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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: ftßuftrfdtä SotttifdoSMütt,

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Vierteljährlicher Bezugspreise bei oer Expidition 2 M bei allen Postämtern 2,25 M. <excl. Bestellgeld).

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Reclauicn: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonnt«!, 15. April 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UnivcrsttätS-Buchdmckerei

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

41. Iahrg.

Zweites Blatt.

Neueste Telegramme.

Essen a. d. Ruhr, 12. April. Der Vorstand pes Gewerkvereins Christlicher Bergarbeiter in Essen sprach sich in einer Resolution über die Aommissionsbeschlüsse des Abgeordnetenhaus 5 zur Knappschaftsreform dahin aus, daß durch die Streichung der geheimen und unmittelbaren Aeltcstenwahl, sowie durch die Abschaffung der Wählbarkeit für Invaliden, das Gesetz in der Fassung der Kommission für die Bergleute un­befriedigend sei. Wenn eine Befriedigung auf knappschaftlichem Gebiete eintreten solle, sei es unerläßlich, die geheime Wahl und die Wähl­barkeit der Invaliden gesetzlich zu sichern. Die arbeiterfreundlichen Abgeordneten und die Etaatsregierung werden in der Resolution ge­beten, in diesem Sinne wirken zu wollen.

Posen, 12. April. In Ostrowo ist der Deutsch- Russe Fürst Lieven eingetroffen, um mit dem Vorsitzenden des Komitees zur Ansiedlung deutsch - russischer Rückwanderer zu beraten. Fürst Lieven soll Führer einer Expedition wer­den zwecks Ansiedlung von Teutsch-Ruffen am Kilimandscharo (Deutsch-Ostafrika). Eine deutsche Firma in Usambara wird auf ihren dortigen Plantagen eine große Anzahl deutsch­russischer Arbeiterfamilien ansiedeln.

Rom, 12. April. Kultusminister Dr. Studt, Finanzministcr Frhr. v. Rheinbaben, sowie die Ministerialdirektoren Dr. Althoff und Dr. Ger- mar statteten heute dem preußischen historischen Institut einen mehrstündigen Besuch ab.

Brüssel, 12. April. Bei Peruwelz sperrten etwa tausend streikende französische Bergleute und ihre Frauen den ankommenden Zug mit belgischen Bergleuten. Als der Zug anhielt, griffen die Franzosen die Belgier an, von wel­chen nrehrere schwer verwundet und einige in den Kanal geworfen wurden. Ein weiterer Zwischenfall geschah bei Moulin-Forot an der belgischen Grenze, wo der französische Zug bel­gische Bergleute übernehmen sollte. Die Bel­gier flüchteten vor den sie bedrohenden franzö­sischen Kameraden.

Sofia, 12. April. Aus Haskomo in Südbul- garicn kommt Meldung über einen blutig-n Zusammenstoß zwischen bulgarischen und türki­schen Grenztruppen. Letztere seien auf bul­garisches Gebiet gedrungen, worauf die bulga­rischen Truppen das Feuer eröffneten, wobei 3 türkische Soldaten fielen. Die Türken hätten sich sodann zurückgezogen.

Rewyork, 12. April. Präsident Roosevelt empfing 50 Mitglieder deutscher Kricgervereine, die jetzt amerikanische Bürger sind, und hielt an sie eine Ansprache, in der er sagte, er gratuliere dem deutschen Volk und dem deutschen Kaiser zum Resultat der Konferenz in Algeciras, welche eine Besserung der Verhältnisse in Ma­rokko und Abstellung der Friktionen zwischen den beiden Mächten erzielte. Er hoffe und glaube, die Konferenz werde auch freundschaft­lichere Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich herbeiführen.

(Nachdruck verboten.)

Der Frühling siegt.

Ostergeschichte von Marie Stahl.

. (Schluß.)

Was soll nun werden?

Ostern kommen Rombachs! Alle Logierstü- ben sind hergerichtet, denn wir erwarten außer­dem den üblichen Verwandtenbesuch. Ein Kalb, ein Hammel und unzählige-' Federvieh ist ge­schlachtet, die ganze Vc. Hube steht voll frischgebackener Kuchen. Die Scheuerfrauen ha­ben wahre Orgien in Seifenwasser durch das ganze Haus gefeiert, überall sind frische Gardi­nen aufgesteckt. Mama geht mit hoffnungs­freudiger Miene umher, Tante Bernhardine, die schon eingetroffen ist, macht Anspielungen und ist furchtbar neugierig.Es ist beinahe, als sollte hier eine Hochzeit gefeiert werden", sagte sie. Eine Stimmung liegt über dem gan­zen Haus, als erwarte jeder die Enthüllung eines wundervollen Geheimnisses. Selbst die Dienstboten haben bemerkt, daß etwas in der Luft schwebt.

Meine Angst und meine Unruhe wachsen von Stunde zu Stunde. Ich weiß ja, daß alles um­sonst ist ich kann einfach nicht! Um so näher die Stunde kommt, die Otto Rombach bringt, sUm so stärker fühle ich die Unmöglichkeit, ohne .wahre Herzensneigung zu heiraten! Ich kann mir diesen Otto so lebhaft vorstellen! Klein-

Der Ausbruch des Vesuvs.

Der Spezialberichterstatter desBerliner Lok.-Anz." telegraphiert seinem Blatt aus Neapel vom 12. April folgendes über die

allgemeine Lage:

Seit gestern abend hat sich wieder ununter­brochener Aschenregen eingestellt, der die Vesuv- dörfer langsam, aber sicher verschüttet und auch in Neapel unangenehm verspürt wird. Heute früh mußte eine Zeitlang die Zugverbindung mit Rom eingestellt werden. Aus den Vesuv- dörfern hat ein allgemeiner Wettlauf ums Le­ben begonnen. Der letzte der gestern abführen­den Züge von Annunziata hatte in jedem Ab­teil 1220 Personen. Je mehr der Zug in den Aschenregen kommt, um so größer wird die Pa­nik unter den Passagieren. Der Zug fährt ganz langsam durch die Aschenmassen, die sich vor den Räumern der Maschine auftürmen. Da ein Ruck: die Lokomotive ist entgleist! Der Zug ist von Aschenmassen blockiert. Gleichzeitig setzt ein Steinregen ein. Die meisten verlassen ge­ängstigt den Zug. Drei Tote werden herbei­gebracht. Man fand sie auf der Straße vor Hunger gestorben. In San Giuseppe arbeiten Tag und Nacht Soldaten an der Befreiung der in ihren Häusern begrabenen Menschen. Die Asche liegt dort meterhoch; es herrscht infolge der Unterbindung jeglichen Verkehrs Hungers not. Die Negierung entsandte reichliche Men­gen Brot, die aber nicht verteilt werden konn­ten. In Torre del Greco stürzen täglich Häuser ein. Hungrige Banden durchziehen die Stadt und werden nur durch den Anblick der Soldaten verhindert, Räubereien auszuführen. In Somma, Sarno und Cercola sieht es gleich ver­zweifelt aus. In Neapel begegnet man von früh bis spät Bittprozessionen. Wegen Ein­sturzgefahr ist die berühmte Ealleria Umberto gesperrt. Das Unglück ist so unermeßlich groß, daß es nicht gehoben, nur gelindert werden kann. Die ganze italienische Armee wäre nicht imstande, die gefährdeten Städte vor Verschüt­tung zu retten. Die Brot- und Wasserverteil­ung, wenn sie auch noch so ausgedehnt betrieben würde, wird nie den ungeheuren Ansprüchen genügen, wenn es nicht gelingt, die weniger Verkehrsstraßen mit Stationen am Golf auf­rechtzuerhalten. Der Himmel ist schwarz bezo­gen, vom Vesuv nichts zu sehen.

Neapel, 12. April. Längs der Straße am Meer von Neapel nach Torre del Greco be­mühen sich die Soldaten die Asche wegzurüumen, aber die Trambahn gelangt mühevoll nur bis San Giovanni.' Der Sand ist hier fein wie Mehl und schwarz, durchaus unähnlich dem grobkörnigen, steinigen und hellen auf der Ost­seite des Vesuvs, der Ottajano begrub. Der Aschenregen dauert etwas weniger heftig noch fort. Bei Portici mußten wir den Wagen ver­lassen und zu Fuß versuchen weiterzukommen. Auf dem Marktplatz sehen wir etwa 1000 er­regte Menschen, die stürmisch Brot fordern. Wir gehen weiter. In Rcsina derselbe Tumult. Das Militär ist unfähig, die Menge zurückzuhalten, die Frauen sind am wütendsten. Alles Tele­graphieren des Sindaco nach Brot ist bisher

stadtseele mit auflackiertem Firniß des Welt­mannes. Unausstehlich erzogen von Kindheit an, verpäppelt und verhätschelt. Innerlich arrogant zum Platzen und doch imponiert von unserer Vornehmheit. Im Smoking mit einer unmöglichen Krawatte, umgeben von einer Duftwolke ätherischer Oele und Essenzen! Nein, Trude, ich kann nicht?

Heute ist Karfreitag, ein grauer, trübseliger Himmel hängt über der Welt. Mir ist so ster­bensweh, so todestraurig zu Mut ich kann an keine Osterfreude glauben!

O, du selige, o du fröhliche, gnadenbringende Osterzeit! Höre nur, Trude, wie alles gekom­men, höre und staune!

Am Ostersabbath füllte sich unser Haus mit Onkeln und Tanten, Vettern und Cousinen und allen teilte sich die erwartungsvoll freudige Stimmung mit. Ich litt Folterqualen dabei.

Ah, Rombachs kommen!" sagte der eine und warf einen Seitenblick auf mich.

Wie alt ist denn dieser Otto Rombach?" fragte eine Tante die andere und beide schiel­ten zu mir herüber.

Er ist doch hoffentlich Reserveleutnant", bemerkte eine Cousine mit starker Betonung des hoffentlich." C ' .

"Der alte Rombach hat ja wohl dreißig Mil­lionen?" forschte ein Vetter,da könnte matt

vergebens gewesen. Die Straße von Resina nach Torre del Greco, sonst die goldne Meile ge­nannt, wegen ihrer großartigen Vegetation, eine der schönsten der Welt, ist nicht wieder zu erkennen. Alles in grau. Die prachtvollen Gärten haben keinen grünen Zweig mehr. Das Meer ist kaum sichtbar in der düstern Atmo­sphäre und erscheint grau und traurig wie der Himmel und die ganze Landschaft. Die Flucht der Bevölkerung dauert an. In Neapel, Castel- lamare und auf den Inseln sind gestern etwa 30 000 Flüchtlinge eingetroffen. In Torre be­gaben wir uns zum Sindaco. Dieser erklärte mir:Seit drei Tagen sind wir von allen, von Gott und den Menschen, verlassen. Alle fliehen. Gestern waren nicht 100 Personen dort geblie­ben .Die Katastrophe ist Sonntag früh 1 Uhr hereingebrochen nach einem etwa einstündigen Aschenregen. Die Asche liegt 1 Meter hoch. In der Kirche Santa Teresa ist das Dach einge­stürzt, ebenso am Palast Orilia. Halb zerstört sind die Häuser in Via Principe Amedeo, in Piazza Santa Croce, auf dem Corso Umberto I., in Via 20. Settembre und längs der Uferstraße, im ganzen etwa 1000 Häuser. Fast alle Neben­straßen sind unpassierbar wegen Trümmer. Heute sind viel Flüchtlinge zurückgekehrt, wo­durch die Lebensmittelfrage noch schwieriger wird. Aus Sarno kommt die Meldung, daß die Lava den Flußlauf unterbrochen hat und die Stadt unter Wassermangel leidet.

Das Königspaar an der Unglucksstätte.

Neapel, 12. April. Der König besuchte heute der Reihe nach Ottajano, San Giuseppe und San Gennariello und nahm überall die Ret­tungsarbeiten in Augenschein; er kehrte zu Mit­tag unter den Zurufen der Bevölkerung in das Palais zurück. Die Königin besuchte die in der Kaserne und im Armenhause untergebrachten Flüchtlinge, besuchte sodann die Volksküchen und kehrte, nachdem sie überall hatte Spenden ver­teilen lassen, am Mittag in das Palais zurück. Am Nachmittag begaben sich der König und die Königin im Automobil nach Nola und besuchten die im Krankenhause untergebrachten Verletzten.

Neapel, 12. April. Der Ministerpräsident Sonnino hat eine Kommission unter Vorsitz des Herzogs von Aosta ernannt, und zur Verfügung der Kommission als erste Rate die Summe von einer halben Million Lire zur Verteilung an die Notleidenden gestellt. Nach Meldung eines Blattes ist die am meisten geschädigte Gemeinde die am Fuße des Vesuvs belegene Ortschaft Sa- viano, in dem die Kirche und hunderte von Dächern eingestürzt und die Ländereien völlig verwüstet sind.

Deutsches Reich.

Berlin, 14. April.

Seine Majestät der Kaiser besuchte am Grünen Donnerstag morgen mit der Kaiserin den Gottesdienst und nahm das Abendmahl im alten Palais. Später unternahm der Kaiser seinen Spaziergang im Tiergarten und sprach dann im Reichskanzlerpalais vor, um sich nach dem Befinden des Kanzlers zu erkundigen. Der Kaiser überreichte der Fürstin Bülow einen

ja einen kleinen Pump anlegen." Und so ging es fort.

Es war klar wie der Tag, die ganze Familie war einig, Otto Rombach und ich müßten ein Paar werden, roie' sollte ich den Mut finden, all diese Hoffnungen und freudigen Erwartun­gen mit einem kaltblütigen Rein zu zerstören? Und wenn ich es tat?--Vielleicht müßte ich

dann ewig eine unnütze Kostbarkeit im ver­schlossenen Schrank bleiben?

Was war diese Begegnung im Stadtpark anders als ein nettes Erlebnis, wie es wohl jeder Herr unzählige Mal aufzuweisen hat?

Doch es geschah etwas, was mir Mut gab zu dem Entschluß, Otto Rombach auszuschlagen.

Am Ostermorgen lag ein Paket auf meinem Frühstückskuvert. Es enthielt das kostbare Osterei von Bindewald, das ich so sehr bewun­derte. Der Geber blieb anonym.

Das gab ein Fragen und Raten und Kopf­schütteln im Familienkreis, aber ich tat so un­schuldig, als wisse ich von nichts. Doch ich konnte den Herzenjubel kaum unterdrücken.

Endlich kam die große Stunde.

Um zwei »Uhr brachte unsere Staatskutsche die Familie Rombach von der Bahn. Um drei Uhr war das Diner angesetzt.

Ich hatte ein weißes Kleid angezogen mit Frühlingsblüten und hatte mich etwas ver­spätet, der Empfangs- und Vegrüßungstumult wat schon in vollem Gang, als ich eilig die

Blumenstrauß und ging mit ihr im Garten spazieren.

Das Befinden des Reichskanzlers ist an­dauernd gut. Daß Professor von Renvers bei der Behandlung seines Patienten die größte Vorsicht beobachtet, erklärt sich ungezwungen daraus, daß der Ohnmachtsanfall des Kanzlers eine Folge teils der Influenza, teils von geistiger Ueberarbeitung ist. Bei der Influenza ist weitgehende Vorsicht geboten, und um die Folgen der Ueberarbeitung zu beseitigen, hält Dr. v. Renvers Bettruhe im Verein mit völliger Befreiung von allen Geschäften am geeignetsten. Die Magenverstimmung, an welcher der Kanz­ler, als er im Reichstage unwohl wurde, eben­falls litt, ist längst behoben.

In einem Teil der Presse regt man sich über die Meldung auf, daß dem Bundesräte mit der Vorlage wegen Bewilligung eines Pausch­quantums an die Reichstagsmitglieder auch eine solche vorgelegt sei, in der eine Herabsetzung der zur Beschlußfähigkeit erforderlichen Zahl der Reichstagsmitglieder in gewissen Fällen vorgeschlagen sei. Man glaubt sogar einen ge­wissen Widerspruch darin zu finden, daß, wäh­rend auf der einen Seite durch Gewährung einer materiellen Entschädigung der stärkere Besuch des Reichstages gesichert werden soll, man auf der anderen Seite an eine Herabsetzung der zur Beschlußfähigkeit erforderlichen Zahl der anwesenden Reichstagsmitglieder denkt. Da­bei wird aber übersehen, daß, wenn die ver­bündeten Regierungen der wiederholt und dringend kundgegebenen Ansicht des Reichstages nachgegeben haben, wonach es zur Aktions­fähigkeit dieser Körperschaft unbedingt der Be­seitigung der Diätenlosigkeit bedarf, sie es je­denfalls als ihre Aufgabe erachten mußten, in dieser Hinsicht ganze Arbeit zu machen und die Aktionsfähigkeit des Reichstages auf jeden Fall zu sichern. Nun aber ist die Diätenlosigkeit wohl eine der Ursachen des bedauerlichen Absentis­mus im Reichstage, aber entfernt nicht die ein­zige. Zur Verödung des Sitzungssaales des Reichstages tragen mindestens in demselben Maße die mehr und mehr Platz greifende Art der Verhandlung, die unendliche Ausdehnung und die Flachheit zahlreicher Erörterungen, die namentlich auf das Schuldkonto der Sozialdemo­kraten kommen, bei. Man kann es den Män­nern, die mit ihrer Zeit zu rechnen haben und gewohnt sind, jeden Tag nützlich und frucht­bringend anzuwenden, wirklich nicht verargen, wenn sie z. B. die endlosen Etatsverhandlungen über den Etat des Reichsamts des Innern mit ihren regelmäßig wiederkehrenden sozialdemo­kratischen Broschürenreden nicht anzuhören ver­mögen und deshalb den Sitzungen sernbleiben, umsomehr, als es dabei zu einer Beschlußfas­sung doch nicht kommt. Hiergegen hilft auch die Einführung von Anwesenheitsgeldern nicht aus­reichend, es mutz vielmehr die Möglichkeit ge­boten fein, mittelst einer kleineren Zahl vo.i Anwesenden den Reden zum Fenster hinaus rechtzeitig ein Ende zu machen und so die Ver­handlungen des Reichstages allmählich wieder auf eine Höhe zu bringen, auf der sie durch sich selbst die nötige Anziehungskraft auf die Mit-

Treppe herunterkam. Papa führte eben dis schwerseidene Mama Rombach herein und der alte Rombach füllte mit seinem Kaisermantel die ganze Breite der Türe aus.

Was war denn das?

Todesmutig wollte ich mit hoheitsvoller Miene Otto Rombach entgegentreten und ihm vom ersten Augenblick an die unüberbrückbare Kluft zwischen uns markieren da erblickte ich hinter Papa Rombachs breitem Rücken auf- tauchend, meinen namenlosen Freund aus dem Stadtpark!

Ich war starr vor Schreck? Wie kam denn der hierher? In diesem ungeeigneten Augen­blick?

Da stand er vor mir mit seinem herzgewin­nenden Lächeln, streckte die Hand aus und sagte: Ganz fremd sind wir uns ja nicht mehr, es war unverzeihlich, daß ich vergast, mich vorzustcllen als Otto Rombach."

O Trude! Welch ein seliges, fröhliches Osterfest war das! Wir saßen beim Diner bei einander und wir hatten uns soviel zu sagen, es genierte uns gar nicht, daß alte Onkel und Tanten uns lächelnd beobachteten und daß immerfort getuschelt und mit den Augen ge­zwinkert wurde. Und nach dem Diner gingen wir tief in den Park und hörten die Amsel singen das alte, süße Auferstehungslied der Erde.

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