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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: AAuttriries Sonntaasblatt.

Bierteljährlichcr Bezugspreis: bet der Exp-dirion 2 Lik., r,,w

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Neueste Telegramme.

Kapstadt , 16. Mai. Nach einer Meldung der Kappolizei gelang es in schwieriger Gegend bei Reinwastwaack den Hottentottenführer Mo- renga mit sieben Orloglenten zu fangen. Er soll nach Uppington gebracht werden.

Berlin, 17. Mai. Dem Abgeordnetenhaus ging ein Antrag der Konservativen zu, die Re­gierung aufzufordern, im Bundesrate dahin zu Wirken, daß Eingriffe in die Verfassung der Ein­zelstaaten, insbesondere Preußens, im Wege der Reichsgesetzgebung, vermieden und jedenfalls nicht ohne Einvernehmen mit den Einzelland­tagen vorgenommen werden.

Berlin, 17. Mai. Eine Korrespondenz teilt Wit, daß eine Einigung zwischen Konservativen und Nationalliberalen über das Schulunterhal­tungsgesetz auf der Grundlage zustandegekommen sei, daß man den die Rektorenwahl betreffenden Paragraphen ganz ausschalte.

Hamburg, 16. Mai. Heute Vormittag kam Kus Südwestafrika der DampferProfessor Wör- jnann" mit 21 Offizieren und höheren Militär- Leamten, darunter Major Meister und die Hauptleute Meerwein, Brentano, von Winter- feldt und von Wolf, nebst 97 Unteroffizieren und Mannschaften, darunter 26 Typhusgenesene, und «vier Verwundete, an.

Köln, 16. Mai. DerKöln. Ztg." wird aus Merlin unter dem heutigen Datum gemeldet: Oberst Deimling wird voraussichtlich im Juni noch einmal nach Deutsch-Südwestafrika reisen zur Besichtigung der dortigen Truppen und zu ihrer Ueberleitung in dauernde Verhältnisse. Man darf wohl zuversichtlich annehmen, daß als­dann Oberstleutnant v. Estorff an hervorragen­der Stelle dort weiter tätig bleiben wird.

München, 17. Mai. Prinzregent Luitpold richtete, nachdem ihm die Meldung über die völlige Wiederherstellung des Reichskanzlers Fürsten Bülow zugegangen war, aus Berchtes­gaden ein Telegramm an den Fürsten, in dem er ihn zu seiner Genesung aufs wärmste beglück­wünscht und die Hoffnung auf eine noch lange Amtsführung des Reichskanzler ausdrückt. Fürst Bülow antwortete auf telegraphischem Wege mit dem Ausdruck des ehrerbietigsten Dankes, indem er hervorhob, wie sehr er die Pflege der Bezieh­ungen des Reiches und Preußens zu Bayern sich angelegen sein laste.

Washington, 16. Mai. Das Repräsentanten­haus lehnte heute einen Antrag ab, der die Streichung des Artikels der Flonenvorlage ver­langt, der die Ermächttgung zum Bau der großen Kriegsschiffe giebt.

Durban, 16. Mai. Unter den Eingeborenen längs der ganzen Grenze zwischen Natal und dem Zululand herrscht wachsende Unruhe. Heute hier eingegangene Berichte bestätigen, daß das Land

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10 (Nachdruck verboten.)

Jolanda und Salomes.

Roman von Erich Friesen.

(Fortsetzung.)

IV.

Salomea Bellonis Enthüllungen haben einen tiefen Eindruck auf Jolandas warmempfindrn- des Herz gemacht.

Zum erstenmal tritt an das verwöhnte Glückskind der Ernst des Lebens heran.

Jolanda grübelt....

Nicht etwa, daß sie auch nur einen Augen­blick an der Echtheit jenes Testaments zweifelt. Aber ihr Gerechtigkeitsgefühl, ihr ehrlicher Sinn sträubt sich gegen die Brutalität, mit der ihr Großvater sein junges, unerfahrenes Weib, sein unschuldiges Töchterchen in ttefster Armut, in Not und Elend zurückließ, während seine Söhne aus erster Ehe in Reichtum und Wohlleben schwelgen: sträubt sich gegen die Hartherzigkeit der beiden Brüder, welche der Frau, die ihr Va- ter gelrebt, die seinen Namen trägt, samt dem Schwesterchen mit einer kleinen Summe ab- frndet, und daran noch die grausame Bedingung knüpft, nre wieder eine Annäherung an ihre nächsten Verwandten zu versuchen.

Und der eine dieser beiden augenscheinlich so .hartherzigen, grausamen Männer ist ihr Vater ihr lieber, guter, hochverehtter Vater?

1 Jolanda grübelt und grübelt....

Fast ist sie versucht, die Erzählung jener ihr bisher ganz fremden Frau Delloni ins Reich der Hirngespinste zu verweisen. Pah, eine Aben­teurerin, eine Elücksjägerin, die mit ihrem Murigen Märchen das Herz der reichen Mar- chesina rühren wollte?...'

: Doch nein. Sofort verwirft Jolanda wieder Ken Gedanken. Salomea sah nicht aus wie eine Abenteurerin. Aus ihren stolzen Zügen, aus

von Mapumulo bis Helpmakar in Erregung ist, und daß die Eingeborenen-Waffen von den Zau­berern für den Krieg besprochen werden.

Ungarn.

B. Einer der liebenswürdigsten und sym­pathischsten, aber für den Unbeteiligten doch manchmal überwältigend komischen Züge des madjarischen Volkscharaktcrs ist der felsenfeste Glaube dieses Volkes an sich selbst, an seine Leist­ungen und die staunende Bewunderung, die ihnen die Mitwelt zollt. Das englische Selbstbe- wußtsein mag noch inassiver sein, aber es ist nicht so wortreich und es hat vor allen Dingen doch einen guten Fonds von sachlicher Berechtigung. Was bei den Madjaren so unsagbar komisch an­mutet, ist das schreiende Mißverhältnis zwischen Leistungen und Ansprüchen, zwischen Wirklichkeit und Einbildung. Schon das Wort vondiesem tausendjährigen Staate, dem ältesten in Europa" ist geeignet, stürmische Heiterkeit zu erregen, wenn man an die hungrigen Nomadenhorden mongolischer Abkunft dentt, die am Ende des neunten Jahrhundert am Horizonte der europäi­schen Kultur als deren grimmigste Feinde auf­tauchten und ihre rohe Kraft bald genug am deutschen Wesen brachen.

Fast noch komischer als dieser historische Grö­ßenwahn ist die wissenschaftliche Selbstbespiege­lung der Madjaren. Man konnte sie jüngst in dergroßen Woche" der ungarischen Akademie der Wissenschaften wieder einmal an der Quelle genießen. Dieser Akademie obliegt die Züchtung ungarischer Gelehrsamkeit, ein Beginnen, über dessen Notwendigkeit, ja Zulässigkeit in einem Lande, dessen Bevölkerung zu 49 Prozent aus Analphabeten besteht, man streiten könnte. Aber gerade was man nicht hat, das eben brauchte man ja bekanntlich und Ungarn soll und darf nach der Ueberzeugung der Madjaren auch als Vormacht des geistigen Lebens in Europa nicht zurückstehcn. Darum hat man das Land mit Gymnasien und Mittelschulen aller Art übersät und kann sich auch rühmen, daß sie überfüllt seien. Darum pflegt die Akademie durch Editionen, Subventionen und Stipendien die Geschichte und Geographie Ungarns, die madjarische Philologie und vor allem die poetische Litteratur in mad- jarischer Sprache. Aber wo sind die Wunder­blumen, die auf dem so mühsam und sorglich ge­düngten Boden der madjarischen Geifteskultur gewachsen sind? Wo ist der neue Petöfi? Wo sind die Gelehrten von Weltruf? Statt ihrer macht sich ein großes akademisches Proletariat mit jüdischem Einschlag überstark bemerkbar, an wirklich mit der Wissenschaft sich beschästigen- den Männern aber ist Ungarn nach dem Einge­ständnis ehrlicher Madjaren selbstdas ärmste aller Länder". Die politische Presse im we­sentlichen in der Hauptstadt konzentriert

den flammenden Augen sprach Wahrheit reinste, lauterste Wahrheit.

Geräuschlos eilt Jolandas flinke Kammerzofe Assunta mit dem gewohnten Frühstücksimbiß herbei. Ungeduldig wintt Jolanda ab: die zier­lichen Kaviarschnitten, der goldfunkelnde Mar­sala", die duftenden Südfrüchte reizen heute nicht ihren sonst stets regen Appetit.

Auf silberner Platte präsentiert Camillo, der Leibdiener eine Anzahl Briefe und Visiten­karten. Jolanda wirft keinen Blick darauf; die parfümierten Episteln ihrer Freundinnen, die mit vielzackigen Kronen geschmückten, hochklin­genden Namen der Besucher interessieren sie heute nicht im mindesten.

Die sonnige Heiterkeit der jungen Marche- sina ist ernstlich getrübt....

So vertieft ist Jolanda in ihre unliebsamen Gedanken, daß sie erschrocken zusammenfährt, als sie draußen in der Halle die wohlbekannten, sonst so lebhaft ersehnten Schritte ihres Bräuti­gams vernimmt.

Nicht wie sonst eilt sie ihm entgegen. Nicht wie sonst reicht sie ihm mit strahlendem Erüb- chenlächeln die frischen Lippen zum Kuß.

Still, ernst streckt sie ihm die kleine Hand entgegen.

Was Wunder, daß die scharfen Augen des jungen Staatsanwalts sofort die Veränderung in den lieblichen Zügen seiner Braut bemerken. Voll Besorgnis fragt er nach dem Grund ihrer Verstimmung.

Doch Jolanda wehrt ungeduldig ab. Sie scheut sich, ihm, dem braven, schlichten Manne zu sagen:

Mein reicher, vornehmer Vater besitzt eine junge Schwester. Und diese Schwester lebt in dürfttgsten Verhältnissen. Sie darbt und ent­behrt und leidet fast Rot."

Ihr ist, als ob die Gloriole, die sie um das ehrwürdige Ereisenhaupt ihres Vaters gewoben,

blüht, auch an politischen Broschüren ist kein Mangel, aber schon seit einem Menschenalter kla­gen die Leiter der Akademie, daß eben infolge dieses vorwiegend politischen Interesses das wis­senschaftliche immer mehr zurücktrete.

Man sollte nun denken, daß sich die Madjaren wenigstens nach dieser Richtung hin einer löb­lichen Bescheidenheit befleißigen. Aber weit ge­fehlt. Gerade je weniger sie in der Wissenschaft leisten, desto ruhmrediger sind sie. Wenn einmal ein ausländisches Blatt die noch so nichtssagende Rezension eines madjarischen Autors gebracht hat, so läuft sie durch die ganze nationale Presse als ein Beweis, wie das Ausland auf die Offen­barungen des madjarischen Geistes lauscht. Von gesunder Selbstkritik aber nirgends eine Spur auch nicht in der jüngstengroßen Woche" der Akademie. Man Lbertäubte sich, wie von jeher in Ungarn, auch bei dieser Gelegenheit mit tönenden Worten. Zum Beleg stehe hier ein köstlicher Passus aus der Eröffnungsrede des Präsidenten:Möge etwas über uns kommen von jenem tiefen religiösen Glauben an die staa­tenbildende Kraft der nationalen Kultur, daß wir keinen Augenblick zweifeln, daß unsere Na­tion die Fähigkeit und auch die Mission hat, sich auf allen Gebieten, auch in der Wissenschaft hinaufzuschwingen unter die Ersten. Der Glaube? Der Glaube! Er ist es, welcher stärkt und er­hebt, der Zwerge zu Riesen macht, den erlahmen­den Arm wieder stählt und der nackten Brust die Festigkeit des Schildes verleiht. Der Glaube an die Zukunft des Vaterlandes, an die Größe der Nation war das Unterpfand der Siege unserer zukünftigen Aufgaben." Wir sind ganz der An­sicht des Präsidenten, daß es eine schöne Sache um denGlauben" ist, nur dürfen dieWerke" nicht fehlen. Vielleicht. Vielleicht predigt er seinen Landsleuten das nächste Mal von diesen und dem Nutzen hausbackener Arbeit. Es könnte nichts schaden.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. Mai.

Seine Majestät der Kaiser unternahm gestern Mittwoch, wie von Schloß Urville be­richtet wird, mit den Herren seines Gefolges einen Spazierritt. Nach dem Spazierritt hörte der Kaiser die Vorträge des Kriegsministers v. Einem, des Chefs des Stabes der Armee Ge­neralleutnants v. Moltke und des Chefs des Militärkabinetts Eeneraladjutanten Grafen Hülsen-Häseler. Morgen Freitag erfolgt die Rückreise nach Berlin, auf der der Kaiser in Gießeit mit der von Homburg kommenden Kai­serin Zusammentreffen und die Fahrt gemeinsam fortsetzen wird.

Nach derSiidd. Tabakztg." haben die Mehrheitsparteien des Reichstages zur Ziga- retten-Banderolsteuer das folgende Kompromiß abgeschlossen: Ausländische Zigaretten und Feinschnitt zahlen 800 cM, Zoll zuzüglich der Jn-

durch diese unkindlichen Worte für immer erblei­chen würde.

So weicht sie Vittorio Grazianos wiederhol­ten Fragen aus.

Zum erstenmal trennen die beiden Verlobten sich mit einem leisen Mißbehagen im Herzen.

Das nagende Gefühl, nicht offen gegen ihren Bräutigam gewesen zu sein, verstimmt Jolanda nur noch mehr.

Als sie beim Mittagessen neben ihrem Va­ter, dem Marchese Bernardo gegenüber sitzt, fällt beiden Herren die ungewohnte Blässe ihrer Wangen auf.

Scherzend wehrt sie neckende Fragen wegen ihrersauertöpfischen" Miene ab. Aber als das Essen vorbei ist und Bernardo sich anschickt, wie stets, so auch heute, nach dem Caf6 Nazionale zu gehen, um dort bei einer TasseSchwarzen" seine Havanna zu rauchen, bevor er sich ins Bankhaus begibt da eilt Jolanda ihm in die Halle nach.

.Onkel Bernardo? Einen Augenblick?"

Der Marchese dreht sich verwundert um.

Na, kleine Hexe? Was ist los?"

Ich möchte dich ein paar Minuten sprechen."

Aber nicht jetzt gleich nach dem Essen. Das stört die Verdauung. Wenn ich aus dem Cafä zurückkomme dann meinetwegen. Wird sowieso nichts wichtiges sein, wie?"

Jolanda zuckte die Achseln. Deutlich steht die Ungeduld in ihren offenen Zügen geschrieben.

Es betrifft eine Geschichte aus unserer Fa­milie," entgegnet sie kurz.Sie geht besonders dich an dich und den Vater."

Ah so! Stöberst du in alten Familien­geschichten herum?... Eine wurmstichige Be­schäftigung für ein schönes, junges Mädchen!"

Etwas verletzt wendet Jolanda sich ab.

Mir ist durchaus nicht scherzhaft zu Mute, Onkel.... Im übrigen wenn die Sache dich

landsbanderolle. Die Banderole für die I» landsfabrikation wurde festgesetzt:

Verkauf bis 15 <M pro 1000 <M 1.50

15 25 2.50

25 35 3.50

35 50 5.

50 ,, 70 7.

über 70 10.

Feinschnitt bis 3 M per Kilogramm bleibt frei wie bisher; von 3 bis 5 zahlt 50 L Banderole. Die anderen Sätze bleiben unver­ändert. Der Steuersatz für Hülsen und Blätt­chen wird auf 2 M per 1000 festgesetzt.

Vom 30. April bis zum 4. Mai weilte in Württemberg eine vom Reichsamte des Innern entsandte Kommission, der die Geheimen Ober­regierungsräte Dr. Kaufmann und Koch und Regierungsrat Dr. Paehler angshörten und der von Württemberg Regierungsdirettor von Scharpff beigegeben worden war, um an Ott und Stelle Erhebungen über die Lage der Haus­industrie und der Heimarbeiter zu veranstalten. Es wurden dabei, wie jetzt derWürttember- gische Staatsanzeiger" meldet, die Oberamtsbe­zirke Balingen, Tuttlingen, Spaichingen und Oberndorf besucht, wo zuerst in den einzelnen Orten mit dem Oberamtsvorstand, dem Orts­vorsteher, Fabrikanten, Geistlichen, Aerzten und Lehrern Erörterungen über die Lage der be- treffenden Hausindustrie int allgemeinen, die Frage ihrer Notwendigkeit, ihren Einfluß auf die Hausgewerbetreibende Bevölkerung in witt- fchaftlicher, gesundheitlicher und sittlicher Be­ziehung gepflogen und sodann eine Anzahl von Heimarbeitern in ihren Wohnungen bei der Arbeit aufgesucht wurden. Am 4. Mai sind dann die Kommissare des Reichsamts in die Rhein­pfalz weiter gereist, wo sie in und bei Pirma­sens die Heimarbeit in der Schuhwarenindustrie untersucht haben. Von dort begibt sich die Kom­mission wie dieSoziale Praxis" mitteilt nach dem sächsischen Erzgebirge, wo besonders die Spielwarenindustrie zum Gegenstand ein­gehender Erhebungen gemacht wird. Etwa in 10 Tagen wird die Kommission ihre Reise be­endet haben.

Ngrlimentarriches.

Deutscher Reichstag.

* Berlin, 16. Mai.

Der Reichstag setzte am Mittwoch die zweite Lesung des Entwurfs über die Ausgabe von Reichskassenscheinen fort. § 1, bei dem Abg. Dr. Arendt am Montag die Beschlußfähigkeit des Hauses bezweifelt hatte, wurde angenommen. Abg. Graf Kanitz (kons.) begründete einen An­trag, nach dem der Gesamtbetrag der Reichs­silbermünzen bis auf weiteres 20 M (bisher 15 cU) pro Kopf der Bevölkerung betragen soll, während Abg. Dr. Arendt (Rp.) beantragte, solange Reichskassenschenie in Umlauf seien, solle die Hälfte des Reingewinnes bei der Ausprä­gung der Reichsscheidemünzen zur Einziehung von Reichskassenscheinen verwendet werden. Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel bemertte.

langweilt, kann ich auch gleich mit meinem Vater darüber sprechen."

Täuscht sich Jolanda oder steigt wirklich leichte Röte in die Stirn des Mannes, dessen Gesicht sonst so undurchdringlich ist?

Mit einer raschen Bewegung zieht Bernardo den Hut etwas tiefer in die Stirn. Unter halb gesenkten Lidern blickt er seine Nichte forschend, fast durchdringend an.

Ich weiß nicht, wovon du redest, Nichte Jo- laitda" erwidert er mit gutgespielter Jovia­lität.Aber deiner Miene nach ist es etwas Unangenehmes. Ich will dir etwas sagen: hole, bevor du mit deinem Vater darüber sprichst, erst meinen Rat ein! Dein armer Vater fühlt sich sowieso nicht recht wohl. Rege ihn nicht unnötig auf verstanden?... Um vier Uhr bin ich zu­rück. Dann schieß los mit deinen Jeremiaden? Ich ermatte dich int kleinen gelben Salon. Auf Wiedersehen!"

Ein Chancon pfeifend, steigt er die breite Treppe hinab, um seiner Gewohnheit gemäß den Corso Umberto hinabzuschlendern bis zum Caf6 Nazionale.

Doch heute tritt er nicht ein in die hohen Prachträume. Die Lust zu seinem Kaffee ist ihm vergangen und auch zur Zigarre.

Was hat das Mädel nut?... Eine Ge­schichte aus unserer Familie?... Sie meint doch nicht etwa--? Und wer war die bleiche,

ärmlich gekleidete Frau heute früh im Salon?..» Zum Kuckuck, doch nicht gar--

Ernstlich beunruhigt schreitet er weiter und weiter... über die Piazza del Popolo... die Tiber entlang....

Dabei ist sein Kopf auffallend rot.

Ist es die Flamme der Enrüstung, die ihm die Sttrn so dunkel färbt?... Oder erwacht sein Gewissen?... Schämt er sich?

(Fortsetzung folgt.) .