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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: AlluktrirteS

M 87

Vierteljährlicher Bezugspreis, bet oer Exp Litton 2 2J2L, bet allen Postämtern 2,25 Mk. ^ejcu Bestellgeld).

JnferttonSgebühr: die gejpaltenc Zeile over deren Raum 10 Pfg, Reclamen: die 9eile 25 Nkg.

Marburg

Sreita« 13. April 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Jot. Äug. Koch, UmverittätS-Buchdruckerel

Marburg, Markt 2L Telephon 55.

41. Jahrg.

Erttes Blatt.

Zum Karfreitage.

Text: Joh. 19. 1718: Und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißet Schädelstätte, hebräisch Golgatha. Allda kreuzigten sie ihn.

Wieder ein Palmsonntag vorbei, dieser schöne Feiertag zur Erinnerung an den Tri- umphzug des Erlösers, und wir haben die Schwelle der ernstesten Zeit im Kirchenjahre, der Karwoche, der Leidenswoche Christi, über» schritten. Mit Recht nennt der Volksmund sie, die in der schmerzerfüllten Karfreitage gipfelt, diestille Woche", es entspricht unserem Em­pfinden, in diesen Tagen jede laute Aeußerung der Fröhlichkeit und Lust zu unterdrücken in dem Gedanken an das,, was den Inhalt unseres ganzen religiösen Lebens eusmacht, bis dann der ernsten Betrachtung der freudige Widerhall von Ostern, des Auferstehungsfestes, sich an» schließt. Wo immer das Wort des göttlichen Dulders noch eine Stätte findet in den Herzen, da herrscht an dem Tage, der einst Zeuge war seines Leidensganges nach Golgatha, ernste, ge­sammelte Stimmung. Das größte Opfer, das jemals der Menschheit dargebracht worden, wurde in jenen Stunden vollzogen, da in To­desqualen eine Seele flehte, daß der bittere Kelch der Schntach vorüberziehe, da sie den letz­ten Rest den Menschentums überwand, um in reiner Göttlichkeit durch alle Ewigkeit zu "leuchten.

Die Karfreitagsstimmung ist ernst. Vor die Seele stellt sich das Bild jener Höhe, auf der das Kreuz sich erhebt, an das die Wut der wan­kelmütigen Menge den schmiedete, der es ver­schmähte, ein König dieser Welt zu sein. Am fernen Horizonte ziehen düstere Wolken herauf, der Vorhang im Tempel zerreißt, und fernher, nur wenigen erkennbar, armseligen Fischern und Zöllnern, leuchtet das Licht einer neuen Zeit. Verblendete Menschen begingen da, düsterste Verbrechen, das die Geschichte kennt, und das Wort des Sterbenden erklang:Vater, vergib ihnen!" Von Dornen war das Haupt umkrönzt, Nägel durchbohrten die Glieder, Lan­zenspitzen zerrissen das Fleisch, aber nur Klagen erpreßte der Schmerz, keine Anklagen.

Fast zwei Jahrtausende sind vergangen seit dem Tage von Golgatha, der die Morgenröte einer neuen Zeit brachte. Von Golgatha aus zieht sich der Pfad der wahren, reinen Religion durch die Völker. Das Kreuz hat die Welt er­obert, das Kreuz deffen, der auf Golgatha den

20 (Nachdruck Verboten.)

An der dänischen Grenze.

Roman von Dietrich Theben.

(Fortsetzung.)

..Danke. Ihre Offenheit ehrt Sie, Fräulein Stur," erwiderte er und maß sie mit einer quel- lenden Energie.Aber ich bin kein Bettler und will kein Almosen ich bin der Bauer vom Hoyerhof und ein Mann, und wenn Sie dem auch die einfachste Gastfreundlichkeit verweigern wollen, das ehrt Sie leider nicht"

iHerr Behrend, ich brauche keine Belehrung!" unterbrach sie ihn eisig.

Doch!" hielt er ihr fest entgegen.Und ich besitze den Freimut, Ihnen noch eins zu sagen: In Ihrem Verhalten liegt die Absicht! Sie wollen mich mit Bewußtsein beleidigen! Dazu bestreite ich Ihnen entschieden die Berechtigung. -r.as, Fräulein Stür, ist einem ehrenhaften Manne gegenüber gegen den Anstand!"

Rur mit aller Anstrengung überwand sie ein Erichlaftcn ihrer Nerven. Die Zornröte ihrer -^"ngen wich einer marmornen Bläffe.

.ncht ich Sie sind beleidigend!" preßte sir Pf? IVO*. T M 1

C Ä $ nicht.'" bestritt Behrend.Die Wahrheit ist es , die Ihnen beleidigend klingt ^rauletn Stur, ich habe es bisher trotz allem weit von mir gewiesen, daß in Ihrem Kör- per, den der Schöpfer so wunderbar bevorzugt hat, keine Seele wohnen sollte--ich will Sre

Nicht beleidigen, aber ich erkenne, daß ich mich getauscht habe. Bei Gott, Fräulein Stür, die Demütigung vor Ihnen, die würde ich hin­nehmen; meinen Stolz den habe ich wie Sie

und den würde ich mir brechen laffen, wenn ich ote damit wandeln könnte---bie Er­

kenntnis aber, daß Sie nicht eine Maske ge­tragen haben bisher vor mir, daß Ihnen die verzensSiwung, daß Ihnen das Gemüt fehlt, vatz Sre nirgends weich, sondern starr und hart

Entscheidungskampf mit der Sünde der ganzen Welt ausfocht, der mit weltüberwindender Liebe die größte Kluft überbrückte, die es gibt, gab und geben wird, die Kluft zwischen der sün­digen Menschheit und dem heiligen, ewigen Gott. Seitdem ist das Kreuz nicht nur Quelle des Trostes für unzählige gequälte Herzen und geängstigte Eewiffen geworden, hat es nicht nur zu den größten Opfern und Heldentaten die Menschheit willig und fähig gemacht, es ist auch das Zeichen, in dem allein ein Volk siegen kann in allen Kämpfen nach innen und außen, die es zu führen hat. Auch dgs deutsche Volk muß wieder der Fahne des Gekreuzigten folgen, wenn es durch die Kämpfe, die ihm bevorstehen, wohlbehalten hindurchkommen, wenn es wach­sen, gesunden, erstarken will, wenn es die hohe Kulturaufgabe lösen will, die seine Stellung im Rate der Völker ihm zuweist. H.

Oeffentliche Rechtsauskunftsstellen.

Im Etat des preußischen Haushaltsetats für das Jahr 1904 erschien, so schreibt dieNational- lib. Korr.", zum erstenmal ein Etattitel über 30 000 <Mzur Förderung der nicht gewerbs­mäßigen Arbeitsvermittlung und Rechtsbeleh­rung für die minderbegüterten Bevölkerungs­kreise". Der Grundgedanke dieser staatlichen Anregung gab dem Oberbürgermeister von Deffau, Dr. Ebeling, auf dem Anfang September v. I. in Naumburg abgehaltenen Städtetage für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt Anlaß, die Errichtung öffentlicher Rechtsaus­kunftsstellen als eine obligatorische soziale Pflicht für alle größeren städtischen Gemein­wesen zu fordern, indem er die Bedürfnisfrage unbedingt bejahte und auf die politische Bedeu­tung solcher Institutionen als auf eine Brücke der Wiederannäherung an den Arbeiterstand hinweist. Die Organisation der städtischen öffentlichen Rechtsauskunftsstellen denkt sich Oberbürgermeister Ebeling ziemlich einfach: ge­eignete Rechtssekretäre würden sich unter den städtischen Beamten finden; zweckmäßig sei eine Ueberwachungskommission, bestehend aus Bei­sitzern des Eewerbegerichts, Unternehmern wie Arbeitern; im übrigen seien bei der Gründung die Größe der Stadt, ihre Finanzen und die Zu­sammensetzung ihrer Bevölkerung zu berücksich­tigen.

Im ersten Augenblick hat der Vorschlag zur Errichtung städtischer öffentlicher Rechtsaus­kunftsstellen gerade nach seiner sozialpolitischen Seite, etwas Bestechendes. Die Kehrseite der Medaille verdunkelt die strahlende Stirnseite ziemlich stark durch schwere Bedenken gegen die Verallgemeinerung und obligatorische Einfüh­rung dieser Auskunftsstellen. Diesen Einwen­dungen gibt der Bürgermeister von Schneide­mühl, Dr. Markull, imPreußischen Verwal­tungsblatt" freien Ausdruck. Er richtet sich

sind und daß Sie sich nicht bloß so geben, daß Sie so sind die bittere Erkenntnis ist es, die nun auch mich geschüttelt hat und mich hat rauh werden laffen! Mit Ihrem Bruder soll mich, das erbitte ich vom Geschick, ein Band wahrer Freundschaft umschlingen Ihre Abweisung kann ich aber, wenn? denn sein muß, erwidern. Und damit, Fräulein Stür ich habe die Ehre!"

Das Mädchen stand noch lange gebannt, hörte den metallischen Stimmenklang des Mannes nachhallen und sah im Geiste die schlanke, grade, im Zorne straff gespannte Gestalt noch immer dicht vor sich. Sie fühlte sich wie angewurzelt, der Kopf schmerzte, und ein Sausen nahm ihr fast die Besinnung.

Halb ohnmächtig schleppte sie sich an einen Stuhl, fiel schwer auf den Sitz und starrte wie geistesabwesend in das Lampenlicht. Erst all­mählich kehrte ihr die Besinnung wieder, die Augen brannten, dieSchläfe hämmerten stechend. Und das Hirn arbeitete schwer und peinigend.

Wie in einem Traumlande kam sie sich vor, so wirr schwammen ihr Erinnern und Empfin­den durcheinander. Und immer wieder wehrte sie sich gegen die gespenstisch auftauchende, manch­mal drohend deutliche Ueberzeugung, daß nicht sie, sondern er, der Gehaßte, als Sieger aus dem Kampfe hervorgegangen war, der so über­raschend sich entspannen, so wenig kurze Minuten nur gedauert und zu so schwerem unheilbaren Konflitte sich gesteigert hatte.

7. Kapitel.

Der junge Bräutigam hatte für seine Schwe­ster nicht c'r;u viel Aufmerksamkeit übrig und war fast nie mehr mit ihr allein. An den Sonn­tagen wanderte er meist mit der in ihrem Glücke blühenden Wiebke zu Tofohr oder nach dem Hoyerhof, und an den Wochentagen zog es ihn naturgemäß nach dem Heime der Braut. Hin und wieder fand sich die befreundete Gesellschaft auch bei Frederiksen zusammen, oder die Per­

prinzipiell gegen die obligatorische Errichtung städtischer, öffentlicher Rechtsauskunftsstellen und scheint auch die in ihrer Allgemeinheit auf­geworfene Bedürfnisfrage aus dem Grunde zu verneinen, weil der Rechtsschutz Sache des Staa­tes sei, der ihn allen seinen Gliedern angedeihen laffen müffe, der seine Eericbtssprengel auch gleichmäßig über das ganze Staatsgebiet ver­teile und dem Bauer wie dem Städter in der Verfolgung seiner Rechte Kostenfreiheit gewähre, wenn er die erforderlichen Mittel nicht besitzt. In Konseauenz dieses Standpunktes gelangt Bürgermeister Dr. Markull zu der unseres Willens noch von keiner anderen Stelle aus er­hobenen Forderung auf Anstellung von städtischen Armenanwälten analog den städtischen Armenärzten. Kegen die An­sicht des Oberbürgermeisters Ebeling, daß sich bei den städtischen obligatorischen Rechtsaus­kunftsstellen doch wohl leicht Rechtssekretäre unter den städtischen Beamten finden laffen. erhebt Bürgermeister Dr. Markull das schwer ins Gewicht fallende Bedenken hinsichtlich der Haftpflicht der Kommunen für etwaige un­richtige Rechtsbelehrung durch ihre dazu be­sonders bestellten Organe; denn die Hauptsache bleibe doch immer die Forderung, daß die Stadl­gemeinde, wenn sie ein derartiges Unternehmen in Szene setzt, auch die möglichste Gewähr für eine absolut zuverlässige Auskunftserteilung bie­ten müffe. Und falls dies durch einen Rechts­anwalt geschieht, sei eine besondere Auskunfts­stelle nicht erforderlich.

Aus diesen Einwedungen geht hervor, wie weit noch der Weg zu einer obligatorischen Ein­führung städtischer, öffentlicher Rechtsauskunfts­stellen ist. Indes wird die Erörterung dieser Frage nicht mehr aus der öffentlichen Diskussion verschwinden, bis sich ein praktisch erreichbares Ziel findet.

Deutsche Kolonien.

Südweftafrika. Unsere bisherigen Eesamtverluste an Menschen in dem jetzt 27 Monate dauernden südwestafrikanischen Ko­lonialkriege betragen nach einer amtlichen Zu­sammenstellung einschließlich der ermordeten Zivilbevölkerung 217 9 Seelen. Die militä­rischen Verluste vom Beginn des Bondelzwarts- aufstandes (Dezember 1903) bis 1. April 1906 belaufen sich auf 1957 Mann, davon sind tot 1226, verwundet 731. Wegen Krankheit oder in Rekonvalescenz befindlich resp. wegen Ueber- tritts ins Heer sind in die Heimat geschickt etwa 1200 Mann, krank sind in der Kolonie, also nicht dienstfähig, rund 800 Mann, so daß dieser indirekte Abgang 2000 Mann beträgt, von denen 1900 Mann als Verluste infolge des Feld­zuges zu rechnen sind. Der Eefechtsverlust der Truppe beläuft sich auf 1239 Mann (Tote 541, Verwundete 698), davon 118 Offiziere. Ge­fallen sind vor dem Feinde an Offizieren, Sa­nitätsoffizieren und höheren Beamten 57, an

wandten der Braut kamen mit dieser zu einem feierlichen Sonntagsbesuche nach dem Stürhofe.

Aber das mertte Ocko doch, daß seine Schwe­ster sich seit seiner Verlobung noch mehr in sich selbst verschloß als vorher, und daß selbst dem Vater ihr schweigsames, weltabgekehrtes Wesen aufzufallen schien. Ein bitterer Zug grub sich ihr um den Mund, und der Blick war verschleiert und verdunkelt; sie wurde krankhaft blaß, und in ihrem Schaffen und Hantieren lag oft etwas Mattes und Mutloses.

Selbst ihr Verhältnis zu dem Vater gab sich nicht mehr als das alte, und zuweilen hatte Ocko sogar den Eindruck, als ob etwas fragend Miß­trauisches sich zwischen die beiden gestellt hätte. Die Stirn des Alten war durchfurchter als ge­wöhnlich, und er beobachtete dann so eigen su­chend, so stutzig tastend und erwartend, fast lauernd; und sie wieder begegnete seinem un- rastigen Forschen mit einer Undurchsichtigkeit, in der Apathie, Kälte, Scheu, Unterordnung und schlummerndes Aufbäumen wunderlich ge­mischt schienen.

Sie hat was mit sich selbst vor," sagte Ocko einmal zu Wiebke.

Aber was es war, das in ihr rang und zum Lichte wollte, das ergründete er nicht und gab sich auch keine große Mühe dazu.

Ach, ich glaub, sie sieht nicht gern, daß ich als Deine Frau auf den Hof komme," meinte Wiebke beklommen.

Das redete ihr der Verlobte aus.

Daran denkt sie nicht. Nein, nein, da stimmt was anders nicht da fitzt etwas tiefet in ihr. Das wäre zu klein, Wieblieb; da gähtt was, was sie viel gründlicher anpackt, was viel Ernsteres, Lieb. Aber was, ja, das mag der Herrgott wissen. Ich glaub, sie selbst nicht einmal. Viel­leicht ists grade, daß sie was nicht will und 's doch nicht in der Gewalt hat, drüber wegzukom­men, daß es immer wieder da ist und wohl gar immer bestimmter wird und sie sich nicht dagegen wehren kann. Zu Dir ach, da ist sie ja gut,

Unteroffizieren 98, an Mannschaften 386, das Verhältnis der Chargen zum Stamm verhält sich also wie 1 :2,5. Verwundet wurden Offi­ziere usw. 78, Unteroffiziere 139, Mannschaften 481, das Verhältnis der Chargen zum Stamm ist hier noch ungünstiger, wie 1 :2,2. Sehr auf­fallend ist die geringe Zahl der an Wunden Ge­storbenen (74) im Verhältnis zur Gesamtzahl der Verwundeten (698). Hieraus dürfte man den Schluß ziehen, daß die Feinde entweder nicht sehr gut schießen oder aber, daß sie mit Absicht in die Beine und den Kopf schießen, was auch tatsächlich festgestellt ist. Schüsse in di« Beine wirken nicht tödlich, während die Kopf- schüffe fast immer sofort tödlich wirkten (siehe letzter Ueberfall au fden Transport Keller, wo alle 10 Toten Kopfschüsse aufwiesen). Aner­kennung verdient die sorgfältige Wundpflege, die eine tödliche Wirkung schwerer Verletzungen verhindert. Bemerkenswert ist, daß die Zahl der an Krankheiten Verstorbenen (567) der Zahl der Verwundeten (698) nicht viel nach- steht. Zu bedenken ist hier, daß unter diesti Rubrik alle aufgeführt werden, die Opfer de? gewaltigen Marschanstrengungen, an denen cs nie gefehlt hat, und der schlechten Verkehrsfern hältniffe geworden sind.

Kamerun. Aus London wird gemeldet, daß das Abkommen zwischen England und Deutsch­land über die Abgrenzung der Tschadseegebiete ratifiziert worden sei. Im Frühjahre 1903 ging eine Expedition unter Hauptmann Elauning dahin ab, die mit einer englischen gemeinsam arbeitete und im Frühjahr 1904 ihre Arbeiten abschloß. Dadurch wurde festgesetzt, daß die ehe­malige Residenz Rabehs, Dikoa, auf deutschem Gebiete liege. Jetzt ist nun also die Zugehörig­keit dieses bedeutenden Ortes zum deutschen Ge­biete besiegelt.

Samoa. Der stellvertretende Gouverneur von Samoa, Oberrichter Dr. Schultz, hat der JnsÄ Sawaii einen Besuch gemacht und die Verheer­rungen besichtigt, welche der tätige Vulkan ange­richtet hat. Er schreibt, daß die Eingeborenen dieses Gebietes alles verloren haben und Hilfe notwendig sei. Eine solche würde auch für unser Verhältnis zu den Eingeborenen sehr heilsam sein. Doch weiß man nicht, wie sie zu beschaffen wäre, denn von einer Vorlage an den Reichstag verspricht man sich nach seinem bisherigen Ver­halten zu den Kolonialforderungen nichts.

Ausland.

Rußland. In den Ostseeprovinzen und zwar in Riga hat sich jetzt auch eine konservative Partei gebildet, die sichbaltisch-konservative Vereinigung" nennt. An ihrer Spitze stehen an­gesehene Mitglieder des livländischen Adels und des alteingeseffenen deutschen Bürgertums Rigas, und das Programm ist der geschichtlichen Entwickelung der Ostseelande angepaßt. Die einzelnen Programmpunkte bestehen in folgen-

und deshalb hat das mit Dir nichts zu tun; aber mit uns andern, o ja. Wie sie zu mir ist und zu Vater... Und zu Vater am meisten... da mein ich gewiß, daß da waß hakt und nicht los werden will."

Den Besuch Behrends auf dem Stürhof hatte Karen nicht einmal erwähnt, und Martin Bch- rend schwieg davon gleich ihr.

Ocko erinnerte einmal den Freund an seine Zusage.

Nein, ich komme nicht", sagte Behrend ge­radezu.Nehmen Sie mirs nicht übel, lieber Stür. lleberall anders bin ich sehr gern mit Ihnen zusammen; aber der Stürhof ist mir ver­botenes Terrain."

Ocko Stür drang nicht in ihn.

Ich bin ja auch fast gar nicht mehr daheim", sagte er entschuldigend.

Von Karens Wunderlichkeiten fiel ihm nach Wochen eine neue auf: sie ging nicht mehr zur Kirche.

Wieder nicht?" fragte er sie eines Sonntags.

Karen verneinte stumm und entfernte sich, als wollte sie weiteren Fragen vorbeugen.

Seltsam, höchst seltsam!" dachte Ocko. Was wollte sie wieder damit? Etwa Behrend aus­weichen? Aber das hate sie doch nicht mehr nö­tig; denn seit seiner Verlobung war es doch ge­rade Behrend, der sich reserviert zeigte und eine Begegnung mit Karen ebenso mied, wie er st« früher offenbar gesucht hatte.

Oder paßte ihr auch das wieder nicht? Das durfte er ihr doch wohl nicht zutrauen.

Er dachte an Wiebke, der er auf den Grund des reinen, winkellosen Herzens schaute, und die komplizierte Seelenwelt der Schwester wurde ihm nur noch labyrinthischer.

Er eilte zu seiner Braut, um sie zur Kirche abzuholen, und erfuhr von Jens eine Neuigkeit die dann auch ihn vorn Kirchgang abstehen und dafür den Weg nach dem Hoyerhof nehmen lieffc

(Fortsetzung folgt.)