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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Marburg

Donnerstag, 19. April 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck unb Verlag' Joh. Aug. Koch, UmversitätS-Buchbruckerei 41. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 00.

Zweites Blatt.

Deutsche Kolonien.

Südwestafrika. Der Gewährsmann der Weltkorr." schreibt: Im Norden von Deutsch- Eüdweft sieht es im allgemeinen schon recht zu­friedenstellend aus. Die Bezirke von Groot- fontein, Outjo, Omaruru sind wenig vom Auf­stande berührt worden. In ihnen ist seit über Jahresfrist die Farmtätigkeit in Angriff ge­nommen worden. Eine Erschwerung für die Farmarbeiten besteht allerdings auch jetzt noch infolge der Transportschwierigkeiten, da die Ochsenwagen noch immer vom Militär stark in Anspruch genommen sind. Immerhin ist die Betätigung eine regelmäßige, der Viehbestand gut. Die Verhältnisse werden immer günstiger, je näher die Otavi-Bahn ihrem Endpunkt Tsumeb zurückt. Nach den letzten Nachrichten ist zu hoffen, daß sie bis zum Oktober oder Novem­ber d. I. fertiggestellt sein wird, noch vor der der Firma von der Gesellschaft gestellten Frist. Es ist dies eine um so anerkennenswertere Leistung der Firma Koppel, als diese infolge des Kriegszustandes und des Streiks ihrer ita­lienischen Arbeiter mannigfache Schwierigkeiten zu überwinden hatte. Auch die Otavi-Ge- seltschaft hat umfassende Vorbereitungen ge­troffen, um sofort nach Beendigung der Bahn die Minen nachdrücklich auszunützen. Wohn­häuser für die Beamten und Arbeiter, Gärten und Wasseranlagen sind hergestellt, Schmelz­ofen bestellt. Während so int Norden der Ko­lonie reges Leben herrscht und eine gedeihliche Zukunft zu erhoffen ist, sieht es im Süden noch triibe aus, da nur wenige Farmer die Arbeit ausgenommen haben, weil die Furcht vor den Streifzügen der Aufständischen noch groß ist. Erst wenn es gelungen sein wird, Morengas habhaft zu werden, wird auch im Süden wieder Aussicht auf eine günstigere Entwickelung vor­handen sein, vorausgesetzt, das; die dort ange- sesienen Farmer voll entschädigt werden und da­durch wieder Lust bekommen, ihre Arbeit weiter der Kolonie zu widmen.

Ostafrika. Die Arbeiterfrage in Ost­afrika beginnt eine drohende Gestalt anzuneh­men. Aus Tanga sind mehrere Pflanzer als Vertreter des Syndikats nach Dar-es-Salam ab­gereift, um dort bei dem Gouvernement über die Arbeiter noch vorstellig zu werden. Anwerbungen im Lande sind erfolglos. Die Tatsache macht sich fühlbar, daß die Eisenbahn nicht günstig, sondern direkt ungünstig auf die Arbeiterfrage einwirkt. Trotz aller Wanderlust hat der Afrikaner ein starkes Heimatsgefühl und mit dem Augenblick, wo der Binnenafrikaner Dank der Eisenbahn durch Landbau Wohlstand erwerben kann, denkt er gar nicht mehr daran, an der Küste die Hacke zu schweigen. Die Küste wirkt degenerierend aus die Leute ein. Man hat berechnet, daß 1910 nicht weniger als 60 000 Arbeiter nötig sein wer­den, um den Bedarf der Landwirtschaft zu decken. Solche Masten sind äußerst schwierig zu beschaffen und ohne bedenkliche Zwangsmaßregeln geht das nicht ab. Niemand anders als die Negierung ist im Besitze so ausgiebiger Machtmittel, um Abhilfe zu schaffen. Wird aber das Gouverne­ment solche Mittel anwenden? Das muß man füglich bezweifeln. Die Plantagen haben sich stärker vermehrt, als es dem Zuzug der Arbeiter entsprach. Dem Anwachsen der großen Planta­gen steht der Bau von Eisenbahnen zur Seite. Im Tangabezirke sind vom Jahre 1910 ab jähr­lich 30 00040 000 Arbeiter nötig, ebenso im Usambara- und im Pangaruoezirk. Somit hätte das Gouvernement mit Weibern und Kindern 150 000200 000 Menschen jährlich gewaltsam nach der Küste zu schaffen. In Muanga am Vik­toriasee verdienen die Leute schönes Geld, und selbst für die Bahn von Dar-es-Salam nach Mro- goro konnten trotz überaus hoher Löhne nur we­nige Leuts gewonnen werden. Private können dort mit Anwerbungen gar nichts mehr ausrich­ten. Usukuma kommt jetzt als Anwerbungsbezirk gar nicht mehr in Betracht: man muß schon wei­ter ab vom Viktoriasee nach Uniamvese gehen; seit der GegenüberstellungEisenbahn und Ar­beiterfrage" wird ein neues Kapitel des interes­santen Themas:Wie gewinnt man Arbeiter aus dem Lande" begonnen. Die Antwort wird immer offener dahin lauten: Sucht außerhalb der Kolonie? Darnach ist es erklärlich, daß an die Regierung schon das Gesuch ergangen ist, einige Tausend Chinesen einzuführen. Dem Gou­vernement wird es schwer werden, diese Frage in .einigermaßen befriedigendem Sinne zu lösen.

Ausland.

Belgien. Ein recht grelles Streiflicht auf die Rückständigkeit Belgiens in Dingen der Volks­bildung wirft die Zuschrift eines holländischen Lehrers an eine angesehene (übrigens katho­lische) Brüsseler Monatsschrift, die dasLite­rarische Echo" in seinem jüngsten Hefte mitteilt. Der Einsender schreibt:Ich bin Lehrer an einer höheren Bürgerschule in einem holländischen Städtchen, das ungefähr 6000 Seelen zählt. Nun wohnen in diesem Städtchen zwei große Buchhändler, die das Neueste, das auf dem Ge­biete der Literatur und Wistenschast erscheint, in ihren Schaufenstern liegen haben. Ich komme nach Belgien, nach Flandern. Ich durchlaufe alle Straßen einer Stadt von 30000 (!) Ein­wohnern. Es findet sich kein einziger Buchhandel, der etwas anderes zum Kaufe bietet als Koch­bücher, Almanache, Briefsteller, Eulenspiegels, Fortunatuste, Gebetbücher usw. Was muß ich daraus schließen? Daß das Volk, das Bürger­tum einbegriffen, kein Bedürfnis für ernste Lek­türe hat, daß der Gradmesser von Kenntnis und allgemeiner Kultur nicht hoch steht und darf ich es sagen? daß es mit den Schulen erbärm­lich gestellt sein muß." Die Redaktion der bel­gischen Zeitschrift ist aufrichtig genug, beschämt zu bekennen:Man muß sich sagen, daß der Hol­länder recht hat. Er würde sogar recht haben, selbst wenn er nach größeren vlämischen Städten, seien es auch Universitätsstädte, ginge. Da würde er wohl etwas mehr antreffen als Almanache und dergleichen, nämlich französische Romane und französische Vulgarisationsschriftchen, aber nur ausnahmsweise ein ernstes französisches Werk, nie ab er irgend ein deutsches, geschweige ein ernstes deutsches Werk, nie ein englisches, nie und nimmer aber ein ernstes holländisches Werk."

Großbritannien. Der Ausdehnung und Be­deutung der diesjährigen englischen Seemanö- x><r, entspricht die Höhe der Kosten. Während in den letzten zehn Jahren im Marine-Budget durchschnittlich 1,6 Millionen Mark für kriegs­mäßige Hebungen der aktiven Flotte ausge­worfen waren, sind die Kosten der für den Juni und Juli in Aussicht genommenen Manöver, an denen außer der ganzen aktiven Schlacht­flotte die Reservegeschwader und alle wichtige­ren Flottenstationen sich beteiligen, auf rund 3 Mill. Mark veranschlagt, wobei die Kosten für die Versicherung bezw. Entschädigung der zur Teilnahme an den Manövern herangezogenen Kauffahrteischiffe nicht einbegriffen sind.

Für die kraftvolle Entwickelung und die gegenwärtige Größe der britischen Seemacht bietet einen zuverlässigen Maßstab die außer­ordentliche Zunahme des Kohlenverbrauchs bei den in Dienst befindlichen Schiffen. Einer kürz­lich von dem Parlamentssekretär der Admirali­tät Edward Robertson im Unterhause erteilten Auskunft ist zu entnehmen, daß im Jahre 1896-97 der Kohlenbedarf der britischen Flotte rund 590 000 Lstr., im Jahre 1905-06 dagegen 1261 000 Lstr., also mehr als das Doppelte kostete. Zum Vergleich zog Robertson die fran­zösische und die deutsche Flotte heran. In die­ser betrugen die Ausgaben für Kohlen rund 676 000 Lstr., in jener 435 000 Lstr. Das sich so ergebende Verhältnis zwischen der deutschen und der britischen Flotte wird aber dadurch in bemerkenswerter Weise beeinflußt, daß in der englischen Flotte die Ausgabe für Kohlen inner­halb eines Jahres auf mehr als das Doppelte gestiegen ist, obwohl infolge der Anfang 1905 in Kraft getretenen neuen Eeschwadereinteilung des Chefadmirals zahlreiche, nicht mehr voll gefechtsfähige Fahrzeuge aus der Lifte der aktiven Schlachtflotte gestrichen wurdön. Wenn trotzdem der Feuerungsbedarf in so bedeuten­dem Maße zugenommen hat, so kommt auch da­rin der enorme Erößenunterschied zwischen den maritimen Streitkräften Deutschlands und Großbritanniens handgreiflich zum Ausdruck.

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Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartikcl ist gemäß § 18 des Urheberrecht- nur mit der deutlichen Quellenangabe

.Obcrheff. Ztg." gestaltet)

Marburg, 18. Aprit.

* Berbandstag. DerVerband der Lehrer und Freunde des Fortbildungsschulwesens im Regierungsbezirk Caffel" hält seine diesjährige 6. Verbandsversammlung am 3. und 4. Pfingst­tage in Cassel ab. Es sollen folgende Vorträge gehalten werden:Die Stellung des Rechen- unterrichts und des Deutschen zur Gewerbe­kunde" von Lehrer Niehoff (Caffel).Einrich­

tung und Lehrplan der ländlichen Fortbildungs­schulen" von Hauptlehrer Blum (Reichensach­sen).Ueber den Zeichenunterricht in der ge­werblichen Fortbildungsschule" von Regierungs- und Eewerbeschulrat Kunz (Caffel).

* Schulkinder und Automobile. Nachdem vor mehreren Wochen (wie wir an dieser Stelle be­richtet haben) bereits die Regierung zu Kö­nigsberg die Lehrer ihres Aufsichtsbezirks ange­wiesen hat, die Schulkinder in geeigneter Weise auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die ihnen bei Unachtsamkeit durch vorüberfahrende Automobile drohen, hat jetzt Kultusminister Studt eine ähnliche Verfügung an sämtliche preußischen Provinzialschulkollegien und Be­zirksregierungen erlassen. Der Minister wünscht, daß die Schüler und Schülerinnen von Zeit zu Zeit immer wieder auf die Gefahren der Auto­mobile hingewiesen werden.

* Abstinenz und Lebensversicherung. Auf der Tagesordnung des vom 7. bis 9. September d. I. in Berlin stattfindenden 4. Internationalen Kongreffes für Versicherungswissenschaft steht u. a. auch der Gegenstand: Lebensversicherung der Abstinenten und Lebensversicherung der durch ihren Beruf bei der Erzeugung oder Ver­breitung geistiger Getränke Beschäftigten. Wäh­rend ein Teil der englischen Lebensversicherungs­gesellschaften schon seit langer Zeit einige Ab­teilungen für Totalabstinente eingerichtet hat und ihnen aufgrund ihrer Erfahrungen, die die beffere Lebenserwartung (um 25 pCt.) der Ab­stinenten beweisen, sogar Prämiennachlässe ge­währt, die bis 15 pCt. betragen, sind die deut­schen Gesellschaften dieser Frage bisher nicht näher getreten. Es ist aber zu erwarten, daß es auf dem Kongreffe zu einer gründlichen Aus­sprache darüber kommen werde, da der Verein abstinenter Aerzte des deutschen Sprachgebietes aus wissenschaftlichen Gründen dort den Stand­punkt vertreten wird, daß auch die deutschen Ge­sellschaften die bei ihnen versicherten Abstinenten in eigenen Abteilungen, führen. Nur die Lebens­versicherungen sind nämlich imstande, das oft sehr vermißte, einwandfreie und verläßliche Ma­terial für Mortalitätsstatistik zu liefern. Von Seite der Gesellschafts-Vertrauensärzte dürfte diese Forderung wärmstens unterstützt werden, da ja die medizinischen Anschauungen der Gegen­wart einen Zweifel an ihrer Berechtigung nicht mehr zulassen.

* Für Taubenhalter. In letzter Zeit und na­mentlich jetzt bei der Bestellung der Gärten wird mit Recht über die Taubenplage geklagt. Ein Recht zum Taubenhalten hat nur derjenige, wel­cher Landwirtschaft betreibt und auch dann ist je nach Größe der bewirtschafteten Landfläche die Zahl der Tauben beschränkt. (S. Gesetz vom 20. Juli 1843). Nach diesem Gesetz haben die meisten Taubenhalter hier überhaupt kein Recht, Tauben zu halten und freifliegen zu lassen. Außer der Bestrafung setzen sich diese Tauben­halter auch der Gefahr aus, daß ihnen die Tau­ben fortgefangen werden, denn sie unterliegen dem freien Tierfange. Es liegt daher nur im Interesse der Taubenhalter, wenn sie ihreTauben wenigstens während einer lltägigen Zeit (bis zur Bestellung der Gärten) einsperren.

* Das Rauchen im Walde muß, wie forst- amtlich mitgeteilt wird, in der jetzigen trockenen Jahreszeit durchaus vermieden werden, da die Gefahr eines Waldbrandes groß ist. Wenn das Publikum die Wälder an Sonn- und Feiertagen zur Erholung besucht, so wird jeder vernünftig Denkende wohl die Zigarre auf kurze Zeit ent­behren können. Der durch Waldbrand entstehende Schaden, für den der unvorsichtige Brandstifter aufzukommen hat, kann sehr bedeutend werden. Die Polizei-Verordnung vom 28. Septbr. 1875 stellt das Rauchen im Walde unter Strafe bis 30 M ev. Haft. Nach § 44 des Feld- und Forst- polizeigesetzes wird mit Geldstrafe bis zu fünfzig Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft, wer 1. mit unverwahrtem Feuer oder Licht den Wald betritt oder sich demselben in gefahr­bringender Weise nährt; 2. im Walde brennende oder glimmende Gegenstände fallen läßt, fort­wirft oder unvorsichtig handhabt; 3. abgesehen von den Fällen des § 368 Nr. 6 des Strafgesetz­buches, im Walde oder in gefährlicher Nähe des­selben im Freien ohne Erlaubnis des Ortsvor­stehers, in dessen Bezirk der Wald liegt, in König­lichen Forsten ohne Erlaubnis des zuständigen Forstbeamteil Feuer anzündet oder das gestatte­termaßen angezündete Feuer gehörig zu beauf­sichtigen oder auszulöschen unterläßt; 4. abgesehen von den Fällen des § 360 Nr. 10 des Strafgesetz­buches, bei Waldbränden,'ü dcr Polszcibt- hörde, dem Ortsvorsteher oder deren Stellver­treter oder dem Forstbesitzer oder Forstbeamten

zur Hilfe aufgefordert, keine Hilfe leistet, ob­gleich er der Aufforderung ohne erhebliche eigene Nachteile genügen konnte.

Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

Wiesbaden, 14. April. Freiherr von Lade hatte seine Besitzung Monrepos bei Geisenheim nebst 300 000 Mark dem Bezirksverband ver­macht. Der Landeshauptmann Krekel beantragt nun in einer Vorlage für den demnächst zusam- inentretenden Kommunallandtag die Ablehnung des Vermächtnisses, was deffen Uebergang an den preußischen Staat zur Folge haben wird.

Göttingen, 12. April. Um den minder be­mittelten Einwohnern, die während der Som­mermonate nicht ins Bad reisen können, Ge­legenheit zu geben, auf billige Weise eine Trink­kur zu gebrauchen, haben die städtischen Kolle­gien in ihrer letzten Sitzung die Errichtung einer Trinkhalle in den Anlagen des Hainberges be­schlossen und die dafür erforderlichen Mittel bereit gestellt.

Hann. Münden, 13. April. Gestern abend ertrank der 18jähtige Schiffer Kaiser vom Bre­mer Kahn Nr. 17 in der Fulda, als er in das hier landende Schiff steigen wollte. Er hat jedenfalls in der Dunkelheit einen Fehltritt ge­tan und versank sofort in der Tiefe, ohne noch mals an die Oberfläche gekommen zu fein. Dit Leiche ist bis jetzt noch nicht aufgefunden worden.

(£) Darmstadt, 17. April. Der hessische ge­meinnützige Verein zur Vermittlung von Land- und Kuraufenthalten in Darmstadt läßt auch dieses Jahr das Verzeichnis der Sommerwoh­nungen im Odenwald. Vogelsberg und benach­barten Gebieten in neuer verbesserter Auflage erscheinen. Das grüne Heft wird bis zum 20. April 1906 an alle Interessenten gegen Ein­sendung von 30 «3 in Marren rc. zur teilweisen Deckung der Herstellungskosten von dem Ge­schäftsführer Herrn Harth, Darmstadt, Wiener­straße 42, versandt und Bestellungen können jetzt schon eingereicht werden.

Siegen, 14. April. Falsche Geldstücke sind hier im Umlauf. Ein nachgemachtes Zweimarkstück und ein Fimszigpsennigstück wurden angehalten und der Polizei ausgeliefert. Die Stücke sind aus Blei hergestellt und ziemlich leicht al- Falschstücke zu erkennen. Das Zweimarkstück isi weitaus am besten geraten, namentlich die Bild» feite, die den König von Württemberg zeigt. Beide Stücke sind unzweifelhaft durch Guß an­gefertigt.

Essen, 14. April. Die große neuerbaute Turn­halle des Realgymnasiums ist in der Nacht zum Freitag vollständig niedergebrannt.

Vermischtes.

Newyork, 16. April. Maxim Gorki wurde aus seinem Hotel gewiesen, nachdem durch die Preffe bekannt wurde, daß die Schauspielerin Andrejewna, die er hier als seine Ehefrau ausgegeben, seine Maitreffe ist, Die Andrejewna müßte, da nach dem Bundes­gesetz das Landen unmoralischer Frauensper­sonen verboten ist, zurückgeschickt werden, doch ward schon mit Gorki eine Ausnahme gemacht, da das Gesetz auch die Landung von Leuten sei­nes politischen Bekenntnisses verbietet. Di« amerikanischen Literaten unter Führung Mark Twains und die Presse halten ihm auf Grund des hier stark entwickelten Solidaritätsgefühls noch die Stange. Dagegen wird ihm allgemein verargt, daß er den des Mordes an dem Gou­verneur von Idaho angeklagten Sozialisten telegraphisch seine Teilnahme aussprach. Dies dürfte seinen Reisezweck, für die russische Revo­lution Gelder zu sammekn, schädigen. FuA seine freundliche Aufnahme in Berlin hat sich Gorki dadurch bedankt, daß er gehässige Bemerkungen über Deutschland in einem Interview äußerte. Auch bezeichnete er die baltischen Grundbesitzer als Unterdrücker. (Die demokra­tische Preffe in Deutschland, deren erklärter Lieb­ling Gorki ist, spricht in ihren Meldungen nur vonUnannehmlichkeiten", die Gorki habe, ver­schweigt aber die wahren Gründe. So wenig sympathisch die amerikanische Gesellschaft inx allgemeinen ist, so muß man doch Respekt vor ihr haben, daß sie denEorli-Rummel" nicht^mrt macht und diesen Parasiten von ihrer u.aie< fernhält.)__

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