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Zweites Blatt

bauen April, nimmt,

Berufsstattftik, der Regelung des Herbergs­wesens, für gemeinnützige und wissenschaftliche Vorträge und für die Fortbildung der Mitglie­der durch Errichtung von Bibliotheken usw. aus­gegeben worden.

meister und etwa zehn Reiter verwundet und ein Unteroffizier schwer verletzt. Mehrere Pferde haben Messerstiche erhalten. Die Erregung ist sehr groß.

der Konfesstonalismus seither zugenommen, aber diese einseitigen Gedanken wollen wir überwinden."

Großbritannien. Der seit längerer Zeit ge­plante Besuch deutscher Bürgermeister und Stadträte in England wird voraussichtlich in der Zeit vom 13. bis 20. Mai zur Ausführung kom­men. Das Londoner Empfangskomitee, an dessen Spitze Lord Lyveden steht, ist mit den Vorbe­reitungen für die zu Ehren und zur Belehrung der Besucher geplanten Veranstaltungen beschäf­tigt. Zn Erwiderung der ausserordentlich herz­lichen Aufnahme, die im vorigen Jahre das Bri­tische Komitee zum Studium ausländischer Ein­richtungen in Deutschland gefunden hat, werden die englischen Stadtverwaltungen ihr Bestes tun, um den deutschen Gästen den Aufenthalt auf englischem Boden angenehm zu machen. U. a. wird der Bürgermeister von London Einlad­ungen zu einem Festmahl in Mausion House er­gehen lassen. Alle Absichten und Massnahmen des englischen Empfangsausschusses sind augen­scheinlich von dem Wunsche eingegeben, durch die in Aussicht genommenen Festlichkeiten zu einer weiteren Vertiefung und Befestigung des guten Einvernehmens zwischen beiden Ländern bei­zutragen.

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Aiksland.

Schweiz. Im St. Galler Großen Rat wurde unlängst über folgenden Antrag verhandelt: Ausnahmsweise kann der Regierungsrat auf Antrag des Eemeinderats und unter Beobach­tung der gesetzlichen Bestimmungen auch für neugegründeten Kirchengemeinden die Anlage neuer Friedhöfe bewilligen." Dieser Antrag richtete sich in seinem tiefsten Grunde gegen das Begräbnisgesetz vom Jahre 1873, welches das Prinzip der bürgerlichen Friedhöfe aufstellte. Es sollte der Versuch gemacht werden, der Er­richtung von konfessionellen Friedhöfen Vor­schub zu leisten. Diesem Versuche aber wurde mit Entschiedenheit entgegengetreten und der An­trag fiel durch. Landamann Mächler erklärte: Wir wollen die Verhältnisse, wo eine Mehrheit einer Minderheit gnädiglich Beerdigung ge­währt und wodurch eben immer Reibereien ent­stehen, wegschaffen zu Gunsten gleichen Rechts für alle auf dem Friedhof." Und Dr. Forrer ließ sich also vernehmen:Der Kanton St. Gallen hat 1873 das Prinzip der bürgerlichen Beerdigung aufgestellt, getragen von einem wahren Friedensgedanken. Das Volk sagte sich: Die Sankt Gallische Erde ist konfessionell nicht abgestempelt. Wir leben miteinander in Freud und Leid und wollen daher auch im Tode nicht voneinander getrennt fein. Run allerdings hat

Das Erdbeben in Kalifornien.

Die allgemeine Lage.

Der Hilfschef des San Franciscoer Feuer­departements drahtet: Am Samstag wird die Stadt ein Aschenhausen sein. Der Brand brei­tet sich immer noch aus und nimmt an Stärke zu. Zwei Drittel des Eeschäftsdistrikts liegen vollständig in Ruinen. Das Wohnungsviertel ist vom Brand ergriffen. Alle Versuche, gegen das Element zu kämpfen, sind anscheinend ohne Erfolg. Heute Nacht werden dreihunderttausend Menschen obdachlos sein. Der Chef derPostal Telegr. Company drahtet: die ganze Stadt ist dem Feuer verfallen, außer dem Viertel zwi­schen dem Golden Gate Park und der Webster- Straße, wo Wasser vorhanden ist und wo die Feuerwehr mit einigen Aussichten auf Erfolg tätig sein kann. Die Feuerwehr hörte in an­deren Stadtteilen erst auf, als selbst aus den Abzugskanälen keine Flüssigkeiten zur Be­kämpfung des gierigen Elementes mehr entnom­men werden konnten. Als die Flammen die Van-Neß-Avenue, eine sehr breite Straße, über­sprangen, gaben die Bewohner die Hoffnung auf, die Stadt zu retten. Die prächtigen Pa­läste im Rob-Hill-Distritt mit reichen Kunst- schätzen, sind gestern Abend verbrannt.

Ausserdem droht eine Hungersnot. Der Nah­rungsmittelvorrat ist ganz vernichtet, das Wasser nicht genügend für die Feuerwehr, viel weniger zum Trinken und Kochen. Die Münze mit 160 Millionen Mark in Gold und Silber ist sicher, aber auch sehr von Feuer beschädigt. Einige ihrer Steingesimse schmolzen weg. Mi­litärabteilungen bewachen die Ruinen der Banken.

Furchtbare Leidensgeschichten werden be­kannt. Viele, die in den Ruinen eingeklemmt waren, konnten sich nicht befreien, ehe das Feuer zu ihnen kam. Ein Mann namens Hussey sah, wie ein so Eingeklemmter einen Polizisten bat, ihn zu töten. Der Polizist feuerte seinen Re­volver ab, schoss aber fehl. Darauf schnitt Hussey selbst dem eingeklemmten Mann die Arterien auf. Dieser sprach weiter vernünftig, bis er verblutete. DasDaily Chronicle" meldet aus Oakland, imMechanics Pavillon" wie im Park Emergency Hospital", wohin die Ver­wundeten zuerst gebracht wurden, seien viele da­von verbrannt. Bürgermeister Schmitz mit einer Schar Freiwilliger rettete bei Kerzenlicht Leute aller Nationen aus den Kellern des Stadthauses, die dort lagerten. Die Toten mußten unter den Ruinen zurückbleiben.

Newyork, 20. April. Fliebende Menschen- schaaren aus San Francisco belagern die um­liegenden Orte, namentlich Oakland und Ber­keley, wo die Nahrung schon knapp ist. Letzt» Nacht hatte kein Restaurant mehr Speisen. Man schätzt die Zahl der gegenwärtig auf dem Marsch nach den umliegenden Ortschaften be­findlichen Bewohner von San Francisco auf 150 000, wobei schwache Frauen und Kinder sind, die häufig vor Erschöpfung niederfallen. Das Erdbeben richtete an der Stanford-Univer­sität einen Schaden von 4 Mill. Doll, an, in­dessen wurden viele wertvolle Bücher und son­stige Sammlungen gerettet.

Newyork, 20. April. Mit dem letzten Rest der Sprengstoffe wurden vom Sicherheitsaus- schusse nicht weniger als sechzehn Häusergevierte auf einmal zerstört. Sie lagen an der Van-Netz-.

und alljährlich am 1. an dem man nichts ernst darauf ihremGötzen"

Marburg

Snmitaa. 22. April 1906

Umschau.

Niedriger hänge«!

Der Gemeinderat in Waldshut, einem badischen Städtchen, hat den Beschluss gefasst, den Vismarckplatz in St. Josefs- Platz umzutaufen. Diese an sich schon merk­würdige Umtaufe begleitete der in Ettlingen (bei Karlsruhe) erscheinendeBadische Landsmann, ein sehr verbreitetes und viel gelesenes badisches Zentrumsblatt, mit fol­genden Bemerkungen:

Bravo! Es ist an sich ein Zeichen grosser Charakterschwäche, dass bei uns im Badener Lande Bis­marck solche Verehrung geniesst. Wir Badener sollten uns doch etwas mehr auf uns selbst besinnen und bedenken, dass Bismarck es war, der ad majorem gloriam Borussiae uns Anno 66 den blutigen Krieg aufhalfte und nachher verschiedene Silber­linge abknöpfte. Mögen All- und Stall-Deutsche Bismarcksäulen

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Sorrrttagsbeilaae: Allustrirtes SanntaaSbrasß.

Bismarck ein Rauchopfer dar­bringen, wenn sie einen Stier oder besser einen (aber vierbeinigen) Esel darauf brieten, wäre das Ganze noch na­türlicher das badische Volk als solches hat keinen Teil daran."

Man schämt sich ordentlich, eine derartige Niedertracht in einemchristlich-katholischen und dabei auch deutsch (!) sein wollenden Blatte zu lesen. Es fehlt uns jeder Ausdruck, um diese Gesinnung mit Worten gebührend brandmarken zu können.Wir denken", schreibt dazu dieBadische Presse",viel zu hoch von der Ehrenhaftigkeit auch unserer politischen Gegner, als daß wir nicht überzeugt wären, dass die Führer der Zentrumspartei mit diesem ver­ächtlichen Erguss des Eittinger Blattes auch nur das Geringste zu tun haben möchten. Aber dieAll- und Stall-Deutschen", die Tausende und Abertausende vaterländisch gesinnter badi­scher Männer, einerlei welcher Konfession und welcher Partei, die in dankbarer deutscher Treue die Grösse Bismarcks zu bewundern nie aufhören werden, sie werden die Herzensmein­ung des Zentrumsblattes von Ettlingen, der Stadt mit der hochragenden Bismarckfäule der bcgeistetten Karlsruher Hochschuljugend, nicht vergessen und darin ein bitteres Mahnwort für künftige Zeiten erkennen." Im übrigen Reichs aber macht diesesEhren-Blatt" die Runde durch die nationale Presse und man wird auch dort eine Mahnung herauslesen.

Die grösste deutsche Arbeiter- Organisation.

Der Vorstand des Deutschen Metallarbeiter­verbandes, der sich über das ganze deutsche Zoll­gebiet erstreckt und seinen Hauptsitz in Stutt­gart hat, veröffentlicht soeben die Abrechnung für das Jahr 1905. Nach ihr stieg, wie wir der Soziapolitischen Rundschau entnehmen, die Mit­gliederzahl dieses Vereins von 198 964 am Ende des Jahres 1904 auf 259 692 (249 457 männ­liche und 10 235 weibliche) am Ende des Jahres 1905. Das Organ des Verbands, die Metall­arbeiterzeitung. hat eine Auflage von fast 300000 Exemplaren. Die Abrechnung bilanziert mit 5647418,30 31, die Reineinnahme war 5107717,41 31. Die Ausgaben für Unterstützungen an die Mitglieder sind folgende: Für Unterstützung an auf der Reise befindliche Mitglieder 247 372,13 M, für Arbeitslosenunterstützung 480187,58 31, für Streikunterstützung 2 084 549 M, für Rechtsschutz 81361,17 31, für Unterstützung in besondern Notfällen 174 127,75 3<, für Um­zugsunterstützung 51421,62 31. Unter den Aus­gaben erscheinen noch folgende bedeutende Po­sten: Für die Metallarbeiterzeitung 157 049,88 .W, für Unterstützung an andere Organisationen 51000 31, für Aufrechterhaltung internationa­ler Beziehungen 4569,85 31, die persönlichen Verwaltungskosten betrugen 35 146,54 31, die sachlichen 88 337,25 31. Der Verband hat den Zweck, die materiellen und geistigen Interessen seiner Mitglieder zu wahren und zu fördern. Von den eingebauten Beiträgen sind den Mit­gliedern 3119 019,27 31 in Form von Unter­stützungen wieder zugeflossen, mehr als eine halbe Million wurde dem Reservefonds, der jederzeit zur Verfügung der Mitglieder steht, einverleibt. Hunderttaufende sind zur Pflege der

Deutsches Reich.

Berlin, 21. April

Seine Majestät der Kaiser trifft heute Samstag, von Schlitz kommend, in Homburg v. d. H. zu längerem Aufenthalt ein. Die Kai­serin und Prinzessin-Tochter sind, wie schon ge= meld-tt, bereits gestern Vormittag dort angekom­men. Der Kaiser wird im Laufe des Monats Mai zu mehrtägigem Besuch auf seinem Gute Kabinen erwartet. Im Juli wird voraussicht­lich die Kaiserin mit den jüngsten Prinzen und der Prinzessin Viktoria Luise dort längeren Auf­enthalt nehmen.

Der Reichskanzler ist jetzt so weit wieder­hergestellt, dass er die letzten Tage ausserhalb des Bettes zubringen konnte. Er wird voraussichtlich Anfang Mai eine Erholungsreise antreten. Wo­hin dieselbe geht, ist noch nicht ganz bestimmt.

Zur Personentarifreform meldet dieK. Ztg.": Das Ministerium brachte zum Ausdruck, dass der neue Schnellzugszuschlag die Platzgebüh­ren im allgemeinen ersetzen und daß außer in den jetzigen v-Zügen nur bei wenig anderen Schnellzügen die neuen Zuschläge erhoben wer­den sollen. Die neuen Eepäckfrachtsätze sollen nur bei gleichzeitiger Lösung einer Fahrkarte in An­wendung kommen. Bei der Berechnung der Ent­fernungen wird grundsätzlich daran festgehalten, daß bei verschiedenen Wegen der kürzeste Weg der tarifbindende sei.

Ueber die Verhandlungen der General­versammlung der Steuer- und Wirtschafts-Re­former ist soeben der stenographische Bericht aus- gcgeben worden. Er bildet einen stattlichen Band von 237 Seiten Stärke und kann zum Preise von 2 Mark von dem Bureau der Ver­einigung (Sekretär Stephan) Hagelsbergerstr. 18, Berlin SW. 47, bezogen werden. Aus dem reichen Inhalt des Berichtes, der geeignet ist, weiten Kreisen dankenswerte Anregungen und Auskünfte zu erteilen, fei folgendes hervorge­hoben: Ueber den ersten Gegenstand der Tages­ordnungUnsere Kolonien! ihre Behandlung in wirtschaftlicher Beziehung" sprachen zwei gründ­liche Kenner des Kolonialwesens, Generalleut­nant a. D. von Lieber! und Hauptmann a. D. Leue. Zu dem ThemaDas Deutsche Reich in seinen Beziehungen zu denjenigen Staaten, mit welchen Handelsverträge nicht abgeschlossen sind, insbesondere zu den Vereinigten Staaten von Nordamerika" machten Prof. Dr. v. Wenckstern (Greifswald), sowie Abgeordneter v. Kardorff- Wabnitz interessante Angaben über unsere Stell­ung zu den Vereinigten Staaten von Amerika. Der erstgenannte Referent beschäftigte sich vor allem eingehend mit der Frage, bis wann an die Stelle des abgeschlossenen Provisoriums ein bindender Vertrag getreten sein müsse, wenn das gesamte deutsche Wirtschaftsleben vor dauern­dem Schaden bewahrt bleiben soll. Die nicht minder aktuelleReichsfinanz-Reform" behan­delten Prof. Dr. Eerlach (Königsberg i. Pr.) und Justizrat Dr. Freudenstein (Hannover). Hierbei wurde besonders eingehend die Reichserbschafts- steuer erörtert. Zum Schluß verbreitete sich Reichstags- und Landtagsabgeordneter Dr. Arendt (Berlin) überDie Deutsche Reichsbank seit der Novelle zum Reichsbankgesetz vom 7. Juni 1899".

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, UniverfitStS-Buchdrnckerei 41. Jahrff.

Marburg, Markt 2L Telephon 55.

Neueste Telegramme.

Berlin, 20. April. Auf der rumänischen Ge­sandtschaft fand heute ein Festmahl statt aus Anlaß des Geburtstages des Königs Carol, der zugleich der 40. Jahrestag der Volkswahl ist, durch welche Carol auf den rumänischen Thron berufen wurde. Im Auftrage des Kaisers über­brachte Prinz Eitel Friedrich, der ein Patenkind des Königs ist, die Glückwünsche des Kaisers und brachte während des Mahles mit ganz be­sonders herzlichen Worten einen Trinkspruch auf den König aus. In Erwiderung toastete der - rumänische Gesandte auf den deutschen Kaiser, wobei er der verwandtschaftlichen und freund­schaftlichen Beziehungen gedachte, die seit den 40 Jahren zwischen dem Kaiserhause und der Hohenzollerndynastie in Rumänien bestehen. Am Mahle nahmen unter anderen teil der Prinz Karl von Hohenzollern, der Staatssekretär des Auswärtigen, der Kriegsminister und der Ee- neralfeldmarschall v. Hahnke.

München, 20. April. Der Prinzregent ge­nehmigte die Enthebung des Prinzen Arnulf von Bayern vom Kommando des 1. Armeekorps, unter Ernennung desselben zum Inhaber des Jnfanterie-Leibregiments. Das Kommando des L 1. Armeekorps übernimmt Prinz Rupprecht.

Kairo, 20. April. (Reuter.) Es wird amt­lich gemeldet, daß beschlossen worden ist, die eng­lische Besatzung in Egypten zu verstärken.

Die Unruhen im französischen Wlenaebiet

Lens, 20. April. (W. B.) Der Minister des Innern Clemenceau traf heute Vormittag wie­der hier ein. Er besuchte eine Anzahl Gruben­arbeiter in ihren Wohnungen und nahm ihre Beschwerden entgegen. Der Minister versam­melte sodann die Direktoren der Erubengesell- schaften um sich und ließ sich Angaben über die den Arbeitern bewilligten Verbesserungen ma­chen, da er befürchtete, daß die Arbeiter die Grubendirektoren missverstanden hätten. In einer zweiten Zusammenkunft, die am Nach­mittag stattfinden wird, soll eine Ansprache an die Arbeiterbevölkerung verfaßt werden. Eine Bande von Ausständigen plünderte heute Vor­mittag auf dem Markte des an der Straße nach Vieux-Condv gelegenen Ortes Cantin die Eier- und Fischkörbe und schleuderte Steine nach den benachbarten Häusern. Als die Soldaten, die zugegen waren, Verstärkungen erhielten, flüchte­ten die Ausständigen, wobei sie mit Steinen warfen. Nachts trafen neue Truppen hier ein. Der Minister Etienne kam heute Vormittag ebenfalls hier an; er verteilte an die Offiziere, Soldaten und Gendarmen, die Verwundungen daoongetragen haben, Auszeichnungen. Auf dem Sarg des vorgestern getöteten Leutnants Lau- tour legte der Minister das Kreuz der Ehren­legion nieder.

Paris, 20. April. Wie die Blätter aus Lens melden, hatten mehrere Hunderte von Ausstän­digen den Plan gefaßt, den Kommandanten der -truppen im Streikgebiet General Jaquelot, der fein Hauptquartier am Bahnhof hat, gefangen Zu nehmen; doch wurde dieser Anschlag durch die starke Besetzung der Zufahrtsstraßen mit Militär vereitelt.

Paris, 21. April. (W. B.) Die Blätter ver­öffentlichen aus dem Kohlenstreikgebiet Depe- chen, nach denen die heute stattgehabten Ruhe- törungcn noch weitaus schlimmer verliefen, als >ie ersten Berichte vermuten liessen. Als be- onders bedenklich wird die Lage im Bezirk Va- enciennes geschildert, wo in zahlreichen Ort- chaften blutige Zusammenstöße der ausständigen Bergleute mit der Gendarmerie und den Trup­pen stattfanden. Die Bevölkerung sei höchst be­unruhigt und verlange energische Maßnahmen zur Unterdrückung der geradezu revolutionären Bewegung.

Arras, 20. April. Aus Liovin wird gemeldet daß die Truppen dort scharf, jedoch in die Luft geschossen haben. Die Gendarmerie wird be­lagert. General Jaquelot de Boisrouvray soll mit ihr eingeschlossen sein. In Noeux-les-Mines versuchten tausende Streikende wiederholt die Dureaux der Gesellschaft anzugreifen, wurden je­doch jedesmal zurückgetrieben. Zu den Zusam- Menstößen bei Haveluy wird noch gemeldet, dass die Ausständigen 56000 Mann stark waren Ind eine Kundgebung gegen 200 Bergleute, die 2>ie Arbeit noch fortsetztsn, veranstalten wollten. Lm Laufe des Handgemenges wurden zwei Ritt-

Vierteljährlicher Bezugspreise bei oer Expedition 2 Mk, nn bei allen Postämtern 2,25 M. vkxtt. Bestellgeld),

»fw Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Ncclamen: die Zeile 25 Nd-,.