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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

SonntagsbeUager AllustrtrteS @onnf<tn8M<iH,

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Marburg

Donnerstag. 26. April 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, Universitätr-Luchdruckerel 41. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

in San Francisco mit seiner Famurc unver« sehrt geblieben. Der Botschafter in Washington erhielt den Auftrag, baldmöglichst zu melden, was sich über die Lage der Deutschen in San Francisco, die Zahl der etwaigen deutschen Opfer der Katastrophe und die Vorkehrungen für bedürftige Deutsche ermitteln läßt.

Erftes Blatt.

Renesie Telegramme.

Berlin, 25. April. Im Gegensatz zu den von der Presse verbreiteten ungünstig lautenden Meldungen über den Zustand des erkrankten Staatsministers o. Budde wurde festgestellt, daß eine Veränderung in seinem Befinden nicht ein. getreten ist.

Rom, 24. April. Heute erfolgte im Senat die bereits angekündigte Interpellation de Martino über den Dreibund. De Martino zeich­nete die Gefahren eines Bruches mit den Zen­tralmächten für Italien. Ein Bruch sei gleich einem Krieg, in dem Italien am meisten leiden müßte. Er beschwor, dem Dreibund treu zu bleiben. Die Rede des Ministers Euicciardini gipfelte in der Konstatierung, daß kein neues Faktum eingetreten sei, das Italiens äußere Politik ändern könnte. Er könne also nur wie­derholen, was Sonnino am 8. März über das Festhalten am Dreibund und den Freund­schaften gesagt habe, und dankte Visconti Ve- nosta, der in Algeciras, wo Italien eine deli­kate Position hatte, sich korrekt benommen habe.

Rom, 25. April. Im Vatikan verlautet, daß der Papst hinsichtlich der stärker werdenden Bibelkritik eine Art neuen Syllabus heraus­geben werde, in dem alle von ihm als sträflich erkannten Abwege der Exegese aufgezählt werden.

Paris, 25. April. Die französische Regierung beabsichtigt, über die Konferenz von Algeciras ein Eelbbuch zu veröffentlichen, welches u. a. die Sitzungsprotokolle der Konferenz enthalten wird. Mit der Zusammenstellung des Eelb- buches soll Margerie, einer der beiden Sekre­tärs bei bet Konferenz, betraut werden.

Moskau, 24. April. Da die Ruhe vollständig wiederhergestellt ist, wird der Unterricht an der hiesigen Universität wieder ausgenommen. An der Ingenieurschule hat er bereits begonnen.

Newvork, 24. April. Nach einer Meldung Newyork Herald" erlitt Castro einen leich­ten Schlaganfall. Er ernannte Gomez zum stell­vertretenden Präsidenten und beauftragte ihn, die diplomati^en Beziehungen zu Frankreich wiederherzustellen. *

Asuncion, 24. April. Der kaufmännische Bei­rat des hiesigen deutschen Konsulates, Mangels, ist ermordet worden. Nähere Einzelheiten feh­len noch.

Mi^stcmsdMen.

Der vom Bundesrat angenommene Entwurf des Gesetzes betreffend die Gewährung einer Entschädigung an die Mitglieder des Reichstages lautet:

§ 1. Die Mitglieder des Reichstages erhalten a. für die Dauer der Sitzungsperiode sowie acht Tage vor deren Beginn und acht Tage nach deren Schluß freie Fahrt auf den deutschen Eisenbah­nen zwischen ihrem Wohnort und dem Sitze des Reichstags, sowie b. während des Kalender­jahres vorbehaltlich der Bestimmungen im § 3 aus der Reichsrasse eine Aufwandsent­schädigung von insgesamt 3000 Mark, die am 1. Januar, 1. Februar, 1. März, 1. April mit je 500 Mk. und am Tage der Vertagung (Artikel 26 der Reichsverfassung) oder Schließung des Reichstags mit 1000 Mk. zahlbar wird. Mit­glieder, die erst nach Beginn des Kalenderjahres in den Reichstag eingetreten sind, haben auf die­jenigen Raten keinen Anspruch, welche vor ihrem Eintritte zahlbar geworden find. Der Bundesrat ist ermächtigt, Grundsätze für die Ausführung der Bestimmungen unter a aufzustellen.

§ 2. Für jeden Tag, an dem ein Mitglied des Reichstags der Plenarsitzung ferngeblieben ist, wird von der nächstfälligen Entschädigungsrate ein Betrag von 30 Mk. in Abzug gebracht.

§ 3. Ein Mitglied des Reichstags, das neu­gewählt wird, während der Reichstag versam­melt ist, erhält an Stelle der nächsten Entschä- digungsrate (§ 1 Abs. 1 unter b) bis zu deren Höhe 20 Mk. Tagegeld für jeden Tag der An­wesenheit in einer Plenarsitzung. Ein Mitglied des Reichstags, desien Mandat, während der Reichstag versammelt ist, erlischt oder niederge­legt wird, erhält während der Zeit seit dem Fälligkeitstage der letzten Entschädigungsrate 20 Mk. Tagegeld für jeden Tag der Anwesenheit in einer Plenarsitzung mit der Maßgabe, daß der Gesamtbetrag der Tagegelder den Höchstbetrag der Entschädigung nicht übersteigen darf, die nach § 1 Abs. 1 unter b am nächsten Fälligkeits­tage zu zahlen gewesen wäre. Das Gleiche gilt wenn der Reichstag aufgelöst wird, während er versammelt ist.

8 4. Die Anwesenheit in der Plenarsitzung ist seitens des Mitglieds des Reichstags während der Dauer der Sitzung durch eigenhändige Ein­tragung seines Namens in eine im Neichstags- gebäude auslieaende Anwesenheitsliste und, so­fern an dem Tage namentliche Abstimmungen des Plenums stattfinden, durch Teilnahme an diesen Abstimmungen nachzuweisen. Die näheren Bestimmungen über den Ort, die Zeit und die Form der Auslegung der Anwcsensheitsliste werden von dem Präsidenten des Reichstags auf Grund der Anwesenheitslisten sowie der Listen über namentliche Abstimmungen festgesetzt und angewiesen.

§ 5. Ein Mitglied des Reichstags darf in seiner Eigenschaft als Mitglied einer anderen politischen Körperschaft, wenn beide "rrcr- schaften gleichzeitig versammelt sind, nur für die­jenigen Tage Vergütung beziehen, für welche ihm auf Grund dieses Gesetzes ein Abzug von der Entschädiaung gemacht ist oder in den Fauen des 8 3 Tagegeld nicht gewährt wird. Auch darf es in dieser Eigenschaft während der Dauer der freien Fahrt auf den Eisenbahnen keine Fuhr- kosten für die Reise zwischen seinem Wohnort und dem Sitze des Reichtstags annehmen.

§ 6. Ein Verzicht auf die Aufwandsent schädigung ist unzulässig.

§ 7. Ist im Falle des Todes eines Mitglie­des des Reichstags eine Ehefrau hinterblieben, so kann die Zahlung an diese erfolgen, ohne daß deren Erbrecht nachgewiesen zu werden braucht.

§ 8. Während des Kalenderjahres 1906 wird bei der Tagung oder Schließung des Reichs­tags den Mitgliedern an Stelle der nach § 1 Abs. 1 unter b zu zahlenden Entschädigung eine solche von 2500 Mark gewährt. Mitglieder des Reichstags, die in der Zeit vom Inkraft­treten des Gesetzes bis zur Vertagung oder Schließung des .-iiu^iags neu gewählt werden, erhalten an Stelle der im Abs. 1 bezeichneten Entschädigung 20 Mk. Tagegeld für jeden Tag der Anwesenheit in einer Plenarsitzung. Die 88 2, 4, 5 und 7 finden für die Zeit vom In­krafttreten des Gesetzes ab entsprechende An­wendung.

Das Erdbeben in Kalifornien.

Die allgemeine Lage.

San Francisco, 24. April. Die Lage ist jetzt bester, da man mit der Verteilung der Lebens­mittel und der Beschaffung des Obdaches nunmehr systematischer und methodischer vorgeht. Tau­sende werden mit der Aufräumung der Stadt beschäftigt. Viele Kaufleute treffen Maßnahmen zur Wegräumung der zertrümmerten Gebäude, um, sobald Arbeiter vorhanden sind, mit dem Wiederaufbau beginnen zu können.

Newyork, 24. April. General Greeley be­richtet, die Zabl der gefundenen Leichen betrage 277, welcher Feststellung aber das übereinstim­mende Zeugnis sämtlicher Zetlungskorrespon- denten, sowie der Bericht des amtlichen Leichen­beschauers Walsh gegenüberstehen. Letzterer konstatierte, daß er und seine Hilfskräfte allein 350 Leichen begraben hätten, wobei die von der Polizei, Marinemiliz und Privaten in Potrero Beerdigten nicht mitgezählt seien. Heute wur­den noch in einem einzigen Gebäude 33 Leichen gefunden. Heute Morgen sind die Zustände in San Francisco bester. Einige Läden an den Grenzen des abgebrannten Distrikts machen Vorbereitungen zur Wiedereröffnung. Die Straßenbahn-Gesellschaft läßt auf der Market- Straße Gleise ausbestern und wird binnen weni­gen Tagen den Verkehr aufnehmen. Der Gouver­neur bewilligte ein 30tägiges Moratorium für die Banken.

Die hiesigen Banken sind bej».,,»igt, ein Schutzkomitee für die Feuerversicherungsgesell­schaften zu bilden, sodaß diese von einer umfang­reichen Abstoßung von Wertpapieren Abstand nehmen können. Es wird geplant, etwa 40 Millionen Dollars flüssig zu machen.

Newyork, 24. April. In San Francisco wur­den insgesamt tausend Leichen gefunden. Das Erdbeben zerstörte die großen DampferMeri- can",Columbian" undCity of Pueoco' säst ganz.

Berlin, 24. April. DieNorddeutsche All­gemeine Zeitung" meldet: Nach einer Meldung aus Washington ist der deutsche Konsul Bopp

Newyork, 24. April. Der amtliche Ausweis des Leichenbeschauers zeigt 1000 Tote. Nach der Meldung desNew Pork Journal" erfolgten ß gestern eine Reihe schwächerer Erdbeben. In der letzten Nacht wurde ein stärkerer Erdstoß ver­spürt, der die ganze Bevölkerung in Aufregung versetzte. Ein Mann sprang aus dem Fenster.

Verluste und Ersatzpflicht.

Durch das Erdbeben und die Feuersbrunst in San Francisco ist eine Menge von Kunst» schätzen zugrunde gegangen. Uner­setzlich ist der Verlust, der durch die Zerstörung der Huntington-Galerie entstanden ist , die der verstorbene Eisenbahnmagnat Collie P. Hun­tington, der Schwiegervater des Grafen Hatz- feldt, angelegt und die er dem Metropolitan- Museum vermacht hatte. Ebenso ist die be­rühmte Sutro-Bibliothek total vernichtet. -Det verstorbene Adolph Sutro hatte im Laufe der Jahre eine Bibliothek von 225,000 Bänden zu­sammengebracht. in der sich namentlich eine große Anzahl alter Manuskripte aus bayerischen Klö­stern, eine vollständige Kollektion von Shake­speare-Folios, Guttenberg- und Caxton-Drucke, alte hebräische Schriftrollen, Bände deutscher, englischer und französischer Zeitungen aus dem 18. Jahrhundert usw. befanden. Infolge de, Sutroschen Erbschaftsprozestes ist kein Katalog dieser Bibliothek vorhanden, so daß man noch nicht einmal weiß, was alles vernichtet wor- den ist.

lleber die Ersatzpflicht der Ver- sicherungs-Eesellschaften äußert sich die Aachen-Münchener Feuerversicherungs-Gesell­schaft in einer Zuschrift an denBerl. Lok.-Anz.", in teilweisem Widerspruch zu den bisher ge­äußerten Ansichten über die Haftpflicht der Ge­sellschaften, dahin, daß alle Brandschäden, welche als eine direkte Folge des Erdbebens anzusehen sind, nämlich alle solchen, welche sich nach einem Zusammenbruch des bezüglichen Gebäudes oder auch nur von Teilen derselben ereigneten, durch die Feuerversicherung nicht zu ersetzen sind. Et­was anderes ist es aber mit denjenigen Schäden, die als die Folgeerscheinung eines Erdbeben» Naturereignistes anzusehen find, also die Fälle der Uebertraaunq des Feuers aus einem durch Erdbeben zerstörten und nachher in Brand ge­ratenen Gebäude auf ein vom Erdbeben unver­sehrt gebliebenes Gebäude; sodann diejenige« nachteiliaen Einwirkungen der Feuerschäden, welche sich als eine Folge der Beschädigung der Wafierleitung durch das voraufaegangene Erd­beben ergeben. In allen Fällen der letzteren Art sei die Ersatzpflicht anzuerkennen.

Der Korrespondent desDaily Erpreß" er­hielt von dem General Funston eine besondere Erlaubnis, die zerstörte Stadt zu besuchen, geriet aber nichtsdestoweniger, wie er berichtet, in die Gefahr, erschossen zu werden, da das im Weich»

89 (Nachdruck verboten.).

An der dänischen Grenze.

Roman von Dietrich Theben.

(Fortsetzung.)

, "UN folgern sie einmal ehrlich und Icgtia) von sich auf andere. Da ist an anderer . ein altes Bauerngeschlecht, gediegen

und bewahrt gleich dem Ihren. Und da kommt ein Sohn, ern gerader, fähiger Mann, und will Ihr Kind, dessen perz er in langem Kampfe ge­wonnen hat, von ^hnen zum Weibe ausbitten, ^a, ist es da nicht auch beleidigend für den, wenn ~ie 1)177U5 Zornesgründen, aus Eigenwillen, Sven Stur! von sich weisen? Wollen Sie anderen das Recht absprechen, Sie zu treffen E? sich selbst aber Vorbehalten? Und noch mehr, Stur: wollen^Sie sich die Gewalt anmaßen, nicht Wbrx'Sinen ebenbürtigen, vollwertigen °uchJhr eigen Fleisch und Blut 'Ä n, , tf)t "ebensglück zu bringen?"

Und wenn et n!ch? um E?Id freien s 1°^ ne nehmen! Ich Habs gesagt und das galt ich!" a

iDas ist etwas," sagte der Pastor trübe Aber StS haben noch mehr, Sie haben zu viel gesagt, Sven, und das widerrufen Sie."

Nein, das tue ich nicht!" stieß der Bauer hart aus.Das erzwingt von mir kein Mensch und kein Gott!"

>(Sott?, Vermessen Sie sich nicht," entgegnete bei Geistliche ernst.Der kann wandeln, der rann auch zermalmen."

iIsis aus?" fragte Stür brüsk.

i Der Vermittler nickte bedauernd.

Es wäre wohl das Beste, Stür, wenn ich .schwiege und ginge."

Er stand auf, besann sich aber und setzte sich wieder.

Nein, es geht nicht, ich bin noch nicht zu Ende. Ich habe Ihnen noch mitzuteilen. Ihr Kind ist nicht mündig und bedarf der Ein­willigung des Vaters. Es ist gut; die haben Sie gegeben, und dem Gesetze ist damit genügt. Ihr Segen fehlt. Den werde ich erteilen. Und ich bin gewiß, Stür: der mich hingestellt hat, sein Wort in seinem Namen zu künden, der wird er­füllen, was ich verheiße! Und ich werde reich ver­heißen und als ein freudiger Diener meines Am­tes walten! Ich habe von Karen und ihrem Verlobten noch nicht gehört, wann sie sich ganz einen und zu mir vor den Altar kommen wollen; aber ich werde taten, die Hoffnung auf Sie auf­zugeben und bald die Hände ineinander zu le­gen... Die Hoffnung auf Sie, Stür... ich hielt sie noch, als ich kam. Die eine Hoffnung, daß Sie Ihr Kind zurückrufen daß Sie sich von ihm danken lassen würden. Sie wollen nicht. Ich gehe, -um dies eine Hoffen ärmer."

Der Pastor schwieg sekundenlang, straffte sich auf und legte etwas erhöhte Kraft in seinen Ton.

Ich habe noch eine Pflicht als Geistlicher und Mann, Sven Stür!"

Verschonen Sie mich!" fuhr Stür rauh wie­der auf.

. "Rein!" klang die Erwiderung, und der Gast

t ^schem Uebergange nachdruancher. Ich habe mich nicht in die politischen Zankereien emgemsscht, und ich habe nicht geglaubt, daß es vahrn kommen würde. Aber Sie, Sie zwingen

-SAui F,?5 Unheil, das durch Ihre Aussaat angenchtet ist das zwingt mich. Und ein klei- Ff5 Spiegelbild muß ich Ihnen vorhaltenmuß in die graue Vergangenheit cru greifen nur in die Gegenwart. Was sind Sie denn für ein Mann, daß Sie nicht

sein wollen, was Sie allein sein können! Daß Sie kein Deutscher sein, daß Sie sich zu den Fremdlingen zählen wollen! Ihren Vater, Ihre Mutter, Stür, haben Sie mit dem deutschen Rufe genannt; die ersten Laute, die Sie mit dem Ge­hör und mit dem Verständnis aufnahmen, die waren gleichfalls deutsch. Und deutsch war die Gefittung, in der Sie aufgezogen worden, deutsch die Sprache Ihrer Lebrer. Deutsch ist die Art Ihrer Mutter, Ihres Weibes, ihre Treue in der Liebe, ihre Selbstlosigkeit in der Pflicht. Deutsches Blut ist um den Boden geflossen, den Sie losreißen wollen, deutsche Siege haben ihn untrennbar in das große Vaterland einoefügt. Deutsch sind die Fürsten, deutsch die Gesetze, die auch Sie schützen. Deutsch ist das Gesangbuch, aus dem Sie in der Kirche singen, deutsch das Wort von der Kanzel. Deutsch war Jlft Ja vor dem Altar und das Ihres Weibes, Ihres Soh­nes, Ihrer zweiten Tochter Ihrer Freunde, aller um Sie her. Typisch deutsch sind die Men­schen um Sie innen und außen: ihre Schlicht­heit, ihre Eradheit, ihre Innigkeit, die Festigkeit, der Rechts- und Eemeinstnn, der Mut, das wache Gewissen und außen: der Helle Teint, das blaue Auge, das Gold der blonden Haare. Deutsch sind die Feste, die Sitten und Bräuche. Deutsch, Sven Stür, war das erste Lied an Ihrer Wiege und deutsch wird das letzte sein, das mit den Schollen in Ihre Grube klingt? Und für das alles alles! find Sie blind und un­empfänglich? Nichts davon packt Sie an? Hin­geben wollen Sie es, alles ausgestoßen werden sollen Sie aus dem Heimischen und ausstoßen wollen Sie die, die doch anders fühlen als Sie, die nicht leben können in Ihrer kalten, fremden, unrealen Welt? Sie sollens nicht, und Sie kön­nens nicht! Sie konnten es nicht bei Ihren eigenen Kindern, die sich zurückgezogen haben, Sie könnens nicht einmal bei sich selbst! Ach, was

Sie wollen, Phrase ists! Zu einem Reiche ge­hören Sie, Stür, daß kein Herkules zertrümmert und dem Sie auch kein Splitterchen entreißen! Dem Sie entsprossen sind und das Sie hält, 06 Sie wollen oder nicht! Nur in die Irre führen, in den schmerzenden Kampf stürzen, das können Sie, und das haben Sie, Gott seis geklagt, reich­lich vollbracht?"

Der Pastor stand schwerfällig auf.

Was Sie Behrend getan haben, was Kare« wie sie den Freudentaa Ihres Sohnes gestört haben Sie müssen es hören: das war unver­zeihlich! Und nur eines ist mildernd für Sie: es war der Schlußeffekt Ihres eigenen Irrens und Sie, der Schuldige, waren mehr zu bekla­gen als dis Schuldlosen!"

Er schloß milde.

Stür, Sie haben noch Zeit. Ihre Tochter warete Ihres Rufes; der Mann ihrer Wahl würde bittend kommen. Lassen Sie es nicht zu spät werden. Und wenn Sie keinen anderen Boten haben, ich will mit Freuden für Sie gehen. Nein? Nicht die Hand? Ich will Sie Ihne« gerne noch siebenmal entgegenstiecken. Lebe« Sie wohl, mein alter Freund!"

Noch ein langer, fragender Blick, dann wandte der Pastor sich fort, grüßte freundlich die junge Frau und wanderte den Deich entlang nach der kleinen Kirche nach seinem Heime zurück.

Stür saß lange in sich versunken, und je mehr er sich getroffen fühlte, um so mehr setzte er sich zur Wehr mit galligem Murren und Fluchen, das erst verstummte, als Wiebke in ihrer leise« Art in die Stube glitt und sich freundlich um de» Alten mühte. Das hatte ihn entwaffnet, so lange das blonde Kind mit dem überreichen Herzen im Hause war und das glättete auch jetzt dieSturm-1 falten auf der harten Stirn . 1

Der Geistliche erstattete Martin Behrend Be­richt über den gescheiterten Versöhnungsversuch,;