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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonutagsbeilager Illuttrirtes Gonntaa«br<»tt.___________________________________________________

Vierteljährlicher Bezugspreis, tn oer Ex/:dition 2 Mk., Erscheint wöchentlich sieben mal.

3 be. allen Postämtem 2,25 Mk. .excl. Bestellgeld). _ Druck und Verlag- Joh. Stig. Koch, UmverMtS-Buchdruckerei 41. Jührg.

- 111 Jnsertlonsgebühr^die gespalten-Z-ill oder deren Raum 10 Pzg. SDNNtüg 13. Müi 1906. Marburg, Markt 21. - Telephon 55.

Zweites Blatt.

Die heutige Nummer umfaßt

12 Seiten.

Heimatsschutz.

Es gibt einen Schutz der Heimat gegen den Nutzeren Feind. Für ihn ist das Bollwerk des Heeres errichtet. Es gibt auch einen Schutz der Heimat gegen innere Feinde. Es brauchen das «icht gerade politische Parteien zu sein. Um die Heimat zu schützen, müssen wir auch den riick- fichts- und gedankenlosen Nützlichkeitsstand- t'unkt bekämpfen, die geschmacklose Neuerungs- rucht, den Mangel jedes geschichtlichen Sinnes Lnb kräftigen Stammesbswutztseins, und diese Art Heimatsschutz ist es, die jüngst auch in einer Mrsammlung der Bodenreformer erörtert und gefordert wurde.

i Was ist die Heimat, die wir schützen sollen jiinb wollen ? Scheinbar ist es leicht, eine Defi­nition dieses Begriffes zu geben. Es ist die Melle, wo wir geboren und erzogen sind. Doch 'erschöpft diese Erklärung den Wortinhalt nicht sganz. Wir kehren beispielsweise nach jahre­langer Abwesenheit aus der Fremde zurück nach jbent Orte unserer Jugendspiele. Dort, wo das liebe Vaterhaus gestanden hat mit seinen alter- 'tümlichen Erkern und Balkonen, mit dem spitz- äiebligen Dach, mit der verschnörkelten Sand- ffleinsassade, erhebt sich nunmehr ein äußerst praktischer Neubau mit gradlinigen Fenstern und symmetrisch eingeteilter Vorderfront. Statt des altertümlichen Kirchendaches, an dem un­sere Kinderaugen so oft hingen, erhebt sich viel­leicht ein mit reichem Schmuck versehener Neu­bau. Anstelle der winkeligen, hügeligen Gaffen Jir.b breite Straßenzüge, von glänzenden Häu­serzeilen eingefaßt, getreten. Die alten Bäume sind gefällt, die alten Tore niedergeriffen. Ent­täuscht und ernüchtert stehen wir dann vor die­sem vollständig veränderten Bilde. Das ist zwar geographisch genau der Heimatboden, den unsere Seele in der Fremde sehnend suchte, aber 'es ist doch nicht die Heimat, nach der wir Heim- iweh hatten. Diese Heimat ist das Gesamtbild, .welches sich der jugendlichen Seele tief ein­prägte und nimmer daraus verlöscht werden ifonitie in späteren Tagen, deffen Reiz und ge­schichtliche Bedeutsamkeit durch keinerlei noch so praktische Nutzbauten moderner Art ersetzt wer- ,deu kann. Diese Heimat zu schützen gegen eine unnötige und gedankenlose, angeblich im Dienste der Neuzeit und ihrer Anforderungen geübte Zerstörungssucht ist wahrlich eine wür­dige Aufgabe, zu deren Erfüllung sich die Besten

aller Stände des Volkes zusammenschließen soll­ten. Die Pietät, nicht nur für die Personen, sondern auch für ehrwürdige leblose Dinge aus vergangenen Tagen, nicht minder aber die Sorge für die Unversehrtheit der heimatlichen Naturschönheiten, der Sinn für den Wert der geschichtlich gewordenen Heimat in ihrem ur­sprünglichen Rahmen ist eine nationale Tu­gend. Denn aus den tausend Quellen dieser im besten Sinne partikularistischen Neigungen entsteht, sie alle zusammenfaffend, die Boden­ständigkeit/ die Heimatsliebe, das National­gefühl des gesamten Volkes.

Nicht etwa blind und gedankenlos, nicht ohne Rücksicht und Verständnis soll der wahre Heimatsschutz jede Entwicklung hemmen, nicht sich entgcgenstellen als ein bedingungsloser Lob­redner des Vergangenen den Bedürfniffen der neuen Zeit. Nur einem rücksichtslosen Indu­strialismus, einem verständnislosen Philister­tum, einer unnötigen Neuerungssucht soll er die gebührenden Schranken weisen. Wem die wild tosenden, in Atome zerstäubenden Waffermas- sen des Rheinfalls oder des Trollhätta nichts weiter sind als ein Mittel, um Riesenturbinen zu treiben, um als elektrische Kraftquelle zu dienen, wem die schöngeschwungenr, waldum- rauschte Gebirgskuppe nichts weiter ist als ein zweckmäßiger Bauplatz für ein riesiges Fremden­hotel, wem die himmelansteigende Felswand nichts anderes bedeutet als eine bequeme Fläche, um darauf in haushohen Buchstaben irgend eine Schuhwichse oder Seife anzupreisen, kurz, wer die Verhunzung des heimatlichen Landschasts- bildes durch solche von öder Gewinnsucht dik­tierte Geschmacklosigkeiten nicht begreift und für bekämpfenswert hält, der freilich ist den edlen Bestrebungen des Heimatschutzes ver­loren.

Tausend Dinge gibt es, die geschützt, gehegt und gepflegt werden können als ehrwürdige und schöne Erbstücke der gewerblichen und künstleri­schen Tätigkeit unserer Vorfahren, tausend Dinge, die der heimatlichen Landschaft eigen­tümlich sind und ihr einen besonderen Reiz ver­leihen, ohne daß sie darum dem berechtigten Fortschritte ein wirkliches Hemmnis sind. Sie alle aber bilden die charakteristischen Merkmale unserer Heimat, die mit lebensvoller Deutlich­keit in unserer Erinnerung sich geltend machen, plastisch greifbar vor unferm inneren Auge stehen, wenn in der Fremde irgend ein äußerer Anlaß die Vorstellung der Heimat in uns aus­löst und aus dem Dunkel des Unbewußten über die Schwelle des Bewußtseins trägt. Wenn der Schweizer fern von seinem Berglande die Töne des Kuhreigens hört, dann steigen die eisigen Firnen, die grünen Halden, die ragenden Berg­wände vor ihm auf und unwiderstehlich zieht es ihn hin aus Prunk und Pracht der Fremde zu den natürlichen Schönheiten der Alpenwelt.

Heer und Flotte.

1 Der Kaiser hatte vor einiger Zeit den Bildhauer Prof. Max Unger nach Potsdam zur Audienz berufen. Wie bekannt wird, handelte es sich um eine Rücksprache wegen der Gestaltung der Denkmäler für die Gefallenen von Jena und Auerstädt. Die Ausführung beider Werke ist bekanntlich Prof. Unger übertragen. Die Werke sollen in Vierzehnheiligen und in Haffenhausen aufgestellt werden, in jenen beiden Orten, deren Besitz die Schlachten vor 100 Jahren entschied. Das Denkmal zu Vierzehnheiligen wird dem Andenken aller in der Schlacht bei Jena gefal- lenen Offiziere und Soldaten der verbündeten preußisch-sächsischen Truppen geweiht, das bei Haffenhausen gilt den in der Schlacht bei Auer- sicidt gefallenen Preußen und Soldaten des wei- marischen Scharfschützenbataillons. Die Form der beiden Denkmäler wird eine gleichartige, sie erhalten eine ganz einfache Gestalt. Die Ent- qullung ist zum 14. Oktober vorgesehen.

tttue Rangliste der König!. Preußi- sthen Armee und des 13. (Königlich Württem­berg!,chen) Armeekorps für 1906 mit den Dienst­alterslisten der Generale und der Stabsoffiziere und einem Anhänge, enthaltend das Reichsmili­tärgericht, die Marine-Infanterie, Kaiserlichen Schutztruppen und die Gendarmerie-Brigade in Elsaß-Lothringen, ist soeben im Verlag von E. jC. Mittler u. Sohn, Berlin SW. 68, erschienen s(Preis: Geheftet 7,50 J*,, in Leinwandband {B .ft). Sie wird bekanntlich als einzige amt- sliche Ausgabe in der Geheimen Kriegskanzlei itebigiert und schließt in diesem Jahre mit dem Dtand vom 6. Mai ab. Gleichzeitig liegt auch Bie im Marinekabinett redigierte neue Rang; liste der Kaiserlich Deutschen Marine für das

Jahr 1906 vor (Geheftet 2,50 .ft, in Leinwand­band 3,25 .ft) sowie die Rangliste von Beamten der Kaiserlich Deutschen Marine 1906 (Geheftet 2 M, in Leinwand 2,60 .ft). Nicht nur bei der Armee und Marine, sondern auch im öffent­lichen Verkehr und geschäftlichen Leben befinden sich diese wichtigen Nachschlagebücher tagtäglich in Benutzung. Sie seien wegen ihrer Unent­behrlichkeit und praktischen Brauchbarkeit bei ihrem Neuerscheinen wieder aufs beste em­pfohlen.

lieber den Uebungsplan der aktive« Schlachtflotte bis zum Herbst verlautet: Es wer­den zwei große llebungsreisen von je fünf­wöchiger Dauer abgehalten werden. Die Schiffe ankern nur während der Kieler Woche und etwa zwei Wochen vor dem Beginn der großen Herbst­übungen auf der Ostsee. Die erste Reise begann am 5. Mai, die Hebungen finden in der Nord­see mit Helgoland als Stützpunkt statt. Es be­teiligen sich 16 Linienschiffe, 9 Kreuzer, die Schul- und Manöverflottille, insgesamt 47 Kriegsschiffe und Kriegsfahrzeuge, das größte Geschwader, das je bei einer Frühjahrsübung der heimischen Kampsflotte zusammengezogen war. Die zweite Reise beginnt in der ersten Hälfte des Juli. Nach der Heimkehr treffen die Schiffe ihre Vorbereitungen für die Herbst- Übungen, die in der ersten Hälfte des September abgehalten werden.

Daß der Bau eines kleinen Kriegshafens an der Rordspitze der Insel Sylt, der schon in der dänischen Zeit angeregt worden, jetzt erneut ins Auge gefaßt werde, ist zwar wiederholt offi­ziös in Abrede gestellt worden, doch wollen die Gerüchte darüber nicht verstummen. In der Tat eignet sich die kleine Bucht des Königs­hafens, die von der Hakenförmigen Landzunge

Soll er dann die Schroffen und Gletscher durch industrielle Etabliffements verunziert finden?

Man beginnt bereits sich zu wehren gegen die Verschimpfterung der schönsten Aussichts­punkte und der historisch ehrwürdigen Stätten durch störende Hotelbauten. Erst letzthin haben Schweizer Bürger die Rütliwiese angekauft, auf der nach Heberlieferung die nächtliche Zusam­menkunft der Eidgenoffen zur Beratung der Freiheitsbewegung gegen die österreichischen Fronvögte stattgefunden haben soll, um sie ge­gen eine drohende Verwendung zu prosaischen Nützlichkeitszwecken zu schützen. Auch die Berg­bahnen spielen hier eine große Rolle. Mancher aussichtsreiche Bergriese hat wohl an seiner ma­jestätischen Erhabenheit dadurch eingebüßt,, daß man den Schienenstrang auf seinen Gipfel führte. Jndcffen muß man, um gerecht zu sein, doch anerkennen, daß hie und da das Land­schaftsbild durch die Vahnbauten auch an Be­lebung gewonnen hat, und vor allem, daß un­endlich vielen, die Herz und Verständnis für die Natur haben, der Besuch jener Berge, der Genuß der herrlichen Aussichten erst ermöglicht worden ist. Mit Recht haben auch die öffent­lichen Gewalten als . ihre Aufgabe anerkannt, im angemeffenen Rahmen Heimatsschutz zu trei­ben. Man hat durch Gesetze und Polizeiverord­nungen die Verunzierung lieblicher Flußufer, insbesondere der Rbein- und Saalelandschaft, durch Reklameschilder verboten. Die Provinzen haben öffentliche Konservatoren (Erhalter) als berufene Beamte in den Verschiedenen Bezirken angestellt, damit nicht der Unverstand und die Gleichgültigkeit die Zerstörung historischer Bau­denkmäler unbehindert betreiben könne. Zu jeder Zeit kann der Konservator sein Veto gegen eine etwa geplante Zerstörung, die zu seiner Kenntnis kommt, einlegen. - -

Daß ein gewißer Zwang in solchen Dingen nicht wohl zu entbehren ist, läßt sich leicht an einzelnen Beispielen klarlegen. Unsere Nach­barresidenz Potsdam hat noch aus der Zeit des absoluten Königtums, als die dort residierenden Könige von Preußen meistens auch noch die Bauherren für alle dort aufgeführten Häuser und öffentlichen Gebäude waren, ein sogenann­tes Faffadengesetz, d. h. den jetzigen privaten Eigentümern ist durch grundbuchliche Eintrag­ung die Verpflichtung auferlegt, die historische Fassade ihres Hauses nicht ohne Einwilligung der zuständigen Hofbaubehörde zu ändern. Viel­fach wurde das als Belästigung empfunden, aber das historische Stadtbild ist dadurch erhalten worden. Als vor einigen Jahren dortim Jn- tereffe des Verkehrs" das althistorische Berliner Tor niedergeriffen werden sollte, da legten die zuständigen Aufsichtsbehörden ein Veto dagegen ein und siehe da, es ging auch so. Man legte das Tor frei und führte rechts und links davon Straßen herum. Der Verkehr kam so zu seinem

Recht, und das historische öffentliche Bauwerk blieb erhalten. In ähnlicher Weise ist man beispielsweise auch in Lübeck mit den hoch intereffanten ehrwürdigen Stadttoren versah ren. Die Sorgfalt, welche hier einer königlichen Residenz zuteil wurde, sie kann an tausende« und abertausenden von Stellen unseres Lande- mit Erfolg an Natur und Kunst geübt werden.

Es genügt nicht, die künstlerischen und ge­werblichen Erzeugniffe einer verfloffenen Zeit, ihre Gewohnheiten und Hebungen, ihre Trach­ten und Feste nur in Büchern zu beschreiben, ir Museen aufzustapeln und in Bildern und Stulp, tuten festzuhalten. Nur verhältnismäßig we­nige haben davon den Nutzen. Sie möglichst le­bendig in ihrer Umgebung, in der Hebung des Volks zu halten, das ist eine Aufgabe, welche im Zusammenwirken mit den berufenen öffent­lichen Faktoren der privaten Vereinstätigkeft ein reiches und lohnendes Arbeitsfeld bietei So hat sich beispielsweise auf dem letzten Nie dersachsentage eine Anzahl Personen zusammen' getan, um innerhalb ihres Heimatsbezirks Hei­matsschutz zu üben in folgenden Gruppen: 1, Schutz der heimatlichen natürlichen Landschaft, einschließlich der Pflanzen- und Tierwelt; 2 Schutz der heimatlichen Eeschichts- und Kunst denkmäler; 3. Schutz des heimatlichen Volks­tums in Sprache, Sitten und Gebräuchen, Volks­trachten, ländlicher Bauweise und andern typi­schen Zügen. Gleiche Bestrebungen verfolge« die Vereine zur Pflege heimischer Denkmäler, zur Erhaltung alter Burgen, die verschiedene« Altertumsvereine, die Vereine für Volkskunde, Auch die Verschönerungsvereine und die Vereim für Hebung des Fremdenverkehrs sollten sich im wohlverstandenen Interesse ihrer Bestrebung u in den Dienst dieser dankbaren Aufgabe stellen, die übrigens auch in unserm Kaiser einen stete» und mächtigen Förderer gefunden hat. Dor allem aber soll die Presse als Kulturfaktor der Neuzeit ein Förderer dieser Ziele fein. Auch wir wollen diese Pflicht erfüllen. Denn dadurch mittelbar wird das Volk gefestigt und gekräftigt zur Erfüllung seiner großen nationalen Aus­gaben.

Umschau.

Deutschlands Eewerbe und Handel im Bergleich zum Auslande.

Sowohl vom sozial- wie vom wirtschafts­politischen Standpunkt aus wäre ein genauer Aufschluß über die Frage, wie sich das Bild von Deutschlands Gewerbe und Handel im Vergleich zum Auslände stellt, sehr erwünscht. Von gro­ßem Interesse wäre es, zu erfahren, ob das Ee- samtgewerbe in anderen Ländern ähnlich wie bei uns entfaltet ist, welche Gewerbezweige da die größte Verbreitung haben, in welcher Weis« Klein- und Großbetrieb, Einzel- und Gesell-

gebildet wird, welche vom nördlichen Teil der langgestreckten Insel ausgeht, dazu recht gut. Sie ist, hauptsächlich durch die gerade dort in der Nähe des Dorfes List befindliche sehr hohe Düne, vollkommen geschützt und Verhältnis mäßig tief. Der Zugang zur Bucht von der See her wird durch das sogenannte Lister Tief ge­bildet, ein schmales und ebenfalls verhältnis­mäßig tiefes Fahrwasser zwischen der Nord­spitze Sylts und der Südspitze der sich nach Nor­den hin anschließenden Insel Röm. Die Wafferverhältniffe genügen wohl für Torpedo­fahrzeuge, die bei schwerem Wetter schon oft hier Zuflucht und Ankergrund gesucht haben. Immerhin ist der Raum mit hinlänglich tiefem Wasser nur gering, doch ließe er sich zweifellos durch Baggerarbeiten, zweckmäßig angelegte Dämme usw. wesentlich erweitern und vertiefen. Dabei ist die Zufahrt von außen recht schmal und bei schwerem Wetter durch heftige Küsten- strömung auch nicht immer leicht zugänglich. Jedenfalls wäre es, wie in einem längeren Ar­tikel derKieler Reuest. Nachr." eingehend dar- gelegt wird, sehr vorteilhaft, in einem Kriege, wo wir auf die Defensive angewiesen sind, auch hier einen Stützpunkt zu haben. Denn für den Feind wird eine Heberwachung unserer Küsten um so schwieriger, je größer die Zahl unserer Stützpunkte ist und je weiter diese von ein­ander liegen.

Nach dem soeben bekannt gegebenen Pro­gramm für die diesjährige« größeren Truppen­übungen in Italien finden große Manöver dies­mal nicht statt; man scheint sie neuerdings alle zwei Jahre abhalten zu wollen. Den General­kommandos ist gänzlich überlassen, wann und in welcher Ausdehnung sie die üblichen Gefechts­schießen, Hebungslager oder Feldmanöver aus­

führen und welcher Art sie den Vorzug geben wollen: sie haben sich nur inerijalb der Grenze» der bewilligten Gelder zu halten und die ange. setzten Einbeordnerungszeiten für die Mann­schaften des Beurlaubtenstandes, in der Haupt­sache Jahrgang 1881, zu berücksichtigen. Anein- andergrenzenden Armeekorps ist, unseres Wis­sens zum ersten Male, da früher solche gemein­samen Hebungen immer von der Zentrglstelle befohlen worden, gestattet, Manöver der unter­stellten Truppen gegeneinander zu vereinbaren; hierbei darf auch Kavallerie zu weitausgreifen- den Erkundungen verwandt werden. Im Be­reiche des ersten Armeekorps (Turin) wird aue . Mannschaften der Mobilmiliz (Landwehr) ein Divisionslager eingerichtet. Auch das ist tm Vergleich zu dem Brauch der letzten Jahrzehnte eine Neuerung, denn früher übten Mobilmiliz- Brigaden und -Divisionen nur während bet Manöver im Anschluß an Truppen des stehende« Heeres. Die neue Einrichtung scheint den Vor­zug zu verdienen. An besonderen Truppen­übungen sind noch weiter zu erwähnen: acht­tägige Hebungen einer starken Alpini-Erupp« im Bereiche des 3. Armeekorps (Mailand), zweite Hälfte des Augusts; ein größeres Kaval­lerie-Exerzieren im Bereiche des 5. Armeekorps (Verona), und zwar auf 20 Tage, von Ende August ab; ein Kavallerie-Divifions-Hebungs- lager für vier Regimenter in der ersten Hälfte des Septembers bei Capua im Bereich des 10. neapolitanischen Armeekorps; dann in jedem Korps Manöver mit Kaders und im Be­reiche des 6. (Bologna), 9. (Rom) und 11. Ar­meekorps (Sari) noch je eine Belagerungs- übung mit Kaders. jpp-.--.-.