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(Nachdruck verboten.).

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seiner praktischen, stets vernünftig denkenden Frau so unähnlich!

Jetzt, da sie geendet und mit erwartungs­vollen Augen, in denen es noch feucht erschim­mert, wie von verhaltenen Tränen, zu ihm auf­blickt - jetzt schüttelt er mißbilligend den Kopf.

Liebe Salomea, ich begreife Dich nicht. Wenn Du durchaus Geld verdienen wolltest, warum wiesest Du dieses augenscheinlich gün­stige Anerbieten zurück?"

Salomea hat die Hand mit dem zerrissenen Hemdchen ihres Erstgeborenen, an welchem sie während ihrer Erzählung eifrig herumstichelte, in den Schoß sinken lassen.

Jetzt blickt sie ihren Mann voll ins Gesicht. Fest, klar, wenn auch seltsam hart klingt ihre Stimme, als sie langsam, mit großem Nach­druck, sagt:

Weil ich dem Marchese nicht als Angestellte, gewissermaßen als Dienerin, nahen kann."

Aber weshalb nicht? Weshalb nicht? Ar­beiten ist keine Schande!" ruft Carlo Belloni. .Zch selber entwerfe oft Musterzeichnungen für Tapeten, wenn ich keinen Porträt-Auftrag er­halte. Oder ich streiche Zimmerdecken an, damit wir was zu essen haben. Dabei bleibe ich doch stets Carlo Belloni, der Künstler, dem die Mu­sen lächelten.... Und wenn du schon aus ir­gend einer Laune jene günstige Gelegenheit nicht beim Schopf fassen wolltest warum muß­test du die Absage persönlich überbringen? Wa­rum schriebst du nicht ein paar Zeilen?"

Wieder schweigt Salomea eine Zeitlang. Ein mächtiger Kampf spiegelt sich in ihren Zügen,

Plötzlich mit einem Ruck rafft sie fick auf.

Ich wollte einmal jenen alten Palazzo auf dem Corso Umberto betreten ein einziges» mal! Ich wollte die junge Marchesina sehen, »in deren Schönheit und Herzensgute die Zeitungen so viel sprechen

Aber warum, warum dies alles, Salomea? ruft Carlo Belloni, seins Frau ungestüm bei der

Die Börsensteuer hat, wie schon kurz mit­geteilt, im Finanzjahr 1905 eine Einnahme von 50,4 Millionen Mark eingebracht. Hiervon fal­len 29,8 Millionen Mark auf den Wertpapier­stempel und 20,6 Millionen Mark auf die Kauf­und sonstigen Anschaffungsgeschäfte. Die Ein» nähme von 1905 ist die höchste, die bisher von der Börsensteuer erzielt worden ist; ihr kommt die zweithöchste des Jahres 1900 mit 41,0 Mil­lionen Mark auch nicht einmal nahe. Bedenkt man, daß vor der letzten Steuersatzerhöhung ver­hältnismäßig recht geringfügige Beträge von der Börsensteuer vereinnahmt wurden, beispiels­weise im Jahre 1892 13 Millionen Mark, so wird man ermessen können, welche Bedeutung diese Steuerart nunmehr für die Reichsfinanzen erlangt hat. Für den Finalabschluß des Jahres 1905 wird die Vörsensteuer nicht weniger als 20,4 Millionen Mark, um welche Summe sie den Etatsanschlag übersteigt, zu den Ueberschüssen stellen können. Auch ein solcher Ueberschußbe- trag ist bisher bei der Börsensteuer nicht erreicht gewesen. Im übrigen wird man sich bei ihr stets gegenwärtig halten müssen, daß sie recht schwankenden Charakters ist und daß günstige Abschlüsse von ihr nur zu erwarten sind, wenn man bei ihrer Veranschlagung recht vorsichtig vorgeht.

Die Kommission zum Studium der Haus­industrie, welche das Reichsamt des Innern nach Süddeutschland entsendet hat, ist inzwischen nach der bayrischen Pfalz abgereist, wo sie in der Umgegend von Pirmasens die Lage der Heim­arbeit in der Schuhwarenindustrie untersuchen wird. Von dort begibt sich die Kommission nach dem sächsischen Erzgebirge, wo besonders die Spielwarenindustrie zum Gegenstand eingehen­der Erhebungen gemacht wird. Etwa in 14 Ta­gen wird die Kommission ihre Studienreise be­endet haben, die übrigens nur eine Fortsetzung der bereits im vorigen Jahre begonnenen In­formation bildet.

Eine offiziös bediente Korrespondenz spricht die Erwartung aus, daß, wie immer, sich die Landtagssession weiter gestalten mag, der Gesetzentwurf über die Vorbereitung für den höheren Verwaltungsdienst jedenfalls noch in dem gegenwärtigen Sessionsabschnitt unter Dach gebracht werden wird. Das Herrenhaus hat die Vorlage bereits im wesentlichen unverändert angenommen, aber auch die strittige Bestim­mung über die Annahme der Regierungsrefe­rendare in der Fassung belassen, an welcher die Vorlage schon in der vorigen Legislaturperiode scheiterte. Im Gegensatz zur Regierung wünscht das Abgeordnetenhaus bekanntlich die Annahme der Regierungsreferendare durch den Minister, statt durch die Regierungspräsidenten.

In stolzer Einsamkeit freuen sich die Frei- finnig-National"-Sozialen ihrer jüngsten Hel-

im Auslande, die sich inmitten aller Anfechtun­gen ihr deutsches Bewußtsein erhalten haben, bei Wahrung aller politischen Treue gegen ihren Heimatsstaat, aufschauen als zum obersten Schutzherrn ihres höchsten Gutes, d. h. ihrer Muttersprache, wenn nicht zum Deutschen Reiche? Und wenn diesem eine so ausnahmslos günstige Gelegenheit geboten wird, ein Wort für sie einzulegen, darf es sie da wohl ungenützt vorübergehn lassen?" Dieser Plan hat auf den ersten Blick etwas Bestechendes, denn dem Ver­lust des kleinen Territoriums mit wenigen tau­send Menschen würde der große Vorteil gegen- Lberstehen, daß dem deutschen Volkstum in Bel­gien mit einem Schlage ein fester Untergrund gegeben würde, auf den fußend es den franzö­sierenden Bestrebungen stärkeren Widerstand entgegenzusetzen vermöchte. Nur zweifeln wir vorderhand an der Verwirklichung dieses schönen Planes. Die franzosenfreundlichen Belgier, na­mentlich die klerikalen, werden alles aufbieten, um diese Idee schon im Entstehen unmöglich zu machen. Sicher sind sie, soweit man sie zu be­urteilen vermag, bereit, auf ganz Moresnet zu verzichten, als die deutsche Sprache in Belgien als gleichberechtigte anzuerkennen, wo die Französlinge am liebsten auch die vlämische Sprache entrechten würden. Die Brüsseler Presse hat sich schon in diesem Sinne ausgesprochen, daß eine derartige Gegenleistung für Moresnet zu groß sei. Versuchen kann Deutschland ja, ob et­was zu erreichen ist, sonst bleibt nur die Auf-

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Erscheint wöchentlich heben «al.

Druck und Verlag» Joh. Aug. Koch, UmverfitätS-Buchdruckerei 41. SttuTfl, Marburg, Markt 2L Telephon 55.

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Deutsches Reich.

Berlin, 10. Mai.

Seine Majestät der Kaiser traf gestern mittag von Donaueschingen kommend um 12,50 Uhr in Karlsruhe ein. Zum Empfange waren auf dem Bahnhöfe erschienen der Groß- Herzog, Prinz Max von Baden, der preußische Gesandte von Eisendecher sowie die Spitzen der Behörden. Nach herzlicher Begrüßung zwischen dem Kaiser und dem Eroßherzog begaben sich die Herrschaften im offenen Wagen nach dem Schloß, wo der Kaiser von der Großherzogin und dem Hofstaate empfangen wurde. Um IV2 Uhr fand im Schlosse Fürsten- und Marschalltafel statt. Abends erfolgte die Abreise nach herz­licher Verabschiedung von dem Großherzog und der Großherzogin, die den Kaiser zur Bahn be­gleitet hatten. Um 6,20 Uhr traf der Sonderzug in Straßburg ein. Nach der Begrüßung durch den Statthalter Fürsten Hohenlohe fuhr der Kaiser im offenen Wagen, eskortiert von Husaren, mit dem Fürsten zum Kaiserpalast. Abends fand ein Diner statt, zu welchem die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden, des Landesausschusses und des Staatsrats geladen waren.

Jolanda und Salomea.

Roman von Erich Friesen.

(Fortsetzung.)

Endlich ist abgeräumt. Die Kinder sind zu Bett gebracht.

Mit einem großen Korb zerrissener Wäsche, welche des Flickens harrt, fetzt Salomea sich in die Nähe der schlechtbrennenden Lampe. Schwei­gend fädelt sie die Nadel ein; schweigend be­ginnt sie ihre geisttötende Arbeit.

Da nimmt Carlo Bellino den herabgebeug­ten Kops seines Weibes sanft zwischen seine bei­den Hände, hebt das erregte Gesicht zu sich em­por und blickt tief, forschend in die großen, heute halbverschleierten Augen.

Salomea!"

Ja, Carlo?"

Hast Du mir nichts zu sagen?"

Sie senkt die Lider.

Ich sehe es Dir ja an! Dich quält etwas." 1 Noch immer schweigt sie.

Dann einem plötzlichen Impulse folgend schlingt sie leise aufschluchzend die Arme um den Hals ihres Mannes und birgt den Kopf an feiner Brust.

Carlo Bellino wird immer unruhiger. Diese ausfallende Erregung bei seinem so Willens­stärken Weibe, diese ihr sonst fremde Hingebung und Weichheit was hat das alles zu be­deuten?

Sanft, wie einem kranken Kinde, streichelt er das dunkle Haar.

Dann nimmt er die beiden schöngeformten

Hände, denen die tägliche hart" anhaben konnte, zwischen die Ernst, liebevoll:

<Salomea Du verbirgst inir etwas!" ' Nur kurze Zeit schwankt sie. Wiederholt fährt

dentat, zumal derVorwärts" herablassend hnen einige gnädige Worte für ihre Hilfe­leistung bei der Darmstädter Wahl zukommen ließ. Auch der Zentralvorstand der national- liberalen Partei hat über das Verhalten der Linksliberalen fein Urteil gesprochen und den Abbruch aller Beziehungen zu ihnen beschlossen. Hoffentlich wird die Resolution 1908 in die Tat umgesetzt. Im Gegensatz zumVorwärts", der den Erfolg in Darmstadt einzig der Macht der Sozialdemokratie zuschreibt, urteilt der bekannt* Herausgeber der sozialdemokratischenNeuen Gesellschaft", Dr. Heinrich Braun, indem er sagt, die Wahl enthalte bittere Lehren, denn:

Trotz unserer lebhaften Agitation und ungeachtet der bedeutenden Vermehrung der Wahlberechtigten blieb am 25. April die Zahl unserer Stimmen hinter der am 3. Juni 1903 für uns abgegebenen zurück. Kein Zweifel, daß auch hier aus den gleichen Ursachen die­selbe Erscheinung sich wiederholt, die für fast alle Nachwahlen seit dem Juni 1903 oder rich­tiger feit dem Dresdener Parteitag typisch ist. Die Sozialdemokratie entwickelt sich seither immer ausschließlicher zu einer Partei der in­dustriellen Arbeiter und die Anhängerschaft aus andern Schichten der Bevölkerung ver­läuft sich, und das, trotzdem die politische Lage eine für uns beispiellos günstige ist, trotzdem Wahnwitz und Frechheit der herr­schenden Klassen so sehr alles Maß übersteigen, daß ein riesenhaftes Anschwellen der sozial­demokratischen Wähler unter andern Um­ständen die selbstverständliche Folge wäre. Das Gegenteil aber ist der Fall, und was wir während der letzten Jahre in etwa zwei Dutzend Wahlkreisen erlebt haben, erfuhren wir abermals in Darmstadt. Ohne diez» unfern Gunsten ausgegebene Wahlparole des entscheidenden Liberalismus wäre der Kreis wahrscheinlich verloren ge« gang en."

Die Schuld derRational"-Sozialen wird durch diese gravierende Aussage dieses objek­tiven Zeugen nur noch offenbarer.

Marburg

Freitag. 11. Mai 1906.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilaae: Avuttrirtes Sorrrrtaasblatt.

- Eine belgisch-deutsche Grenzfrage. ! Im preußischen Regierungsbezirk Aachen, an »ie belgische Provinz Lüttich angrenzend, liegt Neutral-Moresnet, ein kleines Städtchen von 'etwa 4 bis 5000 Einwohnern. Das Gebiet steht unter der gemeinsamen Hoheit Preußens und Belgiens aufgrund alter Verträge aus den Zah­len 1816 und 1841. Da die Bevölkerung zum größtenteil deutschen Stammes ist, haben sich bei der gemeinsamen Verwaltung u. a. gilt in Moresnet noch der Code Napoleon als Gesetzbuch «nd den Einwohnern steht die Wahl zwischen belgischen und preußischen Gerichtshöfen frei vielfach Unzuträglichkeiten herausgestellt, die den Gedanken einer Aufteilung des Gebiets nahelegten. Mehrfach wurde der Plan schon er­örtert, doch stellten sich der Ausführung allerlei Schwierigkeiten entgegen, die bis jetzt noch nicht gelöst sind.

DieKöln. Ztg." empfiehlt die Angliederung von Neutral-Moresnet an Belgien, und zwar kommt sie zu diesm überraschenden, wenn auch sicher kaum ohne Fühlungnahme mit Berlin ver­öffentlichten Vorschläge auf folgendem Wege: Einer Einverleibung des ganzen Gebietes durch Deutschland würde Belgien wohl keine große Schwierigkeiten entgegensetzen; die belgische Presse stellt dies übrigens augenblicklich fest. Vom deutsch-nationalen Standpunkte aus scheint diese Lösung die beste, und doch könnte die ent­gegengesetzte, d. h. die Uebergabe an Belgien, für das Deutschtum viel vorteilhafter gemacht werden. Grundsätzlich ausgeschlossen ist selbst­verständlich die unbedingte Auslieferung von 4000 einheimisch Deutschen an die Welschen; aber die bedingte, die durch die Klausel be­dingte, daß Belgien die deutsche Sprache amtlich anerkenne, wäre für Belgien nichts wei­ter als die folgerichtige Durchführung eines ein­mal eingenommenen Standpunktes. Angesehene belgische Parlamentarier haben diese Durchfüh­rung gelegentlich des flämischen Sprachgesetzes verteidigt, und am 25. März 1898 bekam ein solcher Antrag 30 Stimmen im belgischen Ab­geordnetenhause für sich, d. h. über den dritten Teil des Hauses. Bietet sich hier nicht eine günstige Gelegenheit, das deutsch-belgische Volks­tum zu retten, einen schon halb verlorenen Posten wiederzugewinnen? Wie steht hier die Wagschale: 4000 Deutsche reichsdeutsch machen und 60 000 Deutsch-Belgier vom Untergänge retten; denn dies bedeutet doch ohne Zweifel die amtliche Anerkennung ihrer Sprache, die mit allen ihren natürlichen Folgen, deutsche Schulen, deutsche Beamten usw., den Bestand des Deutsch­tums in Belgien auf immer sichern würde, wäh­rend es ohne diese Anerkennung sich nicht auf die Dauer wird halten können ....Zu wem" (fragt dieKöln. Ztg.")sollen die Deutschen

sie mit dem Taschentuch über die tränenfeuchten Augen.

Und plötzlich:

Ja, Carlo Du hast recht. Ich habe heute etwas getan, was vielleicht entscheidend für unser zukünftiges Leben, für die Wohlfahrt unserer Kinder ist."

Das schmale offene Gesicht des jungen Künst­lers, das jede Seelenregung, jeden Wechsel der Stimmung getreulich wiederspiegelt, verfärbt sich. -

Salomea Du erschreckst mich!"

Ein bitteres Lächeln zuckt um ihre Lippen.

Ja, Carlo. Ich habe eine für unsere Ver­hältnisse namhafte Summe zweihundert Lire monatlich zurückgewiesen."

Salomea! Wie"

Hör zu!"

Und in knappen Worten, hie und da zögernd, um dann umso lebhafter, leidenschaftlicher fort­zufahren, erzählt sie dem verwundert aushor­chenden Gatten, wie sie schon seit langem dar­über nachgedacht, ob ihre dürftige Lage nicht etwa aufzubessern sei; wie sie vor einiger Zeit in derTribuna" unter einer Chiffre ein In­serat gelesen, wonach eine gebildete Dame für ein paar Stunden am Tage als Vorleserin und Sekretärin eines alten, vornehmen Herrn ge­sucht wurde; wie sie sich daraufhin gemeldet habe; wie man, immer noch unter derselben Chiffre, die Bedingungen mitteilte, wie sie diese Zeilen, glücklich in der Aussicht, etwas Geld zu verdienen, sofort beantwortete und sich mit den Bedingungen einverstanden erklärte; wie dar­aufhin ein ausführliches Schreiben mit voller Namensunterschrift einlief; wie dieser Name sie dazu bestimmte, die für sie so verlockende Be­schäftigung zurückzuweisen, und wie sie heute gegangen sei, um die Absage persönlich zu über­bringen. . . .

Mit immer steigendem Befremden hört Carlo Bellino zu. Die ganze Handlungsweise sieht

VarlamelttarMe-?.

Deutscher Reichstag.

4« Berlin, 9. Mai.

Der Reichstag setzte am Mittwoch die zweite Lesung der Steuervorlagen fort und führte zu» nächst die Beratung üer die Fahrkartensteuer zu Ende. Hier erklärte, anknüpfend an eine Re­solution der Abgg. Becker (nl.) und Een. Staats» sekretär Frhr. v. Stengel, der Bundesrat hoff«, den Fahrkartenstempel am 1. Juli d. I. ein­führen zu können. Für Fahrkarten nach dem Auslande werde vielleicht ein späterer Termin in Betracht kommen. Das Haus ging über zur

Hand fassend. Dabei ist ihm, als zittere dies« sonst so feste, energische Hand.

Earlo erwidert Salomea in erregte« Flüstertondu hast nie nach meinet Ver« wandtschaft gefragt" .

Nein, Salomea. Ich sah dich als junge Verkäuferin in einem Geschäft redlich dein karg« ljches Brot verdienen; ich lernte dich schätzen« lieben; du wurdest mein Weib. Wozu sollte ich über deine Familie nachdenken? Deine Her» kunft war mir gleichgültig!"

Poll unendlicher Liebe richtet Salomea ihre tiefen, unergründlichen Augen auf den Gatten. Ach, wie bleich er aussieht, wie abgearbenen Auch ihm hätten jene zweihundert Lire gut­getan, die sie in stolzem Ilebermut zuruckge» wiesen!

Und dennoch--

Soll ich dir etwas von meiner Familie er­zählen, mein Carlo?" fragt sie mit ungewohn­ter Weichheit, indem ihre schlanken Finger i» spielender Zärtlichkeit durch sein volles Locken­haar fahren.Komm hierher ans Fenster, wo das trübe Lampenlicht die düsteren Erinner­ungen nicht noch trüber färbt! Angesichts des strahlenden Himmels, der Millionen Sterne dort droben am Firmament, will ich dir von meiner armen Mutter erzählen, von Ihrem traurigen Ende, von meiner elenden Kindheit."

Cie beschattet einige Sekunden lang diq Augen mit der Hand. Dann steht sie auf, offner das Fenster und rückt zwei Stühle zurecht.

Carlo Belloni folgt ihr voll lebhafter Spann«, ung. Ihm fällt auf einmal auf, daß etwas ganz besonderes, etwas geheimnisvolles Salo­mea stets umschwebte, daß sie nie war wie an­dere Frauen, selbst nicht als junges Mädchen« da er sie kennen lernte. Und dieses Besondere, Aparte hatte seine Künstlernatur unbewußt ent« flammt und zu ihr hingezogen.*

. .. .______ (Fortsetzung folgt.)

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