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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jlluktriries SonntaasLlatt.

Vierteljährlicher Bezugspreis, bet on Expedition 2 Mtz, oi bet allen Postämtern 2,25 Mk. xt$cL Bestellgeld).

Insertion sgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Rcclamen: die .9-ile 25 Pfo

Marburg

Dienstag 10. April 1906.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, llnivcrsitätS-Buchdruckerct 41. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon oo.

Bestellungen

für das zweite Quartal 1906 auf die »Oberhesfische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern ent­gegengenommen.

Der Ausbruch des Vesuv.

Rom, 7. April. Von den beiden neuen Aus- slußoffnungen des Vesuv befindet sich eine in halber Höhe des Konus, die andere in seiner Basis in der Gegend der Ciaramella. Zuerst drang aus dieser Oeffnung ein dichter schwarzer Flammenstrom heraus. Die Lava, die in der Richtung Voscotrecase und Pompei fließt, ist von dichten Wolken und Rauch verdeckt. Hier und da haben sich andere Oeffnungen gebildet. In Voscotrecase dauert die große Panik an. Auf den Plätzen hat die Bevölkerung Statuen von St. Anna und St. Gennaro ausgestellt, vor denen ein Teil der Bevölkerung betet, während andere sich bemühen, ihren Hausrat aufzuladen und abzufahren. Mehr als 1000 Hektar Landes sind zerstört. Man erwartet von Stunde zu Stunde, daß die Lava den Häusergürtel von Voscotrecase erreicht. Der Bürgermeister erbat von der Regierung die Entsendung von Trup­pen und Artilleriekarren für den Transport der Habe der Einwohner. In Neapel dauert der leichte Asche- und Sandregen noch an.

Neapel, 7. April. Nach einer der Zeitung Mattino" heute morgen 6 Uhr vom Bahnhof der Vcsuvbahn zugegangenen Meldung ist Bos- eotrecase vollständig von dem Lavastrom einge- fchloffen. Reisende, die von Torre Annunziata zurückkamen, haben vom Zuge aus vor Vosco­trecase ein großes Gebäude, das von der Lava eingeschloffen war, in Flammen stehen sehen. Die ganze Bevölkerung von Voscotrecase ist von Schrecken erfaßt und flüchtet, meist unter Preis­gabe der Möbel, da keine Transportmittel vor­handen sind. Auch in Torre Annunziata tz......>cht

unter der Bevölkerung große Aufregung. In Voscotrecase und Torre Annunziata sind die Häuser geräumt: nach den bedrohten Orten, die bereits stark gelitten haben, sind Truppen ent­sandt. Es sind noch weitere Oeffnungen in dem Vulkan entstanden, und Neapel gegenüber fließt der glühende Strom auf Terzigno zu, bis jetzt scheint aber eine Gefahr für die Wohnstätten nicht zu bestehen.

Neapel, 7. April. Der Lavastrom des Vesuv ist, obwohl die Schnelligkeit etwas abgenommsn hat, bis auf 600 Meter an die Behausungen von Voscotrecase herangekommen. Die Bevölkerung verließ diesen Ort und zieht die Landstraße ent­lang, um ihre Habseligkeiten weiterzuschaffen. Der Schaden, der an den Besitztümern angerich­tet worden ist, ist sehr bedeutend. Der Präfekt von Neapel ist an Ort und Stells geeilt.

Neapel, 7. April. Der Aschenregen hält hier an. Seit dem frühen Morgen kommen Wa­

Zweites Blatt.

gen aller Art an, welche die Einwohner von den in der Nähe des Vesuv liegenden Gemeinden mit sich führen. Die Straßen zum Vesuv sind von Karabinieri besetzt, welche die Menge ver­hindern, sich dem Lavastrom zu nähern. Nach einer Sonderausgabe desMattino" ist die Ge­fahr für Torre Annunziata beseitigt. In Bos- cotrecase ist sie jedoch größer geworden. Wie ein anderes Blatt meldet, sind bereits 8 Land­häuser in der Nähe von Torre Annunziata durch die Lava zerstört worden.

Rom, 8. April. Die Nachrichten vom Vesuv lauten immer trauriger. 500 Hektar Acker sind schon zerstört. Voscotrecase soll schon ganz vom Lavastrom umzingelt sein. Ein neuer Krater hat sich um 9 Uhr vormittags am Westabhang ge­öffnet, der die Lava nach Ottojano sendet. Der Kardinal Prisco und der Herzog von Aosta eilten zu den bedrohten Stellen. Auch mehrere Kompagnien Infanterie sind dorthin abge­gangen.

Refina, 8. April. Der Direktor des Vesuv- Observatorium teilt mit: Der Ausbruch des Vesuv hat einen außerordentlichen Umfang an­genommen. Während des gestrigen Tages und der vergangenen Nacht war die Tätigkeit des Kraters schreckenerregend. Sie nimmt noch im­mer zu. Die ganze Umgegend des Observato­riums ist von Lava bedeckt. Weißglühsnds Brocken werden in ungeheurer Zahl bis zu 8G0, sogar bis zu 1600 Meter in die Höhe geschleudert und bilden, nachdem sie niedergefallen sind, einen großen Kegel. Andere Lavamaffen ent­strömen anscheinend einem Krater, dessen Lage noch nicht sicher bestimmt ist. Das mit den Aus­brüchen verbundene Getöse und der durch das Aufeinanderpraffeln des herausgeschleuderten Gesteins verursachte Lärm ist betäubend. Die Gebäude befinden sich in unaufhörlicher, leb­hafter Erschütterung. Die Apparate drohen entzwei zu gehen. Wahrscheinlich wird es nötig werden, die Beobachtungsanstalt zu verlassen. Diese ist häufig elektrischen Entladungen aus­gesetzt. Der Telegraph ist unterbrochen. Man glaubt, daß die Drahtseilbahn zerstört ist.

Rom, 8. April. Eine Sonderausgabe des Giornals d'Italia" berichtet über die Eruption des Vesuv: Nach einer Meldung aus Portici ist das Vesuv-Observatorium zerstört. Der Vul­kanologe Professor Matteucci, die Angestellten des Observatoriums und die dort befindlichen Karabinieri hatten es noch rechtzeitig verlassen können. Auch der Vefuvführer ist gerettet. Die Cookfchen Vefuvbahn ist vollständig in Lavamaf- fen überdeckt und zerstört. Torre Annunziata ist in großer Gefahr. Auch die Chaussee zwischen Torrs del Greco und Torre Annunziata ist be­droht. Die Behörden des letztgenannten Ortes, welche fürchten, daß die Lavamassen Torre An­nunziata überziehen, haben daher verlangt, daß mehrere Epezial-Trambahnwagen herbeige- schafft werden zum Transport der Bevölkerung, die in voller Hast den Ort unter Mitnahme der wertvollsten Gegenstände verläßt. Viele Sol­daten haben sich bei der Rettung von Frauen, Kindern und Greifen rühmlichst hervorgetan.

Neapel, 8. April. Der Ausbruch des Vesuv nimmt eine immer drohendere Gestalt an. Der Lavastrom von 7 Metern Tiefe und 200 Metern Breite nähert sich mit beunruhigender Rasch­heit den Wohnhäusern von Torre Annunziata und der Nordseite von Pompeji. Die Lava hat einen Kirchhof und einige Grundstücke über­schwemmt und einige Häuser zerstört. Der in

vorletzter Nacht in Ottajano gefallene Aschen­regen bedeckt den Boden 30 Zentimeter hoch.

Neapel, 8. April. DemMattino" zufolge ist Ottajano in großer Gefahr. Der Lavastrom, der zwei Kilometer vor Terzigno Halt gemacht hat, ist doppelt so stark geworden und hat auch an Schnelligkeit bedeutend zugenommen. Por­tici ist von dichten Aschenwolken umgeben. Bos- cotrecase ist von der Einwohnerschaft vollständig verlassen. Diese hat sich größtenteils nach Torre Annunziate begeben, das jedoch ebenfalls schwer bedroht ist.

Marburg und Umstehend.

(Nachdruck aller Origmalartikel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nur mit der deuilichen Quellenangabe Obcrbeff Ztg." gestattet)

9. April.

»k> Kriegerkameradschast Marburg. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung der Kriegerkameradschast fand am Sonabend den 7. d. Mts. in ihrem Vereinslokal (Nestaur. Bopp) statt. Der Vorsitzende Herr Robert Becker eröffnete die Versammlung indem er die erschienenen Kameraden begrüßte. Ferner ge­dachte er der verstorbenen Kameraden Horn und Mal und des Vereinsdieners Kaletfch und sprach den Wunsch aus, daß der Tod im neuen Jahre unter den Kameraden sich keine Opfer holen möge. Hierauf erstattete der Kassierer Herr M. Wegener den Geschäftsbericht für das abgelaufene Jahr. Die Mitgliederzahl betrug Ende 1904/5: 17 Ehrenmitglieder und 213 Mit­glieder. Eingetreten sind in 1905/6: 2 Ehren­mitglieder, 42 Mitglieder: abgegangen find durch Wegzug 18 Mitglieder, durch Tod 2 Mit­glieder, sodaß der Bestand Ende 1905/6 19 Ehrenmitglieder und 254 Mitglieder beträgt. Von letzteren sind 53 Kriegsveteranen und 7 In­haber des Eisernen Kreuzes. Das Vereins-Ver­mögen beträgt Ende 1905/6: 4712,97 M. An Unterstützungen wurden im Jahre 1905/6 ge­zahlt: 1. an den deutschen Kriegerbund, Kur- hessischen Kriegerverband und Waisenhäuser 133,20 2. an hilfsbedürftige Mitglieder bezw.

deren Hinterbliebenen 177 -ll, an Sterbegeldern 324,10 * *.!(, zusammen 634,30 M. Die nunmehr erfolgende Vorstandswahl ergab folgendes Re­sultat: Es wurden wiedergewählt die Herren N. Becker als 1 .Vorsitzender, M. Nückel als dessen Stellvertreter, W. Klingelhöfer als Schrift­führer, M. Wegener als Kassierer und K. Quest als Beisitzer. Neugewählt wurde Kamerad I. Schmidt als Beisitzer.

* Dem Verband deutscher Touristenvereine gehören jetzt 54 Gebirgsvereine mit 142 603 Mitgliedern an. Der stärkste Verein in diesem Verbände ist der Schwäbische Albverein mit 28 000 Mitgliedern: ihm zunächst folgt der Harzklub mit 17 298 Mitgliedern. Der Badische Echwarzwaldverein hat 10 600, der Sauerländer Eebirgsverein 101000, der Erzgebirgsverein 8500, der Vogesenklub 6936, der württember- gische Schwarzwaldverein 6792, der Odenwald­klub 6035, der Eifelverein 5500, der Pfälzer­waldverein 4266 und der Taunusklub 4000 Mit­glieder. Ueber 3000 hat der Rhönklub, der Elatzer und der Vogtländiiche Eebirgsverein: mehr als 2000 Mitglieder hat der Verein für Mosel, Hochwald und Hunsrück, der Niederhes­sische Touristenverein, der Westerwaldklub und der Verein der Speffartfreunde.

* Amtliche Sprachreinheit. Es ist erfreulich, zu beobachten, wie die Sprachbewegungen jetzt auch in amtlichen Kreisen immer mehr an Bo­den gewinnen. DieZeitschrift des Allgemeinen

Deutschen Sprachvereins führt in ihrer letzten Nummer wieder einige Beispiele dafür an. So wird u. a. bekannt, daß das württembergische Finanzministerium die Dienstbezeichnung Montierungsverwaltung für die Forst- uni Steuerwache" umgeändert hat inBekleidungs­amt für die Forst- und Steuerwache". In der letzten Nummer desReichsgesetzblattes" ist der Zusatz zum Handels- und Zollvertrage zwischen dem Deutschen Reiche und Oesterreich-Ungarn veröffentlicht worden. In der Anlage A sind auf 63 großen Druckseiten die Zölle für die Einfuhr in das deutsche Gebiet Beträge t« Mark angegeben, in Anlage B die für di« Einfuhr in Oesterreich-Ungarn geltenden tu Kronen angegeben aufgeführt. In A sind Fremdwörter ganz vermieden. Nur einige we­nige, deren Ersatz ohne Umschreibungen zurzeit wohl nicht gut angängig war, sind noch geblie­ben, z. B. Villard, optisches Glas, Opaleszent­glas, Toilette- und Nippsachen u. a. Im übri­gen ist mit der Verdeutschung rücksichtslos vor- gegangen worden, so steht z. B. Roh- und Rein­gewicht für das häufig für unentbehrlich ge­haltene Brutto- und Nettogewicht, Warenein­bringer statt Importeure, im Geviert statt im Quadrat, vom Hundert, tierische und pflanzlich« Spinnstoffe, Briefumschläge in Behältnissen, luftdicht usw. Aber wo ein Mißverständnis im entferntesten denkbar war, sind in Klammern die Bezeichnungen der fremden Sprache beige- fvgt. Die Verdeutschungen sind außerordentlich lehrreich, weil meist keine wörtliche Ueber» setzung, sondern in der Regel ein sinngemäßer Ersatz stattgefunden hat. Eleiswage (Zentesi- malwage): getränkte (imprägnierte): entkeimt (sterilisiert). Gallerte (Gelees): wafferbindend (hydraulisch); formbar (plastisch): Erdöl (Pe­troleum) ; Easkohle (Retortenkohle); Holzgeist (Methylalkohol); Gerbstoffauszüge (-extrakte); Käsestoff (Casein); zugerichtet (appretiert); ausgerüstete (garnierte) Männerhüte: halbgs» bleicht (cremiert); mit Salpetersäure behandelt (nitriert): Wirk- (Trikot-) waren;, Abreib- (Frottier-)bürsten; Zellhorn (Zelluloid); Holz­stoff (Zellstoff, Zellulose); Schmelzglas» (Email-)mässe; gefeldert (facettiert); Zelleit, schmelzarbeiten (sogenannte Clorsonneewaten). Gleich erfreulich und dankenswert ist, die uinb liche Bemühung um die Sprache in einem jetzi: dem Reichstage vorliegenden Entwürfe zur Ak- änderung des Allgemeinen Berggesetzes vom 24. Juni 1865. Da finden sich fast durchgängig klare und angenehm kurze Sätze, die auch für den Durchschnittmenschen beim ersten Lesen stündlich sind. Die selbst im Bürgerlichen setzbuch noch häufige Unsitte, das rasche, umritt, telbare Verständnis durch Anführung, von Pa­ragraphen unmöglich zu machen, ist in diesem Entwürfe meist vermieden. Endlich 4~:'' ernste Streben nach Sprachreinim'" sichtlich zutage.

6 Eine neue Submisfionsblüte. Bi' dingung von Kanalisationsarbeiten im Stabt erweiterungsgebiet von Metz war die böchsts Forderung 135 362 M, die niedrigste 46 003 M Der Nächsthöchste forderte 94 816 M, der Nächst­niedrigste 54 257 cH.

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