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Das ^rbWn in Kalifornien.
Der Spezialberichterstatter des Berliner „L.-A", Herr v. Eottberg sendet unter dem 25. April folgende Besprechung der Lage durch Telegramm: In Oakland traf ich um Mitternacht ein. Jenseits der Bucht, wo sonst der Lichterberg der Hügelstadt glitzerte, dehnt sich jetzt ein weiter schwarzer Fleck, aus dem an einer Stelle noch die Flammen aufschlagen. Der Bahnhof ist besetzt von Miliztruppen, über welche die Einwcckner im Gegensatz zu den Regulären bitter klagen. Es ist selbst Ansässigen verboten, die Stadt au betreten, wenn sie nicht mit einem Paffe versehen sind. Ich erhielt einen solchen auf meine telephonische Bitte vom Gouvernement um 3 Uhr morgens zugestellt. In den Straffen Oaklands befinden sich nachts Posten und Patrouillen. Rahe am Rathaus ist ein Zeltlager errichtet, doch kann niemand dort mehr ein Unterkommen finden. Vor meinen Augen wurde ein Laden
geöffnet, um etwa 70 Flüchtlinge aufzunehmen, Oakland beherbergt deren über hunderttausend, Mit Tagesanbruch fuhr ich über die Fähre in di« graue Rauchwolke hinein, die über dem einstiges Eeschäftsviertel von San Francisco liegt. Di« Fähre war gefüllt mit Arbeitern, die Schaufeln trugen. Sie werden für die Aufräumungsarbe0 ten unter Unteroffizieren und Stadtbeamten zu Hunderten gesammelt. Die Ruinen sehen eigent« lich nicht aus, als ob hier eben eine Katastrophe stattgefunden hätte. Das Auge glaubt eine in Trümmer gefallene Stadt und die Zivilisation vergangener Zeit zu schauen, in die im rauchiggrauen Licht der ersten Dämmerung mit Waffen und Grabscheit ein Volk nachgeborener, fremder Eroberer einzieht, das mit dem Verfall und der Katastrophe nichts zu tun hatte, das auf eine neue Völkerwanderung auszog, um sich ein neues Heim zu errichten. Ich hörte viele Scherzworte, aber keine Klage. Arbeitslust und Lebensfreude lachte aus aller Augen, die nur Zuversicht und Hoffnung bekundeten. Mein Reisebegleiter, ein Frisco-Millionär, den ich sprach, meinte, innerhalb fünf Jahre haben wir eine schönere Stadt als je und laden die Welt ein, bei der Ausstellung zu betrachten, was wir geleistet haben. Jammern hörte ich nur zwei Italiener, die mir mit Gepäck folgten. Die ersten schlimmen Meldungen aus der heimgesuchten Stadt sind wohl dadurch erklärlich, da sie von nervös erregten Menschen ausgingen, die von Oakland aus lediglich das Flammenmeer sahen. Die See hat keinerlei Schaden angerichtet, das sah ich am Kai. Es wird mir versichert. Eliffhouse stehe noch, das Callgebäude sah ich selbst. Die Häuser mit Eisengerüsten haben durch das Erdbeben wenig gelitten, aber ich begegne überall dem auch aus den Preßnachrichten hervorgehenden Wunsch, die Wirkung des Erdbebens abzuschwächen und di« Zerstörung auf das Konto des Feuers zu setzen, damit das Kapital nicht abgeschreckt wird, Fd) hier zu betätigen. Daß hier und in Oakland ein Erdstoff am Sonntag stattfand, wurde von der Preffe verschwiegen, die auch nichts von der Tatsache erwähnt, daß 20 Pockenkranke isoliert sind. Der Gebrauch der Waffe durch Miliz ist leichtfertig. Gestern wurde ein Geschäftsmann durch die Stirn geschaffen, beute Nacht ein Pfleger von» Roten Kreuz erschaffen.
Newyork, 25. April (nachmittags). Es wird telegraphiert, das Gerücht, daff heute in San Francisco ein neues Erdbeben erfolgt sei, sei unbegründet. — Das Kriegsamt verweigert die weiteren 2500 Mann Kavallerie für General Greeley. — Die Hochschutzzöllner im Kongreß suchen der Bill betreffs zollfreier Einfuhr von Baumaterialien für San Francisco Hinderniff« in den Weg zu legen, da sie eine Aufrollung der ganzen Tariffrage befürchten. Die Nachrichten aus San Francisco lauten heute beffer. Einige Straffenbahnlinien sind im Betrieb. Ebenso ist der Telephondienst in geringem Umfange wieder aufgenommen. (Frkf. Ztg.)
Washington, 25. April. Präsident Roosevelt richtete eine Botschaft an den Kongreß, worin die Bewilligung von 300 000 Dollars für die
der Gewerkschaften und ihrer Kaffen, für die der neue englische Ministerpäsident Campbell Ban- nerman eingetreten ist, werden es zeigen, wie viel wir noch in Deutschland auf dem Felde der Gesetzgebung zu tun haben, ehe wir ein Arbeiter- recht erhalten, das den gegenwärtigen Verhält- niffen entspricht, und beiden Teilen, Arbeitgebern und Arbeitnehmern, das ihre gibt.
In Cassel tritt die Freie kirchlich- soziale Konferenz zu ihrer 11. Hauptversammlung zusammen. Sie hat in schweren Jahren die Gedanken der sozialen Reform vertreten: sie hat aber auch nie verschwiegen, daß der Mensch vom Brote nicht allein lebt. Pfarrer Julius Werner spricht dort über das Thema, das die evangelische Christenheit noch viel zu wenig bedenkt: „Gerechtigkeit, nicht bloß Liebe, die Grundlage der modernen Arbeiterbewegung". Hofprediger D. Stöcker behandelt das Thema, für das er nun 30 Jahre hindurch gestritten: „Christentum und Sozialismus". Gerade die Geschickte der kircklick-sozialen Konferenz mit nun über 3000 Mitgliedern, die Entwicklung der ihr nahestehenden „Sozialen Geschäftsstelle für das evangelische Deutschland", der Vereine mit insgesamt über 100 000 Mitgliedern angeschloffen sind, und die Erstarkung der Berliner Tageszeitung für soziale Reform „Das Reich", das nun zweimal täglich erscheint, zeigen, daß es vorangebt auch in der evangelischen Kirche. Professor Dr. Grii^mocker wird in Caffel die Frage b-antworten: „Worin liegt die Ursacke der Unwirksamkeit des Protestantismus im öffentlicken Leben?" Sie lieat darin, daß der Protestantismus zu wenig auf die Gedanken Gottes in unserer Zeit oeacktet bat. Wenn aber jetzt bis nach Tilsit herauf ffch evanaeliscke Volksbureaur bilden, wenn durck aanz Deutschland die Organisation christlicher Gewerkschaften sich durchsetzt: dann möchten dock die zagen Herzen endlich erkennen, daß die Kraft des nufer« standenen Weilands auch in der Gegenwart, auch in neuen Formen, lebendig ist.
Lic. theol. Mumm.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, UmvcrsitätS-Bnchdruckerei 41.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55, “
Neueste Telegramme.
Berlin, 25. April. Im Reichstage brachte Storz (Deutsche Volkspartei) mit Unterstützung bet Reichspartei, der Nationalliberalen, der Konservativen und der freisinnigen Vereinigung zur drittelt Lesung des Etats für Neu- Guinea den Antrag ein, die in der zweiten Lesung am 26. März abgelehnte Forderung von 100 000 zur Unterstützung weißer Farmer, die von Queensland nach dem Hochlande von Neu- Guinea übergcsiedelt sind bezw. übersiedeln Wollen, wiederherzustellen.
Berlin, 26. April. Ein Telegramm der „Köln. Ztg." besagt: Wie wir erfahren, hat der italienische Botschafter Graf Lanza sich int letzten Augenblick noch bewegen lassen, auf seinem Poften zu bleiben.
Homburg v. d. H., 25. April. Zum Nachfolger des verstorbenen kommandierenden Generals Stötzer in Metz ist der Generalleutnant v. Prittwitz und Gaffron von der 8. Division in Halle ernannt worden unter gleichzeitiger Ernennung zum General der Infanterie. Sein Nachfolger im Kommando der 8. Division in Halle wurde der bisherige Kommandeur der 28. Feldartilleriebrigade, Generalmajor Roehl, unter Ernennung zum Generalleutnant, ■ und der Nachfolger dieses der bisherige Kommandeur der 7. Feldartilleriebrigade, Oberst Frhr. Roeder v. Diersburg.
München, 25. April. Zum Besten der Hinterbliebenen der in Courrieres verunglückten Bergleute fand heute nachmittag unter dem Protektorat der hiesigen französischen Gesandtschaft eine Aufführung des „Kinderkreuzzuges" durch den Augsburger Oratorienverein statt, der mit einem Sonderzug von Augsburg hierher gekommen war. Der Aufführung wohnten u. a. bei Prinz Ludwig mit Familie und andere Mitglieder der königlichen Familie, die Herren und Damen des diplomatischen Korps, die bayrischen Minister und die Spitzen aller Kreise der hiesigen Gesellschaft.
Braunschweig, 25. April. Anläßlich der Feier des hundertsten Geburtstages des Herzogs Wilhelm fand heute morgen in Gegenwart des Regenten Prinzen Albrecht von Preußen, der Spitzen der Behörden und geladener Gäste die feierliche Eröffnung des neuen vaterländischen Museums statt.
Konstantinopel, 24. April. In Ober-Vathy Mf der Insel Samos sind seit dem 22. April Kämpfe zwischen bewaffneten Parteien im Gange. Die Zusammenstöße drohen allgemein zu werden, da die Behörden sich als schwach erweisen. Die Situation kann kritisch werden.
„Du überlegst ja, und am meisten, wie Du zu dem da drinnen kommen kannst."
„So?" fragte fie'mit verhaltenem Atem.
„Aber der tut Dir den Gefallen nicht. Der kennt sich noch nicht mal aus, was für 'ne saubere Frucht er bei sich hat."
Die Galle regte sich in ihr.
„Meinst Du, weil ich Dich Hanswurst nicht will, bin ich für andere zu schlecht?" fauchte sie.
Er suchte ihr zu dienen.
„Für den halt' ich an die gedacht, die nun — den anderen hat
„Ach? W-w Du schlail bist."
„Oder er holt sich die vom Stürhofe doch noch!"
„Hanswurst!" wiederholte sie zischend und schloff sich ein.
Sie konnte keinen Schlaf finden, und mitten in der Nacht erhob sie sick, riegelte leise auf und schlich sich barfüßig ins Wohnzimmer. Die kalte Lehmdiele und die Fliesen des Vorflurs ließen sie zusammenschauern ; aber cs befriedigte sie, daß der Tritt der bloßen Füße wenigstens geräuschlos war.
Die Tür des Wohnzimmers knarrte ein wenig und ließ sie zögern. Als drinnen alles still blieb, huschte sie weiter, fand die Tür zu Behrends Schlafstube nur lose angelehnt, schob sie ein wenig auf und spähte nach dem weißen Lager. Der Bauer schlief fest, und die Späherin stand minutenlang und lausckte auf feine regelmäßigen Atemzüge. Dann zog sie sich so leise zurück, wie sie gekommen war, und wickelte sich fest in die Decke, um sich zu erwärmen.
Christian Hagen richtete sich in seinem Sette auf und lauschte unruhig. Er schlief seit der Nacht, in der Kammerich seinen Streich vollführt hatte, so leicht wie ein schlechtes Eewiben. Als er nichts Verdächtiges mehr vernahm, glaubte er sich doch getäuscht zu haben und streckte sich wieder hin, (Fortsetzung folgt.)
(Nachdruck verboten.)
An der dänischen Kreuze.
Noman von Dietrich Theben.
(Fottsehnng.)
Marburg
Rreitafl 27. April 1906.
ChrcMche Arbeiterbewegung.
„Es geht im Sturmschritt voran", kann die „Textilarbeiter-Zeitung", das Organ des Zentralverbandes christlicher Textilarbeiter Deutschlands in ihrer letzten Nummer schreiben. Die Mitgliederzahl der dem Gesamtverband christlicher Gewerkschaften angeschloffenen Organisationen betrug am Schlüsse des Jahres 1905: 198 690 gegen 118 917 am Schluffe des Vorjahres. Das bedeutet einen Mitgliederzuwachs von 80 000 in einem Jahre. Und diese Organisationen nehmen nicht nur an Zahl, sondern in gleicher Weise auch an innerer Kraft zu. Die Gesamteinnahmen, die im Jahre 1904 erst 894 000 cH betragen hatten, sind im Jahre 1905 auf 2 363 773 M. gestiegen, also fast dreimal so hoch, wie im Vorjahre gewesen. Und diese Einnahmen sind ausschließlich Arbeitergroschen! Der Kaffenbestand der genannten christlichen Gewerkschaften war am Jahresschluß 1905: 1 238 775 M. gegen 588 000 M im Vorjahre. Die Gesamtausgabe ist ebenfalls auf das dreifache gestiegen: von 711000 M auf 2 053 635 Jt. Gegenwärtig, im April 1906, gehören dem Ee- samtvcrbande etwa 215 000 Mitglieder an; dazu kommen noch stark 100 000 Mitglieder christlicher Gewerkschaften außerhalb des Gesamtverbandes (Eisenbahn- und Postunterbeamte). Dazu treten ferner die 350 000 Mitglieder konfessioneller Arbeitervereine und die 82 000 Mitglieder des Deutscknationalen Handlungsgehilfenverbandes: Ist angesichts solcher Tatsachen ein Anlaß zur Verzagtheit und Trägheit im Kampfe um unseres Volkes Zukunft?
Die christlichen Gewerkschaften wollen und sollen ihren Mitgliedern einen starken Rückhalt bieten. In der gegenwärtigen Zeit, wo die Arbeitsstreitigkeiten stetig zunehmen, bedarf der Arbeiter eines Rückhaltes, wie ihn die Gewerkschaft ihm allein geben kann.
Es handelt sich bei den gegenwärtigen sozialen Kämpfen keineswegs allein um Streiks, d. h. gemeinsame gesetzliche Arbeitsniederlegung, sondern auch in stark wachsendem Maße um Aussperrungen, d. h. um Entlassung durch den Arbeitgeber, der durch sein Vorgehen die Arbeiterschaft mürbe machen will. Die christlichen Gewerkschaften haben im Jahre 1905 nicht weniger wie 1 Million Mark für Arbeitslosenunterstützung ausgeben müssen. Und diese Arbeitsstreitigkeiten werden noch immer stärker.
Da ist es sicher von höchstem Werte, wenn gegenwärtig die Führer der christlichen Gewerkschaften nach England fahren, um dort die Einrichtung zu studieren, die die weiter vorange- schrittene englische Gewerkschaftsbewegung zur Verhütung unnötiger Arbeitsstreitigkeiten getroffen hat, um insbesondere die dortige starke Tarifbewegung an Ort und Stelle zu studieren. Tarife zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- Organisationen, für mehrere Jahre geschlossen und von beiden Seiten treu eingehalten, führen am besten aus der gegenwärtigen Zeit der regellosen Arbeitsstreitigkeiten heralls. Auch die neuesten gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Sonntagsbeilage: AVlnKeirtes Sonntaasklatt.
werdender Koketterie. In den Abendstunden wiederholte sie die alte Taktik, daß sie sich bis zum äußersten um ihn aufzuhalten suchte. Ein Zeichen des Verstehens und ein Wink von ihm. und sie hatte blitzschnell berechnet, daß sie bei der Ehrenhaftigkeit des Mannes ihrem Ziele mit raschem Schritte sich nähern konnte.
Aber Behrend hatte seinen Halt bereits gefunden, und ihre Künste fielen ihm nicht einmal in den Sehkreis. Seine Gedanken weilten auf dem Deichhofe, und die im, Hause konnte das Kleid raffen, daß der schön geformte Fuß sichtbar wurde, oder mit brennenden Wannen dicht neben ihm wirtschaften — er las seine Bücher und Zeitungen, saß harmlos zu Tisch oder fragte und grübelte in sich hinein und hatte weder Auge noch Ohr für das Sirenenlocken, das, wenn es ihm aufgefallen wäre, eine andere Wirkung gehabt hätte, als die Werbende in ihrer. Kurzsichtigkeit und Verkennung seines Herzenslebens annahm.
Behrend war in der alten Heimat kein großer Kirchengänger gewesen, wenn er auch in Zwischenräumen von Wochen sich gern den Seinen angeschloffen und den Kirchort aufgesucht hatte. Daß das auf dem neuen Sitze anders wurde, fiel der Mamsell auf, und mit dem feinen Sinne des Weibes vermutete sie bald eine treibende Ursache, über die sie sich ebenso rasch ver- gcwifferte.
r? ersten Kirchenbesuch überzeugte
sie sich, daß Behrend der jungen Karen Stür nachcnng und eine Unruhe befiel sie.
Sie konnte Karens eigenartiger Schönheit .?um A^cht werden, aber sie herbe Reinheit ihres Wesens entging auch ihr nicht, ihr Stolz imponrerte ihr, und in ihrem Reichtum sah sie
für Behrend eine Anziehungskraft.
„ Mamsell ging nun häufiger nach dem Gotteshause, beobachtete die verletzend abweisende Haftung der hellblonden Friesiw und be-
11. K a p i t e 1
Die Lebensfäden der dicht nebeneinander häutenden Menschen werden vom Geschick oft wunderlich verschlungen, laufen weit auseinan- ber kreuzen sich mit fremden, verwirren sich und p™en Knoten, die nur schwer noch zu lösen
Christian Hagen war mehr der Mamsell als Deyrend aus der holsteinischen Heimat in die Fremde geiolgt; aber seine Hoffnung, daß das Geschick die feinen Seelenfäden inniger verschlingen wurde, wenn er mit der heimlich Geliebten unter einem Dache bliebe, hatten sich nicht er-
Es war Johanna Dierksen nicht entgangen, wre es »m ihn stand, aber sie hatte keine Er- Werben ® eitnJ?r ‘ SJe Iie& W sein täppisches gefallen und schüttelte ihn menn er ihr^u 2uft *um Quälen ab,
h 3U ctnbeuttg und darum lästig
Ihr Streben Mng höher hinauf. und ihrem etwas unklaren, aber lebendigen Geist« war der arbeitsharte, in den Sielen abgestumpfte Knecht nicht gleichwertig. Die frische, schlanke Gestalt Behrends drückte die des eckigen, unbeholfenen Hagen in den Schatten, und ihre Phantasie spiegelte ihr vor, da der vermögende Bauer ihr Nicht unerreichbar sei, und daß er mit Zeichen öes Interesses nur zurückhalte, weil er auf das in ihr reif war und verlangte, noch nicht ^Ufnierksam geworden war.'
»r -^c suchte ihm durch ein Zutun nachzuhelfen, e Nch nut steigender Sorgfalt und sparte "'M mit anfangs verschämter, dann deutlicher
Vierteljährlicher Bezugspreis bei ver ExpLition 2 Mk, -»z. qw bei allen Postämtern 2,25 M. .exct. Bestellgeld).
J12. «/ । JnsertlonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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ruhiote sick als sie plöt-lich auch an dem Bauern die Wandlung gewahrte, daß er der Rivalin nicht bloß nicht mehr nackging, sondern in ge, rabem Gegensätze zu früher eine Begegnung mit ihr direkt zu meiden schien.
. „Sie sind am Scheidewege," sagte sie sich triumphierend, blieb Sonntags wieder daheim und fehte ihre Sirenenkünste fort, ohne im Erfolg glücklicher zu sein.
Mißtrauisch beobachtete sie eine Zeitlang auch die jugendschöne, immer heitere Wiebke, die ihr nickt ungefährlich dünkte, und bcrer> häufige Besuche mit dem Bruder oder den Tofohrs ihr unbebaglick waren. Und als der junae Stör auf dem Hoverhofe auftnuckte, stand sie vor einem neuen Fragen, auf das sie in einer schlaflosen Rockt vergebens nach harmloser Erklärung suchte, bis die Nachricht von der Verlobung des Paares sie unerroartet von einer doppelten Sorge befreite, die sie einmal einen Bund zwstcyen Behrend und Wiebke und ein anderes Mal neue Beziehungen zum Stürhofe hatte fürchten lallen.
Zn Hagen sprach sie oft tagelang kein Wort; aber die Befriedigung über die Verlobung löste ihr doch wieder einmal die Zunge.
„Hälfst Du daran gedacht?" fragte sie abends auf der Diele, als Haoen abaefiittert hatte und nur noch wie gewöhnlich wartete, bis er sie in ihrer Stube wußte. „Und wie schnell das gegangen ist. Aber ob fies gut haben wird bei dem?"
„Ist das Deine Sorge?" spöttelte er.
„Na, wenn der ist wie seine semmelgelbe Schwester oder wie der verkniffene Alte, ich hätt' mirs überlegt."
: „Ja. D—u!" antwortete er gedehnt.
„Sprichst Du wieder in Bindfaden, daß nicht mal so'n kurzes Wort 'n Ende hat?" fragte sie empfindlich. . ■
Er suchte nach einer verletzenden Spitze.