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Erstes Blatt
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Joh. Ang. Koch, UmvcrfitätS-Buchdruckerei 41.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Donnerstag, 3. Mai 1906.
mit dem Kreisblatt für Vie Kreise Marburg und Kirchhain
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Neueste Telegramme.
Berlin, 1. Mai. Die Börsenzeitung hört zuverlässig, Generalleutnant v. Schubert, mit dem Verhandlungen wegen der Uebernahme des Arbeitsministeriums gepflogen wurden, habe unter Hinweis auf seine verschiedenartigen Aemter ersucht, von seiner Person abzusehen.
Berlin, 1. Mai. In Lüderitzbucht in Deutsch- Westafrika wird neuerdings der Bau einer Wasserleitung geplant, die aus einem 35 Kilometer von Lüderitzbucht entferntem Kai an der Meeresküste gespeist werden soll.
Kiel, 1. Mai. Der Kaiser hat die Bestimmung getroffen, daß die kaiserliche Pacht „Hohcn- zollern" zum Zwecke des Umbaues am Samstag den 5. Mai auf der hiesigen kaiserlichen Werft außer Dienst gestellt wird. Am gleichen Tage wird die Besatzung nach Hamburg übergeführt Und stellt dort den vom Kaiser gecharterten, für seine Zwecke hergerichteten Salondampfer „Hamburg" am Sonntag den 6. Mai vormittags in Dienst. Für die Vorbereitung zur Indienststellung begaben sich schon der erste Offizier, der leitende Ingenieur, der Schiffsarzt, sechs Detaildeckoffiziere und ca. 50 Mann der Kaiseryacht „Hohenzollern" nach Hamburg. Der Kommandant, Kapitän z. S. Jngenohl, folgt am 4. Mai.
Schwerin, 1. Mai. Der Entwurf einer mecklenburgischen Verfassung soll, wie das „B. T." aus absolut zuverlässiger Quelle erfahren haben will, im Schweriner Ministerium seit einiger Zeit fertig vorliegen. Ueber Einzelheiten dieser Vorlage verlaute bisher nichts näheres: doch sei mit Bestimmtheit anzunehmen, daß es sich dabei um einen Ausbau der ständischen Vertretung handele.
London, 1. Mai. Oberst Sampson ist der Ansicht, daß eine allgemeine Erhebung der Schwarzen in Südafrika bevorsteht. D»e Regierung hat festgestellt, daß auch die Swazi rebellisch gesinnt sind. Die Waffenschmuggel im Zu- lulaud soll florieren.
Das Erdbeben m Kalifornien.
Aus Oakland wird gemeldet, daß der Gesundheitszustand trotz des feuchten Wetters zurzeit noch gut ist, aber die Aerzte befürchten wegen des schlechten Trinkwassers und der Zerstörung der Kanalisation den Ausbruch einer Ty- phus-Epidemie. Die Benutzung aller Aborte in San Francisco ist verboten. Die Hausbesitzer wurden angewiesen, Latrinen in Höfen und Gärten zu graben und, wo diese fehlen, sie mitten auf der Straße auf dem Fahrdamm zu errichten. Dieser Zustand dürfte noch Wochen dauern. Behufs sanitärer Kontrolle versuchen die Behörden, alle Obdachlosen in dem Zeltlager der Militärreservation Prästdio zu sammeln, wo bis jetzt 15 000 Personen untergebracht sind. In Oakland beginnt man jetzt, sich für die gehabten Verluste schadlos zu halten. Seit 48 Stunden sind dort angesichts des Bestrebens der Geschäftsleute aus San Francisco, üch Woyn- ungen und Bureaus zu sichern, die Mieten um das Fünffache gegen früher gestiegen. Es herrscht allgemeineTeurung, normal sind nur die Preise der Viktualien wegen der teilweise un- entgeltlickien Abgabe von Rationen. Für Automobile, die bei der Bekämpfung des Feuers ebenso wie seither unschätzbare Dienste leisten und sich von nie geahntem Nutzen erwiesen, bezahlt zum Beispiel selbst das Rote Kreuz täglich 75 Dollar! Auch die Lokalpresse weist jetzt auf die Verschwendung, ja sogar auf die Unterschlagung hin, die mit den Mitteln der Hilfsaktion getrieben werden, und setzt ihre Angriffe gegen Roosevelt wegen dessen Entscheidung über Annahme und Verwendung von Hilfsgeldern fort. Die Truppen erhielten wieder Befehl, auf die Schatzgräber zu schießen. Die meisten Besucher San Franciscos suchen in den Ruinen nach Wertsachen, sogar wohlhabende Leute in den hiesigen Hotels zeigen solche herum, die namentlich aus dem Chinesenviertel und den Millionärsheimen auf dem Nobhügel stammen.
Newyork, 1. Mai. In San Francisco wird der Gesamtverlnst auf 300 Millionen Dollars beziffert, die Versicherung auf 190 Millonen Dollars. Angesichts der Lage mehrerer Gesellschaften scheinen viele Versicherte geneigt zu sein, Vergleiche zu geringeren als den Policesummen einzugehen.
Umschau.
Bon den Handwerkskammern.
Der Deutsche Handwerks- und Eewerbekam- mertag schreibt: „In mehreren Tagesblättern wurden in letzter Zeit an den Etat einiger Handwerkskammern Bemerkungen geknüpft, die eine zutreffende Würdigung der Tätigkeit der Handwerkskammern vermissen lassen. Es ist nicht angängig, die Verwaltungsunkosten der Handwerkskammern rein schematisch den in Eeldbei- hilfen für Fortbildungs- und Fachschulen, Gewerbe-Ausstellungen, Lehrlingsheimen, Meisterkursen, Genossenschaftswesen usw. bestehenden
Ausgaben gegenübcrzustellen und lediglich die letztern als der Förderung des Handwerks dienend zu bezeichnen. Denn außer der eigentlichen Vertretung der Interessen des Handwerks in Gestalt von Mitteilungen, Gutachten, Wünschen und Anträgen an Behörden und der Erstattung eines Jahresberichts ist den Handwerkskammern die Aufgabe zugefallen (§ 103 e der Reichs-Ee- werbe-Ordnung), das Lehrlingswesen zu regeln, die Durchführung der für das Lehrlingswesen geltenden Vorschriften zu überwachen und Prüfungsausschüsse zur Abnahme der Gesellenprüfungen zu bilden. Die einen großen Teil der Arbeitskraft der Handwerkskammern in Anspruch nehmende Erfüllung dieser Aufgaben, die in erster Linie dem gewerblichen Nachwuchs, aber später indirekt dem ganzen Gewerbe einschließlich der nicht zur Organisation des Handwerks gehörenden industriellen Unternehmungen in Gestalt tüchtiger Gehilfen zugute kommt, bildet ohne Zweifel eine wesentliche Förderung des deutschen Eewerbefleißes, wenn man ihren Nutzen auch nicht in Mark und Pfennig ausdrücken kann. Wie heilsam die Tätigkeit der Handwerkskammern auf dem vorher arger Verwahrlosung anheimgcfallenen Gebiete des Lehrlingswesens ist, zeigt sich in den von Jahr zu Jahr besser werdenden Ergebnissen der Gesellenprüfungen. Ferner wird man auch die Kosten der von einer Reihe von Handwerkskammern herausgegebenen Zeitschriften, soweit sie nicht durch die Einnahmen aus Abonnements und Inseraten gedeckt werden, als gewerbefördernd bezeichnen müssen, da diese Organe nicht nur die amtlichen Veröffentlichungen der Kammern enthalten, sondern sich auch in hervorragendem Maße die Belehrung der Handwerker in gewerblichen Rechts- und Fachfragen zur Aufgabe machen, ganz zu schweigen von der erheblichen Inanspruchnahme des Sekretariats der Kammern zur mündlichen und schriftlichen Rat- und Anskunftserteilunq in Rechts- und anderen Fragen. Endlich sind auch die den Kammern erwachsenen Reisekosten unter dem gleichen Gesichtspunkte zu bewerten, da sie zum größten Teil der Abhaltung von belehrenden Vorträgen, der Errichtung von Fach- und Fortbildungsschulen und der Gründung von gewerblichen Genossenschaften dienen. Wenn man alle diese positiver Eewerbeförderung gewidmeten Ausgaben der Handwerkskammern von den auf die Vertretung der wirtschaftlichen Interessen des Handwerks entfallenden Ausgaben isolieren könnte, so würde sich für die ersteren ein wesentlich höherer Prozentsatz ergeben, als bei der oben erwähnten rein mechanischen Gruppierung der einzelnen Positionen."
Deutsches Reich.
— Die Jsteinnahme an Zöllen und Ber- brauchssteuern hat für das Finanzjahr 1905 nach den ersten, später wohl noch in etwas zu berichtigenden Feststellungen 945,3 Millionen Mark oder 114,0 Millionen Mark mehr als im Finanzjahre 1904 betragen. Das Mehr ist hauptsächlich
durch die Zolleinnahme hervorgerufen. Nicht weniger als 132,9 Millionen Mark haben die Zölle mehr erbracht und von der letzteren Summe fallen 34,3 Millionen Mark sogar auf den Monat März, also den ersten Monat nach der Einführung des neuen Zolltarifs. Außer den Zöllen haben ein Mehr ergeben die Maischbottichsteuer von 3,3 Millionen Mark, die Brau- steuer von 1,3 Millionen Mark, die Tabaksteuer und Salzsteuer von je 1,2 Millionen Mark, sowie die Schaumsteuer von 0,3 Millionen Mark. Dagegen hat die Zuckersteuer ein Weniger von 15,2 mnd die Branntweinverbrauchsabgabe ein solches von 12,4 Millionen Mark zu verzeichnen. Für den Finalabschluß ist jedoch das Verhältnis der Einnahmen zum Etat weit wichtiger als das zum Vorjahre. Hier stellt sich die Rechnung nicht ganz so günstig, aber auch nicht so ungünstig, wie bei der Aufstellung des Etats befürchtet werden mußte. Zölle und Verbrauchssteuern sind in den Etat für 1905 mit 881,1 Millionen Mark eingestellt. Ihnen stehen unter Abzug der im Etat nicht verrechneten Brennsteuereinnahme 942,9 Millionen Mark gegenüber. Es hat sich demnach ein lleberschuß von 61,8 Millionen Mark ergeben. Dabei verzeichnen die Zölle ein Mehr von 84,9 Millionen, die Tabaksteuer ein solches von 1,2, die Brausteuer von 1,1, Salj» steuer und Maischbottichsteuer von je 0,3 und Schaumweinsteuer von 0,2 Millionen Mark. Die Zuckersteuer hat gegen den Etat 16,9 und die Vranntweinverbrauchsabgabe 9,2 Millionen Mark weniger erbracht. Von den anderen Einnahmequellen des Reiches, über die Ausweise jetzt schon vorliegen, sind zunächst die den Einzelstaaten zu überweisenden Reichsstempelabgaöen zu erwähnen. Sie haben insgesamt 83,8 Millionen Mark oder 12 Millionen Mark über den Etatsanschlag ergeben. Der lleberschuß ist in der Hauptsache auf die Börsensteuer zurückzuführen, die insgesamt 50,4 Millionen, den bisherigen Höchstbetrag, oder 20,4 Millionen Mark über den Etat erbracht hat, aber auch der Schiffsfrachtenurkundenstempel hat nahezu 0,2 Millionen Mark mehr abgeworfen. Dagegen ist die Losesteuer mit 8,6 Millionen Mark hinter dem Etatsanschlage zurückgeblieben. Die Post- und Telegraphenverwaltung warf 526,9 Millionen oder 9,8 Millionen Mark über den Etat und di« Reichseisenbahnverwaltung 180,8 Millionen Mark oder 4,5 Millionen über den Etat ab. Bei den letzteren Betriebsverwaltungen spielen aber für den Reinüberschuß nicht bloß die Einnahmen, sondern auch die Ausgaben eineRolle. JmEroßen und Ganzen wird man das bisher festgestellte Finanzergebnis für 1905 als ein nicht ungünstiges bezeichnen können. Man wird wenigstens annehmen können, daß die für 1904 und für 1905 gestundeten Matrikularbeiträge aus den Ueber- schüssen zum allergrößten Teile gedeckt werden können. Die Einzelstaaten werden also nach dem Finanzergebnis für 1905 nicht ganz so schwer belastet zu werden brauchen, wie dies früher angenommen werden mußte.
85 (Nachdruck verboten.)
An der dänischen Grenze.
Roman von Dietrich Theben.
(Fortsetzung.)
Der Stürhofer nickte mechanisch.
' „Bauern, der vom Hoyerhof, der hat zwei Gesichter, llnd das wahre davon, das hat er der Mamsell gewiesen.... Hats da an die Läden geklopft oder war das der Wind?"
„Geklopft? Meinst, es will einer durchs Fenster? Dafür ist doch die Tür da, und die ist doch Nicht verriegelt."
„Vielleicht gehts um bei Dir!" rief einer dem Wirt zu.
Ein Neugieriger ging hinaus, um nach dem Wetter auszusehen.
Die Haustür wurde ihm beim Oeffnen heftig entgegengeworfen, und kalte, spitzige Kristalle sprühten ihm ins Gesicht.
„So was!" stieß er verblüfft aus und kehrte um „Eine Neuigkeit!" sagte er drinnen. „Schnee- .tretben Ganz tüchtiges. Alles ist weiß!"
„llnd der Sturm?"
„Ungemütlich. Vrrr, das wird kein schlechter Seegang fern."
, „llnd der Vollmond!" sagte der Aengstliche.
! „Der ist doch erst morgen!"
i „Ja, wenn auch. Auf'n Tag kommts nicht an."
1 „Bangbüx!" schalt Jebsen ärgerlich. „Mach doch daß Du heim kommst."
i „Das werde ich auch."
Dem einen folgten andere. Auf dem Flur Sogen sie die Rockkragen hoch und stießen Rufe aus, wenn die ersten Luftwellen sich ihnen in der Ausgangstür entgegenstemmten.
Als Letzter ging Sven Stür und hatte Mühe, Segen den Sturm aufzukommen, dem er gerade /tnt gegen mußte.
; Die feinen Schneekristalle sammelten sich auf ‘(einer Kleidung und hüllten ihn naß und kalt
ein. Der Sturm riß und stieß heulend um den Wanderer, und von der See her dröhnte ein Branden und Donnern ins Binnendeichland.
Stür war froh, als er das schützende Dach erreicht hatte.
Am Morgen regnete es. Das schwarze Erdreich war bloßgewaschen, und der nur wenig verminderte Sturm peitschte das Regennaß trommelnd gegen die Fenster. Don den Strohdächern flössen Bäche platschend auf die Erde: unter den Hoftüren durch drang das Wasser auf die große Diele und sammelte sich in blinkenden Lachen.
Vis gegen Mittag herrschte eine Dunkelheit, daß der Stürhofer selbst in unmittelbarer Fen- sternähe kaum seine Zeitung entziffern konnte; jeden Fernblick verlegte ein grauer, undurchdringlicher Regenschleier.
Als Sven Stür sich von seinem Nachmittagsschläfchen erhob, fiel ihm ein Phosphoreszieren in der Luft auf, das ihm nicht gefallen wollte, und die Silber- und Sturmmöven schossen unruhig und kreischend in niederem, taumelndem Fluge.
„Hat der Sturm wieder zugenommen?" fragte der Stürhofer seine den Kaffeetisch deckende Schwiegertochter.
„Das wird wohl nichts machen, Vater," antwortete sie mit der gewohnten guten Freundlichkeit in Ton und Blick. „Ocko meint auch, daß das noch die Nacht durch geht; aber morgen früh, da flaut es wieder ab, Vater."
Was ihr von Ocko eingegeben wurde, darauf baute sie.
Aber der alte Stür war nicht so gläubig.
. Er knöpfte sich das dicke Jackett zu und zog seine Mütze fest bis über die Stirn.
„Vater, wohin denn — trink doch erst Deinen Kaffee."
„Ich komme gleich wieder, Deern."
Er kletterte die steile Jnnenböschung des Deiches hinan und neigte den Körper nach vorn, um nicht von dem Sturm hintenübergerissen zu
werden. Und oben auf der Kappe mußte er die gleiche Vorsicht anwenden.
Das graue Auge forschte über Himmel und Wasser. Die See ging hoch, und die schäumenden, brandenden Wogenberge wälzten sich drohend über das Butenland. Noch zerrannen sie in einigen hundert Metern Entfernung; aber jagten Flut und Sturm noch immer neue Wassermassen heran, so mußten sie in nicht zu ferner Zeit bis an den Fuß des Deiches spülen — und ließ die Gewalt der vereinten Kräfte auch dann nicht nach, so konnte es auf eine nicht ungefährliche Probe der Schutzfähigkeit der Deiches hin- auskommen.
Der Regen wurde vom Sturme hochgetragen; bald stand der Beobachter fast im Trockenen, und der graue Wasierschleier flog über ihn hinweg, bald fühlte er sich von schülpenden Mengen wie aus Eimern überschüttet und hörte ein Rinnen und Platschen an sich wie von den Dächern der Häuser... Und über dem Außendeichland und fern über der See das fahle Leuchten wie landeinwärts und am Himmel eine Stimmung von Weißgrau und rauchigem Vrandgelb...
Stür kehrte pudelnaß ins Haus zurück, wollte aber Wiebkes Bitten, die Kleider zu wechseln, nicht nachgeben, nahm nur ein paar Schluck wärmenden Kaffees zu sich und blätterte bann unruhig in einem Kalender. Nach kurzem Suchen legte er den Finger unter die Ziffer des Monatstages, glitt damit die Zeile entlang und fand an ihrem Ende das runde Mondgesicht als Zeichen der Vollmondphase. Er schob das Buchheft still wieder an seinen Platz auf dem alten Schreibzylinder und starrte gedankenverloren durch die blanken Fensterscheiben, an denen der Regen unablässig niederfloß. Die Gräben im Binnenlands schienen angeschwollen, und auf den Ackerflächen bildeten sich Tümpel und kleine Seen.
Als das Regentrommeln einmal verstummte, schlugen Hagelschlossen gegen die Fenster, und
für Minuten deckte eine Schicht schmelzender Eiskörner den überschwemmten Erdboden. Die Schlossen prallten durch den Schornstein in das aufzischende Herdfeuer, und der auf dem gleichen Wege niederdrückende Sturm ließ di« Flamme so breit über den Herd lecken, daß eine von den Mägden, die in der Nähe beschäftigt waren, mit einem Kreischen zurücksprang.
„Hui, hab Dich nicht!" wurde ihr laut lachend zugerufen, und der Lärm zog auch Wiebke an.
Sven Stör nahm ihre Abwesenheit wahr.
„Geh Du nachher mal auf den Deich," sagte er zu Ocko. „Das Sturmrasen — und so lange — das kann mehr Wasser ansammeln, als uns lieb ist--und bann ist ba so 'n Licht — im
Binnenlanb auch — bas mir verdächtig ist. Ober — seh ich bas allein? Du nicht?"
„Doch, mir ist bas auch so," bestätigte Ocko ernst. „Bloß Wiebke nichts sagen, Vater. Die ist ja auch an bet Küste groß geworden unb traut auch nicht recht, ob bie See uns nicht wieber mal ihre Macht fühlen lassen will. Ich hab ihr bas aber ausgerebet, unb nun barfft Du Dir auch nichts merken lassen."
„Nein, weiß schon."
Die beiben Männer fuhren plötzlich zusammen. Die Haustür ging schrill klingend unb würbe knallenb wieder zugeschlagen. Ein polternder Schritt kam über Sie Fliesen, bie Stubentür würbe auf gerissen — eine triefenbe Mannesgestalt ftanb vor bet Oeffnung.
„Störs, auf!“ schrie bet Ankömmling. „Ein Schiff in Not. Menschen in Gefahr! Nach der Kirche zu?"
Unb im Nu war bet Unheilsbote wieder hinaus in Sturm und Wetter.
Einen Augenblick faßen die Männer wie gebannt. Ein Schiff verschlagen —r das war lange nicht vorgekommen.
Ocko sprang zuerst auf. 7 ■ '
„Menschen in Gefahr!" Da gab es kein Besinnen.