segnungen der deutschen staatlichen Arbeiterversicherung preisen. Wenn, so meint schließlich Direktor H. Back, der deutsche Arbeiter auch bestrebt ist, im Anschluß an seine Berufsgenossen seine materielle Lage zu bessern, so steht er nicht so wie der Ar­beiter jenseits des Ozeans unter der allgemeinen Sucht nach Gewinn. Eine Besserung der öko- nomischen Lage des deutschen Arbeiters ist gewiß vielfach wünschenswert und auch möglich, für die gelernten vielleicht eher als für die ungelernten. Diese Möglichkeit würde viel eher vorhanden sein, wenn die Bestrebungen der Arbeiter nicht allein auf stete Forderungen, sondern auf Erhöh­ung ihrer Leistungen hinausgingen. Die eigenen Leistungen zu heben, muß die nächste Aufgabe des Arbeiters fein, wenn er in feinem Beruf vorwärtskommen und ein höheres Ziel oder eine besondere Beschäftigung erreichen will. Die Ge­legenheit ist dem deutschen Arbeiter heute noch mehr als dem amerikanischen geboten.

Jolanda ist zuerst keines Wortes mächtig. Die furchtbare Mitteilung lähmte momentan ihr ganzes Denken. . .

Dann fallen ihr Momente ein in dem Wesen des Vaters . . . seine oft geisterhafte Blässe... das plötzliche Zittern seiner Hände... ja, manche für sie bis dahin unverständliche Andeu­tungen und Bemerkungen und kaltes Ent­setzen packt sie, eine namenlose Angst um das Leben des geliebten Vaters. . . .

Bernardo ist doch betroffen, als er die Wir­kung ferner Mitteilungen gewahrt. Das hat er nicht beabsichtigt . . . nein, das . . . Nur dem dummen Mädel ausreden wollte er, daß sie dem Vater über die Geschichte spricht dem Vater, der ebenso albern undgefühlsduselig" ist, wie seine Tochter....

Liebe Nichte" versucht er zu trösten, in­dem er die Hand auf ihre Schulter legt ängstige dich nicht gleich! Wenn deinem Vater jede Aufregung erspart bleibt, kann er noch lange leben... viele, viele Jahre

Unwillkürlich schreckt Jolanda zurück vor der Berührung. Sie weiß selbst nicht, welch eigenes Gefühl sie plötzlich befällt gegenüber dem sonst stets verehrten Onkel.

Warum warum würde den Vater meine Erzählung so sehr erregen, daß es seiner Gesund­heit schaden könnte, Onkel Bernardo?" fragt sie langsam, jedes Wort scharf betonend.Du sagst selbst, et habe sich in der ganzen Sache sehr kor­rekt benommen!"

Weil hm, weil die Erinnerung an die Vergangenheit ihn stets mächtig angreift. Er liebte deine Mutter leidenschaftlich. Sie starb in jener Zeit du versiehst mich, liebe iiiu^e

Jolanda nickt. Groß, forschend blicken ihre voll aufgeschlagenen Augen in die tiefliegenden, stechenden ihres Onkels.

Kurze Zeit hält Bernardo den ruhigen Blick dieser unschuldigen Mädchenaugen aus. Dann hüstelt er verlegen. . . .

Umschau.

Parlamentarische Diäten.

Von allen Staaten der Welt sind die Ver­einigten Staaten Nordamerikas den Parla­mentsmitgliedern gegenüber am nobelsten. Je­des Mitglied des Repräsentantenhauses und jeder Senator erhält nämlich rund 20000 3t jährlich, hohe Reisespesen und außerdem noch 10 3t wöchentlich für Schreibwaren. In Europa zahlt Frankreich am meisten. Es gibt für jeden Deputierten jährlich 9000 Frks. aus, macht bei 593 Deputierten 5 337 000 Frks. Man hat aus­gerechnet, daß jede Stunde der Kammerberatung dem Lande über 10 000 Frks. kostet. Nach Frank­reich kommt Ungarn in der Reihe der diäten- zablenden Staaten. Ungarn gewährt 4000 3t jährlich, außerdem noch eine ansehnliche Woh­nungsentschädigung und Ermäßigung der Eisen­bahnfahrt den auswärtigen Abgeordneten. Die Niederlande gewähren den Mitgliedern der Zweiten Kammer jährlich rund 2000 3t, außer­dem Vergütung der Reiseausgaben. Griechen­land zahlt 1400 31 für eine ordentliche und 890 3t für eine außerordentliche Session. In Schwe­den erhalten die Mitglieder des Unterhauses 1330 31 für die Session; für jeden Tag, an wel­chem ein Mitglied unentschuldigt fehlt, werden 11 31 abgezogen. Den außerhalb der Haupt­stadt Wohnenden wird Neisevergütung gewährt. Belgien zahlt den in Brüssel ansässigen Depu- tierten keine, den Provinzialabgeordneten mo­natlich 320 Frks. Entschädigung. Die anderen Staaten gewähren nur Tagegelder: Rumänien 20 31 und freie Eisenbahn- und Postfahrt, Oesterreich 10 Gulden für jeden Sitzungstag nebst Reisespesen, Bulgarien und die Schweiz 20 Franken und Freifahrt, Dänemark 6,75 3t Diäten, Reisevergütung und Freiplatz im Theater, Norwegen 13,50 31, Reisevergütung und freie ärztliche Behandlung in Krankheits­fällen, Portugal gewährt nur Freifahrt, be­dürftige Abgeordnete erhalten durch die von ihnen vertretenen Gemeinden 15 3t Tagegeld. In England werden keine Diäten an die Unter­hausmitglieder gezahlt; jüngst hat jedoch der Premierminister der neuen liberalen Regierung auf eine von der Arbeiterpartei int Hause ge­stellte Interpellation die Antwort erteilt, die Regierung habe die Diätenzahlung bereits in Erwägung genommen. Im Gegensatz zu dem Mutterlande bezahlen alle englischen Kolonien ihre Abgeordneten, und zwar reichlich. Von den deutschen Einzelstaaten zahlen ihren Kammer­mitgliedern: Preußen 15 3t, Sachsen und Baden 12 3t, Bayern zahlt den Nicht-Münchenern 10 3t und gibt Freifahrt, Württemberg gibt 9,50 3t und freie Reise, Hessen 9 3t (aber nut den nicht in Darmstadt ansässigen) und Freifahrt.

Die Bewegung derfSdischenBe völkerunginPreußenimZahre 1904.

Im Jahre 1904 kamen in Preußen 7339 jü­dische Kinder lebend zur Welt, das macht 18,7

Seine Lider senken sich.

Du versprichst mir also, dem Vater nichts zu sagen, Jolanda?"

Wenn es für feinen Gesundheitszustand nötig ist"

Es ist nötig."

So verlpreche ich es*

Täuscht sich Jolanda? Oder zuckt wirklich et­was wie Triumph über die Züge des Mannes da vor ihr?

Schweigend blickt sie dem Onkel nach, wie er nach jovialem Gruß mit katzenartiger Geschmei­digkeit, fast unhörbar, das Zimmer verläßt.

V.

Der Marchese Bernardo Bonmartino hat ent­schieden seit einiger Zeit etwas von seiner ge­wohnten, überlegenen Ruhe eingebüßt.

Nach außen hin freilich ist er noch immer der aalglatte Weltmann, der für alles ein spöttisches Achselzucken oder ein joviales Lächeln hat.

Wer ihn aber in feinen Privatgemächern be­obachten könnte, würde bemerken, wie er gar oft vor seinem großen Kristall-Ankleidesviegel steht und sorgfältig seine Züge studiert. Wie dann auch wohl ein selbstgefälliges Schmunzeln seine dünnen Lippen umspielt und er zufrieden zwi­schen den Zähnen murmelt:

Recht so! Die Maske ist noch da! Nur nie sein wahres Gesicht zeigen! In dieser Lebens­klugheit besteht der ganze Erfolg mancher Men­schen! Selbst wenn man allein ist, ohne Augen ringsum, die einen beobachten, ohne Ohren, die jeden Laut auffangen nie sollte der wahr­haft Kluge seine Maske lüften, weder Tag noch Nacht!"

Was mag diesen sonst so derbgesottenen Mann plötzlich aus seinem seelischen Gleichge­wicht gebracht haben?

Etwa die großen, fragenden Augen seiner Nichte Jolanda? Oder die jetzt wiederholt statt­findenden privaten Gespräche mit ihrem Vater, nach welchen der ältere Bruder stets totenbleich,

auf je tausend Juden, während auf je tausend Christen 36,9 Geburten entfielen. Die christliche Bevölkerung hat also annähernd eine doppelt so hohe Geburtsziffer als die jüdische. Dagegen ist die Zahl der unehelichen Geburten bei den Ju­den nur halb so groß wie bei den Christen. Denn unehelich waren nur 3,4 Proz. aller jüdischen Ge­borenen gegen 7,1 Proz. bei den christlichen Ge­borenen. Was die Eheschließungen im Jahre 1904 anlangt, so wurden geschlossen: rein jüdische Ehen 2602, Mischehen zwischen christlichen Män­nern und jüdischen Frauen 260 und solche zwi­schen jüdischen Männern und christlichen Frauen 322. Jede zehnte heiratende jüdische Person ging eine Mischehe ein, von den heiratenden jü­dischen Männern 11 Proz., von den Frauen 9 Proz. Auf je tausend Christen kamen 8,6 Ehe­schließungen, auf je tausend Juden nut 7,4. Es ist dies um so auffallender, als die Juden nach den aus vielen Städten vorliegenden Daten über die Altersgliederung bei Christen und Juden erheblich weniger Kinder und erheblich mehr hei­ratsmündige Personen unter sich haben, als die Christen. Bei den Juden muß also ein größerer Prozentsatz ledig bleiben, eine Erscheinung, welche die preußischen Juden zu den Juden in Oesterreich-Ungarn und Rußland, wo ein ledig gebliebener Jude eine Seltenheit ist, in Gegen­satz bringt. Die Zahl der jüdischen Sterbefälle betrug 5577. Das ergibt eine Sterbeziffer von nut 14,2 Gestorbenen auf tausend Lebende, wäh­rend bei den Christen 20,4 Gestorbene auf tau­send Einwohner gezählt wurden. Auffallend niedrig ist die Zahl der jüdischen Todesfälle im Kindesalter (bis zu 15 Jahren). Während bei den Christen ungefähr die Hälfte aller Gestor­benen unter 15 Jahren war, betrug dieser An­teil bei den Juden nur 20 Proz. Hierbei ist frei­lich nicht zu vergessen, daß diese niedrige Kinder­sterblichkeit bei den Juden zum erheblichen Teil auf Rechnung der niedrigen Geburtenziffer zu setzen ist. Die niedrige Sterbeziffer der Juden ist unzweifelhaft durch günstige wirtschaftliche Verhältnisse verursacht, die dem Einzelnen bes­sere Pflege und Hygiene ermöglichen.

Deutschs Kolonreu.

Samoa. Die Einfuhr des Schutzgebietes Samoa hat im Jahre 1905 3 368 931 3t betragen, die Ausfuhr 2 028718 =4L Der Gesamthände! also 5 397 649 3t. Das ist bisher die böchste er­reichte Zahl und übersteigt dir nächsthöchste des Jahres 1902 um ein ganz beträchtliches. Dir Einfuhr ist um mehr als ein- Million Mark ge­wachsen, wovon die größere Hälfte Warenein­fuhr ist. Die große Einfuhr war die Folge der guten Kopraernte und des hohen dafür erzielten Preises, der die Kaufkraft der Bevölkerung be­deutend steigerte. Ebenso hat die Anwesenheit der 800 chinesischen Kulis zur Steigerung de-

mit tiefgebeugtem Hauvt und zitternden Händen aus dem Arbeitszimmer kommt, während der jüngere nur mit Mühe den aufsteigenden Zorn zurückzudämmen vermag? Oder die seltsame Ge­schichte, die ihm Jolanda erzählte von dem Auf- tauchen der Tochter jenes Weibes, das doch längst im Grabe ruht?...

Oder alles zusammen?...

Oester denn je zieht der Marchese Bernardo seinen Spiegel zu Rate, studiert er seine un­durchdringlichen Züge, murmelt er fein:

Recht so! Die Maske ist noch da! Nur nie fein wahres Gesicht zeigen"

Auch heute wieder haben die beiden Bruder, wie jetzt so oft, eine lange Unterredungunter vier Äugen". Auch heute wieder scheinen sie, wie gewöhnlich, verschiedener Meinung zu sein.

Als Bernardo das Arbeitszimmer seines älteren Bruders verläßt, wendet et sich noch ein­mal auf der Schwelle um.

Also du willst wirklich nicht, Umberto?" Nein." v .

Das ist der reine Eigensinn. Bedenk nur eine halbe Million! Welch ein Vorteil für unser Geschäft!"

Ich sagte dir schon, Bernardo ich gebe meine Hände nicht wieder zu so etwas her. Das eine Mal, daß ich es tat, hat mir*

Hastig tritt Bernardo ins Zimmer zurück und schließt die Tür. Seine Brauen sind finster zu­sammengezogen. , t

Schweig!" zischte er.Willst du uns ins Unglück stürzen? Die Wände haben Ohren!..., Wenn zum Beispiel dein Herr Schwiegersohn, der Staatsanwalt"

Ein unsäglich trauriger Ausdruck breitet sich auf die weichen, edelgeschnittenen Zuge des alten Mannes. Noch tiefer senkt er das graue Haupt, als drücke ihn eine schwere Last zu Boden. Sein Atem geht hastig und stoßweise.

. . . v v , ^Fortsetzung folgt.) j.