und Kirchhain.
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Neclamen: die Zeile 25 Pfg.
Neueste Telegramme.
Berlin, 18. April. Die Fahrt des Kaisers nach Spanien sollte nach dem ursprünglichen Plan vor sich gehen. Dann hieß es, sie sei bis auf den Oktober verschoben. Jetzt aber meldet die „Post", daß sie überhaupt nicht, wenigstens nicht in diesem Jahre, stattfinden werde, ebensowenig wie eine Mittelmeerreise des Kaisers.
Stuttgart, 18. April. Der 9. deutsche Historikertag, der aus allen Teilen Deutschlands, Oesterreichs und anderen Staaten gut besucht ist, wurde heute Vormittag durch Professor Dr. v. Below-Freiburg eröffnet. Der Kultusminister Dr. v. Weizsäcker überbrachte der Versammlung die Grüße des Königs und hieß im Namen der Staatsregierung die Herren willkommen. Im Namen der Stadtverwaltung begrüßte Ee- meinderat Dr. Mattes die Versammlung, im Namen der Landesuniversität Profesior Dr. von Rümelin und im Namen der technischen Hochschule Rektor Oberbaurat Prof. Möricke. Hierauf wurde in die Beratungen, die die ganze Woche andauern sollen, eingetreten.
Hagenau, 18. April. Ein kriegsstarkes Reserve - Infanterie - Regiment wird auf dem Truppenübungsplatz Hagenau aus Offizieren, Unteroffizieren und Landwehr 1. Aufgebots aus dem Bezirke des 14. Armeekorps demnächst formiert. Die Uebnng dauert vom 26. April bis 9. Mai.
Metz, 18. April. Der Kaiser sandte folgendes Telegramm an Frau Stoetzer: „Mit tiefster Betrübnis habe ich die Nachricht von dem plötzlichen Ableben Ihres Herrn Gemahls erfahren. Ich verliere in ihm einen meiner tüchtigsten und besten Generäle, im Kriege wie im Frieden erprobt, ein Vorbild von Pflichttreue und Tatkraft für sein Armeekorps, das er mit großem Erfolge kommandiert hat. Wie sein Andenken in den Reichslanden stets lebendig bleiben wird, fo werde auch ich seiner stets in Dankbarkeit gedenken. Die in Ihrem Hause verlebten schönen Stunden werden mir unvergeßlich sein. Möge Gott Sie in Ihrem großen Schmerze trösten."
Nom, 18. April. Das „Eiornale d'Jtalia" veröffentlicht eine Mote, worin die Gerüchte über die zwischen Deutschland und Italien wegen der Konferenz in Algeciras ausgebrochenen Meinungsverschiedenheiten in Abrede gestellt werden.
Paris, 18. April. Der Vertrag über die neue russische Anleihe ist hier unterzeichnet worden.
Madrid, 17. April. Die Hochzeit des Königs ist auf den 3. Juni angesetzt. Die Feste beginnen am 28. Mui; sie umfassen eine Parade, Bankette, Empfänge, Bälle, drei Stiergefechte, Illumination, Zapfenstreich und Vorstellung im Teatro Real, mit einem Vorbeizug typischer Figuren der spanischen Provinzen. Das end-
?4 lNachdruck verboten?
An der dänischen Grenze.
Roman von Dietrich Theben.
. (Fortsetzung.)
„Da stimmt was nicht," fiel Sven finster ein; "da ist er zu Haus gewesen — Sonnabends immer — da gibts kein Ausgehen. Sonnabends und Sonntags — das gibts nirgends."
..Das glaub ich: mit Deiner Erlaubnis nicht," bestätigte Jürs Tofohr. „Aber ohne die? Du wirst nicht jeden Abend in die Kammern leuchten und Nachschau halten, ob auch alle da sind. Und er war nicht da. Er war unterwegs, heimlich. Bis um die Mitternacht ist er bei seinem Bruder gewesen —“
,Lat der das zugegeben?" fragte Stur.
- „Ja, das hat er —“
„Und da ist der mitschuldig?"
k „Er sucht sich herauszureden. Aber das bat er eingestanden, daß er dem Bruder geholfen hat — ich mein, daß er ihm das Zeug gegeben und es ihm ackch fertig zurechtgemacht hat. Für Rattenzeug, behauptet er. Genug, als Vehrend so weit war — gleich ein Schock Zeugen hatte er, die den Kammerich an dem Abend gesehen hatten — da wandte er sich an die Polizei und überließ der das weitere. Und die forschte dann auch nach, holte sich gestern in aller Stille den Liigumklosterer und packte heute auch den Hauptschuldigen."
„Das nenn ich Energie von Behrend," sagte Jens Frederiksen mit beabsichtigter Anerkennung. „Na, und Dein Zweites, Jürs?"
„Das trifft Dich, Behrend, Soensen und §tür."
Er holte abermals einige Papiere aus der Tasche und legte sie vor sich hin.
' „Die Regierung ist nicht erst seit gestern auf Kammerich aufmerksam geworden," erläuterte er. „Sie hat sein Treiben schon länger beobachten lassen. Und wäre der jetzt nicht verhaftet worden — der Ausweisungsbefehl war schon —
gültige Programm wird erst nach der Rückkehr des Königs, der gegenwärtig zum Besuche seiner Braut in Cowes weilt, veröffentlicht werden. Zahlreiche Fürstlichkeiten haben ihren Besuch bereits angekündigt; Deutschland wird wahrscheinlich durch den Prinzen Albrecht vertreten sein. Die Trauung findet in der San-Jeronimo- Kirche statt.
London, 18. April. Ein englischer Staatsmann bemerkte zu dem Gerüchte von einer beabsichtigten Allianz zwischen England und Spanien: „Wir wißen, daß ein solches Gerücht umgeht und es ist möglich, daß sich dasselbe verwirklicht."
Peking, 17. April. Bei Herstellung des Kabels von Manila nach Schanghai, welches das letzte Glied der den Amerikanern gehörenden Kabelverbindung zwischen Amerika und China bildet, übersandte Präsident Roosevelt der Kaiserin-Witwe und dem Kaiser ein Telegramm, worin er zur Vollendung des Werkes feine Glückwünsche ausspricht, welches die beiden Völker näher aneinander führen werde, und worin er die freundliche Gesinnung der Amerikaner für China ausspricht. Der Kaiser erwiderte, er hoffe, daß durch die Vollendung des Kabels der Handel zwischen China und Amerika sich immer mehr entwickeln werde.
Oesterreich und Ungarn.
Man schreibt uns nicht ohne optimistische Uebertreibungen, aber doch aus guter Kenntnis der bei der Entwirrung in Ungarn Ausschlag gebenden Faktoren: Noch liegen nicht alle Einzelheiten des Friedensschluffes klar vor uns, zumal in welcher Form das allgemeine Wahlrecht kommt, ist noch ungewiß. Aber daß der Friede gesichert und Kaiser Franz Josef der unbestrittene Sieger ist, weiß alle Welt. Wer wollte dem alten Kaiser diesen unerwartet raschen und großen Sieg nicht gönnen, wen freut es nicht, daß die Idee des dualistischen Donaustaates sich gegen die zersplitternden Unabhängigkeitsgelüste der Madjaren behauptet hat? In Deutschland hat die öffentliche Meinung ja von vorn herein anerkannt, daß historisches Recht wie politische Vernunft in dem Konflikte ganz auf Seiten des Kaisers ständen, in Deutschland hat man in dem mutigen Ministerium Fejervary ernste Politiker gesehen und nicht „verrückte gehirnweiche Menschen, deren Dummheit ihre Gefährlichkeit paralysiert", wie noch vor einigen Wochen Banffys Blatt „Pesti Hirlap" sie beurteilte — und doch haben auch bei uns nur wenige einen Sieg erwartet wie diesen. Ist doch die madjarische Kommandosprache, der Angelpunkt des Konfliktes, jetzt lautlos in der Versenkung verschwunden, die Regierung erhält Indemnität, das Heer die gewünschte Verstärkung und das Land nach Fejer- varys Programm das allgemeine Wahlrecht,
gleichzeitig — ergangen. Und mit betroffen sind die Hauptkumpane, die sich an seinem Hetzen beteiligt haben. Von Dir, Stür, die beiden" — er verlas die Namen — „von Vehrend einer; von Svensen zwei; von Dir, Jens, der —,“ wieder ein dänisch klingender Name. „Sie haben sich binnen vierundzwanzig Stunden über die Grenze zu verfügen,"
In Stür kochte es.
„Die besten Arbeiter! Grad die besten!" zischte er. „Werden mir die weisen Herren von der Regierung denn auch einen Ersatz schicken? Oder — kommen sie vielleicht selbst? — Zerreißen werd ich Dir den Wisch!"
„Das wirst Du nicht tun."
„Tintenhelden die!"
„Laß gut sein, Sven; ich muß mich ja auch fügen," suchte Frederiksen zu besänftigen und zugleich auf ein Nebengleis abzulenken. „Freilich, die Maßregel grad in diesem Augenblick, ich weiß nicht: kann denn da nicht einer dabei sein, der auch keine sauberen Hände hat? Wo sie doch sonst zusammenhielten?"
„Das ist mir auch eingefallen," stimmte Tofohr bei. „Aber die Befehle sind da und müffen durchgeführt werden. Und wird die Strafe für eins«, zur Wohltat, so ist das eben ein Zufall, den die Behörde nicht voraussehen konnte. Stür ich muß also weiter meine Pflicht tun: es wird mir nicht leicht..."
„Ich — werd wohl auch noch wandern müssen," erwiderte Sven heftig. ,Mmm mich man gleich mit."
Tofohr blieb ruhig und erbat wieder Ockos Geleit, um den betroffenen Knechten die Maßregelung bekannt zu geben.
„Es ist doch gut so, daß ich — bei der Wahl verschont geblieben bin," sagte Stür während Tofohrs Abwesenheit erbost. „Den Büttel — "rauch ich nun nicht zu machen."
Er hielt sich zur Seite, als Tofohr mit Jens nach dem Nachbarhof aufbrach, um auch dort —- wenn der Vogel noch da war — trotz des Sonntags seinen Auftrag auszuführen. ...
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41. Jahrg.
dessen es zum Besten seiner Rationalitäten wie zur Gesundung seiner Wirtschaft so dringend bedarf. Und das alles hat der Kaiser vor jenem verhängnisvollen Apriltage erreicht, an dem er ohne diesen Friedensschluß die Versaffung Ungarns hätte beiseite schieben müffen.
Man sollte meinen, daß die Koalierten eigentlich nichts Befferes hätten tun können als diesen „Verfassungsbruch" in Ruhe erwarten. Er bot ihnen doch den besten Agitationsstoff, um die Nation von neuem patriotisch zu „begeistern", d. h. zu verhetzen. Warum ließen sie sich nur diese Gelegenheit entgehen, warum geben sie trotz dieses Trumpfes das Spiel verloren? Sie mußten. Die Regierung hatte zwei noch stärkere Trumpfe, einmal die Bauern, die sich ihr mehr und mehr zuwandten, und sodann den Verwaltungsapparat, den sie sich schon jetzt in vielen Komitaten errungen hatte und in den übrigen im Laufe des Sommers leicht gewonnen hätte. Neuwahlen gegen die Beamten und die Bauernschaft aber durste die Koalition um alles in der Welt nicht riskieren. Man weiß ja, wie in Ungarn Wahlen zustande kommen. Zudem war Banffy nicht mehr in der Koalition, Banffy, den ganz Ungarn als „den Wahlmacher" kennt, schon warb er deutlich wieder um die Gunst in Wien und schon flog das Gerücht, er sollte im Herbst gegen die Koalierten die „Wahlen machen". Diesem Schrecken zog man selbst den Frieden mit der Krone vor! Die Koffuthisten konnten es noch mit einigen Ehren, denn Frani Koffuth hat stets das allgemeine Wahlrecht verfochten und braucht es auch kaum zu fürchten. Die beiden kleinen Koalitionsparteien dagegen, die Verfaffungs- und die Volkspartei, zwei aristokratische Zirkel, die bisher das allgemeine Wahlrecht auf das heftigste befehdeten, haben sich nunmehr selbst die politische Existenzberechtigung geraubt, als sie auf Kossuths Wort binnen 24 Stunden ihre Grundsätze umkehrten und dem Friedensprogramm ohne Widerspruch beitraten. So schmilzt das alte Ungarn dahin, das neue aber regt sich schon, schon bilden selbst die Schwaben Südungarns deutsche Wahlkomitees, die Geister erwachen und auch in Ungarn „wird es eine Lust zu leben".
Deutsches Reich.
Berlin, 19. April
— Seine Majestät der Kaiser traf gestern Mittwoch Vormittag in Eisenach ein. Nach dem Empfang begab er sich im offenen Wagen zur Wartburg, wo in Gegenwart des Kunstmalers Oetken (Berlin) die Enthüllung des letzten Mosaikgemäldes der Elisabethenkemenate stattfand. Die als Bekleidung des Kamindaches angebrachte Mosaik stellt das Gastmahl Kaiser Friedrich II. und das Mantelwunder der hei-
„Adieu, Stür."
Sven beachtete die ihm gebotene Hand nicht. „Ja, geh nur," murrte er in sich hinein.
9. Kapitel.
Wenn ein Regenwetter auf einen Wald niedergeht, so tropft es von Laub und Aesten nach; und wenn ein Ereignis die Gemüter der Menschen erregt hat, so hinkt die Beruhigung langsam hinterher.
Auf dem Stürhofe wollte sie so bald nicht wieder einkehren, und als Ockos Hochzeitstag herangekommen war, wühlte die grollende Unzufriedenheit in Sven tür noch nach. Die gerichtliche Verhandlung gegen die Brüder Kammerich hatte ihr kurz vorher noch einen neuen Anlaß gegeben. Der Photograph war gelinde davon gekommen, weil er von seinem Bruder entlastet worden war, und hatte nun die gastlichen Marken Schleswigs zwangsweise verlaffen müffen; der Knecht Steven aber war vollständig überführt und für geraume Zeit hinter Kerkermauern unschädlich gemacht worden.
Die Einzelheiten der Verhandlung hatten durch das Tondernsche Lokalblatt in der Strandmarsch eine weite Verbreitung gefunden, und die öffentliche Meinung war für den Stürhofer und die Dänenparteiler nicht gerade schmeichelhaft. Und daß er sich und seinen politischen Freunden da einen in seinem Kerne berechtigten Vorwurf zugezogen hatte, drückte Sven Stür am meisten. Es machte ihn nervös verwundbar und ließ ihn bei der geringsten Ver- anlaffung mit einer hitzigen Gereiztheit auffahren, die zu dem Anlässe selbst meist in keinem Verhältnisse stand.
Am Freudentage des jungen Paares ging er schon früh unruhvoll umher, polterte in den Wirtschaftsräumen und mäkelte an den harzduftenden Tannengewinden, die vom Frederik- senschen Hofe herühergebracht und am Abend vorher in Flur und Wohnräumcn befestigt worden waren. - „
ligen Elisabeth dar. Um 1 Uhr 15 Minuten reiste der Kaiser nach Schlitz weiter, wo die Ankunft um 5 Uhr erfolgte. Am Bahnhofe wurde der Kaiser vom Grafen Eörz-Schlitz empfangen. Bis zum Schloßpark bildeten Vereine und Schulen Spalier. Die Stadt ist reich geschmückt.
— Die kaiserliche Familie wird nach den bisherigen Bestimmungen am 12. Mai, von Straßburg i. E. kommend, auf Schloß Urville ein- trefen und dort einen sechstägigen Aufenthalt nehmen. Vom 18. bis 21. Mai wird das Kaiserpaar in Wiesbaden weilen.
— Bei der Landtagsersatzwahl für Stade I wurden von 139 abgegebenen Stimmen für den Hofbesitzer Peter Otters auf Jork (Bund der Landwirte) 116 und für den Gegenkandidaten Peter Giese-Mittelnkirchen (Bund der Landwirte) 23 Sttmmen abgegeben. Ersterer ist somit gewählt.
— Die parlamentarischen Körperschaften werden nach Ablauf der Osterpaufe eine überaus umfangreiche Arbeit zu erledigen haben. Das Hauptstück bildet für den Reichstag die Reichsfinanzreform, für den Landtag das Schulunterhaltungsgesetz, aber auch im übrigen bleibt noch ein gewaltiger Rest von gesetzgeberischen Aufgaben zu bewältigen; so im Reiche di« Militärpensionsgesetzentwürfe und der Etat. Was den Stand der parlamentarischen Arbeite« in Preußen anlangt, so liegt es in der Absicht, am 3. Mai die zweite in den Formen der dritten Lesung vorzunehmende Abstimmung über die beiden, Verfassungsänderungen enthaltenden Wahlgesetze zu erledigen. Ferner soll an diesem Tage die erste und voraussichtlich auch die zweite Lesung des Gesetzentwurfs, betreffend die Aenderungen der Artikel 26 und 112 der Verfassung stattfinden. In beiden Fällen handelt es sich um Gesetzentwürfe, die ernstlich nicht umstritten werden. Der zu zweit erwähnte Gesetzentwurf ist von Vertretern aller Parteien des Hauses eingebracht und hat auch abgesehen von seinem Zusammenhangs mit dem Schulunterhaltungsgesetz eine besondere allgemeine Bedeutung. Man wird in der Annahme nicht fehlgehen, daß alsdann auf die Tagesordnung die erste Lesung der Nebenbahnvorlage gelangen wird, die nach den bisherigen Erfahr, ungen mindestens zwei Tage in Anspruch nehmen dürfte. Von weiterem gesetzoeberiicheni Material ist zurzeit verteilt der Bericht bet Steuerkommission über den von Mitgliedern beider konservativen Fraktionen und des Zentrums eingebrachten Gesetzentwurf wegen Aen- derung des § 53 des Kommunalabgabengesetzes. Ferner dürften unmittelbar nach dem Zusammentritt des Abgeordnetenhauses zur Verteilung gelangen die Kommissionsberichte über die Novelle zum Einkommen- und Ver- mögenssteuergesetze, sowie über dre Novelle zum Knappschaftskaffengesetz. Dre an« deren gesetzgeberischen Vorlagen besinden sich teils noch im Stadium der kommissarischen Vor-
Den Bräutigam stötte et nicht, aber Karen kreuzte er überall den Weg und hatte immer knurrend auszusetzen. Ihr schlichtes weißes Kleid war ihm zu ärmlich und als sie sich weigerte, den schweren, von der Mutter ererbten Eollffchmuck anzulegen, ließ er sich fast zu einer Tätlichkeit hinreißen.
„Bist eine Betteldeern?" schrie er sie an. „So 'ne Fahne — und denn auch das noch nicht —?
Wütend stieß er mit der Faust nach dem kleinen Ebenholzkasten, den er hervorgeholt und geöffnet vor sich hingestellt hatte. Der Kasten flog vom Tische, und zwei große, altmodiscke Ohr- gehänge, ein Medaillon und eine Halskette la. gen auf dem Boden. o.
Das stolze, schlanke Mädchen preßte die Lippen aufeinander und sah ihn furchtlos an.
Ich kann nicht, Vater." sagte sie nach Sekunden klar und fest. „Ich geh- um Ockos und Wiebkes willen — aber für mich ist das — lein Freudenfest, ich hab' — keine Seele dabei, idj hab' wohl — überhaupt keine.
Ein ergreifender Schmerzenston zitterte durch ihre Worte, wenn auch in seltsamem Ee- gensatze dazu ihr Antlitz kalt und marmorn blieb.
„Dann nicht, Du — Du?
Er wandte sich grimmig ab und starrte aus dem Fenster, während sie die Erbstücke auflas und wieder an den alten Platz in Svens Schreid-
sekretär zurückstellte.
„Vater ich bin soweit."
Stumm stieg er mit ihr in den Wagen, und stumm und verschlossen verharrte er auf der Fahrt.
Vor der Kirche musterte er mißtrauisch di« Neugierigen, und freudlos, ohne Herzenswünsche, mit einem dumpfen Gefühl fast feindlicher Abkehr, einem losen, unbestimmten, ver- schwimmenden Fürchten, einem nicht faßbaren, aber doch auch nicht zu bannenden, drohende« llnheilnahen folgte er der Feier.
(Fottsetzung folgt.)