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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilaaer Allustrirles SonnEaa-VLatt.

Jo 102

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JnserttonSgcbühr: die gespaltene Zeile oder veren Raum 10 Pfg.

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Marburg

Donnerstag. 3. Mai 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag- Joh. Ang. Koch, llmversttätS-Buchdruckerei 41. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Lelephon 55.

Zweites Blatt.

Neueste Telegramme.

Berlin, 1. Mai, (abends). Die Ent­scheidung über das Volksschulunterhaltungs- gesetz ist in der Kommission gefallen. Mit 13 gegen 7 Stimmen sind die Kornrnissions- beschliisse angenommen worden. Dagegen stimm­ten die Nationalliberalen und die Freisinnigen; das Zentrum enthielt sich, wahrscheinlich aus taktischen Gründen, der Abstimmung; die beiden konservativen Parteien stimmten dafür.

Berlin, 2. Mai. Die Annahme des Reichs­kolonialamts in der dritten Lesung darf als ge­sichert gelten; das Zentrum wird der Reichsre­gierung weitere Schwierigkeiten nicht mehr machen.

Berlin, 2. Mai. Die bereits angekündigte sozialdemokratische Interpellation über die Ausweisung von Ruffen hat folgenden Wort­laut: Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß der Polizeipräsident von Berlin mit Billigung des preußischen Ministers des Innern im Wider­spruch mit den Bestimmungen des Artikels 1 des russischen Handels- und Echifsahrtsvertrages vom 28. Juli 1904 russische Staatsangehörige in Massen des Landes verweist, und was gedenkt der Herr Reichskanzler gegen diese ungesetzlichen Maßnahmen zu tun.

Paris, 2. Mai. DerTemps" teilt mit, daß König Eduard morgen in Paris eintrifft und für Donnerstag vom Präsidenten der Republik zum Diner geladen ist. Der König von England wird drei Tage in Paris bleiben, während die Königin direkt nach London weiterreist.

Christiania, 1. Mai. Der König empfing heute Mittag den neuen deutschen außerordent­lichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Dr. Stübel in feierlicher Audienz, welcher sein Beglaubigungsschreiben überreichte. Unmittel­bar darauf wurde der Gesandte von der Kö­nigin empfangen.

Konstantinopel, 1. Mai. In Akaba und an­deren Orten der Sinai-Halbinsel stehen vier Ba­taillone und eine Batterie. Neue Truppen­transporte werden vorbereitet. Allgemein glaubt man bestimmt an die friedliche Beilegung des Erenzkonfliktes mit Egypten.

Der Kaiserbesuch in Gießen.

Die Stadt Gießen hatte gestern zum ersten- Inal die Ehre, einen deutschen Kaiser in ihren Mauern begrüßen zu können. Zwar waren schon Kaiser Wilhelm I. als König, und Kaiser Fried­rich als Kronprinz vorübergehend in der Stadt anwesend, aber einen festlichen Kaiserbesuch hat­ten die Gießener gestern zum ersten Male und es war deshalb alles aufgeboten worden, soweit

Heer urd Flotte.

V Die Seeereigniffe des russisch-japanischen Krieges haben die erhöhte Bedeutung des Tor­pedowesens für die Kriegsmarine bewiesen. Um dieser nach den gewonnenen Erfahrungen und Lehren auch in'unserer Flotte Rechnung zu tra­gen, wird, wie man derInformation" aus Kie­ler Marinekreisen schreibt, in diesen Frühjahrs­wochen ein neues Uebungs- und Ver­suchsgeschwader formiert werden, deffen besondere Aufgabe es ist, gemeinsame Uebungen mit den in Dienst getretenen Torpedobootsflot­tillen vorzunehmen. Schon im Mai des vorigen Jahres machte man in unserer Flotte nach die­ser Richtung hin einen ersten Versuch, der die Notwendigkeit derartiger Uebungen auch in der Ausbildungszeit der Flottillen ergab. In die­sem Jahre wird der Inspektor des Torpedowe­sens, Kontreadmiral Zeye, diese Uebungen mit oem für diesen Zweck besonders zusammenge- zogcnen Geschwader und den Flottillen persön­lich leiten. Dieses neuformierte Uebungs- und Versuchsgeschwader wird aus Schiffen der Küstenpanzerreservedivision und aus einigen Schulschiffen der Inspektionen der Schisfsartil- lerie und des Torpedowesens bestehen; mit die­sen Fahrzeugen haben die Torpedobootsflottillen einen gemeinsamen Verband zu bilden. Neben der Schulausbildung dieses ganzen Verbandes Unter dem Befehl des Flaggoffiziers sollen auch taktische und strategische Aufgaben zur Ausführ­ung kommen. Man wird daher in diesem Jahr bem Leiter dieser interessanten Aufgaben einen Stab beigeben, um die Admiralsstabsangelegen­heiten bearbeiten zu fontwp. Bei der btzvHv

es die Kürze der Zeit zuließ, die Stadt zum feierlichen Empfang prächtig zu schmücken. Aus der ganzen Provinz Oberheffen und der benach­barten preußischen Enklave waren zahllose Men- schenschaaren in die Stadt gekommen, um den Kaiser zu sehen und zu begrüßen. Um 7 Uhr morgens verließ der Kaiser, wie derE. Anz." meldet, im Automobil, begleitet von seinem Ge­folge Homburg. Die Fahrt nach Gießen erfolgte über Friedrichsdorf, Friedberg, Bad Nauheim, Nieder-Weisel, Butzbach, Kirch-Göns, Pohl-Göns Lang-Göns, Eroßen-Linden, Klein-Linden. In allen Orten waren die Straßen und Gebäude mit Fahnen, Kränzen, Euirlanden geschmückt, ganz besonders auch in den Orten des Kreises Gießen Lang-Göns, Eroßen-Linden und Klein- Linden. In diesen Orten hatten die Vereine und Schulklaffen in den Volkstrachten, der Orts- vorstand vor den Orten, Aufstellung genommen. Eroßen-Linden und Klein-Linden hatten Ehren­pforten errichtet und die Schulkinder trugen Sträuße und Fähnchen. Sehr hübsch war die lebende Ehrenpforte, die in Eroßen-Linden weiß­gekleidete Turner bildeten. Lebhafte Hurra- Hochrufe ertönten, als das Automobil heranfuhr und der Kaiser winkte freundlich lächelnd nach allen Seiten. Die mächtigen Blumensträuße, die die Kinder dem hohen Herrn zugedacht hat­ten, mußten sie zu ihrem Bedauern wieder mit­nehmen, da die Vorbeifahrt ohne Unterbrechung erfolgte.

Schon um 8.23 Uhr traf der Kaiser in Eießen ein und alsdann begannen die Glocken der Kir­chen zu läuten. Am Eingänge der Stadt ent­fernte Ee. Majestät die Schutzbrille von den Augen und setzte einen Helm auf. Im Hof der neuen Kaserne stieg der Kaiser zu Pferde. Der Kaiser ritt dann zum Trieb den Weg an den weiß-roten Erenzpfählen, den eigentlichen Mili­tärweg.

Am Schützcnhaus wurde Se. Majestät von dem Provinzialdirektor Eebeimrat Dr. Vreidert begrüßt, der dort mit dem Rektor der Universi­tät, dem Oberbürgermeister Mecum, den Beige­ordneten und den Stadtverordneten Aufstellung genommen hatte. Der Kaiser reichte dem Pro­vinzialdirektor die Hand, worauf dieser die übri­gen Herren vorstellte.

Geh. Hofrat Profeffor Dr. Behaghel begrüßte den Kaiser im Namen der Landesuniversität mit folgenden Worten:

Wollen Eure Majestät allergnädigst gestatten daß ich Eure Majestät begrüße im Namen der hessischen Landesuniversität, als den erlauchten Schirmherrn der Wiffenschaft, der auf diesem Ge­biete eigene Gedanken hat und modernen Ge­danken und kulturellen Gedanken Raum gibt und Raum schafft.

Der Kaiser dankte in herzlicher Weise, dem Rektor die Hand reichend.

Dann trat der Oberbürgermeister aus der Schar der Stadtverordneten hervor und richtete folgende Worte an Se. Majestät:

stehenden bedeutenden Vergrößerung unseres Torpedowesens, wie diese durch die neue Flot­tenvorlage nun festgelegt ist, faßt man in Ma­rinekreisen die Formierung dieses Uebungs- und Versuchsgeschwaders nur als Uebergang zu einer späteren dauernden Jndiensthaltung größerer Verbände des Torpedowesens auf, wie solche z. B. in der englischen Flotte unter dem Befehl eines Admirals ständig im Dienst sind.

V Aus gutunterrichteten militärischen Krei­sen wird mitgeteilt, daß unsere zu Rohrrück­laufgeschützen umgeänderten Feld­kanonen bis jetzt bei 8 Armeekorps einge­führt worden sind. Es sind dies das Eardekorps, das 8., 13., 14., 15., 16., 18. Korps und das 2. bayerischeArmeekorps. Hieraus ist ersichtlich, daß vorwiegend im Westen, zum Teil an der franzö­sischen Grenze, stehende Armeeteile damit aus­gerüstet worden sind. Wenn nicht besondere Er­eignisse eine Beschleunigung der Geschützliefer­ungen verlangen, ist anzunehmen, daß in etwa 23 Jahren die ganze Armee mit dem umge­änderten Eeschützmaterial versehen sein wird. Ueber das zunächst zu Versuchen hergestellte Ein­heitsgeschoß, das Granat- und Schrapnellwirk­ung miteinander vereinigen soll, erfährt man, daß die Konstruktion der Firma Krupp anschei­nend am brauchbarsten ist. Wenn sich in der Praxis, was abzuwarten ist, Mängel Heraus­stellen sollten, so ist doch anzunehmen, daß man diese bei dem heutigen Stande der Technik besei­tigen kann. Die Nachricht, daß die Franzosen ein Feldgeschütz von einem Kaliber von nur 65 mm einführen wollen, ist vorerst jedenfalls als verfrüht anzusehen. Man scheint sich noch nicht im Prinzip entschieden zu haben, doch

AllcrdurchlauchZgster, großmächtigster Kaiser und Herr! Eure Kaiserliche Majestät wollen mir und den übrigen hier versammelten Mit­gliedern des Stadtvorstandes von Gießen huld­vollst gestatten, Allerhöchstihnen namens unserer Stadt ehrfurchtsvollen und herzlichen Willkom- mensgrutz darzubringen. Leider konnte die Stadt zum heutigen Empfange Eurer Majestät wegen der Kürze der Zeit und der Ungunst der Witterung sich nicht so schmücken, wie sie gern ge­wollt hätte. Welche Freude es aber unserer Bürgerschaft gewährt, Eure Majestät heute an der Spitze Allerhöchstihres Regiments in Gießen zu sehen, das wird beten jubelnder Zuruf besser kundtun, als ich es auszusprechen vermag; aber es sei mir gestattet, dem ehrerbietigen Dank der Stadt warmen Ausdruck zu verleihen.

Unserem Danke fügen wir das Gelübde hinzu daß wir, wie wir uns in Treue fest verbunden fühlen mit unserem geliebten Eroßhetzog und Herrn, so auch allezeit treu zu Euter Majestät, zu Kaiser und Reich stehen, daß wir allezeit gute Bürger des Reiches und des Landes sein wollen!

Wir bitten zu Gott, daß er Eure Majestät segnen wolle mit seinem reichsten Segen zum besten unseres geliebten Vaterlandes!

Der Kaiser dankte, sichtlich erfreut, und er­widerte, er freue sich seht über den herzlichen Empfang und bedauere, daß er zu so früher Stunde gekommen sei und nur so kurze Zeit hier weilen könne. Et freue sich übet das gute Ver­hältnis zwischen Stadt und Garnison, von der ihm der Oberst erzählt habe. Der Oberst habe ihm auch gesagt, daß Gießen eine seht angenehme Garnison sei. Et danke der Gießener Bürger­schaft herzlich für die hübsche Ausschmückung bet Stabt.

Der Kaiser, bet bie Uniform seines hessischen Regiments trug unb sehr frisch und gebräunt aussah, ritt zum Regiment, bas in Parabe- stellung sich befanb, unb ritt bie Front ab. Nach Abreiten bet Front, währenb welcher bet kom- manbierenbe General v. Eichhorn ben Kaiser be­gleitete, trat bas Regiment zum Patabematsch in Kompagniefront an, ber seht gut verlief. Die Truppen kamen in guter Richtung vorbei. Es folgte bann bas Exerzieren vor Sr. Majestät nach bem neuen Reglement unb zum Schluß fanb eine größere Gefechtsübung statt. Die Aufgaben hierzu waren von bem Kaiser gestellt. Zum Schluß fanb nochmals Parademarsch in Regi­mentskolonne statt.

Nun begab sich der Kaiser an die Spitze der Fahnenkompagnie. An die Tete trat das Musik­korps, dann folgten, flankiert von zwei Reihen Unteroffizieren, der Kaiser und der Regiments­kommandeur und bann kam bie Kompagnie. An bet Kitschenallee überreichte Ftl. v. ßinbenau, bie Tochter bes Obersten, einen Blumenstrauß, bet von Seiner Majestät huldvollst mit freudi­gem Lächeln entgegengenommen wurde. So be­wegte sich der glänzende Zug vorn Trieb hinunter

dürften allerdings die Bemühungen bet Artil- leriekonsttukteure in bieset Richtung hin sich be­wegen.

V Ueber ben Bau bes ersten mo- betnen Minenschiffes, bas in Euxhaven stationiert wirb, werben folgenbe Einzelheiten bekannt. Das Schiff ist nach ben Lehren unb Erfahrungen bes russisch - japanischen Krieges konstruiert unb wirb schon badurch in allen sei­nen Einrichtungen ganz iebeutenb von bem bis­her neuesten, im Iahte 1890 erbauten Minen­schiffPelikan" abweichen. Das neue Minen­schiff, welches im Hinblick auf seinen speziellen Vetwenbungszweck nur einen ganz geringen Tiefgang hat, wirb auch erheblich größere Ab­messungen, als bet 2300 Tons großePelikan" aufweisen. Währenb fernerPelikan" als artilleristische Armierung vier 8,8 cm-Eeschütze älteren Mobells führt, werben biese für bas neue Minenschiff als zu schwach angesehen. Ein besonderes Gewicht wird vor allem auf die Totpedoatmietung des neuen Minenschiffes ge­legt, bereu Anschaffungskosten daher doppelt so groß, als die der artilleristischen Armierung sein werden. Eine Torpedoatmietung erhält das neue Schiff nicht. Der Bau dieses auf der Weset- werft hergestellten ersten Kriegsschiffes seiner Art soll so beschleunigt werden, daß es noch im Laufe des Sommers zu Wasser gebracht werden kann, um dann im Herbste dieses Jahres ben Ftontbienst aufzunehmen. Der Bau bes zweiten Schiffes dieses neuen Spezialschifftyps wird in ben nächsten Wochen vergeben werben. Es wird ebenfalls Cuxhaven, ben Sitz bei Inspektion der Küstenartillerie und bes Minenwesens, als Station erhalten. <

durch Grünbetget-, Moltke- und Senckenberg' straße nach der schön mit zahllosen Fahnen uni Fähnchen und Euirlanden geschmückten Zeug­hauskaserne, wo ein Frühstück im Offizierskasino des kaiserlichen Gastes harrte.

Inzwischen und vorher hatte sich eine glän­zende Spalierbildung vollzogen:

Sechsunddreißig Kriegervereine des Bezirks Gießen bildeten Spalier von der Restauration Germania" aufwärts bis zur Kirschenallee mit der Front nach der Chaussee (also nur der Trieb­seite). Dann kamen von der Erünbergerstraße, Moltkestraße bis zur Wiseckbrücke rechts bie höhere unb erweiterte Mädchenschule und die Universität; links: Oberrealschule, Realgymna­sium und Gymnasium; von der Wiseckbrücke bis zur Ostanlage an beiden Seiten die Volksschulen. Auf dem Landgraf Philipp-Platz hatte dir Eailsche Feuerwehr und die städt. Feuerwehr, die Turnerschaft und der Vauersche Gesangverein Bürger-Gesellschaft, Gemütlichkeit, Harmonie, Heiterkeit, Liederkranz, Sängerkranz, Konkordia, Männergesangverein, Maschinenbauer - Gesang­verein, Radfahrerverein 1885, Wanderer, Ger­mania und Fahrbeamtenverein Aufstellung ge­nommen.

An bem Frühstück nahmen außer bem Offi­zierkorps auch teil: Provinzialbirektor Geh. Rat Dr. Breibert, Oberbürgermeister Mecum unb bei Rektor bet Universität Geh. Hofrat Prof. Dr. Vehaghel.

Der Oberst hielt ben Trinkspruch auf ben Kaiser. Der Kaiser erroiberte mit einem Toast auf bas Regiment unb äußerte sich in demselben über das Gesehene äußerst zufrieden. Er er­wähnte, daß das Regiment zuerst nach bem neuen Exerzier-Reglement exerziert und so das neue Reglement gleichsam aus der Taufe geho­ben hätte. Oberst v. ßinbenau erhielt ben Kro­nenorden 2. Klasse.

Das Frühstück war kurz nach y2l Uhr be­endigt, worauf der Kaiser unter begeistertem Jubel des Publikums nach der Bahn fuhr. Um 1 Uhr erfolgte bie Abfahrt bes Kaiserlichen Son- derzuges über Marburg-Cassel nach Potsbam.

Deutjchrö Reich.

Berlin, 2. Mai.

Seine Majestät bet Kaiser begab sich ge­stern, wie an anbetet Stelle ausführlich berich­tet ist, von Homburg nach Gießen unb fuhr von bort um 1 Uhr mittags im Sonderzug nach Potsbam. In Cassel bestieg Kontre-Admiral v. Müllet, ber borthin beordert wat, den kaiser­lichen Zug. Um 10 Uhr 45 Min. abends traf ber Kaiser in Potsbam ein unb begab sich ins Stabtschloß.

Ueber bas Befinden des Reichskanzlers wirb aus Berlin berichtet:Die Blättetmel- bung, ber Reichskanzler siebte Ende der Woche zunächst nach dem Semmering über, wird von unterrichteter Seite als unzutreffend bezeichnet. Fürst Bülow gedenkt vielmehr vorläufig in

Äus Schule und Kirche

Der evangelische Theologieptofeffor Dr. Köhler in Gießen hat eine Schrift veröffentlicht übet:Katholizismus und Reforma­tion. Kritisches Referat Übet die wissenschaft­lichen ßeistungen der neueren katholischen Theo­logie auf bem Gebiete bet Reformationsge­schichte." (Verlag Töpelmann, Gießen.) Auf Gtunb erstaunlicher Belesenheit gibt er einen gebrängten Uebetblick über bie neue katholische Kirchengeschichtsschreibung im weiteren Sinne, in ber Hauptsache bis in die achtziger Iahte bes vorigen Jahrhunbetts zurück, insoweit sie in engerer ober weiterer Beziehung zur Reforma­tion unb ihrer Geschichte steht. Mit geschicht­licher Unbefangenheit übet ben Gegensätzen stehenb, ohne Verleugnung bet persönlichen evangelischen Heberjeugung, sucht K. ßicht und Schatten gleichmäßig zu »erteilen. Et leitet dazu an, bie katholischen Gelehrten von ihrem Stand- puntt aus zu verstehen, er zeigt, wie auch bie protestantische Wissenschaft von ihnen viel zu lernen habe unb wirklich gelernt hat. z. B. die Erkenntnis bet Kontinuität zwischen Mittel- alter unb Reformattonszeit, wie aber auch auf katholischer Seite von bet protestantischen Ge­schichtsschreibung viel gelernt worben ist. Dabei wirb nicht verkannt, baß methobische Kunstgriffe bie abgetan sein sollten, auf katholischer Seite doch immer roieber gehanbhabt werben. Sieht man auf beide Seiten, so rückt man doch in vie­len Punkten auf einet mittleren ßinie im Ve« ständnis der Reformation zusammen. Elfte« lich und gute Aussichten auf eine gewisse Ve« ftänbigung, wenigstens einmal auf Wissenschaft«