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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Alluktrirtes SonntaaSMatt.

M 86

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Neclamrn: die 9eile 25 Dm.

Marburg

DonnersLaa 12 April 1906.

Erscheint wöchentlich sieben nat.

Druck und Verlag' Joh. Slug. Koch, llmvrrsttätS-Duchdruckerek 41. Jahrg.

Marburg, Markt 21. — Telephon 55.

Die Wertzuwachssteuer.

I" der Berliner Ortsgruppe der Gesellschaft für soziale Reform hielt der Reichs- und Land- tagsabgeordnete Dr. Trimborn (Köln) einen interessanten Vortrag über die jetzt aktuell ge­worbene Wertzuwachssteuer. Er sprach aus der Erfahrung heraus, weil die fragliche Steuer (wie schon mehrfach berichtet) seit kurzer Zeit in Köln eingeführt ist. Am meisten interessierte dabei die Frage, wie in Köln die Wertzuwachs­steuer gestaltet worden ist.

20 (Nachdruck verboten.)

An der dänischen Grenze.

V Roman von Dietrich Theben.

F (Fortsetzung.)

Karen trat dicht an den Bruder heran.

„Du —ihr Atem streifte ihn, „das gönn ich ihm!"

,Ianu! Gönnst Du--wem denn?"

„Dem Hoyerhofer!" stieß sie hervor.

Zn ihm tagte es.

„Ah so! Ah, daher Deine schwesterliche Freude! Daher — ? Du bist ein braves Weib! Eine Herzensgute — äh — die Disteln im Korne sind doch nichts gegen das wuchernde Unkraut in Dir! Gift — Galle — unlieb alles!"

„Za, den haß ich!"

Es brauste in ihm.

„So! Und weil Du denkst, ich hätte Wiebke dem abwendig gemacht. —• •— Rein, nicht so schnell, mein Deern. Den Triumph hast Du nrcht —

„Den hab ich!"

„Der wollte nichts von Wiebke. Da hast Du — vorbeigeschossen, gründlich, weit!"

Wieder ein blitzschneller Wechsel in ihrem Ausdruck — ein Stutzen, ein Fragen — ein flackerndes Leuchten.

»Ich — irre mich nicht."

^"Elitz verschleierte sich sphinxhast, .

• „Ich leg Dir Deinen Anzug zurecht." der Tür drehte sie sich um.

„Grüß — Wiebke. Ich — will ihr gut sein."

-ann wieder Herzlichkeit.

- „Einfach verdreht," lachte Ocko. „Wie so ^"^Wetterfahne. Verrückt!"

Gedanken galten wieder bald aus» ^tteßnch der Geliebten, und sie flogen vorauf, > 5 er on der Seite des Vaters dem Hofe Frede-

Neueste Telegramme.

Berlin, 10. April. Fürst Bülow hat heute gum ersten Male das Bett verlassen. Auf seiner Erholungsfahrt wird der Kanzler von einem Vortragenden Rat begleitet sein und die lau­fenden Geschäfte selbst erledigen.

| Berlin, 11. April. Graf Kanitz hat einen Antrag auf Erhöhung der Ausfuhrzölle einge­bracht, der in der Steuerkommission, wo noch die Beschlußfassung über den in erster Lesung beratenen Ausfuhrzoll auf Kali und Lumpen zu erfolgen hat, zur Debatte gelangen soll. Der Antrag will Ausfuhrzölle legen auf Steinkohlen 10 Pfg. pro Doppelzentner, Braunkohlen 5 Pfg., Koks 15 Pfg., Kalirohsalze 2 Pfg., Abfall von Eespinnst waren 5 M, abgenützte Lederstücke usw. 5 M und auf Abfälle von rohem und ge­reinigtem Kautschuk 5 M. pro Doppelzentner. Traf Kanitz berechnet den Ertrag aus diesen Steuern auf 30 Millionen Mark.

Berlin, 10. April. Die „Berl. Pol. Rachr." schreiben: „Professor Paulsen, zweifellos eine unserer ersten Autoritäten auf dem Gebiete des Erziehungswesens und ein Mann von entschie­den liberaler Auffassung, hat sich bereits im Jahre 1894 sehr entschieden für das Schulkom- promiß ausgesprochen. Ebenso stehen die Pro­fessoren der evangelischen Theologie Pfleiderer und insbesondere Harnack, die doch sicher hoch­kirchlicher Neigungen nicht verdächtig sind, mit voller Entschiedenheit auf der Seite der Kon­fessionsschule und haben die Ermächtigung er­teilt, dies zu erklären."

Dresden, 10. April. Gegenüber der (gestern auch von uns gebrachten) Meldung einer Kor- respondenz von der nahe bevorstehenden Ver­lobung des Prinzen Johann Georg mit der Erz­herzogin Maria Annunziata sind die „Dresd. Nachr." ermächtigt, zu erklären, daß diese Mel­dung jeder tatsächlichen Begründung entbehrt.

Petersburg, 10. April. Das vorläufige Er- gebnis der Wahlen für die Reichsduma ist fol- gendes: Von 178 in 27 Provinzen zu wählen­den Mitgliedern der Duma sind bis jetzt 141 gewählt. Davon gehören 79 der Linken, 16 dem Zentrum, 4 der Rechten an; 42 Mitglieder neh­men keine bestimmte Parteistellung ein. In 37 Fällen findet eine engere Wahl statt.

„Wir gingen,“ sagte der Redner, „in der Stadtverordneten - Versammlung davon aus, daß das System von Frankfurt a. M. im allgemeinen zur Grundlage dienen sollte. Vielfach sind wir jedoch von jenem Muster ab­gewichen. Zunächst bewirkten wir eine Ver­koppelung der Wertzuwach sst euer mit der Umsatz st eu er. Bisher wurde bei uns für bebaute und neubebaute Grundstücke eine Umsatzsteuer von 1 Prozent erhoben mit einem Zahresertrage von etwa 800 000 Mark. Wir erhöhten sofort die Umsatzsteuer auf 2 Pro­zent. Dabei sahen wir aber vor. daß die Wert­zuwachssteuer auf die Umsatzsteuer bis zu 50 Prozent an gerechnet werden darf. Die Berech­nung des Wertzuwachses ergibt die vom Ver­käufer zwischen Erwerb und dem Verkauf er­zielte Wertsteigerung. Wir haben jedoch diesen allgemeinen Grundsatz wesentlich modifiziert gegenüber dem Frankfurter Snsteme. Wir re ch n e n nämlich dem früheren Er­werbs preise noch folgende Po st en hinzu:

a) bei unbebautem Besitz 4 Prozent Zinsen.

b) bei jedem Besitz: alle Verbesserungen (Aufbauten, Straßenbaukosten rc.),

c) 5 Prozent als Kosten des Erwerbs.

Außerdem werden vom Verkaufspreise noch die Ko st en der Veräußerung, soweit sie den Verkäufer treffen, abgezogen. Erst von dem verbleibenden Reste wird die Wertzuwachs­steuer erhoben.

Was die Steuersätze anlangt, so bleibt von vornherein ein Zuwachs von 10 Prozent des Selbstkostenpreises frei. Es soll dadurch die normale Wertsteigerung unberührt bleiben. Wenn bei Verkäufen eine Wertsteigerung von 10 bis 20 Prozent des Selbstkostenpreises erzielt wird, so berechnen wir eine Steuer von 10 Pro­zent. die dann entsprechend einem höheren Ver­kaufspreis bis 25 Prozent ansteigt. Die Sätze gelten aber nur, wenn ein Grundstück innerhalb der ersten fünf Jahre weiter veräußert wird. Sie mindern sich um ein Drittel, wenn das Grundstück länger als 5 Jahre, und um zwei Drittel, wenn es länger als 10 Jahre in den Händen des Dorbesitzers blieb.

Praktisch st eilt sich also zum Bei­spiel die Sache folgendermaßen:

A. kauft ein Haus zu 380 000 Mark und ver­kauft es innerhalb 5 Jahren zu 460 000 Mark. Hier würde der Wertzuwachs 80 000 Mark be­tragen. Nun lassen wir aber 5 Prozent Erwerbs­kosten und außerdem für Verbesserungen etwa 20 000 Mark ab, so daß der versteuerbare Wert­zuwachs 41 000 Mark beträgt. Von vornherein sind von der Wertzuwachssteuer befreit die An­käufe bei gerichtlichen Zwangsversteigerungen, wofern der Ersteher als Hypothekengläubiger beteiligt war, ferner die Ankäufe bei Ver­äußerungsverträgen zum Zwecke der Teilung und in solchen Fällen, wo der Fiskus Grund­stücke enteignet.

Unser Steuerversuch ist einstweilen auf fünf Jahre berechnet, da erst dessen Wirkungen ab­gewartet werden sollen. Man hat in Köln an-

riksens zuschritt. Der Alte ging auf dem glatten Boden langsam, vorsichtig, stützte sich auf seinen Krückstock. Je näher sie dem Hofe kamen, um so mehr richtete Sven sich aus seiner gebeugten Haltung auf und grade, mannhaft, würdig trat er Jens Frederiksen gegenüber.

„Es ist lange her, Jens", begann er zu spre­chen, „daß Ihr mich bei Euch gesehen habt. Zu­letzt damals, als wir Deinen Vater den letzten Weg hinausbrachten. Das war e:n schwerer Tag. Heut möchts einer — der Freude werden. Da steht mein Zunge, Jens, und für den komm' ich mit. Der will Deine Schwester Wiebke als feine Frau auf den Stürhof führen, und da wollt ich Dir sagen, daß ich — nichts einzuwenden hab'. Und wollt Dich fragen, ob Du ein Za oder ein Nein hast. Sprichs kurz und bündig."

„Ich hab' kein Nein, Sven," entgegnete Fre­deriksen ernst. „Unser Ja war für Dich und Deinen Sohn bereit, feit Wiebke uns gestern abend ihr Glück herausgeweint hat. "

„Dann schlag ein und hol' die Deern!"

Schüchtern, glühend kam Wiebke und legte ihre Hand fast furchtsam in die des alten Stür- hosers.

„Jens, da hast Du eine Braut im Haus — und da müßt Zhr sacht umgehen. Und ich werd' meinen Querkopf zurechtrücken, Deern, daß Du auch mit mir auskommst. Und nun braue eine Bowle, Zens, daß wir auf die beiden anstoßen."

Die Fähigkeit lauter Freudensbszeugung war dem Stürhofer nicht gegeben oder, wenn sie ein­mal da war, ihm längst abhanden gekommen. Aber der Verlobungsabend verlief trotz der Stille doch ohne Trübung, und nur tief im Inner bohrte in Sven Stür lose ein Stachel, daß er imstande gewesen war, da? die Familien politisch Trennende nach so kurzem Kampfe mit sich selbst zu überwinden. Zu seiner Rechtfer­tigung sagte er sich aber, daß ja Jens Frederik­sen nie einen schroffen Parteistandpunkt ein»

fangs unserem Versuche viel Widerstreben ent­gegengebracht, schließlich aber haben sogar die Grundbesitzer unserem Plane zugestimmt, weil festgestellt werden konnte, daß gegen 80 Prozent aller Grundbesitzer überhaupt nicht von der neuen Steuer betroffen werden, weil wir in der Mehrzahl mit seßhaften Bürgern zu rechnen haben. Fest steht, daß die fragliche Steuer nur für große Städte in Betracht kommen kann, weil der Wertzuwachs auf dem platten Lande nur ein minimaler ist. Bei unserem Vorgehen in der Kölner Stadtverwaltung wollten wir in erster Linie die großen Gewinne treffen, die auf außerordentliche Maßnahmen der Stadt zurück­zuführen sind. Ebenso die Gewinne der Grund­stücksspekulation. Nur ganz leicht sollte jener Wertzuwachs getroffen werden, der sich im Laufe der Zeit naturgemäß, namentlich bei Wohn­häusern ergibt. Wir betrachten die Sache nur als Versuch und haben deshalb auch nur für sie 20 000 Mark in den Etat eingestellt. Unsere Ueberzeugung geht dahin, daß das Projekt sich schließlich in allen Großstädten Bahn brechen wird."

Die kölnische Wertzuwachssteuer charakteri­siert sich nacb diesen Darlegungen als ein System von ganz außerordentlicher Vorsicht. An wilder Agitation dagegen hat es trotzdem nicht gefehlt. Mit Schlagworten: Vermögenskonfiskation, Unterbindung der Bautätigkeit, Ruin der ge­funden Spekulation u. dgl. hat man auch die Kölner Bürgerschaft in Aufruhr zu bringen ge­sucht. Trotzdem hat die Stadtverordnetenver­sammlung mit allen gegen eine Stimme die Zuwachssteuer angenommen und damit einen kühnen Schritt getan zur Durchführung eines Prinzips, dessen hohe Bedeutung für die kom­munale Steuerpolitik und dessen Gerechtigkeit außer Frage steht. Wird Marburg folgen?

Deutsches Reich.

Berlin, 11. April.

— Seine Majestät der Kaiser, die Kaiserin und Prinz Oskar unternahmen gestern, Diens­tag, morgen einen Spazierritt im Tiergarten. Der Kaiser hörte später im königl. Schloß die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts, des Chefs des Adrniralstabes der Marine und des Stellvertreters des Chefs des Marinekabinetts. Später nahm der Monarch eine militärische Meldung entgegen.

— Während die Sozialdemokratie nicht oft genug über „das bischen Sozialreform" höhnen kann, urteilt die gewerkschaftliche Presse ganz anders. Selbst das Zentralorgan der sozial­demokratischen Gewerkschaften legt dafür in seiner Besprechung der Rechnungsergebnisse der deutschen Invalidenversicherung im Jahre 1904 Zeugnis ab. Beispielsweise knüpft das Organ der Eeneralkommission an Zahlenangaben über die Beitragserstattungen folgende Bemer­kungen: „So gering diese Summen im Einzel­fall sein mögen, so bilden sie doch für die Ab­

genommen hatte, sondern bemüht gewesen war, sich auf einer mehr mittleren Linie zu halten. Eine Swensen, Pagge oder Hibbensen — er dachte aufkochend unwillkürlich an den Wahltag und die drei treulos Umgefallenen — nein, die hätte er von sich gewiesen — aufgebracht und unwiderruflich.

Die Freudenbotschaft flog am Dienstage zu Tofohr hinüber, und am Nachmittage kam auch Karen Stur glückwünschend in das Brauthaus. Sie gab sich heiter zu den Frederiksen und zwang sich zu harmlosem Plaudern mit dem Tofohr- schem Ehepar.

Gegen Abend schied sie, weil der Vater fort­gefahren war, Ocko doch jedenfalls zu seiner Braut wollte und die große Wirtschaft nicht ohne Aufsicht bleiben sollte.

Martin Vehrend hatte noch keine Ahnung, daß der Liebestraum seiner jungen Gäste so rasch in Erfüllung gegangen war. Er hatte auch eine ganz nabe Entscheidung nicht einmal in seine Phantasie gezogen, sondern nur immer mit der mehr oder minder fernen Möglichkeit gerechnet. So nahm er denn fast um dieselbe Zeit, als der Bräutigam vom Hause forteilte, den Weg nach dem Stürhof, um Ocko den versprochenen Abend­besuch abzustatten.

Der Himmel war mit Sternen übersät und der im letzten Viertel stehende Mond sandte mit ihnen sein fahles Licht auf die winterliche, wenn auch schneefreie Erde.

Als der Wanderer auf dem Stürhof ange­langt war, tauchte ein rotes Licht vor ihm auf. Erst ein kleiner, ferner Punkt, dann wachsend, verschwimmend, trotz der klaren Luft von einem Nebelkranz umrahmt und der rote Kern bren­nend in der Mitte von Gold und Silber.

Der Hofhund bläffte, und die Haustür klin­gelte aufdringlich schrill.

Verwundert kam Karen auf den Vorflur, pnd das hinter ihr herfallende rote Lampenlicht

hebenden meist eine schätzbare Hilfe. Insbeson­dere tritt die Beitragserstattung wegen Sterbe» falls mehr und mehr in den Rang einer Sterbe» lasse ein. Die Beitragserstattungen wegen Hei* rat weifen der Zahl nach eine geringe Abnahme auf ... Es kann den weiblichen Versicherten nicht dringend genug empfohlen werden, auf den verhältnismäßig geringfügigen Betrag zu verzichten und sich vielmehr durch freiwillige Weiterversicherung die Rechte der Invaliden­versicherung zu erhalten. Mögen die Leistungen der letzteren auch nicht bedeutend fein, so sind sie immerhin bedeutungsvoll für diejenigen Pe­rioden des physischen Elends, in denen bet Ver­sicherte solcher Unterstützung bedarf. Die Ge­werkschaften und Arbeitersekretariate, die die Arbeiterinnen auf die Weiterversicherung Hin­weisen, erwerben sich um die soziale Fürsorge ein großes Verdienst." Unumwundener kann der Wert, welchen die Invalidenversicherung selbst für die soziale Fürsorge hat, nicht aner­kannt werden.

— Von den 130 sozialdemokratischen Abge­ordneten, die seit 1867 bis jetzt dem Reichstage angehört haben, waren 28 Schriftsteller, 23 Re­dakteure, 10 Gastwirte, 4 Rechtsanwälte, 5 Tischlermeister, 8 Zigarrenfabrikanten, 4 Zigar­renarbeiter, 3 Kaufleute, 3 Druckereibesitzer, 3 Vorsitzende von Gewerkschaften, 3 Arbeiter­sekretäre, 2 Schneider, 2 Schuhmacher, 2 Buch­händler, 2 Buchbinder, 2 Expedienten; ferner 1 Kehlleistenfabrikant. 1 Sattler, 1 Drechsler, 1 Bergmann, 1 Photograph, 1 Holzbildhauer, 1 Lehrer, 1 Kassierer, 1 Instrumentenmacher, 1 Lederhändler, 1 Buchhalter, 1 Handschuhfabri­kant, 1 Prokurist, 1 Tapezierer, 1 Kupfer­schmiedemeister, 1 Töpfergehilfe und Vorstand der Ortskrankenkasse, 1 Maschinenbauer, 1 Web- roarenfabrilant, 1 Hutmacher, 1 Schreiner, 1 Arzt, 1 Sanitätsrat, 1 Rentier, 1 Kammer- gerichtsreferendar und ein Hofbaurat. Aus der Arbeiterklasse schickt die Sozialdemokratie recht wenig Leute ins Parlament. Unter den 130 Genossen waten eigentlich nur 16 wirkliche Arbeiter.

Der Ausbruch des Pesuvs.

Neapel, 10. April. Erst jetzt kommen No-*- richten über das gestrige große Unglück in Giuseppe. Die Kirche, die schon alt und An­fällig war, war meterhoch mit Asche bedeckt. 9h» Morgen waren 300 Personen in ihr versamm-» als das Dach einstürzte; etwa hundert Personen konnten sich retten, die übrigen wurden ver­schüttet. Gleichzeitig stürzten andere Käufer ein und erschlugen hunderte von Menschen. Nach der letzten optimistischen Schätzung zählt man über 400 Tote und zahllose Verwundete. Die Asche in den Straßen liegt vier Meter hoch. Die Verwundeten blieben lange ohne jegliche Pflege. Auch die Soldaten des Rettungsdienstes waren des Zimmers umriß ihre Gestalt mit einem matten, magischen Feuerschein.

Sie konnte den Ankömmling, der sich noch tm Dunkeln befand, nicht erkennen, vermutete aber wohl einen nicht unangenehmen Besuch und fragte freundlich: „Na, wer .chnert denn da noch her?"

„Pardon, Fräulein Stür — ich wollte zu Ihrem Herrn Bruder," entgegnete Vehrend ruhig. .

Der Klang der Stimme traf sie wie ein Peitschenschlag.

„Wie —? Herr — Vehrend?"

„Ich bin es. Fräulein Stür. Wollen Ste mit einzntreten erlauben?"

Sie schwankte einen kurzen Augenblick.

„Bitte!" klang es dann schneidend.

Sie trat in die Stube zurück und Vehrend folgte ihr. „ , v

„Verzeihen Sie,“ bat Martrn Vehrend. „Zhr Herr Bruder hatte mich eingeladen —*

Sie bot dem Unwillkommenen keinen Stuhl an und setzte sich auch selbst nicht. Ihre Auge« flimmerten, über ihr Antlitz jagte eine fliegende brennende Röte.

„Ocko ist hoffentlich zu Haus?" fragte Veh» rend, dem die Situation nicht ganz behaglich war.

„Nein!" stieß sie einsilbig aus, und Vehrend beobachtete eine feindselige Kampfeslust in ihrer Haltung und ihren Gebärde«.

Das reizte ihn aus .

„Nein!" wiederholte er. „Und Ihnen komme ich völlig ungelegen —?*

„Das muß ich bestätigen!" erwiderte sie offen herausfordernd.

Vehrend fühlte sich von einer fortreißende« Erregung und dem Vorsätze gefaßt, den Anlaß zu einer verständlichen Abrechnung wahrzu». nehmen.

Wortsetznng folgt.)