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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. /

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Marburg

Sonntag. 29. April 1906.

Erscheint wöchentlich sieben «al.

Druck und Verlag- Jo-, »ug. Koch, llmverjitätS-Duchdruckerei 41. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon ob.

DMtes Blatt.

Reueke Telegramme.

Berlin, 28. April. (Privattelegramm). Der Staatsminister und Minister der öffent­lichen Arbeiten, o. Budde, ist heute Morgen 6U Uhr gestorben.

Madrid, 27. April. Nach einer Mitteilung des Ministers des Innern wird die Vermählung des Königs am 31. Mai stattfinden.

Paris, 27. April. Im Trocadero wurde das Denkmal Benjamin Franklins enthüllt. Der Botschafter der Vereinigten Staaten und der Minister der öffentlichen Arbeiten feierten die französisch-amermanische Freundschaft und ge­dachten der Verdienste Franklins. Barthou gab alsdann nou,..:als der schmerzten Sympathie der franzopsthen Regierung über das schreckliche Unglück in San Francisco Ausdruck. Der Feier wohnte auch der deutsche Botschafter Fürst Ra- dolin mit dem Botschaftsräte Prinzen Wied Lei.

Paris, 28. April. Präsident Fallieres em­pfing gestern nachmittag den Besuch des Königs »on Schweden und erwiderte ihn sodann in der schwedischen Gesandtschaft.

Odessa, 27. April. Ein unbekanntes junges Mädchen warf heute eine Bombe gegen ein Ee- fchäftslokal, in dem gestern zwei junge Leute Geld zu erpressen versucht hatten. Ein Ange­stellter des Geschäfts wurde verwundet.

London, 28. April. DiePall Mall Gazette" erfährt, dass König Eduard im Laufe des Sep­tember in Darmstadt eine Begegnung mit dem deutschen Kaiser und dem Zaren haben wird.

London, 27. April. Heute morgen fand hier ein Kabinettsrat statt, wie verlautet, über den Konflikt mit der Türkei. Alle Minister äusser dem Premier und Mr. Vryce waren zugegen. Bannerman ist durch Unwohlsein verhindert.

Newyork, 27. April. Aufgrund der Arbeits­kontraktsklausel des Einwanderungsgesetzes sind heute etwa 1000 Einwanderer, die zum grössten Teil aus Griechenland, Montenegro, Bulgarien oder Serbien stammen und durch Angebot von 21/2 Dollars Tagelohn zur Auswanderung ver­anlasst worden waren, zurückgewiesen.

Das Erdbeben in Kalifornien.

" Ueber die gegenwärtige Lage in der ver- krannten Stadt berichtet Herr v. Eottberg, der Spezialberichterstatter desL.-A." aus San Francisco vom 27. April:

Von der Fähre aus sind nunmehr zwei Stra­ssen durch die verbrannte Stadt hindurch aufge­räumt worden, neben denen aber im Schutt noch kleine Feuer glimmen. Ich konnte heute durch die Stadt und den Eolden-Eate-Park bis zum Eliffhouse fahren und die merkwürdige Beob­achtung machen, dass das Erdbeben etwa zwei­hundert Meter von der Ost- wie von der West­küste der Halbinsel entfernt am stärksten wütete

Die Gießener Tanz-Studenten.

Ein Freund derFrkf. Z." stellt diesem Blatte das Manuspript einer Petition zur Verfüg­ung, die am 15. Februar 1821 von72Dar ni­st ädter Mädchen on den hessischen Landtag gerichtet und in der dieser ersucht wurde, den Plan einer Verlegung der Giessener Universität nach Darmstadt auch unter dem Ge­sichtspunkte derHeiratsnot" unter der weiblichen Bevölkerung der Residenz erwägen zu wollen. Der jungen Damen bewegliche Klage spricht sich über die Tanz- und Heiratskalamität in ihre Stadt mit so offenherzig-naiver Ein­dringlichkeit aus, daß wir es uns nicht versagen können, das amüsante Dokument zur Kenntnis auch unserer Leser zu bringen. Es lautet wörtlich:

Hochwürdige, Hochachtbare Ständeversammlung!

' So wie es bereits allgemein bekannt ist, so ist es auch zu unseren Ohren gekommen, daß Sie die Hohe Ständeversammlung, sich dermalen mit der Frage beschäftigen,ob es nicht räthlich und vortheilhaft sey, die Giesser Universität nach Darmstadt zu verlegen?" Mehrere und sehr bedeutende Gründe sind bereits für die Aus- Führung dieses Projekts angeführt worden, und in dem Gange der Untersuchung darüber werden sich noch manche Thatumstände darlegen, welche ebenfalls sehr dringend für die Genehmigung dieses Antrages sprechen. Auch wir haben uns Unterstanden, in Betreff dieses Punktes der

und die Mitte der Halbinsel verhältnismässig verschonte. Unmittelbar westlich der Fähre und der Ostküste sind die Erdwellen des Bebens er­halten. Sogar die Strassenschienen auf der Market Street sind in flachen Wellen gebogen, deren Kämme einen rechten Winkel zum Gleise bilden. Dass hier das Zentrum des Erdbebens war, meldete ich schon. Analog fand ich nun heute diese Erdwellen in kurzer Entfernung von der Westküste, wo die ihr parallel laufende Landstraße stellenweise sogar derart durch breite, tiefe Risse gespalten ist, daß sie für Wagen un­passierbar ist. Da hier nur wenige Holzhütten stehen, ist der Schaden indessen unerheblich. Uebrigens hat der gestrige Erdstoss erheblichen Schaden in San Francisco angerichtet. Eine Frau wurde dabei getötet und die Vorderwand des Turms vom Fährhaus stürzte ein. In Oakland werden die Schornsteine immer seltener. Viele Häuser bedürfen der Reparatur, manche sind geräumt. Seltsamerweise muß ich sagen, daß die Erdstösse der gestrige war der sieben- unddreißigste insofern einen heilsamen mora­lischen Einfluß ausüben, als sie durch die Furcht vor einer neuen Katastrophe einen gewissen Galgenhumor wachhalten. Ein tragisches Ele­ment kann ich in der Physiognomie der sich durch die Strassen Oaklands schiebenden Massen beim besten Willen nicht finden. Das schrille Lachen erkünstelter Ausgelassenheit klingt durch ihre Ge­spräche, und die Tausende, die ich heute nach Aufhebung des Paßzwangs durch die Strassen von San Francisco wandeln sah, glichen Ver­gnügungsreisenden, die sich scherzend einander auf die Verwüstungen aufmerksam machten. Der Strom der in die erhaltenen Heimstätten Zurück- kehrenden dauert immer noch fort, aber ihm flutet ein anderer Strom entgegen von Leuten, die mit Möbeln, Betten und sonstiger Habe auf Wagen jeder Art abwandern. Einige Läden in der erhaltenen Stadt waren offen, um die Be­wohner mit Lebensmitteln zu versorgen. Jedoch gibt es nur Backwaren. Es dauert daher trotz­dem jetzt nach der Bankeröffnung wieder Geld zirkuliert, die freie Verteilung von Viktualien fort, auf die in langer Reihe Wohlhabende in­mitten von Proletariern warten. Da die Schornsteine noch nicht inspiziert sind, darf in den Häusern nicht gekocht werden. Roch immer kochen Damen in Strassentoilette mit Hut auf einem Kochherd von Ziegelsteinen neben dem Trottoir. Die Häuser auch des reichen Viertels der erhaltenen Stadt sind meist aus Holz und haben daher kaum gelitten. Die Besitzer von steinernen Häusern wünschen, lieber auch das Feuer und die entsprechende Versicherung ge­habt zu haben, da sie den durch das Erdbeben entstandenen Schaden selbst gutmachen müssen.

Rewyork, 27. April. Die Bundesregierung gewährte General Greeleys Gesuch um Entsen- »- düng von weiteren 2500 Mann erst, nachdem er erklärt hatte, daß noch fast eine Viertelmil­lion subsistenzloser Menschen in San Francisco sich aufhalten und die Zustände eine energische Beaufsichtigung notwendig machen.

Rewyork, 27. April. In San Francisco sind infolge der Aufhebung des Standrechts die Räu­ber wieder zahlreicher. Mehrere wurden abge­faßt, als sie Eeldschränke in den Geschäftshäu­sern sprengten. Prof. Chabot vom Observato-

Hohen Ständeversammlung zitternd, jedoch ver­trauensvoll, eine bescheidene untertänige Bitte und hierin noch einiges vorzutragen, was gewiß diese unsere demütige Bitte rechtfertigen wird.

Seit mehreren Jahren ist die Bevölkerung Darmstadts zu einem hohen Grad gestiegen,' un­verhältnismäßig stark hat aber unsere Zal, die Zal der heurathsfähigen und heurathslustigen jungen Mädchen zugenommen. Bei weitem hin­gegen geringer ist die Zahl solcher junger Män­ner. Was ist nun die traurige Folge? Wenige nur von uns und mitunter sehr spät, kommen unter die Haube, viele aber von uns, sogar mit­unter die allerschönsten, bleiben auf den Bällen sitzen. Traurige Gefühle regen sich bei der Er­innerung hieran in unserer Brust. O! glauben Sie, Hocherleuchtete Väter des Vaterlandes, die­selbe glänzende Wänden, welche täglich Zeugen Ihrer Weisheit sind, schließen viele Tausende Seufzer der vernachlässigten Sehnsucht in sich und schimmern oft von den Perlenkränzen der bittersten Tränen. Ach? wenn nur diese Wän­den reden könnten, dann waren wir wegen des besten Versprechens unbesorgt. Roch größer aber wird das Unglück, seitdem unter so manchen jungen Herrn, sogar unter den besten Tänzern, die menschenfeindliche Mode eingerissen ist, nicht nur auf keinen Bällen zu tanzen, sondern sogar schadenfroh in Stiefeln dazustehen und unsere sitzen bleibende Schwestern zu beobachten und zu zälcn,' ach! die schreckliche Ursache manches Jammers und mancher Ohnmacht eines tiefge- kränkten unschuldigen Wesens. .. . v .. ...

rium in Oakland berichtet, der Seismograph zeige 38 Erderschütterungen seit 8 Tagen.

Rewyork, 27. April (nachmittags). In Sa­linas (Kalifornien) erfolgten heute drei starke Erdstösse. Das dortige Flußbett sank um zwölf Fuß auf meilenlange Strecken. In San Fran­cisco gingen schwere Regengüsse nieder, worun­ter viele Notleidende sehr litten, da sie noch ohne Zelke in Decken unter freiem Himmel kam­pieren. Dem Regen folgte ein kalter Wind.

Washington, 27. April. Die deutsche Re­gierung beauftragte ihren Botschafter Freiherrn Speck von Sternburg, den in San Francisco notleidenden deutschen Untertanen Hilfe zukom­men zu lassen. Das von Japan angebotene Hospitalschiff für San Francisco wurde mit Dank abgelehnt.

Vellevue (Texas), 27. April. Gestern abend wüete hier ein Tornado, der eine große Anzahl von Häusern niebenifc, die dann durch den in­folge des Einsturzes entstandenen Brand voll­ständig zerstört wurden. Elf Personen sollen hierbei ums Leben gekommen und zahlreiche an­dere verletzt worden sein.

Die Ausstandsbewequnq in Frankreich.

Paris, 27. April. Minister Barthou über- mitelte heute den Bergwerksgesellschaften durch den als Unterhändler fungierenden Vergwerks- direktor von Lens, Remaux, die Antwort des Syndikats der Bergarbeiter betreffend die Re­gelung der Gehälter. Remaux setzte bei dieser Gelegenheit dem Minister auseinander, dass die Gesellschaften zwar jede für sich, aber nicht in Gesamtheit den Delegierten der Grubenarbeiter Erklärungen über die gemachten Zugeständnisse abgeben könnten. Der Präfekt des Departe­ments Pas de Calais wird in diesem Sinne bei den Bergwerksgesellschaften vermittelnde Ver­suche unternehmen.

Sens, 27. April. In der vergangenen Nacht erfolgte in dem Garten eines nicht ausständigen Bergarbeiters eine Dynamitexplosion, die je­doch nur Materialschaden anrichtete.

Balenciennes, 27. April. Der Direktor der Grube von Anzin, Francois, empfing heute nachmittag eine Abordnung des Bergarbeiter­syndikats. Nach kurzer Beratung gaben die Delegierten die Erklärung ab, daß sie den Gru­benarbeitern die Weisung erteilen würden, die Arbeit morgen wieder aufzunehmen.

Paris, 27. April. Der Beschluß derCon- federation du Travail", die Achtstundentag- Kundgebung auf den 13. Juni zu vertagen, wurde gefaßt, um am Vorabend der Wahlen, welche allerlei Kompromisse notwendig machen, den arbeiterfreundlichen Teil der Bevölkerung nicht zu verstimmen. Unter so veränderten Um­ständen ist es fraglich geworden, ob die Regier­ung die Bataillone und Schwadronen zur Kräf­tigung der Pariser Garnison überhaupt wird abmarschieren lassen. Vorläufig erregt der Auf­ruf das Kriegsministers an die Pariser Bevöl­kerung, sich auf Einquartierung vorzubereiten, allgemeines Interesse.

Eine besondere empörende Sitte herrscht aber unter den jungen Männern, in Hinsicht des Hei- rathens des von uns zuerst angeführten Grun­des. Fast die größte Zal sucht etwas darin, ihre Gattinen auswärts zu suchen. Besonders hat man sich hierin seit einiger Zeit nach Gießen gewendet; sind die Gießener Mädchen wirklich so schön und so liebenswürdig! Die Bescheidenheit verbietet, zwischen denselben und uns eine Pa­rallele zu ziehen. Nur en passant , und um uns hierin doch nichts zu vergeben, wollen wir hier nur anführen, daß mehrere Reisebeschreibungen als einer Merkwürdigkeit der großen Anzahl schöner Mädchen zu Darmstadt Erwähnung tun.

In den oben angeführten, für uns so nach­theiligen und traurigen Tatsachen nun ist Gie­ßen wirklich ganz beispiellos vor Darmstadt be­günstigt. Dort herrscht Lust und Freude in den Hallen Tervsichorens. Die Söhne der Mußen und des Mars bieten alle Kräfte auf und wett­eifern in ritterlichen Galanterien, den Ruhm und den Glanz der Damen zu verherrlichen, und das Vergnügen in ihre Nähe zu zaubern. Dort blüht ewige Jugend: denn das Mädchen von 15 Jahren darf dort schon an einen Freier, wenig­stens an einen Liebhaber denken. Wir, so oft von den süßesten Empfindungen, kennen die Liebe nur noch aus den Romanen, und müssen uns mit den Idealen begnügen.

Was uns im glücklichsten Falle bescheert ist, das sind 30, 40, auch sogar 50jährige ernsthafte und gleichgiltige Freier, und wir müssen dabei mit gepreßtem Herzen zusehen, wie sich die Eie-

Paris, 27. April. In amtlichen Kreisen wird bestätigt, daß die heutigen Hausuntersuchungen ziemlich bedeutende Ergebnisse gehabt hätten. Namentlich habe man Beweise dafür erlangt, daß royalistische und bonapartistische Verbände unter den Arbeitern Vertreter hatten, deren Aufgabe es war, die Ausstandsbewegung zu schüren und die Erregung wachzuhalten. Zn diesem Zwecke seien beträchtliche Summen hin­gegeben worden.

Marseille, 27. April. Heute morgen traten 200 bis 300 Angestellte der Caf6s, Bierhäuser und Restaurants in den Ausstand und veran­stalteten eine Kundgebung, um auch die übrigen Angestelleten solcher Betriebe zum Niederlegen der Arbeit zu veranlassen. Infolgedessen wur­den am Nachmitag alle großen Lokale ge­schlossen.

Deutsches Reich.

Berlin, 28. April.

* Seine Majestät der Kaiser unternahm gestern (Freitag) vormittag, wie aus Homburg gemeldet wird, mit Gefolge einen Spazierritt. Nachmitags machten der Kaiser und die Kai­serin mit der Prinzessin Viktoria Luise einen Ausflug mittelst Automobils auf den Feldberg. Nachmittags traf der Kriegsminister v. Einem ein und wurde vom Kaiserpaar zur Abendtafel geladen.

Das Befinden des Reichskanzlers ist an­dauernd zufriedenstellend. Er hat gestern einen längeren Spaziergang im Garten des Reichs­kanzler-Palais gemacht.

Wie aus der nunmehr vorliegenden Zu­sammenstellung der Beschlüsse des Reichstags zweiter Lesung hervorgeht, ist der Neichshaus- Haltsetat für 1906 in Einnahme und Ausgabe statt auf 2406,3 Millionen Mark, wie die ver­bündeten Regierungen es vorgeschlagen hatten, auf 2375,3 Millionen Mark festgestellt worden. Im ordentlichen Etat sind die fortdauernden Ausgaben um rund 6,8 Millionen Mark, die einmaligen um 3,9 Millionen Mark gekürzt worden. Was zunächst die fortdauernden Aus­gaben betrifft, so hat der Reichstag sie an zwei Stellen beträchtlich erhöht, und zwar für den Witwen- und Waisenunterstützungsfonds um 5 Millionen Mark und für die Naturalverpfleg­ung um etwa 2 Millionen Mark. Dagegen sind gestrichen 19,6 Millionen Mark für Militärpen­sionen und einige kleinere Posten. Bei den ein­maligen Ausgaben fallen von den Abstrichen 0,9 Millionen Mark auf die Militärverwaltung (Dienstgebäude für das Reichsmilitärgericht), 1,2 Millionen Mark auf das Reichsschatzamt (Erweiterung des Dienstgebäudes) und 1,2 Mill. Mark auf das Reichskolonialamt (Zu­schüsse zu den Verwaltungs ausgaben der Schutz­gebiete). Die Einnahmen sind entsprechend den Ausgaben im ordentlichen Etat um 10,6 Mill. Mark verringert, und zwar so, daß 28, 6 Mill. Mark bei den Einnahmen auf Grund der neuen Steuergesetzentwürfe und rund 1,2 Millionen Mark bei den Ausgleichsbeträgen gestrichen, do­

sier Mädchen an dem Besitz unserer Idealen er­freuen und in der Wirklichkeit die Süßigkeiten jenes Lebens genießen, welche bei uns nur di« vorherrschenden Momenten unserer Idealen sind wie sie im Ueberflusi von Tänzern sovieke der­selben abweisen müssen, die uns so willkommen wären? Gräßlich und schauderhaft war es uns zu vernehmen, wie im vergangenen Jahre di« preußischen Offiziere von Wetzlar, die in der schönsten Absicht zu Tanzen nach Gießen gekom­men waren, beinahe keine Tänzerinnen bekom­men konnten. O! wieviel hatten wir darum gegeben, sie bei uns zu sehen?!!

Möchten daher diese traurigen, aber doch st wahrhaften Schilderungen unserer betrübten Situation die Gemüter einer Hochzuverehrenden Ständeversammlung zur Erfüllung unserer nach­stehenden flehendlichsten Bitte bewegen:

doch recht bald die Universität Gießen von dort weg und hierher nach Darmstadt, in un­sere beseligende Nähe transferiren zu lassen.

Einer Hochwürdigen Hochachtbaren Stände­versammlung für diejenigen, welche der Eist wegen nicht unterschreiben konnten, i pro enratorio nomine. 1

Darmstadt, den 15ten Februar 1821. \

Folgen 72 Unterschriften.

Die Darmstadter Mädchen haben mit ihrer flehentlichen Petition weniger Glück gehabt ast jüngst die Krefelderinnen, denn die Universität Gießen wurde nicht nach Darmstadt verlegt,