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MchM Mmg mH dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Allustrirtes SannEaasblatt.

' Vierteljährlicher Bezugspreis, bei oer ExpLition 2 Mk, Erscheint wöchentlich sieben mal.

L<» 41X* bei allen Postämtern 2,25 M. .excl. Bestellgeld). Druck und Verlag- Joh.Aug.Koch, llmverfttätS-Buchdruckrrei 41. JühLg.

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Reclamen: die Zeile 25 Psg. PPtUtUWW, m. jjim x vw.--

Neueste Telegramme.

München, 4. Mai. Fürst Leopold zur Lippe traf gestern 2 Uhr 23 Min. hier ein, um dem Prinzregenten den ersten offiziellen Besuch ab­zustatten. Der Prinzregent empfing den Für­sten im Königssalon des Hauptbahnhofs, vor welchem eine Ehrenkompagnie des Jnfanterie- Leib-Regiments aufgestellt war. Nach herzlicher Begrüßung und Vorstellung des beiderseitigen Gefolges, der Besichtigung der Ehrenkompagnie und dem Vorbeimarsch derselben fuhr der Re­gent mit feinem Gaste zur Residenz.

Paris, 3. Mai. In Lens ist die Arbeit fast vollständig wieder ausgenommen worden und teilweise wieder in Courrieres und Dourges. Zn Carvin explodierte heute Nacht vor dem Hause eines nicht ausständigen Arbeiters eine Patrone, die Materialschaden anrichtete. Präsident Fallieres empfing heute Vormittag Revoil, der ihm über seine Mission in Algeciras Bericht erstattete.

Paris, 3. Mai. Wie derAgence Havas" aus Melilla gemeldet wird, fand zwischen den Truppen des Sultans von Marokko und denen des Prätendenten am Muluiaflutz ein neues Gefecht statt. Die Truppen des Sultans bedien­ten sich der Kriegslist, den Rückzug anzutreten, überfielen dann unvermutet die Aufständischen und trieben sie auf das jenseitige Ufer des Flusses zurück. Die Aufständischen sollen eine ernstliche Niederlage erlitten und 30 Tote auf dem Kampfplatz zurückgelassen haben. Das Ee- schützfeuer wurde in Melilla gehört. Die Mau­len kamen nach Melilla und baten um Trag­bahren, auf denen sie bald nachher zahlreiche Verwundete heranbrachten, die im Hospital un­tergebracht wurden.

Petersburg, 3. Mai. Wie das BlattRjetsch" bestimmt zu melden weiß, soll Eoremkin als Nachfolger Wittes an die Spitze des neu zu bil­denden Kabinetts treten. Das Portefeuille des Innern erhalte der bisherige Gouverneur von Saratow, Stolpygin, das der der Justizverwal­tung der ehemalige Oberprokureur des Senates Und gegenwärtige Departementschef im Justiz- tessort, Professor Schtscheglotwitow. Es bestehe die Absicht, auch einige Mitglieder der Kadet­tenpattei in das neue Kabinett zu berufen. Das beweise aber nur, wie das Blatt schreibt, wie wenig die leitenden Persönlichkeiten die Sach­lage erfaßten, da die Kadettenpartei mit Män­nern wie Goremkin und Stolpygin nicht zusam­mengehen werde.

Riga, 3. Mai. 33 große Werke mit mehr als '18 000 Arbeiter sind im Ausstand. Die Straßen werden von Patrouillen durchstreift.

37 (Nachdruck verboten.)

An der dänischen Grenze.

* C Roman von Dietrich Theben.

C (Fortsetzung.)

' Man fand sich wieder bei Jebsen zusammen, beriet unter dem Vorsitz des Gemeindevorstehers sachlich und bewilligte ohne großes Widerstreben, was notwendig war. Der Hoyerhofer hatte sich im Einverständnis mit den Freunden an der Versammlung nicht beteiligt, und die Gegner versagten ihm im Stillen eine gewisse Dankbar­keit nicht, daß er sich auch mit seinem Siege zu­rückhielt. Bei manchen ließ sich sogar ein Ver­langen, die Achtung vor seiner vollmarkigen Persönlichkeit offen auszusprechen, nur schwer zurückdrängen. Sie schwiegen aber, weil auch die andern stumm blieben, und die heimliche An­erkennung und ein schmelzender Groll mußten sich erst noch weiter klären.

Auf dem Hoyerhofe war der Sturmschaden nur geringfügig. Behrend hatte gleich nach der Uebernahme des Hofes alle Baulichkeiten einer gründlichen Ausbesserung unterzogen, und so hatte der Sturm seine Wut nur an ein paar Fensterscheiben auslasscn können, die freilich erst nach Tagen ersetzt werden konnten, weil die Handwerksmeister zu viel zu tun hatten und Behrend selbst ihnen anheim gab, erst da Hand anzulegen, wo das Wetter am übelsten gehaust hatte.

Als der Mai ins Land kam, waren alle Sturmspuren auf den Gehöften wieder verwischt, und als der Juni dem köstlichen Lenzmonat folgte, da näherte sich auch die neue Turmspitze ihrer Vollendung. Um die Mitte des Monats sollte das Gerüst entfernt werden, und es bestand ietne vertrauliche Abrede zwischen dem Pastor Und Behrend, daß die Weihe des Turmes und die Traufeier des Hoyerhofer Paares auf den glei­chen Tag einen Sonntag und Karens Ge­burtstag fallen sollten.

i Eine Veränderung auf seinem Anwesen traf Kehrend ohne Vorbrreftung. Die zuverlässigste

Revision des konservativen Partei- Programms ?

Wie die Presse meldete, fand Anfang April eine Hauptversammlung desKonservativen Zentralvereins für den Wahlkreis Teltow-Bees- kow-Storkow-Charlottenburg" statt, in der Ge­neral v. Loebell auf die Tätigkeit der konserva- ttven Partei näher einging. Er wünschte eine größere Regsamkeit des Hauptvorstandes der konservativen Partei, die schon lange wieder nichts von sich habe hören lassen. Seit der An­nahme des Tivoli-Programms sei schon eine lange Zeit verstrichen und die deutsch-konserva­tive Partei möge endlich wieder einmal eine große Versammlung einberufen und das Pro­gramm einer Prüfung unterziehen. Die Ver­sammlung nahm, wie weiter berichtet wird, fol­genden Antrag an, dem sich sofort auch die Ver­eine von Lichterfelde und Charlottenburg ange­schlossen haben:

In Erwägung, daß die Grundsätze und Ziele der konservativen Partei in ihrem wahren Ge­halte nicht mehr genügend bekannt sind und nur noch in der von den Gegnern dargestellten Art betrachtet und deshalb unrichtig als reaktionär beurteilt werden, halten wir es für notwendig, daß das Parteiprogramm einer genauen Prü­fung unterworfen werde und daß die konservati­ven Bestrebungen nach außen hin klärend im Lande und in den Parlamenten energischer ge­fördert werden. Die Versammlung schlägt dazu vor, eine allgemeine Tagung der großen konser­vativen Partei baldigst nach Berlin einzube­rufen."

Diese Erklärung wird auch von den konserva­tiven Provinzialverbänden und den einzelnen Vereinen in der Provinz mit Genugtung auf­genommen werden. Denn eine größere Regsam­keit des Hauptvorstandes kann nur von befruch­tendem Einfluß auf die polittsche Tätigkeit der Provinzialvereine sein, die sich zur Zeit vielfach in einem Zustande vollständiger Stagnation be­finden. Es ist zwar nicht angenehm, Fehler der konservativen Partei in der Oeffentlichkeit rü­gen zu müssen, aber es ist doch besser, die Tat­sache offen zuzugestehen und Anregung zur Ab­hilfe zu geben, als stillschweigend die Dinge ihren bisherigen Verlauf nehmen zu lassen.

Die Einberufung einer allgemeinen konser­vativen Parteiversammlung ist im Interesse der Weiterentwicklung der Pattei dringend notwen­dig, allerdings weniger, um das vorhandene Parteiprogramm einer Prüfung zu unterziehen, sondern um die Organisation der Partei weiter auszubauen und frisches Leben in die Agitation zu bringen. Gewiß können einzelne Puntte des

Stütze unter seinen Leuten nahm im Anfang Juni Abschied von ihm und dem Hofe: der Vor­knecht Christian Hagen.

Behrend ließ ihn ungern ziehen.

Willst Du wieder nach dem Holsteinschen, Christian?" fragte er in der Ueberzeugung, daß das Heimweh seine Macht geltend machte.

Christian Hagen sah unsicher an ihm vorbei.

Bauer, das Wiederweggehen, das fällt mir saurer als das Mitherkommen," entgegnete er bedrückt.Und nach Hause, nein, das will ich nicht."

Ja wohin denn, Christian? Bist Du mtt dem Lohn nicht mehr zufrieden?"

Mit dem?" fragte Hagen.Daran habe ich noch nicht gedacht. Das ist es nicht, Bauer. Das nicht."

Das will ich Dir sonst gern zulegen, Christian."

Nein, nein!" Hagen suchte nach Worten, die die wahren Gründe seines Gehens verhüllen sollten. Aber in seinem Ungeschick verriet er

sich doch.

Ich will nach Tondern, Bauer."

Hast Du da schon einen Dienst angenom­men?" forschte Behrend.

jawoll in derStadt Hamburg". Die liegt gleich nebenan von dem Doktor Christensen." Behrend suchte in seinen verlegenen Mienen. Wo die Mamsell ist?" fragte er.

Ja jawoll."

Martin Behrend fand langsam ein Ver­

ständnis.

Doktor Christensen schöpft wieder Hoffnung? Hast Du das «fahren?"

Hagen nickte.

Woll, Bauer. Sie steht wieder auf. Sie kann all wieder gehen," sagte er mit selbstver­gessener Befriedigung.

Behrend wußte genug und wunderte sich, daß er nicht früher hatte sehen können.

Ja, Christian, da kann ich Dich freilich nicht halten," pflichtete er ernst bei.

Die schlichte Treue des ehrlichen Gesellen rührte ihn, erhöhte aber zugleich das Mitleid in

Tivoli-Programms etwas modernisiert werden, wie es den geänderten Verhältnissen der Jetzt­zeit entspricht. Aber der Inhalt des konserva- ttven Programms ist gut und die Macht des konservativen Gedankens hat von ihrer Werbe­kraft nicht nur nichts eingebüßt, sondern eher an Bedeutung gewonnen. Viel wichtiger ist die Behandlung der Frage, wie die konservative Partei im öffentlichen Leben mehr prakttsche Wirksamkeit entfalten könnte, um hinter den anderen Parteien nicht zurückzubleiben. Dieses Tbema allein genügte, um einem Delegierten« tag ausreichenden Beratungsstoff zu geben. Da­her verdient der Plan des Generals v. Loebell die wärmste Unterstützung aller Parteimitglie­der, und hoffentlich gelingt es, ihn recht bald zur Ausführung zu bringen.

Im Jahre 1908 werden falls nicht vorher eine Auflösung des Reichstages erfolgt, wozu aber allem Anschein nach sich schwerlich noch eine Veranlassung bietet Neuwahlen stattfinden. Es ist also jetzt schon Zeit, mit der Agitation zu beginnen und in den einzelnen Reichstagswahl­kreisen die Vorbereitungen zu einer umfassen­den Agitation zu treffen. Hier liegen die Ver­hältnisse stellenweise sehr im argen. Konserva­tive Kreis- oder Bezirksvereine, die vier oder sechs Wochen vor der Wahl plötzlich lebendig werden und dann nachholen wollen, was die gegnerischen Parteien in mehrjähriger Winter­arbeit geleistet haben, sind leider nicht selten zu finden. Diese traurige Tatsache, die sich lei­der nicht wegleugnen läßt, sei nicht weiter be­rührt, obwohl manches Beispiel dafür angeführt werden könnte. Man möge sich die eifrige und oft selbstlose Arbeit der Gegner vor Augen hal­ten, die während der Legislaturperioden die po­litische Kleinarbeit nicht ruhen lassen, sondern intensiv betreiben. Die konservativen Vereine sollten mindestens jeden Monat eine kleinere Versammlung abhalten, in der ein Vortrag von öffentlichem Interesse gehalten und zur Diskus­sion gestellt wird. Ferner sollte keine Gelegen­heit vorübergehen, ohne daß zu kommunalen Fragen Stellung genommen wird, und bei außergewöhnlichen Anlässen (wie z. B. bei den Steuervorlagen u. a.) sollte die Bevölkerung stets durch tüchtige konservative Redner (oder Parlamentarier) über die Haltung und Grund­sätze der Partei aufgeklärt werden.

Andere Parteien haben es sich zur Regel ge­macht, im Laufe jeden Winters alle paar Wochen populär-wissenschaftliche Vorträge in öffentlichen Versammlungen (etwa über Wert­zuwachssteuer, Volksbäder usw.) zu veranstalten, die sich großer Beliebtheit erfreuen und der Partei neue Freunde werben. Sollte dies den konservativen Ortsoereinen nicht ebenfalls mög-

ihm, weil er nur allzu gut wußte, daß das be­dauernswerte Mädchen sich nur äußerlich erholte, nicht in der dauernd gebrochenen Seele. Der Arzt hatte ihm gar keinen Zweifel gelassen, aber vielleicht nicht unrecht daran getan, den näher Beteiligten auf eine Zeit hoffen zu lassen, in der er sich langsam mit dem nicht zu Äendernden ab- ftnden konnte.

Ich will mit Dir das Veste wünschen, Christian," sagte er wortarm, als er neben dem Wagen stand, der Hagen und seine wenigen Hab­seligkeiten nach der Stadt bringen sollte.Und Du läßt doch von Dir hören, Christian?"

Ich komme mal rüber, Bauer...

Ein Euter weniger auf dem großen Hofe, und er fehlte Behrend recht fühlbar. Aber das hohe Glück, das nun bald einziehen sollte, trug ihn über das Unstimmige des Augenblicks hin­weg und ließ ihn hoffnungsfroh voraufschauen.

Der Juni war ein milder Monat wie im Vorjahre, und die Rosen im Garten des Hoyer- hofes standen an Behrends Hochzeitstag in blühender Pracht. Hände voll des duftenden Schmuckes wurden in die Tannengewinde ge­flochten, mit denen der Hochzeitswagen eben vor der Abfahrt bekränzt wurde, und ein Dutzend langstieliger Prachtexemplare wurden von Wiebkes guten Händen zu einem Strauße für die glückstrahlende Braut gewunden.

Der Wagen mit den jungen Stürhofern war schon in aller Frühe bei Frederiksen angelangt, und Wiebke tonte noch helfend der Braut zur Seite fein. Sie hatten das nicht verabredet gehabt, und Jens Frederiksen war ein wenig von dem frühen Heranschneien Überrascht.

Meinst, wir wären allein nicht zurecht ge­kommen?" fragte er lächelnd die Schwester, die mit ihrem freudigen Wesen selbst wieder einer Braut glich.

Wiebke lachte ihn an.

Mich hielts nicht mehr, ich muß her. Und Vater drängte uns auch fort."

So, bet? Ich hätte ihn am liebsten bei Euch gesehen," erwiderte Jens gerade.Aber na, darauf war ja nicht zu rechnen. Leider nicht,"

kich sein? Nur durch so geartete und planmäßig betriebene Kleinarbeit kann etwas erreicht wer­den. Der Agitation der linksstehenden Gegner, die immer zahlreicher werden, muß ernste und intensive Aufklärungsarbeit entgegengesetzt wer­den, damit Handwerker, Gewerbetreibende und Landwirte, die doch den Grundstock der Partes bilden sollen, erkennen, daß in der konservativen Partei ihre wahren und eifrigsten Freunde sich befinden.

Es kann nicht Aufgabe dieser Zeilen sein, hier ein vollständiges Programm für die polittsche Kleinarbeit zu geben. Es sei nur darauf hin­gewiesen, daß der Gedanke der Einberufung eines allgemeinen Delegiertentages der konser­vativen Partei ernste Würdigung verdient, und daß diese Versammlung sich in erster Linie mit einer Reform der Sereinstätigteit beschäftigen muß. Zum Schlüsse sei noch auf einen Punkt aufmerksam gemacht, der gleichfalls der Er­örterung bedarf: die mangelhafte Unterstützung der konservativen Presse durch die eigenen Par­teimitglieder. Nicht die materielle, sondern die geistige Unterstützung durch Mitarbeit, Infor­mationen u. a. Hier wird sehr viel durch Gleich­giltigkeit gesündigt. Ein Parteitag fände Ar­beit in Hülle und Fülle! DB.

Deutsches Reick.

Berlin, 4. Mai.

Seine Majestät der Kaiser begab sich ge­stern Donnerstag Morgen 7 Uhr vom Potsdamer Stadtschloß aus im Automobil nach Döberitz, um dort Besichtigungen von Truppen vorzu­nehmen. Nachmittags 5 Uhr kehrte der Kaiser vom Truppenübungsplatz Döberitz zurück und fuhr sofort beim Reichskanzler vor, um diesem aus Anlaß seines Geburtstages seine Glück­wünsche auszusprechen. Im Vestibül wurde der Monarch vom Fürstenpaare empfangen, das den Kaiser in die oberen Gemächer geleitete. Der Kaiser verweilte dort gegen 1 Stunde, anfangs im Beisein der Fürstin, später allein in längerer Unterredung mit dem Reichskanzler. Zum Ab­schiede geleitete Fürst Bülow seinen kaiserlichen Herrn bis zum Wagen. Abends reiste der Kaiser nach Donaueschingen ab, um dort, wie schon ge­meldet, einige Tage als East des Fürsten von Fürstenberg zu verweilen.

Der Reichskanzler Fürst Bülow empfing gestern anläßlich seines 58. Geburtstages über­aus zahlreiche Glückwünsche von den Mitgliedern des diplomatischen Korps und den parlamenta­rischen Körperschaften, von hohen Beamten und Militärs, aus dem In- und Auslande. Die Wohnräume glichen einem Garten, so viele Blumenangebinde sind dem Fürsten zugeschickt worden. Der Kaiser sandte eine prachtvolle Porzellanvase mit seinem Bildnis. Das Besin-

Vater ist zu mir immer sehr gut," nahm Wiebke den Alten in Schutz.Ach, und ich glaube, er kann Karen gar nicht so recht mehr böse fein. Kommen tut er ja nicht ach nein, das war ja lange gewiß. Aber so hart, Jens, wie Du denkst ach, glaub das nicht, so nicht. Könnte er sonst zu mir so lieb fein? Und meinst, Ocko hätt was von ihm auszuhalten? Ach, das denk nur nicht. Was, Ocko?"

Der junge Ehemann war ihrer Ansicht.

Vater ist mitunter wunderlich," sagte er nachdenklich.Aber seit unserer Hochzeit ist er zu uns noch nicht hart gewesen, da muß ich Wiebke beipflichten."

Zu Karen um so mehr," urteilte Jens herb.

Ja, ja," stimmte Ocko bedauernd zu.Herr­gott, wenns anders sein könnte! Aber das ist die Stelle, wo nichts mit ihm zu beginnen ist.... Laß uns schweigen davon, Jens, gerade heut^i Karen gewinnt so viel, da kann sie auch viel aufgeben."

Ja, Jung und der Sturm und Wasser­drang hat dis Lust mal tüchttg gereinigt für alle, daß sie sich nichts mehr recht vortäuschen können. Noch mal son Stoß, und ich glaube, alle Gegner­schaft wird noch fortgeblasen wie die alten Turm- schindeln, und bann ein besseres Verstehen und Auskommen hingebaut..."

Wiebke war eine liebliche, kindlich-mädchen­hafte Braut gewesen, Karen Stür in ihrem schweren, weißen Seidenkleide erschien vorneh­mer, stolzer. Sie war auch größer als die Schwägerin und in ihrer Haltung selbstbe­wußter; aber ein gewinnender Liebreiz strahlte auch von ihr aus, und ihr lichtes Eoldhaar mit Schleier und Myrtenkrone umrahmte ein blasses Gesicht von einer eigenen, reinen, siegenden Schönheit.

Sie war still und erwiderte auf Wiebkes Plaudern fast befangen; nur das Augenpaar sprach beredt, als der Bräutigam angekommen war und ihre Hände in den seinen ruhten.

(Schluß folgt.)