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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonutagsb-ilage: AUukrirtes Ssnntaasblatt.

Drittes Blatt

und für Wollfadrikate rund 21 Mill. Mark. Um den Betrag von rund 185 Mill. Mark hat sich also in diesen ersten 4 Monaten die Lage dieser Exportindustrien verbessert. Das sind nahezu zwei Drittel der gesamten Ausfuhrsteigerung in dieser Periode, gewiß ein nicht zu entkräftender Beweis für die durchaus günstige Lage der ver­arbeitenden und exportierenden Industrien des Landes.

weiterer Paragraphen vertagte sich das Hau» auf Sonabend 1 Uhr.

Englands Außenhandel.

An der im allgemeinen günstigen Lage des internationalen Verkehrs nimmt der englische Außenhandel in dem Grade teil, der ihm die seit Jahrzehnten gesicherte Stellung des Landes auf dem Gebiete des Weltverkehrs ermöglicht. Der März des laufenden Jahres hat eine Handsls- bewegung gebracht, die in Einfuhr und Ausfuhr weit über der des entsprechenden Monats im Vorjahre lag. Im April hat sich diese Entwick­lung ununterbrochen und mit gleicher Stärke fortgesetzt. In einem Gesamtwert der Einfuhr . von 47 Mill. Lstr. liegt ein Mehr von fast 3,8 Mill. Lstr. gegen den vorjährigen April, das in der Ausfuhr erzielte Mehr von nahezu 2,9 Mill. Lstr. hob den Wert dieses Faktors des Außen­handels auf 27 Mill. Lstr. Einen April-Verkehr im Gesamtwert von 74 Mill. Lstr. oder rund iy2 Milliarden Mark hat der englische Außenhandel noch nicht erlebt, und der darin erkennbare Fort­schritt ist um so mehr bemerkenswert, als der diesjährige April einen Eeschäftstag weniger hatte, als der vorjährige.

An der Steigerung der Einfuhr sind beteiligt Wolle mit rund 1,2 Mill. Lstr. und Rohbaum­wolle mit 0,3 Mill. Lstr. Auf feiten der Aus­fuhr verzeichnen ein Mehr Kohlen und Koks von 0,4 Mill. Lstr., Eisen- und Stahlwaren von 0,7 Mill. Lstr., Erzeugnisse der Maschinenbauindu­strie von 0,4 Mill. Lstr., Baumwollwaren von 0,4 Mill. Lstr. und Wollfabrikate von 0,13 Mill. Lstr.

Im ersten Drittel des laufenden Jahres hat der englische Außenhandel seinen Wert insge­samt um 34,2 Mill. Lstr. oder rund 680 Mill. Mark erhöht. Davon kommen rund 370 Mill. Mark auf die Einfuhr und 310 Mill. Mark, also nicht viel weniger, auf Ausfuhr. Die stärkste Zu­nahme auf beiden Gebieten hat der Januar ge­kracht, der in Einfuhr ein Mehr von 114 Mill. Mark, in Ausfuhr ein Mehr von 115,7 Mill. Mark verzeichnet, also die Ausfuhr in höherem Grade als die Einfuhr förderte. Seitdem ist wieder die gewohnte Erscheinung eingetreten, daß der Wert der Einfuhr schneller anwächst, als der der Ausfuhr.

Die Ziffern, in denen sich für die wichtigsten Industrien die Steigerung des Exports in den Monaten Januar-April 1906 ausdrückt, lassen einen Rückschluß auf die industrielle Lage zu. Im ersten Drittel des Jahres betrug der Mehrwert der Ausfuhr für den Kohlenbergbau rund 27,1 Mill. Mark, für die Eisen- und Stahlindustrie rund 51,4 Mill. Mark, für den Maschinenbau 28 Mill. Mark, für Baumwollwaren 55,5 Mill. Mk.

Ausland.

Italien. Die geplante Reise Kaiser Wilhelm« nach Wien hat natürlich auch in Italien Anlaß zu allerlei Besprechungen gegeben. Italien, sagt dieTribuna", hat nicht nötig, sich über de« wahrscheinlichen Beweggrund zur Reise des Deutschen Kaisers nach Wien oder wegen der Entscheidungen, die dort etwa getroffen werde« sollen, Sorgen zu machen. Ganz im Gegenteil. Selbst zugegeben, daß im Herzen des Kaisers jene Zweifel und Befürchtungen Raum haben, von denen nach den Aeußerungen der Presse die Deut­schen gequält werden, glauben wir doch nicht, daß der, welcher auf dem Gebiet der Wirklichkeit bleibt, zu einem anderen als einem optimistischen Schluß kommen kann. Sicherlich geht irgend­welche Aenderung in der internationalen Politik vor: aber es ist eine wohltätige Aenderung. Di« Zusammenkunft der beiden Kaiser kann beide Monarchen nur zur Feststellung der Pflichten führen, die diese neue Lage den Staatsober­

scheu Handwerks festzuhalten. Der 6. Deutsche Handwerks- und Eewerbekammertag in Köln hatte diese Forderung als unerreichbar mit 47 gegen 24 Stimmen abgelehnt. Die erstgenannten Vereine haben nun an den Reichstag eine Pe­tition gerichtet, endlich eine dahingehende Vor­lage in die Wege leiten zu wollen. Von der Re­gierung wurde folgende Erklärung abgegeben: In der Haltung der verbündeten Regierungen gegenüber der Forderung des allgemeinen Be­fähigungsnachweises für das Handwerk, wie sie schon oft, und zwar stets in ablehnendem Sinne, kundgegeben worden sei, habe eine Aenderung sich inzwischen nicht vollzogen." Die Petition wurde der Regierung als Material überwiesen.

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Mai.

Seine Majestät der Kaiser unternahm gestern (Freitag) morgen eine Ausfahrt und machte dann einen Spaziergang in der Oran­gerie. Um 11 Uhr nahm er vor dem Portal des Kaiserpalastes beu Vorbeimarsch der Garnison Straßburg ab. Mittags folgte der Kaiser einer Einladung des kommandierenden Generals zur Tafel. Ferner empfing der Kaiser den Eisen- öahnpräsidenten Breitenbach aus Köln, der zum Minister der öffentlichen Arbeiten ernannt wor­den ist. Der Kaiser unternahm mit den Herren seiner Umgebung am Nachmittag eine Spazier­fahrt im Automobil westlich von Straßburg bis in die Vogesen. Abends speiste der Kaiser bei dem Staatssekretär v. Köller.

Der Reichskanzler Fürst Bülow empfing gestern den Grafen Posadowsky, den Finanz­minister Freihcrrn von Rheinbaben, den Staats­sekretär v. Tschirschky, mehrere Parlamentarier und verschiedene vortragende Räte. Bei seiner Besprechung mit den Mitgliedern des Reichs­und Landtags standen die Reichsfinanzreform und das Volksschulgesetz im Vordergründe der Erörterung.

Die Nachricht von der Ernennung des Herrn Breitenbach zum Eisenbahnminister bringt keine Ueberraschung mehr, nachdem schon vor einigen Tagen als sicher verlautete, daß die Wahl auf ihn gefallen sei. Paul Breitenbach ist am 16. April 1850 in Danzig als Sohn eines Rechtsanwalts geboren. Er studierte die Rechts- wiffenschaft, wurde 1877 Gerichtsassessor und trat 1878 in den Eisenbahndienst. In diesem war er als Direktionsmitglied in Berlin und Altona, sodann als Betriebsdirektor in Hannover tätig. 1897 richtete er die neue Direktion in Mainz ein und 1903 kam er als Präsident der Eisenbahn­direktion nach Köln. Man erwartet von dem neuen Minister, daß er das Ministerium im Geiste seines Vorgängers weiterführen werde.

Ueber den allgemeinen Befähigungsnach­weis für das Handwerk hat man sich kürzlich in der Petitionskommisiion des Reichstags un­terhalten. Verschiedene Handwerkerbünde hatten im August v. I. in Würzburg eine Versammlung abgehalten und beschlossen, nach wie vor an der Forderung des allgemeinen Befähigungsnach­weises als einem gerechten Verlangen des deut-

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck imb Verlag' Joh. Aug. Koch, Umversitätr-Buchdruckerei 41. Jahrgi

Marburg, Markt 21. Telephon o5.

Marburg

Sonntag. 13. Mai 1906.

gegen Abend eintraf. Dieses Abenteuer, das er ja glücklich überstanden batte, erzählte er später, wie es schien, mit Wohlgefallen.

DasPostkärrchen" war ein Fuhrwerk mit zwei Rädern und einem Pferd. Oesters kam es vor, daß der Postillon, um sich ein gutes Trink­geld zu verdienen, einenblinden" Passagier mitnahm, dann blieb ihm aber nichts andere übrig, da für zwei kein Platz auf dem Wagen war, als daß er im Trabe neben dem Pferde herlaufen mußte.

Von einem anderen Studenten wird erzählt: In demselben Jahre gab ein Student ein Paket mit Wäsche zur Post auf nach Fr. Auf dem Paket hatte er folgende Bemerkung an seine Schwester gemacht:Nächstens ist hier ein gro­ßes Eängerfest, da kannst Du vieles sehen, bei dieser Gelegenheit kannst Du auch den Postfekre- tär H. kennen lernen." Ein Kollege machte den genannten Postsekretär auf diese unzulässige Bemerkung aufmerksam, jedoch H. sagte, dgtz er darin nicht Ausfälliges fände, die Dame möchte nur kommen und ihn kennen lernen, wenn sie Lust dazu habe. H. war nämlich bekannt, als Liebhaber schöner Frauen.

Da das Postwägelchen Eigentum des Post­halters Neumüller war und er im Besitze mehre­rer war, so konnte er erlauben, daß es auch zu anderen Zwecken benutzt wurde. So hatte er ein solches Wägelchen einem Studenten über­lasten, der eine dreimalige Fahrt an einem Tage damit anstellte. Der Student fuhr von der Nehbrücke nach dem Chausteehaus bei Bür­geln, eine Streckt von mehr als zwei Stunden. Zu jeder Fahrt erhielt der Studiosus ein neues Plrrd., Er fuhr zur allgemeinen Belustigung in -Hemdsärmeln und sein Windhund folgte stets im Laufe nach.

XIX ' '

Die Marburger Stiefelwichser standen ehe­dem in engster Verbindung mit den Studenten unö waren fui diese mitunter unentbehrlich.

Elittnerungen aus dem Marburger Studentenleben.

Vo» 8. Müller.

XVIII.

' - Es war im Jahre 1845, als eine Anzahl 'Studenten bei einem anderen Kommilitonen ein Fäßchen Bier auf dessen Zimmer getrunken hatten, das diesem ein Freund von Fulda ge­schickt hatte. Alle waren animiert und rollten noch zuguterletzt das leere Faß im Zimmer auf und ab, daß die im Hause wohnenden Leute glaubten, der jüngste Tag wäre im Anzug. Einer der Teilnehmer an dem Zechgelage war fest cingeschlafen, und die anderen spielten ihm nun folgenden Possen. Als das Postwägelchen, das nach Cassel feine Route hatte, gegen Abend vorüeifuhr, bekam der Postillon ein gutes Trink­geld. der Student wurde in feinem Dusel einge- ladcn und mitgenommen. In Halsdorf wurde das Pferd umgespannt, aber eine Strecke vor diesem Ort lud der Postillon den Schlafenden ab und legte ihn in ein Kornfeld. Man hatte rhm einen Schlafrock angezogen, eine Nacht- mui;c auf. bac- Haupt gesetzt und ihm seine Tabakspteise mitgegeben, Am anderen Morgen, als der Student seinen Rausch im Kornfelde ausgeschlafen und die Situation, daß er nicht in seinem Bett, sondern im Kornfelde lag. über­schaut hatte, fing ihm cs allmählich an har zu werden. Er machte sich auf die Beine und mußte erst nach langem Fragen in der ihm völlig fremden Gegend sich zurecht finden suchen. Fahrgelegenheit nach Marburg gab es gerade - -richt, denn gewöhnlich, wenn man etwas gern Hätte, ist es nicht da, und so blieb unserem Gruber Studio nichts übrig, als in dem ge-

Dachten Anzuge mit Schlafrock. Zipfelmütze und Pantoffeln mit der langen Pfeife sich zum kehen anzuschicken und den drei Stunden langen veg bis Marburg zu Fuß zurückzulegen, wo er

Var'ameMrisches. Deutscher Reichstag.

* Berlin, 11. Mai.

Der Reichstag hielt am Freitag die 100. Sitzung dieser Session ab; aus diesem Anlaß schmückte den Tisch des Präsidenten der übliche Blumenstrauß. Auf der Tagesordnung stand die Fortsetzung der zweiten Lesung der Reichs­erbschaftssteuer. Bei § 13 (Steuerbefreiungen) beantragte Abg. v. Savigny (Etr.) die Erb­schaften an öffentlich zugelassene Religionsge­meinschaften, denen die Rechte juristischer Per­sonen zusteben, freizulasten, ebenso die Erbschaf­ten an mildtätige kirchliche oder gemeinnützige Stiftungen mit dem Charakter juristischer Per­sonen. Ferner lag vor ein Antrag des Abg. Dr. Müller-Meiningen (frs. Vp.) auf Steuerfreiheit aller Erbschaften unter 1000 J*. (Kommissions­beschlüsse unter 500 <AL\ Nach Begründung der Anträge durch die Antragsteller betonte Abg. Dr. Stöcker (wirtsch. Vgg.), eine Bevorzugung der großen Gaben für wohltätige Zwecke werde die Freude zu solchen Stiftungen fördern; die Liebe der Menschen solle nicht besteuert werden, seine Partei stimme dem Antrag v. Savigny zu. Staatssekretär Frhr. v. Stengel erkannte den Antrag Dr. Müller nicht als berechtigt an. Bei der Behandlung der Zuwendungen an Kirchen und mildtätige Anstalten beschreiten die Kom­missionsbeschlüste den Mittelweg; er bitte beide Abänderungsanträge abzulehnen. Abg. Bern­stein (Soz.) meinte, man wolle hier wie im feu­dal-kirchlichen Mittelalter die Steuern nach Be­lieben auferlegen, seine Partei werde nicht hel­fen, den Erwerb der Kirche steuerfrei zu lassen. Nach langer Erörterung wurde der Antrag Müller-Meiningen mit 171 gegen 75 Stimmen bei einer Stimmenthaltung abgelehnt. Der Paragraph wurde unter Ablehnung auch des Antrags v. Savigny angenommen. Im weiteren Verlaufe der Erörterung wandten sich Redner des Freisinns und der Sozialdemokratie gegen die Bestimmung, daß der Landesfürst und die Landesfürsten von der Erbschaftssteuer frei sein sollen. Es verblieb auch hier bei den Korn- misstonsbeschlüssen. Nach Erledigung einiger

Diese Frühaufsteher durchwanderten schon um 2 Uhr die Straßen mit ihrem spanischen Rohr und einer großen Tasche unter dem Arm, in der die Neinigungsutensilien waren. Bei ihren Herren hatten sie im Hause freien Eingang, den jeder Stiefelwichser besaß einen Haus­schlüssel zu dem Hause, wo dieser wohnte. Wer kannte nicht früher den Wilhelm Günther und dessen Sieffen, genanntder Baron". Er sollte nämlich einen adeligen Vater gehabt haben. Den Sohl und Dietrich, den Steinmetz, Hart­mann, Vater und Sohn, den Tambour Braun, den alten Felden und sein Sohn Hans, den Helfrichs Christoph, die Gebrüder Eurth, den Donnerstag und noch viele andere. Diese Edlen sind alle vom Schauplatz der Bühne abgetreten, man nannte sie dieGebrüder ohne Sorgen".

Aber auch seine gewisse Ehre hatte mancher von ihnen. So ist es anfangs der sechsziger Jahre im vorigen Jahrhundert vorgekommen, daß einer dem anderen feine Kartellträger sandte und die Forderung angenommen wurde und zwar auf scharfe Schläger. Die letzten Duellanten waren Ehr. Eurth und David Hart­mann. Bei den vielen Schuhmacher, es waren damals 109 in Marburg vorhanden, war es kein Wunder, wenn einer zu einem einträg­licheren Geschäft griff und Stiefelwichser wurde, aber auch die Schneider verschähten es nicht. Unter diesen Stiefelwichsern gab es auch Origi­nale, wie z. B. den Tambour Braun, Hans Felden, der 1848 mit den Freischaren in Baden kämpfte und schließlich nach Rastatt ins Ge­fängnis kam. Noch bekannter ist er durch seine Deklamationen, die er hielt, z. B. Parodie auf die Bürgschaft:Zu Voppen, dem reichen Bier­brauer schlich, Hans Felden in seiner Joppen, und forderte einen Schoppen." *) Auch der Don­nerstag, der immer Durst hatte und als er zu­

*) Gas Gedicht wird demnächst hier eben­falls veröffentlicht.

letzt immer stärker wurde, da legte er sich vor dem Weidenhäuser Tor in den Graben und ist da ertrunken. Als im Jahre 1848 in Kurhesse« die Ablösungen stattfanden, reichten die M a t * burger Stiefelwichser Donnerstag, Hans Felden, Helfrich und Genossen eine Peti­tion an die Land stände ein, obgleich sie nichts abzulösen hatten, wie allenfalls ihre« Durst. Das Schreiben lautete:

Marburg, 23. Mai 1848. Hohe Ständeversammlung!

Die Proletarier Marburgs bitten um eine billige Gleichstellung mit ihren reichen, aus dem Staatsvermögen beschenkten Mitbürgern usw.

Mit Freuden vernehmen wir, daß hohe Ständeversammlung ihre erste Tätigkeit nach dem Umschwung der Dinge darauf gerichtet bat, den Grundbesitzern ein Geschenk mit den Jag­den zu machen und in einem weiteren Gesetzent­würfe nun auch den Grundbesitzern, den große« wie den kleinen, weil ein Unterschied ja di« Gleichheit vor dem Gesetze stören würde, die Ab­lösungskapitalien zur Aufhebung der Lehns-, Erbleihe- und Meiereiverhältnisse zu schenke« beabsichtigt. Wenn wir hierbei erwägen, daß unseren reichsten Mitbürgern, dem Oekonom Hoffmann, dem Postmeister Neumüller, Müller Sander, sowie den großen reiche« Bauern unserer Umgegend sehr hohe Summe« aus dem Staatsvermögen zu teil werden, fe hoffen wir, die Besitzlosen, in ähnlicher Weise bald bedacht zu werden. Damit dies aber nicht wieder wie in den dreißiger Jahren und irt Vergessenheit komme, erlauben wir uns di« Bitte: '

Die hohe Ständeversammlung wolle sich ist corpore an die hohe Staatsrcgierung wende« und darauf bringen, daß wir sofort, und i« ganz gleicher Weise wie unsere genannte« Mitbürger beschenkt werden." j

Die Sache kam in der Ständeversammlunß zur Sprache, wie am 7. Juni in der Zeitung be->

Abgeordnetenbau».

* Berlin, 11. Mai. -

Das Abgeordnetenhaus führte am Freitag die zweite Lesung der Novelle zum Einkommen- und Ergänzungssteuergesetz zu Ende. Die Be­ratung nahm angesichts der großen Zahl der Ab­änderungsanträge so lange Zeit in Anspruch, daß die Russeninterpellation schließlich von bei Tagesordnung abgesetzt werden mußte. Di« Erörterung setzte ein bei § 18, bei dem nach den Kommissionsbeschlüssen die Steuerstufe beim Vorhandensein von drei ünd mehr Kindern bei einem Einkommen von 3000 bis 6500 M um eine resp. zwei Stufen ermäßigt wird. Abg. Reinhardt (Etr.) beantragte die Höchstgrenze auf 9500 cM. festzusetzen. Nach kurzer Erörterung wurde der Antrag Reinhard al'gelehnt. Bei den Paragraphen, die von den Rechtsmitteln gegen die Veranlagung handeln, gelangte ei« Antrag des Abg. Ctrombeck (Etr.) zur An­nahme, nach dem der Vorsitzende der Veranlag­ungskommission auch schon gegen die von der Voreinschätzungs - Kommission vorgeschlagenen Steuersätze das Recht des Einspruchs und der Berufung hat. Zu einer längeren Erörterung kam es noch über einen Antrag des Abg. Gyß- ling (frs. Vp.), der die Quotisierung der Ein­kommensteuer in das Gesetz einschalten wollte. Der Antrag wurde vom Finanzminister Frhr« v. Rheinbaben in ausführlicher Rede bekämpft und schließlich gegen die Stimmen der Frei­sinnigen abgelehnt. Der Rest der Vorlage ge­langte in der Fassung der Kommissionsbesch^ift zur Annahme. Nach Erledigung einiger kleinerer Vorlagen wurde die Beratung auf Sonnabend 11 Uhr vertagt. Russeninterpellation, Jnitiattv- anträge.

Vierteljährlicher Bezugspreis bet »er Expedition 2 Mk, bet allen Postämtern 2,25 Mk. <ejcl. Bestellgeld).

PlS. -*** Inser11onsgebühr: die gespalteneZcüe oder deren Raum 10 Pfg.

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