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und Kirchhain.
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nes Standes auch am besten für sein eigenes Interesse sorgt. Darum dürfen die Arbeitgeber- Verbünde des Handwerks nicht eine Domäne der einen oder der anderen Gruppe werden, sondern sie gerade im Gegenteil haben die Aufgabe, den neutralen Boden zu bilden, auf dem in Wahrheit einer für alle und alle für einen stehen!
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck «nb Verlag' Joh. Slug. Koch, UmversitatS-Buchdruckerek 41.
Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
Marburg
Dienstag, 8. Mai 1906
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Mai.
— Seine Majestät der Kaiser lag in den letzten Tagen, wie aus Donaueschingen gemeldet wird, mit dem Fürsten zu Fürstenberg der Auerhahnjagd in verschiedenen Revieren ob. Am Mittwoch, den 9. ds. Mts., wird der Kaiser sich über Karlsruhe, wo ein kurzer Besuch bei dem Eroßherzogspaare geplant ist, nach Straßburg im Elsaß begeben. Die Ankunft erfolgt dort am 9. abends. Am 10. morgens 8 Uhr fährt der Monarch nach Schlettstadt und St. Pölt zur Besichtigung der Hohkönigsburg. Die Abreise nach Metz bezw. Urville ist auf den 12. ds. Mts. nachmitags festgesetzt. Inzwischen sind bereits fünf Wagen nebst Pferden aus dem kaiserlichen Marstall in Straßburg eingetroffen. Wie übrigens jetzt verlautet, werden die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise den Kaiser diesmal nicht nach dem Reichsland begleiten.
— Die Diätenvorlage ist in der Reichstags-Kommission, wie zu erwarten stand, nicht unerheblich abgeändert worden. Beschlossen wurde die Gewährung freier Fahrt auf allen deutschen Eisenbahnen und während des ganzen Jahres; ferner die Herabsetzung des Diätenabzugs für Versäumen einer Sitzung von 30 auf 20 M. Erhalten blieb die strenge Bestimmung über das Fehlen bei einer namentlichen Abstimmung; der Krankheitsfall ist nicht besonders berücksichtigt; aber es wurde für § 4 doch eine Fassung gewählt, die die Vollmacht des Präsidenten größer erscheinen läßt, als die Regierungsvorlage. Ferner wurde aus Rücksicht auf die Verfassungen der Einzelstaaten bestimmt, daß die von diesen bezogenen Diäten von den vom Reiche zu gewährenden in Abzug zu bringen sind, dadurch bleiben also die einzelstaatlichen Bestimmungen unberührt. Die wichtigste Aenderung aber ist die Ablehnung der Bestimmung, daß die Anwesenheit der Mehrheit zur Beschlußfassung über einfache Eeschäftsord- nungsfragen nicht nötig sein soll — also gerade die Bestimmung, die die Regierung als stärkste Garantie gegen das Veschlußfähigkeitselend ansah! Es wurde allerdings als Surrogat dafür folgende Entschließung vereinbart: „Der Reichstag wolle beschließen: Die Eeschäftsordnungs- kommission zu beauftragen, zu erwägen, ob die Bestimmungen über den Zeitpunkt der Einbrin-
eine sonore Altstimme. Kommen Sie — ich will Sie sofort meinem Vater vorstellen."
Leise abwehrend hebt Frau Velloni die Hand.
„Rein, Fräulein Bonmartino. So leid es mir tut — aber ich kann die Stellung nicht annehmen."
„Wie —?" Ein enttäuschter Blick aus den klaren Augen der jungen Marchesina streift wieder das schmale, bleiche Gesicht vor ihr und dann die ärmliche Kleidung. „Wie? Sie hatten sich doch auf meine Annonce hin gemeldet, schienen mit den Bedingungen einverstanden! Und nun plötzlich — eine Absage?"
Ohne daß sie es will, klingt etwas wie Hochmut aus ihrer hellen Stimme.
Höher richtet Salomea Belloni ihre über- schlanke Gestalt empor.
„Ich bedaure, mein Wort nicht halten zu können, Fräulein Bonmartino."
Ihr Ton klingt schroff, kalt. Und doch ist es der jungen Marchesina, als zittere etwas wie Wehmut in demselben nach.
„Warum nicht? Vielleicht wünscht es Ihr Herr Gemahl nicht? Der Gedanke, daß seine Frau eine —" sie zögert einige Sekunden — „eine gewissermaßen — dienende Stellung einnehmen soll, empört ihn. Wie?"
„Rein, Fräulein Bonmartino. Mein Mann ist nicht stolz wenigstens nicht in diesem Sinne."
„Nun also! . . . Auch würden wir Sie nicht als Angestellte, sondern als Gesellschafterin, gewissermaßen als Freundin, behandeln. Und die paar Stunden am Tage können Sie doch gewiß von Hause loskommen?"
Schulung."
Fröhlich klatschte die Marchesina in die Hände.
„Bravo! Bravo! Das wird meinen Vater . „ freuen. Er liebt Gesang über alle». Besonders * junruhige Pochen
Handwerkerfragen.
Während der zahlreichen, in jüngster Zeit stattgehabten Ausstände innerhalb des Handwerks konnte man regelmäßig eine Erscheinung beobachten, die geeignet ist, wie kaum eine zweite dem Handwerk gefährlich zu werden. Man hat bei den Lohnbewegungen die Taktik eingeschlagen, bald hier bald dort, bald iu diesem, bald in jenem Gewerbe den Hebel anzusetzen, aber man hat vor allem versucht, einen Keil zwischen die großen und kleinen Meister zu treiben. Der Versuch, die Sache so darzustellen, als ob die großen Meister an lang ausgedehnten Streiks ein gewisses Interesse hätten, um sich der Konkurrenz der kleinen Unternehmer (deren Kräfte einem längeren Betriebsstillstand nicht gewachsen seien) zu entledigen, ist bei jedem Handwerksstreik der jüngsten Vergangenheit wiedergekehrt. Der kürzlich beendete Malerstreik bot wiederholt Gelegenheit, zu erkennen, worauf die Taktik des Gesellenverbandes abzielte; es wurde bis zum Ueberdruß behauptet, daß die Interessen der großen und kleinen Meister weit auseinander gingen, und hierdurch sollte bald die eine, bald die andere Gruppe zum „Umfallen" bestimmt werden.
Diesen Versuchen gegenüber kann — wie die „Deutsche Mittelstands-Korrespondenz" schreibt — nicht oft genug wiederholt werden, daß erfahrungsgemäß gerade bei solchen, sich häufig als reine Machtproben erweisenden Arbeitskämpfen die Interessen der großen und kleinen Handwerksmeister durchaus solidarisch sind. Wohl können sich die großen Meister längere Zeit behaupten, dafür sind aber die Opfer, die sie zu bringen haben, auch erheblich größer; für den kleineren Betrieb aber fällt eine übereilte Bewilligung, der gewöhnlich recht hoch geschraubten Forderungen sehr stark ins Gewicht.
Es soll nur ja kein kleiner Unternehmer glauben, daß er dieser Schraube ohne Ende durch freundliche Nachgibigkeit begegnen kann, und es sei jedem großen Unternehmer dringend ans Herz gelegt, sich nicht selbstsüchtig oder hochmütig über das Schicksal seiner kleinen Verufs- genossen hinwegzusetzen! Felsenfest mag sich jeder darauf verlassen, daß, wenn erst der Nachbar abgewürgt ist, auch an ihn die Reihe kommt! Wenn wirtschaftliche Gegensätze zwischen den größeren und kleineren Betrieben sein mögen: in dem sozialen Kampf, der sich mit besonderer Schärfe gerade gegen den Mittelstand als den berufenen Vertreter bürgerlicher Ordnung und Sitte richtet, müssen alle diese Rücksichten schweigen. Hier muß im Falle' der Notwendigkeit der Große für den Kleinen sorgen, und der Kleine muß sich bewußt bleiben, daß er mit der Verteidigung der Eesamtinteressen sei-
Neueste Telegramme.
Berlin, 7. Mai. Die nächste Plenarsitzung des Herrenhauses ist auf Freitag, den 25. Mai, nachmittags 2 Uhr angesetzt. Zur Beratung stehen Wahlrechtsvorlagen und Petitionen, doch ist eine Abänderung der Tagesordnung noch vorbehalten.
Berlin, 7. Mai. Wie die „R. Pol. Korr." aus Deutsch-Südwestafrika erfährt, hat eine größere Anzahl Reiter der Schutztruppe die Absicht zu erkennen gegeben, sich besonders im Gebiete des Waterbergbezirks anzusiedeln. Es sind daraufhin Verhandlungen eingeleitet worden, den Schutztrupplern die Ansiedelung nach Möglichkeit zu erleichtern.
Karlsruhe, 6. Mai. Der Kaiser trifft hier Mittwoch mittig 1 Uhr ein und reist um 5 Uhr wieder ab.
Leipzig, 5. Mai. Die chinesische Studienkommission ist heute vormittag aus Dresden hier angekommen und nahm mehrere Sehenswürdigkeiten in Augenschein. Heute nachmittag werden die Gäste durch die Stadt im Rathause bewirtet. Die Abreise nach München erfolgt heute abend.
Norderney, 6. Mai. Nach Mitteilungen aus Berlin wird der Reichskanzler bald zu einer längeren Badekur hier erwartet.
Amsterdam, 5. Mai. Die Königin Wilhelmine legte lt. „Frkf Ztg." sich während ihres hiesigen Aufenthalts große Schonung auf, wie verlautet, weil sie einem frohen Ereignis ent« gegensieht.
Lens, 5. Mai. Die Zahl der feiernden Arbeiter beträgt jetzt nur noch 11572, einschließlich derer, die wegen des unsicheren Zustandes des Stollen die Arbeit nicht aufnehmeu und erst nach Maßgabe der Wiederherstellung derselben Wieder beschäftigt werden können. Die Zurückziehung der Truppen aus dem Ausstandsgebiets nimmt am Montag oder Dienstag ihren Anfang.
Petersburg, 6. Mai. Die Feier zur Eröffnung des Reichsrats und der Duma findet am 10. Mai, nachmittags 1 Uhr, im Eeorgsthron- faal des Winterpalais statt. Zu der Feier sind die Mitglieder des Reichsrats, die Duma-Abgeordneten, die Minister und hohen Würdenträger, die Hofchargen und die Generalität befohlen. Außerdem sind die Chefs der ausländischen diplomatischen Missionen geladen.
Tokio, 5. Mai. Wie aus Militärkreisen berichtet wird, werden 13 japanische Offiziere nach Europa zu reisen, um in europäische Armeen ein« zutreten und zwar einer in die österreichische, 5 in die französische und die übrigen nebst einem Militärarzt in die deutsche Armee.
1 (Nachdruck verboten.)
Jolanda und Salomea.
Roman von Erich Friesen.
I.
„Bitte, mich der Marchesina zu melden!" „Ja — aber--ich weiß nicht —"
„Ich werde erwartet. Hier meine Karte." Der Diener blickt prüfend auf die dürftig gekleidete hohe Frauengestalt und darnach auf die unscheinbare Visitenkarte.
Noch ein wenig zögert er. Dann eilt er kopfschüttelnd davon.
Wie müde lehnt die bleiche Frau am kunstvoll gegossenen Treppengeländer der weiten Vorhalle, deren farbige Marmortäfelung zum Teil von dicken, rotleuchtenden Teppichen verdeckt wird. Gleichgültig schweift ihr umflorter Blick durch das hohe Bogenfenster hinaus auf den Corso Umberto, die vornehmste Straße Roms, in der jetzt, zur Nachmittagszeit, fröhliches, südliches Leben pulsiert.
Ein bitteres Lächeln zuckt um die stolzgeschwungenen Lippen — ein Lächeln, welches ihre edlen, aber etwas scharf geschnittenen Züge noch herber erscheinen läßt.
1 „Welcher Glanz! Welcher Reichtum hier in diesem Palazzo Bonmartino!" murmelt sie erregt. „Und ich — ich--o, mein Gott!"
। „Die gnädige Marchesina werden sogleich erscheinen —" meldet der zurückkehrende Diener, indem er eine Flügeltür öffnet und die Fremde eintreten läßt.
| Dann schließt er hinter ihr die Tür.
! Munteres Vogelgezwitscher aus vergoldeten Käfigen empfängt die Eintretende, untermischt ■mit dem durchdringenden Gekreisch eines Kakadus, der sich graziös auf seiner Stange wiegt. Hell lacht die gutgelaunte südliche Maiensonne hurch die weitgeöffneten Fenster.
Leise aufseufzend sinkt die bleiche Frau auf 'eine Ottomane. Mit einem Blick.umfaßt sie die
„Das wohl. Aber —“
„So ist Ihnen der Gehalt von dreißig Lire die Woche zu gering? . . . Gewiß, das ist es. Sagen wir also vierzig Lire — oder fünfzig! Es kommt meinem Vater nicht darauf an."
In den Zügen der bleichen Frau zuckte es. t Sie preßte die Hand aufs Herz, als wolle sie das I unruhige Pochen dadrinnen beschwichtigen. Weit
ganze vornehme, überreiche Ausstattung des Gemaches — von den goldgestickten Gobelins an den Wänden, über die kostbaren geschnitzten Möbel, herrlichen Marmorstatuen und Kunstgegenständen jeder Art, bis zu dem dicken Smyrna-Teppich zu ihren Füßen.
„Das alles könnte auch ich haben — und mein Mann und meine Kinder, wenn nicht —" ,
Leichte Schritte wecken sie aus ihrem finstern Brüten. Sie fährt zusammen.
Hinter einer rotleuchtenden Samtportiere tritt eine hohe Mädchengestalt hervor. In graziösen Falten rieselt das lange, weiße Spitzengewand an den schlanken Gliedern hernieder.
Die bleiche Frau auf der Ottomane erhebt sich. Ein eigener Ausdruck breitet sich über ihre stolzen Züge, während sie stumm wartend dasteht.
„Sie sind Frau Belloni, nicht wahr?" fragt die junge Marchesina Bonmartino mit liebreizendem Lächeln, der andern die Hand entgegenstreckend.
„Ja. Salomea Velloni," erwidert die Fremde langsam, indem sie nur widerstrebend die zarten, diamantengeschmückten Finger berührt.
Die Marchesina setzt sich und deutet einladend auf einen nahen Stuhl.
„Bitte, nehmen Sie Platz, Frau Belloni!... Ihre Handschrift gefällt meinem Vater bereits; sie ist kräftig und zeigt Charakter — gerade so, wie er es an seiner Sekretärin liebt... Und nun, da ich Sie persönlich kennen kerne—“ fährt sie lebhaft fort, indem ihre schönen, dunklen Augen voll Interesse die edlen Züge umfassen — „nun gefällt mir auch Ihr Organ. Mein Vater legt großen Wert auf eine tiefe, volltönende Stimme beim Vorlesen... Sie fingen gewiß auch, wie?"
„Ein wenig, Fräulein Bonmartino. Ohne
Vierteljährlicher Bezugspreis; bet der ErpÄütiou 2 Ml., ,nz, bet allen Postämtern 2,25 M. <ejcl. Bestellgeld).
J12. lUO ZnferttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder derm Raum 10 Pfg,
Reclamen: die Zeile 25 Pia.
gung von namentlichen Abstimmungen abzm ändern sind und ob die Sonnabends- und Mom agssitzungen in der Regel ausfallen können« Die hierdurch erforderlichen Abänderungsan« träge sind tunlichst noch in dieser Tagung dem Plenum vorzulegen." Aber auch diese Ent. chließung wurde zunächst bis zur zweiten Le« üng zurückgestellt.
— Zur Reichstagsstichwahl in Darmstadt« Eroßgerau, wo bet sozialdemokratische Kandidat durch die Hilfe der freisinnig-„national"-fozi« alen Stimmen gesiegt hat, schreibt die parteioffi« ziöse „Nationalliberale Korrespondenz": „Der größte Teil der freisinnigen Presse hat das Vor* gehen des Wahlausschusses der Vereinigten Li» beralen desavouiert, aber die Parteileitung der freisinnigen Vereinigung hat nicht nur nichts getan, den unerhörten und, wie wir wiederholt dargelegt haben, von vornherein und von langer Hand vorbereiteten Beschluß der Vereinigten Liberalen zu verhindern, oder ihre Mitwirkung an demselben abzulehnen, sondern scheint geradezu die treibende Kraft zur Bekämpfung des nationallibera« len Kandidaten und zur Förderung des sozialdemokratischen im Wahlkreise Darmstadt« Eroßgerau gewesen zu sein. Sollte sich unser« Vermutung bestätigen, so müßte diese Haltung der Parteileitung der freisinnigen Volkspartet es der nationalliberalen Partei nahelegen, ihre Beziehungen zur freisinnigen Vereinigung einer gründlichen Revision zu unterziehen."
Einer der Hauptgründe, warum der liberale Wahlverein für den „Genossen" eingetreten ist, ist u. E. der gewesen, daß man für das Mandat des Abg. v. Eerlach fürchtet, dessen Wahlniederlage die „Rational"-Sozialen ganz zur Bedeutungslosigkeit herabdrücken würde. Darmstadt-Eroßgerau soll die „Genossen" in Marburg veranlassen, dankbar zu sein und Herrn v. Eerlach zu unterstützen, zumal die Zen« trumsstimmen 1908 ausfallen werden. Die sozialdemokratische Hilfe muß daher um jeden Preis gewonnen werden.
— Die „Deutsche Kolonialzeitung" schreibt: „Das koloniale Interesse des Reichstags zei^ sich lebhaft an der Teilnahme der diesjährigen, auf Anregung des Präsidenten der Deutschen Kolonialgesellschast unternommenen kolonialen Studienreisen, von denen die eine Deutsch- Ostafrika, die andere Oft oft en zum Ziel haben wird. Für die erste Reise, di« Ende Juni angetreten wird, haben sich bisher folgende acht Abgeordnete gemeldet (alle bis- herigen Veröffentlichungen waren ungenau oder irrig): 1. Dr. Arendt, 2. von Brockhausen, 3. Dr. Brunstermann, 4. Oekonomierat Prof. Hagen, 5. Privatier Held, 6. Rittergutspächter Lehmann, öffnen sich ihre schwarzen Augen mit einem fast hungrigen Ausdruck in ihren sammetwetchen liefen
Fünfzig Lire die Woche! liehet zweihundert Lire im Monat! Mein Gott! ...
Doch nur einen Augenblick dauert der Kamps. Dann runzelt sie die dichten, über der geraden Rase fast zusammengewachsenen Brauen.
«Ich danke Ihnen, Fräulein Vonmarttno.
Aber — ich kann nicht!"
Fester hüllt sie sich in den schlichten Wollmantel und schickt sich an zum Gehen
Die Augen der Marchesina werden immer verwunderter. . .
Zuerst ist es, als wolle sie die Fremde fchwm- gend gehen lassen, als erlaube ihr Stolz nicht ein weiteres Wort des Entgegenkommens. Doch ein Blick auf den jetzt tiefgesenkten Kopf, auf das blasse Gesicht, das von durchwachten Nachten, von Not und Sorge zeugt — und sie schämt sieh ihrer hochmütigen Wallung.
9 Rasch eilt sie der langsam Davonschreitenden nach und legt die Hand auf ihren Arm.
Frau Bellino!" :
''Fräulein Bonmartino?"
„Wollen Sie mir nicht den Grund Ihrer Absage nennen? ... Es quält Sie etwas; ich sehe es Ihnen ja an. . . . Nicht Neugierde treibt mich zu meiner Frage. Nein, Interesse — Teilnahme — Mitleiden?"
Salomea Belloni fährt herum.
Mitleiden! Mitleiden — ihr?... Und von — von-- „
Etwas wie Haß blitzt in ihren Augen auf, als sie in das rosige Mädchenantlitz blickt. Ihr ganzer Eesichtsausdruck ist verändert, gleichsam verhärtet.
Die junge harmlose Marchesina Jolanda Bonmartino erträgt ruhig diesen seltsamen Blick. Sie zuckt nicht einmal mit den Wimpern. , Einige Sekunden starren die beiden Augen« paare einander an — tief, forschend, durch-, dringend...» ...... (Sttf. folgt.)