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Mt dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: AUustrirtes Sonntaasblstt.

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Vierteljährlicher Bezugspreis^ btt sei Expedition 2 Mt, bet allen Postämtern 2,25 Mk. (ttcl. Bestellgeld).

Jnserttonsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Psg.

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Marburg

Sonntag. 6. Mai 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Keg. Koch, Universitäts-Buchdruckern 41. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Zweites Blatt.

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Neueste Telegramme.

Berlin, 5. Mai. Die erste Lesung des Mili- tarpensions-Eesetzes ist gestern in der Budget­kommission des Reichstages beendet worden. Rach § 77 soll das Gesetz mit Wirkung vom 1. April 1905 in Kraft treten. Hierzu erklärte Abg. Erzberger, daß, wenn die Steuervorlagen scheitern, dann für seine Fraktion auch das Pen- sionsgesetz scheitern werde. Auf seinen Antrag wurde beschlossen, daß das Gesetz mit Wirkung vom 1. Juni 1906 in Kraft treten soll, und auf Antrag Graf Oriola, daß die mit dem 1. April 1905 pensionierten Offiziere die Wohltaten des Gesetzes genießen sollen.

Breslau, 4. Mai. Der Eesamtverband Deut­scher Metallindustrieller hat die Eeneralaus- sperrung auf den 10. Mai festgesetzt für den Fall, daß die Arbeiter in den Streikorten nicht bis dahin die Arbeit wieder ausgenommen haben.

Petersburg, 5. Mai. Nunmehr ist die offi- K zielle Ernennung Eoremykins erfolgt mit dem | Auftrag, ein liberal-gemäßigtes Kabinet zu bil-

| den. Offiziell wird ferner mitgeteilt, daß Ko- l kowzew die Finanzen, Ruchlow den Handel

- übernimmt.

London, 4. Mai. Die englische Regierung

richtete gestern an die Pforte eine Rote, die dem Inhalte nach gleichbedeutend mit einem Ulti- snatum ist und das letzte Wort Englands zu den türkischen Schritten auf der Halbinsel Sinai darstellt. England verlangt die Zurückziehung der türkischen Truppen vom egyptischen Grund und Boden. Der französische und der russische Botschafter in Konstantinopel unterstützen die Vorstellungen des englischen Botschafters hin­sichtlich der Besetzung der zu Egypten gehörigen Gebiete durch die Türkei.

London, 5. Mai. DenTimes" wird aus Kapstadt telegraphiert, der Rebellenführer Mo- renga in Südwestafrika versuche den deutschen Truppen zu entgehen und sei ein Wanderer ge­worden. Man hörte zuletzt in den Karras- Bergen von ihm.

London, 5. Mai. England verlangt vom Sultan, daß seine Truppen während^>er Grenz­streit geregelt wird, vorläufig das egyptischo Ee- , biet räumen müssen. Geschieht dies nicht bis Sonntag den 13. Mai, so tritt die englische Flotte in Tätigkeit. In Malta erhielt das ganze Mittelmeergeschwader Befehl, in See zu gehen. Der Bestimmungsort ist nicht bekannt.

| Erinnerungen aus dem Marburger Stlldentenleben.

Von 8. Müller.

XV.

, Ueber das Studentenleben in Marburg .schreibt ein Student A. Henninger im Jahre ; 1856: Wie überhaupt die neuere Zeit mit gewal­tiger Hand an der Feste alles Alten rüttelt, wird es auch auf sämtlichen Hochschulen an dem alther­kömmlichen Corps wesen des Studenten- tums getan, und es haben sich so überall neue Genossenschaften gebildet, welche dem Vurschen- lleben den Todesstoß geben wollten. Mit den wunderlichsten Namen belegt, vermochten diese neuen Verbindungen jedoch gegen die altenCorps nicht in die Schranken zu treten, obwohl manche noch bestehen und mit den Burschenschaften vieles gemein haben, ohne deren Ernst, Würde und Stolz zu teilen. Wir verkennen die Schatten- serten des Corpswesen nicht, und wollen den rPaukereien die schon so manches Unglück an- gerichtet haben, keine Lobrede halten; edler aber bleiben sie immerhin, als dieHolzereien", so lange es einmal in der Welt, auch auf den Uni­versitäten, nicht ohne Skandale abgeht. Dagegen -entfaltet das Corpswesen so viele Lichtseiten, baß man ihm dieserhalben wohl das Wort reden kann. Während die Neuerer aus dem Felde des Studententums das Alte niederreißen, ohne Besseres an dessen Stelle zu setzen, haben die Corpsburschen ihre historischen Erinnerungen, Ihre herrlichen Lieder, ihre hohe Achtung für Ehre und ihre strengen Corpsgesetze für sich, die sie ebenso zum wissenschaftlichen Streben an- P hallen, als vor jenen Abwegen warnen. Da- t her finden wir denn auch in Marburg, wenn

Krankenversicherungsstatistik.

Von einem Marburger Arzte wird uns ge­schrieben:

Vor kurzem erschien, von dem kaiserlichen statistischen Amt herausgegeben, die Kranken­versicherungsstatistik für das Jahr 1903. Die Betrachtung der statistischen Ergebnisse dieses so wichtigen Zweiges unserer Wohlfahrtsgesetz­gebung bietet eine Fülle von interessanten Din­gen, deren Kenntnis das Verständnis für die Jahresberichte der Krankenkaffen unserer en­geren Heimat durch einen Vergleich mit den aus einem ungeheuren Material gewonnenen Zahlen, die als absoluter Maßstab angesehen werden müffen, zu erleichtern und zu vertiefen geeignet ist. Leider läßt sich dazu nur der Jah­resbericht der Ortskrankenkaffe, der in der letz­ten Generalversammlung bekannt gegeben wurde, verwerten, weil der Bericht der Kreis­krankenkasse, der fast gleichzeitig veröffentlicht wurde, jeden Hinweis auf die Mitgliederzahl vermissen läßt. Bei einer vergleichenden Be­trachtung darf nicht außer acht gelassen werden, daß die Versicherungsstatistik das Jahr 19 0 3 betrifft, während mit dem 1. Januar 1904 die Gesetzesnovelle inkraft trat, durch die die Dauer der Krankenunterstützung von 13 auf 26 Wochen verlängert wurde.

Unwillkürlich drängt sich uns zunächst die Frage auf, wievielePersonen überhaupt in Deutschland des Segens der Krankenver­sicherung teilhaftig werden. Darauf gibt uns die Reichsversicherungsstatistik keine vollständi.e Antwort, weil sie nur über die dem Kranken­versicherungsgesetz Unterworfenen berichtet; von der Versicherungspflicht aufgrund dieses Gesetzes find aber nach seinem § 3 ausgenommen: die Personen des Soldatenstandes, sowie solche in Betrieben oder im Dienst des Reiches, eines Staates oder eines Kommunalverbandes ste­hende Personen, die dem Reich, Staate oder Kommunalverbande gegenüber in Krankheits­fällen Anspruch auf eine den Bestimmungen des KVG. entsprechende Unterstützung haben. Zu den so mit Krankenfürsorge Versehenen, die dem KVG. nicht unterliegen, gehören außer den Per­sonen des Soldatenstandes, die große Schar der in den Knappschasts-, Eisenbahnbetriebs- und ähnlichen Krankenkassen Zusammengefaßten. Abgesehen von diesen so anderweitig Versorgten genossen aufgrund des KVG. in Deutschland im Jahre 1903 fast genau 10 Millionen Men­schen, d. h. 18,6 pCt. aller Bewohner des deut­schen Reiches die unschätzbare Wohltat der Krankenfürsorge; zu dieser gewaltigen Zahl ge­sellt sich die nicht zu berechnende Riesenschar von Familienangehörigen, die aufgrund des § 21 KVG. freie ärztliche Behandlung, freie Arznei und sonstige Heilmittel erhalten. Wenn man alle diese Personen zusammenrechnet, wird man mit der Schätzung, daß wenigstens ein D r i t - tel der Bevölkerung des deutschen Nei­

der Bursche jetzt gleich nicht mehr tagtäglichin Koller und Kanonen" einhersteigt, wie ihn das alte Lied, der Bursch vom ächten Schrot und Korn besingt, doch das Corpswesen noch in vollem Flor. Roch immer findet man den frohen flinken Burschen, der sich das Burschenleben lobt, sich bei Tabak und Vier erfreut, singt, paukt, reitet, fährt, das Karzer seben muß, den Fürst von Thoren macht, den Philister anpumpt und ihre Töchter poussiert. Auch das Fuchstum floriert noch, wie sonst und nicht minder die feierlichen Kommerse mit dem blanken Weihe­degen und der dunklen Todenkammer.

Marburgs Bewohner begegnen den Stuben* ten mit Zuvorkommenheit und sind seit Jahr­hunderten an das Tun und Treiben der jungen Leute gewöhnt. Besonderen Reiz verleiht dem Marburger Studentenleben die herrliche Lage der Stadt, ihre schön« Umgebung und ihre male­rische Lage.

Auch braucht es nach einem Universitätsleben welches so glücklich das Nützliche mit dem Ange­nehmen verband, nicht erst der Aufforderung in dem bekannten heitren Liede:Denkt oft, ihr Brüder an unsre Jugendfröhlichkeit, sie kehrt nicht wieder, die goldne Zeit!"

Die Erinnerung an diese Tage klingt dem weiland Burschen das ganze Leben nach und es ist kein Wunder, wenn Greise, bei denen längst ber Hiebet vom Corpus juris besiegt, sich wieder verjüngen bei dem Lied: Gaudeamus igitur. Meinem Marburg aber rufe ich nach:

Vivat Academia, Vivant Professoren l Vivat membrum quodlibet, Vivant membra quaelibet, 1 Semper sint in florel

ches den Segen der Krankenversicherung genießt, eher hinter der Wirklichkeit zurückbleiben.

Von den 10 Millionen aufgrund KVG. Ver­sicherten gehört fast die Hälfte Ortskranken­kassen, etwa y4 Betriebs- (Fabrik-), */7 Ge­meindekrankenkassen an, während in Jnnungs- krankenkassen nur wenig mehr als 1/68 der Ver­sicherten sich befinden. Die Mitglieder der Orts­krankenkassen verteilen sich auf 4715 solcher Kas­sen, deren es in allen Größen gibt, von einem Zwcrggebilde von 610 Mitgliedern (im Reg.- Bez. Potsdam) bis zu den 136 000 Mitgliedern der Ortskrankenkasse Leipzig. 3681 der OKK., 78, 1 pCt. aller haben unter 1000 Mitglieder, 549 deren 10002000, 339 20005000, 90 500010 000, 56 über 10 000 Mitglieder.

Die Marburger Ortskrankenkasse gehört mit ihren 4000 Mitgliedern also zu den größeren Kassen. Ueber die Lebensfähigkeit der kleineren Kaffen finden wir die beachtenswerte Bemerk­ung:Bei den Ortskrankenkassen müssen häu­fig selbst solche bis zu 1000 Mitgliedern als Kas­sen ungenügender Größe betrachtet werden, da ihnen ohne unverhältnismäßige Höhe der Ver­waltungskosten die Aufstellung eines Stabes auskömmlich bezahlter, ihre ganze Kraft der Kasse widmender Verufsbeamten (Rechnungs­führer, Kassenführer, Krankenkontrolleure usw.) unmöglich ist und die geringe Kassenmitglieder­zahl die Kaffe weit stärkeren Schwankungen der Ausgaben aus der Morbidität aussetzt, als sie bei großen Kaffen hervortreten, bei denen sich die Verhältniffe mehr ausgleichen." Die Rich­tigkeit dieser Betrachtung ist nicht zu bezweifeln und eben dem Umstand, daß mehr als % aller Ortskrankenkaffen an Mitgliederzahl unter 1000 bleibt, ist es wohl zuzuschreiben, daß bei den OKK. im Durchschnitt die Verwaltungs­kost en 9 pCt. der gesamten Ausga, b e n in Anspruch nehmen. Weit schlimmer lie­gen die Verhältnisse bei den Jnnungskranken- kassen, da von ihnen volle 43,2 pCt., also fast die Hälfte sogar unter 100 Mitglieder hat. Auch die hiesige Bäckerinnungs-Krankenkasse wird hierzu zu rechnen sein. Sie hat sich von der Ortskrankenkasse abgezweigt in der Meinung, für sich billiger arbeiten zu können. Für die Verwaltungskosten mag das unbesehen zuge­geben werden, weil wir annehmen, daß die Ge­schäftsführung im Ehrenamt besorgt wird; aber dem */tl der Ausgaben für Verwaltungskosten stehen 10/n für andere Ausgaben gegenüber, von denen die Kran.kheitskosten den Löwenanteil für sich in Anspruch nehmen. Diese mögen in guten, d. h. gesunden Jahren auch geringer sein, lassen sich vielleicht auch durch kleine Kunstkniffe, rot« lleberweisung der leichter Kranken an die Poli­kliniken, noch etwas verkleinern, aberbett Schwankungen in den Ausgaben aus den Krank­heitsverhältnissen" ist eine so minimale Kasse natürlich weit mehr ausgesetzt; einige wenigs schwerere Krankheitsfälle mit lange andauern­der Erwerbsunfähigkeit bringen das Budget ins Schwanken, eine größere Epidemie kann die

XVI.

Die Scharwächter, später Pedellen genannt, waren früher mit der Beaufsichtigung der Stu­denten betraute Schutzleute. Sie mochten wohl damals, es war im Anfang des vorigen Jahr­hunderts, den jungen Leuten gegenüber einen schweren Stand gehabt haben. Sie führten lange Stangen, welche sie bei der Verfolgung den Fliehenden zwischen die Beine warfen, worin sie große Geschicklichkeit besaßen, und diese so zu Fall brachten. Je glücklicher sie nun darin wa­ren, desto mehr sannen die Studenten darauf, sich an den Eesetzeswächtern für erlittene Un­bilden zu rächen. Zur Ausführung wählten sie die am lutherischen Kirchhof gelegene Wendel­treppe. Der mit einer Steinplatte belegte obere Podest, hatte damals, damit das Licht auf die Treppe fiel, noch einen eisernen Rost. Diesen nahm man heraus und eilte in später Abend­stunde zum Marktplatz und klopfte mit heftigen Schlägen an die nun vermauerte Türe, die ehe­dem zur Hauptwache führte. Hier hielten sich damals die Scharwächter bis nach Mitternacht auf. Zugleich erscholl der Schlachtruf:Schar- wache heraus!" Auf diese Herausforderung stürzten zwei anwesende Scharwächter mit ihren Stangen hervor und verfolgten die Fliehenden. Diese liefen mit mäßiger Geschwindigkeit, hinter ihnen her die Scharwächter, bis an die Wendel­treppe am luth. Kirchhof. Hier angelangt sprangen die Studenten über die Oeffnung, welche durch Hinwegnahme des Rostes entstan­den war, die Scharwächter aber stürzten unter Jammergeschrei in den Abgrund. Doch nahmen sie keinen Schaden. Die Studenten hatten näm­lich einen großen Sack, wie sie in der Mühle zum Mehltransport gebraucht wurden, unterge-

kleinen Ersparnisse von Jahrzehnten aufzehren. Die Versicherten erleiden dadurch allerdings kei­nen Schaden, weil im Falle der Leistungsunfä­higkeit dieser Kassen nach dem Gesetz die Arbeit­geber resp. die Innung mit ihrem Vermöge» eintreten müssen.

Ueber die Zahl und Dauer der Er­krankungen gibt uns die Krankenversicher­ungsstatistik leider keinen Aufschluß, weil in ihr nur die Zahl der Fälle und Tage, für welche von dett Kassen bare Leistungen (Krankengeld, Krankenhauskosten oder Ersatzkosten) aufzubrin­gen sind, gezählt werden, nicht aber die viel zahlreicheren Fälle, in denen es nur zu ärzt­licher Behandlung oder Arzneiverordnung kam. Dieser Mangel der Statistik erschwert es auch, die Höhe der von den Kaffen aufgebrachten ärzt­lichen Honorare einer richtigen Beurteilung zu unterziehen; vermehrt wird die Schwierigkeit dadurch, daß man die Zahl der behandelten Fa­milienangehörigen von Kassenmitgliedern nur höchst schätzungsweise angeben kann. Sehr lehr­reich hierfür ist die für die Leipziger OKK. von 136 000 Mitgliedern, die die Familienversicher­ung hatte, für das Jahr 1902 ausgestellte Sta­tistik. Von je 100 wirklich behandelten Fällen erscheinen in der Reichsstatistik nur 15,1, also noch nicht der 6. Teil; den 52 446 Mitglieds­erkrankungen mit Erwerbsunfähigkeit stehen 109 729 ohne Erwerbsunfähigkeit und 189 947 Erkrankungen von Familienangehörigen gegen­über.

Allgemein wahrgenommen wird eine Ster- gerung der Ausgaben für ärztlich« Behandlung (wir verweisen hierzu auf die Schlußbemerkung des Vorsitzenden der hiesigen OKK. in der letzten Generalversammlung), sie betrugen für das Jahr 1888 auf das Mitglied durchschnittlich 2,32 X 1903 aber 3,99 X Die Höhe der Summe stellt nun nicht das in dl« Aerzte im engeren Sinne aezahlte Eefamthono- rar dar, weil der Begriff der ärztlichen Be­handlung recht weit gefaßt ist, denn er umgreift auch das an die Zahnärzte gezahlte Honorar und die Summen, die an das niedere Heilper­sonal für dessen Leistungen auf ärztliche Anord­nungen bezahlt werden müssen (für die Mav Burger OKK. betragen diese beiden Posten reich­lich 10 pCt ),zuweilen auch, nicht immer" (für Marburg sicher), die Fuhrkosten, also eine Rückerstattung barer Auslagen der Aerzte resp. einen Entgelt für vermehrte körperliche Leistun­gen und Zeitverlust (Radfahren, Marschieren).

An Krankheitskosten, darunter find die Ausgaben für Krankengeld, Arzt, Arznei, Krankenanstalten, Sterbegeld, Wöchnerinnen« und Rekonvaleszenten-llnterstützungen verstan­den, es ist nämlich nach der Eesetzesnovelle den OKK. gestattet, Fürsorge für Rekonvaleszenten für die Dauer eines Jahres von Beendigung der Krankenunterstützung ab zu gewähren, entfielen auf das Mitglied 17,69 X dagegen wurde an Beiträgen für das Mitglied 18,93 M bezahlt. Prozentualiter beträgt der Anteil für

hangen in den jene hineinfielen. Man band den Sack nun oben zu und trug ihn vor die Tür der Scharwache, donnerte wieder heftig an der Türe und ließ den Ruf wieder erschallen: ..Schar­wache heraus! Ein auf der Wache verbliebener Scharwächter stürzte auf den Schlachtruf heraus und über den Sack, in welchem sich ein klägliches Gewinsel erhob:Wir sinds ja, laßt uns beraus! Die Missetäter sind entkommen, und trotz strenger Untersuchung wurde nichts verraten.

XVII.

Es war am 2. Pfingstfeiertage 1818, als eine Anzahl Marburger und Göttinger Studenten einen gemeinschaftlichen Ausflug nach Wilhelms- Höhe machten, wo sie dem Kurfürsten ihre Er­gebenheit bewiesen durch Darbringung eines Ständchens, bei welchen sie zuerst das Lied: Heil dir im Siegerkranz" sangen, natürlich ging es dabei äußerst fidel und lärmend zu und ob übermütigen Streichen fehlte es nicht. Viel« hatten sich Zöpfe angebunden unter denen sich so ungeheure Riesenexemplare befanden, daß diese von je zwei Studenten, ähnlich wie Schlep­pen, nachgetragen werden mußten. Einige Hof­schranzen, die in diesem Scherze eine Verhöhnung Sr. Kurfürstlichen Durchlaucht witterten, ver­suchten die Empfindlichkeit des Fürsten auszu­stacheln, um ihn zu einem Verbot des studen­tischen Treibens zu bewegen.

Charakteristisch ist der Grund, mit welchem der Kurfürst dieses Ansinnen zurückwies:Jeder dieser jungen Leute kommt nach Cassel und ver« zehrt sein Geld da, wenn sie eingeschränkt wer­den, kommen sie nicht roiebei!*