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rmd Kirchhain.
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Marburg
Mittwoch. 2. Mai 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, llniversitätS-Buchdruckerei 41. Jahra.
Marourg, Markt 21. — Telephon oo.
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„Oberhefsische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern ent- gegengenominen.
Neueste Telegramme.
Berlin, 1. Mai. Die deutsche Regierung hat zum 28. Juni Einladungen zu einer Konferenz betreffend die Funkentelegraphie ergehen lasten. Eingeladen sind außer den an der Vorkonferenz beteiligt gewesenen Staaten, nämlich Frankreich, Großbritannien, Italien, Oesterreich-Ungarn, Rußland, Spanien und den Vereinigten Staaten von Nordamerika, noch Egypten, Argentinien, Belgien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Dänemark, Griechenland, Japan, Mexiko Monaco, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Persien, Peru, Portugal, Rumänien, Schweden, Siam, Türkei und Uruguay. Als deutsche Vertreter sollen an dieser Konferenz teilnehmen Staatssekretär Krätke, Unterstaatssekretär Sobow u. a.
Berlin, 1. Mai. (Mitteilungen des Kriegsministeriums über die Fahrt der Truppentrans- portschiffe): Dampfer „Neckar" mit der ostasiatischen Besatzungs-Brigade ist am 28. April wohlbehalten in Cingapore eingetroffen, am 29. nach Colombo weitergegangen. — Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Zahlmeister-Aspirant Julius Wenda, geboren in Przyrowo, früher Infanterie-Regiment Nr. 116, ist am 22. April am Gausoh-River gefallen,' Kopfschuß.
Berlin, 1. Mai. Der Gouverneur von Kiau- tschou, Admiral Truppe!, wird sich nicht, wie gemeldet, im Mak, sondern erst Anfang August nach Tsingtau begeben,' der stellvertretende Gouverneur von Semmern versieht bis dahin die Eouvernementsgeschäfte weiter und tritt die Heimreise erst nach Eintreffen des Admirals Truppe! an.
Straßburg, 1. Mai. Wie zuverlässig verlautet, ist ein- Gesetzentwurf itv Vorbereitung, wonach an Stelle des Kaiserlichen Rates vom Jahre 1907 ab in Elsaß-Lothringen ein Verwaltungs-Gerichtshof eintreten soll.
Rom, 30. April. Das italienische Blatt „Eorriere della Sera" in Mailand teilt mit, daß der Eeneralvikar der Jesuiten die frühere Kaiserin Eugenie veranlaßt habe, ihr ganzes
Bl iNachdruck verboten.)
An der dänischen Grenze.
Roman von Dietrich Theben.
(Fortsetzung.)
„Schön, und wenn Du was nicht willst, dann stell das Trommelfell gefälligst ab. Also, was Deine Tochter gemacht hat, das geht uns nichts an, und davon will ich den Mund halten, weil Du den Deinen schon deutlich genug aufgetan hast. Aber was das mit dem Neuen ist, da kannst Du uns nicht verwehren, wenn wir unser kräftig Sprüchlein dazu geben. Und da mein ich, daß der bei uns eingebrochen ist und wir nicht Nötig haben, mehr zu tun, als ihn — so notdürftig und notgedrungen — auf seinem Horste zu dulden. Aber bloß da. Nicht, wie es Fre- deriksen und Tofohr und andere machen, unter uns. Ich hab beit eingebildeten Kerl noch nie für voll gehalten, und so solltet es Ihr auch machen. Oder, paßt es Euch, was der Neu- modiche mitgebracht hat? Oder wie er sich auf- spielt? Der Vorknecht ist ja wohl ein Cchul- sreund von ihm gewesen; aber zu den anderen TÄnr'8«t”ir"?e“ und zu den dummen
A’?1! ; Und Wagenladungen Buschwerk M ei sich holen lagen und rund um den Hof in die Erde gesteckt wo jeder Halbwegs Ver- nunstige ihm hatte sagen können, daß das hier bei uns nicht fortkommt. Und wenn was in der ^Gemeinde ist — er ist immer dabei. Und immer 'voran. Unser Schulmeister — so 'n junger Mensch, unverheiratet, bei Hansen in Kost, fast nie zu Haus — was braucht der in seinen beiden Ctuben Oefen? Da ist doch das Schulzimmer beheizt, und wenn er da nicht sitzen will, ist ein Ofen — in einer der Stuben — der doch da ist, Acht genug? Ach nein, da kommt der große Herr vom Hoyerhof, läßt die Fenster neu verkitten und läßt auch 'nen zweiten Ofen für den perrn Schullehrer setzen. Großmütig aus seiner K^lisch«, weil» im Gemeinderat nickt durchgedrun
gen war. Aber was wir davon haben? Das Holz und den Torf, die hat er nicht geliefert, die können wir anfahren lassen. Und nun hat er auch noch den Pastor vorgenommen, und dem ins Ohr gesetzt, unser Kirchturm müße ein neues Dach haben, sonst flöge das alte eines Tages runter, und das könnt 'n Unglück geben. Hat einer von Euch das schon gesehen, daß da> alte schlecht ist? Ich nicht. Gut — ja, das ist was anderes. Das ist es wohl auch nicht. Aber nun gleich alles runter, neu drauf--ja, und
die Kosten, wer soll die tragen? Wir, die Gemeinde. Als ob wir alle die Taler in Säcken stehen hätten und sonst nichts zu tun hätten, als sie auf den alten Turm hinaufzuschleppen. Wollen wir uns das bieten lasten? Ist er Dachdecker gewesen, daß er mehr versteht als wir? Ich will meinen Beutel nicht leer machen lasten. Wer wills von Euch? Keiner? Als dann doch gegen ihn! Wenn Versammlungen sind — oder wo es sonst sein kann! Sagt er ja, Ihr nein! Wer macht mit?"
Die Zustimmungen kamen ziemlich von allen Seiten.
„Und Du, Sven?"
Stür schielte. .
„Du bist doch kein Hausnarr? Kannst Dir die Antwort nicht selbst geben?" knurrte er.
„Ja, das hätt' ich können," fuhr der mundfertige Redner fort. „Aber deshalb brauchst Du nicht zu schnauzen. — So, das wäre das Eine. Ihn nicht hochkommen lasten! Danach das Zweite. Unser Pastor hält schon zu viel von ihm. Ich nenn bloß den. Bei dem Landrat und der Regierung wird er sich wohl auch einen weißen Fuß gemacht haben. Da muß ihm ein Strich durch gemacht werden. Und dazu ist es Seit--Wo willst Du denn hin?" unterbrach
er sich, zu dem Wirt gewendet.
Der Sturm schien im Anschwellen, und er fauchte und rückte gegen die bleigefaßten Fenster, daß Jebsen hinausging, um die schützenden Holzläden vorzulegen.
Vermögen im Gesamtbeträge von 250 Millionen Francs dem Heiligen Stuhl zu vermachen. Das Testament soll sich bereits in den Händen der Jesuiten befinden.
Paris, 30. April. Der Fürst von Monaco richtet an den Kultusminister Vriand ein Schreiben, in welchem er mitteilt, daß er den Entschluß gefaßt habe, sein Institut für Meeresforschung in Paris zu errichten und ihm das Oceanographifche Museum in Monaco mit den Laboratorien und Sammlungen zum Geschenk zu machen, und in welchem er ein Kapital von 4 Millionen zusichert. Die Leitung des Instituts wird einem vollkommen internationalen Komitee anvertraut werden, das aus den hervorragendsten Oceanographen zusammengesetzt werden wird.
Das Deutschtum in Südtirol.
Als vor nunmehr einem Vierteljahrhundert der „Allgemeine Deutsche Schulverein zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande" anfing seine segensreiche Tätigkeit zu entwickeln, da waren es neben dem siebenbürgischen Deutschtum ganz besonders die Gebiete zu beiden Seiten der Etsch, die seine Aufmerksamkeit auf sich zogen. Es waren nur noch schwache Uebcrbleib- sel des einst auch in diesen Gegenden bodenständigen Deutschtums, um die es sich handelte: Sprachinseln in abgelegenen Tälern oder auf spärlich bewohnten Hochflächen, aber ein geheimnisvoller geschichtlicher Zauber schien auf ihnen zu ruhen, man hielt ihre Bewohner für Abkömmlinge der Goten und Langobarden, die etwa in den Tagen der Völkerwanderung hier sitzen geblieben seien oder Zuflucht gesucht hätten. War das nun auch eine romanische Illusion und sind die Deutschen in welscher Umgebung so gut bajuwarischen Ursprungs wie die anderen Tiroler, so wollen wir ihn doch nicht schelten, diesen liebenswürdigen Irrtum, der das werktätige nationale Interesse auf die versprengten Reste unseres Volkstums da drunten hingelenkt hat.
Lange genug schien es, als wenn verhältnismäßig hohe Opfer und viel redliche persönliche Arbeit hervorragend tüchtiger Männer doch nur ziemlich bescheidene Erfolge zu erzielen imstande seien. Stimmen erhoben sich, auch im Schulverein selbst, die von einem nutzlosen Bemühen verlorene Posten zu halten abrieten. Und charakteristisch genug: in Tirol trug man dieser doch spezifisch tirolischen Schutzarbeit gegenüber eine vollendete Gleichgiltigkeit zur Schau. Was geschah und geleistet wurde, ging von reichsdeutscher Seite aus.
Ein überraschender Wandel ist in diesen Verhältnissen eingetreten. Der Wechsel ist so plötz
lich, daß er dem Außenstehenden ganz unvermittelt erscheinen muß. In Wirklichkeit freilich handelt es sich um die langsam gereifte Frucht einer naturgemäßen Entwicklung, die im wesentlichen auf wirtschaftliche Motive zurückgeht. Die südtirolische Bevölkerung ist arm, sie produziert wenig und ist mit ihrem Erwerb auf die Wanderung in deutschsprachige Gebiete angewiesen. Eben deswegen ist aber die Kenntnis des Deutschen so nötig wie das liebe Brot. Das ist nicht erst seit heute so, aber es wird heute stärker empfunden. Früher erteilte der italienische Geistliche im Winter seinen Pfarrkindern deutschen Unterricht, um ihnen das Fortkommen zu erleichtern. Heute möchte er ihnen einreden, daß sie das Deutsche entbehren könnten. Sie aber wissen es besser und verlangen nach deutschem Unterricht. Ein Ruf nach deutschen Schulen geht durch die italienische Landbevölkerung Südtirols, der die Irredentisten in den Städten zittern macht. Ist dieser Ruf allgemein im italienischen Südtirol, so tritt er doch besonders stark in Orten zutage, in denen noch die Erinnerung an ihr einstiges, vielleicht noch zuMen- schengedenken abhanden gekommenes Deutschtum fortlebt, Orten wie St. Sebastian, Folgaria Mezzamonte u. a. Mögen auch die Signori wie die Preti im Verein gegen die „lutherischen" Schulen hetzen, — die Bewegung ist stärker als die Macht ihrer Phrasen und es ist besonders zu begrüßen, daß sie einen Rückhalt findet an der mächtigen deutschen Strömung, die heute durch das deutsch-tirolische Land geht und ihren Mittelpunkt in dem vor einem Jahre gegründeten, inzwischen bereits zu einer vielverzweigten Organisation aufgeblühten Tiroler Volksbunde findet.
Deutsch:? Nerch.
Berlin, 1. Mai.
— Seine Majestät der Kaiser hörte gestern Montag Vormittag, wie aus Homburg v. d. H. gemeldet wird, den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts. Nachmittags unternahmen der Kaiser und die Kaiserin mit der Prinzessin Viktoria Luise und den Damen und Herren des Gefolges sowie dem Geheimen Oberbaurat Vrofessor Jakobi einen Ausflug nach dem Altkönig in Automobilen. Heute Dienstag Vormittag 9 Uhr traf der Kaiser, wie schon gestern angekündigt wurde, in Gießen ein, um sein dort garni- sonierendes Infanterie-Regiment Nr. 116 zu besichtigen. Im Anschluß hieran begibt sich der Monarch vom Exerzierplätze in die Stadt und nimmt in der alten Kaserne im Kreise des Offizierskorps das Frühstück ein. Seine Abreise von Gießen nach Berlin ist auf 1 Uhr mittags festgesetzt. — Am 4. Mai wird der Kaiser zum Besuche der Fürstlich Fürstenbergschen Familie in Donaueschingen eintreffen und dort bis zum
Als er zurückkehrte, stieß der Wind durch die offene Flurtür bis in die Gaststube, fuhr kalt über die Köpfe und ließ die Hängelampe hoch aufblaken.
Den Unheilsahner ergriff wieder eine Unruhe, und auch die anderen sahen etwas fragend auf den Wirt.
„Na, es ist lustig," sagte Jebsen beruhigend. „Oktober und März, — Ihr wißt ja, die wollen sich auspusten."
Der Sprecher wurde ungeduldig.
„Also, wo ich stehen geblieben war — daß es jetzt Zeit ist. Ich bild mir nicht ein, daß ich scharfsinniger bin, als Ihr seid. Aber eine Fuhre Weizen, die möcht ich gegen einen Sack setzen, daß das mit der Mamsell nicht ganz richtig ist. Sven, Du kennst uns — nichts gegen Dein Mädel. Aber der verdient die nicht. Willst Du was einwenden?"
Der Befragte schwieg finster.
„Das wollt ich auch meinen, Sven. Deine Karen, die hätt' einen anderen haben können — der hat sie — und die Mamsell — betört. Die Mamsell, die hat er mitgebracht; und die ist ihm leid geworden. Und darüber hat die den Verstand verloren. Sven, Deine Karen ist ihm nach der gut!"
Der Stürhofer nickte mechanisch.
Ein vielstimmiger Schrei übertönte das Brüllen des Sturmes, und Hunderte angstvoller Augen waren weit geöffnet auf den Schreckenskampf gerichtet, den schwache und überanstrengte Menschenkraft gegen das Meerestoben ausfocht
„Zu Hilfe!" drängte Ocko.
„Nein! Die Boote prallen gegeneinander und zerschellen beide!" entgegnete Behrend fest.
„Nein, es geht nicht!" wurde ihm beigestimmt. „Aber kippt die Schale — dann los!"
Noch eine entsetzliche Viertelstunde dauerte der Kampf, und mehr als einmal schien das gierige Meer seine Opfer rettungslos in die Tiefe gezogen zu haben. Aber immer wieder und immer näher tauchte das Boot auf, bis eine
9. morgens verweilen, worauf über Karlsruhe die Weiterreise nach dem Reichsland erfolgt.
— Die Kommission zur Vorberatung der Diätenvorlagsn ist im Reichstage gewählt und wird demnächst ihre Arbeiten beginnen. Er dürfte deshalb zweckmäßig fein, darauf aufmerksam zu macken, wie die beiden Vorlagen ent« standen sind. Die Anwesenheitsverhältnisse im Reichstage entwickelten stch allmählich in einer Weife, die die Kontinuität der Eesetzgebungs- aktion in Frage stellte. In den Kommissionen wechselten die Mitglieder derart, daß viele von ihnen, die zu Anfang der Verhandlungen zugegen waren, an deren Schluß durch andere ersetzt waren. Im Reichstagsplenum mußten die Sitzungen manchmal wegen Beschlußunfähigkeit unterbrochen werden, über die wichtigsten Gesetze wurde vielfach von einer schwachen Minderheit votiert. Der Reichstag selbst hatte di« schweren Mängel in der Eesetzgebungsaktion erkannt und Abhilfe durch Gewährung von Anwesenheitsgeldern verlangt. Wenn die Regierung sich nach einigem Zögern entschloß, dem letzteren Wunsche nachzukommen, so ist sie dabei, wie noch am Donnerstage vom Grafen Posa- dowsky in der Reichstagssitzung betont wurde, hauptsächlich von dem Gesichtspunkte ausgegangen, durch ihre Vorlagen nun auch tatsächlich eine Beschßfähigkeit des Hauses und damit die Kontinuität in der Gesetzgebungsaktion für die Dauer schaffen zu helfen. Würden diese Ziele nicht erreicht werden, so würde für die Regierung auch das Interesse an den Vorlagen fortfallen, und sie würden nicht erreicht werden, wenn der Reichstag dem Wunsche einiger seiner Mitglieder nachgeben würde, die Grundlagen der Vorlagen zu beseitigen oder so umzugestalten, daß ihre Wirkung gleich Null wäre. Es ist anzunehmen^ daß als eine dieser Grundlagen die Anwesenheitskontrolle erachtet wird. Man hat sie als ein des Reichstages unwürdiges Verfahren bezeichnet. Daß dies nicht der Fall sein kann, beweist die Tatsache, daß doch jetzt schon in den Kommissionen die A"wesenbeit der Mitglieder festgestellt wird. Wie aber dem Wunicye des Reichstages auf Gewährung von Anwesenheitsgeldern anders als durch die Kontrolle der Anwesenheit stattgegeben werden könnte, ist nicht abzusehen. Es ist, den geschilderten Zwecken der Vorlagen nach, weiter anzunehmen, daß zu den Grundlagen die Abzüge von dem Pauschquantum infolge Fernbleibens von den Sitzungen gehören. Im Reichstage ist darauf aufmerksam gemacht, daß solche Abzüge ungerecht wirren würden in den Fällen des Krankseins und der Beschäftigung in Kommissionen des Reichstages oder in solchen, die mit ihm zusammenhängen. Mag fein, aber einmal stehen den kleinen, übrigens doch mit jeder solcher Vorlagen verbundenen Unannehmlichkeiten die großen Vorzüge der Gewährung des Pauschquantums auch für die Ferien gegenüber, sodann würde bei einer Beseitigung der Abzüge gerade der auf die Erzielung einer erhöhten Anwesenheitsziffer gerichtete Zweck der Vorlage hinfällig werden
mächtige Woge es so dicht an den Teich warf, daß schon ein ersticktes Jubeln die Spannung zu lösen begann. Mit Sekundenschnelle wurde es nochmals zurückgerissen, heisere Hilferufe der Ringenden erschütterten die Herzen der machtlosen Zuschauer.
Da plötzlich war es wieder und abermals wurde es von dem schäumenden Berge gegen den Deich zu geschleudert. Mit zwei, drei Sprüngen stand der Hoyerhofer abgesondert von den anderen, er hob den Arm — und ein mit einem Stein beschwertes Tauende flog zu den verzweifelt Ringenden hinüber und wurde von ihnen glücklich erfaßt. Behrend stemmte die Füße vor, legte sich zurück und hielt das Rettungsseil mit Riesenkraft. Eine heranbrausende Woge stieß ihn um, aber schon hatte sich Ocko und ander« zu ihm gesellt, hielten ihn und das Seil und zogen langsam und sicher das Boot an die bergende Böschung.
Vierzehn tapfere Männer waren der Mordsee abgerungen, und ein elementarer Jubel empfing die zu Tode Erschöpften!
„Wo ist der Kapitän?" frug Behrend, als der letzte Mann in Sicherheit war.
„Uns' Kapitän — utt de Stürmann — und dree Mann — de siind noch buten!" kam die stoßweise Antwort. „Dat Boot — roter to i«tt."
,Ans Werk!" schrie Behrends Kommanpo- stimme, und als sei seine Führerschaft selbstverständlich, so eilten die stämmigen Männer herzu.
Laut schluchzend hing sich Wiebke an den Hals ihres Mannes.
„Ocko! Geh nicht! Bleib!" bat sie mit krampfendem Weinen.
„Bleiben? Unmöglich? Aber rott komme« wieder! Wir holen sie! Wiebke, laß los?"
„Nein — nein — nein! Ocko! O Gott!" Frau Tofohr nahm die Halbohnmächtige tw ihre Arme und zog sie mit herzlichen Trostreden fort >
■ . (Fortsetzung