Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Allustrirtes SonntaaSblatt.

Jti 99

Bierteljährlichcr Bezugspreis» bet oer Expedition 2 M, bet allen Postämtem 2,25 Mt. <e$cL Bestellgeld).

ZnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder vrren Raum 10 Pfg.

Rcclamen: die Zeile 25 Psg.

Marburg

Sonntac;, 29. April 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Sag. Koch, UnwerfitätS-Duchdruckerei 41. Jahrg.

Marburg, Markt 2L Telephon ob.

Zweites Blatt.

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Die Freie Kirchlich-soziale Konferenz in Caffel.

tii vorgestern zu ihrer 11. Hauptversammlung ht Cassel zusammengetreten. Sie zählt nach Nem Geschäftsbericht jetzt 3203 Mitglieder, das sind 192 mehr als im Vorjahre. DieKirchlich- pzialen Blätter" erscheinen in einer Auflage von 4000 Exemplaren. Vielerlei Arbeiten sind saus dem kirchlich-sozialen Kreise hervorgegan- *fien: Der Evangelische Arbeiterverein und der Nordostbund Berlin, der Verein Erholungshaus 'für Heimarbeiterinnen, der Vaterländische Bau­verein, die Soziale Geschäftsstelle für das evan­gelische Deutschland und die ZeitungDas Reich", die (in Berlin) jetzt zweimal täglich er­scheint, sowie die EssenerWestdeutsche Zeitung" Die aus der Kirchlich-sozialen Konferenz hervor- ^egangenen Arbeiten haben insgesamt einen Jahresetat für 1906 von 435 000 Mark. Im Jahre 1905 hatte die Kirchlich-soziale Konferenz eine Jahreseinnahme von 10138 Mark und eine Ausgabe von 9549 Mark. Nach dem Jahresbe- richt, den Lic. Mumm erstattete, hielten Pro­fessor Grühmacher und Pfarrer Julius Werner ihre angekündigten Vorträge. Letzterer sprach überGerechtigkeit, nicht bloß Liebe, die Grund­lage der modernen Arbeiterbewegung", an der Hand folgender Leitsätze:

l 1. Das soziale Empfinden der Gegenwart, das in Literatur und Kunst so stark nicht immer tendenzfrei hervortritt, erstrebt in der modernen Arbeiterbewegung gesetzlich-rechtliche Ausgestaltung.

2. Die moderne Arbeiterbewegung aller Rich­tungen hält die ausschließliche Betonung der Liebe und privaten Freiwilligkeit in den wirt­schaftlichen Jnteressenkämpfen für unwirksam. Cie fordert als Grundlage für den sozialen Fortschritt die (soziale) Gerechtigkeit.

3. Die Ausgestaltung der Arbeitsverhältnisse zu gesetzlich-rechtlichen Einrichtungen erscheint direkt und indirekt, sachlich und psychologisch i; begründet: 1. im angeborenen Gerechtigkeits­gefühl, 2. in der neuzeitlichen Produktionsweise, 3. in dem staatsbürgerlichen Rcchtsbewußtsein, 4. in der kommunalen Selbstverwaltungspraxis. ! 4. Vom Standpunkt der allgemeinen und so- izialen Gerechtigkeit können die Arbeiter for­dern: Im Allgemeinen: 1. gesetzliche Mitwir­kung bei allen das Arbeitsverhältnis betreffen- Elinnerungen aus dem Marburger

Studentenleben

Bo« L. Müller.

X.

Ein Original der alma mater Philippina 'war der sog. alteHoppch". Er war von ge­drungener Gestalt, gebeugt, mit kurzen krummen «Beinen, die Zipfel des roten Taschentuches aus -der Rocktasche hängend, mit stotternder Stimme ?unb einer gewaltigen, stets tropfenden Habichts­nase. Ihr verdankt er seinen Namen. Wegen seiner eigentümlichen Geldgeschäfte war er ge­mieden.Joh, ich hunns der Matthäsche immer 'gesaht", sagte er zu meinem Vater, als beide vom Begräbnis der Frau Matthäi zurückkehrten, '..joh, ich hunns ehr immer gesaht, daß se nit «immer so im Rege im Garte arweite füllt. Oft chunn ich ihr gesaht:Ei Matthäsche, komme se ,doch^ bei dem Rege in mei Earteheische. Awer Ze thats nit, hott immer im Rege gearweit, na, tnu Je aoch die Wassersucht gekriegt." Sa war er äußerlich und innerlich. Er vermietete ^die Zimmer seines Hauses am Steinweg an [Studenten. Da kam einst im Jahre 1858 ein «flotter Teutone, es war der tolle Schenk, «und wollte ein Zimmer mieten, das vorher ein ^Brüderpaar Schaub bewohnt hatte und das sdurch deren Ilebersiedlung nach Amerika frei ge­worden war. Der Hoppch kannte aber seinen Mann als schlechten Bezahle! und sagte flugs: »Alleweil hawwe die Schauwe geschriwwe, daß jfcs Löschte behahle wille." Der Student erkannte «sofort die Unwahrheit und hatte nichts eiligeres 'zu tun, als die Geschichte auf der Kneipe, die [in der Barfüßerstraße beim Becker war, zu er- iräblen. 'J

den Angelegenheiten, 2. das Anrecht auf wirt­schaftliche Vorteile und ideale Genüsse, 3. Per- sönlichkeits- und Standesrecht. Im Besonderen: 4. Koalitionsfreiheit, 5. die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine, 6. Arbeiterkammern, paritätische Arbeitskammern.

5. Die sozialen Rechtsforderungen befeittgen das patriarchalische System und begründen den industriellen Konstitutionalismus.

6. Die sozialpolitische Gesetzgebung muß von sittlich religiösem Geist beseelt sein.

7. Ohne Religion, Sittlichkeit und Vater­landsliebe wird die formale Gerechtigkeit zur empörenden Ungerechtigkeit und Selbstgerechtig­keit, wird im Besonderen das Standesgefühl zum Klasienhaß, der industrielle Konstitutiona­lismus zum dauernden Kriegszustand und das wirtschaftspolitische Vorwärtsstreben zur schlei chenden Revolution.

8. Im Gegensatz zur Sozialdemokratie, die nach sozialer Gerechtigkeit schreit und zugleich die christliche Liebe verhöhnt, erkennen wir in der Verbindung von Gerechtigkeit und Liebe die Grundlage einer modernen christlich-nationalen Arbeiterbewegung, die zum sozialen Friedet führt."

Lic. Mumm verlas dann eine Anzahl Be- grüßungstelegramme aus Posen, Berlin, Biele­feld und hierauf folgte eine längere Besprechung in der alle Redner den Referenten zustimmten.

Den Abschluß der Tagung bildete die 2. öffentliche Versammlung gestern Abend im Ver- einshaus. Hier referierte Pfarrer Brandt aus Reichenbach a. d. Nahe über:Der schlichte Weg des Christentums"; Pfarrer Stuhrmann aus Berlin:Die besonderen Offenbarungen und Erweckungen Gottes". Generalsuperintendent D. Pfeiffer (Caffel) über:Der Ausblick aufs Ende". Mit Choral und Gebet wurde die Tag­ung dann geschloffen.

Umichan.

Soziales" vom Freisinn «nd der Sozialdemokratie.

Der bekannte praktische Menschenfreund Pastor v. Bodelschwingh bemüht sich seit längerer Zeit mit gutem Erfolg um das Elend der Berliner Obdachlosen. Bisher hatte die städtische Verwaltung gegen dieses soziale Uebel kein anderes Mittel ersonnen, als die Errich­tung vog neuen Asylen und die Vergrößerung der bestehenden. Daß unter diesen Obdachlosen sich auch solche Elemente befänden, die durch Zu­weisung von Arbeit, die ihren Kräften ange­messen ist, vor gänzlicher Versumpfung und Ver­zweiflung gerettet werden können, daran hatte niemand im Roten Hause gedacht: höchstens wenn im Winter Schneefall eintrat, fanden diese Aermsten der Armen einigen Verdienst. Bodel­schwingh hat jüngst darauf hingewiesen, daß mit

Es war tiefe, stille Nacht. Am Steinweg lag alles, auch der alte Hoppch, in friedlichem Schlummer. Auf' einmal ertönte vor seinem Hause der Gesang des ganzen Korps Teutonia: Alleweil hawwe die Schaube geschriwwe, daß se's Loschie behahle wille." Und wieder:Alle­weil hawwe die Schaube geschriwwe, daß se's Loschie behahle wille." Und so ging es wohl zehn Minuten lang. Von oben ertönte eine Stimme,Ihr verdammte Schweinehunne" und von unten sangen die Studenten:Alleweil hawwe die Schaube geschriwwe", bis sie des Zaubers müde zum Steinweg hinunter abzogen. Unten beimRitter" machten sie Halt und schmetterten das Lied nach der MelodieFuchs­major, trinkst den Füchsen gar nichts vor, noch einmal. Inzwischen hörte man das Schimpfen wieihr verdammte Schweinehunne, ihr Stu­rentejunge" und die Drohungen des zornigen Alten von oben herab. Seitdem ist dem alten Hoppch von Studenten manche Nacht dieses furchtbare Ständchen gebracht worden und je­desmal ist er aus dem Bett an das Fenster ge­sprungen und machte seinen Gefühlen so lange durch Schimpfen und Toben Luft, bis daß das muntere Korps unter Singen und Lachen

Der Spaß hatte noch ein Nachspiel. Eines Tages kommt der Briefträger und brachte dem Hoppch einen Brief aus Amerika.Na gewwe se'n mol her, Herr Kronshagen." Er ist un­frankiert," antwortete der Briefträgerund kostet 16 Silbergroschen Porto.Nee, dann will ech en nit." Allein die Neugier läßt ihm keine Ruhe. Nachdem er lange mit dem Brief­träger vergeblich gehandelt hatte, zahlt er schließlich die 16 Groschen, öffnet den Brief und liest:Alleweil hawwe die Schauwe geschriwwe, daß se's Loschie behahle wille." Die Gebrüder

der Unterbringung der Obdachlosen für eine oder mehrere Nächte wenig geholfen sei, daß es vor allem darauf ankomme, die Asylisten für regelmäßige Arbeit wiederzugewinnen und sie durch den Segen der Arbeit wieder zu heben. Diesem richtigen Grundgedanken gemäß legte er weit im Norden vor den Toren Berlins eine KolonieHoffnungstal" an, auf der alle ar­beitswilligen Obdachlosen Unterkunft finden sollen. Die Kosten der Unterkunft müssen sie durch ländliche Arbeit selbst verdienen. Das Geld für die ersten Anfänge vonHoffnungstal" hat Bodelschwingh in der selbstlosesten Weis« von allen Ecken und Enden zusammengebracht, und er hat jetzt die Freude, daß sein Werk nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten eine ge­deihliche Fortentwicklung verspricht, wenn es in demselben Geist weitergeführt wird. Um eine sichere finanzielle Grundlage für seine Kolonie zu gewinnen, hat Bodelschwingh nun der Stadt Berlin ein durchaus angemessenes Angebot ge­macht, wonach die Stadt gewisse nicht erhebliche Verpflichtungen übernimmt und .Hoffnungstal" dafür diejenigen Berliner Obdachlosen auf- nimmt, bei denen man Lust und Fähigkeit zu ländlicher Arbeit voraussetzen kann. Irgend ein Zwang wird natürlich inHoffnungstal" nicht ausgeübt: wem es dort nicht behagt, der kann jederrzeit gehen. Man hätte nun wohl anneh­men können, daß die städtische Verwal­tung sogleich mit beiden Händen zugreifen würde. Keineswegs, die Sache wurde zunächst einem Ausschuß überwiesen, und der hat etliche Wochen gebraucht, um zu einem Entschluß zu kommen. Jetzt erst hat dieser Ausschuß den Vorschlag Bodelschwinghs angenommen, und zwar bezeichnender Weise gegen die Stim­men der Sozialdemokraten. Die Herren Singer, Hoffmann und tutti quanti haben sich somit wieder einmal als Feinde jedes wirklichen Fortschritts erwiesen.

Deutsche Kolonien.

Südwestafrika. Immer deutlicher tritt es zu Tage, welchen Einfluß die englische Politik auf den Beginn und die Dauer des Aufstandes in Südwestafrika ausgeübt hat. Die Herero- Häuptlinge bekannten, nachdem sie sich auf eng­lisches Gebiet gerettet hatten, daß sie eine solche Kraft, wie sie das Reich bei der Bekämpfung des Aufstandes bewiesen hat, niemals vermutet hätten. Die Engländer hätten ihnen vorge­redet, daß Deutschland nicht imstande sei, eine allgemeine Erhebung niederzuwerfen. Nur diese Voraussicht hatte sie vermocht, den unseligen Aufstand zu beginnen. Und jetzt nimmt der Kampf kein Ende, weil die Leute immer wieder neue Kräfte im Kaplande sammeln. Johann Christian, der Kapitän der Vondelszwarts, ist ebenso wie Morenga früher mit 100 Mann aus dem britischen auf deutsches Gebiet zurückge­kehrt und hat deutsche Mannschaften überfallen. Die Vondelszwarts wagten vor 2Vo Jahren die Erhebung gegen die Deutschen überhaupt nur im Vertrauen auf die nahe schützend britische

Schaub, die in Amerika von der Geschichte ge­hört, hatten ihm diesen Brief geschrieben.

Jetzt ist der Hoppch lange tot, und das Haus am Steinweg ist abgebrochen. Wenn aber die Teutonen Kommers haben und Alte Herren in die Stadt kommen, dann hört man titunter noch zur mitternächtgen Stunde, wenn der eine oder der andere Alte Herr zum Steinweg hin- untergeht, wo derahle Hoppch" gewohnt hat, in Erinnerung an die alten Zeiten, diese für sich hinsingen:Alleweil hawtre die Schauwe geschriwwe, daß se's Loschie behahle wille."

XI.

Ein Haupt-Faktotum bei den Marburger Studenten bis zum Jahr 1848 war der Stiefel­wichser Braun. Neben seinem Amt als Wichster war er Tambour bei der hiesigen Earnisonskom- pagnie, wo er allabendlich von der Hauptwache am Markt bis zur Wsttergasse den Zapfenstreich schlug. Braun hatte eine zahlreiche Kinder­schaar, es waren dreizehn an der Zahl, von de­nen jedes einen vornehmen Mann zum Gevatter hatte und nach dessen Namen, wie der Student hieß, auch von Braun benannt wurde. Der eine Junge war der Herr von Warnsdorf, der andere Herr von Windemuth und wie sie alle hießen. Da Braun als Sttefelwichser mit seinen Herren genau bekannt war, kam es oft vor, daß er auch in Abwesenheit dieser Studenten ihre Stuben betrat. Da ereignete es sich, daß er in Abwesen­heit des Herrn von Warnsdorf auf dessen Zim­mer kam, wo noch das Brod und die Butter auf dem Tische stand. Braun, der Hunger hatte, schneidet sich ein Stück ab, schmiert es mit Butter und will eben anfangen zu essen, als v. W. das Zimmer Betrat Braun hält schnell das Brod hinter sich. Der Student fragte: ^Sraun, was

Grenze. Die englische Polizeitruppe am Orange­fluß ist viel zu gering, sie kann ihrer Aufgabe nicht nachkommen. Dieselbe Erscheinung zeigt sich jetzt bei den Kaffernunruhen im englischen Südafrika, die einen bedrohlichen Charakter an­nahmen. Die Briten haben nicht genügend Truppen dort, überall bilden sich Freikorps, und man weiß noch nicht, wie weit man mit diesen kommen wird. Als der Aufstand im deutschen Gebiet ausbrach, machte man sich in England wie in Kapstadt keine Sorge, die Deutschen konn­ten allein sehen, wie sie mit den Aufständischen fertig wurden. Die Pflicht Englands wäre es gewesen, dort eine angemessene Truppe aufzw stellen und jeden Zuzug nach dem deutschen Ge­biete zu verhindern. Aber noch heute findet ein freier Verkehr über die Grenze statt. Di» deutschen Truppen hätten die Grenze über­schreiten und dort den Feind bekämpfen sollen, da die Hottentotten das engische Land als Basis benutzten. Nur so hätte man den Kampf schnell beenden und den Engländern vor Augen führen können, daß sie durch ihr Unterlassen zu solchem Vorgehen herausforderten. Die Kapregierung hat schon wiederholt schwächliche Erklärungen zu ihrem Verhalten erlassen. Aber verantwort­lich ist uns gegenüber die englische Regierung, sie kann nicht von dem Vorwurfe der Unter­lassung, um sich milde- auszudrücken, befreit wer­den. Sie nimmt freilich alle derartigen Vor­würfe gelassen hin: die englische Macht reicht nicht hin, um alle Kolonien ausreichend zu schützen.

Ausland.

Großbritannien.Das Volk,, in Verli« läßt sich auch jetzt wieder aus Anlaß der neue« russischen Anleihe von seinem Pariser Korespon- denten allerlei pikante Geschichten auftischen. Das französische Publikum werde zu der Sub­skription auf die russische Anleihe u. a. auch durch das aushohen Kreisen gegebene gute Beispiel" stimuliert: es heißt dann weiter: Kaum ein europäisches Staatsoberhaupt, de« deutschen Kaiser ausgenommen, hat nicht i« russischen Werten spekuliert. Am erfolgreichste« der Herzog von Connaught, bet jedesmal die Baisse zu geschickten Ankäufen benutzt, Ma« flüstert sich hier zu, was die einzelnen Fürste« von diesen gefährlichen und doch so schön hoch verzinsten Papieren besitzen. Der febiae König von England habe als Prinz von Wales eine« Haufen davon vom Kronprinzen Friedrich mm Preußen geliehen erhalten und sei nachher mm Wilhelm II. gemahnt worden: daher, schon vor langen Jahren, die erste Verstimmung. Aber dieseaktuelle" Ruffenpapierlesart wird vo« anderen verworfen. Nein, sagen die ganz Ein­geweihten, bet Krach stamme aus Kiel. Der King Ebward sei bortbin mit einer Tafelrunde gejachtet, mit dem Teehändlet Lipton, dem Zeitungsverleger Harmsworth und der schöne« Madame K . . . . Das Hofmarschallam: habe diese Drei aber nicht auf die offizielle Liste der Einzuladenden gesetzt und da sei der King sehr

haben sie denn da hinten?" Da sagte et: Nichts, gar nichts!" Der Student rückt ihm näher auf den Leib, bis er an der Wand ange» kommen wat. Da fragte er abermals:Braun, was halten sie denn hinter sich?" Da tuts auf einmal einen Klatsch, Braun dreht sich um und sagte:Hier hängts!" Und da hing das Butter» btod an der Wand, so dick hatte Braun die But­ter geschmiert.

Ein anderer Student hieß Wendesstädt, der brachte eines Abends einen Freund mit nach Hause, als er von einem Kommers kam. Wei» delstädt ließ sich den Freund in fein Bett legen, er selbst legte sich aufs Sopha. Als Braun am Morgen zum Wichsen tarn, sieht er W. auf dem Sopha liegen und sagtGuten Morgen, Herr Wendelstädt!" Nun geht er in die Kammer, um die Sachen zum Reinigen zu holen, sieht b« auch einen im Bett liegen unb sagt abermals: Guten Morgen, Herr Wendelstädt! Potz Tau« send! da liegen Sie ja noch einmal!"

Demselben Studenten v. W. hatte er eine« Morgens die Stiefel gebracht, die dieser abend« zurecht stellte, es waren ein paarKanonen" und ein paar kurze Stiefel. Die zurückgebrach, ten Stiefel waren aber ein langer und ein kur, zer.Braun", ruft Warnsdorf,Sie haben j« einen langen und einen kurzen Stiefel!"Weiß der Teufel, Herr von Warnsdorf, draußen habe ich gerade noch so ein Paar, es geht nicht mehr, man muß den Stiefel einmal die Köpfe zurecht- setzen!" Braun trank gerne Branntwein und da kam es öfters vor, daß er mehr zu sich nahm, als er »ertragen konnte. Gar oft geschah es, daß die Studenten sich einen Spaß daraus machten, wenn der Braun betrunken wurde. Seine Fra«, die dieses wußte, mußte ihm oftmals abends bte Trommel mitbringen, wenn er den Zapfenstreich'